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            <title type="main">Montag, der 18. April 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band36_1977-04-18</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_01">Montag, 18. April 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_02">Schon bei der Vorbesprechung mit Handelsminister <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs>, Iran,<lb/>
konnte ich feststellen, dass die Iraner grosses Interesse haben,<lb/>
unsere Aussenhandelsbeziehungen noch weiter auszubauen. In den<lb/>
letzten vier Jahren ist es fast geglückt, das vierfache Volumen<lb/>
zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> war an einigen Projekten, die wir ihm<lb/>
in einer Liste zusammengestellt hatten, interessiert und hat<lb/>
zu jedem einzelnen zumindestens Stellung genommen. Er war auch<lb/>
sofort einverstanden, dass wir drei Arbeitsgruppen – eine für Agrar<lb break="no"/>fragen, die zweite für Industrieprojekte, die dritte für den all<lb break="no"/>gemeinen Handel und für das vorzubereitende Kommuniqué – einsetzten.<lb/>
Deshalb dauerte die Gemischte Kommission nur ganz kurze Zeit, weil<lb/>
sie ja auch nur eine formelle Sitzung war. Die meiste Zeit bei<lb/>
solchen Besuchen nehmen dann immer die offizellen Essen und spät<lb/>
abends dann die Gegenessen ein. Da <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> ein perfektes Englisch<lb/>
spricht und nur diese Sprache verwendete, musste ich mehr oder minder<lb/>
notgedrungen auch in dieser antworten. Abends hatte ich versucht,<lb/>
den Aussenminister für die Antwort zu gewinnen. Der persische Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> war darüber so unglücklich, das Gegenessen, meinte<lb/>
er, war doch wegen mir gemacht worden und eine riesige Anzahl<lb/>
von Gästen eingeladen, dass dann selbstverständlich auch ich<lb/>
antworten musste. Interessant war nur, dass er mich aufmerksam<lb/>
machte, <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs> wird einen Toast auf den Bundespräsidenten aus<lb break="no"/>sprechen und er möchte mich bitten, dass ich einen Toast auf den<lb/>
Schah ausspreche. Am meisten beeindruckt war nämlich <rs type="person" ref="#per__145408">Taslimi</rs>,<lb/>
dass er Gelegenheit hatte, mit dem Bundespräsidenten, anfangs war ich<lb/>
selbst dabei, 1 1/4 Stunden zu sprechen. Da alle Besucher, die<lb/>
ich bis jetzt Gelegenheit gehabt habe, zu <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97629">Kirchschläger</rs><lb/>
zu begleiten, glaubten, sie gehen nicht nur zum formellen Staats<lb break="no"/>oberhaupt, sondern auch zu der höchsten staatlichen Stelle mit ent<lb break="no"/>sprechendem Einfluss, wird in dieses Amt nicht nur von manchen<lb/>
Österreichern, d.h. sogar von den meisten Österreichern, sondern<lb/>
auch von allen Besuchern, die ich bis jetzt hinbegleitete, die Funktion<lb/>
des Bundespräsidenten stark überschätzt. Zu seinem und auch teilweise<lb/>
zu meinem Glück betrachten sie deshalb eine solche Aussprache als<lb/>
äusserst wichtig, nicht nur für eine protokollarisch formellen Akt.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> auch die politische Arbeit dank seiner langjährigen<lb/>
aussenpolitischen Tätigkeit und auch die Wirtschaftspolitische Situa<lb break="no"/>tion genau kennt, ist er nicht nur ein sehr angenehmer Gesprächs<lb break="no"/>partner, sondern auch bestens informiert. Ich frage mich immer nur,<lb/>
wie würde sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verhalten, wenn er, was er allerdings gar<lb/>
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Bundeskanzler jetzt agieren würde. Für mich drängt sich hier<lb/>
eine gewisse Parallelität mit <rs type="person" ref="#per__114141">Adenauer</rs> auf, der auch erklärte,<lb/>
niemals Bundespräsident werden zu wollen, obwohl er sogar eine<lb/>
Zeit zugesagt hatte. In beiden Fällen liegt nämlich die Macht<lb/>
nicht beim höchsten Mann im Staate, sondern bei den Kanzlern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_03">Beim Journalistenfrühstück berichtete <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> über die Produkt<lb break="no"/>deklaration für Dienstleistungen, die jetzt im Rechtsausschuss<lb/>
