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            <title type="main">Mittwoch, der 12. Oktober 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_01">Mittwoch, 12. Oktober 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_02">Der neue israelische Botschafter <rs type="person" ref="#per__115596">Doron</rs> macht doch nur einen Antritts<lb break="no"/>besuch. Gleichzeitig will er mit mir das Besuchsprogramm in Israel durch<lb break="no"/>besprechen, ich erkläre mich aber so wie bei allen anderen Programmen<lb/>
prinzipiell damit einverstanden, ohne den geringsten Abänderungswunsch.<lb/>
Sein Handelsattaché sitzt in der Schweiz, sollte kommen, war aber<lb/>
scheinbar verhindert. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind minimal.<lb/>
Mein Vorschlag ist, ausser den Besuchen von Kommissionen endlich,<lb/>
wie ich auch meinen vielen jüdischen Freunden schon immer sagte,<lb/>
ihr Köpferl spielen zu lassen und die Schwierigkeiten zu überwinden<lb/>
und Auswege zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_03">Die Firma Triumph, derzeit geführt von einer äusserst tüchtigen Frau,<lb/>
feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Noch nie hatte ich erlebt, dass<lb/>
eine Besitzerin so aufgeregt ist bei der Rede, die sie halten muss.<lb/>
Dort deutet sie an und erklärt mir nachher ziemlich im Detail, dass<lb/>
die Firma Triumph unter ihrer Führung durch gutes Verkaufsmanagement<lb/>
sich gegen die härtesten Importkonkurrenzen durchsetzen konnte und<lb/>
sogar einen grossen Exportanteil eroberte. Die Firma ist auch die<lb/>
neue wartungsfreie Batterie eingestellt, jetzt muss man bei der<lb/>
Hälfte der Lebensdauer ständig Wasser nachfüllen, Säurestand prüfen<lb/>
und weiss Gott was alles. Trotzdem wird die Fa. Triumph erst dann<lb/>
mit der neuen Batterie auf den Markt kommen, wenn die anderen Firmen<lb/>
insbesondere die Ausländer diese auch erzeugen. Damit wird ein<lb/>
Grossteil des Geschäftes verlorengehen und starke Überkapazitäten<lb/>
automatisch aufscheinen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Lasst prüfen, warum eigentlich noch<lb/>
keine der grossen Batterie-Erzeuger weltweit diese Marktoffensive<lb/>
einleitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__146324">Peter Müller</rs> in seinem Verlag wird mit Unterstützung der Giro-<lb/>
Zentrale eine Aufklärungsbroschüre, 8 Seiten, für die Exporteure<lb/>
gratis herausgeben. Er braucht nichts als mein Einverständnis, behauptet<lb/>
er, und Wohlwollen. Dies kann er natürlich sofort bekommen, nachdem<lb/>
er von mir keine wie immer geartete finanzielle Unterstützung wünscht.<lb/>
Anschliessend bespreche ich mit Dir. <rs type="person" ref="#per__123171">Melich</rs>, Girozentrale die kritische<lb/>
Finanzsituation der Banken. Er erwartet eine richtige Liquiditäts<lb break="no"/>enge. meint, man müsste zumindestens zum Jahresende eine Swap-Operation<lb/>
von 2 Mia. machen. Andere Banker sind der Meinung, dass die vierfache<lb/>
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Zusagen gegeben, sondern hält ihre harten Restriktionskurs durch,<lb/>
zumindestens bis jetzt. Der Finanzminister wird lavieren müssen<lb/>
denn er braucht nicht zuletzt die Banken für seine Anleihepolitik.<lb/>
Er kann zwar vorerst ins Ausland gehen, insbesondere mit seinen<lb/>
Bundesanleihen, alles kann man aber keinesfalls in fremden Währungen<lb/>
placieren. Er muss sich deshalb mit den Banken arrangieren und<lb/>
die OeNB dann mehr oder minder zu einer Lockerung ihrer Kredit<lb break="no"/>restriktionspolitik bringen. Noch nie war unser Geldmarkt so<lb/>
