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            <title type="main">Donnerstag, der  5. Mai 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_01">Donnerstag, 5. Mai 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_02">Der ungarische Handelsrat <rs type="person" ref="#per__110925">Mádai</rs> berichtete mir im Auftrag seines<lb/>
Ministers <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs>, den ich wegen der VÖEST-Alpine-Lieferung der<lb/>
Stahlhütte für Miskolc interveniert hatte, dass dieser Auftrag<lb/>
an die Deutschen vergeben wird. Die VÖEST hat die Anlage um<lb/>
fast 47 Mill. $ offeriert, dann 27,5 % Preisnachlass, ca.<lb/>
13 Mio. $ gewährt. Die VÖEST hätte diesen Auftrag mit Gross<lb break="no"/>britannien und ASEA gemeinsam abgewickelt. Erst im letzten<lb/>
Moment entschloss sich dann VÖEST als Generalunternehmer auf<lb break="no"/>zutreten. Die Deutschen sind aber noch immer jetzt um 5 Mio. $<lb/>
billiger. Auch das zweite Projekt über Dunai Vasmü wird von<lb/>
Nikeks an die Sowjetunion vergeben werden. Hier handelt es sich<lb/>
um eine Warmband- und Besäumungsanlage von der VÖEST. Ich habe<lb/>
sofort mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs>, den ich bei der Hundertjahrfeier<lb/>
Statistik des Aussenhandels getroffen habe, über diese Projekte<lb/>
gesprochen. Er war sehr erschüttert, denn nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97644">Kollers</rs><lb/>
wurde noch gar nicht endgültige Verhandlungen geführt. Ich<lb/>
kritisierte, dass man nicht gleich als Generalvertreter aufge<lb break="no"/>treten ist, und dass vor allem einmal ein so hoher Preis zuerst<lb/>
verlangt wurde, den nach dann doch, um überhaupt in die Ver<lb break="no"/>handlungen einbezogen zu werden, entsprechend reduzieren musste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_03">Ich informierte Handelsrat <rs type="person" ref="#per__110925">Mádai</rs>, dass ich einen Brief an<lb/>
den Schwerindustrieminster <rs type="person" ref="#per__146612">Simon</rs> geschrieben habe, um das Projekt Kohle<lb break="no"/>abbau an der bgld.-ungarischen Grenze mit gemeinsamem Elektrizitäts<lb break="no"/>unternehmen vorangetrieben wird. Ein diesbezügliches Schreiben<lb/>
hat Dir. <rs type="person" ref="#per__116926">Entzmann</rs> von SGP von mir gewünscht. Weiters ersuchte<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__110925">Mádai</rs> neuerdings mit der Papierindustrie ÖPA Gespräche zu<lb/>
führen, um zu einer freiwilligen Vereinbarung über Papier resp.<lb/>
Zellulose-Lieferungen zu kommen Mit der CSSR ist es geglückt,<lb/>
ein solche Arrangement zustande zu bringen. Ungarn wehrt sich<lb/>
bis jetzt überhaupt nur über eine Einschränkung konkret zu<lb/>
verhandeln. <rs type="person" ref="#per__110925">Mádai</rs> wird mich genau informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Dr. <rs type="person" ref="#per__111754">Steurer</rs>, ÖPA verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_05">Die Preisbehördentagung ist diesmal in Wien und obwohl es im<lb/>
Programm gar nicht vorgesehen war, habe ich selbstverständlich<lb/>
dort die Begrüssungsansprache gehalten. Traditionsgemäss beschäftigt<lb/>
<pb n="36-0528" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-05_0528.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sich diese Tagung seit Jahrzehnten, seitdem ich sie kenne,<lb/>
immer mit Dutzenden von kleinen Details, die sicherlich alle<lb/>
sehr notwendig sind, den Kern der Sache aber niemals ernstlich<lb/>
