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            <title type="main">Montag, der 26. September 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band38_1977-09-26</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_01">Montag, 26. September 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_02">Beim Jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> liess ich ihnen<lb/>
zuerst das Flugblatt, welches in Innsbruck bei der Messe<lb/>
verteilt wird und mich als Feigling hinstellte, lesen, worauf<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> sofort erklärte, für das Flugblatt könne niemand etwas.<lb/>
Er war sehr erstaunt, dann im Impressum Nationalrat <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs><lb/>
vom Wirtschaftsbund zu lesen. Noch mehr überrascht war er aber<lb/>
über das Schreiben des Direktors des Wirtschaftsbundes Tirol an<lb/>
die Messe-Aussteller, wo diese aufgefordert wurden, mich ent<lb break="no"/>sprechend bei den Messeständen, wenn sie überhaupt mit mir reden<lb/>
zu empfangen. Mein Argument, dass eben die Wirtschaftsbund-Leitung<lb/>
gar nicht mehr weiss, was unten vorgeht, wollte er nicht akzep<lb break="no"/>tieren. Nach einer telefonischen Rücksprache, wie ich dann aller<lb break="no"/>dings feststellte, mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs>, einem hohen Funktionär<lb/>
des Wirtschaftsbundes, musste er dann zugeben, dass ich recht<lb/>
hatte und <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> tatsächlich, so behauptete auch dieser<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gegenüber, von der ganzen Aktion angeblich nichts<lb/>
wusste. Dies stimmt sicherlich auch wieder nicht, eher nehme<lb/>
ich an, wie <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> mir versicherte, er sei gegen diese Aktion<lb/>
gewesen, hätte sich aber nicht durchsetzen können. Dasselbe<lb/>
glaube ich gilt heute auch von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>. Sein Generalsekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118736">Schüssel</rs> dürfte weitestgehend mit dem Apparat des Wirtschaftsbundes<lb/>
selbständige Politik im Sinne von <rs type="person" ref="#per__111712">Bergmann</rs> von der ÖVP-Bundes<lb break="no"/>parteileitung machen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> bestreitet dies zwar ganz ent<lb break="no"/>schieden. Seine hilflose Ausrede ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> von Mallorca<lb/>
den ganzen Streit vom Zaun gebrochen hat und daraus diese ganze<lb/>
Malaise entstanden ist. Sein Rechtfertigungsversuch und gleich<lb break="no"/>zeitiger Angriff ist dann, dass die Regierungsmitglieder und<lb/>
selbstverständlich auch ich mich nichts gegen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagen<lb/>
trauen. Während er selbst in der ÖVP-Alleinregierung ständig mit<lb/>
Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> Streit und offene Differenzen gehabt hat.<lb/>
Für mich ist es unerklärlich, wie ein so erfahrener Politiker<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ernstlich glaubt, dass die Stärke einer Partei<lb/>
und einer Regierung darin liegt, die Differenzen öffentlich<lb/>
auszutragen, Wenn es noch eines Beispiels bedurft hätte, dass<lb/>
damit die Glaubwürdigkeit einer Partei und die Stärke einer<lb/>
Regierung verlorengeht, so war es der derzeitige Sommer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_03">Wo leider viel zu viel Differenzen öffentlich diskutiert<lb/>
wurden. Dies kann das Ende sein und sicherlich nicht eine<lb/>
gute Basis für die zukünftige Regierungsarbeit. Dass ich<lb/>
dies <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht gesagt habe, ist selbstver<lb break="no"/>ständlich. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verwies insbesondere beim 2. Abgabenände<lb break="no"/>rungsgesetz-Entwurf darauf hin, dass PKW wie Grund und Boden be<lb break="no"/>handelt wurden, was angeblich auch in den Erläuternden Bemerkungen<lb/>
steht. Damit wären sie ewig gut, nach seiner Aufassung, das Finanz<lb break="no"/>ministerium will sicher damit ausdrückten, dass keine Abschreibung<lb/>
