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            <title type="main">Mittwoch, der 25. Mai 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_01">Mittwoch, 25. Mai 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_02">Die Fraktionssitzung der Delegierten der Lebensmittelarbeiter<lb break="no"/>gewerkschaft verlief ungeheuer ruhig. In meinem politischen Referat<lb/>
wies ich auf die Differenzen der Personaldiskussion, die eigentlich<lb/>
die öffentliche Meinungsmacherpresse ORF den Parteien aufzwingt,<lb/>
hin. Es wird jetzt personifiziert. In unserer Partei die differenten<lb/>
Auffassungen über die Verwendung von Atomstrom. Durch die Äusserung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> als Landeshauptmann – man müsse an die zukünftigen Genera<lb break="no"/>tionen denken und er sei für eine Verschiebung der Inbetriebnahme<lb/>
unseres Kernkraftwerkes im Tullnerfeld – und der Gegenäusserung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der mit Recht meint, man kann diese Milliardeninvestition<lb/>
nicht still liegen lassen, wird sofort wieder eine Profilierungs-<lb/>
oder Nachfolgediskussionen der beiden Kronprinzen. Verständlich<lb/>
dass die ÖVP ganz besonders die Landes- und Parteisekretäre bei ihrer<lb/>
Tagung versuchten, diesen wirklich nur sachlichen Gegensatz zu<lb/>
einer Personaldiskussion in unserer Partei umzufunktionieren. Dies<lb/>
müssen sie besonders deshalb tun, weil innerhalb ihrer Partei sehr<lb/>
wohl jetzt eine Personaldiskussion wieder ausgebrochen ist, die wie<lb/>
der Kurier mitteilt, verheerende Folgen für ihre Parteimitglieder und<lb/>
Funktionäre haben muss. Parteiobmann <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> hat vielleicht nicht in<lb/>
den Worten, die der Kurier und das Profil geschrieben haben, Gespräche<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> geführt. wo er Personalkombinationen angestellt hat.<lb/>
Die ÖVP hofft und hat gute Aussichten, den Präsidenten der ÖNB<lb/>
wieder zu bekommen. <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs>, der jetzige Präsident geht früher oder<lb/>
später in Pension. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> rechnet auf diesen Posten und hat auch<lb/>
gute Aussichten. Ich entnehme dies einer Bemerkung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ein sehr tüchtiger und guter Mann ist, die dieser schon vor<lb/>
längerer Zeit bei einer Regierungsvorbesprechung fallen liess.<lb/>
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in einem Gespräch zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> nicht zuletzt wegen der Schwierigkeiten, die die<lb/>
Nachfolge <rs type="person" ref="#per__97647">Korens</rs> im ÖVP-Klub auslösen wird, der Wirtschaftsbund<lb/>
wünscht seinen Kandidaten Präs. <rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs> von der Bgl. Handelskammer,<lb/>
der ÖAAB wünscht diesen Posten zu erobern und denkt sicherlich an<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__97495">Gruber</rs> aus Oberösterreich, was natürlich dort wieder eine<lb/>
Personaldiskussion, um nicht zu sagen Streit ergeben wird. Kann<lb/>
diese Frage bis nach den Wahlen aufgeschoben werden, dann kennt man<lb/>
das Ergebnis der Stärke der ÖVP und kann anders disponieren als<lb/>
jetzt. Da diese Überlegungen wieder einem Teil der führenden Leute<lb/>
der ÖVP nicht passt, haben sie durch Information von Kurier diese<lb/>
<pb n="36-0605" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-25_0605.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>heftigen Angriffe auf <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ausgelöst. Der Kurier sprach davon, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> den Posten der ÖNB, haben möchte. Ich bezeichnete dies als<lb/>
