<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19770516.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19770514.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19770523.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 16. Mai 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Thomas Tretzmüller</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band36_1977-05-16</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1977-05-16">Montag, 16. Mai 1977</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2019-06-06">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="36-0583" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0583.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_01">Montag, 16. Mai 1977<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_02">Beim Jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gab ich diesem eine Abschrift meines<lb/>
Briefes an <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> und <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs>, wegen deren Behauptung im Parlament,<lb/>
dass ich statt im Plenum anwesend zu sein, mit den Handelsministern<lb/>
ein Essen eingenommen habe. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst fand diese Art als unfair.<lb/>
Durch sein Verhalten in der Steuerfrage ist er aber innerparteilich<lb/>
sehr stark angeschlagen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_03">Das Atomkraftwerk Zwentendorf sollte seiner Meinung nach in Betrieb<lb/>
gehen und er erwartet, dass es zu einer fachlichen Lösung kommt.<lb/>
Er selbst wird aber sicherlich auch dazu kaum etwas beitragen können.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_04">Die Ölmühle, über die ich ihm auch referierte, möchte er am liebsten<lb/>
mit einem gemeinsamen Projekt zwischen Unilever und Olioprot errichtet<lb/>
sehen, Nur so glaubt er eine Garantie zu haben, dass nicht zwischen<lb/>
den Produzenten und den Konsumenten repräsentiert durch die Konsum<lb break="no"/>genossenschaftsbewegung der Lebensmittelhandel auch auf diesem<lb/>
Gebiet ganz zerdrückt wird. Bei einer Aussprache, die ich dann<lb/>
mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> von der Unilever hatte, hat dieser mich er<lb break="no"/>sucht, ich sollte eine gemeinsame Besprechung Unilever - Olioprot-Ver<lb break="no"/>treter herbeiführen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte Sitzungstermin vorbereiten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte eine Erhöhung des 5 %-igen Gewerbesteueranteils für<lb/>
die Gewerbestrukturverbesserung. Seiner Information nach sind die<lb/>
2,3 Mia. Kreditvolumensantrag auf 4 – 5,5 Mia. Anträge gestiegen.<lb/>
Ich erkläre ihm sofort, dass kaum eine Chance besteht, diesen<lb/>
Prozentsatz zu ändern, wenn tatsächlich es nicht möglich sein<lb/>
sollte, die entsprechenden Beträge unterzubringen, so würde eher<lb/>
wie bei ERP eine Ersatzaktion vom Finanzminister finanziert werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> urgiert, warum noch immer nicht für die Betriebsgründungs<lb break="no"/>aktion der Beirat geschaffen wurde.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte Beirat endlich einberufen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_08"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nimmt zur Kenntnis, dass jetzt gemeinsam ein Getreide<lb break="no"/>konzept erarbeitet werden muss und ich daher nicht bereit bin, die<lb/>
Getreidehandelsspanne um den 1.- S ab 1. Juli zu erhöhen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
ist fest davon überzeugt, dass die Regierung wieder wird nachgeben<lb/>
müssen, da die Bauern nach ihrer Kalkulation bereits wieder über<lb/>
20 Groschen Weizenpreiserhöhung verlangen.<lb/>
</p>
            <pb n="36-0584" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0584.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_09">Der neue Fachverbandsobmann <rs type="person" ref="#per__111748">Oswald</rs> von der Schuhindustrie hat<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ersucht, dass der Verein zur Förderung der Schuh<lb break="no"/>industrie in der Fachverbandsgeschäftsführer Dr. <rs type="person" ref="#per__146669">Leopold</rs> auch<lb/>
angehört und leitet, unseren Fachreferenten <rs type="person" ref="#per__114472">Giglinger</rs> dringend<lb/>
benötigt. Er interveniert deshalb und ist sehr erfreut, von mir zu<lb/>
hören, dass ich mit der Mitarbeit <rs type="person" ref="#per__114472">Giglingers</rs> sehr einverstanden<lb/>
bin.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_10">Die Vorstandsbesetzung der WTK, <rs type="person" ref="#per__134311">Zaininger</rs> geht in Pension, hat das<lb/>
