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            <title type="main">Freitag, der  1. Juli 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_01">Freitag, 1. Juli 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_02">Noch niemals habe ich miterlebt, dass bei einer Ordensverleihung<lb/>
ein Ausgezeichneter zu Tränen gerührt war. Dass ein beinharter<lb/>
Geschäftsmann so patschweich sein kann, hat mich wirklich über<lb break="no"/>rascht. Genauso überrascht muss ich aber zu meiner Schande gestehen,<lb/>
war ich über die breite Palette der §-68-Staatswappen führenden<lb/>
Betriebe. Wenn ich bedenke, dass bei meinem Amtsvorgänger nur ganz<lb/>
selten einzelnen Betrieben diese Auszeichnung zuteil wurde, so<lb/>
haben wir jetzt wirklich auch auf diesem Gebiet es grundlegend geän<lb break="no"/>dert. Zu meiner Rechtfertigung ja fast zur Entschuldigung unter<lb break="no"/>strich ich bei meiner Ansprache, dass die Beamten nach den Richt<lb break="no"/>linien ohne dass ich darauf Einfluss nehme vorgehen. In diesem Fall<lb/>
bin ich wirklich sehr froh, dass die Handelskammer und selbstver<lb break="no"/>ständlich auch die Arbeiterkammer eingeschaltet sind, um jeden<lb/>
einzelnen zu begutachten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was ist mit dem <choice><choice><sic>Welser</sic><corr>Tauner</corr></choice></choice>, von der Arbeiterkammer<lb/>
abgelehnten Betrieb (<rs type="person" ref="#per__146046">Zellinger</rs>?)<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_04">Beim Jour fixe mit AK und ÖGB berichtet <rs type="person" ref="#per__114075">Erich Schmidt</rs>, dass in<lb/>
der Arbeitsgruppe: Vorschläge zur Sanierung der Zahlungsbilanz<lb/>
des Sozial- und Wirtschaftsbeirates ein Massnahmenkatalog erstellt<lb/>
wird. Wichtig ist, dass für die öffentlichen Aufträge nur die Industri<lb break="no"/>ellenvereinigung nicht nur jetzt das Preiskriterium zum Zuschlag<lb/>
wünscht, vorweggenommen ein diesbezüglicher Beschluss gefasst werden<lb/>
soll. Neben diesem Problem ist in meinen Augen die Frage der Substi<lb break="no"/>tution von Konsumgüterimporten, die letzten Endes auf die Inter<lb break="no"/>essen des Handels zurückzuführen sind, weil sie dort bessere Ge<lb break="no"/>schäfte machen, die zwei wichtigsten Massnahmen, die wir unverzüglich<lb/>
in Angriff nehmen müssen. Wenn man bedenkt, dass wir Hundefutter für<lb/>
300 Mill. oder Erde aus der BRD importieren, so müsste man dafür<lb/>
wirklich in Österreich entsprechende Produktionsmöglichkeiten finden<lb/>
und dann gegebenenfalls durch nichttarifarische Hemmnisse diesen<lb/>
Unfug unterbinden. Wenn die ersten Vorschläge des Beirates vor<lb break="no"/>liegen, werde ich sofort mit den Konsumgenossenschaften, dem Handels<lb break="no"/>verband und anderen grossen Märkten und Importeuren Besprechungen<lb/>
aufnehmen. Vor allem erscheint mir jetzt wichtig, dass die Handelskammer<lb/>
von ihrem Standpunkt: ein österr. Produkt ist alles was ein österr.<lb/>
Unternehmer auf den Markt bringt, abweicht. Dieses Problem muss<lb/>
ich beim nächsten Jour fixe mit der BHK besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass so extreme, haarsträubende Importe<lb/>
wie Hundefutter u. Erde zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_06">Die AK ist einverstanden, wenn im Holzwirtschaftsrat das Ausfuhr<lb break="no"/>kontingent für Nadelsägerundholz um 180.000 fm auf 200.000 der<lb/>
Antrag der Landwirtschaft lautet 230.000 erhöht wird. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit muss aber die seit 1947 zurückreichende Forderung der<lb/>
Arbeiterkammer durch Beobachter, noch besser natürlich durch ein<lb/>
Mitglied im Holzwirtschaftsrat eine gewisse Mitwirkung gesichert<lb/>
werden.<lb/>
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unverzüglich jetzt Besprechungen einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_08">Der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie wird ein<lb/>
Antidumpingverfahren wegen Teigwaren anstreben. Tatsache ist, dass<lb/>
