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            <title type="main">Montag, der  9. Mai 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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seinen Ausbauplan bezüglich der neuen Open-End-Spinnmaschine<lb/>
DREF. Für die nächste Stufe benötigt er nur einen höheren<lb/>
Exportkredit, derzeit hat er bei der österr. Kontrollbank<lb/>
30 Mill. Dr. <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> von der Österr. Kontrollbank hat ihm<lb/>
zugesagt, dass er sich einsetzen wird, den zu verdoppeln. Wenn<lb/>
man bedenkt, dass dieser Mann 300 Patente, Dutzende Maschinen<lb/>
nach seinen Plänen gebaut hat und kauft noch niemals vom Staat<lb/>
eine Subvention bekommen hat, auch nichts vom gewerblichen För<lb break="no"/>derungsfonds, so ist er zweifelsohne eine Ausnahme in Österreich.<lb/>
Er braucht nur diesen Kredit sehr bald, denn allein im April<lb/>
hat er 50 Mill. S Einkäufe tätigen müssen, um Maschine zu assemblie<lb break="no"/>ren. Bis jetzt bezieht er alle Bestandteile von österreichischen<lb/>
Lieferanten, die nach seinen Plänen die entsprechenden Teile her<lb break="no"/>stellen. Um eine grössere Produktion bewältigen zu können, wird<lb/>
er den Stahlbau aufgeben und sich in Hinkunft ausschliesslich nur<lb/>
mit Textilmaschinen insbesondere seiner Open-End-Maschine beschäftigen.<lb/>
Im Endausbau aber wird er so gross sein, dass er Milliardenumsätze<lb/>
machen wird und dafür dann entweder ins Ausland mit der Produktion<lb/>
geht oder wie ich ihm selbstverständlich sofort zuredete mit einer<lb/>
grossen österreichischen Maschinenfabrik diese Produktion bewerk<lb break="no"/>stelligen wird. Er selbst hat bereits Kontakt mit den General<lb break="no"/>direktoren aller österreichischen grossen Firmen aufgenommen. Wenn<lb/>
diese Maschine einschlägt und ich zweifle nicht daran, denn die<lb/>
bisherigen konnte er anstandslos verkaufen, wird sein Ausbauplan<lb/>
und insbesondere die Einschaltung der österreichischen grossen<lb/>
Maschinenfabriken besser sein, als das Sulfatzellstoffprojekt<lb/>
oder Austro-Porsche. Hier handelt es sich um eine neue Technologie<lb/>
die Maschine die zu einer zehnfachen Leistung Streichgarnverfahren,<lb/>
herkömmlich 30 m pro Minute, System DREF 100 bis 280 Meter pro<lb/>
Minute erzielt, ist bereits im Export absetzbar, obwohl sie<lb/>
sehr teuer ist.Ringspindel herkömmlicher Art 500 bis 600 S<lb/>
Open-End 2.000 bis 6000 S, DREF 10.000 bis 12.000 S pro Einheit.<lb/>
Die erste Taktstrasse ist bereits fertig und wird eine monatliche<lb/>
Produktionsziffer von 150 Spinneinheiten ergeben. Die Stufe 2<lb/>
wird eine Verdoppelung der Assemblierungskapazitäten vorsehen.<lb/>
Stufe 3 wird dann 720 Einheiten fassen und mit diesen Maschinen<lb/>
wird man nicht nur Deko- sondern auch Freizeittextilien, Blue Jeans<lb/>
usw. Spinngarne herstellen können. Dann wird er in Feinheiten<lb/>
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aus dem Feld schlagen. Dies wird dann Milliardenumsätze bedeuten<lb/>
und kann nur mit anderen Maschinenfabriken VÖEST, Andritz, Voith<lb/>
usw. bewältigt werden. <rs type="person" ref="#per__120383">Fehrer</rs> selbst war <choice><choice><sic>schüssiger</sic><corr>Physiker?</corr></choice></choice> und Ingenieur,<lb/>
seine erste Maschine, die er erfand, war eine Spinn- und Krausma<lb break="no"/>schine für Matratzenherstellung. Seine Familie wollte ihn dafür<lb/>
bezahlen. Er zerstritt sich mit ihr, hat 1953 mit 100.000 S ange<lb break="no"/>fangen, bei dieser Maschine allein 60 - 80 Mill. S Umsatz gemacht<lb/>
und insgesamt bis jetzt 240 Mill. S investiert. In meinen Augen<lb/>
ist er zweifelsohne das Unternehmergenie, der immer erklärt,<lb/>
er hat ja müssen nur Unternehmer werden, weil er sonst von anderen<lb/>