<choice><choice><sic>Posten-"Grapsen</sic><corr>?</corr></choice></choice>" und dass dies Fahnenflucht sei. Jetzt musste sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> entsprechend dagegen wehren, hatte keine andere Möglichkeit,<lb/>
als eben alles abzustreiten. Damit hat er wieder die Ehre der<lb/>
Redakteure vom Kurier beleidigt, da diese nicht als Lügner dastehen<lb/>
wollen und nur ausgelöst, dass jetzt umso heftiger die Kampagne<lb/>
über die Personaldiskussion geführt wird. <rs type="person" ref="#per__122296">Payrleitner</rs> und <rs type="person" ref="#per__140711">Rabl</rs>,<lb/>
wirklich Proponenten der ÖVP-Politik innerhalb des Kuriers haben<lb/>
die schärfsten Attacken geritten, die man sich vorstellen kann.<lb/>
Was die Massenmedien anrichten könnten, zeigt anderseits der Muni<lb break="no"/>tionsskandal <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs>. Nur durch die Berichterstattung wurde<lb/>
meiner Meinung nach dieses Problem auf von <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> selbst so<lb/>
unglücklich hochgespielt, dass er sich in seinen eigenen Aussagen<lb/>
jetzt verfangen hat. Für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und für uns wurde das jetzt<lb/>
wirklich ein Personalproblem, was sicherlich aber früher oder<lb/>
später gelöst wird. Wichtiger als diese Personalfragen erschien<lb/>
mir, obwohl sie natürlich ein guter Aufhänger waren für mein<lb/>
Referat, die wirtschaftspolitische Situation insbesondere vom<lb/>
sozialistischen Gesichtspunkt aus zu beleuchten. Die Sicherung<lb/>
des Arbeitsplatzes war und ist für uns das Wichtigste. In der<lb/>
ÖVP-Zeit ist es dieser nicht geglückt, weshalb auch der Versuch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97647">Korens</rs>, jetzt so glorreich diese Zeit darzustellen, misslingen<lb/>
muss. 1967 war die Rezession wesentlich geringer in Westeuropa<lb/>
und die Folgen in Österreich viel deutlicher spürbar. <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs><lb/>
hatte damals unmittelbar vor der Rezession ja schon bei ersten An<lb break="no"/>zeichen noch immer seine Steuersenkungspolitik durchgeführt statt<lb/>
durch Ausgaben des Staates die Wirtschaft anzukurbeln, resp. in<lb/>
diesem Fall damals noch auf dem hohen Niveau zu halten, glaubte<lb/>
er durch Steuersenkungen und damit Einkommensverbesserung der Be<lb break="no"/>völkerung zusätzliche Nachfrage zu schaffen. Die Reaktion war, dass<lb/>
insbesondere die Schwerindustrie zu wenig Aufträge hatte und<lb/>
grössere Arbeitslosigkeit zu verzeichnen war. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> fand dann einen<lb/>
ausgelaugten Staatshaushalt vor, musste, um das Budget zu sanieren,<lb/>
dann mit Paukenschlag Steuererhöhungen – Einkommen-, Lohn-, Auto<lb break="no"/>sondersteuer, Alkoholsteuer usw. – einführen. Natürlich ver<lb break="no"/>suchte er dann auch durch Kapitalmarktgesetze Ansätze einer pro<lb break="no"/>duktiven Arbeitsmarktförderung usw. die Wirtschaft wieder anzukurbeln.<lb/>
Diese Politik kam aber zu spät und hatte bereits in der Bevölkerung<lb/>
Eindruck erweckt, die ÖVP kann doch nicht besser wirtschaften als<lb/>
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wiederholen, weshalb ich in meinem Referat besonders herausstrich,<lb/>
dass die Budgetsanierung der wichtigste Punkt im jetzigen Wirt<lb break="no"/>schaftsgeschehen ist. Ich habe volles Verständnis dafür, dass<lb/>
die Arbeiterschaft und dies wahrscheinlich sogar mit Recht eine<lb/>
Steuersenkung von ihrem individuellen Standpunkt, d.h. von der<lb/>
Belastung des einzelnen Arbeiters, verlangt. Der Zeitpunkt ist<lb/>
aber jetzt noch nicht gekommen, wo wir dies durchführen können.<lb/>
Was mich am meisten verwundert hat, ist, dass es darüber dann keine<lb/>
richtige Diskussion gab. Entweder habe ich die Genossinnen und<lb/>