behandelt wird. <rs type="person" ref="#per__110996">Feltl</rs>, der Stellvertreter von <rs type="person" ref="#per__146334">Huber</rs> Min.Rat<lb/>
über die Richtlinien für die Genehmigung zur Führung des<lb/>
Staatswappens. Ich war selbst überrascht zu erfahren, welch<lb/>
wesentlich stärkere Vergabe gegenüber meinen Amtsvorgängern<lb/>
in meiner Amtsperiode einsetzte. 1971 gab es 31 Ansuchen und<lb/>
20 Genehmigungen, 1976 waren 120 Ansuchen und 52 Genehmigungen.<lb/>
Die geringere Anzahl der perzentuellen Genehmigungen von Ansuchen<lb/>
ist darauf zurückzuführen, weil – wie MR <rs type="person" ref="#per__146334">Huber</rs> erklärte – die Ab<lb break="no"/>teilung mit vielen anderen Fragen insbesondere aber Aufarbeitung<lb/>
von Rückständen derzeit stark blockiert ist. Ich selbst erklärte<lb/>
auch bei der Presse, dass ich keinen Einfluss darauf nehme, wer<lb/>
dieses Wappen bekommt, wenn er den gesetzlichen resp. richtlinien<lb break="no"/>mässigen Voraussetzungen entspricht, so bin ich für eine gross<lb break="no"/>zügigere Genehmigung. Früher hat <rs type="person" ref="#per__110996">Feltl</rs> selbst erklärt, war es nur die<lb/>
Creme der Unternehmer, die das Staatswappen Führung genehmigt<lb/>
bekamen. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> berichtete, dass der Osterfremdenverkehr sehr gut<lb/>
gewesen ist. Davon war ich selbst sehr überrascht, denn am Reiss<lb break="no"/>eck, wo ich jahrelang hinfahre, hat es noch niemals so viel<lb/>
Schnee gegeben und noch niemals so wenig Gäste zu Ostern. Für<lb/>
mich war es wieder einmal mehr ein Beweis dafür, dass man von<lb/>
seinen eigenen Erlebnissen nur sehr beschränkt, um womöglich<lb/>
zu sagen, gar nicht auf die allgemeine Situation schliessen darf.<lb/>
In den Wintermonaten haben wir eine Verstärkung der Devisen<lb break="no"/>einnahmen um 11 % gehabt, bei einer Steigerung der Übernächtigungs<lb break="no"/>zahlen von 4,1 %.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_04">BBeim Wiener Vorstand wurde die Aktion für Wien SPÖ vom 1. Mai<lb/>
bis 19. Juni 1977 besprochen. Auftakt soll die Mai-Veranstaltung<lb/>
sein und dann Bürgermeister-Diskussionen, Marktbesuche, Betriebs<lb break="no"/>besuche, Passagendiskussionen 15<add>[?]</add>, die ich seit Jahrzehnten mache,<lb/>
Veranstaltungen der Bezirksvorsteher an besondere Zielgruppen,<lb/>
Gewerbetreibende, Akademiker, Jungwähler die wir ebenfalls<lb/>
im Bezirk allerdings leider nicht unser Bezirksvorsteher bis jetzt<lb/>
<pb n="36-0427" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-04-18_0427.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>machte, Veranstaltungen mit Bundesländer-Politikern und am<lb/>
19. Juni dann eine grosse Schlussveranstaltung im Kur- und Erholungs<lb break="no"/>park Oberlaa. Interessant für mich ist nur, dass eigentlich nie<lb break="no"/>mandem etwas Neues einfällt. Alle diese Vorschläge waren schon<lb/>
immer da als ich sie mehr oder minder begann, waren sie vielleicht<lb/>
noch neu, jetzt finde ich sind sie schon reichlich abgedroschen,<lb/>
obwohl sicherlich noch sehr wirksam. Ein weiterer Punkt war die<lb/>
Besetzung der Aufsichtsräte der Holding-Töchter. Die Chance, dort<lb/>
eine breitere Streuung zu erreichen, wurde nur teilweise ergriffen.<lb/>
Sicher anstelle von Politikern treten jetzt teilweise AK-Leute,<lb/>
Gewerkschaftsleute, Konsumgenossenschaft und vor allem aber<lb/>
parteimässig verankerte Funktionäre als Fachleute z.B. entspann<lb/>
sich eine Debatte, ob die Approbationsabteilung im Unterrichts<lb break="no"/>ministerium, die jetzt von einem Genossen besetzt wurde, deren<lb/>
Leiter auch im Aufsichtsrat von Jugend und Volk-Verlag nominiert<lb/>
werden soll. Natürlich müsste dann ein bereits vorgesehener gestri<lb break="no"/>chen werden. Dies gibt natürlich schon Schwierigkeiten, wenn einmal<lb/>
jemand bereits nominiert wurde, wenn dies auch vor der Beschluss<lb break="no"/>fassung nicht endgültig ist. Auch auf diesem Gebiet oder besser<lb/>
gesagt in dieser Organisationsform bestätigte sich für mich,<lb/>
was ich immer wieder sagte, entscheidend ist, in welcher Kompetenz<lb/>