Bundeskanzleramt, Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> hatte nur die Absicht Dr. <rs type="person" ref="#per__134249">Heeger</rs><lb/>
als alleinigen Vorstand zu belassen. Ich bin nicht überzeugt, ob<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> sich durchsetzen wird sondern fürchte eher, dass wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auch andeutet, die ÖVP eine zweite Besetzung unbedingt<lb/>
wünscht. Das Ganze fällt in die Kompetenz des BKA.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_11">Bezüglich der Frage der Arbeitnehmer auf Abfertigung bei der<lb/>
Fa. Roylon auf Grund einer Kriegsermächtigungs-Verordnung derzeit<lb/>
in Vorarlberg bei Gericht anhängig, verweise ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, der<lb/>
neuerdings dagegen investiert, an das Sozialministerium Sekt.Chef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127028">Martinek</rs>.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_12"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte unter gar keinen Umständen, dass ein eigenes Reise<lb break="no"/>bürogesetz wegen der Haftung kommt. Er glaubt auch, dass die<lb/>
Gewerbeordnungsverordnungsermächtigung vollkommen ausreicht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist sehr beruhigt, daneben zu erfahren, dass die ange<lb break="no"/>kündigte Produktdeklaration im Fremdenverkehr nicht gegen die<lb/>
Fremdenverkehrswirtschaft sondern nur in deren Einvernehmen er<lb break="no"/>stellt wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_13">Die Industriesektion, Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, verlangt innerhalb<lb/>
des Präsidiums eine Novelle des Antidumpinggesetzes, wonach<lb/>
Antidumpingzölle vorläufig festgesetzt werden können, ohne dass<lb/>
ein Antidumpingverfahren bereits abgeschlossen sein muss. Diese<lb/>
ursprüngliche Idee von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> bei der Erstellung des<lb/>
Antidumpinggesetzes, damals von der Handelskammer abgelehnt, wird<lb/>
jetzt von der Industriesektion aufgegriffen und mit aller Vehemenz<lb/>
verlangt. Dagegen hat sich der Handel natürlich ganz entschieden<lb/>
ausgesprochen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> weiss nun nicht, wie er aus diesem Dilemma<lb/>
herauskommen soll. Ich selbst werde natürlich solange nichts unter<lb break="no"/>nehmen, solange nicht die Handelskammer selbst durch Präsidial<lb break="no"/>beschluss dies von mir verlangt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte verfolge die entsprechenden Intentionen<lb/>
in der Handelskammer.<lb/>
</p>
            <pb n="36-0585" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0585.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_15"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist sehr überrascht von mir über das Schreiben der<lb/>
Handelskammer an die Fa. Bickford wegen Importe der Reiss<lb break="no"/>verschlüsse durch die Fa. Yoshida, die eine neue Fabrik im Burgen<lb break="no"/>land errichtet hat, zu erfahren, dass ich nicht bereit bin, diese<lb/>
unklare Haltung der Handelskammer hinzunehmen. Solange Yoshida<lb/>
nur importiert hat, war es selbstverständlich, dass der pro<lb break="no"/>duzierende Betrieb Bickford geschützt werden muss. Jetzt<lb/>
produziert Yoshida selbst die Reissverschlüsse und braucht<lb/>
nur mehr Teilimporte. Die Handelskammer ist scheinbar nicht im<lb break="no"/>stande, innerhalb ihrer Bereiche eine befriedigende Abstimmung<lb/>
zu erreichen. Deshalb redet sie sich wahrscheinlich in Dutzenden<lb/>
von Fällen auf das Handelsministerium aus, ohne dass wir<lb/>
dies erfahren. Bei dem Schreiben an Bickford sind wir auch nur<lb/>
durch einen reinen Zufall draufgekommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_16">Dem Journalistenfrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> über die öffentlichen<lb/>
Aufträge und das Bestreben des Handelsministeriums, Diversifi<lb break="no"/>kation und Überkapazitäten vor allem besser zu nützen. Die<lb/>
Meldungen des Fachverbandes an das Handelsministerium werden<lb/>
an die ausschreibenden Stellen insbesondere des Bundes weiterge<lb break="no"/>geben. Die Redakteure wollen wissen, ob dieses System auch auf<lb/>
die Länder und Gemeinden ausgedehnt wird. Ich erkläre sofort,<lb/>
dass ich darauf keinen Einfluss habe, bei entsprechender positiver<lb/>
Entwicklung aber versuchen werde, es auch den Ländern und Gemeinden<lb/>
schmackhaft zu machen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_17">Eine richtiggehende Diskussion ergibt sich bei diesem Presse<lb break="no"/>frühstück über die Einstellung der Regierung resp. Spitzenfunk<lb break="no"/>tionäre der SPÖ zur Atomenergie. Ich erkläre neuerdings die Si<lb break="no"/>tuation und stelle einmal mehr fest, dass ich seitdem ich für<lb/>
