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            <title type="main">Mittwoch, der 24. August 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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der Fa. Plasser &amp; Theurer sprachen wegen des Antidumpingver<lb break="no"/>fahrens in USA bei mir vor. Sie fürchten, dass dieses Verfahren<lb/>
nicht objektiv durchgeführt sondern ausschliesslich nach dem<lb/>
Gesichtspunkt auch wenn kein Antidumping vorliegt, so abge<lb break="no"/>führt wird, um den amerikanischen Produzenten zu schützen.<lb/>
Bei Bahngleisbaumaschinen gibt es weltweit nur noch eine zweite<lb/>
Firma, die diese Maschinen entwickelt hat, nämlich die Schweizer<lb/>
Firma <choice><choice><sic>Matis</sic><corr>Matisa</corr></choice></choice>. In Amerika wurde sie von der Firma Cohen aufgekauft,<lb/>
die heute insbesondere aber in Kanada und auch Australien ent<lb break="no"/>sprechende Märkte sich sichern möchte. Ganz entscheidend ist<lb/>
der amerikanische Markt, weil er dort grosse Investitionen für<lb/>
den Bahnbau erwarten lässt. z.B. wird in den nächsten drei Jahren<lb/>
für den Nord-Ost-Korridor in den Vereinigten Staaten 7,5 Mia. $<lb/>
für Bahnbau, Geleiseerrichtung resp. Verbesserung ausgegeben. Bereits<lb/>
im Jahre 1971 wurde ein Antidumping-Verfahren eingeleitet, dann<lb/>
teilweise genau überprüft und letzten Endes keine Anklage erhoben.<lb/>
1976 wurde neuerdings jetzt ein zweites Verfahren eingeleitet,<lb/>
wobei die Behauptung aufgestellt wurde, dass sie 62 % die Preise<lb/>
unterbieten und damit ein glattes Dumping machen. Die Untersuchung<lb/>
ergab dann, dass bei vier Maschinen die allerdings die wichtig<lb break="no"/>sten sind, bei zwei Maschinen keine Preisunterschreitung und<lb/>
bei zwei Maschinen bis zu 5 % festgestellt wurde. Dieses erste<lb/>
Ergebnis des Customs Departement, also der Zollverwaltung<lb/>
würde kein Dumpingverfahren ermöglichen. Das Treasury Dept.,<lb/>
da gibt es scheinbar zwischen den beiden grosse Differenzen<lb/>
und Streitigkeiten, hat dann neuerdings ein Verfahren verlangt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> vermutet, weil sie letzten Endes auch in der Zwischen<lb break="no"/>zeit Schotterverteilermaschinen entwickelt haben und nach<lb/>
Amerika geliefert. Dadurch ist eine weitere amerikanische Firma<lb/>
<choice><choice><sic>Kerschen</sic><corr>?</corr></choice></choice> an einem Antidumpingverfahren gegen Plasser &amp; Theurer<lb/>
auch interessiert. Andererseits musste Plasser &amp; Theurer diese<lb/>
Maschine jetzt entwickeln und erzeugen, weil die amerikanische<lb/>
Bahnverwaltung ein komplettes Angebot wünscht. Die in Österreich<lb/>
erzeugten Maschinen sind technisch allen amerikanischen überlegen.<lb/>
Das jetzt neu durchgeführte Verfahren hat ergeben, dass zwei<lb/>
Maschinen wieder kein Dumping haben, eine Maschine 5 % und eine<lb/>
aber mit 42 % errechnet wurde. Die Untersuchungen wurden auf<lb/>
einer ganz neuen Basis erstellt und ständig die Berechnungsmethoden<lb/>
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eine eigene Abteilung in Österreich, die sich ausschliesslich<lb/>
damit beschäftigt, in allen Ländern kein Dumping zu betreiben.<lb/>
ab 10. Mai müssen sie jetzt fürchten, dass jede gelieferte Maschine<lb/>
als Dumping bezeichnet und dann entsprechende Dumpingzölle, die<lb/>
bis zu 10 Mill. S Belastung entstehen können, eingehoben werden.<lb/>