berühren. Während meiner Anwesenheit ergab sich dann eine<lb/>
Diskussion über das Schwerpunktprogramm der Preiserhebungen.<lb/>
Bis jetzt war es so, dass die unzulänglich besetzen Preis<lb break="no"/>behörden in den Ländern und vor allem in den Bezirkshaupt<lb break="no"/>mannschaften gelegentlich Preiserhebungen ganz unsystematisch<lb/>
und über alle Produkte oft verstreut, machten. Erstmalig wurde<lb/>
jetzt für die Dienstleistungen – KFZ-Mechaniker, Elektriker,<lb/>
Installateure usw. – eine Schwerpunkterhebung durchgeführt. Das<lb/>
Ergebnis hat, weil es sehr gestreut in den Ländern und Branchen<lb/>
die verschiedensten Preise gezeigt hat, bis zu 100 Prozenten<lb/>
oft Preisdifferenzen, in der Öffentlichkeit grossen Unwillen<lb/>
ausgelöst. Auch die Preisbehördenleiter der einzelnen Länder<lb/>
waren über die Publizität nicht glücklich. Da wurde vorge<lb break="no"/>schlagen, man sollte von einer Veröffentlichung überhaupt Ab<lb break="no"/>stand nehmen. Mein Gegenargument war, es wird doch zumindestens<lb/>
Bruchstücke in die Presse durchsickern, dann wäre es noch viel<lb/>
schlimmer als man sagt sofort, wie die einzelnen Preise und Länder<lb/>
liegen. Grundlage für diese Erhebung war die Verordnung, dass<lb/>
Dienstleistungen jetzt auch ausgezeichnet werden müssen.<lb/>
Ein weiterer Wunsch war, wir sollten die Bundesländeraufgliederung<lb/>
unterlassen, oder man sollte die Höchstpreise, die erhoben wurden<lb/>
nicht publizieren. Der Grund dafür war, dass in einzelnen Ländern<lb/>
dann Unternehmer, die noch nicht den Höchstpreis verlangen,<lb/>
sagen, hier können sie sich am ehesten, da ja bereits andere<lb/>
so hohe Preise verlangen, diesen anpassen. Tatsache ist, dass<lb/>
in den einzelnen Bundesländern, und dies ist das Kernproblem<lb/>
ganz verschiedene Preispolitische Ziele verfolgt werden.<lb/>
Niederösterreich z.B. meint, sie hätten mit ihren 26 Bezirks<lb break="no"/>hauptmannschaften so differente Zustände ob Waldviertel oder<lb/>
Südbahnstrecke, dass eine einheitliche Politik schwer möglich<lb/>
sei. Endergebnis ist, sie machen in Wirklichkeit fast gar nichts.<lb/>
In Wien dagegen hat jetzt neuerdings vor dem Muttertag eine Preis<lb break="no"/>erhebung stattgefunden, wo Bonbonnieren bis 100 S erhoben wurden<lb/>
und wenn die Preise über 10 % differierten, wurde wegen Verletzung<lb/>
des ortsüblichen Preises die Anzeige erstattet. Ein diesbezüg<lb break="no"/>licher Hinweis, dass eben die Unternehmer, in welchem Bundesland<lb/>
sie gerade liegen, sich durch die verschiedenen preispolitischen<lb/>
Aktivitäten ungleich behandelt fühlen, hat bei Hofrat <rs type="person" ref="#per__140270">Tintner</rs><lb/>
<pb n="36-0529" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-05_0529.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von der Wiener Wirtschaftspolizei sofort die Frage an mich<lb/>
ausgelöst, sollen wir daher nichts mehr tun? Was wirklich<lb/>
nottäte, ist, ein Preisstabilisierungsgesetz, das nicht auf<lb/>
einige Produkte, wie heute die Amtliche Preisregelung beschränkt<lb/>
ist, sondern das mir die Möglichkeit geben sollte, wie eine<lb/>
Rute im Fenster bei wirklicher Preistreiberei schwerpunktmässig<lb/>
durchzugreifen. Ein solches Ermächtigungsgesetz habe ich zwar<lb/>
einige Male schon im Parlament beantragt, aber nie bekommen. Ich<lb/>
kündigte gleichzeitig an, dass nächstes Jahr die Wirtschafts<lb break="no"/>gesetze wieder ablaufen und neue Verhandlungen sicherlich mit<lb/>
Anfang nächsten Jahres zu erwarten seien.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte auf Jour fixe von Handelskammer und<lb/>
