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            <title type="main">Mittwoch, der 14. September 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_01">Mittwoch, 14. September 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_02">Redakteurin <rs type="person" ref="#per__137061">Gibs</rs> macht jetzt für den ORF – Konsumentensendung<lb/>
über Altrohstoff. Unwahrscheinlich, wie diese Materie jetzt ankommt.<lb/>
Meiner Meinung nach müsste man diese Story in einer grossen<lb/>
Public-relations-Aktion verbreitern, dies würde uns fast<lb/>
nichts kosten und der Sache sehr nützlich sein. Ich kann mich<lb/>
nicht erinnern, dass in den vergangenen sieben Jahren jemals<lb/>
eine so günstige Situation für Recycling gewesen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Besprich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, wie wir hier vorgehen<lb/>
sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_04">Die Vorbesprechung mit Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs>, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und mir<lb/>
war zuerst rein SPD- und SPÖ-mässig. Leider kam dann verspätet<lb/>
weil das Auto irgendwie steckenblieb auch der Gen.Direktor des<lb/>
Brüsseler Aussenamtes und unser Botschafter <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs> dazu.<lb/>
Einleitend hatte ich nämlich klar und deutlich gesagt, dass<lb/>
aus politischen Gründen es dringendst notwendig ist, dass wir<lb/>
irgendwelche Erfolge in Brüssel erzielen. Beim Hinübergehen dann<lb/>
in den Sitzungssaal klagte mir <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkampf</rs>, dass es traurig sei,<lb/>
aber in der EG gibt es Diskussionen, ob man Tomatenmark aus Portugal<lb/>
importieren soll, auch dann wenn man dem entgegenhält, dass damit<lb/>
vielleicht die portugiesische Demokratie gerettet wird. Dieses<lb/>
Problem kenne ich aus der EFTA, wie wir den 100-Mill.-$-Kredit<lb/>
den Portugiesen gegeben haben. Die Krämerseelen sind überall und<lb/>
ich muss gestehen, ein wenig bin auch ich schon davon angesteckt.<lb/>
Vielleicht gar nicht mehr er wenig, vielleicht sogar schon sehr<lb/>
stark. In der offiziellen Aussprache hat dann LWM <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> ganz be<lb break="no"/>sonders auf die Wünsche der österr. Agrarier verwiesen. Was <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
befürchtet, ist, dass jetzt auch Zuchtrinder in der Regime einbe<lb break="no"/>zogen von Seiten der EG-Agrarier dann Handelshemmnisse errichtet<lb/>
werden. Jetzt beginnt man bereits zu verlangen, dass die österr.<lb/>
Zuchtrinder, wenn sie nach Italien gehen, in die dortigen Herdbücher<lb/>
eingetragen sein müssen. Von 50 – 60.000 sind es jetzt erst 3.000,<lb/>
die eingetragen sind. Die weit grössere Gefahr aber ist, dass<lb/>
man womöglich dann wieder in diesem Sektor auch Erstattungen und<lb/>
Abschöpfungen einführt. <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> erklärt immer dezidiert, dass<lb/>
er sich für die liberale Regelung gegen jedwede protektionistische<lb/>
Massnahme ausspricht. Ich glaube ihm dies auch, aber der Rat d.h.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_05">die Minister und dort ganz besonders die Agrarminister nehmen ausser<lb/>
den deutschen meistens andere Stellungen ein. Der weitere Wunsch <rs type="person" ref="#per__97511">Haidens</rs><lb/>
war, dass auf dem Nutzrinder-Sektor der Rat der Erhöhung von 30 auf<lb/>
38.000 zustimmen möge. <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> versicherte, dass er sich nicht<lb/>
nur dafür einsetzt und die ganze Kommission dies wünscht sondern<lb/>
dass er fest davon überzeugt, dass der Rat dies auch in der Oktober-<lb/>
