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            <title type="main">Dienstag, der 12. Juli 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_01">Dienstag, 12. Juli 1977<lb/>
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im Südburgenland einen langwierigen Verwaltungsprozess der<lb/>
bis zum Verwaltungsgerichtshof gehen wird. Seiner Meinung nach<lb/>
hat die BH Wien aus unerklärlichen Gründen der Kärntner Montan<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145377">Henckel von Donnersmarck</rs> zu einem Zeitpunkt seine Freischürfe ver<lb break="no"/>längert, wo bereits feststand, dass man wegen zu geringer Aktivität<lb/>
auslaufen hätte sollen. Jetzt beruft sich der <rs type="person" ref="#per__145377">Henckel von Donnersmarck</rs><lb/>
darauf und wird bis zum Verwaltungsgerichtshof prozessieren. <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs><lb/>
ist sich vollkommen klar darüber, dass alle Weisungen und interne<lb/>
Informationen an den Verwaltungsgerichtshof werden vorgelegt werden<lb/>
müssen. Scheinbar wurde hier nur auf Bestemm der Berghauptmannschaft<lb/>
Wien, um der Zentralstelle zu beweisen, dass man eine selbständige<lb/>
Politik macht, ein gesamtwirtschaftlich unmöglicher Zustand herge<lb break="no"/>stellt. Die Freischürfe im Südburgenland wegen der Kohlenvorkommen<lb/>
müssten unverzüglichst genützt werden, um dieses Projekt weiterzutrei<lb break="no"/>ben. Die Austro-Mineral andererseits möchte dafür Bergbauhilfe, kann<lb/>
diese aber nur über die GKB, d.h. den Kohlenbetrieb bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> soll Dich am laufenden <choice><choice><sic>handelten</sic><corr>halten</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_04">Im Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wegen der Überschreitung von Auslands<lb break="no"/>reisen einzelner Ressorts, die Aufstellung macht das BKA jetzt<lb/>
vierteljährlich, heftigste Kritik geübt.Landesverteidigung muss aller<lb break="no"/>dings die Militärattachés, die er im Ausland hat und deren Reisen<lb/>
in diesem Reisebudget begleichen. Finanzministerium wieder muss<lb/>
alle Grenzüberschreitungen, die Zöllner natürlich tagtäglich durch<lb break="no"/>führen, ebenfalls dort abrechnen. Im Aussenministerium wieder sind<lb/>
sämtliche Versetzungen der Diplomaten ebenfalls über dieses Konto<lb/>
anzurechnen. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> wollte ankündigen, dass er heuer unmöglich durch<lb break="no"/>kommen wird, weil die Belgrader Konferenz von ihm ständig zu be<lb break="no"/>schicken ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte allerdings. dies könne er, denn es<lb/>
sich ja doch immer dieselben Beamten, die fahren, früher woandershin<lb/>
und heuer eben zur Belgrader Konferenz. Dies könne kein höheres Reise<lb break="no"/>budget ergeben. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals bei<lb/>
einem Antrag vom Handelsministerium eine Frage gestellt hat. Diesmal<lb/>
aber fragte er, wieso mit der Dienstreise des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
Vertragsbediensteter <rs type="person" ref="#per__148966">Alois Seiberl</rs> mitfährt. Gott sei Dank habe<lb/>
ich verlangt, unsere Anträge stets bei der Tagesordnung dabei zu<lb/>
haben und hatte vorher noch durchgelesen, dass <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> jetzt mit dem<lb/>
Dienstauto nach München fahren will. <rs type="person" ref="#per__148966">Seiberl</rs> war eben daher der<lb/>
Chauffeur.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_05"><rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> möchte in Hinkunft immer zu den Europapatent-Tagungen<lb/>
und Besprechungen nach München mit dem Dienstauto fahren, weil<lb/>
dadurch insbesondere wenn es zwei und drei Beamte sind wesentliche<lb/>
Reisekosten erspart. Unangenehm ist nur, dass wir dann ständig im<lb/>
Ministerrat mit Dienstreisen aufscheinen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Überlege, ob es hier eine andere Möglichkeit<lb/>
gibt, gegebenenfalls eine Dauergenehmigung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_07"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtet dann, dass im Zuge der Budgetverbesserungs<lb break="no"/>massnahmen, das Gesetz geht jetzt in die Begutachtung, für die<lb/>
