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            <title type="main">Samstag, der 18. Juni 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_01">Samstag, 18. Juni 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_02">Der ASKÖ hat im Radstadion, welches auf mich einen ungeheuren<lb/>
Eindruck gemacht hat, eine Veranstaltung und er suchte Minister,<lb/>
wenn möglich bei Siegerehrungen anwesend zu sein und diese durch<lb break="no"/>zuführen. Nicht nur, was ich für selbstverständlich erachtete,<lb/>
war der Präsident des ASKÖ Minister <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> anwesend, sondern zu meiner<lb/>
grössten Überraschung auch <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>. Das Radstadion ist wirklich eine Wucht,<lb/>
die Frage wird nur sein, wie man entsprechende Kriterien hinbringt<lb/>
und die Bevölkerung daran zu interessieren. Die Siegerehrungen der<lb/>
Minister machen dies sicherlich nicht aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_03">Die Besprechungen mit den Präsidenten <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs>, Sambia und vor allem<lb/>
dann beim Essen mit dem Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__146994">Mulemba</rs> bestätigten<lb/>
die schwierige Situation, in der sich der Staat befindet. <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs><lb/>
ist daran interessiert, entsprechende Wirtschaftshilfe zu bekommen,<lb/>
noch wichtiger aber erscheint ihm, Waffen und Gerät für die Ver<lb break="no"/>teidigung zu bekommen, denn er erwartet in kürzester Zeit eine<lb/>
Explosion im südlichen Afrika. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> offerierte ihnen bei der<lb/>
offiziellen Sitzung, eine Musterfarm, wie wir sie auch in Ägypten,<lb/>
Tunesien und sonstwo mit Entwicklungshilfegeldern zur Verfügung<lb/>
gestellt haben. Der Rückgang unserer Exporte auch Importe ist<lb/>
auf den Verfall des Kupferpreises zurückzuführen. Vor zwei Jahren<lb/>
noch 140 Mio. sind wir jetzt auf 50 Mio., was Ein- und Ausfuhr be<lb break="no"/>trifft, zurückgegangen. <rs type="person" ref="#per__146994">Mulemba</rs> hat mir dann beim Essen im Detail<lb/>
geschildert, was dies für das Land bedeutet. Die einzige Einnahmen<lb break="no"/>quelle und die grösste ist und bleibt Kupfer. Ein Land x-mal grösser<lb/>
als Österreich und nur mit 5 Mill. Einwohnern steht vor unlösbaren<lb/>
Infrastrukturproblemen. Die paar Srrassen, die sie mühsam aufgebaut<lb/>
haben, sind durch die politischen Ereignisse gesperrt. Die ein<lb break="no"/>zige Verbindung zu einem Hafen ist die Eisenbahnlinie bis <choice><choice><sic>Akadarem<lb/>
Salam</sic><corr>Daressalam?</corr></choice></choice>, welche die Chinesen gebaut haben. Die Chinesen haben dafür<lb/>
einen Kredit zur Verfügung gestellt, ohne Verzinsung, 10 Jahre rückzahlungs<lb break="no"/>frei und sehr langfristig genau wusste er es nicht, aber er schätzte<lb/>
30 – 50 Jahre. Ähnliche Unterstützung erwarten sie sich vom Westen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat im kleinsten Kreis dann <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> und mir erzählt, er hätte<lb/>
unter 4 Augen vom Präsidenten erfahren, dass diese einen Überfall<lb/>
auf ihren Staat erwarten. Deshalb sollten wir ihnen auch Waffen<lb/>
und Munition zur Verfügung stellen. Patronen, Minen, aber auch<lb/>
Panzer sollen verhandelt werden. Da sie kein Geld haben,<lb/>
möchte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass z.B. Steyr-Daimler-Puch Waffenlieferungen wie<lb/>
Panzer und sonstiges zu Selbstkosten, d.h. ohne Gewinn gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_04">Diesbezügliche, Verhandlungen sollten aber erst dann beginnen,<lb/>
bis <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs>, der die Waffen und Geräte unbedingt noch in der Praxis<lb/>
sehen will, sich endgültig dazu entschlossen hat. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
noch abends sofort verständigt, dass am Montag eine Demonstration<lb/>