oder spätestens November-Sitzung beschliessen wird. Bezüglich des<lb/>
Importes von Qualitätsweinen und die Regelung von über 15 % Alkoholge<lb break="no"/>halt, denkt <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs>, könnte in Verhandlungen positiv gelöst werden.<lb/>
Dass wir hier schon jahrelang verhandeln, beeindruckt weder ihn<lb/>
noch uns eigentlich, denn wir wissen, wie ungeheuer schwierig<lb/>
auch nur die kleinsten Verbesserungen auf dem Agrarsektor für Österreich<lb/>
zu erreichen sind. Ich verwies einleitend darauf, dass die EG<lb/>
eine moralische Verpflichtung hat, Österreich aus dem Handelsbilanz<lb break="no"/>defizit gegenüber den EG-Staaten herauszuhelfen. Die EG wehrt sich<lb/>
gegen ihr Handelsbilanzdefizit gegenüber Japan, das allerdings branchen<lb break="no"/>mässig besonders durch die Schiffsbau- und Stahlproduktion bedingt<lb/>
ist, umso mehr kann Österreich, das dasselbe Handelsbilanzdefizit als<lb/>
kleines Handelsland gegenüber der EG hat entsprechende Forderungen<lb/>
stellen. <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> hatte mir angedeutet, ich sollte ruhig ganz energisch<lb/>
solche Forderungen vortragen, denn er braucht dies in der Kommission<lb/>
und ganz besonders dann gegenüber den einzelnen Ländern. Als konkrete<lb/>
Massnahme verlangte ich sofort, dass den sensiblen Produkten, die<lb/>
Österreich schwer benachteiligen, eine besondere Aufmerksamkeit<lb/>
zugewendet wird. Bei Stahl, wo wir ca. 50 Mill. S Zölle errichten<lb/>
müssen, weil sich der Zollabbau entsprechend verzögert, wollen<lb/>
insbesondere die Engländer jetzt weitere Stahlsorten in die automatische<lb/>
Lizenzierung einbeziehen. Sie verlangen aber jetzt auch nicht nur<lb/>
die Angabe der Menge sondern auf der Presse, bevor diese Importscheine<lb/>
bestätigt werden. Dadurch wird in grösserem Ausmass die Möglichkeit<lb/>
der Information der eigenen Stahlwerke über die Mengen- und Preis<lb break="no"/>politik der österr. Stahlwerke gegeben. Insbesondere beschwerte ich<lb/>
mich, dass die VÖEST-Alpine mich informiert, in Italien würden ihre<lb/>
Preise der Konkurrenz bekanntgegeben. <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> hat sofort erklärt,<lb/>
dass dies zwar den Bestimmungen widerspricht, ohne weiteres aber möglich<lb/>
ist und er wird sich einsetzen, dass dieser Zustand geändert wird.<lb/>
Auf dem Papiersektor, wo die Zollbelastung 250 Mill. S der österr.<lb/>
Papierindustrie kostet, wird insbesondere die bisher gehandhabte<lb/>
Politik, wenn die Plafonds erfüllt sind, dann darüber hinausgehende<lb/>
Mengen nicht sofort mit erhöhten Zöllen belegt werden, fortgesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_06">Sein Referent erklärte ihm, dass nur ganz kurze Zeit nach Überschrei<lb break="no"/>ten der Plafonds-Grenze die EG dann die vollen Zölle eingehoben hat.<lb/>
In der Vorbesprechung hatte ich <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> bereits darauf aufmerksam<lb/>
gemacht, dass dies zufälligerweise und daran glaubt doch niemand nach<lb/>
der Einführung der Strumpfhosen-Mindestpreise der Fall war. Für alle<lb/>
erkenntlich eine deutliche Retorsionsmassnahme, natürlich nicht<lb/>
als solche deklariert. <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> versichert mir, er wird alles unter<lb break="no"/>nehmen, um diese Lage für uns positiv zu lösen. Vor allem hoffen<lb/>
wir, dass wir eine Erhöhung der zollbegünstigten Lieferquoten er<lb break="no"/>halten können. Unsere Wünsche sind in Wirklichkeit sehr bescheiden<lb/>
und ich habe sie neuerdings in einem Schreiben, das ich ihm dann<lb/>
zum Mittagessen mitbrachte schriftlich festgehalten. Er selbst hat<lb/>