PKW der Unternehmer nur mehr eine gewisse Höchstabschreibung<lb/>
zulässig sein wird. Deshalb schlägt er vor, dass die Regierungs<lb break="no"/>mitglieder nicht mehr als 2.800 cm³ Hubraum-Autos fahren sollen<lb/>
und dass weiters wieder 10 % eingespart werden müssen. Dies gilt<lb/>
ganz besonders wieder für die ÖBB und die Post, die heute noch<lb/>
obwohl ein riesiger Defizitbetrieb, überbesetzt ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war<lb/>
über die Aufstellung sehr verärgert, weil noch immer ausser diesen<lb/>
beiden andere Zentralstellen wie z.B. die Landesverteidigung<lb/>
ebenfalls mit 12 Autos überbesetzt sei. Das Handelsressort muss einer<lb/>
Wagen weggeben, was – weil ja ein Chauffeur in Pension geht –<lb/>
keine Schwierigkeit bringt. Wichtig meint <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> wäre es, dass<lb/>
so wie die Sektionschefs vom Handelsministerium auch die des<lb/>
Bautenministers entsprechende Pools mit den Dienstwagen machen.<lb/>
Bei uns hat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sich durchgesetzt und er fährt mit dem Taxi<lb/>
insbesondere wenn er spätabends nach Hause fährt. Im Bautenmini<lb break="no"/>sterium ist es noch üblich, dass der Dienstwagen stundenlang warten<lb/>
muss, um dann den Sektionschef nur ein paar hundert Meter nach<lb/>
Hause zu führen. Ich persönlich hätte gar nichts dagegen, wenn<lb/>
ich ein noch kleineres Auto als ich jetzt schon fahre, bekomme.<lb/>
Entscheidend ist nur, dass wir für Staatsbesuche für diese<lb/>
Ministerbesuche dann entsprechende Dienstwagen, die sowieso<lb/>
den Ausländern zur Verfügung stehen müssen, uns entweder privat<lb/>
oder vom BKA ausborgen könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte kläre, wie wir dieses Problem lösen<lb/>
können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnte <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und mir gegenüber, dass er keinesfalls ge<lb break="no"/>willt ist, den Preiswünschen der Landwirtschaft auf generelle Er<lb break="no"/><pb n="37-0852" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-12_0852.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>höhung der Getreidepreise zuzustimmen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat mir die letzten<lb/>
Lagermeldungen gegeben und ich habe leider recht behalten. Nicht<lb/>
350.000 t sondern über 500.000 Getreide liegt noch auf Lager.<lb/>
110.000 Roggen, 384.000 Weizen incl. 28.000 Auswuchsgetreide<lb/>
und 14.000 Durum – insgesamt rund 507.000 t. Die Qualitätsweizen<lb break="no"/>fläche betrug im vergangenen Jahr 85.000 ha und könnte nach<lb/>
Ansicht von <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wesentlich erhöht werden, wenn es zu einem<lb/>
Arrangement mit den Bauern kommt. Da ich eine Viertelstunde Zeit<lb/>
habe, bevor der nächste Termin fällig war, besuchte ich auch über<lb break="no"/>raschend für die dortigen Beschäftigten die Präsidentenkonferenz<lb/>
der Landwirtschaftskammern, um Dr. <rs type="person" ref="#per__123739">Korbl</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> zu<lb/>
treffen, um mich zu beschweren, dass es zu keinem Arrangement<lb/>
weder zeitlich noch sachlich kommen konnte. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> hat dann<lb/>
sofort angerufen und sich seinerseits beschwert, dass ich nicht<lb/>
sofort am nächsten Tag dann nach der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihn in<lb/>
der Früh verständigt habe. Das Ganze war von mir eine vorbeugende<lb/>
Massnahme, weil ich noch immer befürchte, dass die Landwirtschaft,<lb/>
wies sie es auch bei dieser Getreidepreisverhandlung gemacht hat,<lb/>
mich wieder angreifen wird, ich hätte mich nicht ganzer Kraft<lb/>
für eine terminlich zeitgerechte Lösung eingesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_10">Nach dem Ministerrat haben <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und ich den Wunsch der<lb/>
Polen besprochen, für die Erfüllung des Polmot-Steyr-Vertrages<lb/>
