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            <title type="main">Montag, der 20. Juni 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_01">Montag, 20. Juni 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_02">Bei der Aussprache mit dem sambesischen Wirtschaftsminister und seiner<lb/>
Begleitung hat LWM <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> die Rinderfarm vereinbart und ich be<lb break="no"/>sprach das Kohlenbeförderungsprojekt von Austro-Mineral. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
bestätigte beim Essen durch einen Brief die Errichtung der Rinderfarm<lb/>
durch die Entwicklungshilfe, ein Vertragsentwurf, wie er für die anderen<lb/>
Länder gilt, wurde beigeschlossen. Für Austro-Mineral wurde ebenfalls<lb/>
von der Entwicklungshilfe die zweite Tranche 1 Mill. $ Kredit zu den<lb break="no"/>selben begünstigten Konditionen gegeben wie die erste Tranche, die<lb/>
bereits vereinbart ist.Auch dies wurde in einem Brief bestätigt,<lb/>
wobei auf die endgültige Summe von 38 Mill. S noch 3 Mill. S als<lb/>
Geschenk von der Entwicklungshilfe gegeben wird. Die Sambesen wünschen<lb/>
noch einen langfristigen, womöglich unverzinslichen Kredit für<lb/>
Ankauf von Commodities und Kunstdünger. Ich erkundigte mich bei<lb/>
der österr. Kontrollbank und erfuhr, was ich allerdings schon wusste,<lb/>
dass die Sambesi die schlechtesten Zahler sind, das derzeitige Obligo<lb/>
beträgt 45 Mill.. S der Österr. Kontrollbank. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> und <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs><lb/>
meinte, sie könnten bis zu 250 Mill. S für 12 Monatskredite, wenn es<lb/>
die Regierung unbedingt wünscht, zur Verfügung stellen. Das grosse<lb/>
Problem ist, dass bereits bei den jetzt aushaftenden Krediten der<lb/>
Österr. Kontrollbank man damit rechnen muss, dass ca. 1 Mia. S derzeit<lb/>
schon nicht rückgezahlt werden. U.a. wurde beim Nordkorea Moratorium<lb/>
bekommen haben, im Kongo von der VÖEST eine Raffinerie errichtet,<lb/>
die zu zwei Drittel fertig gebaut ist und sich jetzt herausstellt,<lb/>
dass die dafür notwendig Elektrizität nicht zur Verfügung steht. Man<lb/>
muss daher zuwarten, bis ein Flusswasserkraftwerk errichtet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte erkundige Dich unauffällig, was im<lb/>
Kongo wirklich passiert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_04">Beim Essen resp. dann nach der Ministerratsvorbesprechung habe ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> über die Wünsche der Sambesen informiert. Ein<lb/>
Kredit wurde dann nicht mehr vereinbart, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist auch davon abge<lb break="no"/>kommen scheinbar von der Steyr-Daimler-Puch-Gesellschaft Waffen-<lb/>
und Gerätelieferungen ohne einen Gewinnaufschlag zu verlangen, weil<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs> ja auch diese nicht bezahlen kann. <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs> hat aber<lb/>
übrigens noch dezidiert erklärt, er lässt sich von den Amerikanern<lb/>
nichts geben, die einige Möglichkeit wäre, dass Österreich liefert<lb/>
und die Amerikaner uns bezahlen. Etwas sehr kompliziert, sehr ver<lb break="no"/>strickt, glücklich bin ich, dass ich nicht diese Waffenlieferungen<lb/>
mit ihrer Problematik lösen muss. Ich wüsste dafür keinen Ausweg.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_05">Beim Jour fixe erwähnte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass <rs type="person" ref="#per__146995">Lohberger</rs>, Zentralheizungs<lb break="no"/>installateur, 200 Beschäftigte, Export ca. 30 Mill., ein Drittel<lb/>
direkt, 2/3 angeblich über Händler, erklärt haben soll, er braucht<lb/>
einen Dienstpass und wenn ihn die Handelskammer nicht ausstellt,<lb/>
dann würde er sich direkt über Sozialisten an das Handelsministerium<lb/>
wenden. Einen weiteren Dienstpass will die Firma Baumgartner, die<lb/>
