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            <title type="main">Montag, der 17. Oktober 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band38_1977-10-17</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_01">Montag, 17. Oktober 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_02">Die 30. Betriebswirtschaftliche Woche wurde vom Bundespräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> eröffnet und Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hielt ein Referat.<lb/>
über die Strukturprobleme Österreichs. Deshalb hatte ich nur nach<lb/>
Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> eine Begrüssungsansprache zu halten. Die<lb/>
Betriebswirtschaftliche Woche stand unter dem Motto: Der Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder im Spannungsfeld der Gesetzgebung usw. Für mich<lb/>
ein guter Aufhänger über das Spannungsfeld Kammer der Wirtschafts<lb break="no"/>treuhänder – Handelskammer – Ministerium als Aufsichtsbehörde<lb/>
zu sprechen. Die Abgrenzung zwischen der Handelskammer und der<lb/>
Wirtschaftstreuhänderkammer war sehr schwer in der Vergangenheit<lb/>
ist mir tatsächlich durch entsprechende Einflüsse geglückt auf ein<lb/>
Minimum zu reduzieren. Die Tarifwünsche wurden auch weitestgehend<lb/>
einvernehmlich geregelt, derzeit, sagte ich sofort, erwarte ich<lb/>
keine. Das Spannungsfeld innerhalb der Steuerberater, Buchprüfer und<lb/>
Wirtschaftsprüfer ist in der konkreten Frage: Prüfung der GesmbH<lb/>
auf Grund des neuen Gesetzes durch weitgehende Annäherung aller<lb/>
Beteiligten und damit auch des Vorschlages der Kammer der Wirt<lb break="no"/>schaftstreuhänder ebenfalls mit den geringsten Spannungen geglückt<lb/>
zu erledigen. Als ich zu der Eröffnung fuhr, hatte ich keine blasse<lb/>
Ahnung, was ich dort sagen werde, der Aufhänger Spannungsfeld, ein biss<lb break="no"/>chen humorvoll dann noch vorgetragen war dann im wahrsten Sinne des<lb/>
Wortes der Herausreisser. Ich bin überzeugt, im Hause wird es<lb/>
sicherlich Leute geben, die mir solche Einfälle liefern könnten,<lb/>
wenn einmal mir nichts mehr einfallen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_04">Die konstituierende Versammlung des Energiesparvereins von Gen.<lb/>
Sekr. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> war genauso gut besucht wie die erste von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
vor Wochen einberufene grundsätzliche Aussprache. Hier zeigt sich<lb/>
eben der grosse Unterschied wenn irgendwer einlädt oder der Bundes<lb break="no"/>kanzler. Zum Bundeskanzler traut man sich scheinbar nicht abzu<lb break="no"/>lehnen, auch dann, wenn man wie ich überzeugt bin zu 90 % der<lb/>
Anwesenden eigentlich dagegen waren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagte einleitend,<lb/>
die Eingeladenen arbeiten alle auf dem Gebiet der Energie<lb/>
und teilweise auch des Energiesparens. Der Verein, der gegründet wer<lb break="no"/>den soll, wird beträchtliche Subventionen vom Bund bekommen, obwohl<lb/>
der Bund keinen beträchtlichen Einfluss auf die Vereinspolitik<lb/>
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seine Konzeption darzulegen.Der gleichzeitig von ihm ausgeteilte<lb/>
Statutenentwurf zeigte dann allerdings, dass sehr wohl der Bund<lb/>
einen überragenden Einfluss haben würde. Im Präsidium wäre der<lb/>
Bundeskanzler, ich als sein Stellvertreter, und nur ein Ver<lb break="no"/>treter der Bundesländer. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> meinte, drei wichtige Punkte gäbe es:<lb/>
Bewusstseinsbildung in öffentlichen Medien zu erreichen, dies sei<lb/>
eine Serviceleistung an die Leser und er sei fest davon überzeugt,<lb/>
deren Mitarbeit zu bekommen. Heute veröffentlichen sie ständig<lb/>
Kochrezepte und Menü-Vorschläge, dann würden sie resp. müssten sie<lb/>