gen dafür notwendig sind. Für Betriebsausgaben werden 20.000 S<lb/>
im Jahr pauschaliert abzusetzen gewesen. Jetzt hat man sich auf<lb/>
150.000 S geeinigt, plus einem Fahrtenbuch für jeden gefahrenen<lb/>
Kilometer dann 1.– S. Gegen das Fahrtenbuch werden die Unterneh<lb break="no"/>mer, wie ich dann bei persönlichen Aussprachen feststellen<lb/>
konnte, gar nichts einzuwenden haben, denn einige wollten sicher<lb break="no"/>lich schon eine Kontrolle über die Fahrten insbesondere über<lb/>
die Vertreter, die sie sicherlich nicht so leicht durchgesetzt<lb/>
hätte, als jetzt wo es vom Gesetz vorgeschrieben wird. Unzu<lb break="no"/>länglich ist noch, dass die Autos 7 Jahre abzuschreiben sind,<lb/>
nach Meinung aller ein zu langer Zeitraum. Für die Unternehmer<lb/>
wird auch besonders kritisch, dass bei der Erhöhung der Mehr<lb break="no"/>wertsteuer auf 30% beabsichtigt ist, den Vorsteuerabzug<lb/>
nicht mehr geltend machen kann.<lb/>
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Novelle der Schrott-Verband nicht mehr zur Durchführung heran<lb break="no"/>gezogen wird. Ich erklärte ihm sofort, dass wir doch ein<lb/>
Versorgungsgesetz für die wirtschaftliche Landesverteidigung<lb/>
aus dem Rohstofflenkungsgesetz machen müssen. Nach seinen<lb/>
ersten Äusserungen dürften wir auf diesem Gebiet, wenn die<lb/>
Situation sich nicht allgemein verschärft, Möglichkeiten eines<lb/>
gemeinsamen Vorgehens haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte jetzt schon mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs><lb/>
Leuten Kontakt haben.<lb/>
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Seine Leute könnten unter dessen Vorsitz nicht mitarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_07">Ich erklärte ihm, dass ich nach einem Bericht in Konsumentenbeirat<lb/>
wo niemand dagegen war, <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> diesbezüglich schon verständigt<lb/>
hatte und mit Brief bestellt. Ich schlug ihm vor, er soll mit<lb/>
seinen Funktionären reden, damit der Obmann der Sektion Handel<lb/>
<rs type="person" ref="#per__121793">Fuchs</rs> mit mir Kontakt aufnimmt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen,<lb/>
wenn der Vorschlag von ihrer Seite kommt, bis zu alternierendem<lb/>
Vorsitz zwischen <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> und <rs type="person" ref="#per__121793">Fuchs</rs> zu gehen. Mir war vollkommen<lb/>
klar ohne dass ich nur ein Wort davon sagte, dass ohne Mitarbeit der<lb/>
Handelskammer dieser Ausschuss eine Totgeburt wäre. Ähnlich ist<lb/>
es wenn nur subalterne Beamte mitwirken würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_08">Die Handelskammer ist bezüglich der GATT-Zollkündigungen für Teig<lb break="no"/>waren bei öffentlichen Aufträgen für eine Importbegründungspflicht<lb/>
und viele andere Massnahmen, die von mir schon längst in Angriff, ja<lb/>
sogar schon durchgeführt wurden. Entweder wollen Beamte der Handels<lb break="no"/>kammer <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> noch einmal verpflichten, bei mir zu urgieren oder<lb/>
die Handelskammer weiss wirklich nichts von unseren konkreten Mass<lb break="no"/>nahmen im Handelsministerium. Politisch wird es notwendig sein, das<lb/>
Massnahmenpaket, welches jetzt vom Bundeskanzler verlangt wird und<lb/>
wahrscheinlich viele Forderungen der Handelskammer enthält wie restrik<lb break="no"/>tive Einfuhrpolitik, stärkere Kontrolle der Kennzeichnung und sonstiger<lb/>
administrativer Hemmnisse bei Importwaren, womöglich mit den Handels<lb break="no"/>kammersekretären zu besprechen. Notwendig ist dabei darauf zu achten,<lb/>
dass dann nicht in der Öffentlichkeit eine Polemik entsteht, bevor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> das Paket verlautbart hat. Da die Handelskammer aber ständig<lb/>
von uns Restriktionsmassnahmen verlangt, muss es möglich sein, doch<lb/>
