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            <title type="main">Mittwoch, der 27. April 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_01">Mittwoch, 27. April 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_02">Die eigenartigste Überreichung des Dekretes zur Führung des Staats<lb break="no"/>wappens war bei der Firma Dusika. Herr <rs type="person" ref="#per__127780">Dusika</rs>, heute einer der gröss<lb break="no"/>ten Sporthändler Österreichs insbesondere auf dem Radsektor, organi<lb break="no"/>siert zum 10. Mal eine Jugend-5-Tagesfahrt-Etappen-Rennen.<lb/>
Beim Start vor seinem Geschäft in der Fasangasse auf der Landstrasse<lb/>
habe ich ihm, bevor ich die Startfahne hob und ein sehr interessantes<lb/>
internationales Rennen freigab, sein Staatswappen überreicht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127780">Dusika</rs> hat in der Zwischenkriegszeit seine Goldmedaillen als<lb/>
Radrennfahr-Sieger verwenden müssen, um sein erstes Geschäft<lb/>
zu starten. Jetzt ist vom Rennweg bis zum Gürtel fast die halbe<lb/>
Strassenfront nur <rs type="person" ref="#per__127780">Dusika</rs>-Geschäfte. Ein tüchtiger Rennfahrer, ein<lb/>
tüchtiger Geschäftsmann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_03">Im Klub Parlament berichtete <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> vom Untersuchungsausschuss<lb/>
über die Munitionsaffäre und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über seine Stellungnahme<lb/>
zum Fall <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs>. Die wirklich interessante Frage, ob <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
eine Vorinformation des Untersuchungsausschusses bekommen sollte<lb/>
und warum z.B. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> sicherlich nur mit Zustimmung <rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs><lb/>
diese Vorinformation ablehnte, wurde nicht einmal erwähnt. Ich muss<lb/>
allerdings kritisch bemerken, dass ich mich für diese Frage auch<lb/>
persönlich gar nicht interessieren. Diskussion gab es aus<lb/>
Zeitmangel, wahrscheinlich aber auch aus Interesselosigkeit<lb/>
auch keine.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_04">Die erste Nationalratssitzung behandelte ausser der Fragestunde<lb/>
die Erstreckung der Berichtsfrist des Untersuchungsausschusses.<lb/>
In der zweiten Fragestunde kam ich überraschend dann doch noch dran.<lb/>
Da ich verhältnismässig sehr kurze Antworten gab, konnte ich alle bis<lb/>
auf zwei Anfragen, die jetzt leider in der nächsten NR-Sitzung<lb/>
wahrscheinlich wieder aufgerufen werden, erledigen. Die kurze Beantwor<lb break="no"/>tung insbesondere der erstgestellten Frage, oftmals mit "Ja",<lb/>
begründete ich der ÖVP gegenüber die abfälligen Bemerkungen deshalb<lb/>
machte, dass sie sich ja immer beschweren, dass die Minister<lb/>
so langwierig antworten, dass der Abgeordnete gar keine Möglichkeit<lb/>
hat, seine Fragen entsprechend zu begründen und damit seinen Stand<lb break="no"/>punkt zu erklären. Die wirklich kritisch Frage war nur vom ÖVP-<lb/>
Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__112162">Neumann</rs>, warum in meinem Budget die Bergbauförderung<lb/>
Jahr für Jahr so klein dotiert ist, dass man von vornherein<lb/>
ja wissen muss, damit keinesfalls das Auslangen zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_05">Da ich unter gar keinen Umständen sagen wollte, das Finanz<lb break="no"/>ministerium hat dies bis jetzt zumindestens verlangt, fiel mir<lb/>
im letzten Moment die Ausrede ein, dass die Bilanzen der Unter<lb break="no"/>nehmungen, auf denen ja letzten Endes die endgültige Bergbau<lb break="no"/>förderungsbescheide aufbauen, zum Zeitpunkt der Budgeterstellung<lb/>
nicht vorliegen. Anstelle 68 Mill. bekam der Kohlenbergbau, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112162">Neumann</rs> selbst sagte, 1975 250 Mill. und 1976 189 Mill. Der<lb/>
Rechnungshof hat, nicht zuletzt weil er sonst kaum etwas bei<lb/>