aber die Teigwarenproduzenten meistens jetzt gleichzeitig auch Teig<lb break="no"/>waren importieren. Ausser den italienischen Teigwaren, die qualitäts<lb break="no"/>mässig nicht nur billig sind sondern auch absolut entsprechen, meistens<lb/>
sind sie sogar besser, gibt es Importe von Billigstpreisen mit Qualität<lb/>
die nicht einmal den österr. Vorschriften entsprechen. Übereinstimmend<lb/>
stellen wir fest, dass hier die Landeshauptleute verpflichtet wären,<lb/>
die Konsumenten vor dieser minderwertigen Ware durch entsprechende<lb/>
Kontrollen zu schützen.<lb/>
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Schreiben und nicht von mir einen persönlichen Brief an die<lb/>
Landeshauptleute, soweit wir dafür Kompetenz haben, womöglich mit dem<lb/>
Gesundheitsministerium, vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_10">Der Bundesobstbauernverband verlangt vom Finanzminister die Rücknahme<lb/>
der Zollbegünstigung für Gemüse, Obst, Äpfel, Birnen, Steinobst,<lb/>
Beeren usw. Dies lehnt die Arbeiterkammer entschieden ab, weil<lb/>
wir in Österreich mit dem Vier-Phasen-System eine mengenmässige<lb/>
Kontingentierung haben. Ein zollmässiger Schutz, der nur eine weitere<lb/>
Belastung der Konsumenten bringt, ist deshalb nicht notwendig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_11">Bezüglich der mit Ende September auslaufenden Nettopreisverordnung<lb/>
wird überlegt, ob und wie lange wir sie verlängern sollen. Bei Möbel<lb/>
hat sich herausgestellt, ist es nicht möglich, tatsächlich Netto<lb break="no"/>preise nur festzulegen. Viele Firmen haben sogenannte individuelle<lb/>
Kalkulationslisten für den Handel, die zwar der Konsument nicht<lb/>
bekommt, da jedes Handelsgeschäft, welches diese Möbel führt, ohne<lb/>
gedruckte Letztverbraucherpreise-Listen, hat der Konsumenten kaum eine<lb/>
Möglichkeit, wirkliche Preisvergleiche anzustellen. Möbel<lb/>
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verzichten sollten. Andererseits wird gewünscht, dass man Schall<lb break="no"/>platten und Autos jetzt aufnimmt. Von den Interessensvertretungen<lb/>
werde ich daher kaum eine einvernehmliche Lösung und noch viel weniger<lb/>
ein wirklich zukunftsträchtiges Konzept bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Ein halbjährige Verlängerung bringt uns zwar<lb/>
aus dem Terminproblem, aber untersuchen, wie es überhaupt weitergehen<lb/>
soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_13">Die Arbeiterkammer ist damit einverstanden, dass wir entsprechend<lb/>
ihrem Wunsch von Ende 1974 die Erzeugergaspreise nicht nur durch<lb/>
den Landeshauptmann OÖ für die RAG sondern auch durch das BM<lb/>
für die ÖMV, da diese mehrere Bundesländer umfasst, in Angriff nehmen.<lb/>
Ich erkläre dezidiert, dass es mir primär darauf ankommt, Informa<lb break="no"/>tionen über die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Gaspreissektor, inlän<lb break="no"/>dische Produktion und Importe, zu bekommen. Ob"´ ich letzten Endes<lb/>
wirklich dann einen amtlichen Preis festsetze, wird sich erst im<lb/>
Laufe der Voruntersuchung ergeben. Überrascht bin ich, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, ÖIAG, viel mehr über das Verhalten von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>,<lb/>
ÖMV, empört war, als ich es gewesen bin. Formell hoffe ich, brauchen<lb/>
wir jetzt nichts anderes mehr zu machen, um das Preisverfahren ein<lb break="no"/>zuleiten, da ich ja bereits die Preiskommission bei der Wiederinkraft<lb break="no"/>setzung der Preisregelung für den Semmelpreis informiert habe.<lb/>
Bezüglich der weiteren Vorgangsweise beim Semmelpreis, der jetzt<lb/>
freiwillig von der Wiener Handelskammer durch Aufruf an die Bäcker<lb/>
zurückgeführt wird, stellt sich die Unzulänglichkeit des derzeitigen<lb/>
Preisgesetzes heraus. Die Beamten des Wiener Magistrates haben dem<lb/>
Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> als Landeshauptmann und von mir delegierten zur<lb/>