in der Heereskraftfahrschule Baden erfolgen soll. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> meinte<lb/>
mit Recht, dass dafür wenig Zeit jetzt zur Vorbereitung gegeben ist,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> waren der Meinung, das Militär müsste sowieso scheinbar<lb/>
in ständiger Alarmbereitschaft sein und könnte überhaupt kein<lb/>
Problem darstellen, eine solche Veranstaltung zu organisieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_05">Alle Reden insbesondere des Präsidenten waren sehr lang und beschäf<lb break="no"/>tigten sich immer wieder mit der politischen Situation und der<lb/>
Apartheid-Politik Südafrikas. Wirklich neu und auch für mich beeindruckend<lb/>
war, bevor er dann beim Festbankett seinen Begleiter ersuchte, zu<lb/>
ihm zu kommen und sie stimmten dann ein Freiheitslied für Afrika an.<lb/>
Der Präsident hat vorgesungen und alle haben im Chor dann eingestimmt.<lb/>
Beeindruckend für mich war weder der Text, den ich ja kaum verstand,<lb/>
wohl aber die verhältnismässig schönen Stimmen, die zweistimmig<lb/>
im wahrsten Sinne des Wortes überall auftreten konnten. Eines ist mir<lb/>
vollkommen klar, die afrikanische Seele verstehe ich nicht. Voraussetzung<lb/>
dafür ist aber auch, dass man sie genauer kennt. Handaufhalten bedeutet<lb/>
bei ihnen, wie man mir erklärte, nicht, man will mehr sondern heisst<lb/>
man bedankt sich dafür. Blick niederschlagen heisst nicht, man ist<lb/>
verlegen oder man hat sogar gelogen sondern Respekt vor der Person,<lb/>
mit der man spricht. Immer wieder dasselbe, man weiss zu wenig über das<lb/>
Volk, man hat keine Zeit, sich im Detail damit zu beschäftigen, wes<lb break="no"/>halb ich persönlich daraus nur eine Konsequenz ziehe, nur nicht schnell<lb/>
urteilen, weder für die Schwarzen noch für die Weissen schon gar nicht<lb/>
aber gegen die Schwarzen, schon gar nicht gegen die Weissen. Richtig<lb/>
ist andererseits, dass <rs type="person" ref="#per__146993">Kaunda</rs> mit Recht sagt, alles was in Afrika<lb/>
geschehen ist, war zu spät und deshalb meist schmerzvoll und<lb/>
blutig. Ob sich dies ändern wird?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-18_06">Beim Gala-Dinner traf ich Präs. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> und Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>.<lb/>
Ich machte sie darauf aufmerksam, dass ich am gestrigen Tag noch<lb/>
den Vorentwurf des Regierungsberichtes den Klubs übersendet habe.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> meinte, die ganze Diskussion über die Kernkraftwerke hätte man<lb/>
sich ersparen können, wenn man gleich zielstrebig und eindeutig<lb/>
von seiten der Regierung vorgegangen wäre. Ich verwies als Entlastung<lb/>
drauf, dass es innerhalb der Parteien Pro- und Kontra-Ansichten<lb/>
bei der Kernkraft gibt, bei uns z.B. ist der härteste Verfechter<lb/>
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Obmann der soz. Jugend vor 30 Jahren gestürzt hat. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> bemerkte,<lb/>
dass es ganz uninteressant ist, was <rs type="person" ref="#per__97354">Paul Blau</rs> und andere denken,<lb/>
entscheidend ist, ob die Regierung insbesondere der Bundeskanzler<lb/>
klar und deutlich entscheidet. Dieser Prozess ist eingeleitet und<lb/>
wird in der nächsten Zeit abgeschlossen. Ich hoffe, dass es auch im<lb/>
Parlament gelingen wird, eine diesbezügliche Entscheidung herbeizuführen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> erwiderte, dass dies weder in der Vergangenheit noch in der<lb/>
Zukunft so war oder sein wird. Scheinbar gibt es für ihn persönlich<lb/>
in dieser Frage kein Problem. Wie weit er sich in seiner Partei<lb/>
allerdings mit seiner klaren Haltung durchsetzen wird, wird für mich<lb/>
erst die Zukunft zeigen.<lb/>
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               <occupation>Chefredakteur AZ, ÖGB-Bildungsreferent</occupation>
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