sich ein Organ befindet. Im Stadtbereich ist es eben der Bürger<lb break="no"/>meister, im Bundesbereich der jeweils zuständige Bundesminister.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_05">Ausser den organisatorischen Besetzungen im Bezirksvorsteher und<lb/>
Delegierungen zu Landeskonferenzen teilte <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> auch mit, dass<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vereinbart wurde, das Präsidium zweimal jährlich<lb/>
die offiziellen Wünsche und Besprechungen mit dem Bundeskanzler<lb/>
und der Wiener Partei abwickeln wird. Dort wird auch über den<lb/>
Brückentausch, den <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> immer wieder urgiert hat, was ge<lb break="no"/>schieht mit der Floridsdorfer Brücke, besprochen. <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> ver<lb break="no"/>wies auch drauf, dass er befürchtet, im Mietrechtsänderungsgesetz<lb break="no"/>entwurf, der jetzt im Justizministerium vorbesprochen wird,<lb/>
könnte die Mietzinsbewertung eine katastrophale Wirkung auf<lb/>
die nächsten Wiener Wahlen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_06">Vor der Wiener Ausschuss-Sitzung hatte ich Gelegenheit <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, der<lb/>
über die Sicherheitsverhältnisse mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> referieren sollte, über<lb/>
das Problem des Mietrechtsänderungsgesetzentwurfes zu sprechen<lb/>
und ihn auf die Befürchtungen, die in der Wiener Organisation herrschen,<lb/>
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mit ihm besprochen hatte, war sehr glücklich, dass auch von zweiter<lb/>
Seite <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> auf diese Meinung aufmerksam gemacht wurde. Er versicherte,<lb/>
dass nicht die Absicht besteht, in dieser Gesetznovelle die Mietzins<lb break="no"/>änderung aufzunehmen. Alle diesbezüglichen Befürchtungen sind damit<lb/>
endgültig zerstreut. Warum er dies allerdings dann im Wiener Ausschuss<lb/>
nicht bei einer passenden oder wenn man so will auch unpassenden<lb/>
Gelegenheit, zumindestens solange ich anwesend war, sagte, ist mir<lb/>
eigentlich ein Rätsel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_07">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Parteiführer<lb break="no"/>aussprache in Amsterdam berichtet. Er meinte, die Regierung müsste<lb/>
umfassend informiert sein, weshalb er auch diesen Teil so quasi,<lb/>
das geht eigentlich nur die Partei an, auch in der Regierung zur<lb/>
Sprache bringt. Interessant dabei war nur, dass der französische<lb/>
Vertreter gegen die Intervention von <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard d'Estaing</rs> in Zaire<lb/>
protestieren wollte und dabei auf heftigsten Widerstand aller<lb/>
farbigen Mitglieder der soz. Internationale gestossen ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
erfasste sofort ganz richtig, dass es nicht so einfach ist<lb/>
von Europa aus, ohne sich an Ort und Stelle zu begeben, die wirklichen<lb/>
politischen Verhältnisse dort sofort richtig zu erkennen und ent<lb break="no"/>sprechende Massnahmen zu bejahen oder zu verurteilen. Ausser<lb/>
in der deutschen Partei, wo man jetzt ernstlich diskutiert, ob<lb/>
die Oppositionsrolle nicht für die Situation der SPD besser wäre,<lb/>
gibt es überall Optimismus. Vollkommene Übereinstimmung herrsche<lb/>
bezüglich der Stellungnahme des Sozialisten bei der Belgrader<lb/>
Konferenz. Man soll dort nicht über Menschenrechtsfragen zu Gericht<lb/>
sitzen, sondern grosse Probleme wie z.B. die Energiefrage in Angriff<lb/>
nehmen. Dies ist ja die Idee <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, die er seit eh und je ver<lb break="no"/>tritt. Überrascht war ich auch noch, dass er ganz besonders das<lb/>
tiefschürfende und sehr ausbalancierte Referat von <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs>, BRD,<lb/>
besonders herausstrich. Über den Inhalt sagte er nichts, weil er<lb/>
scheinbar annimmt, alle kennen ihn. Da im Amsterdam auch Terror<lb break="no"/>drohungen der Polizei bekannt wurden, gab es eine superstrenge Be<lb break="no"/>wachung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fürchtet, dass doch auch stärker die Terroraktivi<lb break="no"/>täten auf Österreich übergreifen werden. Ihm war unerklärlich, wie<lb/>