die Elektrizität verantwortlich bin, eine einheitliche Linie<lb/>
habe, nämlich weder ein Atomfreund noch Atomgegner zu sein,<lb/>
sondern die 730 MW im nächsten Jahr dringend benötigt werden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_18">Die Aussprache mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__113097">Gerbec</rs>, für die Lohnverhand<lb break="no"/>lungen in der Bundeskammer zuständig, Präs. <rs type="person" ref="#per__114655">Harmer</rs>, Obmann der<lb/>
Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, Sekr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__130457">Riegler</rs> vom Fachverband, <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> und mir wegen der Lohnverhandlungen<lb/>
der Fettarbeiter zeigt mir deutlich, dass die Handelskammer<lb/>
alles nur vom prinzipiellen Standpunkt sieht und lösen möchte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113097">Gerbec</rs> ist der Verhandlungsleiter auch für die Metallindustrie,<lb/>
wo er für 300.000 Beschäftigte mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> verhandelt. Jetzt möchte<lb/>
<pb n="36-0586" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0586.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>er von mir wegen der 670 Fettarbeiter eine ähnliche Lösung.<lb/>
Ich lehne ganz kategorisch ab, dass ich auch in diesem Fall<lb/>
keineswegs für Lohnverhandlungen mich zuständig fühle. Dafür<lb/>
gibt es bei uns in der Lebensmittelarbeitergewerkschaft die Verhand<lb break="no"/>lungskomitees. Das Anbot der Unternehmer war 7,7 % gegen 8,3 %<lb/>
die allerdings wahrscheinlich noch reduziert werden können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113097">Gerbec</rs> glaubte allen Ernstes und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> assistierte ihm dabei,<lb/>
dass ich bereit wäre, die 7,7 mit ihnen abzusprechen und letzten<lb/>
Endes zu beschliessen. Die einzige Chance, die ich sah und darüber<lb/>
sollte man jetzt im Verhandlungskomitee weiter verhandeln, wäre<lb/>
in Hinkunft nicht eine 12-Monats-Frist zu vereinbaren sondern nachdem<lb/>
der Vertrag vom 1. Mai anläuft z.B. bis 15. Mai nach Pfingsten<lb/>
nächsten Jahres, das wären nicht ganz 12 1/2 Monate laufen zu lassen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> wird versuchen, mit dem Verhandlungskomitee der Unter<lb break="no"/>nehmer bei der nächsten Verhandlung eine Lösung zu finden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_19">Botschafter <rs type="person" ref="#per__137234">Komárek</rs> ersuchte mich, ich sollte Ende Juni nach<lb/>
Bratislava zu einer Ausstellung kommen und mit Minister <rs type="person" ref="#per__114726">Barčák</rs><lb/>
zusammenzutreffen. Ich erklärte mich dazu für Freitag nach<lb/>
der letzten Parlamentssitzung bereit, sofort hinunterzufahren<lb/>
und am Samstag die Verhandlungen über die Stromdurchleitung der<lb/>
polnisch-csl. Vereinbarung dann endgültig mit dem Minister eine<lb/>
diesbezügliche Aussprache und Abkommen abzuschliessen. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit ersuchte ich, dass ich das Atomzentrum Bratislava<lb/>
neuerdings besichtigen darf. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, der anwesend war,<lb/>
wird die entsprechenden Vorbereitungen einleiten. <rs type="person" ref="#per__137234">Komárek</rs>, begleitet<lb/>
von Attaché <rs type="person" ref="#per__146670">Kovaisa</rs> intervenierte neuerdings wegen Arbeitsgenehmigung<lb/>
für csl. Arbeiter bei der Fa. Baugeologie. Ich teilte ihm mit, dass<lb/>
der Sozialminister mir zugesichert hat, wenn Einzelanträge<lb/>
für spezifische Projekte kommen, diese genehmigt werden. Bezüglich<lb/>
der Einfuhr von Baumaschinen wird <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> mit dem Finanzministerium<lb/>
jetzt endgültig klären, dass diese auf Zollvormerk nach Österreich<lb/>
gebracht werden können. <rs type="person" ref="#per__137234">Komárek</rs> wird dies ebenfalls der Fa. Bau<lb break="no"/>geologie empfehlen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_20">Da in Athen ein Bummelstreik herrscht, flog die AUA über Malta<lb/>
nach Ägypten. Für mich war dies eine angenehme Abwechslung,<lb/>
da ich wenigstens Malta jetzt einmal von der Luft aus sehen konnte.<lb/>
Der Flughafen ist schon ähnlich wie die in Afrika. Malta selbst<lb/>
ist in einer wirtschaftlich kritischen Situation und der ehemalige<lb/>
Finanzminister aus Deutschland <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs>, der jetzt für Ägypten einen<lb/>
<pb n="36-0587" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0587.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Sonderbericht ausarbeitet, wurde auch von <rs type="person" ref="#per__97746">Dom Mintoff</rs>, dem<lb/>