AK/ÖGB setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_07">Dir. <rs type="person" ref="#per__112998">Sokol</rs> vom Verkehrsbüro hat mir zugesichert, das der beabsich<lb break="no"/>tigte Hotelneubau in Steyr durchgeführt wird. Mit einem Konsor<lb break="no"/>tium Girozentrale, Städtische Versicherung wird nicht zuletzt<lb/>
auch für die Steyr-Werke dieses moderne Hotel dringendst notwendig.<lb/>
Die Steyr-Werke haben sich verpflichtet, ein gewisses Kontingent<lb/>
von Zimmern ständig zu belegen. Er wird mir innerhalb von 14<lb/>
Tagen einen endgültigen Bericht geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte Termin vormerken, damit ich dann den<lb/>
Steyrer Bürgermeister verständigen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_09">100 Jahre besteht der Beirat für die Statistik des Aussenhandels.<lb/>
Meine Begrüssungsansprache konnte ich auf ein dort verteiltes<lb/>
Dokument stützen, wo nämlich der damalige Handelsminister be<lb break="no"/>gründet, warum eine solche Institution geschaffen wird. Damals<lb/>
wie heute sollen sie dazu beitragen, den Vertragsverhandlungen<lb/>
im schnellsten Wege die notwendigen Ziffern zu liefern. Dazu tragen<lb/>
jetzt in Österreich hunderte von Kommerzialräten, die sich<lb/>
während dieser Beiratstätigkeit eben solche nennen dürfen, bei.<lb/>
Der Hauptgrund liegt heute darin, dass sich so viele darum reissen<lb/>
weil damit der begehrte Titel Kommerzialrat verbunden ist.<lb/>
Niemand fragt nämlich in Österreich, ob dies ein echter Kommerzialrat<lb/>
oder nur ein Kommerzialrat der Statistik des Aussenhandels ist.<lb/>
Niemand stösst sich in Österreich daran, dass wenn jemand diese<lb/>
Funktion dann nicht mehr ausübt, er selbstverständlich diesen<lb/>
Titel dann weiterführt. Niemand oder vielleicht nur wenige<lb/>
wissen, dass der Titel Kommerzialrat überhaupt nicht gesetzlich<lb/>
<pb n="36-0530" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-05_0530.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>geschützt ist und sich daher jeder diesen Titel eigentlich<lb/>
beilegen könnte. Gen.Dir. der ÖNB <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> hielt den mir<lb/>
übrigens schon dem Inhalt nach bekannten Vortrag über die Schwie<lb break="no"/>rigkeiten der Zahlungsbilanz. Seine Vorschläge, keine Steuer<lb break="no"/>senkungen, gebremste Geldmenge, die ÖNB wird 1977 weniger den<lb/>
Banken refinanzieren, Zurückhaltung in der Lohn- und Preispolitik<lb/>
unter gar keinen Umständen eine Abwertung des Schillings, die<lb/>
Industrie-Umstrukturierung, weniger nach regionalen Gesichts<lb break="no"/>punkten als nach günstigsten Standorten ausrichten, neue Industrie<lb break="no"/>produkte, wie Austro-Porsche, Geländewagen, Ölmühlen aber auch<lb/>
die Kernkraftwerke und in weiterer Folge die Sonnenenergie aus<lb break="no"/>zubauen, Kampf gegen die Industriefeindlichkeit, Kompensations<lb break="no"/>lieferungen für PKW-Importe, wie das Handelsministerium seit<lb/>
Monaten bereits anstrebt, Kompensationslieferungen auch für<lb/>
eventuelle Rüstungsmaterial-Käufe, gegen die Wegwerfökonomie<lb/>
und die Verschwendungsökonomie, waren seine Empfehlungen.<lb/>
Beifall hat er ganz besonders dann bekommen, als er meinte,<lb/>
man hätte die ausländischen Handelsketten nicht nach Österreich<lb/>
hereinkommen lassen, damit sie Märkte errichten und jetzt<lb/>
Lebensmittel importieren aus Frankreich oder Deutschland, die<lb/>
wir gar nicht bräuchten, weil wir z.B. genug österreichischen<lb/>