Dadurch sind etliche Arbeitsplätze in Linz gefährdet. Die amerika<lb break="no"/>nische Firma Plasser &amp; Theurer hat dem Botschafter <rs type="person" ref="#per__123732">Schober</rs> scheinbar<lb/>
gesagt und auch <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> hat mir dies bestätigt, dass der Senator<lb/>
von Virginia, wo die amerikanische Plasser &amp; Theurer-Firma ihren<lb/>
Sitz hat, eingeschaltet werden soll und wird. Ich habe sofort<lb/>
behauptet, dass dies ein zweischneidiges Schwert ist, denn dieser<lb/>
amerikanischen Senator wird sich zwar für die amerikanische Firma<lb/>
Plasser &amp; Theurer einsetzen und wenn das Dumpingverfahren ergibt,<lb/>
dass keine Maschinen mehr von Österreich nach Amerika geliefert<lb/>
werden können, vorschlagen und Plasser &amp; Theurer wird dies dann<lb/>
letzten Endes auch machen müssen, die entsprechenden Maschinen<lb/>
eben in Amerika zu produzieren. Dies wäre ohne weiteres möglich,<lb/>
nimmt nur die Arbeit von Österreich weg und verlagert sie nach<lb/>
Amerika. Plasser &amp; Theurer verweist mit recht darauf, dass sie jetzt<lb/>
aus Amerika für Gegengeschäfte wenn man so sagen will, ihre Werkzeug<lb break="no"/>maschinen kauft, aber auch Elektronik-Einrichtungen, Hydraulik-<lb/>
Einrichtungen, die sie in Österreich nicht erzeugen können oder<lb/>
wollen. Die private Handelsbilanz zwischen Plasser &amp; Theurer<lb/>
und Amerika ist also ausgeglichen. Die Entscheidung über das<lb/>
Antidumpingverfahren wird jetzt in der International Trade Commission<lb/>
fallen. <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> und auch die Betriebsräte waren sehr befriedigt,<lb/>
als ich ihnen bereits einleitend mitgeteilt habe, was wir alles<lb/>
unternommen haben und auch in Hinkunft noch unternehmen werden.<lb/>
Botschafter <rs type="person" ref="#per__123732">Schober</rs> wünschte von mir eine schriftliche Ermächtigung<lb/>
resp. Weisung, dass er jetzt auf höchster Stelle intervenieren kann.<lb/>
Dies habe ich selbstverständlich sofort gegeben. <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> teilte mir<lb/>
auch mit, dass er Minister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ein Schreiben an Finanzminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149025">Blumenthal</rs> mitgegeben hat, das dieser persönlich ihm überreichte,<lb/>
da das Customs Dept. aber auch das Treasury Dept. <rs type="person" ref="#per__149025">Blumenthal</rs> unter<lb break="no"/>stehen. Jetzt haben sie festgestellt, dass dieses Schreiben<lb/>
bei der grössten Gegnerin von Plasser &amp; Theurer in der Verwaltung<lb/>
gelandet ist. Ich habe deshalb sofort vorgeschlagen, ich würde<lb/>
erst dann ein diesbezügliches Schreiben an irgendwelchen amerikani<lb break="no"/>schen Stellen oder Minister richten, wenn <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> auf Grund<lb/>
seiner Information seiner Anwälte oder <rs type="person" ref="#per__123732">Schober</rs> auf Grund der<lb/>
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zweckmässigsten hinzurichten ist. <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> ersuchte mich auch,<lb/>
ich sollte in der Gemischten österr.-polnischen Kommission<lb/>
darauf hinweisen, dass jetzt mit der polnischen Firma Kolmex<lb/>
200 Maschinen für 1 Mia. S gekauft werden können. Mit Polen hatte<lb/>
Plasser &amp; Theurer vor etlichen Jahren gute Geschäfte gemacht,<lb/>
dann hat die Schweizer Firma dort den Markt erobert. Auf meine<lb/>
Intervention und <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> war darüber sehr erfreut und dankbar<lb/>