Ministerpräsidenten ersucht, er möge für Malta eine diesbezügliche<lb/>
Studie erarbeiten. <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> wird es aber ablehnen, weil, wie er<lb/>
mir versichert, als Sozialdemokrat nicht ein ebenfalls sehr<lb/>
negatives Urteil über Malta fällen möchte. Beim Rückflug<lb/>
aus Ägypten habe ich nämlich mit <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> über seinen Auftrag<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> diesen Sonderbericht zu machen, diskutiert. Es ist<lb/>
richtig, dass ca. die Ägypter mit 15 Mia. Dollar verschuldet sind.<lb/>
Wenn die Ägypten kein Moratorium bekommen, dann muss die Wirt<lb break="no"/>schaft zusammenbrechen, da sie überhaupt keine Importmöglichkeiten<lb/>
mehr hätten, sondern nur mehr ihre Schulden zurückzahlen<lb/>
müssten. <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> hat mit der Weltbank verhandelt und in Hinkunft mit<lb/>
allen wichtigsten Lieferländern nach Ägypten. Dies gilt ganz<lb/>
besonders für die OPEC-Öllieferstaaten, Saudi Arabien und die<lb/>
Golfstaaten. Der Westen und diese arabischen Staaten wären dann<lb/>
bereit, auf das Moratorium einzusteigen, wenn gleichzeitig<lb/>
auch die SU bezüglich ihrer Bezahlung der Militärgutlieferungen<lb/>
einem solchen beitritt. <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> meint nun richtig, wenn die Sowjets<lb/>
dies nicht tun sollten, dann könnte <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> seinem Volk erklärten,<lb/>
dass diese die Schuld tragen, weil der Westen helfen will, die<lb/>
Sowjets aber nicht. Ob dies ein genug starkes Druckmittel ist,<lb/>
bezweifle ich. Wahrscheinlich aber ist es die einzige Möglich<lb break="no"/>keit für Ägypten. Was mich bei diesem Aufenthalt diesmal am<lb/>
meisten verwundert hat, ist, dass man allgemein davon spricht,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> wird nicht mehr allzulange Präsident sein. Sein stärkster<lb/>
Mann im Kabinett <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> ist wie er mir dann am Flughafen bei<lb/>
unserer Rückkunft vom Sudan selbst auch berichte, zurückge<lb break="no"/>treten, weil sein Budget auf ein Zehntel gekürzt wurde. Er<lb/>
möchte aber seinen guten Namen insbesondere in der Suez-Kanal-Zone<lb/>
nicht verlieren und hat deshalb auf das Ministeramt verzichtet.<lb/>
Der jetzigen Wiederaufbauminister ist ein lieber Kerl, doch die<lb/>
graue Eminenz bleibt <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs>. Die Verhandlungen mit den Ägyptern<lb/>
über unsere Projektliste war diesmal so schwierig, weil<lb/>
sie eben überhaupt kein Geld haben, wohl aber Interesse an jed<lb break="no"/>weder Aktivität Österreichs in ihrem Land. 1976 haben die Ägypten<lb/>
5 Mia. Dollar Handelsbilanzdefizit gehabt. In Paris hat deshalb<lb/>
eine Konsultationsgruppe von der Weltbank mit allen Ländern<lb/>
und den Ägyptern versucht, ähnlich wie dies auch <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> wünscht<lb/>
eine Sanierungslösung zu finden. Das Einzige, was befriedigend<lb/>
abgeschlossen werden konnte, war, dass die zweimal 125 MW<lb/>
Suez-Power Station angeblich jetzt endgültig Waagner-Biro<lb/>
zugeschlagen und finanziert wird. Direktor <rs type="person" ref="#per__97983">Stanek</rs> hat bei<lb/>
<pb n="36-0588" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0588.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>unserem Rückflug am Flughafen in Kairo mir berichtet, dass<lb/>
wenn jetzt die Kontrollbank die Finanzierung garantiert, die<lb/>
ägyptische Nationalbank endgültig auch zusagt. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97983">Stanek</rs><lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> zusammengebracht, der sich diesbezüglich einsetzen<lb/>
wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_21"><rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs> hat auch vorgeschlagen, wir sollten ausser den 20 Stück<lb/>
weitere Entwicklungshilfe-Kühe nach Ismailia ein kommerzielles<lb/>
Geschäft von 1.000 Stück Kühen versuchen. Er würde diese<lb/>
1.000 Stück durch eine private Firma, die die Landwirtschaft in<lb/>
Ismailia betreibt, zahlen lassen, wünscht aber nur entspre<lb break="no"/>chende Rattenvereinbarungen bis 5 Jahreskredit. Ich habe<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> vereinbart, dass sein Vertreter, der die Ent<lb break="no"/>wicklungskühe nach Ägypten vereinbaren resp. liefern wird,<lb/>
ein diesbezügliches Anbot nach Kairo mitnimmt. Die Kanal<lb break="no"/>zonen-Besichtigung war für mich und die ganze Delegation<lb/>
überhaupt das interessanteste bei dieser Gemischten Kommission.<lb/>