teuer, die Zinsen erreichen den Kapitalmarkt und überschreiten<lb/>
ihn teilweise. Die nächste grosse Schwierigkeit, die noch dazu<lb/>
kommt sind die auslaufenden Bausparversicherungs- und Sparprämien,<lb/>
die freiwerdenden 30 Mia. S können höchstens zu 2/3 durch die Spar<lb break="no"/>kassen und Banken wieder gebunden werden. Der Rest wird in den<lb/>
Konsum abfliessen. Man befürchtet, dass diese Kaufkraft aber<lb/>
nicht der österreichischen Wirtschaft zugutekommt, sondern zum<lb/>
grössten Teil wieder Importwaren nach Österreich bringen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_06">Gegen diese Importflut war eine Sitzung aller Interessensvertretungen<lb/>
mit den zuständigen Ministerien über die Einschränkungsmöglichkei<lb break="no"/>ten im Massnahmenpaket der Bundesregierung. Minister <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs><lb/>
ist selbst gekommen, was mich sehr freute, da ja die Bekämpfung<lb/>
der übermässigen Lebensmitteleinfuhren in ihren Bereich fällt.<lb/>
Zum Glück hatte ich alle die Punkte mit AK und ÖGB schon so oft<lb/>
vorbesprochen, dass von dort keinerlei Widerstand gegen die Import<lb break="no"/>restriktion kam. Das Prinzip und Motto ist einfach, die Import<lb break="no"/>ware soll genauso behandelt werden wie die inländische Produktion.<lb/>
Darin liegt in Wirklichkeit keine Diskriminierung. In der Praxis<lb/>
allerdings wird gerade am Anfang die Kontrolle die Einfuhr ein wenig<lb/>
erschweren. Der Bundeskammer-Vertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> meinte allen<lb/>
Ernstes, sie hätten schon immer gegen diese liberale Politik<lb/>
Stellung genommen und verlangte darüber hinaus noch für Stahl die<lb/>
Importscheinpflicht. Der Vertreter der Landwirtschaftskammer hat<lb/>
eine ganze Reihe von zusätzlichen Wünschen vorgebracht. Der Vertreter<lb/>
des Bautenministeriums, Sekt.Leiter <rs type="person" ref="#per__146027">Pertusini</rs>, hat wegen des Qualitäts<lb break="no"/>siegels für österreichische Ware sofort darauf verwiesen, dass dies<lb/>
die Kompetenz des Bautenministers betrifft.Alle Prüfungsnormen,<lb/>
auch die der Elektrogeräte ÖVE liegt in ihrer ausschliesslichen<lb/>
Kompetenz. Ich will weder dem Bauten- noch dem Finanzministerium<lb/>
noch dem Gesundheitsministerium oder dem Landwirtschaftsministerium<lb/>
seine Kompetenz nehmen sondern bin sehr froh, wenn endlich dort<lb/>
etwas geschieht. Meine Funktion ist nur zu koordinieren und zu trachten<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte kurzfristig die Arbeitsgruppen<lb/>
zur Berichterstattung veranlassen, damit die Beschluss-Sitzung einbe<lb break="no"/>rufen werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_08">Die Financial-Times-Vertreter Redakteur <rs type="person" ref="#per__140918">Lendvai</rs> wollte von mir nur ein<lb/>
Interview über die Sonderbeilage der Österreichischen Industriepolitik<lb/>
und nicht, wie ich auch befürchtet habe, einen finanziellen Beitrag.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__140918">Lendvai</rs> dann einige Detailprobleme dann besprochen,<lb/>
worüber ich sehr froh war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_09">Der Vertreter der italienischen Fremdenverkehrswerbung <rs type="person" ref="#per__122903">Bortoluzzi</rs> war<lb/>
glücklich, mir den Präsidenten der Region und den Bürgermeister von<lb/>
Cortina d'Ampezzo vorstellen zu dürfen. Gerade für die Italiener<lb/>
ist es wahrscheinlich sogar unerklärlich, wie ein "so beschäftigter<lb/>
Minister" sind für solche Kurzbesuche noch Zeit nimmt. In Italien ist<lb/>