Regelung des Semmelpreises dezidiert erklärt, sie könnten nicht<lb/>
sofort den Schilling-Preis für die Semmel festsetzen. Genau wie meine<lb/>
Beamten verlangen sie ein erst abzuwickelndes Preisprüfungsverfahren,<lb/>
das sicherlich wochenlang dauern würde. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> erklären<lb/>
konsequenterweise aus dieser Haltung, dass das Preisgesetz unbedingt<lb/>
geändert gehört und nur eine entsprechende Ermächtigung für sofortige<lb/>
Preisfestsetzung gegeben werden muss. Wenn sie damit auch noch so<lb/>
recht haben und ich die ganze Zeit schon ein Rute-im-Fenster-Gesetz<lb/>
anstrebe, so fürchte ich, werden wir dies im nächsten Jahr bei<lb/>
den Verhandlungen, wenn die Wirtschaftsgesetz ablaufen und über<lb/>
deren Verlängerung und Änderung geredet wird, leider nicht erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_14">Seit 1970 bemühe ich mich nämlich verzweifelt, eine solche Lösung<lb/>
anzustreben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Nimm Bezug auf mein letztes Dankschreiben an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> für sein Preisgesetz-Buch und <choice><choice><sic>ver</sic><corr>versuche?</corr></choice></choice>, mit ihm in dieser<lb/>
Beziehung ins Gespräch zu kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_16">Die Fa. Leitl hat entgegen dem Beschluss der Paritätischen Kommission,<lb/>
nur um 4 % seine Produkte den Preis zu erhöhen, 6 % verlangt und ist<lb/>
nicht bereit, davon abzugehen. Bevor ich den § 4 des Preisgesetzes<lb/>
anwende, erscheint er mir zielführend, wie ich in der Par. Kommission<lb/>
auch versprochen habe, mit der Firma zu verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__140653">Leitl</rs><add>[ev. Falschidentifikation, Anm.]</add> einladen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_18"><rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> teilt auf meine Anfrage mit, dass das Vertriebssystem Austro-<lb/>
Porsche die Porsche GesmbH in Deutschland eine entsprechende Studie<lb/>
ausarbeiten wird. Ausserdem hat die ÖIAG jetzt zwei Fachleute<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__147142">Tump</rs> und <rs type="person" ref="#per__147143">Polit</rs>, der den amerikanischen Markt sehr gut kennt,<lb/>
mit einer Spezialuntersuchung in Amerika beauftragt. Das ganze Projekt<lb/>
Austro-Porsche steht und fällt nämlich mit der Absatz- und Service<lb break="no"/>organisation.</p>
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dass die Wolfegg-Trauntaler Kohlengesellschaft in den nächsten 5 Jahren<lb/>
mit 20 Mio. S Defizit pro Jahr rechnen muss. Diese Betrag müsste von der<lb/>
Bergbauförderung beigestellt werden. Da die Produktion immer wieder<lb/>
auf <choice><choice><sic>Schwimmsatz-Flötze</sic><corr>?</corr></choice></choice> kommt. Nach 5 Jahren sind die einigermassen<lb/>
abbaufähigen Reviere erschöpft und wenn man dann noch bis zu 10 Jahren<lb/>
weitergraben will, würden bis zu 100 Mill. S und mehr pro Jahr<lb/>
Defizit erwirtschaftet werden. Neben Pölfing-Bergla und Fohnsdorf<lb/>
wird es deshalb auch in Zukunft sehr bald notwendig sein, an die<lb/>
Schliessung von der WTK zu denken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Frage, was <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> davon weiss.<lb/>
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einleitend festgestellt, dass jetzt immer mehr positive Gut<lb break="no"/>achten dafür vorliegen. Da jetzt dieses Projekt zur Strukturver<lb break="no"/>änderung des Waldviertels dringend braucht, möchte er jetzt diese<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> berichtet, dass die VÖEST jetzt nicht nur eine Studie aus<lb break="no"/>gearbeitet hat sondern auch die von <rs type="person" ref="#per__146619">Landegger</rs> bestellte Firma Parsons<add>[hs. korrigiert, Anm.]</add><lb/>