Unternehmern wäre ausgebeutet worden. Interessant ist es mir<lb/>
auch diesmal nicht geglückt, ihn zu veranlassen, mit österr.<lb/>
Textilfabriken Kontakt aufzunehmen, damit er eventuell auch<lb/>
ihnen seine Maschinen anbietet, verkauft womöglich noch<lb/>
gemeinsame Erfahrungen aus deren Produktionsergebnissen sammeln<lb/>
könnte. Er will weder politisch mit der Handelskammer, Industriel<lb break="no"/>lenvereinigung oder sonst jemandem etwas zu tun haben, noch<lb/>
was mich am meisten verwundert wirtschaftlich. Irgendwer muss<lb/>
ihn einmal gröblichst beleidigt oder enttäuscht haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_04">Beim Journalistenfrühstück berichtete <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> über die Kooperation<lb/>
Gemischte Kommission in Belgrad und <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> über den Besuch<lb/>
des Handelsministers <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> aus Grossbritannien. Wichtig erschien<lb/>
mir besonders, dass wir versuchten, dem Engländer klarzumachen,<lb/>
dass das Antidumpingverfahren gegen die österr. Stahlindustrie<lb/>
gewissenhaftest durchgeführt werden muss, was <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> versprach.<lb/>
Weiters bemühen wir uns die Papierexportkontingente nach England<lb/>
zu erhöhen und <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> klarzumachen, dass sich das EFTA-Gipfel<lb break="no"/>gespräch nicht gegen die EG richtet sondern der Verdichtung der<lb/>
europäischen Integration dienen soll. Dies wurde auch gegenüber<lb/>
der österr. Presse besonders herausgestrichen. Ausnahmsweise pole<lb break="no"/>misierte ich dann gegen die Behauptung der Präsidentenkonferenz<lb/>
der Landwirtschaftskammern, dass wir den Holzexport mutwillig<lb/>
ruinieren wollen. Zu diesem Zweck hatte ich vom Holzwirtschaftsrat<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__115697">Sedelmaier</rs> und seinen Exportbüroleiter Ing. <rs type="person" ref="#per__146624">Kurzweil</rs> eingeladen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116119">Walz</rs> von der&gt; <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>-Sektion berichtete über die Fakten. Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> war vorige Woche krank, weshalb <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> entschied, dass <rs type="person" ref="#per__116119">Walz</rs><lb/>
referieren sollte, der ja auch die Arbeit geleistet hat. Anschliessend<lb/>
habe ich dann von <rs type="person" ref="#per__115697">Sedelmaier</rs> und <rs type="person" ref="#per__146624">Kurzweil</rs> in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
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Handelsminister-Vertreter funktionierte. Das Handelsministerium<lb/>
beauftragt nämlich den Holzwirtschaftsrat den entsprechenden Export<lb/>
abzuwickeln und genehmigt vor allem einmal die vom Holzwirtschaftsrat<lb/>
vorgeschlagenen Kontingente. Entgegen der Behauptung von der Präsiden<lb break="no"/>tenkonferenz haben wir selbstverständlich nicht gegen den Holzwirt<lb break="no"/>schaftsrat entschieden sondern die 700.000 fm wurden bis jetzt immer<lb/>
in zwei Etappen freigegeben. Das darin enthaltene Subsägerundholz.<lb/>
kontingent mit 180.000 fm soll nun auf Vorschlag des Holzwirtschaftsra<lb break="no"/>tes auf 230.000 erhöht werden und darüber wird noch verhandelt.<lb/>
Die AK hat grösste Bedenken. Entstanden ist dieser Streit aber dadurch<lb/>
worden, dass <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs>, wie sich <rs type="person" ref="#per__115697">Sedelmaier</rs> bei mir beschwerte, ohne<lb/>
den Namen <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> zu nennen, überhaupt keine Entscheidungen trifft, oder<lb/>