uns gefunden hat, diesen Tatbestand ebenfalls hart kritisiert.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__112162">Neumann</rs> erklärte, für die Aufschliessung vom neuen Kohlenfeld<lb/>
für das Kraftwerk Voitsberg III würde man mehr Mittel brauchen,<lb/>
schlug ich bei der zweiten Beantwortung insoferne zurück, als<lb/>
ich mich bei ihm bedankte, dass er lobend diese Aktivitäten<lb/>
hier im Hohen Haus erwähnt, ja sogar, dass ich hoffe, er wird<lb/>
beim Budgetüberschreitungsgesetz nachdem er ja die Bergarbeiter<lb/>
immer vertritt, auch für diese Post stimmen. Umso mehr als durch<lb/>
die Stillegung von Pölfling-Bergla und jetzt von Fohnsdorf grössere<lb/>
Sozialleistungen gezahlt werden müssen, die man eben nicht von vorn<lb break="no"/>herein fixieren kann im Budget. In Fragestunden tue ich mir jetzt<lb/>
insoferne sehr schwer, als ich eine konzentrierte kurzgefasste<lb/>
Antwort geben will und so wirklich um jeden Satz mit mir selbst<lb/>
ringe. Hier kann mir die Opposition nicht an. Den eigenen Leuten<lb/>
wieder, die mich oft fragen, welche Zusatzfragen sie stellen sollen,<lb/>
resp. dürfen, antworte ich immer stereotyp: greift mich doch an.<lb/>
Diesmal hat mein Freund <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> meinen Vorschlag aufgenommen und<lb/>
gefragt, wieso es so lange dauerte, bis diese Kreditvermittler<lb break="no"/>verordnung jetzt im Frühjahr erlassen wird. Bezüglich der Tarifpolitik<lb/>
höhere Strompreise für Mehrverbrauch habe ich mich eindeutig für die<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> vorgeschlagene progressive Stromtarifpolitik entschieden.<lb/>
Das Beispiel, das <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> brachte, dass jemand im Burgenland, weil<lb/>
er weniger Strom verbraucht, dafür die zweifache Grundgebühr zahlen<lb/>
musste, war mir neu.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte den Fall von der BEWAG prüfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_07">Mit Dr. <rs type="person" ref="#per__114856">Scholz</rs> besprach <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich die neue Idee, ein Ärzte<lb break="no"/>forum auf der Landstrasse zu starten. Ähnlich wie wir dies mit<lb/>
den Intellektuellen seit Jahrzehnten machen, wollen wir jetzt<lb/>
für die Gewerbetreibenden, Jugendlichen, aber ganz besonders für<lb/>
die Ärzte unter Leitung von <rs type="person" ref="#per__114856">Scholz</rs> einem tüchtigen Gynäkologen,<lb/>
mit einer Diskussion, SPÖ-Abgeordneter Dr. <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs>, ÖVP-Abg.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs>, also mit zwei Ärzten vor der Ärztekammerwahl beginnen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114856">Scholz</rs> glaubt allen Ernstes, dass er 80 - 100 Leute zum Forum<lb/>
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Eingeladenen kommen – 300 Ärzte und Zahnärzte und sonstige gibt<lb/>
es bei uns auf der Landstrasse – also 30, dann ist dies ein<lb/>
grosser Erfolg. Ich teile diese Meinung, bin schon sehr ge<lb break="no"/>spannt, wie es wirklich verkaufen wird. Der ideale Platz<lb/>
dafür ist die BAWAG-Filiale auf der Landstrasse. Sie muss nur,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> mir mitteilte, ein wenig renoviert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__114047">Flöttl</rs> deshalb verbinden!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_09">Der Bürgermeister und einige Funktionäre der Sozialisten aus der<lb/>
Bezirksorganisation Horn intervenierten bei mit wegen Betriebsan<lb break="no"/>siedlung. Sie haben grosse Angst, dass immer mehr Facharbeiter<lb/>
von dem Bezirk abwandern. 1975 haben wir nach hartem Kampf gegen<lb/>
die ÖVP-Landesregierungsmitglieder in Sigmundsherberg ein Umschu<lb break="no"/>lungszentrum errichtet und Sozialminister <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> damals eröffnet.<lb/>
Der dortige Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__146462">Schmid Ernest</rs> ist ist der einzige rote<lb/>
Bürgermeister im ganzen Bezirk nur mehr. Die Genossen möchten nun,<lb/>