sich eben für die Energiesparvorschläge einsetzen. Zweitens wä<lb break="no"/>re der Informationsfluss an die Nicht-Letztverbraucher bezüglich<lb/>
Energiesparen, welches Arbeitsplatzsichern bedeutet, zu verbessern.<lb/>
Kommissär <rs type="person" ref="#per__149351">Brunner</rs> der EG hätte gesagt, 300 bis 700.000 neue Ar<lb break="no"/>beitsplätze könnten durch Energiesparen gewonnen werden. Die Ver<lb break="no"/>schwendung der Wärmeenergie, von 40 %-igen Haushaltsanteil am Ge<lb break="no"/>samtenergieverbrauch sind 60 % Wärme, davon wieder 90 % Verlust,<lb/>
müsste entsprechend zu reduzieren sein. Drittens müsste man endlich<lb/>
zur Kenntnis nehmen, dass das Energiekapital jetzt in Energie<lb break="no"/>einkommen umgewandelt wird. Was er darunter versteht, war für<lb/>
mich nicht klar, nebenbei bemerkt auch anderen nicht, die ich<lb/>
fragte, da ich nicht die Absicht habe, den Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> anzugehen<lb/>
d.h. mit ihm Kontakt aufzunehmen sondern schon zuwarte, bis er<lb/>
sich vielleicht einmal dazu bequemt, sah ich auch keinen Grund,<lb/>
ihn nachher zu fragen. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> dürfte das Gefühl haben, denn er<lb/>
erwähnte das Energiesparteam im Handelsministerium aber auch<lb/>
das im Verein für Konsumenteninformation, dass diese Institutionen<lb/>
seinen neuen Absichten ablehnend gegenüberstehen. Was mich be<lb break="no"/>trifft ist mir seine Tätigkeit vollkommen wurscht, gelingt sie,<lb/>
bin ich froh, gelingt sie nicht, bin ich damit nicht belastet.<lb/>
Sicher ist, dass er ein ganz guter Manager ist, denn auf die<lb/>
Frage von Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__98032">Veith</rs>, ÖAMTC, wie hoch der Mitgliedsbeitrag sein<lb/>
soll, entwickelt er ein sehr gutes Finanzierungskonzept. Er<lb/>
bräuchte 10 Mill. S pro Jahr und in den ersten 6 Monaten könnte,<lb/>
man feststellen schon, ob er damit auskommt. Die Finanzierung<lb/>
stellt er sich so vor, 25 Groschen pro Einwohner soll der Bund<lb/>
und die jeweiligen Länder bezahlen, der ÖGB, der ÖAMTC, der ARBÖ<lb/>
also die grossen Massenvereine sollen je Mitglied 25 Groschen bezahlen<lb/>
Die Industriellenvereinigung und die Handelskammer soll dann einen<lb/>
entsprechenden gleichlautenden Betrag leisten. Für die Unternehmungen<lb/>
stellt er sich vor, 25 S je Bilanz-Million, Landwirtschaft für 100 ha<lb/>
Ackerland resp. f. 1.000 ha Forst. Ausserdem würde er von der OeNB<lb/>
<pb n="38-1188" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-10-17_1188.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>entsprechende Forschungsaufträge bekommen. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__140564">Zimmer</rs> vom<lb/>
Versicherungsverband forderte, dass die Beitragsleistung resp. die<lb/>
Spenden, die sie zusätzlich geben würden, steuerfrei sein sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt, er wird dies mit dem Finanzminister besprechen,<lb/>
hielt aber abschliessend dann fest, dass er vom Bund eine andere<lb/>
Finanzierung vorsieht, nämlich sozusagen, was die anderen aufbringen<lb/>
wird vom Bund in derselben Leistung gegeben. Bringen die anderen<lb/>
5 Mill. auf, so wird der Bund ebenfalls 5 Mill. dazuzahlen, auch<lb/>
wenn die 25 Groschen pro Einwohner-Variante nicht einmal 2 Mill.<lb/>
kosten würde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> betonte auch immer wieder, dass letzten Endes<lb/>
erst der Verein bestimmen müsste, wer Geschäftsführer wird, doch<lb/>
liess er keinen Zweifel, dass er sich unbedingt für <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> einsetzt.<lb/>
Dieser hat zu meiner grössten Überraschung auch in seinem Referat<lb/>
vorgesehen, gegebenenfalls zwei Geschäftsführer zu bestellen. Die<lb/>
Diskussionsteilnehmer, nicht allzu viele, allerdings hatten eindeutig<lb/>
festgehalten, ein starker Geschäftsführer sei das Um und Auf, damit<lb/>
