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            <title type="main">Dienstag, der 23. August 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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Schuhe, <rs type="person" ref="#per__146669">Leopold</rs>, eine Aussprache, weil diese Gruppe ähnlich<lb/>
wie die Bekleidungsindustrie einen besonderen Schutz gegen die<lb/>
Niedrigstimporte wünschen. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> hat die richtige Einstellung,<lb/>
dass er nicht auf Wunsch eines Fachverbandes bereits entsprechende<lb/>
Vorschläge im Rahmen des GATT oder EFTA- oder EG-Vertrages unter<lb break="no"/>breiten könne, sondern diese Frage unbedingt zuerst in der<lb/>
Handelskammer koordiniert werden muss und von der Handelskammer ein<lb/>
diesbezüglicher Vorschlag kommen muss. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> befürchtet, dass<lb/>
ansonsten jeder Fachverband oder sogar Gremien kommen werden, um<lb/>
Sonderregelungen zu erzielen. <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> teilt mir auch mit, dass er<lb/>
einen Vertreter der Wiener Handelskammer getroffen hat, der<lb/>
ihn wegen der Einführung der Importscheine am Bekleidungssektor<lb/>
heftigste Vorwürfe machte. Dieser war dann sehr erstaunt zu er<lb break="no"/>fahren, dass diese Importscheine auf einem Vorschlag ja sogar auf<lb/>
den dringlichen Wunsch der Handelskammer zurückzuführen sind. Jetzt<lb/>
bewährt sich resp. muss sich das System bewähren, dass ich doch<lb/>
immer im engsten Einvernehmen mit den Interessensvertretungen<lb/>
und ganz besonders mit der Handelskammer in all diesen Fragen<lb/>
vorgegangen bin. Wichtig ist nur, dass es mir gelingt, die Handels<lb break="no"/>kammer auch für ihre Forderung dann in der Öffentlichkeit dafür<lb/>
eintreten wird. Scheinbar würde, wie sich jetzt die Situation<lb/>
darstellt, sehr gerne die Bundeshandelskammer oder zumindestens<lb/>
Teile dieser Organisation in der Öffentlichkeit von ihren einver<lb break="no"/>nehmlich gefassten Präsidial-, resp. Vorstandsbeschlüssen abweichen.<lb/>
Bezüglich der Schuhe habe ich <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> auf <rs type="person" ref="#per__114472">Giglinger</rs> verwiesen, der<lb/>
ja als Konsulent für die Schuhindustrie tätig ist. Am meisten hat<lb/>
mich verwundert, dass <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> mit <rs type="person" ref="#per__114472">Giglinger</rs> bis jetzt überhaupt noch<lb/>
keinen Kontakt genommen hat; unwahrscheinlich, wie schlecht noch<lb/>
immer die Koordination innerhalb unseres Hauses funktioniert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte die Koordination verbessern,<lb/>
damit unser Haus einheitliche Stellungnahmen abgibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_04">Ing. <rs type="person" ref="#per__149144">Szebo</rs>, ein tschechischer Flüchtling aus der Prager Frühlingszeit,<lb/>
hat mit seiner Frau ein Haus in Zistersdorf gekauft und möchte dort<lb/>
ein Restaurant, Hotel usw. eröffnen. Da ihm Koll. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> vor Jahren<lb/>
behilflich war, ohne eine Prüfung ablegen zu müssen und auch keine<lb/>
entsprechenden Praxisjahre zu haben, eine Konzession für eine Kantine<lb/>
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das Restaurant und den Hotelbetrieb gehen. Seine Frau ist Ärztin,<lb/>
er Dipl.Ing., beide sicherlich sehr tüchtige Leute, haben bei mir<lb/>
interveniert in der Hoffnung, der Minister kann alles anschaffen.<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> hat mir dann allerdings schlüssig nachgewiesen,<lb/>
dass lt. Gewerbeordnung und ein Gesetz kann auch ein Minister<lb/>
nicht umgehen, er notwendigerweise eine Prüfung durchführen müsste.<lb/>
Da er sich in NÖ sehr benachteiligt fühlt, hätte <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> vermittelt,<lb/>
dass er in Wien schon nach 3 Monaten zu einer solchen Prüfung<lb/>
antreten könnte. <rs type="person" ref="#per__149144">Szebo</rs> war aber so verbittert, dass er ohne nur diese<lb/>