dass als erstes ausser Metallberufen auch andere Branchen Lehr<lb break="no"/>ausbildung dort erhalten und Lehrabschlussprüfungen ablegen können.<lb/>
Die Statuten des Vereines lassen dies ohne weiteres zu. Vom<lb/>
Standpunkt der Lehrlingsunterbringung wäre ich daran brennendst<lb/>
interessiert. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> wird mit dem Sozialministeriumsbeamten darüber<lb/>
reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs><add>[hs. korrigert, Anm.]</add>: Falls Schwierigkeiten sind, bitte mich<lb/>
informieren, damit ich mit <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> darüber spreche.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_11">Architekt <rs type="person" ref="#per__140401">Auböck</rs> kam mit einem japanischen Designer-Freund, der<lb/>
gleichzeitig in der internationalen Verbindung eine Rolle spielt.<lb/>
Ich habe dafür viel Verständnis, dass <rs type="person" ref="#per__140401">Auböck</rs> nicht zuletzt, um<lb/>
auch seine Möglichkeit, mit Regierungsmitgliedern zu reden, zu<lb/>
zeigen, solchen Aussprachen braucht. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, der ihn be<lb break="no"/>gleitete, wurde von <rs type="person" ref="#per__140401">Auböck</rs> lobend erwähnt, interessiert sich ebenfalls<lb/>
für das Design-Problem, das insbesondere für unsere Export<lb break="no"/>industrie sicherlich von grosser Bedeutung ist, weil in seiner<lb/>
Sektion die Auszeichnung die gute Form jährlich von mir vorge<lb break="no"/>nommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_12">Mr. <rs type="person" ref="#per__145471">Turner</rs>, der Konsumentenanwalt aus USA, wie ihn <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> bezeichnete,<lb/>
stattete mir ebenfalls einen Besuch ab, weil ich zu seinem Vortrag,<lb/>
den das Handelsministerium organisiert hatte, nicht kommen konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_13">Betreut wurde er von der neuen Sekretärin des Konsumenten<lb break="no"/>beirates Dr. <rs type="person" ref="#per__114460">Luchinetti</rs>. Sie machte deshalb auf mich einen<lb/>
so guten Eindruck, weil sie als erste sofort bemerkte, dass<lb/>
ich zwar mit meinem schlechten Englisch dem Amerikaner sagen<lb/>
konnte, was ich meinte, aber auf kurze stereotype Fragen von<lb/>
ihm einmal beim besten Willen den Sinn nicht mitbekam. Als<lb/>
erste in meiner 7-jährigen Ministertätigkeit hat sie mir<lb/>
ein Stichwort in Deutsch zugerufen und die Situation war gerettet.<lb/>
Hoffentlich haben wir jetzt einmal mit dieser Besetzung der<lb/>
Funktion Glück und es wird nicht in kürzester Frist wieder<lb/>
sei es durch Karenzurlaub, sei es durch Ausscheiden eine neue<lb/>
Besetzung notwendig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_14">Präs. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> ersuchte mich um eine Aussprache unter vier<lb/>
Augen. Ich hatte angenommen, es handelt sich wegen der Zucker<lb break="no"/>arbeiter in Dürnkrut. Er hat mir nämlich einen Brief in die<lb/>
Gewerkschaft geschrieben, wo er sich glaube ich sogar mit Recht<lb/>
darüber beklagte, dass er sehr spät zur Zuckerkonferenz nach<lb/>
Dürnkrut eingeladen wurde, deshalb seine Anwesenheit in Salzburg<lb/>
nicht mehr absagen konnte, es zu Missfallensäusserungen bei der<lb/>
Konferenz gekommen war, als er sich dort sogar noch mit einem<lb/>
Brief entschuldigte. Der wirkliche Grund der Aussprache war<lb/>
aber die Ölextraktionsanlage der <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> Agrarindustrie Konsum<lb break="no"/>genossenschaft-Projektes Olioprot. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> war sehr genau<lb/>
informiert und wollte insbesondere von mir wissen, welche Ein<lb break="no"/>stellung ich zu den beiden Projektanten Olioprot der einen<lb/>
und Unilever auf der anderen Seite einnehme. Insbesondere inter<lb break="no"/>essierte ihn aber, ob ein Aussenschutz gegeben werden kann.<lb/>
Ich erklärte sofort, dass ich mich für keines der beiden Pro<lb break="no"/>jekte bis jetzt entschieden habe, sondern abwarte, wer die<lb/>
besseren Vorschläge erstattet. Ein gewisser Aussenschutz wird<lb/>