zumindestens eine Scheinbegutachtung und Besprechung durchzuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte entsprechende Handelskammer<lb break="no"/>wünsche mit dem Anreger, sofern sie ins Paket aufgenommen werden, be<lb break="no"/>sprechen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_10">Der Handelsminister <choice><choice><sic>von Manila</sic><corr>der Philippinen</corr></choice></choice>, <rs type="person" ref="#per__116953">Quiazon</rs>, ist von mir eingeladen und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
teilt mir mit, dass ein ehemaliger Handelsdelegierter Dr. <rs type="person" ref="#per__116969">Konrad</rs>, Be<lb break="no"/>rater der Fa. Austrofil ist, deren Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__149389">Espino</rs> mitkommt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ersucht mich, alle zu empfangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte beachte, wenn der Handelsminister zu<lb/>
mir kommt, den entsprechenden Wunsch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_12">Bezüglich eines Filmförderungsgesetzes ersucht <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass wir uns<lb/>
besonders dafür einsetzen, dass nicht Wien-Film, die jetzt alle<lb/>
Aufträge vom ORF bekommt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> versucht durch Druck auf den ORF<lb/>
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Politik zu verstärken. Dadurch bekommen die anderen Studios<lb/>
kaum Aufträge. Meine Argumentation ist, dass die Studios gut<lb/>
ausgelastet sind und wenn überhaupt eine Filmförderung kommt<lb/>
ich mich keinesfalls in die Subvention der einzelnen Filme ein<lb break="no"/>mischen werde. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sieht dies vollkommen ein. Da er bei einer<lb/>
Literaturpreisförderung im Vorjahr die schlechtesten Erfahrungen<lb/>
mit Entscheidungen, die er treffen musste, gemacht hat. Heuer<lb/>
wird deshalb von der Handelskammer der Literaturpreis ausgesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_13">Bezüglich der Einfuhrpolitik für Pommes frites und Chips, die<lb/>
in Hinkunft kontingentiert werden soll, gibt es im Handelsmini<lb break="no"/>sterium eine interministerielle Sitzung. Der Handel schlägt<lb/>
vor, 2.500 t, die Industrie möchte nur 500 t zugestehen. Die<lb/>
Handelskammer kann nicht koordinieren und wird deshalb beide<lb/>
Vorschläge vertreten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Lass Dir bitte sofort über diese Sitzung be<lb break="no"/>richten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_15">Beim Journalistenfrühstück berichtete Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> über Rumänien.<lb/>
Ich bemühte mich dann noch eine gewisse Ergänzung zu machen, glaube<lb/>
kaum, dass aber ein grosser Bericht in den Zeitungen stehen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_16"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtete über das Berufsausbildungsgesetz-Begutachtungs<lb break="no"/>verfahren. Diesen Tagesordnungspunkt haben wir nicht nur deshalb<lb/>
aufgenommen, weil ich dann über den Jugendkongress kurz ergänzen<lb/>
konnte, sondern weil wir wussten, dass die ÖVP mit <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> an der<lb/>
Spitze sogar einen Pressekonferenz zur Berufsausbildung macht.<lb/>
Wie ich später erfahren habe, handelte es sich allerdings um eine<lb/>
Tagung für die gesamte Lehrstellen- und Schulproblematik.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wir sollten hier besser informiert sein über<lb/>
die Absicht der ÖVP, die ja hinlänglich bekannt war.<lb/>
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mit minus 5 % gar nicht gut ist. Die ganze Sommersaison hat<lb/>
minus 2 %, wobei interessanterweise die Inländerübernachtungen mit<lb/>
plus 4,6 % zunahmen. Kritisch war sein Bericht über die inter<lb break="no"/>nationalen Aktivitäten mit Polen und Ungarn werden jetzt Verträge<lb/>
abgeschlossen und weiss Gott was nicht noch alles vorgekehrt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_19">In meinen Augen ist das nichts anderes als die Absicht<lb/>
insbesondere der Oststaaten-Beamten Kontakte mit dem Westen<lb/>