Möglichkeit in Betracht zu ziehen sofort weglief. Koll. <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs><lb/>
wird mit ihm diesen Fall neuerdings besprechen. Ich selbst, muss<lb/>
gestehen, war auch einigermassen verwundert, dass die höchsten und<lb/>
besten Ausbildungen branchenfremd nichts nützen, um gewisse Tätig<lb break="no"/>keiten im Gast- und Schankgewerbe ausüben zu können. Mit Recht<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> aber gesagt, selbst der Minister könnte nicht ohne eine<lb/>
Prüfung, wo er eben die Fähigkeiten für Gast- und Schankgewerbe<lb/>
nachweisen muss, eine solche Konzession erhalten. Vielleicht hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149144">Szebo</rs> noch immer den Eindruck, auch in einer Demokratie kann der<lb/>
Minister alles, wie er es wahrscheinlich in der CSSR beobachtet hat<lb/>
oder dort zutrifft. Gott sei Dank ist dies bei uns in Österreich<lb/>
nicht möglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> möchte jetzt nach seinem Israel-Besuch das Problem der<lb/>
Ölmühle, wenn notwendig, selbst in die Hand nehmen. Er könnte<lb/>
dies, weil der jetzige Vertreter Dir. <rs type="person" ref="#per__113089">Seda</rs> in der Gesellschaft<lb/>
Olioprot in absehbarer Zeit in Pension gehen wird. Für die<lb/>
Produktionsbetriebe wird dann der jetzige obersteirische Genossen<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__149145">Baumgartler</rs> im Vorstand zuständig sein, doch kann <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>,<lb/>
da er für die Planung ebenfalls zuständig ist, zumindestens solange<lb/>
dieser Betrieb nicht errichtet ist, diese Kompetenz an sich reissen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat in Tel Aviv festgestellt, dass die der Histadrut gehörende<lb/>
grosse Industriekomplex Koor mit seiner Maschinenfabrik die Anlage<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> machen würde. Der Generaldirektor der Holding, <rs type="person" ref="#per__123173">Blumenthal</rs><lb/>
möchte natürlich unbedingt diesen Auftrag bekommen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> fürchtet<lb/>
nun, dass wenn die Unilever in die Gesellschaft wegen Errichtung<lb/>
einer Ölmühle einsteigt, dann dieses Lurgi-Verfahren, wie es die<lb/>
Unilever hat und die deutschen Maschinen gekauft werden müssen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sieht andererseits ein, dass schon allein wegen des Absatzes<lb/>
der Mühle Unilever unbedingt mit eingebunden werden muss, weil<lb/>
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in grösste Schwierigkeiten kommen würde. Der Vertreter der<lb/>
Histadrut Holding Koor ist in Österreich Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__149166">Berg</rs>, der die<lb/>
Firma Electic vertritt. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> wird mit ihm auf meinen Wunsch<lb/>
die Möglichkeiten, wie österr. Firmen mit Israel bessere Geschäfte<lb/>
machen können, ohne auf die arabische Boykottliste zu kommen,<lb/>
besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_06">Herr <rs type="person" ref="#per__149167">Keyl</rs>, der Autodiskonter, der bis jetzt französische Autos<lb/>
Peugeot, Renault, Citroen um bis zu 20 % billiger abgeben konnte,<lb/>
beschwerte sich bei mir, dass es jetzt heisst, er bekommt von<lb/>
der SPÖ entsprechende finanzielle Unterstützung. Ich beruhigte ihn<lb/>
sofort, dass dieses Gerücht sicherlich niemand glaubt. Für sein Ge<lb break="no"/>schäft kann dies sogar nur günstig sein, denn wenn Käufer Bedenken<lb/>
haben, so dass.er vielleicht doch nicht die Autos zu den versprochenen<lb/>
billigen Preisen liefern kann. Bis jetzt hat er 100 Stück ausge<lb break="no"/>liefert und macht einen durchschnittlichen Gewinn trotz der<lb/>
Diskontpreise von 15.000 S je Stück. <rs type="person" ref="#per__149167">Keyl</rs> hat mir gegenüber sofort<lb/>
zugegeben, dass er mit seiner jetzigen Firma in Zwangsausgleich<lb/>
