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            <title type="main">Mittwoch, der 20. April 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band36_1977-04-20</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_01">Mittwoch, 20. April 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_02">Aussenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> hat mich ersucht, ich soll unbedingt mit seinem<lb/>
Amtskollegen auf den Vereinigten arabischen Emiraten <rs type="person" ref="#per__146354">Ghobash</rs><lb/>
sprechen, selbst wenn es nur ganz kurz ist. Da dieser heute ab<lb break="no"/>reist, vermittelte er eine Aussprache um 8.30 im Imperial. Dies<lb/>
ist erstens für einen Aussenminister nachtwandlerische Zeit und<lb/>
zweitens für mich sicherlich ungewöhnlich, dass ich in ein Hotel<lb/>
zu einer Aussprache komme. Was tut man aber nicht alles, um<lb/>
fast würde ich sagen, Punkte zu sammeln für Aussenhandelsaktivität.<lb/>
Der österr. Repräsentant der Emirate Dr. <rs type="person" ref="#per__146355">Winter</rs> und von meiner<lb/>
Seite <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> nahmen auch an dieser Aussprache teil. <rs type="person" ref="#per__146354">Ghobash</rs> meinte,<lb/>
es gäbe noch gigantische Exportmöglichkeiten Österreichs auch<lb/>
auf dem landwirtschaftlichen Sektor. Bei den Emiraten gibt es reiche<lb/>
Scheichs aber auch verhältnismässig ärmere, die die Öl haben<lb/>
und eben die, die keines haben. <rs type="person" ref="#per__146356">Potari</rs> wird heuer ein Einkommen<lb/>
von 5 Mia. $ haben. Auf meine Frage, wie weit auf Drittmärkten<lb/>
wie z.B. Ägypten sie sich an Finanzierungen beteiligen, zeigte<lb/>
mir, dass Ägypten scheinbar das Konto überzogen hat. Die Schuld<lb/>
Ägyptens beträgt derzeit 1,5 Mia. $, obwohl von den 5 Mia. heuer<lb/>
1,75 Mia. ausgegeben werden für andere arabische Staaten wird Ägypten<lb/>
kaum noch grössere Hilfe für besondere Projekte wie z.B. für unser<lb/>
Suezkanaltunnel-Projekt bekommen. Was diese Golfstaaten in Wirklich<lb break="no"/>keit mit ihrem Geld wollen ist eigene Elektrizitätserzeugung,<lb/>
eine Produktionen von landwirtschaftlichen Produkten, nach<lb/>
wassersparenden Methoden wie z.B. Ruthners Glashäuser oder<lb/>
sogar Mehrwasserentsalzung, was ungeheuer viel Kapital erfordert.<lb/>
Ich habe den Wirtschaftsminister der Emirate eingeladen, <rs type="person" ref="#per__146354">Ghobash</rs> da<lb break="no"/>gegen meinte, ich sollte unbedingt, wenn möglich, nach den Golfstaaten<lb/>
fahren und wenn nicht heuer so nächstes Jahr Abu Dhabi besuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Vielleicht sollten wir langfristig<lb/>
einmal die notwendigen verschiedenen Reisetouren theoretisch<lb/>
zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_04">Bei der Schlussitzung der iranischen Delegation berichteten die<lb/>
drei Arbeitsausschüsse über ihre Arbeit und was mich am meisten<lb/>
überraschte über das reichlich detaillierte Protokoll, wo tat<lb break="no"/>sächlich, was ich sehr begrüsste, die einzelnen Geschäftsmöglichkeiten<lb/>
aufgezählt wurden. Da Iran auch mehr oder minder ein halbes Staats<lb break="no"/>handelsland ist, spiet es scheinbar für <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> eine grössere<lb/>
Rolle als für mich. Bei der Eröffnung des Trade-Centers und dann<lb/>
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Trade-Centers für <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> und für mich, wobei allerdings auch<lb/>
wieder ein Dutzend Leute eingeladen waren, gewann ich mehr denn<lb/>
je die Überzeugung, dass letzten Endes alles der Schah entscheidet.<lb/>
Der iranische Botschafter erzählte mir streng vertraulich, dass<lb/>
vom Schah die Entscheidung gefallen ist, nach Wien das Handels<lb break="no"/>zentrum zu verlegen, weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei der UNO-Ansprache den Schah<lb/>
in seiner Ölpolitik positiv zitiert hatte. Ausserdem sind derzeit<lb/>