verspätet nur entscheidet, weshalb das Büro des Holzwirtschaftsrates<lb/>
auf eigene Kappe, ohne Rückendeckung agieren muss. Durch den An<lb break="no"/>griff der Präsidentenkonferenz sind wir auf einen Zustand in unserem<lb/>
Haus aufmerksam geworden, der sofort geändert werden muss. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
wird deshalb die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Eine Aussprache<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und mir ergab, dass es zweckmässig ist, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127098">Simoncsics</rs> wieder diese Funktion übernimmt und die Durchführung<lb/>
bei der Abteilung Dr. <rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs> am Rochusplatz erfolgt. Dadurch kann<lb/>
auch die Arbeiterkammer stärker eingeschaltet werden. Ich kündigte<lb/>
bereits in der Pressekonferenz an, dass wenn ich schon angegriffen<lb/>
werde und dies insbesondere meiner Meinung nach grundlos geschehen<lb/>
ist, dann werde ich Konsequenzen daraus ziehen. De beste wäre und dies<lb/>
empfahl ich <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, die Arbeiterkammer jetzt im Holzwirtschaftsrat<lb/>
einzubauen. Da der Holzwirtschaftsrat auf mein Mitwirken angewiesen<lb/>
ist, haben wir jetzt eine verhältnismässig gute Ausgangsposition<lb/>
für diese Verhandlungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte unverzüglich die Besprechungen<lb/>
aufnehmen.<lb/>
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von der Verbund Korneuburg Dampfkraftwerkegesellschaft drängen mit<lb/>
Recht, dass in der Korneuburger Organisation eine Änderung erfolgt.<lb/>
Im dortigen Betriebsausschuss sind Prokurist <rs type="person" ref="#per__115083">Moraw</rs>, ein Techniker<lb/>
und Genosse. <choice><choice><sic>l er</sic><corr>?</corr></choice></choice> Kaufmann ist <rs type="person" ref="#per__146627">Leidolf</rs>, ein aktiver ÖVP-ler. <rs type="person" ref="#per__146628">Prohaska</rs>,<lb/>
der Betriebsleiter und <rs type="person" ref="#per__146629">Trübler</rs>, sein Stellvertreter, kommen aus NÖ.<lb/>
Dazu kommen noch zwei Vertreter der NEWAG, selbstverständlich alle<lb/>
Niederösterreicher, ja selbst <rs type="person" ref="#per__146628">Prohaska</rs> von der Verbund, keine Genossen.<lb/>
In dem Betriebsausschuss steht es also 5 : 1 und dort werden alle<lb/>
selbst die kleinsten Entscheidungen getroffen. Die beiden Geschäfts<lb break="no"/><pb n="36-0547" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-09_0547.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>führer <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> von der Verbund sind pari und <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs><lb/>
möchte nicht einmal die Dirimierung um nicht dann gegen die Ent<lb break="no"/>schlüsse des Betriebsausschusses Stellung nehmen zu müssen. Die<lb/>
beiden Betriebsobmänner glaubten, es wäre eine Lösung, wenn man<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146628">Prohaska</rs> einen Stellvertreter nämlich <rs type="person" ref="#per__146630">Kienast</rs> jetzt schon beigibt<lb/>
damit wenn <rs type="person" ref="#per__146628">Prohaska</rs> in Pension geht, dann dort ein zweiter Genosse<lb/>
wenigstens installiert ist. Diese Vorgangsweise halte ich nicht für<lb/>
zweckmässig. Meiner Meinung nach, sagte ich ganz deutlich den beiden,<lb/>
müssten wir eine Reorganisation der Korneuburger Kraftwerksorganisa<lb break="no"/>tion herbeiführen. Die beiden Geschäftsführer der Verbund haben<lb/>
dort meiner Meinung nach gar nichts mehr verloren, der Bau ist<lb/>
vollendet und für den Betrieb sind sie nicht mehr notwendig. Ähnlich<lb/>