Käse haben und deshalb nicht unbedingt die vielen teuren Sorten<lb/>
aus Frankreich brauchen. Er meinte, er könne es sich leisten,<lb/>
da er ja nicht wiedergewählt wird, zum Unterschied von mir als<lb/>
Handelsminister, dies alles viel leichter kritisch darstellen<lb/>
kann. Das wirkliche Problem ist aber ganz ein anderes, selbst<lb/>
wenn ich wollte, habe ich keine wie immer geartete Möglichkeit<lb/>
die Importe zu unterbinden, da wir uns international, sei<lb/>
es im EFTA-Vertrag aber auch mit der EWG entsprechende Verein<lb break="no"/>barungen haben. Die einzige Möglichkeit ist, auf <choice><choice><sic>administrativem</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
Weg und hier werden wir ja sicherlich diesbezügliche Überlegungen<lb/>
anstellen müssen. Das Handelsbilanzdefizit von 55 Mia. S im<lb/>
vergangenen Jahr war nämlich, wie er richtig sagte, keine<lb/>
Ausnahme, da bis jetzt dieselbe Entwicklung auch 1977 festzu<lb break="no"/>stellen ist. Wenn der Zahlungsmittelabfluss heuer genauso<lb/>
stark ist wie im Vorjahr, dann können wir maximal im nächsten<lb/>
Jahr einen so kritischen Punkt erreichen, dass wir, wenn unsere<lb/>
kleinen Massnahmen bis dahin nicht wirken, wirklich zu einer<lb/>
Abwertung gezwungen sein. Nach dem Referat hat mich Prof. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs><lb/>
vom Wirtschaftsforschungsinstitut ebenfalls auf diese schwer<lb break="no"/><pb n="36-0531" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-05_0531.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wiegende Entwicklung aufmerksam gemacht. Da sich immer mehr<lb/>
ausländische Referenten aber wahrscheinlich dann auch österr.<lb/>
mit diesem Problem beschäftigen werden, müssen wir deutlich<lb/>
sichtbare Massnahmen setzen, allein um den optischen Ankündigungs<lb break="no"/>effekt zu erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Jour fixe AK/ÖGB setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_11">Im Vorstand der Lebensmittelarbeiter besprachen wir die Schwierig<lb break="no"/>keiten bei der Stillegung der Dürnkruter Zuckerfabrik, die<lb/>
Zuckerindustrie möchte nur mit den Betriebsräten allein verhandeln,<lb/>
weil sie sich dadurch ein besseres Arrangement erhofft. Die Be<lb break="no"/>triebsräte legen aber grössten Wert darauf, dass auch die Ge<lb break="no"/>werkschaft eingeschaltet wird. Hauptproblem wird sein, ob nicht<lb/>
nur für die ständigen sondern auch für die nichtständigen Ar<lb break="no"/>beiter entsprechende Lösungen gefunden werden. Wichtig ist auch,<lb/>
dass die Gemeinde Dürnkrut eine andere Fabrik in das Fabriks<lb break="no"/>gebäude hineinbekommt. In Dürnkrut gibt es nur noch eine kleine<lb/>
Fischfabrik mit 30 Beschäftigten meistens Ausländer, weil<lb/>
niemand diese miese Arbeit mehr gerne annimmt. Ein schwerwiegende<lb/>
Problem ist die Verhandlung der Fettindustrie. Der Vertrag ist<lb/>
mit 1. Mai ausgelaufen, wodurch die Fettarbeiter jetzt sofort<lb/>
mit entsprechenden Kampfmassnahmen auf die Verzögerungstaktik der<lb/>
Unternehmer reagieren wollen. Die Unternehmer wollen glaube<lb/>
ich 8 % Lohnerhöhung für 1-jährige Laufzeit akzeptieren und<lb/>
die Fettarbeiter insbesondere die Betriebsräte von Unilever<lb/>
sind nicht bereit, unter 8,5 % zu gehen. Nach der Sitzung habe<lb/>
ich mit den Fettarbeitern noch einmal das Ganze durchbesprochen,<lb/>
festgehalten, dass man wegen dieser geringen Differenz nicht<lb/>
zu Streiks kommen darf, noch dazu, wo wir jetzt unseren Gewerk<lb break="no"/>schaftstag haben. Vor dem Gewerkschaftstag, wurde mit versichert,<lb/>