es scheinbar fast nicht möglich, mit den Ministern in Kontakt zu<lb/>
kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_10">Der <rs type="person" ref="#per__125560">Wolff von Amerongen</rs>-Vertreter <rs type="person" ref="#per__149352">Walter</rs>, kam neuerdings zu mir wegen<lb/>
der Anger-Finanzkrise mitzuteilen, dass 227 Mill. das Bankhaus<lb/>
Berger, dahinter angeblich die bayrische Hypothekenbank, 75 Mill. die<lb/>
CA, 23,5 Mill. die Z, insgesamt also 385,5 Mill. nicht gedeckte<lb/>
Kredite gegeben werden und trotzdem die Firma Anger vor der grössten<lb/>
Liquiditätskrise steht. Angeblich können die Löhne nicht mehr be<lb break="no"/>zahlt werden. <rs type="person" ref="#per__149352">Walter</rs> behauptet noch immer, <rs type="person" ref="#per__125560">Amerongen</rs> würde kaufen,<lb/>
wenn die Prüfung abgeschlossen ist. Tatsache ist allerdings, dass <rs type="person" ref="#per__135649">Anger</rs><lb/>
derzeit gar nicht verkaufen will. Der 40 %-ige Anteil des Deutschen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149353">Derr</rs> um 20 Mill. DM kann vielleicht von diesem verkauft werden,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__135649">Anger</rs> ist aber nicht bereit, auf seinen Mehrheitsanteil auch nur<lb/>
teilweise zu verzichten. <rs type="person" ref="#per__149352">Walter</rs> plaudert zwar sehr viel, bringt<lb/>
aber immerhin, weil er eben mit dem Minister ununterbrochen Kontakt<lb/>
halten will, doch einige Neuigkeiten. Frau <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> ist schon ver<lb break="no"/>zweifelt über seine freche Art und sein ständiges: Ich muss den Minister<lb/>
sprechen. Trotzdem werde ich ihn zumindestens telefonisch die Mög<lb break="no"/>lichkeit der Berichtserstattung lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_11">Auf dem Flug nach Genf und bei der Vorbereitung der Routine-Sitzung der<lb/>
EFTA stellte ich einmal mehr fest, dass wir uns diese ohne weiteres<lb/>
einmal im Jahr ersparen könnten. Derzeit haben wir immer noch zwei<lb/>
Sitzungen. Jetzt scheidet auch Bundesrat <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> mit Jahresende aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_12">da dies nicht im EFTA-Vertrag vorgesehen ist. Eine Änderung würde<lb/>
aber selbst nur bei finanziellen Zuschüssen schon die Zustimmung<lb/>
des Souverän, sprich Volksabstimmung bedeuten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_13">Bei der offiziellen Sitzung ergaben sich ausser den Berichten,<lb/>
wo jeder einzelne sein Statement zu den einzelnen Punkten<lb/>
vorlas, keine besondere Diskussion. Mit Ausnahme der Spanien-<lb/>
Verhandlungen. Hier wurden die ständigen Vertreter aufgefordert,<lb/>
noch während der Tagung ein entsprechendes Papier auszuarbeiten,<lb/>
um auf diese Weise zu versuchen, die Schwierigkeiten auszuräumen.<lb/>
Natürlich ist dies nicht geglückt, sondern man hat sich so<lb/>
wie immer auf <choice><choice><sic>das kleinste gemeinsame Vielfache</sic><corr>den kleinsten gemeinsamen Nenner</corr></choice></choice> geeinigt.<lb/>
Alte internationale Methode, je weniger konkret, daher je weniger<lb/>
kontroversiell, letzten Endes das Ergebnis solcher Sitzungen ist,<lb/>
desto schwieriger werden natürlich dann die weiteren Verhand<lb break="no"/>lungen, wo es um konkrete Lösungen von Problemen geht. Anderer<lb break="no"/>seits ist es eben zumindestens zur jetzigen Zeit nicht möglich,<lb/>
einen Verhandlungsauftrag der Minister zustandezubringen, die<lb/>
im nächsten Jahr uns als den Vorsitzenden die Möglichkeit gäbe,<lb/>
einen Abschluss mit Spanien tatsächlich zu erreichen. Dies wäre<lb/>