siehe notwendig sein und ich bemühe mich derzeit, die AK und den<lb/>
ÖGB davon zu überzeugen. Die Ölextraktionsanlage brauchen wir<lb/>
und das ist meine Überzeugung, die ich auch klar und deutlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> sagte, um 50.000 ha von der Getreideproduktion<lb/>
wegzubringen und dafür Sonnenblumen und nicht nur Raps<lb/>
wie jetzt momentan die LWK-Vertreter wollen, anzubauen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> meinte, dies seien dann technische Details über<lb/>
die man noch reden kann, wichtig sei nur, ob wir das schwedische<lb/>
Schutzsystem einführen. Dies ist ähnlich unserer Stärkelösung,<lb/>
wo auf alle Ölsaaten resp. Ölprodukte eine Abgabe erhoben wird,<lb/>
die nicht diskriminierend ist, weil sie Importe und Inland<lb/>
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sogar ein wesentlich höherer Betrag damit verrechnet werden kann.<lb/>
Dieses System ist zwar angeblich GATT-möglich, sicherlich aber<lb/>
nicht GATT-konform. Bei Stärke haben wir allerdings bis jetzt<lb/>
keinen grösseren Anstand damit gehabt. Das liegt sicherlich daran,<lb/>
weil eben alle Staaten ähnliche Regelungen für ihren Agrar<lb break="no"/>schutz durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_15">Als zweiten wichtigsten Punkt wollte <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> von mir unbedingt<lb/>
wissen, was mit den Agrarpreisen heuer geschieht. Ich erklärte<lb/>
ihm dezidiert, dass wir bei Getreide keine Möglichkeit haben,<lb/>
den Erzeugerpreis heuer zu erhöhen. Wir müssen, wie ich<lb/>
mich ausdrückte, endlich in einen vernünftigen Preisrhythmus kommen.<lb/>
Jahr für Jahr im Juni die Agrarpreise zu erhöhen und dann im<lb/>
nächsten Jahr am Jahresbeginn die Verbraucherpreise ist meiner<lb/>
Meinung nach vollkommen unhaltbar. Wenn heuer nichts geschieht<lb/>
können wir dann im nächsten Jahr im Juni die Erzeuger- und Verbraucher<lb break="no"/>preise gleichzeitig lösen. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> war mit dieser Auskunft<lb/>
nicht zufrieden und meinte, darüber müssten wir noch reden.<lb/>
Die Landwirtschaftsseite dürfte also – wie übrigens zu erwarten<lb/>
war – auf alle Fälle Preisanträge stellen. Wenn wir aber dann<lb/>
mit ihnen zu diesem Zeitpunkt gerade ein Export- und Aufbringungs<lb break="no"/>system für Weizen erarbeiten, dann müsste es gelingen, dieses<lb/>
Jahr eine Erzeugerpreiserhöhung wirklich zu verhindern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_16">Bei Minister <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> fand wieder einmal eine Abstimmung zwischen<lb/>
Handelsministerium und Gesundheitsministerium wegen weiteren Bau<lb break="no"/>fortschritt und Teilbetriebsgenehmigung statt. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat<lb/>
mit seiner dynamischen Art natürlich die dortigen Sektionschefs<lb/>
und Ministerialräte glatt überfahren. Vom technischen Standpunkt<lb/>
ist es auch sicherlich möglich, nicht nur die Null-Leistung sondern<lb/>
auch den Probebetrieb, ohne dass die Endlagerung endgültig genehmigt<lb/>
wäre, zuzulassen Vom politischen Standpunkt musste ich ganz dezi<lb break="no"/>diert erklären, sieht dies leider anders aus. Die Regierung wird<lb/>
nicht zuletzt wegen der Bedenken des Bundeskanzlers im Gesund<lb break="no"/>heitsministerium erst dann grünes Licht für die Teilbetriebsgenehmi<lb break="no"/>gung geben, bis die Diskussion im Parlament weitestgehend abge<lb break="no"/>führt ist, für die Null-Leistung, die allerdings nur 4 - 6 Wochen<lb/>
dauern wird, könnte ich persönlich mir noch vorstellen, dass eine<lb/>
Teilbetriebsgenehmigung gegeben wird, da nahe Auskunft der KWU und<lb/>
der zuständige Ministerialrat bestätigt dies, wenn es zu keiner<lb/>
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und deshalb in entsprechender Zeit wieder so abklingt, als<lb/>
wenn die Brennstäbe niemals heiss gemacht worden wären. Anders<lb/>
sieht dies schon bei einer 20 % Leistungsprobe aus. Die weitere<lb/>
schwierige Situation wird dann entstehen, wenn ich persönlich auch<lb/>