Der Kanal soll heuer 500 Mill. $ Gebühreneinnahmen bringen.<lb/>
Im Vorjahr konnte ich aber dem Direktor herauslocken, dass<lb/>
sie maximal zwischen 250 bis 300 Mill. eingenommen haben.<lb/>
Damals war der Plan auch beträchtlich höher. Jetzt wollen<lb/>
sie den Kanal verbreitern, um Schiffe mit 200.000 Tonnen,<lb/>
wenn sie beladen sind, die Möglichkeit der Nützung zu<lb/>
schaffen. Derzeit reden sie auch von 200.000 t wobei aller<lb break="no"/>dings nur die Leerschiffe passieren könnten. <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> hat<lb/>
mir erzählt, dass er auch mit dem Generaldirektor und anderen<lb/>
Herren verhandelte und feststellen musste dass diese erwarten,<lb/>
dass aus dem ägyptischen Budget zur Verbreiterung und Vertiefung<lb/>
des Kanals Hunderte Millionen ägypt. Pfund zur Verfügung gestellt<lb/>
werden. Zur Sanierung wäre aber kein Zuschuss an die Kanalzone<lb/>
möglich sondern eher das Gegenteil. Wir besichtigten auch die<lb/>
begonnenen Arbeiten über das Kanaluntertunnelungsprojekt,<lb/>
das die Engländer in der Nähe von Suez haben. Bauarbeiten<lb/>
wurden dort natürlich wieder von <rs type="person" ref="#per__140592">Osmans</rs> Fa. Arab Contractors<lb/>
eingeleitet und sind schon ganz beträchtlich fortgeschritten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> selbst ist nicht davon überzeugt, dass es sich hier um<lb/>
ein nützliches Projekt handelt, in meinen Augen sind es<lb/>
ausschliesslich strategische Gründe, die die Untertunnelung<lb/>
des Kanals verlangen. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung gibt sicherlich<lb/>
ein wesentlich anderes Bild, wie <rs type="person" ref="#per__117666">Möller</rs> richtig bemerkt.<lb/>
Die Ägypten beginnen aber immer wieder neue Projekte, um auf<lb/>
der einen Seite Arbeitsbeschaffung zu betreiben und auf der<lb/>
<pb n="36-0589" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0589.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Seite ihr Prestigebedürfnis auch zu befriedigen. Was sie wollen<lb/>
und dringendst brauchen ist weitere Entwicklungshilfe. Zum Glück<lb/>
war Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> eine Woche vorher mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in Ägypten<lb/>
und hat dort miterlebt, wie man auf die Österreicher wegen der<lb/>
geringen Hilfe im wahrsten Sinne des Wortes "sauer" ist. Er hat<lb/>
mit Zustimmung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> deshalb auch bei unserer Kommission<lb/>
teilgenommen und dort für ca. 45 Mill. S Entwicklungshilfe<lb break="no"/>zusagen gegeben. Wenn er dies nicht getan hätte, weiss ich nicht,<lb/>
wie wir diese Gemischte Kommission mit einigermassen Wahrung<lb/>
des österr. Gesichtes und Standpunktes hätten beenden können.<lb/>
Für das nächste Jahr haben die Ägypter insbesondere Vizeminister<lb break="no"/>präsident <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs>, der für die Elektrizität zuständig ist, ent<lb break="no"/>sprechende 6 Mill. für <choice><choice><sic>Dispaiter</sic><corr>?</corr></choice></choice> und 15 Mill. für ein Hoch<lb break="no"/>spannungslaboratorium verlangt. In den Zeitungen wurde dann<lb/>
aber über wesentlich höhere Beträge berichtet. Dies ist teil<lb break="no"/>weise darauf zurückzuführen, dass die Ägypter immer mit uns<lb/>
zuerst über Schillingbeträge sprechen, dann erklären, sie haben<lb/>
sich geirrt, es handelt sich um DM und letzten Endes dann in den<lb/>
Zeitungen scheinbar Dollar als Grundlage galten, die dann ent<lb break="no"/>sprechend umgerechnet werden. Ich war sehr froh, dass wir dies<lb break="no"/>mal nicht als Gäste der Regierung eingeladen waren, sondern uns<lb/>
wirklich alles selbst bezahlten. Wenn man bedenkt, in<lb/>
welcher trostlosen Situation sich die ägyptische Regierung befindet,<lb/>
dann soll man sie wirklich auch nicht mit Kleinigkeiten belasten.<lb/>
Der neue Leiter der ägyptischen Seite Dr. <rs type="person" ref="#per__114481">Sayeh</rs> wollte unbedingt<lb/>
bessere Kreditkonditionen für alle Projekt herausbekommen.<lb/>
Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> hat für gewisse Entwicklungsprojekte vorgeschlagen,<lb/>
dass er 25 Jahre Kredit mit 2,5 % Verzinsung bei 7 Jahre Rück<lb break="no"/>zahlfreiheit gewähren könnte. Die Ägypter haben dies sofort wieder<lb/>
so verstanden, dass Österreich bereit wäre, ihnen solche Kredite<lb/>
scheinbar auch für die kommerziellen Geschäfte einzuräumen. <rs type="person" ref="#per__114481">Sayeh</rs><lb/>
meinte sogar, sie würden auch Commodity also Lebensmittel<lb/>
und sonstige Konsumgüter so kaufen können. Eindeutig abgelehnt<lb/>
habe ich dieses in die Milliarden gehende Mariut-Projekt.<lb/>