aber gerade deshalb wichtig, weil erstens die Handelskammer<lb/>
von uns aber auch das Aussenministerium selbst einen solchen<lb/>
Abschluss sehr begrüssen würde. Die Handelskammer, weil sie damit<lb/>
hofft, die Diskriminierung zu beseitigen, das Aussenamt deshalb<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> mein Angebot, er möge bei der nächsten Ministerrats<lb break="no"/>sitzung den Vorsitz führen, gerne angenommen hat. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> wünschte<lb/>
nur, dass wir diese EFTA-Sitzung nach Wien verlegen sollten.<lb/>
Dies wird einige Schwierigkeiten ergeben, denn wenn die<lb/>
Sitzung in Wien stattfindet, kann ich schwerlich mich entschuldi<lb break="no"/>gen. Zwei Minister aber bei einer EFTA-Sitzung anwesend zu<lb/>
sein, halte ich als eine zu starke Überbewertung dieser Routine-<lb/>
Sitzung. Da informell die Minister sehr gerne auch einmal<lb/>
nach Salzburg gekommen wären, besteht die Möglichkeit, dass<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> darauf besteht, dass wir in Österreich die Sitzung<lb/>
abhalten sollen, diese nicht nach Wien sondern nach Salzburg<lb/>
einberufen. Ich habe deshalb gegen die Gepflogenheit erklärt, dass<lb/>
dies am 24. u. 25. Mai erfolgen soll, der Ort bleibt offen.<lb/>
Die innerösterreichische Begründung, falls wieder die Oppositions<lb break="no"/>partei herummeckert, wieso <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> den Vorsitz führt, wäre, dass<lb/>
jetzt die Spanienbeitrittsverhandlungen der wichtigste Punkt sind,<lb/>
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seine Arbeit zumindestens für eine halbjährige Erholungspause<lb/>
unterbrechen, was natürlich unmöglich ist, deshalb hat er<lb/>
sich entschlossen, zurückzulegen. Der Zufall wollte es, dass er<lb/>
jetzt noch in der EFTA den Vorsitz führt. Unser neuer Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> hat sich glaube ich ganz gut eingearbeitet und ist wesentlich<lb/>
flexibler als der bisherige <rs type="person" ref="#per__137454">Martins</rs>. Im nächsten halben Jahr<lb/>
führen wir den Vorsitz und er muss deshalb auch die Spanien-Ver<lb break="no"/>handlungen leiten. Gesandter <rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> vom Aussenministerium, bei<lb/>
dem jetzt <rs type="person" ref="#per__137454">Martins</rs> arbeitet, ist wie er mir versicherte, auch sehr<lb/>
glücklich, dass <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> jetzt in der Mission in Genf sitzt, denn<lb/>
natürlich kommt mit diesen Spanienverhandlungen wesentlich mehr<lb/>
Arbeit in Wien und in Genf dazu. Die informelle Sitzung der EFTA<lb/>
erbrachte auch bereits die ersten grossen Schwierigkeiten. Die<lb/>
nordischen Staaten, insbesondere Schweden, wünschen von Spanien<lb/>
so unmögliche Zugeständnisse bezüglich Ausnahmen, dass man mit<lb/>
Sicherheit annehmen kann, dass Spanien dies nie akzeptieren wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116049">Reisch</rs> berichtet mir, dass das Aussenamt bereit wäre, im Einver<lb break="no"/>nehmen mit dem Landwirtschaftsministerium den Spaniern gewisse Zu<lb break="no"/>geständnisse am Landwirtschaftssektor zu machen, wenn gleichzeitig<lb/>
auch diese uns entgegenkämen. Sofort ergibt sich die Frage, ob<lb/>
diese bilateral ausgehandelten Kontingente, die nicht unter die<lb/>
GATT- resp. EFTA-Vereinbarungen fallen, multilateral insbesondere<lb/>
den EFTA-Staaten weitergegeben werden müssen. Um diesem Problem<lb/>
auszuweichen, meint das Aussenamt, wäre es günstig multilaterale<lb/>