Genossen überzeugt oder sie resignieren. Der einzige Diskussions<lb break="no"/>beitrag kam von unserem Salzburger Obmann <rs type="person" ref="#per__118212">Suko</rs>, der meinte, man<lb/>
sollte nicht immer von der Sicherung der Arbeitsplätze reden, sondern<lb/>
von der Vollbeschäftigung. Unter Sicherung der Arbeitsplätze ver<lb break="no"/>stehen die Arbeiter, nicht wie es jetzt ständig geschieht durch<lb/>
Investitionen der Unternehmer, Arbeitsplätze in den Betrieben ständig<lb/>
eingespart werden. Die Umschichtung, wie wir sie jetzt auch in der<lb/>
Nahrungsmittelindustrie stärker denn je bemerken, wird zwar von den<lb/>
Arbeitern zur Kenntnis genommen, führt aber dazu, dass Arbeitsplätze<lb/>
z.B. in der Brauerei Stiegl, wo er Betriebsratsobmann ist, ständig<lb/>
eingespart werden. Ich gab ihm in dieser Beziehung recht, habe<lb/>
aber grosse Bedenken von Vollbeschäftigung zu reden, obwohl wir<lb/>
diese jetzt mit 1,7 % Arbeitslosenrate wirklich erreicht haben.<lb/>
Hier gibt es aber dann wieder die differenten Auffassungen, wann<lb/>
ist Vollbeschäftigung. In Amerika hat jetzt der Economic Adviser<lb/>
des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs> – <rs type="person" ref="#per__146870">Schultze</rs> – erklärt, das Ziel der<lb/>
amerikanischen Regierung sei, die Arbeitslosenrate auf 4,75 %<lb/>
zu senken. <rs type="person" ref="#per__146871">Beveridge</rs> hat seinerzeit erklärt, 3 % sei Vollbeschäf<lb break="no"/>tigung und <rs type="person" ref="#per__146871">Beveridge</rs> gilt als der Vater der Vollbeschäftigungs<lb break="no"/>theorie. Amerika wird weniger die 4,75 % Durchschnittsarbeits<lb break="no"/>losigkeit verheerend sein, sondern die regionale Streuung und ins<lb break="no"/>besondere die rassische Komponente dieser Durchschnittsziffer.<lb/>
4,75 % bedeutet, dass in den grossen Industriestädten, New York, Chi<lb break="no"/>cago, Detroit usw. die Arbeitslosenrate wesentlich höher liegen<lb/>
wird, da am flachen Land wesentlich geringere Arbeitslosen zu<lb/>
verzeichnen sind und zu verzeichnen sein werden. Für die Neger<lb/>
aber bedeutet das eine ganz besonders hohe Arbeitslosenrate<lb/>
von 20 % und mehr. Aus diesem Grund ist daher auch dieser Begriff der<lb/>
Vollbeschäftigung nur sehr vorsichtig zu verwenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_03">Bei der Diskussion über unsere neue Geschäftsordnung ergab<lb/>
sich sofort die Frage, wer aller im Zentralvorstand vertreten<lb/>
sein soll. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg und der Be<lb break="no"/>setzung Österreichs wurde die erste Geschäftsordnung dahin<lb break="no"/>gehend geschaffen, dass im Zentralvorstand nur Wiener Delegierte<lb/>
sassen, damit man ohne besondere schwierige Anreisemöglichkeiten<lb/>
ein beschlussfähiges Organ hatte. Natürlich haben die Bundes<lb break="no"/>länder im Laufe der Zeit immer stärker in den Zentralvorstand<lb/>
hineingedrängt. Jetzt haben wir auch aus OÖ und Stmk. Vertreter,<lb/>
Salzburg wollte nun schon seit längerer Zeit ebenfalls im Zentral<lb break="no"/>vorstand vertreten sein. Da in diesem Fall aber dann unsere<lb/>
Gesamtvorstandssitzung, wo wir ja aus allen Bundesländern unsere<lb/>
Vertreter haben, früher oder später überflüssig würde, wurde als<lb/>
Ausweg festgelegt, jedes Land, das 3.000 Mitglieder hat, soll<lb/>
auch Sitz im Zentralvorstand haben. <rs type="person" ref="#per__118212">Suko</rs> hat mit Recht sofort<lb/>
festgestellt, dass es selbst für Salzburg unmöglich sein wird,<lb/>
diese 3.000 Mitglieder zu erreichen. Theoretisch wäre dies<lb/>
möglich, weil sie jetzt schon 2.800 haben, in der Praxis aber<lb/>
wird dies kaum möglich sein. Die Salzburger haben aber dann<lb/>
doch auf ihren Antrag verzichtet und so kam es zu einem einstimmige<lb/>
Beschluss über die Geschäftsordnung, auch dann während unseres<lb/>