dieses Schreiben sofort gelesen, seinem Kabinettchef sofort gegeben<lb/>
und ersucht, er soll sofort mit Brüssel Kontakt aufnehmen, ob man<lb/>
uns nicht bei der morgigen Sitzung konkrete Zusagen machen kann.<lb/>
Ich kann mir dies zwar nicht vorstellen, doch wäre dies in meinen<lb/>
Augen eine Lösung, die die EG in einem ganz neuen Licht mir zeigen<lb/>
würde. Dass ein Vizepräsident imstande ist, in der Kommission oder<lb/>
besser gesagt in der Bürokratie in Brüssel von heute auf morgen<lb/>
konkrete Zusagen durchzusetzen, die dann am nächsten Tag von ihm<lb/>
offiziell bestätigt werden, grenzte meiner Meinung nach an ein Wunder.<lb/>
Bei alle den Aussprachen und auch dann bei dem Mittagstisch konnte<lb/>
ich bei seiner Begrüssung offiziell feststellen, dass der persönliche<lb/>
Kontakt, das Verständnis für Österreich die menschliche Beziehung<lb/>
die beste zwischen den beiden Vertragspartnern ist. Auch unsere Mission<lb/>
wird bei allen ihren Wünschen und Gesprächen stets äusserst liebens<lb break="no"/>würdig behandelt. Jeder einzelne hat für die österr. Situation ungeheures<lb/>
Verständnis. Als Kommission oder gar als Rat aber ist die Bürokratie<lb/>
sei es in Brüssel oder noch viel stärker in den einzelnen Staaten stark<lb/>
genug, jedwede Zugeständnisse auf ein Minimum zu reduzieren oder<lb/>
überhaupt jahrelang darüber zu reden und nichts zuzugestehen. Der Vertrag<lb/>
wird bis zum letzten Beistrich eingehalten, aber an eine Verdichtung der<lb/>
Integration, an eine liberalere Handhabung daran denkt man vielleicht<lb/>
aber ist ausserstande sie durchzusetzen. Ich habe mich eigentlich<lb/>
seit Vertragsabschluss 1972 keiner Illusion hingegeben und ich gebe<lb/>
mich auch jetzt keiner hin, die EG ist viel zu verbürokratisiert,<lb/>
ist viel zu sehr jetzt auf die Administration eingestellt, ist nur<lb/>
bereit Vereinbarungen noch womöglich unter den geringstmöglichen<lb/>
Zugeständnissen durchzuführen, aber keinesfalls zu verbessern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_07">Heute kann man wirklich schon sagen, dass eine Abwicklung des<lb/>
Vertrages die optimalste Lösung ist, wenn dabei nicht noch Ver<lb break="no"/>schlechterungen eintreten. Es könnte nämlich z.B. die Papierindustrie<lb/>
der EG-Staaten noch die Aufhebung der Plafondierung auch verlangen.<lb/>
Was man zumindestens bis jetzt unterlassen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_08">Redakteur <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> von ZiB II ersuchte mich, ich sollte darauf ein<lb break="no"/>wirken, dass <rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> ihm ein Interview gibt. Tatsächlich ist es mir<lb/>
dann geglückt, dass wir gemeinsam dann <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> im Bristol, wo sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116355">Haferkamp</rs> dort ganz besonders für die dortigen Bilder und Ausstattung<lb/>
der schönen Räume interessierte, <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> zur Verfügung stand. Zuerst<lb/>
wollte er keineswegs, denn er meinte, erst nach der morgigen Aussprache<lb/>
könne man ein zusammenfassendes Bild geben. Dass er von diesem<lb/>
Plan, den ihm sein Kabinettschef schon vereinbart hatte, abwich,<lb/>
ist wirklich nur auf die guten persönlichen Beziehungen zurückzu<lb break="no"/>führen. Für <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> aber war es deshalb so entscheidend, denn das<lb/>
morgige Pressegespräch wird sicherlich von ZiB I aufgenommen und<lb/>
