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            <title type="main">Montag, der  2. Mai 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_01">Montag, 2. Mai 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_02">Bei meinem täglichen Gewerkschaftsbesuch werde ich immer jetzt<lb/>
stärker mit den Wünschen der Betriebsräte über den Schutz von<lb/>
inländischen Lebens- und Genussmittel-Erzeugnissen konfrontiert.<lb/>
Insbesondere die sogenannte Erstattungsregelung, die die Land<lb break="no"/>wirtschaft für ihre Produkte und damit dann automatische auch<lb/>
für die weiterverarbeitende Industrie verlangt, wird selbstverständ<lb break="no"/>lich auch von den Betriebsräten gefordert. Niemand sagt allerdings<lb/>
dies so deutlich sondern man verweist nur und dies glaube ich zuerst<lb/>
auf die immer stärker werdende Einfuhr von hochqualifizierten,<lb/>
wenn auch teureren Produkten gegenüber den inländischen oft wesent<lb break="no"/>lich höheren Rohstoffen, aus denen man dann kaum konkurrenzfähige<lb/>
Fertigprodukte erzeugen kann. Das typischste Beispiel dafür<lb/>
sind die Teigwaren. Ich kämpfe mit mir selbst, ob ich dieses<lb/>
Problem auf unserem Verbandstag in meinem Referat anschneiden<lb/>
soll und wie ich es vor allem referieren werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte aufs nächste Jour fixe<lb/>
AK/ÖGB setzen. Vorher mit mir besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_04">Beim Journalistenfrühstück war auch der Vertreter der chinesischen<lb/>
Presseagentur Neues China anwesend, wogegen ich nicht nur nichts<lb/>
einzuwenden habe sondern sogar sehr froh war. Ohne die Firmen zu<lb/>
nennen, musste ich doch einzelne Details über zu erwartende<lb/>
Ausdehnung des österr. Exportes nach China, unsere Lieferwünsche<lb/>
auf Anfrage mitteilen. Ich bin überzeugt, dass mit einiger Phanta<lb break="no"/>sie und guten Geschäftsverbindungen Exportmöglichkeiten und noch<lb/>
viel mehr Importmöglichkeit gegebenenfalls mit Absatz auf dritten<lb/>
Märkten möglich sind. Bei der Creditanstalt interessiert sich Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116951">Schneider</rs> insbesondere für die Erhöhung der Wolfram-Lieferungen<lb/>
aus China für Treibacher chemische Werke, die BAWAG möchte ebenfalls<lb/>
einsteigen und ganz besonders Bankhaus Winter mit der Bank of China<lb/>
aufnehmen. Bei der Verabschiedung am Flughafen habe ich dann Mini<lb break="no"/>ster <rs type="person" ref="#per__126855">Yao Yi-Lin</rs> über die Pressekonferenz informiert. Dies war<lb/>
sehr gut, denn knapp vor Abflug ist dann der Vertreter des<lb/>
"Neuen China" mit einem seitenlangen Bericht gekommen, hat diesen<lb/>
schnell dem Botschafter gezeigt, der ihn vor Abflug dann noch<lb/>
schnell dm Minister zugesteckt hat. Überhaupt zeigt sich mir an<lb/>
solchen Einzelheiten, wie dieses System für uns immer unerklärlich<lb/>
oder zumindestens schwer verständlich funktioniert. Das ewige Lächeln<lb/>
soll nicht darüber hinwegtäuschen. Am meisten geärgert habe ich<lb/>
mich aber über eine vielleicht von mir persönliche Ungeschicklichkeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_05">Meine Frau war von dem einzige weiblichen Delegationsmitglied,<lb/>
der Österreich-Referentin im Aussenhandelsministerium mit dem<lb/>
schönen chinesischen Beinamen "liebliche Wolke" so begeistert,<lb/>
dass sie ihr durch mich eine silberne Halskette und eine Brosche<lb/>
schickte. Ich habe mich sowieso bemüht, dieses Präsent nicht<lb/>
offiziell zu übergeben, sondern beim Hinausgehen auf den Flughafen<lb/>
ihr ausdrücklich gesagt, das schickt meine Frau. Der Dolmetsch<lb/>
aber dürfte doch etwas aufgefangen haben, denn der chinesische<lb/>
Aussenhandelsminister sagte dann beim Einsteigen ins Flugzeug,<lb/>
