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            <title type="main">Donnerstag, der 15. September 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band38_1977-09-15</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-15_01">Donnerstag, 15.September 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-15_02">Die Ministerbesprechung, Vorsitz Aussenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>, Vorsitz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs>, brachte keine neuen Erkenntnisse. Das Wunder ist<lb/>
nicht eingetreten, er hat wie gestern versprochen, heute keine<lb/>
konkreten Zusagen machen können. Er erklärte nur dezidiert, er<lb/>
wird sich immer für eine liberalere Handhabung einschalten.<lb/>
Auch für Zuchtrinder soll keinesfalls administrative Hemmnisse,<lb/>
wie Herdbuch, Tiereintragung usw. erfolgen. Bezüglich des Papier<lb break="no"/>kontingentes wird er sich einsetzen, dass die jetzige Handhabung<lb/>
nach überschreiten der Plafonds nicht Erhebung der erhöhten Zölle<lb/>
Platz greift. Eine Erhöhung des Kontingentes um 5 % auch für Druckpapier<lb/>
und Schreibpapier, das ich von ihm verlangte, wird er sich bemühen<lb/>
durchzusetzen. Beim Stahlkontingent erklärt er dezidiert, die Kom<lb break="no"/>petenz liegt bei der Kommission und nicht mehr in England. Wenn<lb/>
ein Antidumpingverfahren eingeleitet wird hat er gestern seinen<lb/>
Mitarbeitern geflüstert, müsste man dies wie die jetzige Regelung<lb/>
vorsieht, an die Kommission ziehen. Offizielle hat er aber eine<lb/>
diesbezügliche Erklärung nicht abgegeben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtete<lb/>
dann über die Transitsteuer. Obwohl <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> vorher <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> zugesichert hatte, eine Studie solle jetzt die Möglich<lb break="no"/>keit der Finanzierung der Gastarbeiterroute klären, meinte er auf<lb/>
die Ankündigung <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> von Einführung einer Transitsteuer, dass<lb/>
nicht zweimal gezahlt werden kann. Da ich überzeugt bin, dass die<lb/>
EG, auch wenn eine solche Studie vorliegt, eine Finanzierung der<lb/>
Gastarbeiterroute ausserhalb der EG wahrscheinlich nicht – er meinte<lb/>
nur es würde schwer sein – zu tragen kommt, wird die gute Ausrede<lb/>
die Einführung der Transitsteuer sein. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dürfte nämlich fest<lb/>
entschlossen sein, sich diese Einnahmequelle zu erschliessen. Die<lb/>
EG-Kommission wird keinesfalls zeitgerecht die Alternative, keine<lb/>
Transitsteuer, dafür so und so viele Milliarden Mitfinanzierung der<lb/>
Gastarbeiterroute stellen. Sie wird prüfen, untersuchen, keinerlei<lb/>
konkrete Zusagen machen und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird deshalb die Transitsteuer<lb/>
erlassen. Dann wird man erklären, zweimal zahlen – wie <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs><lb/>
das jetzt schon tat – kommt nicht in Frage und zum Glück ist dies<lb/>
alles nicht mein Problem. Ich erwarte mir seit 1972 nach Abschluss<lb/>
des Vertrages mit der EG keinerlei weitere Fortschritte. Ich kann<lb/>
deshalb auch nicht enttäuscht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-15_03">Die Aussprache mit dem<add>[Staatssekretär?, Anm.]</add> im ungarischen Schwerministerium, <rs type="person" ref="#per__149398">Bicat</rs>,<lb/>
brachte den optisch erwünschten Erfolg. LH <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs>, Finanzreferent<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>, Verbundgesellschaft, Bergrat <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs>, VÖEST-Alpine<lb/>
