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            <title type="main">Donnerstag, der  3. November 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_01">Donnerstag, 3. November 1977<lb/>
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über die die VÖEST solange mit den Bulgaren verhandelt hatte,<lb/>
jetzt auch verlorengegangen ist. Die VÖEST hatte zuerst 240 Mill.<lb/>
verlangt, die Bulgaren hätten ein Gegenangebot von 222 Mill. ge<lb break="no"/>stellt, wo sie akzeptiert hätten, die VÖEST hat leider zwei<lb/>
Tage diesen Endtermin überschritten, ohne zuzuschlagen, jetzt<lb/>
wäre sie bereit auf 210 Mill. zurückzugehen, doch haben die Bulga<lb break="no"/>ren bereits anderweitig abgeschlossen. Als einziges Geschäft, in der<lb/>
letzten Zeit wurde ein Skilift mit 40 Mill. vereinbart. Der bulgari<lb break="no"/>sche Export wird daher sehr zurückgehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> soll an den österr. Handelsdelegier<lb break="no"/>ten in Sofia ein geharnischtes Schreiben schicken und seine<lb/>
Vorschläge zur Exportsteigerung verlangen.<lb/>
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wieder einmal nicht kommen, aber <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs> und <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs> wollten<lb/>
von mir wissen, wie ich jetzt endgültig entscheide. Ich zog zur<lb/>
Sitzung sofort Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> bei, so dass wir sofort in<lb/>
eine sachliche Diskussion einsteigen konnten. Da <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
um 10 Uhr andere Verpflichtungen hatten, wurde am Abend fortge<lb break="no"/>setzt. Die Personalvertreter zeigten auf die bisherigen Leistungen<lb/>
von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl</rs> im Vergleich zu Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> aber mussten sie<lb/>
letzten Endes erkennen, ja sogar zugeben, dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> auf allen<lb/>
Gebieten überlegen war. Meine Argumentation, wieso <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> eine<lb/>
derartige Initiative überall entwickelt, auf der Hochschule<lb/>
tätig ist, die geologische Bundesanstalt auf ihn zurückgreift<lb/>
während <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl</rs> gerade sich ausschliesslich auf die Sicherheits<lb break="no"/>fragen beschränkt, der eine also eine allumfassende Initiative<lb/>
entwickelt, der andere aber nur sein Gebiet betreut, hatten sie<lb/>
kein Gegenargument. <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs> erkannte sofort, dass diese Entschei<lb break="no"/>dung eindeutig für <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> ausfiel, weshalb er sich auf sein Mandat<lb/>
zurückzog, nämlich im Namen der Personalvertretung zu klären<lb/>
hätte, welche Entscheidungsgründe ich hätte und sie jetzt ihrem<lb/>
Ausschuss berichten werden. Bis Mittwoch nächster Woche werden sie<lb/>
und endgültig eine Stellungnahme abgeben. Damit habe ich einmal<lb/>
mehr wieder gezeigt, dass obwohl die Personalvertretung aus ihrem<lb/>
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Terminablauf trotzdem bereit bin, mit ihnen zu verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_05">Im Klub hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet, dass er auf den Vorwurf <rs type="person" ref="#per__97444">Fischers</rs><lb/>
der ÖAAB käme in die Nähe der seinerzeitigen Lizitationspolitik<lb/>
der KP eine Unzahl von Briefen bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sieht<lb/>
darin eine gute Organisation des ÖAAB, der sofort reagiert,<lb/>
etwas was er bisher auch des öfteren wünscht, wenn z.B. eine<lb/>
Aktion der Regierung von unabhängigen Zeitungen attackiert<lb/>
wird, möchte oft, dass soz. Organisationen oder einzelne<lb/>
Funktionäre, die was noch besser ist, an diese Zeitung entsprechende<lb/>
Briefe schreiben. Dies hat scheinbar nicht gut funktioniert.<lb/>