der Verein tatsächlich aktiv wird und etwas leistet. Irgendjemand dürf<lb break="no"/>te also bei <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> scheinbar schon angeklopft haben und festgehalten,<lb/>
dass er nicht glauben kann, allein dort werken zu können. Die einzelnen<lb/>
Gruppen, Länder, Interessensvertretungen werden jetzt die Statuten<lb/>
studieren und dann ihre Meinung dem Bundeskanzler mitteilen.<lb/>
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Qualitätswaren" starten. Ich fragte sofort, wo ich die entsprechenden<lb/>
finanziellen Mitteln hernehmen sollte, denn über diese Frage hatten<lb/>
wir schon mit dem Verein für Konsumenteninformation siehe Qualitäts<lb break="no"/>siegel usw. ein Konzept entwickelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, er wird sich dafür<lb/>
einsetzen, dass die entsprechenden Mittel gegeben werden, verlangte<lb/>
allerdings gleichzeitig, dass auch die Handelskammer sich aus den<lb/>
Aussenhandelsbeiträgen beteiligen müsse. Ich rief sofort <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> an<lb/>
und schlug ihm vor, eine entsprechende Konzeption vorzubereiten, damit<lb/>
ich mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über die Idee sprechen kann. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wäre<lb/>
sehr schlecht beraten, wenn er nachdem er Geld für den Ski-Pool<lb/>
hergibt und weiss nicht wofür nicht noch alles finanziert, diese<lb/>
wie ich glaube wirklich notwendige Aktion nicht gemeinsam durch<lb break="no"/>führen würde. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass wir die<lb/>
"Kauft österreichische Waren"-Woche entsprechend ausweiten, verbessern<lb/>
und nicht zuletzt mit Bundesmitteln finanziert, zu einer Art<lb/>
Buy Austrian quality sowie Buy British macht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die Details und Konzeption auch im Haus<lb/>
besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_07">In der Ministerratsvorbesprechung wies <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zuerst auf eine<lb/>
Information <rs type="person" ref="#per__114110">Willy Brandts</rs>, die er in Madrid bei der Soz.<lb/>
Internationale bekommen hat hin, wonach die bei der Geldüber<lb break="no"/>gabe festgenommenen 17 Terroristen bedeutende Leute seien. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
bezweifelte dies genauso wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, so dumm sind die Terroristen<lb/>
sicher nicht, dass sie in Scharen hinkommen um dort verhaftet zu<lb/>
werden. Diese Zunahme der Terrortätigkeit beschäftigt sicher jeden<lb/>
von uns, ohne dass allerdings allzu viel davon gesprochen wird.<lb/>
Ich weiss auch nicht, wie lange wir noch das Glück haben werden,<lb/>
davon verschont zu sein. Eigentlich erwarte ich jede Stunde, dass<lb/>
etwas ähnliches bei uns in Österreich auch passiert. Eine längere<lb/>
Diskussion ergab dann, das Verhalten der ÖVP-Zeitungen zu Währungs-<lb/>
resp. Bankensituationsmitteilungen. Der Aufmacher in <choice><choice><sic>Süd-Ost-<lb/>
Tageszeitungen</sic><corr>der Süd-Ost-Tagespost?</corr></choice></choice>, die Banken könnten nicht mehr bezahlen, musste<lb/>
sogar die ÖVP-Organisationen oder nahestehenden zu entsprechenden<lb/>
Dementis veranlassen. Die Handelskammer hat sich entschieden davon<lb/>
distanziert und Gen.Dir. Dr. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs>, CA, erklärte sogar, man müsse<lb/>
prüfen, ob dies nicht strafgesetzfällig sei. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlug deshalb<lb/>
vor, es sollte morgen im Parlament eine Dringliche Anfrage an den<lb/>
Finanzminister gemacht werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hatten schon<lb/>
einen Fahrplan festgelegt, wonach bei der zu erwartenden Diskussion<lb/>
über den Wechsel der Staatssekretäre, die die ÖVP verlangen wird,<lb/>