Konzern, S.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und etlichen anderen anwesend. Die Ungarn<lb/>
haben in Wirklichkeit nur Interesse nur ihre Kohle zu verkaufen.<lb/>
Da sie dieses Lignitfeld für sich selbst nicht abbauen werden.<lb/>
Die Lignite sind zu schlecht, 1.600 bis max. 2.000 Kilokalorien.<lb/>
Für Österreich hat <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> mir aber vorher dezidiert erklärt,<lb/>
wäre dies ein interessantes Projekt Ende der 80er-Jahre. Unsere<lb/>
50 bis 70 Mio Tonnen sollen unter der Erde als Reserve bleiben<lb/>
und man sollte mit den ungarischen Kohlen zweimal 300 <choice><choice><sic>Me</sic><corr>?</corr></choice></choice> Blöcke<lb/>
die Verstromung beginnen. Die 85 Schilling 10^6 Wärmeeinheit<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mit den ungarischen Vertretern in Tatabanya vereinbart<lb/>
hatten, hält nicht mehr. Der Staatssekretär erklärte dezidiert, sie<lb/>
geben uns volle Bucheinsicht, man könnte also mit der Kooperation<lb/>
auch die Kosten genau kontrollieren. Die Ungarn erwarten aber<lb/>
einen Profit aus diesem Geschäft und glauben, dass der Preis der<lb/>
seinerzeit eben genannt wurde, den nicht beinhaltet. Wir einigten<lb/>
uns darauf, dass jetzt einmal die Techniker, Bergleute usw. die<lb/>
Besprechung führen sollten, um festzustellen, wie und wo dieses<lb/>
Kraftwerk errichtet wird, welche Kohle dafür in Frage kommt und wie<lb/>
diese abzubauen sei. Bei der Besichtigung habe ich dann unter vier<lb/>
Augen dem Staatssekretär erklärt, wenn sie auch jetzt sich nicht<lb/>
an dem Elektrizitätswerk direkt beteiligen wollen, eine solche<lb/>
Lösung für die Zukunft aber ins Auge gefasst werden soll. Er<lb/>
hält dies momentan für ausgeschlossen, möchte aber für die<lb/>
Zukunft nicht endgültig ablehnen. Für mich war diese Zusage des<lb break="no"/>halb so wichtig, weil wir dadurch einen Grund haben, das Kraftwerk<lb/>
ganz dicht an der Grenze zu bauen. Nur unter diesen Umständen würden<lb/>
sie wahrscheinlich die Verschmutzung aus dem Kraftwerk, wenn sie<lb/>
auch noch so gering sein wird, zur Kenntnis nehmen, Dies erklärte<lb/>
ich auch unter vier Augen dem LH <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs>. <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> meint momentan gibt es<lb/>
noch Schwierigkeiten mit den Weinbauern der Gegend, weil diese<lb/>
noch immer um ihre Rebstöcke fürchten. Wir müssen deshalb das<lb/>
Kraftwerk so nahe wie möglich an die Grenze bringen. Für mich aus<lb/>
der Karte und aus den beiden Besichtigungen, ergäbe sich die beste<lb/>
Lage allerdings fast auf dem Kohlenflöz direkt in der Grenzaus<lb break="no"/>buchtung nach Ungarn. Aus einer Nebenbemerkung des Staatssekretärs<lb/>
habe ich entnommen, dass diese selbstverständlich wissen, dass<lb/>
die Lokation des Kraftwerkes die Verschmutzung alle nach Ungarn<lb/>
bringt. Ich erklärte allerdings, solange nur ein Westwind geht<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-15_04">In Bad Tatzmannsdorf hat mich dann LR <rs type="person" ref="#per__98037">Vogl</rs> ersucht, wir sollten<lb/>
den ERP-Ersatzkredit für das Kurbad Tatzmannsdorf AG, das dem<lb/>
Land gehört, den ERP-Ersatzkredit nicht im November, wie jetzt<lb/>
vorgesehen, sondern schon im Oktober ausbezahlen. Mag. <rs type="person" ref="#per__149399">Loibersbeck</rs>,<lb/>
der neue Direktor, hat mich inständig darum ersucht. Da sie diesen<lb/>
Kredit dringendst brauchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-15_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte entsprechendes veranlassen und mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149399">Loibersbeck</rs> reden.<lb/>
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