zu bekommen, um Dienstreisen durchführen zu können. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit stossen sie in Österreich auf guten Widerhall<lb/>
denn auch unsere Beamten haben grosses Interesse nicht nur<lb/>
in Österreich herumzureisen, sondern bei Fremdenverkehrs<lb break="no"/>aktivitäten im Ausland ebenfalls dann dorthin zu fahren.<lb/>
Politisch aber kann das sehr schaden, wie ich dann auch sofort<lb/>
aus den Bemerkungen einiger Redakteure entnommen habe. Die<lb/>
Fremdenverkehrsaktivitäten kann und ist zum grössten Teil nur<lb/>
eine Einbahnstrasse, nämlich dass Österreicher oder andere<lb/>
Europäer vielleicht sogar auch Überseeleute über Österreich<lb/>
in die Oststaaten fahren. Ich habe deshalb sofort erklärt und<lb/>
nach der Sitzung <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> dann ganz besonders aber <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs><lb/>
darauf aufmerksam gemacht, dass diese Aktivitäten sofort einzu<lb break="no"/>stellen sind zumindestens auf ein Mindestmass zu beschränken<lb/>
sind. Zum Glück hat <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>, der seinerzeitige Geschäfts<lb break="no"/>führer der ÖFVW, schon vor zehn Jahren mit der Donauwerbung<lb/>
aller donaueuropäischen Anrainerstaaten begonnen, sodass ich<lb/>
dies als eine übernommene Initiative bezeichnen kann. Das<lb/>
erste Abkommen mit Bulgarien, welches wir seinerzeit schlossen,<lb/>
war von der Absicht geleitet, über dieses Fremdenverkehrsabkommen<lb/>
Österreicher, die in Bulgarien verheiratet sind und nicht nach<lb/>
Österreich auswandern können, hier einen Weg zu erschliessen.<lb/>
Jetzt hofft <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass er mit dem Polen-Abkommen erreichen<lb/>
kann, dass Devisenguthaben der einzelnen Polen locker gemacht<lb/>
werden können und dass vor allem die Passausstellung in Polen, die<lb/>
ein Vermögen kostet, wesentlich reduziert wird. Ich fürchte, dass<lb/>
dies alles Illusionen sind, die öffentlich uns insbesondere im<lb/>
Westen, wie <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> dies bei der Messe-Eröffnung in Innsbruck<lb/>
angekündigt hat, sehr schaden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_20">Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> berichtete über die Quantex-Studie, wo auch in<lb/>
absehbarer Zukunft Baumwolle mit 28 % Anteil gleichbleiben wird<lb/>
und nur die Synthetics stark steigen werden. Alle diese Studien<lb/>
kosten ein Heidengeld und bringen in meinen Augen kaum so ent<lb break="no"/>scheidende Erkenntnisse für Firmen oder Verbände, dass diese<lb/>
Ausgabe gerechtfertigt wäre. Wenn tatsächlich der Finanzminister<lb/>
radikal sparen müsste und uns das Budget entsprechend beschneiden<lb/>
würde, könnte ich mir gut vorstellen, dass doch etliche Millionen<lb/>
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werden könnten. Dies gilt wahrscheinlich aber in anderen Mini<lb break="no"/>sterien viel stärker als bei mir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_21">Die Schauspielerin <rs type="person" ref="#per__122185">Brigitte Neumeister</rs> hätte mit dem Österr.<lb/>
Rundfunk und Fernsehen einige Shows besprochen, die man auch<lb/>
im Fremdenverkehr als Werbemittel gut einsetzen könnte. Mit<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> von der ÖFVW hat sie Kontakt gehabt, dieser soll an<lb break="no"/>geblich eine Schau auch ganz besonders positiv aufgenommen haben,<lb/>
wo sie regional in den verschiedensten Fremdenverkehrsgebieten<lb/>
für diese eine entsprechende Werbung machen würde.<lb/>
Ihrer Vorstellung nach hätte sie 12.000 S für den Abend für diese<lb/>
Show gebraucht. Jetzt macht sie eine spezifische für den ORF<lb/>
ganz gross mit ORF-Big-Band usw. und glaubt, dass diese dann<lb/>
auch mit eine Klavierspieler variiert in verschiedensten Städten<lb/>
wiederholt werden könnte. Selbstverständlich habe ich mich<lb/>
zu diesen Plänen überhaupt nicht geäussert, sondern <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> er<lb break="no"/>sucht, er soll mit Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> darüber sprechen. Ich bin<lb/>