nochmals 2 Mia. S Kredit zu bekommen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hatte in einer Aus<lb break="no"/>sprache mit <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> diesem auf den Kopf zugesagt, dass sie eigentlich<lb/>
einen Zahlungsbilanzkredit brauchen, was dieser auch sofort zu<lb break="no"/>gegeben hat. Von den derzeit zugesicherten 24 Mia. S Kredit<lb/>
sind erst 16 Mia ausgenützt. <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> möchte aber nicht eine Erhöhung<lb/>
des Kredites für Polmot sondern braucht eben zur Abdeckung von<lb/>
Auslandsverpflichtungen jetzt einen westlichen Kredit. Allerdings<lb/>
möchten sie bei dieser Gelegenheit gleich weiter 500 Stück schwere<lb/>
LKW kaufen, dies sind 500 Mill. und auch noch für mittlere LKW<lb/>
mit POLMOT eine weitere Kooperation mit Steyr-Daimler-Puch finanzie<lb break="no"/>ren. Für die Landwirtschaft, die die polnische Regierung jetzt unbe<lb break="no"/>dingt befrieden möchte, um bessere Ablieferungserträgnisse zu er<lb break="no"/>zielen, sollen 1.000 allradangetriebene Traktoren von Steyr gekauft<lb/>
werden. Wenn ich bedenke, dass diese landwirtschaftliche Organisation<lb/>
im Polen nicht imstande ist, den Bauern zu Leistungen anzuregen,<lb/>
unsere Organisationsform dagegen genau das Gegenteil erreicht wird,<lb/>
wir produzieren viel zu viel, so frage ich mich wirklich, was<lb/>
die sozialistischen Wirtschaftsplaner dort zustande bringen. In<lb/>
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Misswirtschaft in den Staatsbetrieben – Kolchosen – schuld<lb/>
sein, da ja über 80 % noch privater Bauernbesitz existiert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stimmte dem Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, die 2 Mia. flüssig<lb/>
zu machen, aus politischen Gründen zu. Die Finanzierung dieses<lb/>
Kredites muss über Banken erfolgen, da es sich hier ja um eine<lb/>
private Transaktion handelt, die nicht durch Exporte bedingt ist.<lb/>
Deshalb die Kontrollbank dies nicht finanzieren kann. Die Banken<lb/>
werden allerdings von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> eine Bundeshaftung dafür verlangen,<lb/>
ich selbst muss zugestehen, dass wir eine Verschuldung an Polen<lb/>
oder Russland deshalb leichter erscheint, weil diese Staaten mit<lb/>
Energielieferungen imstande sind, doch früher oder später Kredite<lb/>
zurückzuzahlen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird – wie er sich ausdrückt – eine Paket<lb break="no"/>lösung anstreben, d.h. dass Steyr mit den Polen aber auch anderen<lb/>
Stellen gewisse Vereinbarungen treffen, die wir längere Zeit offen<lb/>
hatten. Ich meldete daher sofort auch die Regelung der HGÜ, d.h.<lb/>
des Übertragungsbaues, den wir in Österreich für die Elektrizitäts<lb break="no"/>lieferung errichten müssen, an. Beim Mittagessen habe ich <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> und ganz<lb/>
besonders seinen Vizeminister <rs type="person" ref="#per__140612">Strzelecki</rs>, der früher Generaldirektor<lb/>
der Elektrin gewesen ist, auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht.<lb/>
Die HGÜ wird 800 Mill. bis 1 Mia. S kosten, 600 MW wahrscheinlich<lb/>
sogar noch grösser ausgelegt werden. Da die Polen sie für die 400 MW<lb/>
und 4.000 Stunden nur zur Hälfte nützen, entfällt auf sie ein Anteil<lb/>
von 200 bis 250 Mill. S. Die Verbundgesellschaft möchte nun den Bau,<lb/>
die Finanzierung und die Ausnützung in Eigenregie betreiben und<lb/>
dafür von den Polen nur einen kapitalisierten Beitrag von 1,6 bis<lb/>
2 Groschen pro kWh. Die Polen wieder möchten sich an der HGÜ<lb/>
beteiligen, weil sie die höhere Kapazität dann hoffen, dass andere<lb/>
Stromlieferungsverträge vermietet, entsprechend verdient werden kann.<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, den ich informierte, wird mit <rs type="person" ref="#per__140612">Strzelecki</rs> Gespräche<lb/>
führen und dann sogar nach Warschau fahren, um hier die ganze Sache<lb/>
weiterzutreiben. Für mich ist nur unerklärlich, weil die Techniker<lb/>
der Verbund mir erklärten, wenn die HGÜ nicht bis zum vergangenen Jahr<lb/>
beschlossen und im Bau ist, können sie die Stromlieferung von<lb/>
400 MW 1983 nicht mehr übernehmen. Wir werden hier wahrscheinlich<lb/>