Verbandstages.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_04">Die Verbandstag-Eröffnung gestaltete sich wesentlich anders<lb/>
als z.B. die der Metallarbeiter. <rs type="person" ref="#per__117853">Demler</rs>, unser Jugendsekretär,<lb/>
hatte eine wirklich sehr unkonventionelle Eröffnung vorgeschlagen<lb/>
und sie dann auch letzten Endes durchgesetzt. In einer Tonbildschau<lb/>
wurde sehr konkret, sehr aktuell die Situation der Lebensmittel<lb break="no"/>arbeiter geschildert. Ein jüngerer Pop-Sänger mit eigener Gitarren<lb break="no"/>begleitung hat dann einen modernen Gewerkschaftssong auf unseren<lb/>
Verbandstag vorgetragen. Warum wir zusammenkommen, warum wir eine<lb/>
Gewerkschaft brauchen und wieso noch immer so viele abseits<lb/>
stehen. Nicht nur ich war von dieser Eröffnung gerührt und be<lb break="no"/>geistert sondern <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs>, unser prominentestes Mitglied,<lb/>
das wir zur Begrüssung eingeladen hatten, hat nachher gesagt, dies<lb/>
war die schönste Eröffnung, die er jemals erlebt hat. Auch unsere<lb/>
Ehrengäste unterschieden sich wesentlich von den Metallarbeitern.<lb/>
ZS <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> hat, wie er mir jetzt erst nachher gestand, z.B. auch<lb/>
die Wünsche der Sozialattachés, an unserem Gewerkschaftstag teil<lb break="no"/>zunehmen, glattweg abgelehnt. Er möchte, und dafür habe ich<lb/>
volles Verständnis, dass unsere Gewerkschaftstage sich dadurch<lb/>
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mit wenig Pomp, wo wir sozusagen unter uns bleiben. Am<lb/>
meisten z.B.Freut ihn, dass es jetzt möglich war, durch<lb/>
die Unterbringung aller unserer ausländischen aber auch in<lb break="no"/>ländischen Delegierten im Tourotel den letzteren ein an<lb break="no"/>ständiges Quartier zu bieten. Bis jetzt war es meistens so,<lb/>
dass wir doch getrennte Quartiere hatten und dann unsere<lb/>
inländischen Delegierten zum Unterschied von den ausländischen<lb/>
mit minderen Hotels vorlieb nehmen mussten. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wird ein<lb/>
Referat auf unserem Verbandstag halten, weshalb Vizepräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> für den ÖGB uns begrüsste. Der Arbeiterkammertagspräsident<lb/>
von Wien <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> war noch auf dem Metallarbeitergewerkschaftstag<lb/>
beschäftigt, weshalb Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__121123">Mück</rs> für die Kammer ebenfalls<lb/>
nur begrüsste. Fast könnte man sagen, immer die zweite Garnitur.<lb/>
Für die Ausländer sprach dann der Sekretär der <choice><choice><sic>IOL</sic><corr>IUL</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__133077">Gallin</rs>,<lb/>
der insbesondere auf den Kampf der IUL gegen die Multis hin<lb break="no"/>wies. <rs type="person" ref="#per__133077">Gallin</rs> ist glaube ich unser linkester Vertreter, den<lb/>
wir überhaupt in unseren Organisationen der Lebensmittelarbeiter<lb/>
weltweit haben. Sein Glaube an den Kampf mag aufrichtig und ehrlich<lb/>
sein, seine Methode glaube ich aber ist wirklich schon ein wenig<lb/>
überholt. Vielleicht ist dieser Eindruck von mir aber bedingt,<lb/>
dass wir es uns doch in Österreich mit den Internationalen Multis<lb/>
besser arrangieren als in anderen Ländern. Vielleicht aber – und<lb/>
das möchte ich gar nicht abstreiten – erkennen wir in Österreich<lb/>
die Gefahr, die von diesen Multis ausgeht und die insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133077">Gallin</rs> und manche andere Organisationen besonders stark sehen,<lb/>
nicht so richtig. <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> hielt dann seine Begrüssungs<lb break="no"/>ansprache, die sicherlich der Höhepunkt war und die darin<lb/>
gipfelte, dass er die Politik fortsetzen wird und die Angleichung<lb/>