dann entsprechendes eingeflochten werden könnte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bestand<lb/>
meiner Meinung nach zurecht aber darauf, dass man eine Dringliche<lb/>
Anfrage an den Finanzminister richten sollte, weil dies viel stärker<lb/>
sei und der ÖVP die Möglichkeit nimmt, zu guter Zeit noch viel über den<lb/>
Staatssekretär-Wechsel zu diskutieren. Die Voraussetzung dafür ist,<lb/>
dass wir die Integrationsberichtsdebatte, die um 1/2 2 Uhr beginnen<lb/>
wird, bis 4 Uhr, wo die Dringliche aufgerufen werden muss, hinauszögern.<lb/>
Ich erklärte sofort, nichts leichter als dies. Wenn ich bedenke, dass<lb/>
ich einmal als Redner zu einem vollkommen uninteressanten Punkt<lb/>
einer kleinen Novelle zum Nationalbank-Gesetz stundenlange reden musste<lb/>
so ist es mir sicherlich möglich, nach Ende der Debatte als letzter<lb/>
Minister, der darauf antworten wird, bis 4 Uhr leicht meinen Beitrag<lb/>
hinauszuziehen.<lb/>
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nach Syrien geschehen sollte. Ich erklärte, alle zuständigen Minister<lb/>
Inneres, Äusseres, Verteidigung hätten schon zugestimmt, weshalb<lb/>
auch er letzten Endes, da er erklärte, die Details nicht prüfen<lb/>
zu können und zu wollen, zustimmte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Exportgenehmigung bitte ausstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_10">Wegen der Belohnung an die Beamten fragte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass heuer keine<lb/>
Erhöhung erfolgen solle. Ich erwiderte sofort, das hätte man früher machen<lb/>
müssen, jetzt hätte ich den Akt schon unterschrieben. Zögernd haben<lb/>
dann die anderen auch erklärt, dass es schon zu spät sei. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte, wir geben jetzt schon so viel Geld für die Beamten, dass eine<lb/>
Erhöhung der Belohnung nicht wünschenswert sei. Mit Recht hat dann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> und <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> darauf verwiesen, dass es bei den einzelnen<lb/>
Ministerien verschieden hohe Belohnungen gebe, die Spitzen hält<lb/>
das Bundeskanzleramt und das Finanzministerium. Ich schlug vor, man<lb/>
sollte auch hier eine entsprechende Angleichung durch Vorbereitungs<lb break="no"/>arbeiten <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnaks</rs> erreichen.<lb/>
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ins Einvernehmen und stelle fest, was die anderen tatsächlich bezahlen,<lb/>
insbesondere BKA und FM.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_12"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> teilte mit, dass für den Nationalfeiertag eine grosse Demonstra<lb break="no"/>tion von Atomgegnern unter Führung der Frau <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs> stattfinden wird.<lb/>
Um 8 Uhr sammelt man sich am Schwarzenbergplatz, man erwartet tausende<lb/>
Teilnehmer, wird um 9.30 Uhr zum Bundeskanzleramt marschieren<lb/>
und dort nach der Parole, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> muss sich beugen, entsprechende<lb/>
harte Massnahmen setzen. Bei einer Besprechung in Linz am 1. Oktober,<lb/>
wo 75 Delegierte teilnehmen, hat der Bund der Kommunisten und<lb/>
die GAM verlangt, man müsse eine Quasi-Bewaffnung der Teilnehmer<lb/>
organisieren. Andere hätten dann erklärt, dann würden sie sich nicht<lb/>
an der Demonstration beteiligen. Sicher ist, dass aus Deutschland<lb/>
anderen Staaten entsprechende Extremisten kommen werden um die Demon<lb break="no"/>stration zu nützen und eine Art Brockdorf in Wien zu organisieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersuchte <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, er möge sich etwas einfallen lassen um die<lb/>
zu erwartenden Kranzniederlegung ebenfalls einige tausend Menschen<lb/>