wie bei der Enns müsste jetzt eine entsprechende umfassende Reorgani<lb break="no"/>sation eingeleitet werden. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>, der dann zu dieser Sitzung ebenfalls<lb/>
kam, teilte meine Meinung und wird mit <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und den Betriebs<lb break="no"/>räten dieses Problem besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sofort informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_08">Firmenvertreter und Patentanwaltsvertreter ersuchte mich um eine<lb/>
Verbesserung des Services des Patentamtes für die Wirtschaft. Präs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> schilderte ihnen die Situation, dass er von 260 Beschäftigten<lb/>
130 Techniker, 20 Juristen und die Bibliothek mit einem A-Mann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146631">Massino</rs>, einem B-Mann und zwei C-Leuten und als Saalaufsicht, weitere<lb/>
zwei C-Leute nur hat und keine zusätzlichen Arbeitskräfte zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen kann. Ich bestätigte sofort, dass wir 1 % einsparen<lb/>
müssen pro Jahr und nicht zusätzliche Dienstposten schaffen können.<lb/>
Wir einigten uns aber dann sofort, dass es möglich sein müsste, einige<lb/>
technische Änderungen herbeizuführen, wie z.B. für 1 Mill. S Regale<lb/>
heuer, nächstes Jahr für 1 Mill. S Lesegeräte, Ablagen nach Systemen,<lb/>
die für die Wirtschaft besser brauchbar sind als die bisherigen.<lb/>
Anstelle Skripten von Patentschriften nur entsprechend zweckmässiges<lb/>
modernes Picken usw. Die Besprechung war sehr erfolgreich, denn mit<lb/>
einigen Änderungen können wir die Wünsche der Vorsprechenden erfüllen.<lb/>
Da sie auch eine Dokumentation der japanischen Patentschriften wünschen,<lb/>
schlug ich ihnen vor, sie sollten, weil sie in den einzelnen Betrieben<lb/>
wie z.B. Eumig einen Mann haben, der alle diese japanischen Patent<lb break="no"/>schriften verfolgt, eine Arbeitsgemeinschaft gründen und wir sind<lb/>
bereit, ihnen dann alle Unterlagen zur Verfügung zustellen. Bei dem<lb/>
Unterausschuss im Parlament über der Patentgesetz und das Marken<lb break="no"/>gesetz wird es einige Wünsche geben, die wir auch gleich durchbesprachen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_09">Wirklich begründet ist nur, dass die Prioritätsbelege für die<lb/>
Einreichung gebührenfrei sein sollten. Jetzt muss 35.- S auf Grund<lb/>
des Stempelgebührengesetzes und 20.- S auf Grund des Patentgesetzes<lb/>
durch die Erhöhung von 50 auf 100 % bezahlt werden. Da die Patent<lb break="no"/>urkunden jetzt bereits gebührenfrei sind, genüge es, wenn wir<lb/>
dort in dem Gesetz die Prioritätsbelege einfügten. Da 85 % aus<lb break="no"/>ländische Patentanmeldungen sind, die auf alle Fälle keinen Prio<lb break="no"/>ritätsbeleg brauchen, weil sie eben im Ausland bereits die Prio<lb break="no"/>rität haben, träfe diese Gebührenerhöhung wirklich nur die 15 %<lb/>
inländischen Patente, die angemeldet werden. Das Finanzministerium<lb/>
hat bis jetzt kategorisch abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> wird neuerdings mit<lb/>
dem Finanzministerium Gespräche aufnehmen. Die anderen Wünsche<lb/>
haben alle anderen eingesehen, können beim besten Willen nicht<lb/>
erfüllt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte setz Dich mit dem Büro des Finanzministers<lb/>
in dieser Frage zusammen, um eine Lösung zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_11">Der neue jug. Botschafter <rs type="person" ref="#per__118661">Pribicevic</rs> erzählte mir, dass er mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs>, den er scheinbar sehr gut kennt, den italienisch-jug.<lb/>
Vertrag wegen der Zone AB ausgehandelt hat. Ich hatte immer angenommen,<lb/>
dass diese neue Regelung, die eine Industriezone im Triester-Koper-<lb/>