der Arbeiter an die Angestellten jetzt durchziehen möchte.<lb/>
Selbstverständlich bekam er dafür entsprechenden Applaus, ins<lb break="no"/>besondere als er auf den Gegensatz und die Angriffe des General<lb break="no"/>sekretärs <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> von der Handelskammer auf ihn persönlich<lb/>
und auf seine Sozialpolitik zu sprechen kam. Ich konnte <rs type="person" ref="#per__98063">Weissen<lb break="no"/>berg</rs> nur versichern, dass ihn im Kampf gegen die Handelskammer<lb/>
ihn jeder einzelne und voll unterstützen wird. <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs><lb/>
zeichnete eine Reihe von verdienten Funktionären der Lebensmittel<lb break="no"/>arbeiter mit staatlichen Orden aus. Er meinte zu recht, wie immer<lb/>
man zu den Orden stehen mag, eines steht fest, jetzt bekommen<lb/>
sie auch Arbeiter in einem Ausmass, wie es dies früher überhaupt<lb/>
nicht gegeben hat und dies mit voller Berechtigung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_05">Anschliessend folgten die Berichte des Koll. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> für<lb/>
den Zentralvorstand, Koll. <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs> über die Geschäftsordnung,<lb/>
die einstimmig dann ohne Diskussion angenommen wurde, <rs type="person" ref="#per__120633">Balaz</rs><lb/>
über die Finanzsituation und Beitragserhöhung, die der<lb/>
Gesamtvorstand seinerzeit provisorisch beschlossen hat und<lb/>
die auch jetzt der Verbandstag einstimmig ohne Debatte ge<lb break="no"/>nehmigte. Bei dieser Gelegenheit sagte ich zu <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs>, der<lb/>
neben mir sass, da werden uns die ausländischen Delegierten<lb/>
darum beneiden, denn immer wieder teilen uns unsere Kollegen,<lb/>
die ich zu diesem Verbandstagen schicke mit, wie sehr dort die<lb/>
Beitragserhöhung harte Diskussionen und Kampfabstimmungen aus<lb break="no"/>lösen. Kollegin <rs type="person" ref="#per__126213">Mucha</rs> berichtete über die Frauen und meldete<lb/>
einmal mehr den Wunsch an, dass wir uns eine Frauensekretärin<lb/>
leisten sollten. Abgesehen davon, dass wir gar keine wirklich<lb/>
tüchtige Kollegin hätten, die wir für diese Arbeit anstellen könnten,<lb/>
haben wir mit der Bestellung eines neuen Jugendsekretärs schon<lb/>
grosse Schwierigkeiten mit dem ÖGB. <rs type="person" ref="#per__117853">Demler</rs> berichtete dann über<lb/>
die Jugendarbeit und insbesondere Koll. <rs type="person" ref="#per__116991">Göbl</rs>, der neue Bildungs<lb break="no"/>sekretär über seine Auffassung von Bildungsarbeit. Er hat mit<lb/>
Recht, als er den Bericht gegeben hat, darauf hingewiesen, dass<lb/>
wegen des Bildungsurlaubes es Schwierigkeiten gibt, die Frei<lb break="no"/>stellung der Funktionäre zu erreichen, weshalb unsere Bildungs<lb break="no"/>tätigkeit eigentlich zurückgegangen ist, was die Anzahl der<lb/>
Kurse und auch der Teilnehmer betrifft. Umso mehr kommt unserer<lb/>
Tätigkeit bei den Wochenendschulungen grosse Bedeutung zu, weil<lb/>
hier insbesondere die Kollegen aus dem Gewerbe und Jugendliche<lb/>
daran teilnehmen können. Im Industriebetrieb ist es eine Frage,<lb/>
ob der Gewerkschafter und Funktionär sich gegen den Unternehmer<lb/>
durchsetzen kann, damit er eine entsprechende Freistellung be<lb break="no"/>kommt. Im Gewerbe ist es allein nicht nur der Unternehmer sondern<lb/>
auch die anderen Kollegen, die ja dann die Arbeit des auf Schulung<lb/>
befindlichen machen müssen, die sich gegen die Delegierung eines<lb/>
Wochenschulungskurses wehren. Hier kann nur die Wochenend<lb break="no"/>schulung Abhilfe schaffen. Dies bedeutet aber für unsere Funktio<lb break="no"/>näre eine zusätzliche Belastung und ich kann verstehen, dass<lb/>
daher diese neue Methode nicht begeistert aufgenommen wird.<lb/>