er bedankt sich auch für das Präsent für die Frau. Meint er jetzt<lb/>
seine oder meint er die liebliche Wolke? Der Botschafter bedankte<lb/>
sich dann ganz besonders bei mir für den Aufwand an Zeit und für<lb/>
wie ich wirklich glaube beste Betreuung dieser ersten chinesischen<lb/>
Regierungsdelegation in Österreich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_06">Ein weiterer Tagesordnungspunkt war der Bericht von <rs type="person" ref="#per__111706">Gustav Müller</rs><lb/>
über die Erhebungen von Dienstleistungen in ganz Österreich.<lb/>
Die KFZ-Mechaniker, Spengler, Elektriker, Installateure usw.<lb/>
verrechnen nicht nur in den Ländern verschieden sondern selbst in<lb/>
einzelnen Bundesländern in denselben Städten Stundensätze, die um<lb/>
hunderte Prozente oft differenzieren. Natürlich war dann sofort<lb/>
der Angriff der Journalisten, was gedenken sie dagegen zu unter<lb break="no"/>nehmen. Mein Hinweis, dass ich keine gesetzliche Möglichkeit<lb/>
habe, die ÖVP hat ja vor Jahren bereits mein allumfassendes<lb/>
Preisgesetz im Parlament strikte abgelehnt, wurde nur wider<lb break="no"/>willig zur Kenntnis genommen. Was man in diesem Fall verlangen<lb/>
müsste, dass das Preistreibereigesetz mit den ortsüblichen<lb/>
Preisdifferenzen angewendet werden soll, ist meiner Meinung nach<lb/>
nicht sehr viel zielführender, denn die Judikatur beweist ein<lb break="no"/>deutig, dass diese Gesetzesbestimmung nur sehr unzulänglich<lb/>
in der Praxis angewendet wird resp. angewendet werden kann.<lb/>
Ich erwarte ausserdem eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit<lb/>
jetzt von seiten der davon betroffenen Innungen und gegebenenfalls der<lb/>
Landeshauptleute, wo ausser dem im Land festzustellenden Differenz<lb/>
noch eine zusätzliche Differenz zwischen den einzelnen Bundes<lb break="no"/>ländern festgestellt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_07">Beim Wiener Vorstand wurde zuerst über den Wiener Parteitag<lb/>
referiert. 900 Delegierte und Gastdelegierte sind eingeladen mit<lb/>
750 rechnet man, dass kommen werden. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erst um 15 Uhr<lb/>
mit seinem Referat beginnen kann, wird eine zweistündige Mittags<lb break="no"/><pb n="36-0504" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-02_0504.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>pause eingeschaltet, wobei die Organisation für die Delegierten<lb/>
ein Mittagessen bezahlt, weil es nämlich auf die vorhandenen<lb/>
Gaststätten die Delegierten aufteilen muss. Sofort ergab<lb/>
sich die Frage, was geschieht mit den Zuhörern. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte,<lb/>
denen geben wir ein Paar Würstel. Aus den Wiener Parteitagen<lb/>
kann meiner Meinung nach nie etwas richtiges werden, da die<lb/>
Leute doch konzentriert und nicht allzuweit wohnen, wird immer<lb/>
noch bevorzugt, den Parteitag so schnell als möglich über die<lb/>
Runden zu bringen, damit jeder nach Hause kommt. Alle Krampf<lb break="no"/>versuche, diesmal sogar bedingt durch den späten Beginn des Referate<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, sie den Landesparteitagen der anderen Bundesländer<lb/>
nachzumachen, sind eigentlich bis jetzt immer gescheitert. Ich<lb/>
bin sehr gespannt, wie es diesmal funktionieren wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_08">Der Mai-Aufmarsch hat lt. Polizeizählung 22.970 + 8.000 in<lb/>
Liesing ergeben, um etliche tausend mehr, nämlich 29.016 ergab<lb/>
die maximalste Zählung der von der Partei beauftragten Funktionäre.<lb/>
Das Problem, wie ich es sehe ist, wie man die Mitglieder ja<lb/>
selbst sogar die Funktionäre motivieren kann, dass sie zum<lb/>
Rathausplatz marschieren sollen. Der Fackelzug am 1. Mai war nicht<lb/>