Um so mehr beeindruckt ihn natürlich, wenn der ÖAAB dies zusammen<lb break="no"/>bringt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet dann über die Vereinbarung über die<lb/>
Spitalregelung, wo eigentlich die Landeshauptleute-Front, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> und die ÖVP errichten wollte, zusammengebrochen ist. Im<lb/>
Rahmen der Finanzausgleichsverhandlungen hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> die Idee<lb/>
geboren und die Vereinbarung zwischen Ländern und Bund geschlossen.<lb/>
Destruktiv dabei war <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs>, sehr überlegen, fortschrittlich<lb/>
und Argumenten zugänglich <rs type="person" ref="#per__112001">Ratzenböck</rs>. Momentan ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> von<lb/>
diesem neuen Landeshauptmann fast begeistert. Zuerst wollte man<lb/>
2/3 der Mehreinnahmen aus dem 30 %-igen Mehrwertsteuersatz dem<lb/>
Wasserwirtschaftsfonds geben und 1/3 der Spitalfinanzierung. Jetzt<lb/>
musste man das Verhältnis allerdings umdrehen. Entscheidend aber<lb/>
war, dass es gelungen ist, eine Spitalfonds zu errichten, der<lb/>
immerhin jetzt 1,6 Mia. S verwalten wird. Die neun Länder unter<lb/>
Vorsitz <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, Beiziehung Finanzminister, Soziales und<lb/>
BKA <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs>, wird mit 3 Sozialversicherungsvertretern diesen<lb/>
Fonds verwalten. Er wird paritätisch besetzt sein mit einem<lb/>
Dirimierungsrecht <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolters</rs>. Das Finanzministerium wird jetzt<lb/>
die Berechnungsgrundlage im Finanzausgleichsgesetz festlegen,<lb/>
damit dieser Fonds in Hinkunft limitiert ist und nicht mehr eine<lb/>
Abgangsdeckung der Spitäler, die jetzt noch existiert, aufscheint.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_06">Was die Alternative der Volkspartei mit ihrem Arbeitsmarktkonzept<lb/>
betrifft, so ist dies nur von den Zeitungen zu einem Konzept hochge<lb break="no"/>jubelt worden. Nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> handelt es sich um ein<lb/>
Mischmasch von Massnahmen, die soweit sie nicht schon von dieser<lb/>
Regierung sowieso erfüllt wurden, in anderen Ländern gescheitert<lb/>
sind. Redakteur <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs>, von dem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> keine besonders gute<lb/>
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als Subsidienwirtschaft charakterisiert. Die ÖVP hätte seit<lb/>
eh und je nur immer, auch als sie noch den Finanzminister und<lb/>
die Regierung mehr oder minder führte, kurzfristige Entscheidungen<lb/>
vorgeschlagen, Er erinnert sich noch sehr gut an die Diskussion<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> und <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs>, wo letzterer nur die konsumnahe<lb/>
Investition für Textilien und Lebensmitteln fördern wollte, während<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> die Kraftwerke und die Verstaatlichte entsprechend<lb/>
förderte und dadurch die Industrialisierung Österreichs erst er<lb break="no"/>möglichte. Richtig ist, dass <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> damals für die Verstaat<lb break="no"/>lichte Industrie und die Elektrizitätswirtschaft verantwortlich<lb/>
war und dort entsprechende Förderung durchsetzen wollte und teils auch<lb/>
erreichte. In meiner Erinnerung aber war dieser Kampf gar nicht<lb/>
so eindeutig und erfolgreich, einmal haben wir Wahlen ausdrücklich<lb/>
deshalb verloren, weil die ÖVP es geschickt verstanden hat, auf ihre<lb/>
Erfolge hinzuweisen und die aufgestellten Öltürme in Wien als Symbol<lb/>
der Leistungen der Verstaatlichten Industrie gar nicht die Wähler<lb/>
beeindruckte. Damals hatte der starke Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs>, der genauso<lb/>