wurde dann eine Prüfung in Polen durchgeführt und jetzt die<lb/>
Führungsgarnitur von Kolmex total ausgewechselt. Wahrscheinlich<lb/>
haben sie doch nicht im Interesse Polens gehandelt. Jetzt ist<lb/>
Plasser &amp; Theurer wieder ganz gross im Geschäft. Im COMECON-Markt<lb/>
müssen sie allerdings die tollsten Kompensationsgeschäfte akzep<lb break="no"/>tieren. Mit Polen könnten sie sich jetzt vorstellen, dass als<lb/>
Gegengeschäft derzeit 20 % die Polen wünschen 50 %, man kann sich<lb/>
wahrscheinlich aber auf 30 % einigen, Spezialwagen für Erzverladung<lb/>
übernommen werden müssen. Die österr. Bahnverwaltung braucht solche<lb/>
Wagen, die österr. Wagenproduktion SGP, Jenbach usw. erzeugt sie<lb/>
nicht. Ich erklärte mich sofort bereit, dieses Geschäft bei der<lb/>
Gemischten Kommission vorzubringen, resp. selbstverständlich zu<lb/>
unterstützen. Mit der Firma Kolmex wurde vereinbart, dass eine<lb/>
Kooperation mit 50 % österr. Produktion 50 % polnische Produktion<lb/>
bei diesen 200 Maschinen durchgeführt werden soll. <rs type="person" ref="#per__128479">Eichinger</rs> ist<lb/>
überzeugt, dass die Polen niemals 50 % beistellen können. Sie<lb/>
werden sich auf die primitiveren Gussteile und sonstige leicht<lb/>
zu produzierende Teile beschränken. Maximal wird die Produktion<lb/>
polnischerseits 20 – 30 % ausmachen. Das Gegengeschäft mit den<lb/>
Erzwaggons ist Plasser &amp; Theurer nur recht, denn bis jetzt müssen<lb/>
sie oft ganz andere Waren verkaufen. In Rumänien z.B. mussten sie<lb/>
Sauerkraut übernehmen. Plasser &amp; Theurer hat sich aber darauf<lb/>
schon eingestellt, hat eine eine Verkaufs- und Vertriebsorganisation<lb/>
für diese Produkte aufgebaut und kommt in der Comecon-Welt gut<lb/>
an. Die anderen weltweiten Lieferungen sind nämlich schon fixiert,<lb/>
der Anteil Plasser &amp; Theurer auch wenn er 90 % ist, kann dort nicht<lb/>
mehr vergrössert werden. In Japan haben sie interessanterweise nur<lb/>
50 %, obwohl ihre Maschinen technisch wesentlich besser sind als<lb/>
die anderen 50 %, die von Amerikanern dort mit japanischen Firmen<lb/>
gemeinsam erzeugt werden. Japan kauft aber ungeheuer viel Maschinen<lb/>
und setzt sie gar nicht entsprechend ein. Dies ist sowohl<lb/>
Plasser &amp; Theuer als auch mir vollkommen unerklärlich. Dort hat aber<lb/>
die Gewerkschaft so viel mitzureden, dass z.B. auf jede Maschine<lb/>
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ist es üblich, dass 2 – 3 nur dafür eingeschult werden.Die<lb/>
japanische Gewerkschaft verlangt aber von jedem, dass er dieselben<lb/>
Chancen hat, weshalb eben 80 einzuschulen sind. Das Endergebnis ist<lb/>
aber dann, dass trotzdem dieses grossen personellen Aufwandes<lb/>
und Einsatzes die Maschinen kaum zu tatsächlichen Einsatz kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-24_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Industriesektion soll sofort bei<lb/>
Bundesbahn und österr. Waggonbaufirmen prüfen, ob Erzwaggons<lb/>
eventuell in Leasing gebraucht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-24_04">Die Wochenpresse, Frau <rs type="person" ref="#per__149170">Dokoupil</rs>, hatte ein Spezialinterview wegen<lb/>
der Handelsstudie Konzentration und Handelsspannen von mir ge<lb break="no"/>wünscht. Ich hatte sofort erklärt, es wäre zweckmässiger, wenn<lb/>
sie Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> interviewt, denn dieser wird jetzt im konsumen<lb break="no"/>tenpolitischen Beirat versuchen, aus dieser Studie entsprechende<lb/>