gehen muss, deshalb hat er bereits eine neue mit dem stillen Teil<lb break="no"/>habe <rs type="person" ref="#per__149168">Ringhofer</rs> geschaffen. Die Autos bekommt er über Filialbetriebe<lb/>
der französischen Mutterwerke, wobei er mir gegenüber streng ver<lb break="no"/>traulich erklärte, er muss 2 % Provision an Vorstandsdirektoren<lb/>
bezahlen. Was mich meisten dabei überraschte war, dass er erklärt,<lb/>
in der nächsten Zeit wird er auch bei BMW, Audi und Mercedes<lb/>
dieselbe Politik machen können.<lb/>
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Entwicklung frühzeitig informiert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_08">Dr. <rs type="person" ref="#per__126887">Roden</rs>, der Leiter des Lehrlingsheimes der Arbeiterkammer<lb/>
wird jetzt in der Wochenpresse bereits mit einem dritten Artikel<lb/>
hart attackiert. Angeblich ist er homosexuell und schlägt die<lb/>
Jugendlichen. Er schwört mir, dass dies nicht der Fall ist und<lb/>
ich muss eigentlich auch zugestehen, dass ich sie während der<lb/>
langen Zeit, wo ich Kammeramtsdirektor war, niemals diesbezüglich<lb/>
irgendwelche Beschwerden gehört habe. Eine diesbezügliche Diszi<lb break="no"/>plinaruntersuchung, die er gegen sich angestrengt hat, ist vollkommen<lb/>
negativ verlaufen. Die Wochenpresse schildert aber Vorgänge wesentlich<lb/>
anders als <choice><choice><sic>sich</sic><corr>sie?</corr></choice></choice> gewesen sind. Ein Pamphlet einer Gruppe, die scheinbar<lb/>
auch die Informanten der Wochenpresse sind, wurde jetzt von der<lb/>
AK geklagt. Solange dieses Gerichtsverfahren aber nicht abgeschlossen<lb/>
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werden. Sowohl <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> als auch mir ist unerklärlich, was hinter<lb/>
dieser Kampagne stecken soll. <rs type="person" ref="#per__126887">Roden</rs> ist ein viel zu unbedeutender<lb/>
Mann, um von der Wochenpresse eine so grosse Aktion zu rechtfertigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126887">Roden</rs> war in Tränen aufgelöst, weil seine ganze Familie, und das<lb/>
kann ich gut verstehen furchtbar unter dieser Zeitungskampagne<lb/>
leidet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-08-23_10">Bei der Eröffnung der Lagerhalle der Fa. Eckes in Traiskirchen<lb/>
lernte ich auch den deutschen Besitzer <rs type="person" ref="#per__131029">Ludwig Eckes</rs> kennen. Dieser<lb/>
deutsche grosse Konzern, über 3.000 Beschäftigte, hat vor 14 Jahren<lb/>
die Firma hier gegründet und wie er mir sagte, Jahr für Jahr<lb/>
nur Geld zugelegt. Dies ist mir vollkommen unerklärlich, denn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131029">Eckes</rs> erzeugt lauter Qualitätsprodukte und dürfte nach Aussage<lb/>
des Betriebsrates und auch des neuen Geschäftsführers, Kom.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149169">Kantor</rs>, auf die schlechte Leitung zurückzuführen sein. Dies war<lb/>
der Grund, dass <rs type="person" ref="#per__131029">Eckes</rs> sich jetzt mit der Fa. Kantor &amp; Öhler<lb/>
fusioniert hat, Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__149169">Kantor</rs> hat bis jetzt grosse Schwierig<lb break="no"/>keiten gehabt, die finanziellen Mittel für seine Firma zu bekommen.<lb/>
Er dürfte sehr geschäftstüchtig sein, denn in kürzester Zeit<lb/>
hat er bei Eckes nicht nur die Halle gebaut – 20 Mill. S investiert –<lb/>
sondern auch die gesamte Reorganisation des Betriebes durchgeführt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131029">Eckes</rs> ist fest davon überzeugt, dass es jetzt in Österreich<lb/>
besser gehen wird. Bei seiner Ansprache erklärte er auch, dass<lb/>
die Politik <rs type="person" ref="#per__131029">Eckes</rs> weltweit und er hat von Südamerika, Mittelamerika<lb/>
Afrika bis Europa überall Betriebe, irgendwo Gewinne nach Deutschland<lb/>
transferiert. Da er ununterbrochen bis jetzt Verluste gehabt<lb/>
hat, sagte er auch, er würde gerne in Österreich Steuer zahlen,<lb/>
damit die Gemeinde Traiskirchen aber auch der Bund entsprechend<lb/>
mehr Einnahmen hätte, die dieser ja auch dringendst braucht.<lb/>