Swarovski-Verkehrssicherungs-Einrichtungen erzeugt. Ich kam mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sal<lb break="no"/>linger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> überein, dass wir an dem jetzigen System der Dienst<lb break="no"/>pässe-Ausstellung festhalten. Die Handelskammer wird restriktiv<lb/>
vorgehen und genau prüfen, ob ein Dienstpass unbedingt erforderlich<lb/>
ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte alle Anträge der Handelskammer zur<lb/>
Begutachtung schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_07"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollte allen Ernstes für die 35.000 S, die ich der<lb/>
Handelskammer für die Erhebung des Konsumentenbeirates Ladenschluss<lb break="no"/>frage bei Handelsbetrieben zuschiesse, auch die darauf entfallende<lb/>
Mehrwertsteuer. Ich lehnte dies aus prinzipiellen Gründen ab, weil<lb/>
es sich doch indirekt um eine Subvention handelt und ich mir nicht gut<lb/>
vorstellen kann, dass wir Subvention plus Mehrwertsteuer bezahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte das im Beirat klarstellen, weil<lb/>
angeblich von Haus aus bereits für diese Art der Berechnung grosse<lb/>
Sympathien ja fast Zusagen gemacht wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_09">Natürlich kam <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf die Auseinandersetzungen wegen der letzten<lb/>
Besprechung über die automatische Lizenzierung für Bekleidung und Tex<lb break="no"/>tilien zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> musste auch gegenüber <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zugeben,<lb/>
dass der Vorschlag der Handelskammer ungünstig gewesen ist und eine<lb/>
Diskriminierung des Westens dargestellt hätte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, der<lb/>
Einzige, der hier objektiv von seiten des Ministeriums gehandelt<lb/>
hat, war Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs>. Bei den anderen incl. meiner Person be<lb break="no"/>steht eine ungeheure Aversion gegen die Vorschläge der Handelskammer.<lb/>
Die nicht immer sachlich begründet sind. Ich versuchte, ihm das<lb/>
Gegenteil zu beweisen, weil die Vorschläge der Handelskammer schon<lb/>
immer als undurchführbar bezeichnet wurden und die Vertreter der<lb/>
Handelskammer gar nicht bereit sind, auf andere Vorschläge ein<lb break="no"/>zugehen. Dies wird die Handelskammer früher oder später selbst ein<lb break="no"/>sehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_10">Bezüglich der Ölmühle wird die Handelskammer jetzt trachten, die<lb/>
Händlergruppe und die Mischfuttererzeuger ebenfalls in das Projekt<lb/>
einzubeziehen. Mit Unilever zusammen glauben sie, einen entsprechenden<lb/>
Gegenpart gegen die Landwirtschaft – <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> – und auch dem Konsum<lb/>
darzustellen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war sehr verwundert, von mir zu erfahren, dass<lb/>
die Arbeiterkammer und der ÖGB einsehen, dass es bei einem schwedi<lb break="no"/>schen Schutzsystem für Österreich auch zu einer Erhöhung der Ver<lb break="no"/>braucherpreise kommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_11">Für das Berufsausbildungsgesetz, wo eine weitere Sitzung mit <rs type="person" ref="#per__97563">Hof<lb break="no"/>stetter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und mir vereinbart wurde, ist die Handelskammer<lb/>
bereit, den Vorsitz in den Lehrlingsstellen an einen Beamten des<lb/>
Ministeriums resp. der Landesregierungen für die Landesbeiräte<lb/>
abzutreten. Zur Auflösung des Lehrverhältnisses braucht der Lehrling<lb/>
in Hinkunft nicht mehr 3 Monate zuwarten, wenn der Unternehmer löst,<lb/>
soll allerdings nicht das Einigungsamt angerufen werden können.Die<lb/>
Bildungsfreistellung der Ausbildner könnte solange nicht im Berufs<lb break="no"/>ausbildungsgesetz geregelt werden solange nicht die gesamte Bildungs<lb break="no"/>urlaubsfrage endgültig geklärt ist. Der Lehrherr soll aber verpflich<lb break="no"/>tet werden, entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten den Ausbildnern<lb/>