wie jetzt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den damaligen Finanzminister <rs type="person" ref="#per__111742">Kamitz</rs><lb/>
in jeder Beziehung abdeckte, das bürgerliche Lager nicht nur<lb/>
zusammengehalten sondern auch dazu gebracht die ÖVP zu wählen.<lb/>
Ich habe den Eindruck und die Erfahrung, dass in der Politik<lb/>
nicht immer die Sachentscheidungen von den Wählern entsprechend<lb/>
gewertet und gewürdigt werden, sondern viel mehr das Auftreten<lb/>
einer Regierung oder Partei, die Geschlossenheit, wobei natürlich<lb/>
de einfach wichtigen Probleme des Wählers befriedigend gelöst<lb/>
sein müssen. Das Paperl, der Gulden, das Wagerl, wenn die drei in<lb/>
Ordnung sind, glaube ich, kann man, wenn nicht grosse Schnitzer<lb/>
gemacht werden, wieder mit einer entsprechenden Zustimmung der<lb/>
Bevölkerung zur Regierungspolitik rechnen. Dies bemerkt die ÖVP<lb/>
und ihre Bemühungen in der Nationalratssitzung die Regierungs<lb break="no"/>politik entsprechend zu attackieren, gehen grösstenteils ins<lb/>
Leere.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_07">Die Saalfeldener Delegation will vom Handelsministerium für ihren<lb/>
Saalbau eine entsprechende Unterstützung. Ebenso haben sie die<lb/>
Idee, einen Pinzgauer Radfahrweg und eine beleuchtete Loipe<lb/>
anzulegen. In diesem Fall können wir ihnen, wie <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> mir er<lb break="no"/>klärte und dann der Delegation im Detail auseinandersetzte, über<lb/>
das Handelsministerium entsprechende Unterstützung geben. Gleich<lb break="no"/>zeitig wollen sie mit dem Unterrichtsministerium eine Turnhalle<lb/>
<pb n="39-1247" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-11-03_1247.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für ihr Schulzentrum. Interessant ist, dass man eine kombinierte<lb/>
Halle, wie es die ÖVP in Salzburg von Saalfelden verlangt, aus einem<lb/>
einfachen Grund ablehnen muss: Die Entlüftungsfrage ist nicht<lb/>
geklärt und man kann feststellen, dass wo eine solche kombinierte<lb/>
Halle entsteht, nach jedem Turnabend der Schweißgeruch tagelang in<lb/>
der Halle bleibt. Die Lüftungsfrage konnte bis jetzt noch nicht<lb/>
befriedigend gelöst werden, weshalb alle Fachleute für getrennte<lb/>
Hallen eintreten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_08">Die Aussprache zwischen Direktion der Ankerbrotfabrik und Betriebs<lb break="no"/>rat, welche beide von mir verlangt hatten, war hart, sachlich und für<lb/>
die Direktion nicht erfolgreich. Da der Betrieb in den letzten<lb/>
Jahren ständig eine Defizitgebarung aufzeigt und in der Mitte des<lb/>
nächsten Jahres die Hälfte des Eigenkapitals verbraucht ist, weshalb<lb/>
der Vorstand über den Aufsichtsrat der Hauptversammlung den Konkurs<lb/>
mitteilen müsste, sollte durch eine 6,5 %-ige Lohnreduktion gerettet<lb/>
werden. Noch niemals während meiner 25-jährigen Tätigkeit in der<lb/>
Gewerkschaft ist ein solches Verlangen an mich herangetragen worden.<lb/>
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man allen Ernstes glaubt,<lb/>
einen vollbeschäftigten Betrieb dadurch retten zu können, dass man<lb/>
den Arbeitern sagt, sie bekommen weniger bezahlt. Als Alternative<lb/>
hat dann nach stundenlanger Verhandlung der Generaldirektor vorge<lb break="no"/>schlagen, bei der nächsten Lohnrunde sollte die Ankerbrotfabrik<lb/>
ausgenommen werden. Auch hier sehe ich kaum eine Möglichkeit, doch<lb/>
wird dieser Zeitpunkt frühestens im Feber des nächsten Jahres wahr<lb break="no"/>scheinlich, wie ich ausführte erst bei der nächsten Ernte sein. Das<lb/>
Bankhaus Schoeller hat die Ankerbrotfabrik vom Vorbesitzer Frau<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149411">Mendl</rs>, leichtfertig in meinen Augen, um einen überhöhten Betrag er<lb break="no"/>worben, hat jetzt trotz der Reorganisation die grössten Schwierigkeiten,<lb/>
obwohl die Belegschaft und insbesondere die Betriebsräte bereit<lb/>
gewesen sind, ein Personalabbau-Konzept zu akzeptieren.<lb/>