zuerst gesendet und dann wäre ZiB II leer ausgegangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> wird Dir diese Geste abgelten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_10">Dr. <rs type="person" ref="#per__130517">Schachter</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__137412">Hellar</rs> vom ARBÖ teilten mir mit, dass das<lb/>
Strafverfahren gegen Dr. <rs type="person" ref="#per__137412">Hellar</rs> wegen des unbefugten Kopierens<lb/>
der Strassenverkehrsordnung eingestellt wird. Der ÖAMTC hat<lb/>
darauf verzichtet, das Zivilprozessverfahren läuft weiter. Ebenso<lb/>
läuft jetzt noch der Prozess wegen der unfairen Methode der Abwerbung<lb/>
wo am 21. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> und <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> als soz. Gewerkschaftsfraktion<lb/>
einvernommen werden sollen. <rs type="person" ref="#per__130517">Schachter</rs> wollte unbedingt eine<lb/>
Vertagung erreichen und ich habe <choice><choice><sic>des</sic><corr>deshalb?</corr></choice></choice> Gen.Sekretär <rs type="person" ref="#per__98032">Veith</rs> vom ÖAMTC<lb/>
angerufen. Mit wie man so schön sagt Wiener Schmäh und meinen guten<lb/>
Beziehungen zu <rs type="person" ref="#per__98032">Veith</rs> gelang mir dies tatsächlich. Überhaupt hoffe<lb/>
ich, dass sich jetzt schön langsam das Klima verbessert. Gefreut<lb/>
hat mich, dass <rs type="person" ref="#per__137412">Hellar</rs> mir nicht lobhudelnd sondern ganz spontan<lb/>
sagte, wie Du dies einfädelst kann man wirklich nur immer bewundern<lb/>
und neu dazu lernen. Ich glaube der Erfolg liegt ausschliesslich darin,<lb/>
dass man sich gegen alle ganz natürlich gibt, auch als Minister nicht<lb/>
anders ist als man früher war und vor allem unter gar keinen Umständen<lb/>
jemanden beleidigt. Wenn man differente Auffassungen hat, versucht man<lb/>
diese menschlich zu bereinigen und vor allem immer dem anderen die<lb/>
Möglichkeit lässt, seine Meinung nicht nur zu sagen, sondern ihm<lb/>
auch einen Erfolg, wenn es auch nur ein Teilerfolg ist, ermöglicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_11">Sicherlich ist man dann kein starker und energischer Minister.<lb/>
Vielleicht hat man dann auch noch den Eindruck, dass sich es der<lb/>
sehr leicht macht, auf lange Sicht gesehen aber ist dies glaube ich<lb/>
zumindestens in meinen Augen die bessere Lösung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_12">Dir. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs>, begleitet von LAbg. <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> wollte dringendst<lb/>
eine Vorsprache. Neuerdings konnte ich feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs><lb/>
es sehr geschickt versteht, Problemchen von Firmen und Personen<lb/>
an mich heranzutragen, damit als guter Manager zu erscheinen<lb/>
und sich einen ganz guten Namen zu machen. Ich begrüsse solche<lb/>
Initiativen, denn sie kommen letzten Endes auch unserem Bezirk<lb/>
sehr zunutze. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> befürchtet, dass bei einem Besuch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in der Brünner Strasse der deutsche Generaldirektor<lb/>
und die anderen deutschen Herren ihn ganz an die Wand drücken<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> gesprochen und ihn festgelegt, dass er die AEG-Herren<lb/>
fragen wird, wie sie sich den Ablauf des Besuches vorstellen.<lb/>
Hier kann er dann entsprechend auftreten.<lb/>
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in Verbindung setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_14">Die CA hat jetzt ihr Reise-Service ganz gross ausgebaut und<lb/>
am Graben eine Zentrale mit Vortragssaal und Kino im Keller<lb/>
im Parterre ein Dutzend Schalter mit Wechselstube, die auch am<lb/>
Samstag offen ist und eine Boutique für 7 Mill. S eingerichtet.<lb/>