wird deshalb nichts sein, auch dann, wenn die nächste Ver<lb break="no"/>handlung Anfangs nächster Woche zu keinem Ergebnis führt. Die<lb/>
Fettarbeiter sind nur 750 aber gut organisiert und gewohnt, Jahr<lb/>
für Jahr Spitzenabschlüsse zu <choice><choice><sic>tätigen</sic><corr>?</corr></choice></choice>. Der Streit, der sich<lb/>
insbesondere mit der Fettindustrie ergibt, ist, ob die Fett<lb break="no"/>arbeiter als erstes die neue Lohnrunde der Lebensmittelarbeiter<lb/>
einleiten oder wie wir sagen als letztes die Lohnrunde abschliessen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_12">Da jetzt immer mit geringeren Lohnabschlüssen nicht zuletzt<lb/>
infolge der sinkenden Inflationsrate zu rechnen ist, so kommt<lb/>
diesem an und für sich theoretischen Streit eine grosse prak<lb break="no"/>tische Bedeutung zu. Ich bin eigentlich schon überzeugt, dass<lb/>
es uns gelingen wird, ohne einen Streik führen zu müssen zu<lb/>
einem auch von den Fettarbeitern zu akzeptierenden Abschluss<lb/>
zu kommen. Hier bewährt sich doch unser Lohnverhandlungssystem,<lb/>
wo nicht der Obmann verhandelt, sondern ein Verhandlungskomitee<lb/>
aus Funktionären der Betriebe, die selbst dann die Schwierig<lb break="no"/>keiten sehen und im Grunde genommen immer mit ihren Abschlüssen,<lb/>
die sie dann erreichen auch wirklich zufrieden sind. Meine Auf<lb break="no"/>gabe dabei ist es nur, als Geburtshelfer, wenn man so will oft<lb/>
hinter der Kulissen mitzuwirken. Je kleiner eine Gruppe ist,<lb/>
um so leichter natürlich glaubt sie kann sie mit härtesten Kampf<lb break="no"/>massnahmen mehr durchsetzen als selbst grosse Gruppen wie z.B.<lb/>
die Metallarbeiter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_13">Die Aussprache mit dem englischen Handelsminister <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> sei es beim<lb/>
offiziellen Mittagessen oder abends in der Oper ganz besonders<lb/>
beim offiziellen Meeting war sehr freundschaftlich. Wir hatten<lb/>
eine umfangreiche Tagesordnung, um die Stellungnahme bei diver<lb break="no"/>sen internationalen Organisationen, GATT, bei der westeuropäischen<lb/>
Integration, EFTA-Gipfel, EG-Verhandlungen, beim Multifaser<lb break="no"/>abkommen, beim Nord-Süd-Dialog, um nur einige zu nennen, und<lb/>
die Standpunkte kennenzulernen. Wichtig erschien mir persönlich<lb/>
aber und deshalb habe ich es gleich an die Spitze gesetzt,<lb/>
die Antidumpingverfahren, die England gegen die österr. Stahl<lb break="no"/>industrie einleitet. Bis ins letzte Detail haben wir der<lb/>
englischen Delegation geschildert, dass sie wenn die Ankündi<lb break="no"/>gung ihrer Vertreter bei den bisherigen Gesprächen wahrgemacht<lb/>
werden, jetzt einmal einen provisorischen Antidumpingzoll einzu<lb break="no"/>heben, gegen die verschiedensten Vereinbarungen von GATT aber<lb/>
auch EG verstossen. Ich verwies besonders darauf, dass die<lb/>
Beispielsfolgen für die österr. Stahlindustrie verheerend wären.<lb/>
Alle würden sagen, wenn die Engländer einen Antidumpingzoll<lb/>
eingeführt haben, dann haben sie dies bestens geprüft, genau<lb/>
nach dem Gesetz vorgehend eben festgestellt, dass Österreich<lb/>
hier schuldig ist. Derzeit wird aber nicht einmal das Gesetz<lb/>
formell eingehalten. <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> versicherte mir sofort, er hat das<lb/>
Gefühl, dass hier viel zu wenig kooperiert wird und dass die<lb/>