z.B. die Sprecherlaubnis mit der Terroristin <rs type="person" ref="#per__113052">Boock</rs> zustande kam.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> erklärte, dass wir zu spät von der deutschen<lb/>
Seite verständigt wurden und ausserdem die Sprecherlaubnis aus<lb break="no"/>schliesslich von dem zuständigen Richter jetzt gegeben wird. Hier<lb/>
handelt es sich um eine Gruppe <rs type="person" ref="#per__145752">Holzer</rs> - <rs type="person" ref="#per__146336">Eckbrecht</rs> usw., die eine eigene<lb/>
Rechtsauffassung vertreten. U.a. wird es zu einer harten Auseinander<lb break="no"/><pb n="36-0429" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band36/36_1977-04-18_0429.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>setzung kommen, weil diese ernstlich glauben, sie könnten die<lb/>
Post auch der Untersuchungshäftlinge zensurieren. Dies ist<lb/>
aber nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__97372">Brodas</rs> gesetzwidrig und wird früher oder<lb/>
später von einem Obersten Gerichtshof beanstandet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beabsichtigt jetzt in Syrien seinen Gegenbesuch zu absol<lb break="no"/>vieren und benötigt dazu die handelspolitischen und wirtschafts<lb break="no"/>politischen Unterlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte sofort alle Syriengeschäfte<lb/>
incl. der Waffen zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_10">Im Untersuchungsausschuss im Parlament über die Syriengeschäfte<lb/>
hat man zwar die Munitionslieferung und die Gewehrsendung<lb/>
diskutiert, aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen.<lb/>
Im Verteidigungsrat ist klargestellt, dass Fahrzeuge selbstver<lb break="no"/>ständlich nach Syrien exportiert werden dürften. Die Frage, wieso<lb/>
es zu keinem Geschäftsabschluss gekommen ist, konnte ich nur so<lb/>
beantworten, dass mich Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__111400">Malzacher</rs> verständigt hat, dass<lb/>
die Syrer auf die Auslieferung der vereinbarten Munitions- und<lb/>
Gewehrlieferungen bestehen, bevor sie ein grösseres Fahrzeug<lb/>
Geschäft abschliessen wollen. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> wieder berichtet, dass er von<lb/>
der Botschaft die Mitteilung hat, dass ein solches Geschäft an den<lb/>
hohen Kreditzinsen 8 %, die die Länderbank verlangt, bis jetzt<lb/>
gescheitert ist. Hier steht Aussage gegen Aussage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte versuche, bevor der Bericht für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
fertiggestellt wird, auch dieses Problem zu klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_12">Die Hirtenberger Munitionsfabrik hat eine Ausfuhrgenehmigung für Italien<lb/>
Munitionslieferung erhalten. Nach Mitteilung von <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> und <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
wurde dafür eine Endverbraucherbestätigung vorgelegt. Jetzt möchte<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__114514">Hadwiger</rs> von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine Zustimmung, dass diese Munition<lb/>
nach Südafrika weitergeliefert werden dürfe. Dies widerspricht<lb/>
aber eindeutig den UNO-Beschlüssen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat deshalb dezidiert<lb/>
erklärt, er nimmt diese nicht zur Kenntnis.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_13">Zum sudetendeutschen Tag, wo 200.000 Teilnehmer erwartet werden,<lb/>
50.000 davon sind mindestens Österreicher, wird <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> delegiert<lb/>
für die Regierung, weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht in Österreich ist sondern<lb/>
auf Mallorca. 1959 hat <rs type="person" ref="#per__97852">Raab</rs> damals den sudetendeutschen Tag genehmigt,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> hat einen Sudetendeutschen Tag abgesagt und sogar Kosten<lb break="no"/>ersatz versprochen, der allerdings niemals gewährt wurde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint mit Recht, man kann sich von den Tschechen nicht aufzwingen<lb/>