Konsequenzen zu ziehen und eventuelle Vorschläge zu erstatten.<lb/>
Frau <rs type="person" ref="#per__149170">Dokoupil</rs> interessiert sich dann auch ganz besonders als<lb/>
ich im Zuge dieser Diskussion das Wort "sozialdemokratische<lb/>
Marktwirtschaft" fallen liess. Allzu viel darf ich dafür noch<lb/>
nicht Propaganda machen, denn der Zeitpunkt ist jetzt momentan<lb/>
der ungünstig, man könnte mit vorschlagen, ich solle im Rahmen<lb/>
des sozialistischen Parteiprogammes, welches jetzt neu<lb/>
ausgearbeitet wird, diese Idee diskutieren und dort würde sie garan<lb break="no"/>tiert totlaufen, ausserdem muss ich darauf Rücksicht, dass wir doch<lb/>
erst entsprechende Detailvorschläge für einzelne Fragen und<lb/>
Probleme wie z.B. das allumfassende Stabilisierungsgesetz, die<lb/>
zweckmässige Energielenkung konkrete Detailvorstellungen erarbeitet<lb/>
haben. Ein wirklich gutes Beispiel, wie ich mit diese sozialdemokrati<lb break="no"/>sche Marktwirtschaft vorstelle, ist in meinen Augen der Energie<lb break="no"/>plan. Damals, 1958, für die Arbeit des Bundeskongresses des<lb/>
ÖGB, hatte ich noch härtere, allerdings freundschaftliche Aus<lb break="no"/>einandersetzungen mit unseren Planwirtschaftlern damals auch noch<lb/>
mein Freund <rs type="person" ref="#per__97627">Heinz Kienzl</rs>. Wir einigten uns letzten Endes, dass<lb/>
eine indikative Planung, ähnlich der Franzosen, auch in Österreich<lb/>
zweckmässig wäre. Ich gehe ja noch viel weiter und meine, dass<lb/>
das <choice><choice><sic>Kommissariat Dupleau</sic><corr>Commissariat général du Plan?</corr></choice></choice> in Frankreich eine viel zu grosse und<lb/>
aufgeblähte Organisation ist, um diese Indikativpläne zu erstellen.<lb/>
Ausserdem bin ich überzeugt, wird auch dort jetzt kaum ein allzu<lb/>
grosser Erfolg mit dieser Massnahme erreicht. Die wirklich<lb/>
zweckmässigste Lösung erscheint mir, wie wir sie jetzt bei der<lb/>
Erstellung des Energieplanes und der jährliche Korrektur,<lb/>
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wir aber nicht viele finanzielle Mitteln einsetzen können,<lb/>
fehlt der zweite Teil der indikativen Planung, nämlich durch<lb/>
entsprechende Subventionen und Zuschüsse die Planziele den<lb/>
Unternehmern schmackhaft zu machen. Ein kleines praktisches<lb/>
Beispiel ist, dass jetzt – wie ich immer sage – auf Grund des<lb/>
Energieplanes sich herausgestellt hat, dass wir auch die kleineren<lb/>
Kraftwerke brauchen können, weil wir jetzt z.B. eben keine<lb/>
Kernkraftwerke in der nächsten Zeit errichten wollen, weshalb diese<lb/>
Kleinstkraftwerke ebenfalls gefördert werden sollen. Ein<lb/>
diesbezüglicher Gesetzesvorschlag wurde ja auch vom Handels<lb break="no"/>ministerium im Elektrizitätswirtschaftsgesetz gemacht.<lb/>
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Bitte solche Detaillösungen jetzt einmal zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-24_06">Dir. <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs>, KKW Tullnerfeld und auch Minister <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> müssen<lb/>
jetzt entsprechende Erklärungen für die hungerstreikenden<lb/>
sieben Frauen schriftlich vorbereiten. Frau <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs> von der<lb/>
Katastrophenhilfe hat sich jetzt zu diesen hungerstreikenden<lb/>
Vorarlbergerinnen gesellt, um mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111701">Beroldingen</rs> vom<lb/>
BKA über Erklärungen des Bundeskanzlers, resp. angeblich des<lb/>
