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            <title type="main">Dienstag, der  5. Juli 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_01">Dienstag, 5. Juli 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_02">Die Vöslauer Kammgarn hat die Schweizer Firma Gherzi aufge<lb break="no"/>fordert, ein Gutachten zu erstellen und Dr. <rs type="person" ref="#per__148480">Hasler</rs> mit dem<lb/>
Wirtschaftsberater der Vöslauer Dr. <rs type="person" ref="#per__145630">Eckert</rs> berichteten mir<lb/>
über das Ergebnis. Nach Auffassung der Prüfgesellschaft ist<lb/>
die Administration von <rs type="person" ref="#per__148468">Goertz</rs> und insbesondere die Technik von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> in Ordnung. Der Mangel liegt im Verkauf, der ganze Ver<lb break="no"/>kaufsapparat ist veraltet, wenig kreativ überhaupt nicht modisch<lb/>
ausgerichtet. Zurückzuführen ist dies darauf, dass der Verkaufs<lb break="no"/>direktor auch <rs type="person" ref="#per__140596">Giessrigl</rs> total versagt haben. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, der Repräsen<lb break="no"/>tant des Familienanteils <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> hat mir deshalb vor längerer<lb/>
Zeit schon gesagt, sie werden <rs type="person" ref="#per__140596">Giessrigl</rs> in Pension schicken.<lb/>
Überhaupt ist die Textil-Fusion Ost bis jetzt deshalb zu keinem<lb/>
positiven Ergebnis gekommen, weil eben die Personalprobleme<lb/>
niemals gelöst wurden. Die familiären Beziehungen waren aus<lb break="no"/>schlaggebend, eine wirkliche Reform zu verhindern. Jetzt,<lb/>
wenn es nicht sowieso schon zu spät ist, ist es 5 vor 12.<lb/>
Diese Vöslauer Kammgarn war ein Unternehmen welches <choice><choice><sic>matriarcha<lb break="no"/>lisch</sic><corr>patriarchalisch</corr></choice></choice> von <rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthof</rs> geführt wurde. Als Auftragsspinnerei<lb/>
glaubte dieser sie für alle ewigen Zeiten dank seiner Verbin<lb break="no"/>dungen auf ewige Zeiten führen zu können. Die Umstellung auf die<lb/>
Sortiment-Spinnerei erfolgte dann nach seinem Ableben sehr<lb/>
abrupt. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> wird sich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__148480">Hasler</rs> noch über die<lb/>
Details unterhalten und auch in Hinkunft Kontakt halten, weil<lb/>
er besonders interessiert ist, mit Wirtschaftsprüfer und insbe<lb break="no"/>sondere Betriebsprüfer gute Beziehungen aufrechtzuerhalten. Für<lb/>
mich ist dieser Betrieb insoferne typisch, als er eben durch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97733">Mayer-Gunthof</rs> geführt und gestaltet unter überragendem Einfluss,<lb/>
den dieser Mann hatte, den Anschluss an die moderne Produktions<lb break="no"/>methode und Zeit verpasst hat. Ähnlich erging es in dem verstaat<lb break="no"/>lichten Sektor bei der Alpine-Gesellschaft mit dem jahrzehnte<lb break="no"/>langen und dann auch schon alten Patriarchen <rs type="person" ref="#per__133056">Oberegger</rs>. Beide<lb/>
Betriebe wurden knapp an den Rand des Abgrundes dadurch geführt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_03">Dir. <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> wollte mich unbedingt sprechen, um mir mitzuteilen,<lb/>
dass seiner Meinung nach es möglich ist, Vöslau richtig zu sanieren<lb/>
unter der Bedingung, dass wirklich ein Verkaufsdirektor kommt, der<lb/>
etwas von der Frage versteht und nicht wieder eine <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> per<lb break="no"/>sonalpolitisch, d.h. familiäre Lösung gesucht wird. Er selbst<lb/>
<pb n="37-0816" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-05_0816.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hofft, dass im Vorstand nicht ein Generaldirektor be<lb break="no"/>stellt wird, denn dies würde sonst wieder der familienver<lb break="no"/>bundene <rs type="person" ref="#per__148468">Goertz</rs> sein, von dem er nicht allzu viel hält. Die Firma<lb/>
hat ein ungeheures Glück, dass die Betriebsräte aber auch die<lb/>
Gewerkschaft mitwirkt bei der Sanierung. Ein Fehler war, die<lb/>
Leitung zu divisionalisieren in Kammgarn und Streichgarn. In<lb/>
diesem Fall wäre es besser gewesen, diese moderne und eben<lb/>