Lösungen zwischen EFTA und Spanien anzustreben. Dies erscheint<lb/>
aber kaum möglich, da die Interessen der einzelnen EFTA-Staaten<lb/>
doch viel zu verschieden sind. Für Norwegen ist das Fischproblem<lb/>
z.B. von grösster Bedeutung, für uns andere Agrarprodukte. Wie<lb/>
soll dies unter den jetzigen schwierigen wirtschaftspolitischen<lb/>
Diskriminierungen zwischen Spanien und den EFTA-Staaten auf einen<lb/>
einheitlichen Nenner gebracht werden. Selbst die EG, die noch<lb/>
unbeweglicher ist, bemüht sich vergeblich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_14">Ein weiteres Problem ausser dem griechischen und jugoslawischen<lb/>
Bericht bei der informellen Sitzung war die Finanzierung der EDUK<add>[?]</add>.<lb/>
Dieses Institut der Gewerkschaft soll die Gewerkschaften der<lb/>
einzelnen Länder der EFTA ähnlich wie in der EG zusammenfassen.<lb/>
Die Schweizer haben natürlich grösste Bedenken dagegen. Angeblich<lb/>
haben sie auch nicht einmal die gesetzliche Möglichkeit zuzustimmen,<lb/>
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zuständig ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_15">Die Tavola rotonda in Como war für mich wirklich eine Enttäuschung.<lb/>
In Österreich beteiligen sich eine ganze Anzahl von Unternehmer<lb break="no"/>vertretern an dieser Veranstaltung. In Italien waren es auch<lb/>
einige Österreicher aber wirklich nur ganz wenige Italiener.<lb/>
Wie von mir erwartet, ist auch der italienische Aussenhandelsmi<lb break="no"/>nister nicht gekommen. Die italienisch-österreichische Handels<lb break="no"/>kammer hatte scheinbar fest damit gerechnet, denn mit diesem Hin<lb break="no"/>weis wurde ich ja fast für diese Veranstaltung geködert. Der<lb/>
Industrieminister hat dann einen Staatssekretär geschickt, der<lb/>
ein kurzes Statement abgegeben hat und sich dann sofort wieder<lb/>
entschuldigte. Interessanterweise aber konnte ich dann bei der<lb/>
Nachmittagssitzung einige wichtige Punkte aus der Schluss<lb break="no"/>deklaration herausstreichen. Allen Ernstes hätte man dort über die<lb/>
Währungspolitik die österreichische Regierung offiziell fragen<lb/>
wollen, wie lange wir noch an diesem Hartwährungskurs festhalten.<lb/>
Wäre dieser Punkt nicht von mir gestrichen worden und der Präsident<lb/>
hätte das dort präsentiert, bin ich überzeugt, hätte wahrscheinlich<lb/>
die italienische Presse wie vor einigen Wochen sofort wieder das<lb/>
Abwertungsgerücht aufgenommen und ich wäre womöglich dann mit<lb break="no"/>schuldig gewesen, bei der nächsten zu erwartenden Währungsspekula<lb break="no"/>tion. Ein weiterer Punkt war, dass man unbedingt gegen die<lb/>
Transitsteuer losging und eine sofortige Rücknahme verlangte.<lb/>
Auch dieser Punkt wurde aus der Erklärung herausgestrichen.<lb/>
Die noch verbliebenen habe ich zur Kenntnis genommen und die<lb/>
Weiterleitung an die zuständigen Minister zugesagt. Ich hätte<lb/>
niemals mehr geglaubt, dass meine Anwesenheit dann dort doch noch<lb/>
einigermassen nützlich sein wird. Die Italiener wären natürlich<lb/>
ansonsten von den österreichischen Delegierten so stark beein<lb break="no"/>flusst worden, dass sie jedwede Vorschläge der Österreicher<lb/>
aufgenommen hätten. Selbstverständlich ist eine solche Tavola<lb/>
rotonda, oder wenn man will Zusammenkunft zwischen Österreichern<lb/>
und Italienern im Rahmen eines Vereines und das ist die Österr.-<lb/>
italienische Handelskammer, nicht so bedeutend, dass daraus eine<lb/>
Regierung sofort Konsequenzen ziehen müsste oder gar ihre Politik<lb/>
ändern müsste. Angenehm wären aber diese Beschlüsse sicherlich<lb/>
