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            <title type="main">Freitag, der 23. September 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_01">Freitag, 23. September 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_02">Bei der Textilverbandstagung auf der Schattenburg wurde ich mit<lb/>
spärlichem Applaus empfangen. Die dort Anwesenden waren alle aber durch<lb/>
das neue Abgabenänderungsgesetz ungeheuer verärgert, aggressiv und<lb/>
ich war auf eine ganz hart Auseinandersetzung gefasst. Sekt.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> hatte am Vortag schon mit einem Teil der Teilnehmer eine<lb/>
Diskussion gehabt und mir in der Früh bereits über die harte Aus<lb break="no"/>einandersetzung berichtet. Die Einleitung vom jetzigen Vorsitzenden<lb/>
des Fachverbandes <rs type="person" ref="#per__144392">Adensamer</rs>, einem kleinen Industriellen aus dem<lb/>
Waldviertel, der Futterstoffe erzeugt, aber auch die Textilbilanz<lb/>
vom Fachverbandssekretär Dr. <rs type="person" ref="#per__140608">Huber</rs> war nicht aufregend. Begonnen<lb/>
hat es, als der Diskussionsleiter Dr. <rs type="person" ref="#per__131135">Hladik</rs>, ein Geschäftsführer<lb/>
der Vorarlberger Textilwerke die Diskussion übernahm. Sie war von<lb/>
ihm sehr fair geleitet, wie man mir nachher von verschiedener Seite<lb/>
versicherte, war sie auch eine der interessantesten seitdem die<lb/>
Schattenburgtagungen stattfinden. Minister <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs>, der früher auch<lb/>
einige Male daran teilgenommen hatte, gab natürlich nicht einen so<lb/>
guten Reibebaum ab, wie ich heute. Dadurch war die Diskussion sehr<lb/>
lebhaft und meine Argumentation gegenüber den Vorwürfen sehr wider<lb break="no"/>sprüchlich. Ich stellte die These auf, dass die Unternehmer auch<lb/>
behauptet hätten, wie würden mit den Preissteigerungen nicht fertig<lb/>
waren. Von 10 % sind wir jetzt auf 5,5 % zurückgegangen. Die prophe<lb break="no"/>zeite Stagflation ist nicht gekommen. Ebenso wurden wir mit der<lb/>
starken westeuropäischen Rezession im Jahre 1975 besser fertig als<lb/>
als andere europäischen Staaten. Auch hier wurde das Gegenteil<lb/>
behauptet. Die Lehrlingsunterbringung haben wir dank der Unter<lb break="no"/>stützung auch der Handelskammer bis jetzt bestens gelöst. Obwohl<lb/>
man behauptet hat, die Regierung kann nicht einmal 1975 vor<lb/>
den Wahlen diesen Skandal beseitigen. Immer wieder aber musste<lb/>
ich auf die Vorwürfe des zweiten Abgabenänderungsgesetzes eingehen.<lb/>
Zum Glück konnte ich auf die geänderte Stellungnahme des Finanzministers<lb/>
jetzt doch die Autos bis zu 105.000 S abschreibungsmässig anzuer<lb break="no"/>kennen, verweisen, die ja wirklich eine grosse Erleichterung der<lb/>
Klein- und Mittelbetriebe bringen und für die grösseren auch für<lb/>
ihren Wagenpark die Abschreibungsmöglichkeit erhält. Die Beispiele<lb/>
für steuerfreie Rücklagen für Abfertigung und Pensionen haben sofort<lb/>
eine Diskussion ausgelöst, wo ich nicht die notwendigen detaillierten<lb/>
Informationen besass. Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> hat mir sofort als wir nachher über<lb/>
die Tagung diskutierten, recht gegeben, dass dort auch nicht alle<lb/>
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kannten. Ich selbst war aber vollkommen unzulänglich informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Wo bleibt die versprochene<lb/>
Zusammenfassung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_04">Landesrat <rs type="person" ref="#per__114554">Rümmele</rs> hatte mit mir dann eine Aussprache über die<lb/>
Vorarlberger Probleme. Insbesondere möchte er doch jetzt<lb/>
die 350.000 t Leitungskapazität der Europa-Ölleitung durch Vor<lb break="no"/>arlberg nützen und in der Nähe Lustenau eine Destillation er<lb break="no"/>richten. Ich bin überzeugt, dass er mit den Gemeindevertretern<lb/>
grosse Schwierigkeiten haben wird.<lb/>
Vorarlberg, eventuell auch mit der Preussag, die auch die Bohrungen<lb/>
übernimmt, eine entsprechenden Vertrag machen. Die ÖMV, sagt <rs type="person" ref="#per__114554">Rümmele</rs>,<lb/>