in dieselben Terminschwierigkeiten kommen wie mit dem Kernkraftwerk.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dich ständig am laufenden halten und<lb/>
treib, dass wir hier weiterkommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_12">Die Polen waren sehr erstaunt, dass die Regierung in Öster<lb break="no"/>reich so schnell agiert und handelt und Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs><lb/>
meinte, es wäre zweckmässig, wenn <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> beim Polen-Besuch auch<lb/>
den Elektrizitätsminister <rs type="person" ref="#per__114937">Szozda</rs> besuchen würde. Bis jetzt war<lb/>
das Elektrizitätswesen beim Bautenminister und <rs type="person" ref="#per__114937">Szozda</rs> war dort<lb/>
Vizeminister. Jetzt wurde ein eigenes Elektrizitätsministerium ge<lb break="no"/>schaffen. Insgesamt gibt es in Polen jetzt schon über 3 Dutzend<lb/>
Ministerien und noch etliche Zentralstellen dazu. Immer wenn es<lb/>
scheinbar irgendwo Schwierigkeiten gibt, und die dürften in Polen<lb/>
ständig zunehmen, dann schafft man eine neue Zentralstelle oder<lb/>
ein Ministerium.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_13">Bei der Ehrenzeichenüberreichung für <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> und <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> habe ich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> vereinbart, dass wir ihn für die internationalen Stahl<lb break="no"/>organisationen heranziehen werden, was er freudig begrüsste.<lb/>
Mit <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> besprach ich über die Kohlenlieferung für die ÖDK.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> steht auf dem Standpunkt, sie haben auf Grund des Vertrages<lb/>
Fohnsdorf - ÖDK eine Versorgungspflicht übernommen. Sie müssten<lb/>
deshalb dafür aufkommen, dass die Kohle in Zeltweg zur Verfügung<lb/>
steht. Daraus leitet er ab, dass sie ebenfalls ihre Kohlenimportge<lb break="no"/>sellschaft gegebenenfalls einschalten können und müssen. Für die<lb/>
jetzt abgeschlossenen 50.000 t mit Jugoslawien war es nur das<lb/>
Bestreben der Alpine, ihre Miner- und <choice><choice><sic>Strebenausrüstung</sic><corr>?</corr></choice></choice> dafür<lb/>
nach Jugoslawien liefern zu können. Dies ist geglückt. <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs><lb/>
regt an, entweder die Kohlenlieferungen der VÖEST-Alpine zu<lb/>
übertragen, wie es der Vertrag vorsieht, oder ganz einfach die<lb/>
Versorgungspflicht der VÖEST-Alpine als erloschen zu erklären,<lb/>
d.h. den Vertrag zwischen GKB und ÖDK aufzulösen. <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> behauptete<lb/>
sogar, dass die ÖDK für die Kohlenlieferungen aus Jugoslawien<lb/>
einen Kärntner Händler einschaltet. Dies kann ich mir beim<lb/>
besten Willen nicht vorstellen, weil die ÖDK immer auf Direktbezug<lb/>
Wert legt und diesen von mir auch gegenüber der VÖEST-Alpine, d.h.<lb/>
deren Kohlengesellschaft verlangt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte prüfe diese Behauptung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_15">Prof. <rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> möchten eine internationale Workshop-<lb/>
Tagung über Energie im nächsten Jahr durchführen. Für diesen Zweck<lb/>
brauchen sie vom Handelsministerium, der VÖEST, der ÖMV, der Ver<lb break="no"/>bundgesellschaft je 200.000 S. Ich habe ihnen sofort eine ideelle<lb/>
Unterstützung zugesagt, sehe mich aber ausserstande, 200.000 S<lb/>
allein aufzubringen. Hier könnten nur andere Ministerien mitwirken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_16">Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> an einem internationalen Dialog über Energiefragen<lb/>
zwischen Ost und West brennend interessiert ist, müsste es<lb/>
möglich sein, den Bundeskanzler womöglich an die Stelle vom<lb/>
Handelsministerium treten zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und Wissenschafts<lb break="no"/>ministerium diese Frage zu klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_18"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte Prof. <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs>, <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs>, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114464">Kunz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und mich zu sich gebeten, um über den Regierungs<lb break="no"/>bericht zu sprechen. Seiner Meinung nach müsste in den Bericht<lb/>