Jetzt hat sich herausgestellt, nachdem fast ein Drittel der Beleg<lb break="no"/>schaft reduziert wurde, dass der Rest voll arbeitet, der neue Ver<lb break="no"/>kaufsdirektor <rs type="person" ref="#per__149412">Thun</rs> von Coca Cola kommend auch den Umsatz ent<lb break="no"/>sprechend ausweiten will und kann und trotzdem durch eine 54 %-ige<lb/>
Lohn- und Gehaltstangente die Kostensituation unbefriedigend ist.<lb/>
In so einem Fall, erklärte ich abschliessend, gibt es eine einzige<lb/>
Möglichkeit, den Umsatz mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln<lb/>
zu vergrössern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_09">Bei der Vorstandssitzung der Lebensmittelarbeiter die durch<lb/>
die Aussprache erst verspätet beginnen konnte, gab es meinen<lb/>
Wirtschaftsbericht, eine Diskussion. Insbesonders wollten einige<lb/>
Kollegen wissen, wie es jetzt wirtschaftlich weitergehen soll,<lb/>
nachdem die Prognosen der Institute der negativ sind. Im Vergleich zu<lb/>
anderen Staaten liegen wir ja in jeder Beziehung noch äusserst<lb/>
günstig, doch werden wir im wahrsten Sinne des Wortes abwarten müssen,<lb/>
ob die deutsche Konjunktur sich belebt oder zumindestens nicht so<lb/>
zurückgeht, wie dies jetzt erwartet wird. Die heurige positive<lb/>
Entwicklung in Amerika und Japan hat auf Europa nicht durchgeschlagen.<lb/>
Für Europa dürfte doch immer entscheidend sein, wie es in Deutschland<lb/>
vielleicht auch noch in Frankreich und England, Italien, also den<lb/>
grossen Ländern, weitergeht. Im Fernsehen wurde viel über den Be<lb break="no"/>such von <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> in der BRD berichtet. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> meinte zu mir, wieso<lb/>
ich dort nicht hingefahren bin. Er kann nicht verstehen, dass in<lb/>
meinen Augen es wirklich nicht entscheidend ist, dass nur ich allein<lb/>
alles erledigen, was kompetenzmässig ins Handelsministerium fällt son<lb break="no"/>dern wie es mir wirklich nichts ausmacht, wenn andere sich auch bemü<lb break="no"/>hen. Dass der ORF in Deutschland infolge des dort sitzenden Redakteur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97417">Klaus Emmerich</rs>, der sehr aktiv ist, dies gross herausbringt, kann<lb/>
mir persönlich nur recht sein. Niemand soll sagen, diese Regierung<lb/>
kümmert sich nicht um das grosse Handelsbilanzdefizit gegenüber der<lb/>
BRD, ändern werden wir es ja kaum können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_10">Der Obmann der Konsumorganisation <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> hat mit dem für die Ölmühlen<lb/>
zuständigen Vorstandsmitglied <rs type="person" ref="#per__113089">Seda</rs> mit mir neuerdings dieses<lb/>
Problem besprochen. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> wollte wissen, ob ich etwas dagegen einzu<lb break="no"/>wenden habe, wenn die Konsumgenossenschaft sich weiter bemüht, in<lb/>
diese Gesellschaft Olioprot auch die Unilever einzubinden. Genau das<lb/>
Gegenteil, erklärte ich ihm sofort, ist der Fall. Ich halte ein<lb/>
Ausschliessen Unilevers in diesem Ölproduktionsprojekt für unmög<lb break="no"/>lich. Unilever wird den grössten Teil des dort produzierten Öls<lb/>
übernehmen müssen. <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> selbst fürchtet sogar, dass die Konsum<lb break="no"/>genossenschaft, wenn sie allein mit den Vertretern <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> und<lb/>
der Landwirtschaft <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> in dieser Gesellschaft wäre, nur<lb/>
hineinzahlen müsste und keinerlei Profit davon hätte. Wenn Unilever<lb/>
dagegen aufgenommen wird, so hat Unilever und die Konsumgenossen<lb break="no"/>schaft die Parität gegenüber den beiden anderen. Da die Konsum<lb break="no"/>bewegung und Unilever seit Jahrzehnten die besten kommerziellen<lb/>
Beziehungen haben, möchte <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> unbedingt die Unilever gegen die<lb/>