immer dabei sind, nicht zu stören. Es wurde sogar erwogen, die Kranz<lb break="no"/>niederlegung vorzuverlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_13">Im Ministerrat wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings der Vorschlag der Volks<lb break="no"/>anwaltschaft neben den 7.000 S Repräsentationsausgaben 6.000.–<lb/>
für ein Autopauschale zu bekommen, diskutiert und von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
das Autopauschale mit aller Entschiedenheit abgelehnt. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111700">Neu<lb break="no"/>mayer</rs> hat auch Anfrage mitgeteilt, dass die Volksanwälte annähernd<lb/>
Ministerbezüge haben werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> begründete seine Ablehnung ins<lb break="no"/>besondere damit, dass die Volksanwaltschaft, wenn sie bei insgesamt<lb/>
30 Leuten von 3 Volksanwälten geführt Ministerbezüge bekommen und<lb/>
jetzt auch noch ein Autopauschale will, sehr bald in Misskredit kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_14">Dazu kommt noch, dass <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> als Abgeordneter nicht genug<lb/>
gegen die Privilegien der Minister polemisieren konnte. Jetzt<lb/>
will er sie für sich selbst auch haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kämpft in diesem<lb/>
Fall glaube ich insbesondere darum, dass er befürchtet, seine Idee<lb/>
der Volksanwaltschaft, die ja bis jetzt noch von den Massenmedien<lb/>
wenig angegriffen wurde, wird in Hinkunft sehr starken Attacken<lb/>
ausgesetzt sein. Dann wird man fragen, was leisten sie im Verhältnis<lb/>
zu den Ombudsmännern der Zeitungen und was kosten sie. Dieser Ver<lb break="no"/>gleich wird sicherlich verheerend sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_15">In der Wiener Vorstandssitzung berichtete <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs>, dass es geglückt<lb/>
ist, mit 1. Jänner 1978 zwischen den beteiligten Parteien eine<lb/>
weitere Subvention der Parteien einvernehmlich durchzusetzen. Die<lb/>
Gemeinde Wien, die derzeit 30.– S pro Wähler bezahlt, wird diesen<lb/>
Betrag um 5.– S aufstocken, gleichzeitig aber 15.– S je Wähler den<lb/>
Bezirken geben. Von diesen 15.– S muss der Bezirk 3.– S an die<lb/>
Landeszentrale Wien als Art <choice><choice><sic>prizituum</sic><corr>Präzipuum???</corr></choice></choice> überweisen. Ausserdem sollen<lb/>
Bezirks- und Sektionslokale renoviert und Neuanschaffungen von der<lb/>
Gemeinde bezahlt werden. Als Wahlkampffonds wurden 50.– S pro Mitglied<lb/>
festgelegt, 40.– S davon gehen an die Landesorganisation. 1973 kosteten<lb/>
die Gemeinderatswahlen 17,5 Mill. S für die SPÖ, 1975 der National<lb break="no"/>ratswahlkampf nur für den Teil, den Wien bezahlt hat, schon 18,4 Mio.<lb/>
und für 1978 rechnete <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> mit 30–40 Mill. S. Ich habe <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs><lb/>
nachher unter vier Augen darauf aufmerksam gemacht, dass ich mit<lb/>
grosser Sorge betrachte, wie sehr immer mehr Propagandamaterial,<lb/>
Informationsschriften usw. aufwendigst gedruckt unseren Funktionä<lb break="no"/>ren übermittelt werden. <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> meinte, die Wiener Organisation<lb/>
sei sehr zurückhaltend, die Zeitungen wie Journal usw. braucht er<lb/>
deshalb, weil er damit von den Firmen entsprechende Annoncen<lb break="no"/>aufträge bekommt und daher jede dieser Aussendungen für ihn ein<lb/>
Geschäft ist. Sicher ist für mich eines, dass diese ungeheure Papier<lb break="no"/>flut von unseren Mitgliedern und noch mehr unseren Funktionären<lb/>
abgelehnt wird. Diese sehen zurecht immer nur die Schilling, die sie<lb/>
spenden oder eintreiben müssen, sinnlos hinausgeworfen. Das die<lb/>
ÖVP keine besonders starke Organisation in Wien hat, versucht sie<lb/>