die Perser auf die Schweizer sehr böse, weil diese einen Geheim<lb break="no"/>dienstmann ausgewiesen hatten, was sicherlich eine Rolle spielte,<lb/>
dass man eben den Schweizern zeigen wollte, dann geht man eben<lb/>
nach Österreich. Dies hat zwar der Botschafter mir nicht gesagt, aber<lb/>
es ist gar keine Frage, dass solche Überlegungen öffentliches Lob,<lb/>
Kritik an der Verhaltensweise gegen die Schah-Politik, eben solche<lb/>
Reaktionen auslösen kann. Wie dem auch sei, <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> erklärte in<lb/>
der Pressekonferenz dezidiert, in Hinkunft wird man von West<lb break="no"/>europa über dieses Trade-Center die Geschäfte nach Iran abwickeln<lb/>
müssen. die an und<add>[für]</add> sich für neue Kollegin Dr. <rs type="person" ref="#per__113001">Leupold</rs> hat sofort über<lb break="no"/>zogen, dass dies für uns von grosser Bedeutung ist und sich mit<lb/>
dem Leiter des Trade-Centers sehr eingehend beschäftigt. Dessen<lb/>
Frau hat jetzt erst vor drei Wochen einen Sohn bekommen, sucht<lb/>
dingend ein Kindermädchen, <rs type="person" ref="#per__113001">Leupold</rs> wird sich auch dieses Falles<lb/>
annehmen. Ich versicherte <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs>, dass wir das Trade-Center in<lb/>
jeder Beziehung unterstützen werden, damit es ein voller Erfolg<lb/>
wird im Interesse der iranisch-österreichischen Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen und Ausweitung unseres Aussenhandels. Der Leiter<lb/>
untersteht direkt <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass Dir von Dr. <rs type="person" ref="#per__113001">Leupold</rs> ständig über die<lb/>
von ihr betreuten Gebiete insbesondere Afrika, Naher Osten berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_06">Beim Besuch des tunesischen Verkehrsministers ersuchte ich diesen<lb/>
als Bürgermeister von Gabès<add>[hs. korrigiert, Anm.]</add> um Unterstützung des VÖEST-Projektes<lb/>
Errichtung einer Düngemittelfabrik in Gabès. Nach wie vor ist<lb/>
das Problem mit Tunesien, dass sie alle unsere Anlagen und<lb/>
Maschinen dringendst brauchen, als Gegenlieferung aber nur<lb/>
Phosphate anbieten können. Chemie Linz erklärt aber, einen<lb/>
Bedarf dafür zu haben. Die Tunesier möchten andererseits, wenn sie<lb/>
schon Güter kaufen, dass diese in Kooperation oder besser noch<lb/>
in Joint venture ihre eigene Industie aufbauen. Minister <rs type="person" ref="#per__146357">Sassi</rs><lb/>
stimmt mir zu, dass diese Politik aber Schritt für Schritt erfolgen<lb/>
soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_07">Bei meinem letzten Besuch in Tunis habe ich den dortigen Ministern<lb/>
vorgeschlagen, man soll z.B. mit der Fa. Steyr-Daimler-Puch<lb/>
nur Assembling zur eigenen Kraftfahrzeugproduktion kommen. Andere<lb/>
Staaten versprechen vielleicht schlüsselfertige gleich grosse<lb/>
KFZ-Industrie, die aber sicherlich ganz grosse und fast unlösbare<lb/>
Schwierigkeiten bei dem Anlauf ergeben wird. <rs type="person" ref="#per__146357">Sassi</rs> meinte, er<lb/>
teilt nicht nur diese Meinung, sondern in Tunesien weiss man sehr wohl<lb/>
zu unterscheiden zwischen seriösen Projekten und paradiesischen<lb/>
Versprechungen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> kam dann seinen Gast persönlich abholen<lb/>
um ihn mit den Steyr-Werken weiterhin zu betreuen. Der Vorteil,<lb/>
den <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat, ist, dass er doch nur einen Bruchteil von Ministern<lb/>
gegenüber mir empfangen muss, weshalb er sich wirklich auch um<lb/>
jeden einzelnen kümmert, dies während der Woche abwickeln kann und<lb/>
fast würde ich sagen so wie alles was er macht zelebriert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_08">Der jordanische FS-Generaldirektor Dr. <rs type="person" ref="#per__113604">Kamal</rs> erklärte mir, König<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113384">Hussein</rs> möchte das neutrale Österreich bei der Errichtung zweier<lb/>
Fernsehstudio heranziehen. Mit dem Fernsehen wird in Jordanien<lb/>
nicht nur Politik gemacht sondern wie er sich ausdrückte ausgesprochen<lb/>
