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            <title type="main">Donnerstag, der 16. Juni 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_01">Donnerstag, 16. Juni 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_02">Bei der Eröffnung des Gewerkschaftstages Druck und Papier<lb/>
wurde ich nach Sozialminister <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs>, der seine sozial<lb break="no"/>politischen Ideen darlegte, ersucht, eine Begrüßungsansprache<lb/>
zu halten. Ich erklärte sofort, man erwartet jetzt vom Handels<lb break="no"/>minister eine wirtschaftspolitische Stellungnahme, doch wolle<lb/>
ich mich als Berufskollege, nachdem der Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__137251">Steiner</rs><lb/>
mich als Ehrennadelmitglied vorgestellt hatte, einige Bemerkungen<lb/>
machen. Ich ging auf die Strukturänderung in diesen aus der<lb/>
künstlerischen Spähre kommenden Beruf ein, von <rs type="person" ref="#per__106912">Gutenberg</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__103779">Senefelder</rs> wo bis vor kurzem noch künstlerische Fähigkeiten<lb/>
verlangt wurden bis zu den jetzt automatisierten mechanisierten<lb/>
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Druckverfahren ist eine revolutionäre Entwicklung gewesen und<lb/>
wird vor allem jetzt in Zukunft neuerdings sein. Unsere traditions<lb break="no"/>reiche Gewerkschaft muß diese Schwierigkeiten kennen und meistern<lb/>
wie sie dies auch in der Vergangenheit geschafft hat. Diese<lb/>
Strukturänderung darf aber nicht ausschliesslich auf Kosten<lb/>
der Arbeiter gehen. Dieser 11. Kongreß von Druck und Papier<lb/>
wird sich mit diesen Problemen auseinandersetzen müssen und<lb/>
deshalb kommt ihm besondere Bedeutung zu. Ich wünschte ihm<lb/>
viel Erfolg mit dem alten ebenso traditionsreichen Gruß, Gott<lb/>
grüßt die Kunst!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_03">Der Zufall wollte, daß abends ins Parlament eine Delegation<lb/>
vom Hauptverband für das graphische Gewerbe mit Verlegern und<lb/>
Buchhändlern gekommen ist um mir ihre Schwierigkeiten zu schildern.<lb/>
Der Präsident <rs type="person" ref="#per__132694">Maiwald</rs>, der Druckereibesitzer und Sprecher <rs type="person" ref="#per__146973">Reisser</rs><lb/>
und der Generalsekretär des Hauptverbandes <rs type="person" ref="#per__137252">Inmann</rs> übergaben mir<lb/>
die Studie die wir finanziert hatten über die Situation im<lb/>
graphischen Gewerbe. Ich wiederholte deshalb, nicht zuletzt<lb/>
um zu zeigen, daß ich nicht mit zweierlei Zunge spreche, bei<lb/>
Gewerkschaftern oder bei Unternehmer, meine Ausführungen vom<lb/>
Kongreß. Die Unternehmer stimmten mir zu und schlugen mir vor,<lb/>
ich sollte als Vermittler auftreten, wenn es zwischen der Gewerk<lb break="no"/>schaft und dem Hauptverband zu keiner Einigung käme in der<lb/>
Frage der Strukturänderung. Ausgelöst wurde dies durch die<lb/>
Mitteilung vom Buchhandelsvertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__133879">Berger</rs>, der mich daran<lb/>
erinnerte, im Vorjahr zwischen den Lebensmittelhandel-Forderungen<lb/>
und der Gewerkschaft der Privatangestellten wo auch der Buch<lb break="no"/>handel dabei war, ich so erfolgreich vermittelt habe, daß beide<lb/>
<pb n="37-0721" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-06-16_0721.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Teile letzten Endes sehr zufrieden waren. Ich hatte dies<lb/>
natürlich schon längst vergessen, vorher aber schon klipp<lb/>
und klar erklärt, in diesem Fall würde ich kein ehrlicher<lb/>
Makler sein, da ich nicht nur Mitglied der Gewerkschaft Druck<lb/>
und Papier bin, sondern mein Herz eindeutig auf der Seite der<lb/>
Arbeiter ist und wäre in Wirklichkeit- aber das konnte ich<lb/>