Handelsministeriums und der Gesundheitsministerin zu verhandeln.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat durch den Verfassungsdienst feststellen lassen,<lb/>
dass er für die Inbetriebnahme von Zwentendorf nicht zuständig<lb/>
ist und dies den Frauen mitteilen lassen. Genau dies habe ich erwar<lb break="no"/>tet als <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> mich vor längerer Zeit fragte, resp. Klubobmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> mir gegenüber die Befürchtung äusserte, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> würde<lb/>
in dieser Frage mit den Frauen verhandeln und entscheiden.<lb/>
Abgesehen davon, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eben auf Mallorca ist, hat er nicht<lb/>
zuletzt, weil ich ihn immer darauf aufmerksam gemacht habe,<lb/>
dass auch meine Kompetenz in all diesen Fragen nicht gegeben ist,<lb/>
sich jetzt auf dieses Argument von mir, das er sonst immer sehr<lb/>
bekämpft hat, zurückgezogen. Mit <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> vereinbarte ich, dass<lb/>
sie in ihrem Schreiben auf gar keinen Fall festlegt, dass das<lb/>
Kraftwerk erst dann in Betrieb geht, bis das Parlament entschieden<lb/>
hat. Eine solche Formulierung wie sie jetzt <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs> verlangt, war<lb/>
gar nicht das Hungerstreik-Ziel der Demonstrantinnen. Diese<lb/>
wollte nur eine Erklärung des Bundeskanzlers, dass das Kernkraft<lb break="no"/>werk nicht am 1. September den Probebetrieb aufnimmt. Eine solche<lb/>
Erklärung kann sowohl <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> jederzeit geben,<lb/>
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mit <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> habe ich den Eindruck und habe ihm dies auch<lb/>
klar und deutlich gesagt, dass nicht einmal im nächsten Jahr<lb/>
mit dem Betrieb des Kernkraftwerkes zu rechnen ist. Immer wieder<lb/>
kommen neue Verzögerungen. Wenn dann die Betriebsgenehmigung resp.<lb/>
der Betriebsbeginn in das Jahr 1979 hineinragen wird, kann<lb/>
ich mir sehr gut vorstellen, dass man dann tatsächlich vor den<lb/>
nächsten Nationalratswahlen wirklich nicht die Inbetriebnahme von<lb/>
Zwentendorf durchführt. Ich befürchte, dass im Herbst 1978 die<lb/>
Kernkraftwerksdiskussion noch immer sehr stark geführt wird, das<lb/>
Werk immer mehr fertig wird, aber leider noch immer nicht der Be<lb break="no"/>triebsbeginn genau festgelegt werden kann. Die dann zu erwartenden<lb/>
Wiener Gemeinderatswahlen werden die Partei veranlassen, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
insbesondere wird dann so entscheiden, dass eine Eröffnung nicht<lb/>
zweckmässig ist. Die Wiener Gemeinde- und Landtagswahlen werden<lb/>
einen gewissen Rückschlag für die SPÖ bringen. Das Endergebnis wird<lb/>
dann sein, dass man festhalten wird, schuld daran ist die Kernkraft<lb break="no"/>werksdiskussion und die Befürchtung der Bevölkerung. Der nächste<lb/>
Schritt ist dann, dass man natürlich ein weiteres Hinauszögern des<lb/>
Kernkraftwerksbetriebsbeginnes mir den verschiedensten Begründungen<lb/>
und Argumenten durchführen wird. Durch den verspäteten Betriebsbeginn<lb/>
ist zwar nicht die Tullnerfelder Gesellschaft wohl aber die Bau<lb break="no"/>gesellschaft KWU schuld und bringt uns mehr und mehr in eine unmög<lb break="no"/>liche Situation. Sie wird zu einem immer ungünstigeren Zeitpunkt<lb/>
mit der technischen Errichtung des Betriebes fertig, die politische<lb/>