ist zwar immer bereit mit ihnen zu reden, aber niemals bereit, kon<lb break="no"/>krete Abschlüsse zu tätigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_05">Der Wunsch Vorarlbergs ist, dass in Nigeria von der ÖMV jetzt Öl<lb/>
bezogen werden soll, damit die österr. Exporte nach Nigeria<lb/>
wieder aufgenommen werden können und vor allem auch die 500 Mill. S<lb/>
die teils noch in Nigeria liegen, teils aber auch Produkte, die<lb/>
für Nigeria bestimmt sind, endlich den Vorarlberger Stickern<lb/>
ausbezahlt werden können. Die Vorarlberger Sticker müssen nur<lb/>
100 Maschinen stillegen, produzieren bereits wieder für 1,9 Mia. S<lb/>
während die Schweiz angeblich nur für 1,4 Mia. S Stickereien derzeit<lb/>
erzeugen kann, Die Österreicher haben also die Schweizer wieder<lb/>
weit übertroffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_06">Vorarlberg ist bereit, die Aktion Bergerlebnis mitzumachen.<lb/>
Bezüglich der Aktion Existenzgründung gemeinsam mit Ländern hat<lb/>
Vorarlberg seit dem Jahre 1976 eine bis 250.000 S Zinsenzuschuss<lb/>
4 % auf 5 Jahre eingeführt. Bis jetzt haben sich 150 Unternehmer<lb/>
dafür interessiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_07">Bei der Übereichung des Staatswappens an die Firma Bäumler, einem<lb/>
deutschen Unternehmen, der in Hohenems eine Zweigniederlassung hat<lb/>
konnte ich mit den Firmenchefs feststellen, dass es derzeit in<lb/>
Österreich wesentlich günstiger für sie ist als in der BRD oder<lb/>
anderswo. Die Firma investiert weiter und bei meiner Ansprache<lb/>
verwies ich darauf, dass ich hoffe, dass die Firma noch weitere<lb/>
Investitionen in Österreich tätigen wird. Die Brüder Bäumler haben<lb/>
mir dies zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_08">Die fraktionelle Besprechung mit den Illwerke-Vertretern in Bludenz<lb/>
war insofern eine interessante Diskussion, als selbstverständlich<lb/>
einen grossen Raum der Diskussion die Schiedsgerichtsverhandlung<lb/>
mit den deutschen Abnehmern einnahm. Unser sozialistischer Direktor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> bei den Illwerken wollte den Betriebsräten immer im Detail er<lb break="no"/>zählen, warum dies und jenes nicht geht. Die Betriebsräte haben aber<lb/>
ein sehr gutes Gefühl und die Belegschaft fragt immer wieder, warum<lb/>
dies so geht. Da die Vorarlberger Landesregierung letzten Endes<lb/>
so irrsinnige Forderungen für ihren Vorstandsvertreter errechnet hatte,<lb/>
4 Mia. S für die Vergangenheit, 70 Groschen Strompreis, fast doppelt<lb/>
so viel wie jetzt für die Zukunft, die Deutschen nur 49,5 Mill. S<lb/>
geboten haben, würde auch ich nicht anders entscheiden, als dass<lb/>
jetzt das Schiedsgericht einberufen werden muss. Die Betriebsräte und<lb/>
Belegschaft ist scheinbar über diese Entwicklung nicht sehr glücklich.<lb/>
Die haben so wie ich das Gefühl, es ist zweckmässiger sich mit den<lb/>
Deutschen zu arrangieren als im Schiedsgerichtsverfahren abzuwarten,<lb/>
was dabei herauskommt. Wegen des Ausbaues von Walgau müssen wir<lb/>
uns auch mit dem deutschen Abnehmer einigen, weil ansonsten wasser<lb break="no"/>rechtliche Schwierigkeiten entstehen können. Ebenso verwies ich darauf,<lb/>
ist es dringend notwendig, im Rahmen des internationalen Verbund<lb break="no"/>systems sich mit der grossen deutschen Gesellschaft RWE und den<lb/>
Schwaben zu einigen. Wieder einmal mehr habe ich bestätigt bekommen,<lb/>
wie die Belegschaft und insbesondere Betriebsräte ein gutes Gefühl<lb/>
haben, was für ihren Betrieb gut ist und was nicht. Die Direktoren<lb/>
haben oft eine andere Meinung. Neu bei dieser Aussprache war für<lb/>
mich, dass Dir. <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> mir vor der Versammlung mitteilte, dass die<lb/>
Frau eines Pensionierten Direktors Unterlagen, d.h. Akte der Gesell<lb break="no"/>schaft besitzt, die die Gesellschaft jetzt dringend insbesondere<lb/>
im Schiedsgerichtsverfahren braucht. Wie mir <rs type="person" ref="#per__113016">Peter</rs> nachher unter<lb/>
vier Augen versicherte, handelt es sich um die Frau des verstorbenen<lb/>
Generaldirektors <rs type="person" ref="#per__115708">Ammann</rs>. Ähnlich wie beim jetzt pensionierten Gen.<lb/>