sicherlich mit entsprechenden Plakat- und Zeitungsaufwendungen diesen<lb/>
Nachteil wettzumachen. Auch die FPÖ geht jetzt nur mehr in<lb/>
4-Bogen-Plakaten, um ihre Präsenz in Wien zu dokumentieren. Natürlich<lb/>
muss dann Wien auch mitmachen. So ergibt sich jetzt eine ständige<lb/>
Ständeraufstellung, was gerade im Winter, wenn sie dann total beschmutzt<lb/>
sind, keinen guten Eindruck machen wird. Trotzdem glaube ich sind<lb/>
<pb n="38-1192" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-10-17_1192.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>solche Ständer besser als man beginnt womöglich noch wieder<lb/>
wild zu plakatieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_16">Im Wiener Ausschuss berichtete <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ganz kurz über die ÖVP-<lb/>
Taktik bezüglich der Währungssituation und dann über die neue<lb/>
Wohnbaukommission sowie Wohnbauförderung 1968. Für 1977 wird<lb/>
jetzt die Gemeinde eine Kredit von 400 Mill. S geben, damit noch<lb/>
1.100 Wohnbaueinheiten finanziert werden können, ab 1979 muss dann<lb/>
die Rückzahlung erfolgen. 1978 sind 6.000 Wohnbauförderung vorge<lb break="no"/>sehen, 2.000 für den kommunalen Wohnbau, 800 für die ÖVP-Gemeinnützi<lb break="no"/>gen, 1.600 für die SPÖ-Gemeinnützigen und für die sogenannten Über<lb break="no"/>parteilichen 1.600 Wohneinheiten. Darunter sind die Gewog, die<lb/>
Gesiba, die Buwog, aber auch die Pensionistenheime zu verstehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> kündigte auch an, dass <rs type="person" ref="#per__133398">Mahr</rs> von der Kronen-Zeitung jetzt im<lb/>
Bürgermeisterbüro die Wahlpropaganda 1978 machen wird und deshalb<lb/>
dem Wiener Ausschuss beigezogen werden soll. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtete über<lb/>
die Dringliche Anfrage im Parlament und Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, dass die<lb/>
Wiener Stadtanleihe von 1 Mia. S nicht unterzubringen ist. Die Z hat<lb/>
zwar 183 Mill. nur im Bankenkonsortium zu übernehmen gehabt<lb/>
sogar 210 Mill. verkauft, alle anderen Banken aber nur einige<lb/>
Prozente der übernommenen Quoten. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> hat sogar vorgeschlagen,<lb/>
man müsse eben die Emission einstellen. <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> hat angekündigt, dann<lb/>
würde er aber dieses Bankenverhalten entsprechend bei Aufträgen der<lb/>
Gemeinde Wien resp. Kreditfinanzierungen in Hinkunft ebenfalls<lb/>
entsprechend behandeln. <rs type="person" ref="#per__113043">Pfoch</rs> berichtet, dass seit 1973 jährlich<lb/>
50.000 Wohnungen im Schnitt neu gebaut resp. verbessert wurden.<lb/>
Bis nächsten Jahr werden noch 45.000 neu gebaut und 25.000 ver<lb break="no"/>bessert, sodass das Wahlversprechen tatsächlich erfüllt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_17">Überrascht war der Wiener Ausschuss und ganz besonders ich und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, dass die Wiener SJ angekündigt hat und in den Plakatständern<lb/>
zu lesen ist, in der SJ-Woche wird am 26. Oktober auch eventuell<lb/>
an der Antikraftwerksdemonstration teilgenommen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hatte<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs> und 5 anderen Kraftwerksgegnern vor nicht allzu<lb/>
langer Zeit eine Diskussion und war erschüttert über die Brutali<lb break="no"/>tät und Radikalität dieser Gruppen. Ich selbst schilderte die<lb/>
Besprechung und Beschlüsse in der Ministerratsvorbesprechung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> war leider schon weggegangen. Der Jugendobmann <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs> redete<lb/>
sich darauf aus, dass er anfangs der Programmerstellung vor<lb/>
14 Tagen noch nicht wusste, wer eigentlich diese Demonstration<lb/>