Entscheidung insbesondere wegen der Lagerung des Atommülls wird<lb/>
immer kritischer je näher man den Wahlen kommt. <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> teilte mir<lb/>
auch mit, dass er erwartet habe, dass die österr. Bundesregierung<lb/>
wegen des Wiederaufbereitungsvertrages mit Frankreich jetzt sehr<lb/>
bald eine Entscheidung fällt, dass Österreich den Atommüll zurück<lb break="no"/>nimmt, das Plutonium aus der Wiederaufbereitung wird ja auf alle<lb/>
Fälle in Frankreich bleiben. Das wiederaufbereitete Uran zurückgeliefert<lb/>
und kann wieder für neue Brennstäbe verwendet werden. Kritisch<lb/>
sind nur die 2 m³ Atommüll pro Jahr die die Franzosen sicherlich<lb/>
auch bereit sind, in den Neunzigerjahren dann irgendwo zu lagern<lb/>
resp. eventuell dort mit anderen internationalen Verträgen unter<lb break="no"/>zubringen, doch jetzt eine solche Erklärung nicht abgeben können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> ersuchte mich, ich sollte, wenn ich im Oktober bei der<lb/>
IEA in Frankreich bin unbedingt mit dem Energieminister diesbezüg<lb break="no"/>liche Gespräche führen. Ich habe ihm dies auch zugesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-24_08">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> berichtete mir über die FV-Ergebnisse der bisherigen<lb/>
Sommersaison und der Aussichten für August. Auf alle Fälle werden<lb/>
wir heuer eine geringere Übernachtungszahl gegenüber dem Vorjahr<lb/>
feststellen. Die Minusziffern werden sich wahrscheinlich um<lb/>
1 – 2 % bewegen. Interessant war für mich nur die Erklärung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass er auch nicht mehr weiss, wie man dieser Entwicklung<lb/>
entgegentreten könnte und auch scheinbar alle FV-Fachleute<lb/>
keine neue Idee mehr haben. Ich habe ihm sofort die Absicht<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und mir geschildert, jetzt zu versuchen durch eine<lb/>
Studie, die die Nationalbank bezahlt, eine neue Entwicklung für Berg<lb break="no"/>steigen einzuleiten. Vielleicht gelingt es wirklich, wie dies beim<lb/>
Skisport der Fall war, wenigstens einen Bruchteil auch in der<lb/>
Bergsteigbranche zu erzielen. Zum Hüttenwandern wurden z.B. die<lb/>
Wandernadel, die Bestätigungen für gute touristische Leistungen<lb/>
ein wirklich grosser Erfolg. Vielleicht gibt es doch noch neue<lb/>
Ideen, die wir ausbauen können resp. eben kreieren müssen.<lb/>
Auf alle Fälle habe ich sofort entschieden, dass wir auch die<lb/>
unangenehme Tendenz-Meldung resp. Ziffer im nächsten Presse<lb break="no"/>frühstück präsentieren müssen. Niemals sollte und darf man nur an<lb break="no"/>genehme Sachen ständig berichten und wenn es dann schlechter wird<lb/>
zu versuchen dies zu überdecken. Ich hoffe, dass es mir mit<lb/>
dieser Methode gelingt, bei der Presse die Meinung zu stärken,<lb/>
dass bei uns objektiv nicht nur gearbeitet sondern auch dann be<lb break="no"/>richtet wird, und wir nicht über Fehlentwicklungen oder gar über<lb/>
schlecht Ergebnisse schweigen wollen. In einer Demokratie bringt<lb/>
eine solche Politik auch gar nichts, weil letzten Endes natürlich<lb/>
die Wahrheit resp. die Ziffern früher oder später auf alle Fälle<lb/>
bekannt werden.<lb/>
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               <occupation>Obfrau Katastrophenhilfe öst. Frauen, Anti-AKW-Aktivistin</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <occupation>GD Fa. Plasser &amp; Theurer</occupation>
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