Aufbauleistungspolitik durch Schulungen, Vorträge aber auch eine<lb/>
friedensmässige Berichterstattung selbst von Israels Ereignissen wird<lb/>
wesentlich dazu beitragen, in diesem Gebiet einen objektiven Rundfunk<lb/>
fast würde ich sagen à la BBC aufzuziehen. Das Projekt kostet 300 Mill.<lb/>
100 Mill. davon ist ausländischer Lieferanteil. Die AEG wird mit dem<lb/>
Generalkonsul Jordaniens <rs type="person" ref="#per__113605">Lintl</rs> gemeinsam, wie mir die Vertreter ver<lb break="no"/>sicherten, eine Studie jetzt fertigmachen, die vom BKA-Entwicklungs<lb break="no"/>hilfefonds mit finanziert wird. Ich kenne die FS-Sendungen Jordaniens<lb/>
nicht, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sie ein wenig objektiver<lb/>
sind als die Ägyptens oder gar von Syrien, weshalb der Generaldirektor<lb/>
wirklich glaubt, er macht einen unabhängigen Rundfunk und Fernsehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_09">Die Sektionsleiter-Sitzung war eine ausgesprochene Routine-Sitzung,<lb/>
wobei ich aber zu meiner grössten Verwunderung selbst erfuhr, dass<lb/>
in Hinkunft die ausländischen Dienstreisen nur mehr nach dem Budget<lb break="no"/>mittel eingeschränkt werden müssen und nicht mehr nach der Anzahl.<lb/>
Angeblich haben wir im Ministerrat einen diesbezüglichen Beschluss<lb/>
gefasst. Mir ist dies vollkommen entgangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte lass Dir den Ministerratsbeschluss<lb/>
kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_11">Ebenfalls eine routinemässige Sitzung war die Paritätische<lb/>
Kommission. Lohnverhandlungen für die Metallarbeiter und für die<lb/>
Bauarbeiter wurden jetzt erst freigegeben, obwohl sie durch Wochen<lb/>
hindurch bereits als abgeschlossen gelten, die preislichen Aus<lb break="no"/>wirkungen jetzt durch die Lohntangenten-Regelungen, wie wir dies<lb/>
seit Jahrzehnten handhaben, endgültig genehmigt. Neben dieser ge<lb break="no"/>samtwirtschaftlich so ungeheuer wichtigen Frage die Tatsache, dass<lb/>
wir auch die Preise für Haarschneiden um 1.50 S und fürs Waschen<lb/>
und Legen um 3.- S erhöhten ist direkt lächerlich. Dazu kommt noch,<lb/>
dass diese Preiserhöhungen in Wirklichkeit für die kleinsten Ge<lb break="no"/>schäfte gelten. Die grösseren verrechnen heute schon so gigantische<lb/>
Preise auch für die Nebenleistungen, dass der 1.50 S überhaupt<lb/>
keine Rolle spielen kann. Eine Kopfbearbeitung selbst für einen Mann<lb/>
kann zwischen 30.- – soviel zahle immer ich – und 300.- S, soviel<lb/>
zahlen oft meine Söhne, liegen, fast könnte man humorvoll als<lb/>
Begründung sagen, die haben eben mehr Haare.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_12">Bei der Lohnregelung der Metallarbeiter und in deren Gefolge die<lb/>
Tangentenregelungen für die Preiserhöhung in der gesamten Metall<lb break="no"/>branche haben die Landwirte ins Protokoll gehen lassen, dass sie<lb/>
die Auswirkung bei ihren Produkten anmerken und die Präsidenten er<lb break="no"/>klärten, dies wird bei den nächsten Agrarpreiserhöhungen zu be<lb break="no"/>rücksichtigen sein. Für mich war diese Anmerkung ein Indiz,, dass<lb/>
die Landwirte jetzt noch nicht konkret sagen wollen, was sie<lb/>
tatsächlich für Preiserhöhungen bei ihren Agrarprodukten anstreben.<lb/>
Anschliessend besprach ich mit <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs> und <rs type="person" ref="#per__146359">Mahr</rs> das von der Land<lb break="no"/>wirtschaftskammer vorgelegte Getreide-Exportmodell. Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
hat mir vorher schon erklärt, er möchte auch über dieses Modell<lb/>
und ganz besonders über die Errichtung einer Ölmühle-Projekt mit<lb/>
mir sprechen. Aus all diesen Indizien nehme ich an, dass es möglich<lb/>
sein wird, heuer keine Getreidepreiserhöhung zugestehen zu müssen.<lb/>
Natürlich wird Präs. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> von der NÖ LWK einen diesbezüglichen<lb/>
Preisantrag stellen, doch glaube ich, können wir ihn diesmal<lb/>