Untersuchungen gewissenhaftest durchgeführt werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-05_14">Ein weiteres, für uns wichtige Problem war die Erhöhung der<lb/>
Papierexportkontingente nach Grossbritannien und das Be<lb break="no"/>strebungen, für die sensiblen Produkte ganz besonders für<lb/>
Papier und Papierwaren den jetzt ausserordentlich langen Zoll<lb break="no"/>abbau im Rahmen der EG bis 1984 zu verkürzen. <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> hat ebenfalls<lb/>
zugesichert, dieses Problem nach seiner Rückkehr nach London zu<lb/>
besprechen. Interessant für mich ist, dass wir mit Grossbri<lb break="no"/>tannien ungefähr denselben Handel haben wie mit der SU.<lb/>
Im Vorjahr war mit ca. 7,5 Mia. S Export und fast ein gleichlau<lb break="no"/>fender Import die Handelsbilanz ziemlich ausgeglichen. In der<lb/>
SU haben wir weniger exportiert aber auch für 7,5 Mia. S unge<lb break="no"/>fähr importiert. Seit 1970 habe ich schon Jahr für Jahr Gemisch<lb break="no"/>te Kommissionsverhandlungen mit der SU, wir haben bilaterale<lb/>
Verträge über Handelsverkehr, Zahlungsverkehr, Kooperations<lb break="no"/>abkommen, langfristige Warenverkehrsabkommen usw., jedes grös<lb break="no"/>sere Geschäft wird furchtbar kompliziert eingeleitet, bedarf dann<lb/>
irgendwo auch noch der Bestätigung durch die staatlichen Behörden<lb/>
um dann mühsamst abgewickelt zu werden. Mit Grossbritannien haben<lb/>
wir nicht einmal einen bilateralen Handelsvertrag. Wir streben<lb/>
weder einen solchen, geschweige denn erst noch ein anderes hal<lb break="no"/>bes Dtz. staatliche Vereinbarungen an. Was wir beide, <rs type="person" ref="#per__146608">Dell</rs> und<lb/>
ich aber wünschen, wäre, dass durch grössere Anstrengungen der<lb/>
Firmen und durch bessere Informationen Kontakte der Firmen<lb/>
eine Vergrösserung unseres Aussenhandels eintreten würde.<lb/>
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               <persName type="label">Bíró, Jószef</persName>
               <persName><surname>Bíró</surname><forename>Jószef</forename></persName>
               <occupation>ung. Außenhandelsmin.</occupation>
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               <persName type="label">Mádai, István</persName>
               <persName><surname>Mádai</surname><forename>István</forename></persName>
               <occupation>ung. Handelsrat</occupation>
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               <persName type="label">Entzmann, Karl</persName>
               <persName><surname>Entzmann</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Dir. Simmering Graz Pauker</occupation>
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               <persName type="label">Seidel, Hans</persName>
               <persName><surname>Seidel</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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               <persName type="label">Sokol, Alfred</persName>
               <persName><surname>Sokol</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>Dir. Verkehrsbüro</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Koller, Herbert</persName>
               <persName><surname>Koller</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD VÖEST</occupation>
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               <persName type="label">Steurer, Rudolf</persName>
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               <occupation>Vereinigung öst. Papierindustrieller</occupation>
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