Eine solche Aussage kann ich mir sehr gut vorstellen wenn ein<lb/>
Verlustbetrieb immer Geld zuschiessen muss statt dass er doch<lb/>
einen gewissen Gewinn macht, selbst wenn de Finanzminister<lb/>
dann daran mit 70 % partizipiert. Was mich bei dieser Feier<lb/>
sehr gestört hat, war, dass man zuerst einmal nicht einmal<lb/>
die Gewerkschaft eingeladen hat, ich habe allerdings dann den<lb/>
Sekr. <rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> sofort mit mir mitgenommen und dass man dann den Betrieb<lb/>
nicht abgestellt hat sondern nur bei den geladenen Gästen die<lb/>
Ansprache und Feier gehalten hat. Ebenso wurde die Brettljause<lb/>
im Freien sozusagen nur unter den Gästen gegeben. Der Firmeninhaber<lb/>
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niemals gedacht, dass ein Minister so leutselig sein kann,<lb/>
so eine humorvolle Ansprache hält, obwohl ich ihm einiges<lb/>
durch die Blume gesagt habe, doch bin ich selbstverständlich<lb/>
dann nach den Ansprachen gleich gegangen. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass unser Sekretär <rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs> nicht zuletzt durch die Verbindung,<lb/>
die ich ihm jetzt geschaffen habe, in kürzester Zeit in diesem<lb/>
Betrieb einiges ändern wird. Wieder einmal mehr zeigte sich,<lb/>
dass eine gewerkschaftliche Organisation und vor allem einmal<lb/>
auch der Betriebsrat in einem Verlustbetrieb sehr gehandikapt<lb/>
ist. Alle mussten durch um die 60 Arbeitsplätze dort ständig zittern<lb/>
niemand hat sich richtiggehend getraut irgend etwas zu tun und<lb/>
einmal mehr hat sich bewiesen, nur gesunde Betriebe geben jeder<lb break="no"/>mann die Möglichkeit, eine gesunde Politik in jeder Beziehung zu<lb/>
machen.<lb/>
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die Lohnverhandlungen für die Brauereiarbeiter in einem vernünftigen<lb/>
Ausmass abgeschlossen werden können resp. sollen. Unternehmer<lb/>
sind bereit maximal 7 % zu geben, die Gewerkschaft ist von<lb/>
einer fast 10 %-igen Forderung auf 8 % zurückgegangen. Scheinbar<lb/>
stockt man jetzt vollkommen und ich erklärte mich selbst<lb break="no"/>verständlich bereit, wenn man an mich herantritt, eine diesbezüg<lb break="no"/>liche Vermittlungsversuch zu unternehmen. Die Lohnverhandlungen<lb/>
in der nächsten Zeit werden für alle Gewerkschaften aber auch<lb/>
natürlich für uns Lebensmittelarbeiter immer schwieriger werden.<lb/>
Jederorts hört man, dass die Löhne zu hoch sind und daher jetzt<lb/>
die Forderungen zurückgesteckt werden müssen. Maximal könnte<lb/>
die Inflationsrat abgegolten werden. Von den unmöglichsten Stellen<lb/>
hört man einzelne Vertrete fordern die überhöhten Wünsche der<lb/>
Arbeiter müssten jetzt im Interesse der gesamten Wirtschaft<lb/>
und der Sicherung des Wirtschaftswachstums zurückgeschraubt<lb/>
werden. Die Forderungen seien immer schon zu hoch gewesen, aber<lb/>
jetzt seien sie unerträglich, weil auch viele andere, ins<lb break="no"/>besondere der Finanzminister zur Sanierung der Staatsfinanzen<lb/>
immer mehr den Unternehmern wegnimmt. Gerade die Arbeiterschaft müsste<lb/>
einsehen, dass es bei der Sicherung ihres Arbeitsplatzes darum geht,<lb/>
den Bogen nicht zu überspannen. Ich glaube, dass alle diese<lb/>
Theorien wirkliche nur Theorien sind und bleiben werden. In der<lb/>
Praxis sieht dies nämlich ein wenig anders aus. Einzelne Betriebe<lb/>
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Die Arbeiter könnten und würden nicht verstehen, wenn man<lb/>
dort ihre berechtigten Forderungen nicht berücksichtigt. Das<lb/>
wirkliche Problem sehe ich vor allem darin, dass die Leistungen<lb/>
der einzelnen Beschäftigten und dies beginnt primär bei den<lb/>
Beamten und Angestellten, immer geringer werden. Die Arbeiter<lb/>
sehen, wie ein immer grösserer Verwaltungsapparat entsteht, den<lb/>
sie mehr oder minder natürlich mit erhalten müssen. Der Baraber<lb/>
sagt mit Recht, ich muss schuften und der andere führt ein herr<lb break="no"/>liches Leben. Noch dazu hört er dann, wie dort entsprechend<lb/>