nicht für alle Betriebe passende Betriebsführung nach dem alten<lb/>
Prinzip Verwaltung, Produktion und Verkauf zu teilen und zu<lb/>
führen. <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> als Techniker war die neue Spinnmethode DREF<lb/>
bekannt, er sieht darin nur keine Gefahr ebenso wenig wie<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__148480">Hasler</rs>, weil DREF nur bis 15 nm produzieren kann, Kammgarn<lb/>
aber resp. Streichgarn von 28 – 68 im Durchschnitt bei 40<lb/>
heute in Vöslau produziert wird. Diese feinen Garne kann DREF<lb/>
also nicht erzeugen. Ich informierte ihn aber, dass jetzt<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__120383">Fehrer</rs> bereits Maschinen in Erprobung hat, die auch feine<lb/>
Nummern erzeugen werden und früher oder später auch in den<lb/>
feinsten Garnbereich vorstossen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_04">Vor dem Ministerrat habe ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gefragt, wie er sich<lb/>
jetzt und wann er den Akt über den finanziellen Zuschuss<lb/>
Kapitalaufstockung für die Verbundgesellschaft wegen Voitsberg 3<lb/>
unterschreiben wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> informierte mich, dass er mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> die Aussprache hatte und darauf hinwies, dass in<lb/>
Zukunft eine bessere und andere Art der Finanzierung gesucht<lb/>
werden muss. Er ist ausserstande, auf die Dauer diese Kapitalzu<lb break="no"/>schüsse zu leisten. Bei Voitsberg 3 ist er bereit, noch den<lb/>
alten Weg zu begehen. Gleichzeitig ersuchte er mich, ich sollte<lb/>
dafür sorgen, dass im Herbst die österr. Fremdenverkehrswerbung<lb/>
entsprechend höheres Budget bekommt, für eine Linzer Ausstellung<lb/>
1 Mill. S bereitgestellt wird, wie er bereits mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> be<lb break="no"/>sprochen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte kläre, was hier gespielt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_06">Im Ministerrat hat der Finanzminister seinen Vorschlag über<lb/>
Dienstautos zurückgezogen, weil doch auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaube ich<lb/>
verlangt dies von ihm über diese Frage noch gesprochen werden<lb/>
muss. Auch die Beamten des Aussenministeriums haben mich auf<lb/>
dieses Problem hingewiesen. Wieso ich von unseren Leuten überhaupt<lb/>
nichts gehört habe, ist mir schön langsam ein Rätsel. Die<lb/>
<pb n="37-0817" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-05_0817.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Dienstautofrage müsste sie doch zumindestens interessieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte kläre, was hier in unserem Haus dazu<lb/>
gesagt wurde resp. wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_08">Nach dem Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> mich als Vertreter des Aussen<lb break="no"/>ministers aufmerksam gemacht, dass die 1962/63 gekauften Feuer<lb break="no"/>leiteinrichtungen von <choice><choice><sic>Kontrares</sic><corr>?</corr></choice></choice> schon damals nicht sehr zweck<lb break="no"/>mässig, jetzt total veraltet von der Firma zurückgenommen werden<lb/>
und für die 9 Stück 900.000 sfrs. für die neue Leitstellen<lb break="no"/>einrichtung Sky guard angerechnet werden können. Selbstver<lb break="no"/>ständlich war ich mit dieser Regelung einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_09">Die Aussprache mit den Bürgermeistern vom Waldviertel und den<lb/>
nö. Landesregierungsmitgliedern, an der auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und AK-<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> sowie AK-Präsident v. NÖ <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> teilnahmen,<lb/>
sowie einige Wissenschaftler und ganz besonders die Repräsen<lb break="no"/>tanten der Kernenergiegesellschaften, lief genauso ab. wie<lb/>
ich es erwartet habe. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch gleichzeitig die Massen<lb break="no"/>medien eingeladen hat, war von vornherein nur eine Show zu<lb/>
erwarten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist über die Entwicklung scheinbar nicht sehr<lb/>
glücklich, weshalb er die Bürgermeister bei wie ich zugeben<lb/>