dilatorisch behandeln. Die neue Getreidepreispolitik der Bauern<lb/>
ist darauf ausgerichtet, garantierten Absatz teils im Inland, teils<lb/>
aber auch Export zu bekommen. Damit sollen gewisse Anbauflächen<lb/>
insbesondere von Qualitätsweizen garantiert sein, der Absatz dann<lb/>
durch entsprechende Exportsubvention gegebenenfalls gesichert werden<lb/>
müsste. Für uns intern wird es höchste Zeit, dass wir uns eine ge<lb break="no"/>meinsame Vorgangsweise – AK, ÖGB, HM, wenn möglich natürlich auch LWM,<lb/>
FM absprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte für nächstes Jour fixe AK - ÖGB<lb/>
in Tagesordnung aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_14">Bei der Vorbesprechung zum aussenpolitischen Rat beschwerte<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei mir, dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> nach wie vor ablehnt, dass wir<lb/>
jetzt in den internationalen Gremien aber auch in zukünftigen<lb/>
Gipfelgesprächen die Idee z.B. die Energie als ein solches Thema<lb/>
zu stellen, ablehnt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, es müsse sich aufhören,<lb/>
dass Beamte die Politik machen wollen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat an Aussenminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> einen Brief gerichtet, wo er auf die Schwierigkeiten eingeht,<lb/>
und angeblich nur bilaterale Gespräche vorschlägt. Ich blockte<lb/>
diese Vorwurf sofort ab, indem ich erklärte, dies sei für uns<lb/>
insbesondere eine Frage der Personalbesetzung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der ja wusste,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wegen der Personalschwierigkeiten sogar in Pension<lb/>
gehen wollte und deshalb bei mir intervenierte, man dürfe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
auf gar keinen Fall weggehen lassen, ist scheinbar aber über<lb/>
dessen Energiepolitik sehr ungehalten. Ich einigte mich sofort dann<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>, dass es zweckmässig ist, unseren ursprünglichen Plan, einen<lb/>
Vertreter für Energiefragen in Paris in der Mission zu installieren<lb/>
was nicht nur seine Zustimmung findet, sondern er diese Idee unter<lb/>
allen Umständen jetzt durchziehen möchte. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> schlug mir vor, ich soll<lb break="no"/>te ihm sofort einen Vertreter nominieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte entsprechenden Vorschlag vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_16">Im Aussenpolitischen Rat, wo ich wegen der EFTA-Gipfelkonferenz<lb/>
Tagesordnungspunkt 1) zugezogen wurde, diskutierte <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> aber<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> das Problem, wie es überhaupt in der EFTA weitergehen<lb/>
soll. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ist davon überzeugt, dass es sich hier nur im ein<lb/>
Restgebilde handelt, das äusserst schwierig sich in Zukunft durch<lb break="no"/>setzen wird. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> fragte mich dann dezidiert, wie es mit den<lb/>
Mittelmeerländern weitergehen soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat vorher seine Kon<lb break="no"/>zeption zum EFTA-Gipfel, also keine Blockbildung sondern eine Ver<lb break="no"/>dichtung der Integration den Oppositionsparteien, auch <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> war an<lb break="no"/>wesend, erklärt. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> vermutete, dass innerhalb der EFTA grosser<lb/>
Widerstand oder jetzt zumindestens ein gewisser Widerstand gegen<lb/>
eine Lösung mit Spanien – näheres Heranführen an die EFTA - vorhanden<lb/>
ist. Dies konnte ich mit ruhigem Gewissen verneinen, weil seit der<lb/>
Demokratisierungswelle in Spanien selbst die Gewerkschaften Schwedens<lb/>
und Norwegens für eine Annäherung Spaniens an die EFTA sind. Ich<lb/>
bin allerdings fest davon überzeugt, dass es gar nicht so weit kommen<lb/>
wird, weil zwischenzeitig doch die Bemühungen Spaniens sowie<lb/>