Ich selbst muss gestehen, dass ich früher viel öfter auch bei<lb/>
Wochenendschulungen in den Bundesländern gewesen bin und dass<lb/>
ich in den letzten Jahren überhaupt keine mehr bei den Lebens<lb break="no"/>mittelarbeitern gehalten habe. Vielleicht schont man mich, weil<lb/>
man sagt, ich habe sowieso viel anderes zu tun. Vielleicht aber<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_06">Abends gab der Bürgermeister einen Empfang im Rathaus mit einem<lb/>
herrlichen Buffet, Tanzmöglichkeiten, so dass unsere Delegierten<lb/>
wirklich davon begeistert waren. Ich selbst war aber sehr<lb/>
müde, weshalb ich bereits vor 10 Uhr mit <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> die gastliche<lb/>
Stätte verliess. Auf der Heimfahrt diskutierten wir noch den<lb/>
Verbandstag und <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> bemerkte mit Recht, dass dieser ihn<lb/>
nicht befriedigt. Bis jetzt sagt er, hat er keine Farbe,<lb/>
auch in meinen Augen verläuft er viel zu perfekt und viel<lb/>
zu wenig stimmungsvoll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_07">Bei der Verabschiedung des bras. Ministers <rs type="person" ref="#per__146671">Ueki</rs> hat dieser<lb/>
neuerdings sein grosses Interesse für die <choice><choice><sic>Umspeicherwerke</sic><corr>Pumpspeicherwerke</corr></choice></choice> Öster<lb break="no"/>reichs bekundet. Ich habe ihm sofort erklärt, wenn er das<lb/>
nächste Mal nach Österreich kommt, bin ich gerne bereit, ent<lb break="no"/>weder unser grosses Pumpspeicherwerk in Rodund, Vorarlberg<lb/>
oder das letzte in Malta, Kärnten, zu zeigen. Ich versprach ihm,<lb/>
die Unterlagen, Prospekte aller unserer Pumpspeicherwerke<lb/>
zu schicken. Der bras. Botschafter ersuchte, dass ich ihm<lb/>
dieses Material zur Verfügung stelle, damit er es an den<lb/>
Minister weitersenden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Material besorgen<lb/>
und mit dem Handelsministerbegleiter des Ministers <rs type="person" ref="#per__146671">Ueki</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_09">Porsche Austria, <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> hat für <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs>, den Einkaufsvorstands<lb break="no"/>direktor von VW und seine Begleitung, lauter Prokuristen, ein<lb/>
Essen im Imperial gegeben. Ich nützte die Gelegenheit, um mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> unter vier Augen zuerst – <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> kam erst später dazu –<lb/>
das Austro-Porsche-Projekt zu besprechen. Vom ihm erfuhr ich,<lb/>
was ich eigentlich erwartete, dass VW nicht bereit ist, einzu<lb break="no"/>steigen. <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> wollte sich natürlich nicht endgültig fest<lb break="no"/>legen, wie sein Chef Vorstandsdirektor und Generaldirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, der ihn diese Woche noch besucht, die Ab<lb break="no"/>lehnung beibringen wird. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> und <rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> kennen sich von<lb/>
Rhein-Stahl und <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> behauptet, sie seien gute Freunde. Das<lb/>
Ergebnis wird aber sein, dass VW weder seinen Vertrieb noch<lb/>
sein Service zur Verfügung stellt, um den Austro-Porsche welt<lb break="no"/>weit zu vertreiben und zu betreuen. VW wird mit Audi 100 ein<lb/>
ebensolches Modell in Zukunft produzieren, was dem Austro-Porsche<lb/>
entspricht. Bei den jetzigen Kalkulationen für den Audi hat<lb/>
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verkauft werden kann und liegt um 30 % unter dem Preis von<lb/>
Autro-Porsche. Da die Vertriebs- und Service-Frage des Austro-<lb/>
Porsche damit eindeutig negativ entschieden ist, kann ich<lb/>