nicht sagen – wird jetzt bei Druck und Papier eine ganz neue<lb/>
Führungsgruppe kommen, die ich nicht nur nicht kenne, sondern<lb/>
die auch in einer Kampfabstimmung keinesfalls einmütig bei<lb/>
diesem Gewerkschaftstag gekürt wird. Ich bin da nämlich nicht<lb/>
sicher ob man von dieser Leitung wirklich erwartet, resp. wünscht,<lb/>
daß ich als solcher Vermittler auftreten soll. Hier muß ich<lb/>
wahrlich erst zuwarten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_04">Dem Buchhandel geht es primär darum, daß jetzt durch die Neu<lb break="no"/>konstruktion der Schulbücher eine wesentliche Reduktion ihrer<lb/>
bisherigen Spannen leiden werden. Ab einer Million müssen sie<lb/>
3 1/2 % steigend bis 15 1/2 %, bei 10 Mill. Belastung auf sich<lb/>
nehmen. 10 Mill. setzen allerdings nur acht Firmen um. Der Buch<lb break="no"/>handel erwartet von mir, daß dann nicht neuerdings die Eltern<lb break="no"/>vereine oder die Lehrer weitere Leistungen fordern. Interessant<lb/>
ist, daß alle Leute die zu mir kommen und ihre Spezialprobleme<lb/>
vortragen, erwarten, daß ich sie bis ins Detail kenne. Dies ist<lb/>
sicherlich darauf zurückzuführen, daß ich mich so geschickt mit den<lb/>
Fragen aus jeder Situation herauswinde, daß ich von Sachproblemen<lb/>
zu diskutieren beginne und dann im Laufe der Diskussion darauf<lb break="no"/>komme um was es sich eigentlich handelt. Ich hatte nämlich von<lb/>
dieser Neukonstruktion überhaupt keine Ahnung und niemand hat<lb/>
mich vorher informiert. Da ich die Situation im graphischen Gewerbe<lb/>
aber einigermassen kenne und mit dem Buchhandel Erfahrungen habe<lb/>
und als Mitglied der Paritätischen Kommission sammeln konnte habe<lb/>
ich auch diese Klippe umschiffen können. Der wirkliche Wunsch<lb/>
des Buchhandels wäre, zu verhindern, daß deutsche Verleger und<lb/>
Großlieferanten wie z.B. Donauland mit Bertelsmann sich nicht in<lb/>
Österreich jetzt festsetzen, nachdem sie in der Bundesrepublik<lb/>
durch ihre starke wirtschaftliche Machtposition nicht mehr weiter<lb/>
expandieren können. Morawa, Lechner, Danubia, nur um unsere größten<lb/>
Versender zu nennen, würden eine solche Konkurrenz wie man mir<lb/>
sagte, nicht vertragen. Allen Ernstes meinte man, der Staatsver<lb break="no"/>trag würde auch verbieten, daß die Deutschen einen zu starken<lb/>
Einfluß in Österreich wieder bekommen würden. Ich setzte ihnen<lb/>
<pb n="37-0722" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-06-16_0722.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>genau, wie vor nicht allzulanger Zeit dem russischem Bot<lb break="no"/>schafter, auseinander, daß in unserem Marktsystem jedermann<lb/>
investieren kann, wir zusätzliche Arbeitsplätze brauchen und<lb/>
keine Überfremdung dadurch entstehen wird. Der Buchhandel er<lb break="no"/>wartet auch und wäre damit sehr einverstanden, wenn es gelänge,<lb/>
den Vertrieb von Taschenbüchern zweizuteilen. Jetzt braucht man<lb/>
einen erleichterten Befähigungsnachweis und für die hochqualifi<lb break="no"/>zierten Taschenbücher soll sich daran nichts ändern. Die Romane<lb/>
und sonstigen Lozelachs aber sollten von jedermann verkauft<lb/>
werden dürfen. Ich erklärte sofort, daß eine solche Trennung<lb/>
mir unmöglich erscheint.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte prüfen und dann Gremium<lb/>
Bescheid geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_06">Der Hauptverband beschwerte sich auch, daß zum Unterschied von<lb/>
der Schweiz bei den österreichischen Ausschreibungen immer der<lb/>
Billigstbieter den Zuschlag bekommt. In der Schweiz wird der<lb/>
Höchst- und Billigstbieter aber automatisch ausgeschaltet, da<lb/>
anzunehmen ist, daß dieser nicht das preiswerteste Offert legt.<lb/>
Auch hier machte ich keine andere Zusage als daß dieses Problem<lb/>
im Rahmen unserer Arbeitsgruppe "Öffentliche Aufträgevergabe"<lb/>