lassen, welche Veranstaltungen in Österreich erfolgen. Die Ver<lb break="no"/>anstalter erklären dezidiert, dass es sich wirklich nur um ein<lb/>
landsmannschaftliches Treffen handeln wird mit keinerlei politi<lb break="no"/>schen oder gar aggressiven Angriffen gegen die CSSR. Ich be<lb break="no"/>richtete, dass mich der Botschafter der CSSR <rs type="person" ref="#per__137234">Komarek</rs> angerufen<lb/>
hat, um wie er sich ausdrückt, trotz der politischen bewegten<lb/>
Zeit die Wirtschaftsbeziehungen nach wie vor unverändert zu lassen.<lb/>
Grund dafür war, dass er für die Beschäftigung in der Bau-Geologie<lb/>
jetzt wieder grössere Schwierigkeiten hat. Ich versprach <rs type="person" ref="#per__137234">Komarek</rs>,<lb/>
dass ich so wie in den bisherigen schlechten politischen Zeiten<lb/>
alles daransetzen werde, die Wirtschaftsprobleme auszuklammern.<lb/>
Diese Meinung vertritt auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und ganz besonders Aussenminister<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte Beschäftigungsfrage Bau-Geologie sofort<lb/>
mit Sozialministerium besprechen, <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> ist informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_15"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat vorgeschlagen, zur EFTA-Tagung am 13. Mai <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>, <rs type="person" ref="#per__97985">Stari<lb break="no"/>bacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, eventuell wie er meinte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zuzuziehen. Ent<lb break="no"/>scheidend sei aber, wer am Kamingespräch teilnimmt, da einige<lb/>
Minister einen Heurigenabend für die Beamten organisieren müssen.<lb/>
Die spasshalber von <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> gemachte Bemerkung, für Heurigen ist<lb/>
der <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> der Beste, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht so aufgefasst und<lb/>
meinte, ich müsste unbedingt am Kamingespräch teilnehmen, was<lb/>
ich übrigens als selbstverständlich erwartete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_16"><rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat jetzt einen Studienauftrag fertig und möchte ent<lb break="no"/>sprechend publizieren über die anderen Energieformen als die<lb/>
Kernenergie. Ein diesbezügliches Schreiben soll bereits an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und an mich abgegangen sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kannte bereits<lb/>
den Inhalt und hat dem zugestimmt. Ich begann sofort eine<lb/>
Diskussion über die Zweckmässigkeit anderer Energieformen, ins<lb break="no"/>besondere der Sonnenenergie. Mein Beispiel von <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs>, die Alpen<lb/>
müssten mit Spiegeln überdeckt werden, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch gekannt<lb/>
und meinte, dies sei eine Untersuchung von Alusuisse, die tenden<lb break="no"/>ziös sei und deshalb nicht allzu ernst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche zu klären, wo erstens die österr.<lb/>
Untersuchung steckt und was es mit der Schweizer Untersuchung<lb/>
wirklich auf sich hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_18">Eine Diskussion entbrannte über die Genehmigung des Probebetriebs<lb/>
für Tullnerfeld. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> meinte, dass seinerzeit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt<lb/>
hat, nur wenn die Endlagerung geklärt ist, wird eine Betriebsge<lb break="no"/>nehmigung gegeben. Ich argumentierte und <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> war darüber<lb/>
sehr glücklich, dass<add>[es]</add> sich hier im Herbst nicht um eine Betriebs<lb break="no"/>genehmigung, sondern um eine Null-Leistungs-Genehmigung handelt,<lb/>
damit überhaupt festgestellt werden kann, ob das <choice><choice><sic>Fernkraftwerk</sic><corr>Kernkraftwerk</corr></choice></choice><lb/>
betriebsfähig ist. Glücklicherweise hat mir die KWU schrift<lb break="no"/>lich mitgeteilt, dass aus einer Null-Leistung, heissmachen des<lb/>