zu verschaffen. Die Internatskosten, derzeit zur Hälfte zwischen<lb/>
Eltern und Lehrherrn nach Beistellung der vollen Lehrlingsentschädigung<lb/>
geregelt, sollen so geändert werden, dass zuerst doch ein Taschengeld<lb/>
von 10 % für den Lehrling zur Verfügung gestellt wird und dann der<lb/>
Rest nach Einbehalt der Lehrlingsentschädigung zu einem Drittel von<lb/>
den Eltern und zu zwei Dritteln von den Lehrherren bezahlt werden<lb/>
soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_12">Beim Pressefrühstück berichteten Vertreter des Landwirtschaftsministe<lb break="no"/>riums und Bautenministeriums über die Wasser- und Seenreinhaltung.<lb/>
Das wirklich Problem ist, dass noch immer für 3 Mia. S Anträge für<lb/>
die Seenreinhaltung nötig sind, schon jetzt aber so grosse Belastungen<lb/>
für die Anrainer erwachsen, dass diese kaum bezahlt werden können.<lb/>
Wenn der Rückzahlungsbetrag über 16.– S pro m³ liegt, soll in Hinkunft<lb/>
die 25-jährige Laufzeit der Kredite bis zu 50 Jahren ausgedehnt werden<lb/>
können. Im Extremfall gibt es jetzt Belastungen von 56 S pro m³ Abwasser.<lb/>
Unsere Seenaktion mit 10 Mill. S, wenn auch nur für die Anschlussgebühren,<lb/>
die viele auch nicht leisten können, ist wirklich nur ein Schlag ins<lb/>
Wasser. Hier könnte man sagen "Abwasser". <rs type="person" ref="#per__146996">Kanawal</rs> von der Presse wollte<lb/>
unbedingt wissen, wieviel heuer für die Seenreinhaltung zur Verfügung<lb/>
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nicht konkret geantwortet, sondern sich auf die nächste Sitzung ausge<lb break="no"/>redet. Überhaupt erklärte ich, sind die Forderungen an den Wasser<lb break="no"/>wirtschaftsfonds seit jeher wesentlich grösser gewesen als er auch<lb/>
nur trotz der Milliardeneinsätze zur Verfügung stellen kann. Die<lb/>
Vorbelastungen und Zusagen gehen weit über die Rückflüsse hinaus.<lb/>
Darüber beginnen aber jetzt einige Unternehmer aber auch Gemeinden<lb/>
ganz einfach nicht mehr zurückzuzahlen, weil sie, wie sie sagen, dies<lb/>
finanziell nicht mehr verkraften können. Wie Bautenminister <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
mit dem Problem fertig wird, ohne dass es zu einer kräftigen Erhöhung<lb/>
seiner Einnahmen kommt, weiss ich auch nicht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Idee mit dem<lb/>
Wasserschilling, den wir zuerst entsprechend propagieren müssten, damit<lb/>
die Bevölkerung einsieht, dass hier etwas geschehen muss, ist auch wieder<lb/>
leise entschlafen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_13">Magister <rs type="person" ref="#per__112565">Unterberg</rs>, der die Berechnungen über die Zollabsenkung<lb/>
für Waren aus der EG ab 1. Juli durchgeführt und daher auch in der<lb/>
Pressekonferenz dargelegt hat, hat so ziemlich alle <choice><choice><sic>restlos</sic><corr>?</corr></choice></choice> verwirrt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146277">Halusek</rs>, Kronen-Zeitung wollte wissen, ob die Lebenshaltungskosten<lb/>
dadurch zwischen 1 und 4 % im Juli gesenkt werden könnten. Davon<lb/>
kann überhaupt keine Rede sein, erwiderte ich sofort, denn die vorge<lb break="no"/>legten Unterlagen zeigen, dass der Ab-Grenze-Preis nur eine ent<lb break="no"/>sprechende Berechnung der Zollsenkung ermöglicht, wie er sich aber<lb/>
auch die Verbraucherpreise auswirkt, kann niemand jetzt sagen, ja<lb/>
selbst nicht einmal für die vier anderen Etappen, die wir bereits<lb/>
durchgeführt haben, genau feststellen.<lb/>
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FV-Gemischten Kommission. In Wirklichkeit auch dort viel Lärm oder<lb/>
wenn man es anders ausdrücken will, viel Aufwand um Nichts. Diese<lb/>
ganzen Gemischten Kommissionen verursachen im wahrsten Sinne des<lb/>
Wortes nur Kosten und deren Nutzen ist gleich Null.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Versuche bitte immer wieder Wege zu besprechen,<lb/>