eine Genesis des Kernkraftwerkes Tullnerfeld mit allen Briefen,<lb/>
Erklärungen insbesondere des Minister <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, der Landesgesellschaften<lb/>
usw. dargestellt werden. Zweitens sollte die Problematik der Gefahren<lb/>
und deren letzten Erkenntnisse von Prof. <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs> entsprechende Unterla<lb break="no"/>gen geliefert in diesen Bericht aufgenommen werden, Hier handelt es<lb/>
sich aber nicht nur um die positiven Seiten darzustellen, sondern<lb/>
auch die neuesten Forschungen, die von Amerika, Grossbritannien<lb/>
und skandinavischen Ländern. Unbedingt müssten auch Negativ-<lb/>
Berichte erwähnt werden. Das Ganze soll aber darin gipfeln, zu<lb/>
sagen, dass Atombomben, die jetzt überall in Europa und der<lb/>
Welt lagern, ebenfalls auf den letzten Stand und die grossen Gefahren,<lb/>
die daraus sich ergeben, dargestellt werden. Drittens soll eine<lb/>
energiepolitische Übersicht incl. von Prognosen von internationalen<lb/>
Stellen wie OECD die Notwendigkeit der Inbetriebnahme des Kernkraft<lb break="no"/>werkes untermauern. Der Bericht muss so abgefasst werden, dass<lb/>
selbst die Kronen-Zeitung sofort ihn abdrucken würde. Wissen<lb break="no"/>schaftliche Details sollen im Anhang aufgenommen werden. Mit<lb/>
Bildstatistiken und sonstigen graphischen guten Lösungen sollten<lb/>
der Bericht wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückte, ein Bestseller werden<lb/>
der in einer Massenauflage von 100.000 Exemplaren um 10.- S<lb/>
zu kaufen sein müsste. Zu diesem Zweck hat er <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs> ersucht,<lb/>
als kritisch gegen die Atomenergie Eingestellter mitzuwirken.<lb/>
Weiters wird Dr. <rs type="person" ref="#per__138751">Katscher</rs> von der AZ als Naturwissenschaftler<lb/>
herangezogen. Die Elektrizitätsleute schlugen Peter <rs type="person" ref="#per__114732">Müller</rs>, der<lb/>
jetzt eine Story von Seibersdorf geschrieben hat, als dritten in<lb/>
diesem Redaktionskomitee vor. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird mit den dreien einen<lb/>
Werkvertrag abschliessen. Als Anlaufstelle, resp. als Sekretariats<lb break="no"/>stelle wurde die Energiesektion bestimmt und von dort wird <rs type="person" ref="#per__114624">Obermair</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__111994">Hirsch</rs> mitwirken. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> teilte mit, dass eine Meinungsumfrage<lb/>
jetzt ergeben hat, dass 80 % der SPÖ-Wähler die Regierung sagen<lb/>
<pb n="37-0856" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-12_0856.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wird richtig entscheiden. Überraschend ist, dass auch 46 % der<lb/>
FPÖ-Wähler der Meinung sind, dass hier die Regierung richtig<lb/>
vorgeht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt dies damit, dass doch viele Industrie<lb break="no"/>angestellte und Ingenieure Sympathisanten oder Wähler der FPÖ<lb/>
sind. Schwierig wird es nur mit der Volkspartei, denn dort<lb/>
herrscht politisches Misstrauen gegen die Regierung im allgemeinen,<lb/>
in der Kernkraftfrage kommt noch spezifisch der religiös <choice><choice><sic>dedami<lb break="no"/>nierte</sic><corr>determinierte?</corr></choice></choice> ÖAAB, der jetzt natürlich auch aus weltanschaulichen<lb/>
Gründen die Kernkraft ablehnt. Das wirkliche Problem wurde dann<lb/>
in einer langen Diskussion festgehalten, ist die Frage nur mehr<lb/>
der Lagerung. Die beste Definition hat nachher <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> gebracht<lb/>
indem er meinte, das Endlager sei möglich aber nicht nötig.<lb/>
Das Dauerlager müsse aber eine Sicherheit geben wie das Endlager.<lb/>
Nur unter diesem Aspekt könnten wir versuchen, letzten Endes<lb/>
doch im Waldviertel die Lagerung vorzunehmen. Die optimal richtigste<lb/>