Direktor sind in dem Illwerke-Büro nur mehr die Aktendeckel, die<lb/>
Inhalte fehlen aber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte sofort von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> den Fall<lb/>
ebenfalls prüfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_10">Interessant war dann spät abends in Tirol die Diskussion in Nauders.<lb/>
Zu dieser Staatsbürgerversammlung war der Wirtschaftsbund und seine<lb/>
Vertreter aufmarschiert. Der Fremdenverkehrsverband hatte für denselben<lb/>
<pb n="38-1085" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-09-23_1085.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Zeitpunkt vor längere Zeit schon eine ordentliche Generalversammlung<lb/>
einberufen. Da die SPÖ Nauders sehr spät meine Staatsbürgerversammlung<lb/>
dort endgültig fixierten konnte, überschnitten sich die Termine.<lb/>
Zur grössten Überraschung von mir hat man aber dann die General<lb break="no"/>versammlung verschoben und alle sind korporativ zu meiner Staats<lb break="no"/>bürgerversammlung erschienen. Die interessante, langwierige<lb/>
Diskussion echt Tirolerisch war echt fair und sachlich. Der Fremden<lb break="no"/>verkehrsobmann lud mich zu einem Urlaub ein und alle bedankten<lb/>
sich, dass ich überhaupt nach Nauders gekommen bin. Vielleicht<lb/>
habe ich auch deshalb dort so gut abgeschnitten, weil ein Gastwirt<lb/>
nicht bereit war, der Liftgesellschaft beizutreten. In der Diskussion<lb/>
sagte er, er denke nicht daran, er lasse sich nicht dazu zwingen und<lb/>
übrigens verlange man von ihm jetzt das 2 1/2-fache wie von den<lb/>
Gründungsmitgliedern. Ich schlug ihm, er solle doch ein Gegenangebot<lb/>
machen, mit dem Reden kommen die Leute zusammen, denn dies sei<lb/>
auch für seine Gäste von Bedeutung. Jetzt nämlich verlangen die Lift<lb break="no"/>eigentümer von nicht der Gesellschaft gehörenden Gastwirten<lb/>
einen höheren Fahrpreis als für die Gäste in ihren Hotels. Ob eine<lb/>
solche Differenzierung rechtlich möglich ist, wurde ich selbstver<lb break="no"/>ständlich sofort gefragt und erklärt, das könne ich so nicht entschei<lb break="no"/>den. Hier würden letzten Endes die Verwaltungsbehörden resp. die Gerich<lb break="no"/>te zu entscheiden haben. Da der Hotelier <rs type="person" ref="#per__149404">Windischbauer</rs> mit dieser<lb/>
Auskunft nicht ganz zufrieden war, scheinbar aber auch nicht die<lb/>
Absicht hat, in Verhandlungen einzutreten, war mein Vermittlungs<lb break="no"/>vorschlag für die anderen eine willkommene Gelegenheit mir durch<lb/>
Applaus zu bestätigen, dass mein Vorschlag scheinbar sehr vernünftig<lb/>
war. Helfen wird er sicherlich nichts, denn wenn Tiroler stur sind,<lb/>
dann sind sie es scheinbar bis zur letzten Konsequenz. Beschwerde<lb/>
wurde von allen geführt, dass das Bezirksbau-Amt die Salzstreuung<lb/>
noch durch die ganze Ortschaft durchführt. Wenn die Schneestrecke,<lb/>
welche vom Pass Reschen nach Tirol um 7 km verlängert wird, dann<lb/>
würde auch die Ortschaft der Salzstreuung entgehen. Hofrat <rs type="person" ref="#per__149405">Koidinski</rs><lb/>
in Landeck lehnt aber eine solche Lösung ganz entschieden ab.<lb/>
Alle ersuchten mich, ich sollte wegen Verlängerung der Schneefahrbahn<lb/>
mit dem Hofrat sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: bitte ein diesbezügliches Gespräch resp.<lb/>
Schreiben vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-23_12">Der Vizepräsident des Tiroler Landtages <rs type="person" ref="#per__126975">Lettenbichler</rs> war von<lb/>
unserer Versammlung sehr begeistert. Er meinte, dies sei jetzt<lb/>
das Tagesgespräch in Nauders auf lange Zeit und gäbe für die örtlichen<lb/>
Funktionäre eine gute Basis. Die Ortsorganisation hat dort jetzt<lb/>
ein junger Genossen übernommen und phantastische Mitgliederzuwächse<add>8 -&gt; 36</add><lb/>
zu verzeichnen. In Tirol zeigt sich halt dasselbe wie überall,<lb/>
junge gute Ortsfunktionäre, die es am Anfang sehr schwer haben,<lb/>
können sich doch leichter durchsetzen als alte verdiente Genossen,<lb/>
die halt nicht mehr den notwendigen Elan aufbringen können.<lb/>
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