geprüft werden soll. Die Exporteure haben mir weiters mitge<lb break="no"/>teilt, und werden mir eine diesbezügliche, schriftliche Unter<lb break="no"/>lage schicken, daß Deutschland bei Exporten in die Oststaaten<lb/>
für Druckereiprodukte eine Subvention von derzeit 15 aber schon<lb/>
zu gewissen Zeiten 30 % durch den Börsenverein des Buchhandels<lb/>
gegeben haben. Diese Subvention der deutschen Regierung wird unter<lb/>
dem Titel "Kulturaktivitäten" gewährt, sie umfaßt kulturelle,<lb/>
wissenschaftliche, technische Bücher usw. Der Druckereibesitzer<lb/>
und Verleger <rs type="person" ref="#per__125820">Salzer</rs> sah ein, daß eine generelle Exportsubvention<lb/>
nicht in Frage kommt, obwohl natürlich auch sie Exporterleichterungen<lb/>
erwarten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte dieses deutsche System mit Wissen<lb break="no"/>schaftsministerium besprechen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_08">Eine harte Auseinandersetzung hatte ich mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der mit<lb/>
einer Reihe von Beamten der Bundeshandelskammer und vor allem<lb/>
Funktionären der Textilbekleidungsindustrie kam um von mir end<lb break="no"/>gültig die automatische Lizenzierung zu verlangen. Ich ver<lb break="no"/>suchte den Herren klar zu machen, daß die Beamten des Handels<lb break="no"/><pb n="37-0723" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-06-16_0723.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ministeriums, die auch vollzählig erschienen waren, gegen<lb/>
den schriftlichen Vorschlag der Handelskammer größte Bedenken<lb/>
haben und entsprechende bessere Wege vorschlagen würden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
war gar nicht bereit darauf einzugehen weil er wie er freimütig<lb/>
zugab, größte Schwierigkeiten hat innerhalb der Handelskammer<lb/>
jedwede Ideen zu koordinieren. Er meinte sogar, ich hätte<lb/>
seinerzeit, als ich ihnen diese Lizenzierung in Aussicht stellte,<lb/>
gehofft, daß die Handelskammer auch in diesem Punkt keinen ein<lb break="no"/>vernehmlichen Vorschlag würde erstellen können. In Wirklichkeit<lb/>
stellt sich dann im Laufe der Diskussion klar und deutlich heraus,<lb/>
daß der schriftliche Vorschlag der Handelskammer gar nicht ginge.<lb/>
Gegenüber dem Osten haben wir das Vidierungsverfahren und hätten<lb/>
wir den Vorschlag der Handelskammer akzeptiert wäre der Westen<lb/>
schlechter behandelt worden ja sogar diskriminiert worden. Wir<lb/>
einigten uns dann darauf, daß eben jetzt nicht eine automatische<lb/>
Lizenzierung kommt, sondern daß eine Art automatische Lizenzschein<lb/>
eine verbindliche Erklärung des Importeurs über Ursprung, Menge,<lb/>
Preis und Konditionen der Ware durch eine Meldepflicht durch Ver<lb break="no"/>ordnung festgehalten wird. Eine ähnliche Regelung haben wir bei<lb/>
der Einfuhr von Öl, auf Grund des Energiesicherungsgesetzes, dort<lb/>
aber hat die Handelskammer entschieden abgelehnt, daß der Preis<lb/>
vermerkt werden darf um dem Handelsministerium nicht eine Lenkungs<lb break="no"/>möglichkeit oder besondere Informationen in die Hand zu geben.<lb/>
Allen Ernstes wollte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dann wieder auch bezüglich des Preises<lb/>
keine Meldepflicht, was mich auch wieder nicht gestört hätte. Dann<lb/>
wäre aber wieder der ganze automatische Lizenzschein wertlos ge<lb break="no"/>wesen. Wie will er denn auf die Billigstimporte draufkommen, wenn<lb/>
der Importeur nicht den Preis angeben muß. Deutlich wie noch nie<lb/>
zeigte sich das Dilemma von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und der Handelskammer auf der<lb/>
einen Seite Schutzmaßnahmen zu verlangen und auf der anderen Seite<lb/>
nur nicht dem Handelsministerium irgendwelche Informationen oder<lb/>