glücklich, mit Künstlern nichts zu tun zu haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_22">Der neue amerikanische Botschafter <rs type="person" ref="#per__122897">Wolf</rs> in Begleitung seines Handels<lb break="no"/>attachés Bardach verwies besonders darauf, dass nach amerikani<lb break="no"/>scher Auffassung unsere <sic>Unbalance</sic> der letzten Jahre geändert ge<lb break="no"/>hört. Amerika macht sich scheinbar jetzt auch Gedanken, dass wir<lb/>
so wenig nach USA exportieren können und so viel jetzt von ihnen<lb/>
importieren. <rs type="person" ref="#per__122897">Wolf</rs> meinte, dass wir doch vielleicht die Parität<lb/>
Schilling:Dollar überlegen sollten. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
habe ich nicht ein grosses wirtschaftspolitisches und währungspoliti<lb break="no"/>sches Gespräch geführt sondern auf die Gefahr der Antidumpingver<lb break="no"/>fahren gegen Plasser &amp; Theurer verwiesen und insbesondere die<lb/>
schlechte Behandlung der österr. Stahlindustrie bei Exporten nach<lb/>
USA. Ich versprach <rs type="person" ref="#per__122897">Wolf</rs> eine genaue Darstellung dieser Probleme<lb/>
ihm schriftlich darzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte veranlassen, dass <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> sofort diesen<lb/>
Brief verfasst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_24">Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__149382">Gaiosch</rs>, csl. Aussenhandelsministerium, Dr. <rs type="person" ref="#per__141304">Rot</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> und der<lb/>
csl. Handelsrat in Österreich beschwerten sich bitter bei mir<lb/>
über einen Artikel von <rs type="person" ref="#per__131805">Grolig</rs> in der Presse. <rs type="person" ref="#per__131805">Grolig</rs> ist in der CSSR,<lb/>
wie ich von ihnen erfahren konnte, akkreditiert und hat den letzten<lb/>
<pb n="38-1099" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-09-26_1099.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Besuch von mir in Brünn dazu benützt, um den Tschechen zu<lb/>
unterstellen, was sicherlich richtig ist, aber was man eben<lb/>
so nicht schreibt, dass sie Wirtschaftskontakte mit Österreich<lb/>
nur wollen, um hier ihre politische Konzeption besser vertreten<lb/>
zu können. Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__114726">Barcak</rs> erklärte mir <rs type="person" ref="#per__149382">Goias</rs><lb/>
sei über diesen Artikel sehr befremdet gewesen. Auch ich habe<lb/>
dies sofort zugegeben. Die Presse hat einige Mal schon – siehe<lb/>
Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> mit leeren Taschen usw. –<lb/>
so unglückliche Artikel zur unglücklichsten Zeit geschrieben.<lb/>
Der österr. Handelsdelegierte in Prag <rs type="person" ref="#per__123349">Bittner</rs>, der von dem<lb/>
Artikel auch nichts wusste, wird auch diese Demarche von <rs type="person" ref="#per__149382">Gaios</rs><lb/>
der Bundeshandelskammer mitteilen, nachdem die Presse ja mehr<lb/>
oder minder von ihnen finanziert wird. Die Kooperationsverhand<lb break="no"/>lungen, die jetzt stattfinden werden kein Problem darstellen,<lb/>
aber auch keine neuen Erkenntnisse bringen. der 10-jährige<lb/>
Handelsvertrag, der jetzt neu abzuschliessen ist, kann heuer<lb/>
nach Wunsch der Tschechen nicht mehr in Angriff genommen werden,<lb/>
wir einigten uns daher sofort darauf die Verlängerungsklausel<lb/>
wirksam werden zu lassen, d.h. der Vertrag wird automatisch um<lb/>
ein Jahr verlängert. Neue Verhandlungen sind daher gar nicht<lb/>
notwendig. Mit der VÖEST will die csl. Seite einen Rahmenver<lb break="no"/>trag abschliessen, der sich nicht nur auf den Bezug von Kohle<lb/>
beschränken soll. Dir. <rs type="person" ref="#per__126225">Rohner</rs> von der VÖEST wird deshalb die<lb/>
Delegation entweder zu einem Arbeitsessen oder zu einer sonstigen<lb/>
Aussprache empfangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_25">Von der Wienerberger Ziegelfabrik kam Ing. <rs type="person" ref="#per__142370">Seibt</rs> und ersuchte<lb/>