nicht gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_16">Da der Mailänder Flughafen infolge Nebels auf unbestimmte Zeit<lb/>
gesperrt war, ist Dr. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> von der Giro-Zentrale mit uns<lb/>
im Auto nach Hause gefahren. Ich hatte dadurch Gelegenheit,<lb/>
mit ihm die Energiesituation aber ganz besonders die Finanz<lb break="no"/>fragen eingehend zu diskutieren. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> sieht ungeheure<lb/>
Schwierigkeiten in der Illiquidität der Bankinstitute. Seiner<lb/>
Meinung nach wird hier viel zu wenig koordiniert. Das Hauptübel<lb/>
sieht er darin, dass auf diesem Sektor überhaupt keine Absprache<lb/>
mehr zwischen den einzelnen Instituten, nicht einmal der<lb/>
Genossen, die dort sitzen, erfolgt. Jeder macht seine eigene<lb/>
Politik, wenn ich oft über unsere geringe Koordinierung un<lb break="no"/>glücklich bin, so kann ich da im Vergleich zu anderen Ressorts<lb/>
feststellen, dass wir auf dem Sektor der Energiepolitik, Fremden<lb break="no"/>verkehrspolitik, ja sogar Preispolitik mit unseren Arbeitsaus<lb break="no"/>schüssen direkt ein Musterbeispiel von Koordination darstellen.<lb/>
Wenn ich bedenke, dass wir jetzt durch sieben Jahre hindurch<lb/>
diese Koordination und damit die Mitarbeit von doch den aktivsten<lb/>
auch noch aus der Oppositionszeit herrührenden fortsetzen,<lb/>
so ist dies eigentlich ein: ganz schöner Ansatz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte diese drei Arbeitsgruppen<lb/>
in absehbarer Zeit wieder einmal zusammenrufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-10-12_18">Die Reise in die Schweiz und nach Italien zeigte mir einmal mehr,<lb/>
dass über einen gewissen Zeitraum die verschiedensten wirtschaft<lb break="no"/>lichen Entwicklungen in einzelnen Staaten entstehen können,<lb/>
ohne dass sofort die entsprechenden Reaktionen der anderen<lb/>
Staaten entstehen. Die Wirtschaftsverflechtung ist auf der<lb/>
einen Seite schon sehr weit fortgeschritten, auf der anderen<lb/>
Seite aber ständig durch sehr konkrete Massnahmen zum Schutz<lb/>
vor wirtschaftlich Mächtigeren gefährdet. Würde es hier nicht<lb/>
die doch wirksam werdenden internationalen Verpflichtungen<lb/>
GATT, EFTA, EG usw. geben, dann hätten wahrscheinlich in viel<lb/>
stärkerem Ausmass bereits die Restriktionsmassnahmen einer<lb/>
liberaleren Handelspolitik eingesetzt. Die weitere Folge und<lb/>
davon bin ich fest überzeugt, wäre gewesen, dass wir schon in einer<lb/>
protektionistischen Politik der Dreissigerjahren drinnenstecken<lb/>
würden. Das Ergebnis allerdings wäre dann sicherlich ein ähn<lb break="no"/>liches auch der Dreissigerjahre. Andererseits ist mir aber<lb/>
vollkommen klar, wenn nicht sehr bald eine Änderung des Wirt<lb break="no"/>schaftskurses und damit ein Konjunkturaufschwung einsetzt,<lb/>
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einzelnen Staaten sehr wohl imstande sein werden, weitere pro<lb break="no"/>tektionistische Massnahmen zu verlangen und durchzusetzen.<lb/>
In diesem Fall sehe ich dann für die weitere wirtschaftliche<lb/>
Entwicklung äusserst pessimistisch, Schutzmassnahmen um Schutz<lb break="no"/>massnahmen auftauchen. Das Ergebnis kann und wird dann nur<lb/>
eine Schrumpfung des Aussenhandels und damit auch ein Bremsen<lb/>
des wirtschaftlichen Aufstieges, vielleicht sogar auch ein<lb/>
Rückgang sein. In diesem Punkt gehen wird glaube ich wirklich<lb/>
keiner guten Zeit entgegen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 12.10.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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