Während unseres Ägyptenaufenthaltes waren auch die Parlaments<lb break="no"/>wahlen in Israel. Dort hat die Arbeiterpartei einen mächtigen<lb/>
Rückschlag erlitten und Likud wird wahrscheinlich den Minister<lb break="no"/>präsidenten stellen. Mit dieser politischen Entwicklung, die<lb/>
zu einer Verschärfung der Gegensätze zwischen Israel und den<lb/>
Arabern führen wird, ergibt sich natürlich auch eine politisch<lb/>
andere Konstellation. Dies wird die Wirtschaftssituation in<lb/>
<pb n="36-0590" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0590.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Ägypten nicht verbessern sondern eher verschlechtern. Beide<lb/>
Staaten werden jetzt mehr für Rüstungen ausgeben. Darüber<lb/>
hinaus wird sich die innerpolitische Szene, fürchte ich, in<lb/>
Ägypten ebenfalls wesentlich verschlechtern. <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> ist in<lb/>
keiner beneidenswerten Lage. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Friedensmission, auch wenn<lb/>
er diese nicht als solche bezeichnet haben möchte, wird sich<lb/>
erschweren, wenn nicht überhaupt jetzt vollkommen unmöglich<lb/>
gemacht.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_22">Im Sudan hatten wir nur den Kooperationsvertrag endgültig zu<lb/>
verhandeln und zu unterschreiben. Dort versuchte die Delegation<lb/>
Einzelprojekte wie z.B. für Steyr-Daimler-Puch das Lastwagen<lb break="no"/>geschäft, welches wahrscheinlich in eine Assembling-Fabrik<lb/>
übergeleitet werden kann, weiterzutreiben. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
haben wir den Sudanesen auch angeboten, <add>[ein]</add> Ausbildungszentrum für<lb/>
Metallarbeiter zu errichten. Die Sudanesen sind auf die Ent<lb break="no"/>wicklungshilfe noch nicht so eingestellt wie die Ägypter, d.h.<lb/>
sie stellen nicht ununterbrochen neue Forderungen. Während<lb/>
unseres Aufenthaltes waren auch Budgetverhandlungen innerhalb<lb/>
der Regierung, weshalb die Minister entweder alle drei auf einmal<lb/>
der neue Planungsminister, der neue Landwirtschaftsminister<lb/>
und der schon im Amt gewesene Handelsminister, die neue Regierung<lb/>
ist nämlich erst seit Feber bestellt und kennt sich natürlich<lb/>
daher in ihren Detailprojekten nicht sehr genau aus. Der Land<lb break="no"/>wirtschaftsminister z.B. hatte die Absicht, uns einzuladen, österr.<lb/>
Firmen oder der Staat sollen sich an Anbauverträgen im Sudan<lb/>
beteiligen. Sudan hat nämlich genug Wasser, genug Grund, braucht<lb/>
nur Kapital und möchte deshalb für ausländische Staaten entsprechen<lb break="no"/>de Agrarproduktion aufziehen. Eine solche Möglichkeit habe<lb/>
ich für Österreich sofort ausgeschlossen, weil ich mir nicht gut<lb/>
vorstellen kann, dass z.B. Kaffee aus unsere Kosten durch unsere<lb/>
Leitung in Sudan erzeugt wird und dann nach Österreich trans<lb break="no"/>portiert wird. Bis jetzt haben die Entwicklungsländer eigentlich<lb/>
nur auf dem technischen Gebiet sogenannte Joint venture oder<lb/>
wenigstens Kooperationen angestrebt. Auf dem landwirtschaftlichen<lb/>
Gebiet ist mir dies zumindest noch niemals untergekommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_23">Der Handelsdelegierte hatte eine Zusammenkunft mit allen sudane<lb break="no"/>sischen Firmenvertretern, resp. anwesenden österr. Handelsvertretern<lb/>
arrangiert. Bei dieser Gelegenheit habe ich über die Schwierigkeiten,<lb/>
die im Sudan bestehen, einiges erfahren. Das Hauptproblem liegt<lb/>
in der schlechten Infrastruktur. Die Plastik-Fabrik hat seit<lb/>
<pb n="36-0591" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0591.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>drei Jahren keinen Waggon von Port Sudan nach Khartum bekommen.<lb/>
Alles muss auf der Strasse transportiert werden, aber bevor die<lb/>
Regenzeit einsetzt, denn dann ist sie unpassierbar. Jetzt wird<lb/>
eine Strasse von Port Sudan zu der Hauptstadt gelegt, Deutsche,<lb/>
Jugoslawen, Chinesen und so weiter beteiligen sich daran. 1978<lb/>
soll sie fertig sein, Inschallah, wenn Gott will. Andererseits<lb/>
wurde gerade jetzt ein neues Hilton-Hotel fertig. Wir haben<lb/>
zwei Nächte darin gewohnt, in einer Nacht ist der Strom ausgefallen<lb/>
die Air-Condition wurde stillgelegt, Wasser konnte nicht mehr<lb/>
gepumpt werden, hier glaube ich wird versucht, mit einem Riesen<lb break="no"/>sprung sofort das modernste, das beste zu bekommen. Bei der Be<lb break="no"/>zahlung gibt es dann ebenfalls grosse Schwierigkeiten. Trotz Ersuchen<lb/>
von Firmen habe ich auf Wunsch des österr. Handelsdelegierten<lb/>
bei den Ministern wegen der Rückstände nicht interveniert.<lb/>
Unsere Delegation kam zur Auffassung, dass dies nur schädlich sein<lb/>