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Beitritt in die EWG abgegeben wird. Der zweite Tages<lb break="no"/>ordnungspunkt war die Belgrader Tagung, die mich aber<lb/>
überhaupt nicht interessierte, weshalb ich zu dem Essen von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> ging. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist auf den aussenpolitischen Rat,<lb/>
den er kreiert hat und letzten Endes auch durchgesetzt,<lb/>
wodurch die Opposition eine weitere Informationsquelle<lb/>
bekommen hat, wie er in der Vorbesprechung ausführte,<lb/>
sehr stolz. Seine grossen Einführungen und Reformen, wie<lb/>
er sich ausdrückte, <choice><choice><sic>ist</sic><corr>sind</corr></choice></choice> der aussenpolitische Rat und die<lb/>
Ombudsmänner. Sicherlich geben sie der Opposition die<lb/>
Möglichkeit, ausserhalb des Parlamentes einiges zu erfahren,<lb/>
was sie allerdings genauso auch im Parlament erfragen könnten.<lb/>
Dort hätte es vielleicht sogar für sie eine grössere wahl<lb break="no"/>politische Entscheidung als in dieser Gesprächsrunde. Unerklärlich<lb/>
ist mir auch, dass mit dieser Methode <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Opposition<lb/>
scheinbar näher befriedigt in ihrem Informationsbedürfnis<lb/>
ihnen aber gleichzeitig die Möglichkeit nimmt, härter zu<lb/>
attackieren, wenn er sie zu Auslandsreisen mitnimmt, wenn er<lb/>
sie in diesen Gremien oft nichtssagend Neues streng vertraulich<lb/>
informiert, wenn er als Regierungschef, also eine Koopera<lb break="no"/>tionsbereitschaft zeigt und auch durchführt, nimmt er meiner<lb/>
Meinung nach der Opposition nur die Möglichkeit in diesen Fragen<lb/>
weiter anzugreifen. Ich würde eine solche Politik nicht<lb/>
akzeptieren, wenn ich Oppositionsführer wäre. in all diesen<lb/>
Fällen vergleiche ich immer unser Verhalten zwischen 1966 und 1970<lb/>
und dem Wirken und lendenlahmen Verhalten der ÖVP seit 1970.<lb/>
Wenn wir selbst nicht grosse Schnitzer machen, dann hat sie<lb/>
wirklich kaum eine Möglichkeit, sich zu profilieren.<lb/>
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der Donau neuerdings als Aufsichtsrat gewählt werden konnte.<lb/>
In mir unerklärlicher Weise hat er nämlich vormittags <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
abgerufen und gefragt, ob er jetzt wieder vorgeschlagen wird,<lb/>
weil er sonst gar nicht zu dieser Sitzung geht. Dies ist<lb/>
mir deshalb vollkommen unerklärlich, weil ich ihm gestern<lb/>
ausdrücklich noch sagte, dass wir dieses Jahr ihn als<lb/>
Aufsichtsrat vorsehen und das nächste Jahr dann mit ihm<lb/>
gemeinsam zwischen <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> und mir eine Lösung besprochen<lb/>
werden soll. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> teilte mir auch mit, das <rs type="person" ref="#per__97907">Schaumayer</rs>, die<lb/>
von der ÖVP nicht mehr vorgeschlagen wurde, sofort zum Telefon<lb/>
<pb n="36-0443" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-04-20_0443.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lief und Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> um Intervention zu bitten.<lb/>
Das Ergebnis war, dass selbstverständlich <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> die schwarze<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97907">Schaumayer</rs>, die von der ÖVP nicht mehr als Landesvertreterin<lb/>
vorgeschlagen wurde, dahingehend unterstützte, dass die<lb/>
Ländervertreter der Regelung nicht zustimmten. Dies ist aller<lb break="no"/>dings meine kleinste Sorge und für mich ist es nur entscheidend,<lb/>
dass jetzt endlich die Besetzung auf 6 Sozialisten, 5 ÖVP-ler<lb/>
endgültig festgelegt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-20_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Veranlasse, dass uns der Vorgang genau<lb/>
geschildert wird.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 20.4.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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