durchführt und sich bei dem Marsch gegen Zwentendorf auch einige<lb/>
<pb n="38-1193" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-10-17_1193.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>beteiligt haben. <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> von den Privatangestellten, sagte mir nachher<lb/>
so geht es wirklich nicht weiter und ich musste ihm in dieser<lb/>
Beziehung tatsächlich recht geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche mit den Jugendlichen besseren<lb/>
Kontakt zu halten, damit wir sie von solchen unüberlegten Aktionen<lb/>
zurückhalten, indem wir sie entsprechend aufklären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_19">Die fraktionelle Betriebsversammlung der Verbundgesellschaft in der<lb/>
Werdertorgasse war sehr gut besucht. <rs type="person" ref="#per__114385">Kasamas</rs> hatte mir vor meinem<lb/>
Referat punktweise vorgeschrieben, was ich alles zu erzählen hätte.<lb/>
Vom Abgabenänderungsgesetz bis zum Parteiprogramm. Natürlich ging<lb/>
ich auf alle diese Wünsche ein, zum Schluss allerdings behandelte<lb/>
ich, wie ich mir vorgenommen habe, die wichtige Frage der Reorga<lb break="no"/>nisation der Elektrizitätswirtschaft. Ich verwies darauf, dass die<lb/>
Aufsichtsräte in den Sondergesellschaften jetzt auf 6:5 reduziert<lb/>
wurden, damit unsere Partei endlich die Mehrheit in den Aufsichtsräten<lb/>
hat. lange genug hat es gedauert, und dass ich jetzt die Reorganisation<lb/>
der Vorstände in Angriff nehme. Selbstverständlich kam dann in der<lb/>
Diskussion verschiedene Probleme zur Sprache. Typisch war nur auch<lb/>
die Anfrage, ob die E-Wirtschaft nicht darunter leidet, wenn jetzt<lb/>
LH <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> Gen.Direktor der OKA wird. Ich erklärte sofort, das hängt<lb/>
ganz davon ab, wie sich <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> in die OKA einarbeitet, wobei er als<lb/>
Präsident des Aufsichtsrates sicherlich schon Erfahrungen sammeln<lb/>
konnte. Politisch warnte ich, wird das nicht allzu viel hergeben,<lb/>
denn letzten Endes wurde auch der LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> von der SPÖ in die<lb/>
OKA berufen. Trotz Anwesenheit von Vorstandsmitglieder der Verbund<lb/>
und Donau sagte ich, die Leistung der Elektrizitätswirtschaft und ganz<lb/>
besonders das Ansehen hängt Gott sei Dank nicht nur allein von den<lb/>
Vorständen ab. Ich hätte eigentlich über die Reorganisation in diesem<lb/>
Gremium eine stärkere Diskussion und vielleicht sogar eine entsprechen<lb break="no"/>de Ablehnung erwartet. Auf dieses Problem ist man aber gar nicht ein<lb break="no"/>gegangen. Dies kann darauf zurückzuführen sein, weil Vorstandsmitglie<lb break="no"/>der anwesend waren oder weil sich halt wirklich niemand von den<lb/>
Genossen zu dieser Frage in diesem Gremium äussern wollte. Dass<lb/>
es die Leute berührt, davon bin ich fest überzeugt, sicherlich war<lb/>
aber der Kreis viel zu gross, das Thema viel zu heikel um wirklich<lb/>
eine entsprechende Diskussion darüber führen zu können. Mir erschien<lb/>
nur wichtig, diese Fraktion zu informieren, dass auf diesem Gebiet<lb/>
noch nicht meine Bemühungen abgeschlossen sind, zwischen den Zentra<lb break="no"/>listen und den Föderalisten, zwischen den Angreifern und Verteidigern<lb/>
der E-Wirtschaft sozusagen ein befriedigender Zustand erreicht ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-17_20">Die Reform muss weitergehen, sie ist notwendig und muss<lb/>
so hoffe ich auch von unseren Genossen und Belegschaftsmitglie<lb break="no"/>dern getragen werden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.10.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 91. Ministerratssitzun, 17.10.1977g</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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