Raum vorsieht auf jug. Initiative zurückgeht. Genau das Gegenteil<lb/>
ist der Fall. Die Italienische Zentralregierung hat erkannt, dass<lb/>
Triest keinen Hinterraum hat und glaubte mit einer gemeinsamen<lb/>
Industrie-Handelszone die Wirtschaftskraft des Triester Hafens zu<lb/>
stärken. Die Triestiner wünschen dies aber nicht und sind dagegen<lb/>
und protestieren bei jeder Gelegenheit mit dem Ruf "Zurück nach<lb/>
Österreich". Nur so nebenbei kam der neue jug. Botschafter auch auf<lb/>
die Minoritätenfrage der Slowenen in Österreich zu sprechen. Er<lb/>
teilt meine Meinung, dass was immer auf dem politischen Gebiet<lb/>
geschieht oder nicht geschieht, die Wirtschaftsbeziehungen nicht<lb/>
beeinflussen soll. In dieser Beziehung wird er die Tätigkeit<lb/>
seines Amtsvorgängers fortsetzen. Ich hoffe, dass dies auch die<lb/>
Meinung des Aussenhandelsministers <rs type="person" ref="#per__114527">Ludviger</rs> sowie des Integrations<lb break="no"/>ministers <rs type="person" ref="#per__145297">Smole</rs> und das weiss ich ganz genau auch von <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114527">Ludviger</rs> hat mich neuerdings eingeladen und ich werde wahrschein<lb break="no"/>lich im September schon allein um die besseren Beziehungen zu Jug.<lb/>
zu dokumentieren nach Belgrad fahren.<lb/>
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Albaniens verbinden und mit <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> besprechen.<lb/>
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mit internationalen Organisationen oder mit Vertretern von Multis<lb/>
und Staatsrepräsentanten gehabt. Übereinstimmend stellte man<lb/>
fest, dass sich die Multis in gewissen Ländern zurückziehen,<lb/>
Österreich aber sicherlich nicht dazu gehört. Noch überein<lb break="no"/>stimmender aber wurde festgehalten, dass in den Achtziger<lb break="no"/>jahren u. zw. Anfang der Achtzigerjahre bereits eine Energie<lb break="no"/>lücke kommen muss. Saudi Arabien hat seine Ölproduktion von<lb/>
7 Mill. auf 9,7 Mill. Barrel pro Tag erhöht, in den Achtziger<lb break="no"/>jahren wären aber 23 Mill. Barrel notwendig, die Saudi Arabien<lb/>
nicht produzieren kann. Selbst die SU wird zu diesem Zeitpunkt<lb/>
bereits Ölimporte von 1,6 Mill. t benötigen. Kohle kann diesen<lb/>
Energieanstieg und Bedarf nicht befriedigen, ja selbst die<lb/>
Kernenergie wird nicht ausreichen. Unter diesen Gesichtspunkten,<lb/>
die CIA hat <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs> einen diesbezüglichen Bericht gemacht, ist<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__109804">Carter</rs>-Message zu verstehen. Alle reden vom Sparen, niemand<lb/>
weiss, wie man es machen soll. Wenn die wirtschaftliche Ent<lb break="no"/>wicklung sich nicht verschlechtert, sondern der jetzige Kon<lb break="no"/>junkturzuwachs bleibt, dann muss es Anfang der Achtzigerjahre<lb/>
zum katastrophalen Zusammenbruch der Energieversorgung kommen.<lb/>
Interessant ist, dass niemand eine Lösung aus diesem Dilemma weiss.<lb/>
Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> vereinbart, dass wir unmittelbar nach Vorlage<lb/>
des Energiesparbeirats-Berichtes sofort eine grossangelegte<lb/>
Kampagne starten werden, die die ÖMV finanzieren wird. Ähnliche<lb/>
Kampagnen möchte ich dann mit den Elektrizitätsunternehmungen<lb/>
starten. Niemand soll und darf sagen, dass wir nicht zeitgerecht<lb/>
zumindestens den Weg gewiesen haben, der beschritten werden müsste.<lb/>
Ob er gegangen wird, bezweifle ich. Niemand glaubt nämlich ernst<lb break="no"/>lich an die Gefahr und manche begeistern sich jetzt darin, dass<lb/>
man eben die Atomkraftwerke ablehnt, sagt alles soll später<lb/>
entschieden werden. Wenn die Energiekrise da sein wird, ist<lb/>
es zu spät. Ich werde mich daher konsequent um die Fortsetzung<lb/>