nur ein grosser Erfolg der sozialistischen Jugend im Aufmarsch<lb/>
sondern auch der soz. Partei in den Massen im Spalier. Stadtrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> meinte, es soll der Aufmarschplan der Bezirke nicht ständig<lb/>
geändert werden, dies aber wieder deshalb notwendig, weil<lb/>
kein Bezirk der letzte sein will. Erstens kommt er dann noch<lb/>
später nach Hause und zweitens können sie gar nicht mehr dann<lb/>
vor der Tribüne vorübermarschieren sondern müssen für die<lb/>
Schlusskundgebung den Platz füllen. Dass dieses System irgend<lb break="no"/>wie geändert gehört, steht für mich fest. Nur wie, weiss ich<lb/>
auch nicht. Typisch ist, dass es Liesing gelingt, 8.000 Teil<lb break="no"/>nehmer zu mobilisieren, während die anderen 22 Bezirke sage<lb/>
und schreibe auf 23.000 kommen. Da wir diese Frage – und ich<lb/>
kenne die Diskussion jetzt schon an die 30 Jahre – bis jetzt<lb/>
nicht befriedigend lösen konnten, fürchte ich wird dies auch<lb/>
nicht in Zukunft geschehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_09">Beim Fackelzug wurde von der Jugend insbesondere gegen die neue<lb/>
Rechte heftigst demonstriert. Alle sind wir uns darüber klar,<lb/>
dass etwas geschehen soll, doch niemand weiss so recht, wie<lb/>
anpacken. Das Parteiengesetz, auf Grund dessen sich die Aktion<lb/>
Neue Rechte konstituiert hat, ist so konzipiert, dass weder ein<lb/>
Bezirksgericht noch Verfassungsgerichtshof, d.h. keine Gerichts<lb break="no"/><pb n="36-0505" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-05-02_0505.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>instanz einer Partei etwas anhaben kann. Dies war eine besondere<lb/>
Forderung der Sozialisten aus der leidvollen Erfahrung ihrer<lb/>
Geschichte insbesondere aber Feber 1934. In meinen Augen ist<lb/>
dies nur die Folge unseres Versuches, alles zu verrechtlichen.<lb/>
Wäre man davon ausgegangen, dass die Parteien 1945 vor dem<lb/>
Staat waren, denn letzten Endes haben ja Parteivertreter diesen<lb/>
Staat dann gegründet, und hätte man dann diese Parteien als<lb/>
schon bestehend wie in den vergangenen Jahrzehnten, bevor das<lb/>
Parteigesetz kam, behandelt, wären wir jetzt nicht in diesem<lb/>
Dilemma. Alle nachfolgenden Parteien, ausser den drei staatsgrün<lb break="no"/>denden, Sozialisten, Volkspartei und KP, hätten sich auf Grund<lb/>
des Vereinsgesetzes konstituieren müssen. Dieses gäbe uns aber die<lb/>
Möglichkeit, die ANR längst aufzulösen. Auch auf einem Gebiet,<lb/>
wo ich mich überhaupt nicht interessiere, wieder einmal mehr<lb/>
die Bestätigung für mich, dass die Verrechtlichung und besser<lb/>
gesagt noch das rechtssystematische Denken unserer Verwaltung,<lb/>
die letzten Endes dann auch noch die Öffentlichkeit ansteckt,<lb/>
unzulänglich Ergebnisse gebracht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_10">Der Mitgliederschwund von Jänner bis März beträgt 2.397. Die Analyse<lb/>
von 500 Mitglieder, die ausgetreten sind, sollten in jedem Bezirk<lb/>
eine gewisse Anzahl besucht werden, 343 wurden tatsächlich be<lb break="no"/>sucht. 30 % gaben an, die zweimalige Beitragserhöhung seit<lb/>
schuld. 17 % die Steuer- und Tarifpolitik, 9 % die Fehler der<lb/>
Gemeinde und 6 % der Regierung. Diese Angaben sind keine wissen<lb break="no"/>schaftlich einwandfreien Umfrageergebnisse, sondern der Ein<lb break="no"/>druck, den der Betreffende, der das ausgetretene Mitglied besuchte,<lb/>
von dem Austrittsgrund hatte. 18 % waren immerhin bereit, wieder<lb/>
beizutreten. Erschütternd für uns alle war, dass 55 % der Ausge<lb break="no"/>tretenen über 50 Jahre sind. Die Partei startet vom 13. Oktober<lb/>
bis Ende des Jahres eine Mitgliederwerbung mit dem Ziel, 2 %<lb/>
der Wähler neu zu gewinnen. Für Österreich wären dies 46.000, für<lb/>