durch eine finnische <rs type="person" ref="#per__147984">Jakob Pörring</rs>-Gesellschaft noch einmal über<lb break="no"/>prüfen lassen wird. Die Holzmenge, bestätigt auch Landwirtschafts<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, steht zur Verfügung, da insbesondere neben Kiefer,<lb/>
die allerdings im Preis steigen wird, sowie Fichte und Tanne vor allem<lb/>
aber Pappeln und Weiden dort verarbeitet werden können. Buche, an der<lb/>
Lenzing interessiert ist, weshalb diese Firma gegen das Projekt auf<lb break="no"/>tritt, wird natürlich auch im Preis steigen. <rs type="person" ref="#per__147966">Milzer</rs>, ein Direktor von<lb/>
der VÖEST, der für dieses Projekt scheinbar zuständig ist, verweist<lb/>
darauf, dass es notwendig sein wird, einige Zellstoffbetriebe, sogenannte<lb/>
kleine Quetschen wie Rechberg, Villach, Kematen, Weissenbach zu<lb/>
schliessen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> verweist mit recht darauf, dass die sogenannten Fach<lb break="no"/>leute leicht erklären die Werke müssen geschlossen werden und die Politik<lb/>
müssen es nachher ausbaden. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erscheint es fraglich, ob man 3,5 Mia. S<lb/>
für 300 Beschäftigte, die in der Zwischenzeit jetzt angeblich auf<lb/>
500 angewachsen sind, investieren soll. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> verweist mit Recht<lb/>
darauf, dass die jetzt zur Schliessung anstehenden Betriebe in den<lb/>
Achtzigerjahren sowieso gefährdet sind, weil 100.000 t mehr die Fa.<lb/>
Leykam und 50.000 t mehr die Pölser Zellulose-Fabrik schon auf Grund<lb/>
der jetzigen Modernisierung und Umstellung produzieren werden. Fr<lb/>
Sulfatzellstoff, wo wir 100.000 jetzt schon importieren, gibt es<lb/>
daher auch in meinen Augen eine bessere Absatzmöglichkeit als bei<lb/>
irgendwelchen anderen neuen Industrieproduktionen von Austro-Porsche<lb/>
ganz zu schweigen. Bezüglich der Beschäftigung meint <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> mit<lb/>
Recht, soll man nicht nur die drei bis 500 in der Zelluloseproduktion<lb/>
sehen sondern vor allem auch die Beschäftigten der Neusiedler Papier<lb/>
AG, deren 1.000 Arbeitsplätze sonst auch gefährdet sind.<lb/>
Die VÖEST meint allerdings mit Recht, nur die Neusiedler soll gegebenenfalls<lb/>
eingebunden werden, weil ansonsten die vertikal organisierten Papier<lb break="no"/>fabriken mit der Sulfatzellstofffabrik von dieser ständig Billigstpreise<lb/>
womöglich unter den Gestehungskosten verlangen wird. Derzeit, verweist<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> darauf, kommt ein Marktpreis von 6.500 S pro Tonne ein kalku<lb break="no"/>lierter Preis von 8.000 S/t heraus. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> verlangt, dass eine ordent<lb break="no"/>liche Marktanalyse gemacht wird und nicht wie dies jetzt fast üblich<lb/>
ist, immer wieder nur extrapoliert von den derzeitigen Verhältnissen<lb/>
Zukunftsprojekte konstruiert werden. Für ihn erscheint das Eigenkapital<lb/>
von 600 Mill. S zu gering, weil die Finanzierung von 15 Jahren zu kurz<lb break="no"/>fristig und die Anlaufverluste wesentlich höhere sein werden, sodass<lb/>
das Eigenkapital sehr bald verbraucht sein wird. Die Kapitalbeschaffung<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> ist davon überzeugt, dass die Banken von der genossen<lb break="no"/>schaftlichen Zentralbank bis sogar deutschen und Schweizer Inter<lb break="no"/>essen, die Schweizer Bankgesellschaft will sich mit 25 % beteiligen,<lb/>
genug Interessenten vorhanden sind. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meint mit Recht, durch<lb/>
Staatsgarantie usw. könnte man sich leicht an solchen Projekten<lb/>
beteiligen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schliesst daraus, dass wenn die öffentliche<lb/>
Hand hier entsprechende Unterstützung gibt, dann auch die öffentliche<lb/>
Hand Teileigentümer werden sollte. Bezüglich der Gefährdung anderer<lb/>
Betriebe insbesondere im Süden Österreichs müsse jetzt eine Studie<lb/>
erstellt werden. Andererseits sei gerade der Standort an der Donau<lb/>