annehme, LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, der für das externe Lager sowohl Zwischenlager<lb/>
als auch Endlager zuständig ist, wahrscheinlich in der mittelbaren<lb/>
Bundesverwaltung keinerlei Entscheidungen treffen wird, sondern<lb/>
die 6 Monate abwarten wird bis dann die Oberbehörde, in diesem<lb/>
Fall das Gesundheitsministerium selbst wird müssen. In diesem<lb/>
Fall erklärte ich aber dezidiert, trifft dann <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> die Schuld<lb/>
wegen verzögerten Betriebsbeginn des Kernkraftwerkes. Dies<lb/>
dürfte aber nach den letzten Äusserungen des Parteiobmannes<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> genau auf der ÖVP-Linie liegen. Dieser hat jetzt dezidiert<lb/>
erklärt, man sollte mit der Genehmigung für Zwentendorf noch<lb/>
zuwarten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat mir anschliessend gesagt, er war sehr<lb/>
froh, dass er nicht wegen der Betriebsgenehmigungen angesprochen<lb/>
wurde und da es sich hier um keine gewinnbringende Gesellschaft<lb/>
nämlich Endlagerung und Zwischenlagerung von Brennelementen<lb/>
handelt, auch nach Gewerbeordnung sicher nicht zuständig. Seiner<lb/>
Meinung nach ist nämlich der Zweck einer Betriebsgenehmigung,<lb/>
dass von vornherein nicht nur klar ist, sondern auch vorgesorgt<lb/>
ist, dass der Betrieb vom Produktionsanfang bis zum Produktions<lb break="no"/>ende, d.h. bei einem Kernkraftwerk auch Lagerung des abgebrannten<lb/>
Elemente und Endlagerung nicht nur geklärt ist sondern auch<lb/>
durchgeführt, werden kann. Dies würde aber bedeuten, dass man<lb/>
jahrelange keine Betriebsgenehmigung bis jetzt geben dürfe.<lb/>
Ich bin allerdings überzeugt, dass die jetzt auch schriftlich<lb/>
vorgelegte Zeittafel, wonach Anfang Dezember die Probeleistung,<lb/>
d.h. die Kritizität des Reaktors endgültig eingeschaltet werden<lb/>
soll, sicherlich wieder einmal nicht eingehalten wird. Wenn<lb/>
ich bedenke, dass seit 1974, wo ich die Elektrizitätskompetenz<lb/>
übernahm und man damals bei meinem ersten Besuch im Kernkraftwerk<lb/>
Tullnerfeld erklärt, sie liegen im Zeitplan Juni 1976 geht der<lb/>
Reaktor in Betrieb, wir jetzt bei Juni 1978, also zwei Jahre später<lb/>
liegen und dies innerhalb eines Zeitraumes von 1 1/2 Jahren nach<lb/>
der erst behaupteten Fertigstellung, so kann ich mir fast ausrechnen<lb/>
dass auch der jetzige Zeitplan garantiert nicht stimmen werden. Wich<lb break="no"/>tig erscheint mir und dies habe ich allen gesagt, dass jetzt die<lb/>
Beamten die Berichte für das Parlament fertigmachen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs><lb/>
hat auch ihren Beamten erklärt, dass sie vor Monaten schon<lb/>
versprochen haben, die Dokumentation für die Genehmigungs<lb break="no"/><pb n="36-0480" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-04-27_0480.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Zeittafel und vor allem für die einzelnen Schritte, die letzten<lb/>
Endes dann getan wurde, hätten vorgelegt werden müssen. Ich<lb/>
muss gestehen, ich wüsste wirklich nicht, wie wir vom Energie<lb break="no"/>ministeriums-Standpunkt aus das Problem lösen könnten, ohne die Dynamik<lb/>
von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und sicherlich oft seine brutale Vorgangsweise<lb/>
gegen jedermann. Den Bundesminister nicht ausgeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_17"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs> diskutierten dann die Frage der Kompe<lb break="no"/>tenzübertragung von allen anderen Ministerien an das Gesundheits<lb break="no"/>ministerium, damit sie endlich ihre Aufgabe auch als Umwelt<lb break="no"/>schützerin wahrnehmen kann. <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs> hatte <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> eine Traktanden<lb break="no"/>liste vorgeschlagen, die letzten Endes auch den einzelnen Ministern<lb/>
übergeben wurde, wo sie von der Krankenkasse bis zur Betriebs<lb break="no"/>genehmigung alles verlangen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs> waren sich<lb/>