Wien allein 12.000. Dies ist ein irrsinnig hochgesteckte Werbe<lb break="no"/>ziel, ich bin neugierig, wieviel wir wirklich erreichen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_11">In Wien wird die Programmkommission von Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> und dem<lb/>
Gemeinderat für Bildungsfragen und Bildungsreferent <rs type="person" ref="#per__144585">Nedwed</rs> geleitet.<lb/>
Die Programmdiskussion hat jetzt schon in Bezirken begonnen, ob<lb break="no"/>wohl sie erst für Herbst vorgesehen war, da bis dorthin<lb/>
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nicht erklären, warum ich eine immer so grosse Abneigung gegen<lb/>
alle Programm-Erstellungen und Diskussionen habe. In meinen Augen<lb/>
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zu noch einem so guten Erfolg. Das letzte Programm hat 1958 eine<lb/>
kleine Gruppe von daran besonders Interessierten unter <rs type="person" ref="#per__123124">Benedikt<lb/>
Kautsky</rs> erarbeitet. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hatte damals glaube ich die richtige<lb/>
Idee. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte jetzt auf einer ganz breiten Basis, weshalb<lb/>
er ja den <rs type="person" ref="#per__115683">Egon Matzner</rs> mit Linken aber auch rechten Kräften<lb/>
eingesetzt hat, einen entsprechenden Entwurf auszuarbeiten, der<lb/>
aber kaum eine richtige Grundlage bilden kann und wird. Auf alle<lb/>
Fälle werde ich mich nicht aus Ablehnung, wohl aber aus Desinter<lb break="no"/>esse persönlich sehr zurückhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Da Du es wünscht, versuche bei uns eine<lb/>
gewisse Koordinierung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_13">In der Ministerratsvorbesprechung gab es jetzt zum zweiten Mal<lb/>
so wie vorige Woche nur ein beherrschendes Thema, die Kernenergie<lb break="no"/>frage. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat über <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgeschlagen, die Bürger<lb break="no"/>meisterversammlung erst im September durchzuführen. Ich halte<lb/>
diesen Termin für falsch, denn je weniger wir im Waldviertel<lb/>
dagegen arbeiten um so stärker wird dort die Ablehnung bis in<lb/>
die kleinste Gemeinde hineingetragen und vor allem einmal immer<lb/>
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diese Bürgermeisterbesprechung abzuhalten. Ich erinnerte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
daran, dass ich ihm einen Brief geschrieben haben, deren wichtig<lb break="no"/>ster Punkt es ist, so schnell wie möglich einen Bericht in das<lb/>
Parlament zu bringen, damit wir die von ihm dort gewünschte<lb/>
Diskussion abführen können <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist damit einverstanden, meint<lb/>
nur, zuerst sollte noch eine Panel-Diskussion im Fernsehen abgehal<lb break="no"/>ten werden, als zweites dann eine Fernsehdiskussion nur Gelehrter<lb/>
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zwei Journalisten im Bericht so gestalten, dass er an alle<lb/>
Haushalte geschickt werden kann. Die Redaktion sollen zwei<lb/>
Journalisten besorgen, eine pro und einer kontra Atomenergie.<lb/>
Drittens soll dann im Nationalrat eine Enquete über den Bericht der<lb/>
Bundesregierung stattfinden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fürchtet nur, dass es<lb/>
keine Beschlussprozedur gibt, der er zustimmen könnte. Wenn in dem<lb/>
Bericht, der scheinbar von mir erwartet wird, drinnensteht, dass<lb/>
wir Kernkraftwerk brauchen, dann würde <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eben nicht<lb/>
zustimmen. Eine Gefahr, die nicht voraussehbar ist und wo die<lb/>
Wissenschaft keine absolute Sicherheit garantieren kann, dürfte<lb/>