könnte. Bezüglich der Bezahlung von den 12 Mill. S für Grundmann<add>[hat]</add><lb/>
der Handelsdelegierte <rs type="person" ref="#per__145964">Seitinger</rs> vorgeschlagen, sollte lieber<lb/>
ein Bankenmann zur Verhandlung herunterkommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Girozentrale ver<lb break="no"/>binden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_25">Sudan wird derzeit von Somalia und Äthiopien hart bedrängt. Die<lb/>
Minister aber auch die Firmenvertreter sind der Meinung, dass<lb/>
letzten Endes es möglich sein wird, diese Region nicht so wie<lb/>
in Angola, Mosambik und Kongo die Kämpfe der kommunistisch beeinfluss<lb break="no"/>ten Befreiungsbewegung einzubeziehen. Sicher ist, dass sofort in<lb/>
Ägypten als auch wahrscheinlich in anderen afrikanischen Staaten<lb/>
die SU viel investiert hat und dann gelegentlich entsprechend<lb/>
den revolutionären Änderungen resp. Regimewechsel hinausfliegt. Ob<lb/>
dies aber endgültig ist, kann ist nicht beurteilen. Dass die Sowjets<lb/>
aber alles daransetzen werden, in Afrika Fuss zu fassen, resp.<lb/>
ihre Stellung zu halten, steht für mich ausser jedem Zweifel.<lb/>
Der afrikanische Kontinent ist ein ungeheures Exerzierfeld<lb/>
für Ost und West und noch viel mehr der zukunftsträchtige Kontinent.<lb/>
Schön langsam begreifen dies auch die Afrikaner und stellen na<lb break="no"/>türlich entsprechende Forderungen. Je früher die westliche Welt<lb/>
sich darauf einstellt, um so grösser wird die Wahrscheinlichkeit,<lb/>
dass sie dort nicht vollkommen untergeht. Österreich hat als<lb/>
neutrales kleines Land gute Chancen, da wir niemals eine Kolonial<lb break="no"/>macht waren, sind wir auch in keiner Beziehung belastet. Jetzt<lb/>
kommt es nur darauf an, eine so geschickte Politik zu machen und<lb/>
<pb n="36-0592" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0592.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wirtschaftspolitisch nicht zuviel zu versprechen, was man<lb/>
dann nicht halten kann, dass wir das Wohlwollen der Afrikaner<lb/>
erhalten und vor allem behalten. Dazu ist es wahrscheinlich<lb/>
notwendig, sich um die einzelnen Minister, insbesondere wenn<lb/>
sie nach Österreich kommen, sehr zu kümmern. Auch dann, wenn<lb/>
dies bei den Gegenbesuchen dann wahrlich nicht der Fall ist.<lb/>
Welche Wirkung aber eine solche Politik hat, zeigt am deutlichsten<lb/>
der ehemalige Minister <rs type="person" ref="#per__140592">Osman</rs>. Er ist jetzt noch so beeindruckt<lb/>
von seiner Betreuung, dass er wirklich sichtbar unglücklich<lb/>
war, dass er zu meiner Betreuung nicht in Kairo war, weshalb<lb/>
er sogar dann zum Flughafen als einziger Minister kam.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-16_26"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="36_0582_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0582-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 16.5.1977</head>
         </div>
         <pb n="36_0582_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-16_0582-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__134311">
               <persName type="label">Zaininger, Franz</persName>
               <persName><surname>Zaininger</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Dir. WTK, Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__130457">
               <persName type="label">Riegler, A</persName>
               <persName><surname>Riegler</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Sekr. Nahrungs-/Genussmittelind.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97357">
               <persName type="label">Blümel, Kurt</persName>
               <persName><surname>Blümel</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>LUGA-Zentralsekretär</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97819">
               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__117666">
               <persName type="label">Möller, Alex</persName>
               <persName><surname>Möller</surname><forename>Alex</forename></persName>
               <occupation>Bundesfinanzminister, BRD, SPD</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97686">
               <persName type="label">Lanner, Sixtus</persName>
               <persName><surname>Lanner</surname><forename>Sixtus</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/120934426</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97938">
               <persName type="label">Seidl, Rudolf Hans</persName>
               <persName><surname>Seidl</surname><forename>Rudolf Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114655">
               <persName type="label">Harmer, Robert</persName>