vollkommen klar, dass ein solche Lösung weder zweckmässig noch<lb/>
möglich ist. Wenn wir tatsächlich z.B. die Betriebsgenehmigung<lb/>
aufsplittern oder ihr vielleicht sogar übertragen, könnte das<lb/>
Gesundheitsministerium nicht einmal annähernd die notwendigen<lb/>
Arbeiten leisten. Die Krankenversicherung vom Sozialminister hat,<lb/>
wie mir <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> flüsterte, sich überhaupt nie gewünscht, weil sie<lb/>
kaum eine Chance sieht, den dortigen Vertretern sich in Sachfragen<lb/>
zu einigen. Ich erklärte eben dann der Runde, dass ich eine Taktik<lb/>
für falsch halte, zuerst unendlich viel zu verlangen in der Hoffnung,<lb/>
ein wenig zu bekommen. Wenn auch die Traktandenliste nicht akten<lb break="no"/>mässig im Ministerium festgehalten ist, bin ich überzeugt, werden<lb/>
die Schreiben doch der Opposition bekannt. Wie in der Fragestunde<lb/>
ich feststellen konnte, wird sie daher von der ÖVP ständig härtest<lb/>
attackiert und auch die FPÖ tut tapfer mit, wann sie endlich ihre<lb/>
Kompetenzen bekommen wird, um ihren Ministertitel: Gesundheit und<lb/>
Umweltschutz Rechnung tragen zu können und warum sie sich in der<lb/>
Regierung nicht durchsetzt. Die Reaktion wird nach Bereinigung<lb/>
dieses Problems sein, dass die ÖVP erklärt, sie haben doch<lb/>
wesentlich mehr verlangt und in Wirklichkeit wieder nichts bekommen.<lb/>
Ich gab <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> den Tipp, den ich übrigens bei ihrer Anfrage<lb/>
auch dann den ÖVP-Abgeordneten zugerufen habe, sie soll immer wieder<lb/>
darauf hinweisen, dass sie die Kompetenz über die Betriebsgenehmigung<lb/>
verlangen würde und das Handelsministerium abträte, so würde die<lb/>
Handelskammer ganz entschieden dagegen auftreten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
werden daher wie wir nachher besprachen, Handelskammer insbesondere<lb/>
Industrievertreter in der Handelskammer diese Gefahr vor Augen führen.<lb/>
Die einzige Politik, die die Opposition nicht ertragen kann, ist<lb/>
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Wünsche der Bünde oder gar der gesamt ÖVP gegeneinander ausspielt.<lb/>
Wenn Gesundheitssprecher <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> will, dass das Gesundheitsministerium<lb/>
das alles macht, dann soll er sich mit der Handelskammer ausein<lb break="no"/>andersetzen, ob es tatsächlich zweckmässig ist, die Betriebsgenehmigung<lb/>
dem Gesundheitsministerium zumindestens teilweise zu übertragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> wird erleben, wie er auf geschlossenen Widerstand der<lb/>
Handelskammer und damit auch indirekt der ÖVP stösst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-27_18">Bei meinem sehr verspäteten Erscheinen in der Oper traf ich nicht nur<lb/>
die chinesische Delegation an, sondern auch noch eine Einkaufs<lb break="no"/>delegation von Volvo. Die <rs type="person" ref="#per__116110">Denzel</rs>-Vertreter waren sehr einverstanden,<lb/>
dass ich bei dieser Gelegenheit, Volvo gleich ersucht, so wie dies<lb/>
auch andere Autoimporteure machen, mehr in Österreich zwecks Abbau<lb/>
des Handelsbilanzdefizites zu kaufen. Selbstverständlich bedankte<lb/>
ich mich auch bei ihnen, dass für die Altstoff-Sammelaktion<lb/>
drei Volvos zur Verfügung gestellt werden, ohne dass ich den wirklichen<lb/>
Grund erwähnte. Für mich war es nämlich von allem Anfang an klar,<lb/>
dass dies eine der besten Markenreklamen ist, wenn in der Sendung Wir<lb/>
immer wieder darauf hingewiesen wird, dass der Volvo gewonnen werden<lb/>
kann, <rs type="person" ref="#per__116110">Denzel</rs> hat sicher deshalb drei gegeben, damit womöglich keine<lb/>
andere Marke ebenfalls herangezogen werden kann. Wenn er sich ausrechnet,<lb/>
was ihn die Erwähnung des Namens Volvo in Sekunden-Spot im FS<lb/>
kosten würde, dann bin ich überzeugt, kommt er mit den drei geschenkten<lb/>
Volvos billiger weg. Mir kann dies aber nur recht sein.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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