Oben <choice><choice><sic>befichten</sic><corr>befinden?</corr></choice></choice> sich die Büroräume, so dass fast 3 Dutzend Beschäftigte<lb/>
dort für die Kunden zur Verfügung stehen. Die CA hat festgestellt,<lb/>
dass 70 % ihrer Kunden reisen und nützt natürlich dieses Potential.<lb/>
Der Umsatz ist von 1974 – 30 Mill. auf 200 Mill. jetzt schon ge<lb break="no"/>stiegen. Bei meiner Eröffnung wies ich darauf hin, dass insbesondere<lb/>
das Service, welches sie ihren Kunden geben, einmalig ist. Liegt<lb/>
eine Beschwerde des Reiseteilnehmers vor, so wird sofort vom<lb/>
IRS der Kunde finanziell entschädigt und IRS wird dann gegen den<lb/>
Leistungsträger Regress nehmen. Dies kann sich im Grunde genommen<lb/>
auch nur eine starke Organisation wie die CA es ist leisten.<lb/>
Genau eine solche Regelung müssen wir auch im Interesse des<lb/>
Schutzes des Konsumenten und Kunden im Reisebürogesetz, oder was<lb/>
immer an dessen Stelle treten soll, erreichen. Darauf wies ich<lb/>
ganz besonders hin&gt;.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_16">Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, ÖFVW, teilte mir vertraulich mit, dass jetzt die<lb/>
Werbung fast auseinanderfällt. Die Bundesländer aber auch die<lb/>
Handelskammer beginnen, wie er glaubt, ein Kesseltreiben gegen<lb/>
meine Person. Dies erschüttert mich sehr wenig. Nach wie vor stehe<lb/>
ich auf dem Standpunkt, wenn die Bundesländer glauben, sie können<lb/>
hier gegen den Handelsminister intrigieren, dann werde ich ihnen<lb/>
mit aller Deutlichkeit sagen, dass der Bund vom nächstjährigen Budget<lb/>
von 240 Mill. S 60 % davon bezahlt. Auf jedes Bundesland<lb/>
entfällt ein Bruchteil, selbst wenn ich die 20 % aller Bundes<lb break="no"/>länder zusammennehme, dieser Summe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Besprich mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, wie die einzelnen<lb/>
Länder und die einzelnen Kammerfunktionäre sich verhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_18">In der Paritätischen Kommission, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu meiner Überraschung<lb/>
selbst leitete, gab es überhaupt nichts besonderes. Die Preiserhöhungs<lb break="no"/>anträge wurden alle wieder dem Preisunterausschuss zurückgewiesen,<lb/>
weil man sich in der Präsidentenbesprechung nicht einigen konnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist angeblich deshalb gekommen, weil er angenommen hat,<lb/>
dass ich bereits im Kautsky-Kreis referiere, eher aber nehme<lb/>
ich an, dass er wieder mehr Kontakt mit der Handelskammer sucht.<lb/>
Er möchte demonstrieren, wenn auch der Wirtschaftsbund jetzt mit<lb/>
ihm im Streit ist, er mit der Handelskammer um so mehr zusammen<lb break="no"/>arbeitet. Interessanterweise denkt nicht einmal <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> daran, die<lb/>
Konfrontation weiter fortzusetzen. Unwahrscheinlich, wie<lb/>
solche Institutionen doch auf ein gutes Einvernehmen mit dem Bundes<lb break="no"/>kanzler grössten Wert legen. Hier glaube ich fürchten sie vor<lb/>
allem, dass eine einfachgesetzliche Regelung ihr Aussenhandels<lb break="no"/>system abändern könnte. Für mich wird es ein Testfall sein,<lb/>
wie sich die Handelskammer bei der Regelung des Holzwirtschafts<lb break="no"/>rates jetzt endgültig verhalten wird, wenn nach zwei Monaten Pause<lb/>
– wie ich ihnen zwar nicht zugesagt, aber angedeutet habe – dann<lb/>
die sehr harten Verhandlungen beginnen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_19">Im Kautsky-Kreis musste ich eine Tour d'Horizon wieder einmal<lb/>
mehr machen und habe dort auf Grund der mir zur Verfügung stehenden<lb/>
Daten und Informationen ein optimistisches Bild, wenn auch ganz<lb/>