wie man von diesen Gemischten Kommissionen überhaupt wegkommen könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_16">Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> von der Verbundgesellschaft verständigte mich, dass bei<lb/>
der Aufsichtsratssitzung die Frage der Vorstandsbezüge zur Sprache<lb/>
kommen könnte. Ich selbst habe ihm sofort erklärt, dass ich bereit<lb/>
bin, eine entsprechende Erhöhung der Vorstandsbezüge in den<lb/>
Sondergesellschaften und bei der Verbund zuzustimmen, wenn gleichzeitig<lb/>
die Frage der Einbehaltung der Aufsichtsratsentschädigung für<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> war sehr verwundert von mir zu hören, dass bis in die<lb/>
Fünfzigerjahre die Abfuhr an die Verbundgesellschaft bestanden<lb/>
hat. Er stimmte glaube ich mit meiner Auffassung überein und wird mit<lb/>
den Direktoren ein diesbezügliches Gespräch führen und mir entspre<lb break="no"/>chende Vorschläge unterbreiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wo bleibt die Berechnung von <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> zu diesem Vorschlag?<lb/>
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und meinte, während seiner Tätigkeit sei es doch gelungen, die<lb/>
Konzeption, österr. Firmen mit bulgarischen auf Drittmärkten<lb/>
nicht nur zu verankern sondern auch in der Praxis durchzuführen.<lb/>
Hier gibt er sich aber einer Illusion hin, denn natürlich werden<lb/>
diesbezügliche Gespräche zwischen Firmen geführt in der Praxis aber<lb/>
wird es kaum zu irgendwelchen Abschlüssen kommen. Neuerdings<lb/>
urgierte ich die Beizanlage für die VÖEST, weil Minister <rs type="person" ref="#per__113028">Christow</rs><lb/>
bei seiner Durchreise <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> gegenüber erklärte, Österreich sei<lb/>
zu teuer und hätte kaum eine Chance, den Zuschlag zu bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140661">Ganowski</rs> selbst ist glaube ich jetzt auch schon amtsmüde, denn<lb/>
er meinte, hier könne man kaum mehr etwas machen. Interessant war, dass<lb/>
er noch den 2-Mia.-S-Kredit, den Österreich Bulgarien eingeräumt hat,<lb/>
erwähnte und gleichzeitig aber sagte, die Rückzahlung von Krediten<lb/>
resp. grössere Importe Bulgariens nach Österreich wird immer schwie<lb break="no"/>riger. Hier wollte er die Perspektiven wissen. Ich habe ihm ziemlich<lb/>
reinen Wein eingeschenkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_19">Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> mit Hofrat <rs type="person" ref="#per__113625">Fichte</rs> und <rs type="person" ref="#per__141840">Soos</rs> besprach mit <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> und mir<lb/>
Personalprobleme. Hofrat <rs type="person" ref="#per__113625">Fichte</rs> soll jetzt dem Vizepräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97918">Schmeiser</rs> als Techniker nachfolgen. Personaleinsparungen beim<lb/>
Patentamt seien unmöglich, weshalb <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> beabsichtigt, sogar<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über dieses Problem zu sprechen, wenn ich dagegen<lb/>
nichts einzuwenden habe. Ich erklärte sofort, wenn er sich davon<lb/>
etwas verspricht, kann er dies ruhig tun, zweckmässig ist nur abzuwarten,<lb/>
ob tatsächlich die Vereinbarung von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> mit dem BKA<lb/>
hält, wonach wir nächstes Jahr nur 2 Dienstposten anstelle der<lb/>
1 %-igen Quote einsparen müssten. In diesem Fall würden wir gigantisch<lb/>
gut abschneiden und das Patentamt müsste natürlich überhaupt keine<lb/>
Personaleinsparung vornehmen. Die Reisekosten des Patentamtes werden<lb/>
heuer überzogen werden, weshalb eine Zahlung von der Zentralleitung,<lb/>
wo ein starkes Überschussbudget bei Reisekosten haben, unter dem<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte diese Möglichkeit prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_21">Zum europäischen Patentamt in München möchte <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> in Hinkunft<lb/>
mit Dienstwagen reisen, weil dies wesentlich billiger allerdings auch<lb/>