von grösster Bedeutung, denn in St. Pölten wackelt die Glanzstoff<lb break="no"/>fabrik, Voith hat auch keine gesunde Basis, die Textilindustrie<lb/>
und Holzindustrie in dieser Region äusserst gefährdet ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>, <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte genau feststellen,<lb/>
ob die kleinen Zelluloseproduzenten sowieso gefährdet sind oder erst<lb/>
durch das Sulfatzellstoffprojekt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_23">Die Stickerei-Industrievertreter von Vorarlberg unter Führung<lb/>
von Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erwarteten nicht mehr und nicht weniger als<lb/>
dass ich sofort wieder nach Lagos fahre und dort wegen der ver<lb break="no"/>botenen Einfuhr von Stickereien zu verhandeln. Da auch NR <rs type="person" ref="#per__139888">Blenk</rs><lb/>
bei der Besprechung anwesend war und viele Beamte der Handelskammer<lb/>
konnte ich es mir nicht verkneifen, dass ich wohl in der Vergangen<lb break="no"/>heit mehr für die Stickerei getan habe als alle meine Amtsvorgänger<lb/>
seit dem Jahre 1945. Dies wurde auch bestätigt, doch erwartet man<lb/>
eben von mir wesentlich mehr Einsatz. Die schwierige Situation<lb/>
ergibt sich, dass von den gesamten Exporten von 1,9 Mia. S über<lb/>
1 Mia. nach Nigeria exportiert wird, die Auslastung der Automaten in<lb/>
Vorarlberg ermöglicht. Jetzt sind 140 Maschinen stillgelegt und<lb/>
werden in Hinkunft 500 sein, das wäre die Hälfte aller Stickerei<lb break="no"/>maschinen. In der unmittelbaren Vergangenheit um die Nigeria-<lb/>
Aufträge erfüllen zu können, hat man sogar die Schweizer Stickerei<lb break="no"/>maschinenindustrie als Sublieferanten eingeschaltet. Wie mir<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> von der Kontrollbank nachher versicherte, wurden<lb/>
60 Saurer-Automaten bestellt. Die seit 1. April 1976 lizenzpflichtigen<lb/>
Stickereien, die am 1. April 1977 mit dem Importverbot sogar belegt<lb/>
wurden, werden angeblich jetzt sogar verbrannt, wenn sie ins Land<lb/>
kommen. Die nigerianische Regierung, insbesondere der General <rs type="person" ref="#per__115687">Shuwa</rs><lb/>
als Handelsminister ist empört, dass den Exporteuren immer wieder<lb/>
verbotene Schleichwege gelingen, die Ware ins Land zu bringen,<lb/>
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Angeblich steht einem Importpreis von 25 Naira ein Verbraucher<lb break="no"/>preis von 200 Naira gegenüber. Überall, wo Schwarzhandel existiert,<lb/>
werden irrsinnige Preis verlangt und andererseits irrsinnige Ge<lb break="no"/>winne gemacht. Das Risiko ist halt nur dabei, wie sich jetzt<lb/>
herausstellt, sehr gross. U.a. wurde ein <choice><choice><sic>Neffe</sic><corr>Schwager</corr></choice></choice> von Landwirtschafts<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, <rs type="person" ref="#per__148029">Mayer</rs>, am Flughafen in Lagos verhaftet, der für<lb/>
eine Stickerei-Firma entsprechende Geschäfte in Nigeria macht.<lb/>
Die Stickerei-Vertreter verlangen eine Sofortmassnahme, um ihre<lb/>
brachliegenden Kapitalien, 500 Mill. S Aussenstände plus der<lb/>
Lagerware, durch einen entsprechenden Fonds oder Subvention durch<lb/>
den Bund. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, es käme nur die Arbeitsmarktförderung<lb/>
in Frage, die bis 300.000 S im Land und da es sich hier um Millionen<lb break="no"/>beträge handelt, nur vom Sozialminister genehmigt werden kann.<lb/>
Ich erkläre sofort, dass wenn die Firmen über die Arbeitsmarkt<lb break="no"/>verwaltung etwas bekommen wollen, dann über das Landesarbeitsamt<lb/>
individuell einreichen müssen. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> lehnt eine Finanzierungs<lb break="no"/>überbrückung in Form von Zinsenzuschüssen, auch weil er dies auf<lb/>
Grund des Gesetzes gar nicht geben kann, ab. Wenn die Hausbank<lb/>
entsprechendes Produktionsfinanzierung für andere Relationen als<lb/>
Nigeria nicht allein durchführen kann, dann hat die Kontrollbank<lb/>