gar Lenkungsmöglichkeiten in die Hand zu geben. Aus diesem Dilemma<lb/>
entwickelte sich auch daher eine sehr harte Konfrontation. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
meinte, ich sei beleidigt, weil ich meine Idee der freien Wirt<lb break="no"/>schaft für den Konsumenten nicht aufrecht erhalten könnte, weshalb<lb/>
ich bei allen Vorschlägen der Handelskammer immer gleich prophezeie,<lb/>
daß sie wirkungslos und wertlos sind. Typisches Beispiel dafür<lb/>
war, wie ich ihnen sofort auf den Kopf warf, die Strumpfhosen<lb break="no"/>mindestpreisverordnung. Dabei konnte ich feststellen, daß <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
<pb n="37-0724" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band37/37_1977-06-16_0724.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>darüber nicht nur nicht informiert war, sondern dann auch<lb/>
sehr verwundert, weil ein Teil der Delegation erklärte, sie<lb/>
wüsste nichts davon, daß die jetzt ablaufen soll, während <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
nachweisen konnte, daß im Beirat diesbezüglich einstimmige Be<lb break="no"/>schlüsse gefaßt wurden. Dargestellt bei dieser Aussprache wurde,<lb/>
daß durch diesen Lizenzschein kein Beamter verpflichtet wird,<lb/>
Importe nicht zuzulassen, sondern eben nur eine gewisse Informa<lb break="no"/>tionsmöglichkeit besteht. <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> hat eine Aufstellung ausge<lb break="no"/>arbeitet, die ich leider erst das erste Mal gesehen habe, wonach<lb/>
weltweit mit Ausnahme von Deutschland der Schweiz, Dänemark<lb/>
und Island alle anderen Staaten eine solche Meldepflicht und<lb/>
darüber hinaus noch wesentlich mehr nichttarifarische Handels<lb break="no"/>hemmnisse auf dem Textil- und Bekleidungssektor haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Trachte, daß man uns besser informiert!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_10">Dr. <rs type="person" ref="#per__131953">Bauer</rs> von der ÖIAG hat festgestellt, daß von den Investitionen<lb/>
der VÖEST-Alpine 17 Milliarden Schillinge in Hütten oder im<lb/>
Hütten-Nahbereich erfolgen. Für die Finalindustrie erfolgten<lb/>
nur 400 Mio. Schilling. Jetzt wird es dringend notwendig, sich<lb/>
um neue Produkte umzusehen. Ein neuer Finanzplan sieht vor,<lb/>
daß der Bund 4 Mia. für Investitionen zuschießen müßte, allein<lb/>
für die Vereinigten Edelstahlwerke 1 1/2 Mia. <rs type="person" ref="#per__131953">Bauer</rs> möchte nun<lb/>
in Brüssel entsprechende Studien betreiben und ersuchte mich ihn<lb/>
dort akkreditieren. Die bisherige Export und internationale<lb/>
Politik muß wahrscheinlich geändert werden. Das Böhler-Werk<lb/>
in Düsseldorf hat 8 - 10 Mio. DM Verlust, ist total veraltet, weil<lb/>
seit 1930 nichts mehr investiert wurde. Die Edelstahlindustrie<lb/>
wird sich in Hinkunft nur in Kapfenberg und Ternitz konzentrieren.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit hatte mir <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> mitgeteilt, daß die OECD<lb/>
einen Ausschuss für Eisen und Stahl jetzt gründen möchte und uns<lb/>
den Vorsitz angeboten hat. VÖEST-Alpine war bis jetzt insbes.<lb/>
daran interessiert, daß ein solcher Ausschuss wo möglich nicht<lb/>
zustande kommt, weil sie im bilateralen Wege glaubt besser zu<lb/>
fahren. Aus diesem Grunde hat sich schon mancher Beamter<lb/>
die Hoffnung gemacht, jetzt Vorsitzender eines solchen Ausschusses<lb/>
werden zu können. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat die richtige Idee, man sollte den<lb/>
jetzt in Pension gehenden GD <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> für diese Arbeit gewinnen.<lb/>
Ich habe im Parlament darüber mit <rs type="person" ref="#per__114138">Brauneis</rs>, Betriebsratsobmann<lb/>