muss passenden Gelegenheiten, wenn diese nämlich Referenten<lb/>
ins Wort fielen oder erklärten, es wird im Waldviertel einen<lb/>
ungeheuren Sturm der Entrüstung geben, hart attackierte. Ins<lb break="no"/>besondere der erste Sprecher <rs type="person" ref="#per__148491">Romeder</rs>, Bürgermeister von<lb/>
Schweiggers, in Wirklichkeit aber Landtagsabgeordneter von<lb/>
der ÖVP, der gleich entsprechend die Aussprache einleitete.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte vorher sehr geschickt eingeflochten, wie <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs><lb/>
sich verhalten hat und dass dieser insbesondere immer wieder<lb/>
erklärt, mit Ausländern könne man zu einer Einigung kommen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> ging deshalb dann primär auf den Streit zwischen der<lb/>
Landesregierung und dem Gesundheitsministerium, wer dafür<lb/>
zuständig ist, ein um dann sofort die Behauptung aufzustellen,<lb/>
er hätte ja keine Befugnis gehabt, mit anderen zu reden wie z.B.<lb/>
Min.Präs. <rs type="person" ref="#per__127130">Albrecht</rs>, wo in Asse die Deutschen lagern, die Re<lb break="no"/>gierung hätte eben müssen hier aktiv werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> forderte mich<lb/>
auf, dazu Stellung zu nehmen, meinte nur einleitend zu diesem<lb/>
Problem, niemand mit gesundem Menschenverstand könne doch er<lb break="no"/>warten, dass fremde Länder oder Staaten bereit sind, wo sie<lb/>
ebenfalls mit ihrer Bevölkerung grosse Schwierigkeiten haben,<lb/>
<pb n="37-0818" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-05_0818.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>den Atommüll jetzt zu übernehmen. Insbesondere verwies dann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs> darauf, dass man jetzt bestrebt ist, mit Frank<lb break="no"/>reich <choice><choice><sic>Kosena</sic><corr>Cogema?</corr></choice></choice> und GB BNFL zivilrechtliche Verträge über die<lb/>
Wiederaufbereitung abzuschliessen, auch dort wird vorgesehen,<lb/>
dass der Müll 2 m³ oder 2 t pro Jahr wieder zurückgenommen<lb/>
werden müssen. Deshalb verlangen die Vertragspartner eine Re<lb break="no"/>gierungserklärung, dass dieser Müll auch tatsächlich, wenn ihn<lb/>
die Gesellschaften zurückgeben wollen von den österr. Stellen<lb/>
übernommen werden muss und kann. Da die Bürgermeister alle<lb/>
mit Ausnahme des <rs type="person" ref="#per__148493">Koczur</rs> von Gross-Siegharts der ÖVP angehören,<lb/>
waren natürlich alle unisono gegen eine Lagerung im Waldviertel<lb/>
und verlangten von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine dezidierte Erklärung, dass<lb/>
er sich auch dagegen ausspricht. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> bekannte sich wieder<lb/>
zu der Idee, die Begleitmassnahmen für eine eventuelle Lagerung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gemeinsam gefunden zu haben, weil eben dieses be<lb break="no"/>nachteiligte vierte Viertel Niederösterreichs bei dieser Ge<lb break="no"/>legenheit ein grosse Investitionsunterstützung und Infrastruk<lb break="no"/>turverbesserung bekommen sollte. Dies müsste ein Solidari<lb break="no"/>tätsakt der Elektrizitätswirtschaft sein, ganz unabhängig aller<lb break="no"/>dings, wo diese Lagerstätte errichtet wird. <rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs> verwies<lb/>
mit Recht darauf, dass er noch nicht mit seinen Gesellschaftern<lb/>
über dieses Problem reden konnte und daher keinerlei ver<lb break="no"/>bindliche Erklärungen abgeben kann. Nur der Bgm. <rs type="person" ref="#per__148493">Koczur</rs> meinte,<lb/>
man sollte doch auch diesen Vorschlag überlegen und insbesondere<lb/>
im Waldviertel besprechen. Die anderen waren aber gar nicht bereit,<lb/>
auch nur einen Millimeter von ihrer festgefügten Meinung und<lb/>
Richtung abzuweichen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fasste deshalb nach 3 Stunden<lb/>
zusammen: Es ist nicht seine Absicht, so zu entscheiden,<lb/>
dass ein kleiner Bürgerkrieg im Waldviertel entsteht. Das<lb/>
Gutachter über die Möglichkeiten in Allentsteig zu lagern,<lb/>
kommt übrigens erst im September. Frappierend für mich ist,<lb/>
wie die E-Gesellschaften sich Zeit lassen, scheinbar in der<lb/>
Hoffnung, das wird schon alles noch so laufen, dass man doch<lb/>