nicht nur hohe Gehälter sondern sogar entsprechend viele Gehälter<lb/>
ausbezahlt werden. Dadurch entsteht eine sehr grosse Unzufrieden<lb break="no"/>heit. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dürfte dies auch spüren, weshalb er die Idee hat,<lb/>
dass die Minister und Landeshauptleute, die ja ebenfalls im Ge<lb break="no"/>haltsgesetz ihren Bezug geregelt haben, nicht mehr den vollen<lb/>
Betrag, den die Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst ausge<lb break="no"/>handelt hat, bekommen sollen. Hier wird er im Herbst ein Gesetz<lb/>
einbringen müssen, welches für diese Spitzenverdiener eine<lb/>
entsprechende Reduzierung vorsieht. Dies Ganze wird ihm aber<lb/>
nicht sehr viel nützen, wenn gleichzeitig, wie jetzt im Auf<lb break="no"/>sichtsrat der ÖIAG beschlossen wurde, für die Manager 17 Ge<lb break="no"/>hälter bezahlt werden. Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> hat mir ver<lb break="no"/>sichert, es gibt in der Verstaatlichten Industrie einzelne<lb/>
Fälle, wo bis zu 20 Gehälter bezahlt wurden. Gleichzeitig<lb/>
meinte er, dass ja auch in der Elektrizitätswirtschaft so<lb/>
etwas existiert. Hier irrt er, denn dort habe ich zwar vorgefunden,<lb/>
dass ebenfalls 17 Gehälter bezahlt werden, doch eine Ausnahme<lb/>
darüber gibt es nur bei den Sondergesellschaften, die dann bei<lb/>
Abschluss von grossen Kraftwerksbauten auch eine Bauprämie in<lb/>
Form eines Monatsgehaltes bezahlen. Dies ist so alle 3, 4 oder 5<lb/>
Jahre einmal der Fall. Auch dieses System halte ich für voll<lb break="no"/>kommen falsch, doch wird es mir kaum gelingen, es wesentlich<lb/>
zu ändern, da diese Bauprämien auf die ganze Belegschaft zumindestens<lb/>
zum Teil ausbezahlt werden, sind die Betriebsräte natürlich davon nicht<lb/>
abzubringen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte jetzt im Herbst eine gute Gelegenheit,<lb/>
wenn er dieses System tatsächlich bei den Höherverdienern nicht<lb/>
nur stoppen sondern auch ändern will, mit einem Gesetzesbeschluss<lb/>
eine solche Änderung herbeizuführen. Ohne Gesetz wird sich dies<lb/>
nicht machen lassen, weil nicht nur die Betriebsräte dafür sind<lb/>
sondern das Gewohnheitsrecht einen rechtlichen Anspruch der einzelner<lb/>
begründet.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 23.8.1977</head>
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               <persName type="label">Kinscher, Walter</persName>
               <persName><surname>Kinscher</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Sekt.R HM</occupation>
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               <persName type="label">Eisenberg, Shoul N.</persName>
               <persName><surname>Eisenberg</surname><forename>Shoul N.</forename></persName>
               <occupation>Vermittler von Geschäften, öst. Generalkonsul in Seoul,
                  Südkorea</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Steiger, Paul</persName>
               <persName><surname>Steiger</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
               <persName><surname>Wais</surname><forename>Anton</forename></persName>
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               <persName type="label">Eckes, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Eckes</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>Fruchtsafterzeuger</occupation>
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               <occupation>AK</occupation>
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               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
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               <persName><surname>Blumenthal</surname><forename>Naftali</forename></persName>
               <occupation>Präs. Industriekomplex Koor, Gewerkschaft Histadrut, Israel</occupation>
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               <occupation>BRO Fa. Inzersdorfer</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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