von Linz, gesprochen, der sofort zustimmte. Innerhalb der Partei<lb/>
und der Gewerkschaft gibt es eine Diskussion ob man <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> wirklich<lb/>
als Präsident des Aufsichtsrates der VÖEST-Alpine einsetzen soll.<lb/>
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Er war daher sehr froh, als er von dieser neuen Möglichkeit<lb/>
der Betätigung hörte als Delegierter des Handelsministeriums<lb/>
in int. Organen tätig zu sein.<lb/>
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wo wir <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> überall einsetzen könnten, damit ich mit ihm reden<lb/>
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davon überzeugt, daß die 600 bis 700 Mio. Schilling Eigenkapital<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__146619">Landegger</rs>, der jetzt sogar die Neusiedler von <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> kaufen<lb/>
möchte, aufbringen wird. Fremdmittel könnten ohneweiters die Z,<lb/>
die Giro-Zentrale und sogar der Waldbesitz zur Verfügung stellen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, d.h. die VÖEST-Alpine ist an diesem Projekt sehr<lb/>
interessiert und würde sich nach Meinung <rs type="person" ref="#per__98010">Teschls</rs> auch besonders<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_14">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte beider nächsten Anwesenheit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97315">Apfalters</rs> in Wien eine diesbezügliche Besprechung einberufen.<lb/>
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zu wenig für die Senioren tun. Ihm schwebt vor, wir sollten<lb/>
so agieren, daß wir für die Senioren beim Einkauf eine besondere<lb/>
Betreuung erfolgen soll. Zu gewissen Zeiten, wenn die Berufstätigen<lb/>
nicht einkaufen können, sollte man Kaufhäuser, Diskonter aber<lb/>
selbstverständlich auch andere Einkaufsveranstaltung besonders<lb/>
auf diesen Vorschlag aufmerksam machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Konsumentenbeirat diskutieren!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_17"><rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> berichtet mir und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>, daß er jetzt hofft, daß <rs type="person" ref="#per__114460">Luchinetti</rs>,<lb/>
die mit ihm gekommen war, endgültig für die Konsumentenpolitik<lb/>
abgestellt wird. Es geschehen nämlich jetzt gefährliche Pannen,<lb/>
u.a. hat <rs type="person" ref="#per__115019">Tajovski</rs> erklärt, im Rechtsausschuss, wo <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> bereit<lb/>
war im Sommer weiterzuarbeiten, daß er jetzt auf 6 Wochen Urlaub<lb/>
geht, dann seine Mitarbeiterin auf 6 Wochen Urlaub geht und des<lb break="no"/>halb jetzt 3 Monate nichts geschehen könne. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> war erschüttert,<lb/>
dies zu hören und wird dies sofort abstellen. Mir ist dies auch<lb/>
unerklärlich und frage mich wieso der Gruppenleiter <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> davon<lb/>
nichts wußte. Im Reisebürogesetz zeichnet sich eine Einigung<lb/>
ab, nachdem der Reisebüroverband vom <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> überzeugt werden konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_18">Jetzt ist auch der Fachverband bereit, einem Gesetz zuzu<lb break="no"/>stimmen, was wahrscheinlich eine Sicherstellung durch ein<lb/>
Depot für Veranstalter beinhalten wird. Auch eine Deklarations<lb break="no"/>verordnungsermächtigung soll vorgesehen werden. Diese ganze<lb/>
aufgeweichte Haltung der Handelskammer verdanken wir aus<lb break="no"/>schließlich einem Gerichtsurteil, wo ein Reisebüro verhalten<lb/>