Reaktors nicht die Aufbereitungs- und Endlagerungsprobleme ent<lb break="no"/>stehen. Sollte die Betriebsgenehmigung nicht gegeben werden, so<lb/>
versichert die KWU und auch die Gesellschafter der Kernkraftwerk<lb/>
Tullnerfeld würde nach etlichen Jahren die Radioaktivität voll<lb break="no"/>kommen abklingen. Daraus würde kein wie immer gearteter Gefahrenherd<lb/>
für die Bevölkerung entstehen. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs>, aber vor allem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
nahmen diese Erklärung mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis, wissen<lb/>
aber selbst auch keine andere, oder gar bessere Lösung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_19"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet, dass er jetzt 20 bis 30 Ansuchen pro Tag für<lb/>
Pokale und Ehrenpreise hat und daher, da ihm der Nationalrat sicher<lb break="no"/>lich kritisieren wird, diese ablehnen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_20">Bezüglich der Veranlagung der Mittel der einzelnen Ressorts, ganz<lb/>
besonders aber der BÜRGES-Aktion meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wir müssten uns<lb/>
mehr um die Veranlagung, bei welchen Banken und Kreditinstituten<lb/>
kümmern. Als <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> in die Verstaatlichte kam, hat er sofort alles<lb/>
in die Giro-Zentrale uminstradiert. Ich erklärte, dass wir in der<lb/>
BÜRGES einen eigenen Direktor jetzt haben und <rs type="person" ref="#per__113825">Steyrer</rs> sich daher<lb/>
kümmern muss, wo die Gelder entsprechend veranlagt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Bitte einen Bericht, wie sich die Veranlagung<lb/>
der BÜRGES in der letzten Zeit geändert hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_22">An die Minister ist wieder eine parlamentarische Anfrage wegen der<lb/>
Aufwendungen für Inserate, Werbungen usw. ergangen. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> wird diese<lb/>
Anfrage koordinieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_24"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> berichtete, dass er jetzt von seinem Verfassungsdienst<lb/>
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schriftliche Stellungnahme bekommen hat, die er als Richtlinie<lb/>
allen Ministern übergibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte in Hinkunft nach dieser Richtlinie vorgehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band36_1977-04-18_26">Anschliessend an die Ministerratsvorbesprechung sprach ich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> über die Frage der Aufsichtsratsitze der Donau und in den<lb/>
Tauernkraftwerken. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> war schon einigermassen erschüttert,<lb/>
dass er beide Posten verlieren wird. Ich habe ihm als Kompromiss<lb/>
vorgeschlagen, dass er noch in diesem Jahr bestellt wird, wir<lb/>
aber für nächstes Jahr eine endgültige Lösung vorbereiten müssen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat grössere Möglichkeiten, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> in verschiedene Positionen<lb/>
zu bringen. Er hat dies auch schon teilweise in Kreditinstituten<lb/>
getan. Dafür hat <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, objektiverweise muss ich dies zugestehen,<lb/>
sofort den Posten in der Patentverwertungsgesellschaft und vor<lb/>
allem in der INPADOC mit 30.000 S dotiert aufgegeben. Den zweiten<lb/>
Posten in der BÜRGES hat er ebenfalls sofort zur Verfügung gestellt.<lb/>
Ich erklärte ihm aber, dass ich leider nicht anders handeln kann,<lb/>
denn für meine Kollegen habe ich nur ganz beschränkte Möglichkeiten,<lb/>
wie eben in der Energie, wo ich allein kompetent dafür bin. Die<lb/>
anderen Institutionen und Stellen, siehe heutige Wiener Vorstands<lb break="no"/>sitzung, sind nicht bereit, Wünsche die wir haben, zu berücksichtigen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat dies letzten Endes dann eingesehen, wird aber mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
noch darüber sprechen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 18.4.1977</head>
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