mich neuerdings in Iran zu intervenieren, damit sie wieder<lb/>
und diesmal letztmalig zum Aufbau ihrer Fabrik 3.000 t Zement<lb/>
bekommen.Das letzte Mal hat eine Intervention des Handelsdele<lb break="no"/>gierten in Teheran, resp. unseres Botschafters Wunder gewirkt.<lb/>
Ich versprach selbstverständlich, diesem Wunsch nachzukommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte einen Briefentwurf an unseren Bot<lb break="no"/>schafter resp. Handelsdelegierten in Teheran von <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> verfas<lb break="no"/>sen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_27">Der Wiener Vorstand hätte mit dem Gemeinderatsklub-Präsidium<lb/>
über die Wiener Stadtverfassung eine erste Besprechung abhalten<lb/>
sollen. Angeblich war aber im Gemeinderat eine so lange Kanal<lb break="no"/>diskussion von <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs>, dass die Nicht-Gemeinderatsmitglieder<lb/>
und das sind nur ein paar gewesen, im Bürgermeisterzimmer gewartet<lb/>
haben, bis endlich diese Sitzung zu Ende geht. Der Entwurf der<lb/>
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Sitzung dann gar nicht mehr teilnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Interessiere Dich bitte, wie dies weiter<lb break="no"/>gegangen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-26_29">Die Staatsbürgerversammlung in der Innenstadt hat meistens<lb/>
ältere Genossen umfasst, aber auch einige junge Leute, wo man mir<lb/>
dann mitteilte, dies seien vereinzelte trotzkistische Pärchen.<lb/>
Zu meiner grössten Verwunderung entdeckte ich auch den Importeur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs> unter den Zuhörern, der sich aber nicht meldete.<lb/>
Beim <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> weiss ich nie, will er ein Gesichtsbad machen<lb/>
oder interessiert er sich wirklich über wirtschaftspolitische<lb/>
Probleme. Ich erklärte, wie ich dies auch in Vorarlberg und<lb/>
Tirol schon gemacht habe nicht meine Ressortprobleme sondern<lb/>
die heiklen Budget- und Zahlungsbilanzschwierigkeiten. Oftmals<lb/>
kommen dann aus Publikumsdiskussion Vorschläge wie man sollte<lb/>
die Mehrwertsteuer abfassen und dafür alles auf eine Energie<lb break="no"/>steuer legen, dann würde der Energieverbrauch sofort zurückgehen.<lb/>
Ein anderer Vorschlag: Die Dienstautos gehören abgeschafft und<lb/>
alle sollen mit der Strassenbahn fahren, dann würde sie nicht<lb/>
so mies sein. Selbst sagte ich, wenn <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> als Schaffner sich<lb/>
einsetzt, würden nicht wesentliche Änderungen eintreten, weil<lb/>
die Betriebsbedingungen und die Personalschwierigkeiten eine<lb/>
befriedigende Lösung ausser mit ungeheurem Personalkostenaufwand<lb/>
zu erreichen wäre. Immer wieder kommt auch der Vorschlag, man<lb/>
sollte mehr Österreich-Patriotismus bei Wareneinkäufen er<lb break="no"/>warten und wenn man die Österreicher motiviert, dann sicherlich<lb/>
auch erreichen können. Als ersten Schritt dazu meinte ich, wird<lb/>
Österreich am Fussballplatz eine Nation, nachdem am Sonntag<lb/>
das ganze Stadion die Bundeshymne mitgesungen hat. Was aber<lb/>
Spar- und Kaufappelle betrifft, so ist sicherlich ein gewisser<lb/>
Erfolg zu erreichen, man darf dies aber nicht allzu sehr über<lb break="no"/>spannen. Die grösste Diskussion ergab sich aber dann über die<lb/>
Frage der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Tullnerfeld.<lb/>
Selbstverständlich waren wieder Kernkraftwerksgegner dort,<lb/>
mit denen ich aber sehr vernünftig diskutieren konnte. Überhaupt<lb/>
bin ich überrascht, wie es in Österreich doch noch immer möglich<lb/>
ist, selbst über die heissesten Eisen ganz kalt und ruhig und<lb/>
sachlich zu diskutieren. In dieser Beziehung sind wir zumindestens<lb/>
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anhalten wird, getraue ich mich allerdings nicht zu prophezeien.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 26.9.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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