bequemer kommt als mit der Bahn. An und für sich ist dagegen nichts<lb/>
einzuwenden, ganz besonders wenn dann womöglich 2 oder gar 3 Beamte<lb/>
gleichzeitig fahren. Voraussetzung dafür ist dann allerdings, dass<lb/>
im Ministerrat diese Reisen genehmigt werden, was interessanterweise<lb/>
bis jetzt bei den Patentamtsreisen stets erfolgt ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat überhaupt noch niemals, Reisen die das Handelsministerium beantragt<lb/>
hat, beanstandet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_22">Die Besprechung mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> über den Regierungsbericht<lb/>
Kernenergie, die dann noch mit <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> fortgesetzt wurde, zeigte mir klar und deutlich, dass<lb/>
es äusserst schwer ist, diese komplizierte Frage, resp. die techni<lb break="no"/>schen Probleme, wie ich immer sage, watscheneinfach oder teppensicher<lb/>
darzustellen. Wärmepumpen z.B. sind im Stande durch das Wärmegefälle von<lb/>
8 % auf 2 % entsprechende Aufheizung der abgegebenen Wärme um<lb/>
25 % durchzuführen. Die Wärmeabgabe beim Kernkraftwerk Tullnerfeld,<lb/>
wo von 45° ich weiss nicht vielleicht auf 20° herabgekühlt werden<lb/>
muss und wird, kann aber jetzt technisch nicht mehr genützt werden.<lb/>
Meine technischen Kenntnisse sind eben unzulänglich, weshalb ich<lb/>
mich auch in diesem Fall ausschliesslich auf die Gutachten und<lb/>
Informationen der Fachleute verlassen muss. Um wieviel kompli<lb break="no"/>zierter ist dann erst das Getriebe eines Kernkraftwerkes. Hier<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> wirklich recht, der immer wieder sagt, wir sind eine<lb/>
Gesellschaft, die von Experten geführt wird und man muss sich auf<lb/>
jeden einzelnen verlassen können. Dies gilt, wenn ich mit dem Zug<lb/>
wohin fahre, dann begebe ich mich in die Hand des Experten oder<lb/>
Fachmannes, Zugführer und alles was drum und dranhängt und genau<lb/>
dasselbe gilt für Kernkraftwerke.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_23">Die Ministerratsvorbesprechung war diesmal ungeheuer kurz, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
erwähnte nur, dass der Energieverbrauch beim Bund wieder um<lb/>
3,1 % gestiegen ist und daher keinerlei Einsparungsmassnahmen dort<lb/>
scheinbar greifen. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> hat ihm jetzt bereits die ersten<lb/>
Informationen wegen des Kuratoriums Energiesparen gegeben und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, man müsste das in einer gewissen Regierungsferne<lb/>
durchführen. Auch die neuen Vorschläge, die Parteien und Sozialpartner<lb/>
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Kuratorium vorgeschlagen, findet scheinbar nicht den eindeutigen<lb/>
Zuspruch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>. Allerdings hat er sich überhaupt nicht mit dem<lb/>
Problem beschäftigen wollen sondern ist dann gleich zu einem<lb/>
Vorschlag eines gewissen <rs type="person" ref="#per__146997">Werner Reiss</rs> übergegangen, ein internationales<lb/>
Kulturzentrum zu errichten. <rs type="person" ref="#per__146997">Reiss</rs> ist so wie <rs type="person" ref="#per__133367">Büchele</rs> von der katholi<lb break="no"/>schen Sozialakademie ein wenn man so sagen kann Linker oder<lb/>
Aufmüpfiger Jesuit, der diese Aktivität entfalten möchte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird am 1.7. nach Bonn fahren zu einem Empfang den<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> dort gibt, um mit ihm und ganz besonders VW-Vertreter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> über die PKW-Produktion in Österreich noch einmal<lb/>
zu reden. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch fragte, wer die neue Reichsbrücke bezahlen<lb/>
wird und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> sofort antwortete, der Bund, wenn auch vorfinanziert<lb/>
durch die Gemeinde, ergab sich mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> dann eine Diskussion,<lb/>