besonders auf die grosse Gefahr unseres Zahlungsbilanzdefizites<lb/>
hinweisend, gegeben. Die Diskussion war sehr lebhaft und alle<lb/>
sind der Meinung, dass unser Kurs der Hartwährung, der Preisdämpfung,<lb/>
der Vollbeschäftigung, ja sogar der Einkommensteigerungsrücknahme<lb/>
der richtige ist. Insbesondere das letztere musste ich den dortigen<lb/>
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die Kollektivvertragserhöhung 1975 von 18,6 % zu hoch, wenn<lb/>
man diese Ziffer allein sieht. Man müsste aber wahrscheinlich eine<lb/>
Analyse machen, welche Branchen hier nachgezogen haben und wie<lb/>
dort die absoluten Löhne aussehen. 1976 sind wir dann schon auf<lb/>
10 % zurückgegangen und 1977 liegen wir jetzt insbesondere in<lb/>
den letzten Monaten knapp über der Verbraucherpreissteigerung.<lb/>
Die Lohnerhöhung z.B. in der Brauindustrie und jetzt in der<lb/>
Zuckerindustrie von 7,5 % bringt eindeutig knapp eine Reallohn<lb break="no"/>haltung, denn von diesem über den Verbraucherpreisen liegenden<lb/>
Lohnerhöhungssatz muss man ja die Steuer und vor allem einmal<lb/>
die Sozialversicherung abrechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111737">MARSCH</rs>: Bitte rechne mir einmal die globale Ein<lb break="no"/>kommensverbesserung mit Abzügen durch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_21">Alle wendeten sich gegen eine Weichwährungspolitik ausser <rs type="person" ref="#per__139723">Milford</rs>,<lb/>
der schon immer sich dadurch ausgezeichnet hatte, dass er prinzipiell<lb/>
gegen die Mehrheit war, obskure Vorschläge machte und solange ich<lb/>
ihn in der Arbeiterkammer noch zu betreuen hatte, überhaupt nichts<lb/>
fertigbrachte. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> von der CA hat mit Recht darauf verwiesen,<lb/>
dass er sich sogar gegen eine Surcharge aussprechen würde,<lb/>
weil dies bereits eine Vorstufe der Abwertung ist. Die Betriebe<lb/>
der verstaatlichten aber auch die privaten sind derzeit in<lb/>
einer komischen Situation. <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> bestätigte meine Aussage,<lb/>
dass man früher von einer gespalteten Konjunktur geredet hat<lb/>
z.B. noch Konsumgüterindustrie gut beschäftigt, Investitions<lb break="no"/>güterindustrie schlecht, man dies aber jetzt auch nicht mehr machen<lb/>
kann. <rs type="person" ref="#per__112988">Sepp Wille</rs> meinte, es sei eine zerrissene Konjunktur.<lb/>
Ich selbst hatte nämlich in meinem Vortrag klar und deutlich<lb/>
zum Ausdruck gebracht, dass es in einzelnen Sparten und Branchen<lb/>
ganz verschiedene Situationen gibt. Betriebe, die noch gut<lb/>
ausgelastet sind, ja selbst auch noch gute Gewinne erzielen,<lb/>
während es andere gibt, die wirklich schon knapp vor dem Zu<lb break="no"/>sperren stehen. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, ÖIAG, meinte, es müsste ein Bündel<lb/>
von Massnahmen gefunden werden. Die Regierung ja die ganze<lb/>
Öffentlichkeit zeigt eine gewisse Konzeptmüdigkeit, weil es<lb/>
bis jetzt immer zum Konzipieren von Plänen gekommen ist, an der<lb/>
Durchführung aber dann sehr gehapert hat. Wir stehen, wie er<lb/>
sich richtig ausdrückte, vor einem Jahrzehnte-Problem, wenn<lb/>
es uns nämlich nicht gelingt, diese Strukturschwierigkeiten zu be<lb break="no"/>heben, die Wirtschaft wieder florierend zu machen, dann wird der<lb/>
<pb n="38-1059" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band38/38_1977-09-14_1059.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>alte Slogan: Die Sozi können höchstens das Geld ausgeben und<lb/>
sind für die kleinen Leute, erwirtschaften, eine Wirtschaft<lb/>