früher das Kernkraftwerk im Betrieb nehmen kann, weil inter<lb break="no"/>essanterweise jetzt gar niemand mehr sich über die dortige<lb/>
Sicherheit aufregt. Die GKT hofft sogar, im Kompaktlager für<lb/>
10 Betriebsjahre bis zur Wiederaufbereitung die abgebrannten<lb/>
Brennstäbe unterbringen zu können. Wirklich überragend in<lb/>
seiner Argumentation war <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs> von Seibersdorf. Er hatte nicht<lb/>
nur zur Demonstration in Beton eingeschmolzene und in Glas<lb/>
<pb n="37-0819" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-05_0819.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eingeschmolzene mittel- und hochaktive Abfälle aller<lb break="no"/>dings nicht unterminiert, mitgebracht, sondern seine Ausführungen<lb/>
hatten meiner Meinung nach insoferne gut gewirkt, weil er über<lb break="no"/>zeugend argumentierte. 80.000 Wissenschaftler entwickeln<lb/>
die Kernkraftwerke weltweit und wo Fachleute, die es wirklich<lb/>
sind und nicht, wie er sagte, selbsternannte, über dieses Problem<lb/>
reden, kommt es zu vernünftigen Lösungen. Diese selbsternannten<lb/>
Fachleute aber, die sonst auf diesem Gebiet kein Mensch kennt,<lb/>
sind es, die über die Massenmedien sofort entsprechend Möglichkeit<lb/>
haben, sich in Position zu setzen und dies auch nützen. Dies<lb/>
sei seiner Meinung nach das Grundübel, warum dann die Bevölkerung<lb/>
meint, es gibt eine getrennte Wissenschaft, wenn man so<lb/>
sagen kann, halbe – halbe. Auch ich habe des Gefühl, wenn der<lb/>
Wissenschaftler in seinem Gebiet nur urteilt, es wesentlich<lb/>
zu anderen Ergebnissen kommt als wenn der Biologe in der Kern<lb break="no"/>physik und vielleicht auch umgekehrt der Kernphysiker in der<lb/>
Biologie seine Urteile abgibt, die kaum zutreffend in den selten<lb break="no"/>sten Fällen aber überhaupt fundiert sind. Wenn diese Entwicklung<lb/>
zeitlich so weitergeht, glaube ich, dass das Kernkraftwerk auch<lb/>
nicht im Jahre 1978 in Betrieb gehen wird. Meine Taktik seit 1974<lb/>
wo ich die E-Kompetenz übernommen habe, schnell zu einer Ent<lb break="no"/>scheidung zu kommen, ist gescheitert. Daran, und das muss<lb/>
ich zugestehen, ist nicht allein <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schuld, der sobald<lb/>
er sich eingeschaltet hat in den letzten Monaten immer<lb/>
auf hinauszögern plädierte, sondern sicherlich auch vor allem<lb/>
die bauenden Firmen und die E-Wirtschaft. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> brauchte einen<lb/>
Meinungsbildungsprozess und Zeit dafür und damit auch, wenn<lb/>
man so sagen kann, alle, die nicht unmittelbar vorher davon<lb/>
betroffen waren. Wie dieser Meinungsprozess aber ausgeht, weiss<lb/>
ich noch nicht endgültig, d.h. davon überzeugt bin ich,<lb/>
dass wir immer unter Sachzwängen handeln werden. In diesem Fall<lb/>
bestimmen nicht wir das Geschehen sondern, wenn an will seit 1969<lb/>
als man sich dazu entschlossen hatte, eine eigene Kernkraft<lb break="no"/>werksgesellschaft, eben die GKT, zu gründen, diese Institution.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Aufzeichnungen von<rs type="person" ref="#per__145806">Rohwedder</rs>-Besuch<lb/>
heraussuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_11">Der neue südkoreanische Botschafter hat als erstes mich gleich<lb/>
ersucht, den Wirtschafts- und Handelsminister im September ein<lb break="no"/>zuladen, da er über ein Wochenende kommen wollte, was er für<lb/>
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und Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bei ihrem letzten Besuch in Seoul<lb/>
sogar von dort angerufen haben und mich ersuchten, ich möchte<lb/>
die Südkoreaner mehr einladen, kann ich nun denen gegenüber<lb/>
behaupten, dass ich in ihrem Interesse gehandelt habe.<lb/>
Ihr Geld – meine Zeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-05_12">Noch niemals habe ich so viele Blumen bei einem Begräbnis<lb/>
im Krematorium gesehen wie bei <rs type="person" ref="#per__148503">Flöttl</rs>. Sicher hat er viele<lb/>
Funktionen gehabt: Obmann der Bauarbeiter, Vizepräsident des<lb/>
ÖGB, Abgeordneter im Waldviertel und von überall kamen ent<lb break="no"/>sprechende Kränze. Der wirkliche Grund war aber, dass seitdem<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__148503">Flöttl</rs> kannte und wir waren zusammen in Buchenwald, all<lb/>