               <persName><surname>Harmer</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>Präs. Fachverb. Nahrungs- u. Genussmittelindustrie</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112149">
               <persName type="label">Gorton, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Gorton</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112982">
               <persName type="label">Sultan, Ahmed</persName>
               <persName><surname>Sultan</surname><forename>Ahmed</forename></persName>
               <occupation>ägypt. stv. Ministerpräs., Energieminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__112568">
               <persName type="label">As-Sadat, Anwar</persName>
               <persName><surname>As-Sadat</surname><forename>Anwar</forename></persName>
               <occupation>Staatspräsident Ägypten</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__137234">
               <persName type="label">Komárek, Karel</persName>
               <persName><surname>Komárek</surname><forename>Karel</forename></persName>
               <occupation>Gesandter, später Botschafter der CSSR</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114481">
               <persName type="label">Sayeh, Abdul Hamid Al</persName>
               <persName><surname>Sayeh</surname><forename>Abdul Hamid Al</forename></persName>
               <occupation>Wirtschaftsmin. Ägypten</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97426">
               <persName type="label">Fälbl, Maximilian</persName>
               <persName><surname>Fälbl</surname><forename>Maximilian</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97468">
               <persName type="label">Gatscha, Otto</persName>
               <persName><surname>Gatscha</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98072">
               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97983">
               <persName type="label">Stanek, Leo</persName>
               <persName><surname>Stanek</surname><forename>Leo</forename></persName>
               <occupation>Waagner-Biro, Wiener Brückenbau- und Eisenkonstruktions AG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114472">
               <persName type="label">Giglinger, Karl</persName>
               <persName><surname>Giglinger</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Referent Schuhbranche HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__127028">
               <persName type="label">Martinek, Oswin</persName>
               <persName><surname>Martinek</surname><forename>Oswin</forename></persName>
               <occupation>SC Sozialministerium</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__134249">
               <persName type="label">Heger, B</persName>
               <persName><surname>Heger</surname><forename>B</forename></persName>
               <occupation>Dir. Wolfsegg-Traunthaler Kohlenwerks AG; Falschschreibung?</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114726">
               <persName type="label">Barcák, Andrej</persName>
               <persName><surname>Barcák</surname><forename>Andrej</forename></persName>
               <occupation>CSSR-Außenhandelsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108322">
               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
               <persName><surname>Meisl</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97453">
               <persName type="label">Fremuth, Walter</persName>
               <persName><surname>Fremuth</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/115563237</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97493">
               <persName type="label">Gröger, Adolf</persName>
               <persName><surname>Gröger</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97746">
               <persName type="label">Mintoff, Dominic</persName>
               <persName><surname>Mintoff</surname><forename>Dominic</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/129585289</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__113084">
               <persName type="label">Büttner, Hans</persName>
               <persName><surname>Büttner</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Dir. Unilever</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__113097">
               <persName type="label">Gerbitz, A</persName>
               <persName><surname>Gerbitz</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Arbeitgebervertreter</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111748">
               <persName type="label">Oswald, A</persName>
               <persName><surname>Oswald</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Vorsitzender Schuhindustrie</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>