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meinte, ich bin hier konträr dem Handelsminister, wofür er<lb/>
volles Verständnis hat, aber eben niemals zustimmen würde. Ich<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, die diesmal bei der Ministerratsvorbesprechung nicht<lb/>
anwesend war, weiterhin bereit bin, die ganze Angelegenheit auf<lb/>
mich zu nehmen, allerdings nicht in der Weise, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubt.<lb/>
Ich bin weder für noch gegen die Atomenergie sondern stehe vor der<lb/>
Frage, wie man in Hinkunft den Energiebedarf decken kann. Wenn<lb/>
ein Bericht dem Nationalrat vorgelegt werden soll, wird von der Ener<lb break="no"/>giesektion im Handelsministerium eine umfangreiche Dokumentation<lb/>
vorgelegt werden, soweit sie uns betrifft und soweit aus<lb/>
der Aufklärungskampagne Material zur Verfügung steht. Da laut<lb/>
Procedere jeder Bericht in der Regierung einstimmig gefasst werden<lb/>
muss, werden wir eben über den Bericht zu entscheiden haben. Wenn<lb/>
aber der Betrieb des Atomkraftwerkes verhindert werden soll, dann<lb/>
muss eine gesetzliche Änderung erfolgen. Jetzt ist eben das<lb/>
Strahlenschutzgesetz und die Dampfkesselverordnung usw. also<lb/>
alles Kompetenzen, die gar nicht im Handelsministerium liegen, zu<lb break="no"/>ständig. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war darüber zwar nicht äusserlich, denn er ist<lb/>
mir gegenüber von einer ausgesuchten Höflichkeit, aber innerlich<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte, keine einheitliche Meinung sei sehr schlecht, er<lb/>
könne sich nicht vorstellen, dass es politisch möglich sei, dass<lb/>
hier die Regierung gespalten auftrete. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wieder sagte, das<lb/>
Ganze sei noch nicht spruchreif. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, die auch jetzt sehr<lb/>
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Regierung nicht der Fall ist. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> plädierte ebenfalls fürs<lb/>
Zuwarten. Einzig <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> meinte, man sollte den Weg so<lb/>
vorlegen, dass zuerst eine Tatsachenschilderung erfolgt, wo bis<lb/>
zum Energieplan alles drinnensteht. Zweitens sollte man Bedingungen<lb/>
festlegen, unter denen eine Betriebsgenehmigung mit Zustimmung<lb/>
des Nationalrates erfolgen soll, wobei er sich vorstellt, dass<lb/>
im Parlament dann noch weitere Sicherheiten verlangt werden.<lb/>
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nicht erfüllbar sind, dann müsse man eben importieren, Preise er<lb break="no"/>höhen, und Energie zu sparen. Diese Alternative wäre aufzuzeigen.<lb/>
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stellen, dass dieser Bericht zur Kenntnis genommen wird.<lb/>
Genau dies aber will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> scheinbar nicht, denn er meinte,<lb/>
neue IFES-Ergebnisse haben jetzt bestätigt, was <add>[das]</add> <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>-Institut,<lb/>
SWS, bereits auch erhoben hat, dass die Angst in der Bevölkerung<lb/>
ständig wächst. Das Problem ist nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, was geschieht<lb/>
mit dem fertigen Kernkraftwerk Tullnerfeld. Die Sicherheit<lb/>
könnte in zwei Jahren wesentlich verbessert sein, daher müsste<lb/>
man z.B. abwarten, was die Kanadier, die jetzt einen Prototyp<lb/>
eines neuen Reaktors geschaffen haben, herausbringen. Ausserdem<lb/>
wird die Müllagerung in zwei Jahren sicherlich wesentlich<lb/>
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wie ich es ihm das letzte Mal bereits an den Kopf geworfen<lb/>
habe, für Verschieben nach den Wahlen. Wenn wir das Atomkraft<lb break="no"/>werk als einzige Alternative lt. Gesetzeslage jetzt in Betrieb<lb/>