die Jahre er als liebwerter Mensch mit niemandem streiten<lb/>
konnte ja auch gar nicht streiten wollte. er hat nur immer<lb/>
seine Pflicht erfüllt, seine Arbeit getan, nach bestem Wissen<lb/>
und Gewissen. Viele bezeichneten ihn als "weichen Bruder".<lb/>
In Wirklichkeit war er ein herzensguter Mensch, der mit<lb/>
niemandem streiten konnte und wollte. Als Bauarbeiter ge<lb break="no"/>fördert und gelenkt von dem Bauarbeiter <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> hat er eine Karriere<lb/>
gehabt, die er sich sicherlich nicht als Anstreicherlehrling<lb/>
der 1. Republik erträumt hätte und hat. Bei Begräbnissen<lb/>
werden ja viele und nur gute Sachen über den Toten gesagt.<lb/>
Die Ansprachen aber <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfers</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
konnten wahrheitsgetreu in der Aussage enden, <rs type="person" ref="#per__148503">Karl Flöttl</rs><lb/>
in Freundschaft.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 81. Ministerratssitzung, 5.7.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Igler, Hans</persName>
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               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Czettel, Adolf</persName>
               <persName><surname>Czettel</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>Präsident AK</occupation>
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               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
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               <persName type="label">Gröger, Adolf</persName>
               <persName><surname>Gröger</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Staudinger, Fritz</persName>
               <persName><surname>Staudinger</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Kaufm. Dir. KKW Tullnerfeld GmbH</occupation>
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               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Maurer, Andreas</persName>
               <persName><surname>Maurer</surname><forename>Andreas</forename></persName>
               <occupation>nö. LH (ÖVP), AR-Vors. DoKW</occupation>
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               <persName type="label">Fehrer, Ernst</persName>
               <persName><surname>Fehrer</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Textilmaschinenfabrik Linz</occupation>
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               <persName type="label">Albrecht, Ernst</persName>
               <persName><surname>Albrecht</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Ministerpräs. Niedersachsen, BRD</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Grümm, Hans</persName>
               <persName><surname>Grümm</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>wiss.-techn. GF Öst. Studienges. f. Atomenergie</occupation>
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               <persName type="label">Hesoun, Josef</persName>
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               <occupation>Präs. AK NÖ</occupation>
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               <persName type="label">Bandhauer, Herbert</persName>
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               <persName type="label">Schoeller, Philipp</persName>
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               <occupation>Obmann Sekt. Ind. BHK</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <occupation>ehem. GD Öst.-Alpine Montanges.</occupation>
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               <occupation>Direktor ÖFVW</occupation>
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               <persName type="label">Millendorfer, Franz</persName>
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               <persName type="label">Mayer-Gunthof, Franz Josef</persName>
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               <persName type="label">Böhm, Johann</persName>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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