wurde, Schadenersatz zu zahlen, was weit über die Forderungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_20">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Sofort Gesetzestext formulieren lassen,<lb/>
damit wir so schnell als möglich ins Parlament kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_21">Zur Austrifizierung des Gütezeichenrechtes müßte Bautenminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> auf seine gesetzliche Ermächtigung die er jetzt aus der<lb/>
NS-Zeit hat, verzichten. Ich fragte ihn sofort, ob er bereit<lb/>
ist auf die Verordnungsermächtigung die Reichsminister <rs type="person" ref="#per__112959">Darré</rs><lb/>
hatte und die auf ihn übergegangen ist zu Gunsten des Marken<lb break="no"/>rechtes oder des UWG-Rechtes beides ressortierend<add>[hs. korrigiert, Anm.]</add> im Handels<lb break="no"/>ministerium bereit ist zu verzichten, was er sofort zustimmte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_22">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diese Vereinbarung schriftlich fest<lb break="no"/>halten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_23"><rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> möchte, daß Produktdeklarationskampagnen obligatorisch<lb/>
werden, damit er entsprechende finanzielle Mittel dafür von<lb/>
den Produzenten bekommen könnte. Die Glühlampenerzeuger, Philips,<lb/>
Tungsram und Osram sind angeblich mit einer solchen Vorgangsweise<lb/>
einverstanden. Ebenso die Möbelindustrie. Bezüglich der Energie<lb break="no"/>verbrauchsdeklaration der einzelnen Produkte soll eine solche<lb/>
Forderung von der Int. Energieagentur bestehen. Die finanzielle<lb/>
Situation wird in der nächsten Zeit für uns uns insbes. Verein<lb/>
für Konsumenteninformation kritisch. Für heuer werde ich ver<lb break="no"/>suchen den Mitgliedsbeitrag wie er bei der Generalversammlung be<lb break="no"/>schlossen wurde und der höher liegt als in unserem Budget vor<lb break="no"/>gesehen, flüssig zu machen. Für das nächste Jahr habe ich <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
nicht<add>[im]</add> unklaren gelassen, kommt eine Ausdehnung nicht in Frage,<lb/>
ganz im Gegenteil. Ich muß ja die 10 %-ige Einsparung für<lb/>
Förderungsmittel irgendwo hereinbringen, wenn ich den Verein<lb/>
für Konsumenteninformation schon kürze weil wir durch den Vertrag<lb/>
verpflichtet sind dieselben Beträge aufzubringen wie die drei<lb/>
Interessenvertretungen, so sehe ich keine Möglichkeit, einer<lb/>
Erhöhung. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> bemüht sich deshalb, auch die Gemeinde Wien<lb/>
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8 Mio. pro Jahr brächte, damit dies aber nicht einseitig ist<lb/>
und vielleicht gar die Handelskammer irgendwelche Bedenken<lb/>
hat, versucht er derzeit auch Tirol Landesrat <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> hat<lb/>
sich sehr geneigt gezeigt als Vereinsmitglied zu gewinnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band37_1977-06-16_24">Bezüglich der Public-Relations-Arbeit über Energiepolitik<lb/>
hat sich eine neue Situation ergeben, weil nicht er und ich<lb/>
sich den Kopf zerbrechen müssen, wie wir hier besser eine<lb/>
Arbeit leisten, sondern ja jetzt ein Kuratorium von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
eingesetzt wird. GD <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> von der Konzerthausgesellschaft<lb/>
wird ihm ein diesbezügliches Memo unterbreiten. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> wird<lb/>
auf Grund der Zeitungsmeldung sich jetzt auch beim Bundes<lb break="no"/>kanzler über die Durchführung dieser PR-Arbeit bewerben. Ich<lb/>
bin neugierig, was dabei herauskommt.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 16.6.1977</head>
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