gewisse Möglichkeiten.im Rahmen der Exportfinanzierung. Andere Mög<lb break="no"/>lichkeiten gibt es nicht. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schlägt mir unerklärlicherweise<lb/>
vor, man müsse trachten jetzt bei den Nigerianern durch entsprechende<lb/>
Betriebskooperationen nicht nur auf dem Stickereisektor sondern auch<lb/>
auf anderen das Wohlwollen der Regierung zu erlagen. Darüber hinaus<lb/>
sollte man von den Nigerianern Öl kaufen. Da ich schon das Politikum<lb/>
in dieser Frage kommen sehe, erkläre ich mich im Prinzip bereit, wenn<lb/>
notwendig wieder nach Lagos zu fliegen. Wichtiger erscheint mir aber,<lb/>
dass die Handelskammer jetzt die entsprechenden Vorschläge bezüglich<lb/>
der Kooperation macht, mit der ÖMV spricht, dass diese tatsächlich<lb/>
Öl kauft, was sie bis jetzt infolge des hohen Preises und der anderen<lb/>
Abnahmeverpflichtungen strikte abgelehnt hat und mir entsprechende<lb/>
Vorschläge unterbreitet. Ich könnte mir vorstellen und dies wird dann<lb/>
von allen anderen bestätigt, dass es viel zweckmässiger ist, wenn<lb/>
ich die dafür in Frage kommenden höchsten Persönlichkeiten zu einem<lb/>
Besuch nach Österreich einlade. Durch entsprechende Jagd- oder Fisch<lb break="no"/>aufenthalte könnte man leicht die Stimmung in Nigeria ein bisschen<lb/>
lockern. Da die Stickerei-Leute mit mir ständig Kontakt haben wollen,<lb/>
sage ich ihnen zu, bei meiner Messe-Eröffnung in Dornbirn und dann<lb/>
bei dem Textilgespräch auf der Schattenburg im September natürlich auch<lb/>
<pb n="37-0802" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-07-01_0802.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wieder für sie zur Verfügung zu stehen. Jetzt ist das Wichtigste,<lb/>
dass die Handelskammer mir die entsprechenden Vorschläge unterbreitet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wird es sich nicht so einfach machen können, mit einer<lb/>
Delegation zu erscheinen, sich zu bedanken, was ich schon alles<lb/>
getan habe und dass ich jederzeit für sie zur Verfügung stehe und<lb/>
dann nur zu verlangen, ich soll nach Lagos fliegen und dort alles re<lb break="no"/>geln. Er weiss ganz genau, dass die sinnlos ist, nur Kosten verursacht<lb/>
und auf diese Art und Weise nicht zu lösen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-07-01_24">Das Parlament ging mit der aussenpolitischen Debatte zu Ende. Ich<lb/>
stelle nicht nur eine Lustlosigkeit, die eigentlich immer vor<lb/>
jeden Ferien zu verzeichnen ist, sondern darüber hinaus ganz allgemein<lb/>
gesehen eine wirkliche Parlamentsmüdigkeit bei den Abgeordneten fest.<lb/>
Primär wäre es natürlich Aufgabe der Oppositionspartien, das Par<lb break="no"/>lament als ihre Kampfstätte entsprechend zu nützen. Andererseits<lb/>
muss ich zugeben, dass dies jetzt deshalb so schwer wird, weil<lb/>
scheinbar hier auch eine Reform dringendst notwendig ist. Es wird immer<lb/>
sinnloser wie unter lustlos Anwesenden meistens nur wenigen Abgeord<lb break="no"/>neten die Reden dahinplätschern. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dies vielleicht auch<lb/>
schon vor langer Zeit gefühlt und deshalb vorgeschlagen, entspre<lb break="no"/>chende Berichte dem Parlament zuzuleiten und dort Wirtschaftsdiskussionen<lb/>
und ich weiss nicht was sonst noch alles abwickeln zu können. Da aber<lb/>
auch bei diesen Berichten meistens nur ganz wenige unmittelbar daran<lb/>
beteiligt sind, entsteht wie dies heute bei dem aussenpolitischen<lb/>
Bericht der Fall war, ebenfalls der Eindruck hier agieren ein halbes<lb/>
Dutzend von Abgeordneten. Die anderen sind – und das stimmt ja<lb/>
auch meistens – wirklich daran gar nicht interessiert. Da man dies<lb/>
aber jetzt immer deutlicher sieht und spürt, muss es entweder zu<lb/>
einer Reform kommen oder die Idee des Parlamentarismus wird schwer<lb/>
Schaden leiden.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 1.7.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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