mir nicht vorstellen, dass tatsächlich dieser noch gebaut<lb/>
werden sollte. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> teilte mir dazu noch mit, dass <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs><lb/>
ihn angerufen hat, um zu sagen, dass ungefähr 25 % die verstaatlichte<lb/>
Industrie an Kapital aufbringen wird und der Rest den Privaten<lb/>
zur Verfügung gestellt wird. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> meint, kein Prozent wird ein<lb/>
Privater in dieses Unternehmen tatsächlich bringen. Es sei denn,<lb/>
der Staat übernimmt für alle 100 % Ausfallhaftung. Dies kann<lb/>
ich mir wieder beim besten Willen nicht vorstellen, selbst wenn<lb/>
dies aber geschehen sollte, kann ohne den Vertrieb und das Service<lb/>
von VW meiner Meinung nach niemand eine solche Produktion ver<lb break="no"/>antworten. Ich selbst werde mich daher eindeutig dagegen aus<lb break="no"/>sprechen, wenn es in der Regierung zur Sprache kommen sollte.<lb/>
Die Voraussetzung, dass dieses Experiment glückt war, dass VW<lb/>
einsteigt. In diesem Fall habe ich mir nämlich gesagt, kann VW, das<lb/>
über 1 Mill. Autos produziert, seinen Ruf nicht aufs Spiel<lb/>
setzen und die 50.000 Austro-Porsche absaufen lassen. <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs><lb/>
erklärte mir aber dezidiert, dass sie, um in Hinkunft den<lb/>
nächsten Rückschlag besser zu verkraften, jetzt nicht bereit<lb/>
sind, über 80 % ihrer Kapazitätsauslastung hinauszugehen, obwohl<lb/>
sie gerade jetzt noch wesentlich mehr Autos produzieren und<lb/>
verkaufen könnten. Da sie zu diesem Zweck aber zusätzliche<lb/>
Arbeitskräfte einstellen müssten, sind sie dazu nicht bereit.<lb/>
Diese Art der Wirtschafts- und insbesondere Arbeitsmarktpolitik<lb/>
dürften mehrere Unternehmer in Deutschland machen. Daraus erklärt<lb/>
sich für mich, dass trotz des Wirtschaftsaufschwungs im Vorjahr<lb/>
insbesondere auch in der Bundesrepublik Arbeitslosenzahlen<lb/>
sich nicht wesentlich verringert haben. Für den Einzelbetrieb mag<lb/>
dies eine gute Lösung sein, für die gesamtwirtschaftliche insbesondere<lb/>
für die Arbeitsmarktlage aber ist diese Politik verheerend.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-25_10">Ich habe <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> und ganz besonders dann <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs>, der mich<lb/>
hinausbegleitete unter vier Augen gesagt, wenn nun VW das<lb/>
Austro-Porsche-Projekt ablehnt, d.h. nicht mitmacht, muss um so<lb/>
mehr von VW jetzt alles darangesetzt werden, mehr Zulieferteile<lb/>
in Österreich zu kaufen. Sollte nämlich auch auf diesem Sektor<lb/>
nichts befriedigendes geschehen, dann wird man in der öffentlichen<lb/>
Meinung sagen, die VW-Leute wollen Porsche-Österreich unter allen<lb/>
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Porsche-Projekt in einigen Vorstandsetagen von Auto<lb break="no"/>produktionsfirmen, die nach Österreich liefern, den Eindruck<lb/>
erweckt, Österreich will ernstlich jetzt ein Auto<lb/>
produzieren, um die Devisensituation zu entlasten. Die<lb/>
Reaktion könnten dann oder kann die sein, dass sie, um<lb/>
unsere Zahlungsbilanz wirklich zu verbessern, mehr Halbfabrikate<lb/>
und Teile aus Österreich kaufen. Wenn dies der Fall ist und<lb/>
die Überlegung ist nicht ganz abwegig, so hat die Idee von Austro-<lb/>
Porsche, die der ÖIAG 4 – 5 Mill. kostet, wenigstens einen<lb/>
positiven Effekt gehabt. Ich persönlich muss mir allerdings<lb/>
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            <head>Aussendung ÖVP-Pressedienst: Koren wirft Regierung Untätigkeit in Wirtschaftspolitik vor, 23.5.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Aussendung ÖVP-Pressedienst Rückseite)</head>
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