meiner Politik bemühen. Wenn die Energie nämlich nicht zur Verfügung<lb/>
steht, werde ausschliesslich dann ich schuld sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_14">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97873">Rieger</rs><lb/>
von der ÖNB eingeladen, damit sie über die Zahlungsbilanz einen<lb/>
Bericht geben. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> erklärte, dass die Spekulationswelle ge<lb break="no"/>brochen ist, aber 3,3 Mia. S Devisen letzte Woche abgeflossen sind.<lb/>
Der normale Abgang hätte eine halbe Milliarde sein dürfen.<lb/>
Diesen Montag ist nur mehr 9 Mill. $ abgegangen, so dass jetzt eine<lb/>
Ruhe eintreten wird. Ausgelöst werden solche Spekulationen<lb/>
<pb n="36-0550" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-09_0550.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch irgendwelche Bemerkungen wie <rs type="person" ref="#per__97479">Graber</rs>-Artikel, bezugnehmend<lb/>
auf die Äusserungen des International Monetary Fund oder den<lb/>
Vortrag des stv. Leiters der OECD bei der Länderbank. Natürlich<lb/>
steht dieser Behauptung, dass es um die österr. Zahlungsbilanz<lb/>
schlecht bestellt ist faktisch das Handelsbilanzdefizit des<lb/>
vergangenen Jahres von 55 Mia. und auch das Zahlungsbilanz<lb break="no"/>defizit im Hintergrund. Ansonsten würden nämlich solche Äusserungen<lb/>
ohne Reaktion bleiben. Im ersten Quartal 1977 hat sich das<lb/>
Zahlungsbilanzdefizit gegenüber dem Vorjahr von 3,3 Mia. auf 9,9 Mia.<lb/>
d.h. verdreifacht. Das Handelsbilanzdefizit von 3,6 Mia. sogar<lb/>
auf 13,6 Mia. im ersten Quartal 1977 gestiegen. Das Dienstleistungs<lb break="no"/>bilanzdefizit von 6,4 Mia. auf 7,4 Mia. Die Reiseeinnahmen waren<lb/>
höher netto um 16,6 %, weshalb sich hier der Saldo wesentlich<lb/>
verbesserte. Im Vergleich zur Handelsbilanz ja zur Zahlungsbilanz.<lb/>
Ein wirkliches Problem ist, dass <choice><choice><sic>1956</sic><corr>1976?</corr></choice></choice> die Kreditinstitute kurzfristig<lb/>
100 Mia. Dollar aufgenommen haben, 60 Mia. davon wieder kurzfristig<lb/>
veranlagt, aber 40 Mia. langfristig veranlagt haben. Das bedeutet,<lb/>
dass jederzeit bei Rückfluss des Dollars nach USA die kurzfristige<lb/>
Veranlagung fällig werden könnte, von den Kreditinstituten aber<lb/>
langfristig gebunden ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war über diese Mitteilung sehr<lb/>
beunruhigt und meinte, in den Dreissigerjahren hätte es auch eine<lb/>
Kettentraktion ausgelöst dann durch die Creditanstalt gegeben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> beruhigte insoferne, als er mit Recht darauf hinwies,<lb/>
dass wir ja jetzt über den Währungsfonds, über Sonderziehungsrechte<lb/>
gewisse Möglichkeiten hätten. Was er aber in einem solchen Fall<lb/>
befürchtet ist, dass dieser Fonds dann beweisen würde, dass er<lb/>
etnsprechende Auflagen Österreichs bei Kreditzusagen erteilen würde,<lb/>
die er jetzt auch gerne machen möchte aber den Schuldnern die<lb/>
jetzt zu ihm kommen nicht getraut sich aufzuerlegen. Bei Österreich<lb/>
wäre zu befürchten, dass sie dieses kleine Land mit Exempel-Massnahmen<lb/>
"auszeichnen" würden. Banken machen mit den Veranlagungen ihr Ge<lb break="no"/>schäft, auch bei der derzeitigen Refinanzierung, die die ÖNB<lb/>
jetzt einbremsen möchte. Für die Refinanzierung zahlen sie 4,5 %<lb/>
Zinsen, während sie eben mit 7 % anlegen können. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte des<lb break="no"/>halb eine Anhebung des Diskontsatzes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_15">Um die 300.000 Kleingehalts- und Einkommensempfänger in der Familien<lb break="no"/>politik zu helfen, soll der Kinderabsetzbetrag von der Steuer<lb/>
entfallen und dafür die Kinderbeihilfe verdoppelt werden. Dies<lb/>