die Unternehmer führen, können sie aber nicht. <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> meinte<lb/>
zum Schluss dann, er sei für mehr dirigistische Massnahmen,<lb/>
wovon ich mich ganz entschieden distanzierte, weil ich auf Grund<lb/>
der siebenjährigen Erfahrung mit einer Bürokratie weiss, was man<lb/>
damit wirklich erreichen kann, verlangte mehr Energiesparen,<lb/>
wo ich ihm nachweisen konnte, dass wir sehr wohl schon einiges<lb/>
getan haben. Dass aber auch hier wieder die Durchführung mangels<lb/>
gesetzlicher Möglichkeiten scheiterte. Einen erhöhten Mehrwert<lb break="no"/>steuersatz, Frankreich beträgt er 33 %, damit spekuliert übrigens<lb/>
jetzt auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und vielleicht auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, und insbesondere eine<lb/>
Verschärfung der Devisenbestimmungen für Auslandsreisen. 26.000 S<lb/>
sind zu viel, jedermann kann sie ja einige Male bei den verschiedensten<lb/>
Banken ohne weiteres holen, weshalb wieder die Passeintragung kommen müss<lb break="no"/>te und eine verschärfte Grenzkontrolle. 15.000 S kann jeder ausserdem<lb/>
noch in Schilling ins Ausland mitnehmen, die nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97873">Riegers</rs><lb/>
überhaupt nicht notwendig seien. Mit solchen Ideen spekuliert<lb/>
übrigens auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ich bin sehr gespannt, ob <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dies<lb/>
machen wird. In Wirklichkeit, bin ich fest überzeugt, wird es<lb/>
kaum eine Kontrolle geben, weshalb alle solche Anordnungen nur Optik<lb/>
sind. Eines, da hat <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs> vollkommen recht, ist notwendig, die<lb/>
Regierung muss handeln und entscheiden. Dies wird sicherlich ge<lb break="no"/>schehen, denn bis jetzt hat sie dies in den sieben Jahren stets ge<lb break="no"/>tan, nur in der Sommerdiskussion war der Eindruck eines untätigen zer<lb break="no"/>strittenen Regierungslagers.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_22">Anschliessend diskutierte ich mit <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> die<lb/>
Frage der Wegwerfflaschen. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> wollte von mir jetzt eine schnelle<lb/>
Entscheidung über die Einwegflaschen, denn sonst wird Aluminium-<lb/>
Ranshofen eine Dosenproduktion aufnehmen. <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> verwies auf<lb/>
die amerikanischen Erfahrungen, wo es verheerend ist, da dort zu<lb/>
spät Massnahmen gesetzt werden. Ich habe ja mit meinem ewigen<lb/>
Reden gegen die Einwegflaschen wenigstens erreicht, dass die Unternehmer<lb/>
jetzt nicht Investitionen tätigen, die man dann kaum mehr zurück<lb break="no"/>schrauben kann. Auf die Dauer allein kann es aber mit diesen Warnungen<lb/>
nicht genügen. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> verlangten eine Entscheidung<lb/>
so schnell wie möglich. Ich habe sie auch an Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> verwiesen,<lb/>
weil dort die entsprechenden Vorschläge erarbeitet werden. Besonders<lb/>
verwies ich natürlich auf die legistischen Schwierigkeiten, wie sie<lb/>
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selbst ohne eine einwandfreie gesetzliche Deckung jetzt einen<lb/>
entsprechenden Schlusstrich unter die Debatte zu setzen und ein<lb/>
Gesetz vorzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band38_1977-09-14_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte versuche eine endgültige Lösung mit<lb/>
der Handelskammer und der Arbeiterkammer zu vereinbaren.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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