nehmen, dann ist die Hölle los. Die Angst vor dem Morgen wird in<lb/>
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und <rs type="person" ref="#per__111713">Häfele</rs> von der IIASA in Laxenburg zu einer Besprechung mit<lb/>
Regierungsmitgliedern zusammenzubringen. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> meinte<lb/>
dann beim Hinausgehen zu mir, Du musst aber aufpassen, dass<lb/>
Du bei dieser Frage nicht übrigbleibst. Meiner Meinung nach<lb/>
sagte ich ihm, kann dies nicht passieren, meine Linie ist<lb/>
klar und ich werde sie niemandem aufzwingen. Die Lösung kann<lb/>
nur sein, wir sind weder für noch gegen die Atome, aber das<lb/>
erste steht, geht der Vollendung entgegen, Energie wird gebraucht<lb/>
und ich sehe in den nächsten Jahren keine Alternative durch<lb/>
Sonne, Erdwärme, nicht einmal durch einen anderen Reaktor,<lb/>
der jetzt vielleicht in Kanada auf Schwerwasserbasis ent<lb break="no"/>wickelt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will am 20.5. den Austro-Porsche in die Industrie-<lb/>
Kommission bringen. Auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wird sich jetzt noch über die Metall<lb break="no"/>arbeitergewerkschaft um die Betriebsräte bei VW erkundigen,<lb/>
damit dort tatsächlich der Vertrieb und das Service durchge<lb break="no"/>führt wird, oder ob es durchgeführt werden kann. <rs type="person" ref="#per__140338">Porsche</rs><lb/>
hat nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch Lancia und Mercedes für ungelöste<lb/>
Probleme aus der Patsche geholfen. Schwierig ist nur, dass die<lb/>
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ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird aber, wenn VW zustimmt und das Service<lb/>
und den Vertrieb übernimmt, auf alle Fälle den Austro-Porsche<lb/>
kreieren, auch dann, wenn die Industriekommission dagegen stimmt.<lb/>
In Floridsdorf ist dieser Betrieb dringend notwendig, Gleis<lb break="no"/>anschluss und Arbeiter stehen zur Verfügung, 90 % werden<lb/>
überhaupt aus österreichischen Betrieben Zulieferungen kommen,<lb/>
für die Wiener Metallwerke, für Aluminium Ranshofen und Juden<lb break="no"/>burg ist die Produktion lebenswichtig. Auch im Burgenland<lb/>
werden Nebenwerke entstehen, die 4.000 Beschäftigten sind<lb/>
mindestens erforderlich. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vergisst darauf oder will<lb/>
es vergessen, dass 16 % davon nur Facharbeiter sein werden.<lb/>
Der Wiener Handelskammerpräsident <rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> hat sich sehr<lb/>
positiv ihm gegenüber geäussert und selbst <rs type="person" ref="#per__146592">Gruber</rs> hat sich bei<lb/>
im entschuldigt, dass im Fernsehen ein so negativer Eindruck<lb/>
von seiner Aussage entstanden ist. Ich deponierte neuerdings,<lb/>
dass ich bei der Industriekommission nicht anwesend sein kann,<lb/>
weil ich in Ägypten bin, dass aber diese Produktion nur dann<lb/>
aufgenommen werden dürfte, wenn VW den Vertrieb und die Repara<lb break="no"/>tur mit übernimmt. Mit einer anderen Organisation wäre dies<lb/>
unmöglich. Das Projekt ist in meinen sowieso sehr fragwürdig.<lb/>
Wenn VW mitmacht, kann es gehen, wenn nicht sehe ich sehr<lb/>
schwarz.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_16"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat keine Möglichkeit, den Empfang im Intercontinental<lb/>
am 5. Mai um 11.30 für den Beirat der Statistik des Aussen<lb break="no"/>handels zu geben. Ich soll deshalb ihn dort vertreten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-05-02_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte vormerken.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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