würde eine Vereinfachung der Lohnverrechnung bringen, Personal<lb/>
einsparen und sehr sozial gerecht sein, weil die höher Einkommens<lb break="no"/><pb n="36-0551" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-09_0551.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>trächtigen beim Kinderabsetzbetrag natürlich mehr profitieren<lb/>
als die kleineren Einkommen und vor allem einmal die 300.000<lb/>
die überhaupt keine Absetzbeträge lukrieren können. Für die<lb/>
höheren Einkommensbezieher ergibt sich dadurch aber natür<lb break="no"/>lich Steuerbelastung. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> äusserte insoferne Bedenken, als<lb/>
bei den 300.000 wieder der grösste Teil Bauern sind, die gar<lb/>
nicht so schlecht dastehen auf Grund unserer Steuergesetze aber<lb/>
keine Steuern zu bezahlen haben. Ich bin allerdings davon<lb/>
überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sich mit dieser Idee durchsetzen wird,<lb/>
weil auch die soz. Frauen immer eine gewisse ausgleichende Mass<lb break="no"/>nahme für die Familien verlangt haben. <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> teilte mit,<lb/>
dass die Pensionsanpassung 6,9 % betragen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
das ist höher als sie bei dem öffentlichen Dienst jetzt als Ausgangs<lb break="no"/>basis der Lohnverhandlungen vorgeschlagen haben. Die Gewerkschaften<lb/>
verlangen 9,75 % mindestens 600.- S, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bot 6,5 % mindestens<lb/>
500.- S. Wären dies normale Gewerkschaftsverhandlungen, würde ich<lb/>
sagen, da kann man sicherlich sehr bald eine entsprechende Lösung<lb/>
finden. Bei den Verhandlungen mit dem Bund wird es nur deshalb<lb/>
sehr schwer werden, weil die Budgetsituation sehr triste ist und jedes<lb/>
Prozent gleich Dutzende Millionen kostet. Das wirkliche Problem bei<lb/>
dem öffentlichen Dienst liegt aber darin, dass im Jahresschnitt<lb/>
sich dann die Lohn- und Gehaltssumme nicht selbst wenn man den<lb/>
Wünschender öffentlich Bediensteten Rechnung trägt und mit 9 % z.B.<lb/>
abschliesst, nicht um 9 % die Lohn- und Gehaltssumme steigt, sondern<lb/>
um ein Beträchtliches mehr. Durch die automatischen Vorrückungen<lb/>
noch viel mehr aber durch ständige Nebenleistungen wird das Budget<lb/>
personalmässig viel stärker belastet als die reine Lohn- und Gehalts<lb break="no"/>erhöhung ausmacht. Ich bin sehr gespannt, wie diese schweren<lb/>
Verhandlungen enden werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_16">Minister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> hat einen Ministerratsvortrag über die Verhandlungs<lb break="no"/>delegation mit Spanien zwecks EFTA-Beitritt resp. bilaterale Ver<lb break="no"/>handlungen eingebracht. Vorher sagte er mir noch in seinem Haus<lb/>
wünscht man, dass das Aussenministerium die Federführung hat, er ist<lb/>
aber der Meinung, dass das Handelsministerium diese Verhandlungen<lb/>
auf Grund des Kompetenzgesetzes auch begründet zu führen hätte.<lb/>
Der Ministerratsvortrag sieht allerdings vor, dass das Aussenmini<lb break="no"/>sterium diese Verhandlungen führen würde und ist angeblich im<lb/>
Einvernehmen mit Finanzen, <choice><choice><sic>LuF</sic><corr>Land- und Forstwirtschaft?</corr></choice></choice> und Handel erstellt worden. Ich er<lb break="no"/>suchte ihn, die ganze Angelegenheit eine Woche zurückzustellen,<lb/>
damit ich im Hause dieses Problem klären kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-09_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte wieso kam es zu diesem<lb/>
Ministerratsvortrag?<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Holzwirtschaftsrat; evtl. Falschschreibung</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>