Landwirtschaft durchdrücken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Ich glaube, dass jetzt der Zeit<lb break="no"/>punkt ist, wo wir die endgültige Entscheidung treffen können und<lb/>
sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-03_12">Direktor <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Girozentrale, ist mit dem Vizepräsidenten der<lb/>
sowjetischen Handelskammer zu mir gekommen, um von grossen Export<lb break="no"/>projekten in die Sowjetunion zu berichten und meine Unterstützung<lb/>
zu erbitten. Die sowj. Handelskammer ist jetzt an dem Welthandels<lb break="no"/>zentrum in Moskau und insbesondere an dem Ausstellungsgelände<lb/>
inmitten der Stadt beteiligt. Das Welthandelszentrum werden die<lb/>
Amerikaner bauen, das Ausstellungsgelände, welches zur Olympiade<lb/>
fertig sein muss, wird auf mehrere Staaten aufgeteilt. Einen Pavillon<lb/>
72 mal 256 m, kann Österreich bekommen. Die Belgier haben einen<lb/>
kleineren – 102 mal 102 – erhalten. Voraussetzung für dieses Ge<lb break="no"/>schäft ist, dass Österreich einen Generalunternehmer stellt<lb/>
und dass dieser mit hohen Pönale-Verpflichtungen den Termin unter<lb/>
allen Umständen einhält. Die notwendige Zustimmung für die Devisen<lb/>
ausgaben nach Österreich, erklärte ich dem Präsidenten sofort, wird<lb/>
der Minister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs>, den er sehr gut kennt und der angeb<lb break="no"/>lich in der SU sich über mich äusserst positiv immer äussert,<lb/>
ohne weiteres bekommen. Wir haben in den letzten Jahren einen<lb/>
richtigen Handelsbilanzüberschuss aus der SU nach Österreich fest<lb break="no"/>zustellen, der durch Projekte wie dieses wenigstens ein wenig<lb/>
vermindert werden kann. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> erklärte, dass die Girozentrale<lb/>
jetzt mit der Firma Porr sehr konkrete Gespräche führt und<lb/>
diese Firma ein Generalunternehmer nominieren wird. Die Kredit<lb break="no"/>finanzierung übernimmt österreichischerseits die Girozentrale.<lb/>
Der sowjetische Handelskammerpräsident hat darauf verwiesen, dass<lb/>
vor Monaten bereits die Handelskammer auf solche Projekte an<lb break="no"/>gesprochen zuerst sehr positiv reagierte, dann aber sich ausserstan<lb break="no"/>de erklärte. Tatsache ist und ich habe dies zugegeben, dass<lb/>
Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> mit dem Wiener Handelskammerpräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> diesbezügliche Erklärungen und Vorgespräche in Moskau<lb/>
führte, die zu keinem positiven Ergebnis führten. Die österr.<lb/>
Firmen sind davor zurückgeschreckt, dass sie als Generalunternehmen<lb/>
auf ihr Risiko und nicht auf Unterstützung der Sowjets rechnen können<lb/>
alles aus Österreich in die SU exportieren müssen, was sie brauchen,<lb/>
um dort Hotels oder sonstige Gebäude zu errichten. Ich hoffe und<lb/>
bin sehr gespannt, ob es diesmal gelingt, ein solches Projekt<lb/>
zu verwirklichen. Vom Prestigestandpunkt wäre dies deshalb not<lb break="no"/>wenig, denn das Ausstellungsgelände wird sicherlich in der SU<lb/>
dieselbe Bedeutung haben wie derzeit das seinerzeitige Landwirt<lb break="no"/><pb n="39-1250" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-11-03_1250.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schaftsgelände, welches jetzt zu einer ständigen Ausstellung<lb/>
für alle wirtschaftlich-ökonomisch wichtigen Zweige der SU<lb/>
wurde und wo jede einzelnen Sowjet-Republik einen Pavillon<lb/>
errichtete. Das neue Ausstellungsgelände wird inmitten der Stadt<lb/>
liegen und repräsentativ ausgestaltet sein. Es wäre sehr gut, wenn<lb/>
Österreich dort wirklich entsprechend mit einem grossen Bau<lb/>
vertreten wäre. Ich wünschte <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> viel Glück und versprach ihm<lb/>
jedwede Unterstützung.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Patolitschew, Nikolaj S.</persName>
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