wie diese Brücke ausschauen soll, resp. wer letzten Endes be<lb break="no"/>stimmt. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte, die Jury hätte den ersten Preis jemandem<lb/>
gegeben, der überhaupt <choice><choice><sic>ein</sic><corr>?</corr></choice></choice> Projekt eingereicht, das der<lb/>
Auslobung nicht entspricht. Er selbst meinte, der ÖGB müsste sich<lb/>
jetzt einigen, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sei für eine Stahlkonstruktion, VP <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs><lb/>
für eine Betonbrücke. Dies ist sicherlich ein guter Gag, denn<lb/>
nicht nur beim ÖGB sondern überall gibt es geteilte Meinungen.<lb/>
Beide – Bauen und Stahlkonstruktion – haben Unterbeschäftigung und<lb/>
reissen sich natürlich über diesen bedeutenden Brückenauftrag.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> werden mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, davon bin ich überzeugt,<lb/>
dann die entsprechenden Projekte noch einmal durchbesprechen<lb/>
und wie immer die Entscheidung ausfällt, sie wird heftigste<lb/>
Kritik auslösen. Zumindestens bei dem anderen Teil, der nicht<lb/>
zum Zuge gekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_24">Eine längere und härtere Diskussion gab es zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wegen der Bergbauernförderung. Ein Bergbauern-Komitee<lb/>
der ÖVP hat bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgesprochen und <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> meinte, deren<lb/>
Forderung würde über 1 Mia. S kosten. Deshalb wird <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, resp.<lb/>
wollte <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> die Bauernvertreter auffordern, sie sollten jetzt<lb/>
endlich danach trachten, dass auch die Länder dieselbe Leistungen<lb/>
den Bergbauern gegenüber erbringen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, das sei nur ein<lb/>
Hinausschieben, man könne zwar nicht mehr machen als man jetzt<lb/>
schon im Budget vorgesehen hat, seinerzeit wurde auf seine An<lb break="no"/>regung 300 Mill. gegen den Widerstand von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sogar eingeführt<lb/>
und jetzt müsste man halt ein neues Paket präsentieren. Die<lb/>
Stimmenverluste, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> durch die Kernkraftwerkszustimmung<lb/>
erwartet, müssten kompensiert werden, dies könnte nur durch Neben<lb break="no"/>erwerbs- und Bergbauern geschehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-20_25">Bei unserer Akademiker-Diskussion au der Landstrasse hatten<lb/>
wir nicht zuletzt um die Stimmung dieser Intellektuellen zu<lb/>
erforschen diesmal ausschliesslich die Kernkraftwerksproblematik<lb/>
auf die Tagesordnung gesetzt. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> konnte als Gag einleitend sagen,<lb/>
man sieht wie alles bei uns planmässig gestaltet wird, denn die<lb/>
vor Monaten durchgeführt Einladung trifft sich jetzt sehr<lb/>
gut, weil morgen und übermorgen im Parteivorstand über dieses<lb/>
Problem von mir referiert und dann letzten Endes beschlossen werden<lb/>
soll. Ich hatte in meinem Referat eigentlich, weil ich entspre<lb break="no"/>chenden Widerstände erwartete, mehr oder minder immer beide<lb/>
Standpunkte – der Kernkraftwerksgegner und der Kernkraftwerks<lb break="no"/>befürworter – dargelegt. Interessanterweise hat es dann in der<lb/>
Diskussion ausschliesslich KKW-Befürworter gegeben. Entweder sind<lb/>
die anderen die schweigende Mehrheit, wie dies auch bei dem<lb/>
Meinungsumfragen immer wieder herauskommt, oder dieser intellektuelle<lb/>
Kreis, der <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mich jetzt schon jahrzehntelang kennt, hat<lb/>
soviel Vertrauen zu dem, was wir sagen, dass sie dies als richtig<lb/>
und gegeben hinnehmen. Über diese Diskussion war ich das erste Mal<lb/>
wirklich persönlich sehr überrascht.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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