Lösung wäre, wenn man gleich in Zwentendorf ein Dauerlager<lb/>
25 – 30 Jahre dazubauen würde. Ich erklärte sofort, ich halte es<lb/>
nicht für möglich, neuerdings die Gemeinde Zwentendorf mit einem<lb/>
solchen Baubeschluss zu belasten. Ich bin auch überzeugt, dass<lb/>
wir derzeit einen solchen Baubeschluss dort gar nicht durchbringen.<lb/>
Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir überhaupt nicht vorstel<lb break="no"/>len kann, dass in Österreich derzeit eine Gemeinde eine solche<lb/>
Baugenehmigung geben wird. Interessant ist nur, dass einzelne<lb/>
Grundbesitzer z.B. in Drosendorf ein 380 ha Betrieb sofort be<lb break="no"/>reit ist, gegen entsprechende Bezahlung ein solches Lager dort<lb/>
errichten zu lassen. Ebenso hat die Fa. Porr uns mitgeteilt, dass<lb/>
in Wild eine Möglichkeit besteht, dieses Lager zu errichten,<lb/>
wo sie seinerzeit für die CERN entsprechende Untersuchungen<lb/>
durchgeführt hat. Grundbesitzer wird es viele geben, die bereit<lb/>
wären, ein solches Lager auf ihrem Grund errichten zu lassen.<lb/>
Was kaum möglich sein wird, ist, dass die Gemeinde einen solchen<lb/>
Baubeschluss fasst. Hier kann ich nur hoffen, dass nachdem die<lb/>
Bürgermeister im Waldviertel sich so festgefahren und die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Tak<lb break="no"/>tik hier einmal ausnahmsweise zumindestens kurzfristig nicht ge<lb break="no"/>wirkt hat, doch auf längere Sicht eine entsprechende Änderung<lb/>
eintreten wird. Die Hauptschwierigkeit liegt aber darin,<lb/>
dass – wie ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ausdrücklich aufmerksam machte – früher oder<lb/>
später, unter früher verstehe ich heuer, später verstehe ich nächste<lb/>
Jahr, das Gesundheitsministerium einen entsprechenden Teilbetriebs<lb break="no"/>bescheid geben muss, damit die Nulleistung und dann Probebetrieb<lb/>
<pb n="37-0857" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-12_0857.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>begonnen werden kann. Derzeit liegt die Verschuldensfrage des<lb/>
Nichtinbetriebgehens ausschliesslich bei den Baugesellschaften.<lb/>
In Hinkunft fürchte ich wird diese dann ausschliesslich bei der<lb/>
Behörde liegen, weil eine Endlagerfrage ja nicht einmal eine<lb/>
Dauerlagerfrage gelöst ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte halte mit <rs type="person" ref="#per__114624">Obermair</rs> und insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111994">Hirsch</rs> ständig Kontakt über den Fortgang dieses Berichtes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-12_20">Mit dem polnischen Minister <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> besuchte ich das erste Mal die<lb/>
Sommerarena Baden. Die Aufführung war, wie man so schön sagt,<lb/>
Provinzniveau, voll besetzt und wahrscheinlich kulturell eine<lb/>
ganz grosse Leistung. Bgm. <rs type="person" ref="#per__137905">Wallner</rs>, der uns empfing, teilte<lb/>
mir mit, dass Theater in Baden ungefähr 12 Mill. S kostet,<lb/>
die Hälfte davon trägt der Bund und die andere Hälfte teilt sich<lb/>
das Land und die Gemeinde, resp. ein Teil davon wird einge<lb break="no"/>spielt. Die Wiener sind natürlich durch die Staatstheater oder gar<lb/>
durch die Salzburger Festspiele verwöhnt. Ich glaube, dass vom<lb/>
Fremdenverkehrsstandpunkt aber nicht nur diese Institutionen<lb/>
sondern sicherlich auch die Dutzenden von Aufführungen in ganz Öster<lb break="no"/>reich von kultureller aber auf fremdenverkehrspolitischer Bedeutung<lb/>
sind. Mit Recht wird gesagt, mit einem Bruchteil des Defizits<lb/>
dieser Grossveranstaltungen könnte man wesentlich mehr in den<lb/>
Fremdenvekehrsorten und -städten leisten. Hier müsste wirklich<lb/>
ein Wandel in der Subventionspolitik Platz greifen. Allerdings<lb/>
ist dies noch keinem Unterrichtsminister gelungen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 12.7.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 82. Ministerratssitzung, 12.7.1977</head>
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            <head>Nachtrag TO 82. Ministerratssitzung, 12.7.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
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