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            <title type="main">Freitag, der  1. April 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_01">Freitag, 1. April 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_02">Eine Vorbesprechung <rs type="person" ref="#per__97357">Blümels</rs> mit dem christlichen Gewerkschaftern<lb/>
der LUGA ergab, dass diese mit den Vorschlägen zu unserem Ge<lb break="no"/>werkschaftstag einverstanden sind. Bis jetzt war es wirklich<lb/>
möglich, ohne irgendwelche Schwierigkeiten unsere Gewerkschafts<lb break="no"/>politik gemeinsam festzulegen. <rs type="person" ref="#per__133118">Hacker</rs>, ihr Sekretär, beschwerte<lb/>
sich nur bitter bei mir, dass <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> in der letzten Ausgabe des<lb/>
Lebensmittelarbeiters wieder so gegen den ÖAAB und gegen die ÖVP<lb/>
gewettert hat. Insbesondere störte es sie, dass gegen den Besitzwechsel<lb/>
im Kurier, der von <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> als ein ÖVP-Organ hingestellt wurde,<lb/>
er – wie sie glauben – so stark polemisiert wurde. Hier hatten sie<lb/>
noch Verständnis für den Angriff durch den ÖAAB bei den Betriebs<lb break="no"/>ratswahlen in Hainburg bei Altesse. Dort haben ÖVP-Funktionäre<lb/>
erklärt, wenn der ÖAAB gewählt wird, dann würden sie als Tabak<lb break="no"/>arbeiter aufgenommen werden. Das war ein ganz billiger Wahltrick,<lb/>
da die Direktion der ÖVP-Vorstand selbst erklären musste, dass<lb/>
dies nicht stimmt. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> selbst hat sich mein Motto: christliche<lb/>
Gewerkschafter gut, ÖAAB schlecht, nach dem Slogan von Animal Farm:<lb/>
four legs good, two legs bad, zurechtgelegt. Natürlich bringt dies<lb/>
unsere christlichen Gewerkschafter, die meistens auch ÖAAB-Funktionär<lb/>
sind, in eine unmögliche Situation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_03">Der einzige kommunistische Vertreter in unserem Gesamtvorstand,<lb/>
mit dem wir auch Kontakt aufnehmen, beklagte sich bei mir,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> ihre Anträge nicht mehr berücksichtigen möchte. Die<lb/>
Anträge waren tatsächlich einen Tag zu spät von ihm gebracht<lb/>
worden. Wir fanden aber eine Lösung darin, dass er am Gewerkschafts<lb break="no"/>tag 17 Unterschriften braucht, damit diese Anträge auch behandelt<lb/>
werden. Wir appellierten an unsere Genossen, ihm diese Unter<lb break="no"/>schriften zu geben, was sicherlich der Fall sein wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_04">In der Gesamtvorstandssitzung wurde mein wirtschaftlicher Bericht<lb/>
überschattet und von mir ganz besonders herausgearbeitet die be<lb break="no"/>absichtigte Schliessung der Dürnkruter Zuckerfabrik. Die Belegschaft<lb/>
hat sich in einer Resolution ganz entschieden dagegen ausgesprochen,<lb/>
festgestellt, dass diese Fabrik jahrzehntelang seit 1844, wo sie<lb/>
errichtet wurde, Profit abgeworfen hat, und dass insbesondere<lb/>
die Arbeitsverfassung, wonach die Betriebsräte entsprechend zu<lb/>
informieren sind, verletzt wurde. Die AK NÖ hat sich ebenfalls mit<lb/>
<pb n="35-0384" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-04-01_0384.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dieser Schliessung befasst und darauf aufmerksam gemacht, dass<lb/>
NÖ im Budget 200 Mill. S für Arbeitsplatzschaffung hat, dafür<lb/>
aber mehr als die Hälfte ausschliesslich für die Landwirtschaft<lb/>
ja sogar für die Unterstützung der Bauernkammern ausgibt. Die<lb/>
Arbeiter erwarten jetzt, dass das Land einspringt. In einer Presse<lb break="no"/>aussendung verwies die Lebensmittelarbeitergewerkschaft darauf,<lb/>
wenn ein verstaatlichter Betrieb z.B. in Fohnsdorf oder Pölfing<lb/>
Bergla schliesst, dann wird entweder von den verstaatlichten Be<lb break="no"/>trieben oder durch die Regierung Ersatzarbeitsplätze geschaffen.<lb/>
Die erwartet man jetzt auch von der Zuckerindustrie resp. dem Land<lb/>
Niederösterreich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_05">Auf Grund des Berichtes unseres Jugendobmannes diskutierten wir<lb/>
die Verhandlungen über das Berufsausbildungsgesetz. Hier konnte<lb/>
ich auch auf die Entwicklung in der BRD verweisen. Bei der Eröff<lb break="no"/>nung der Internationalen Handwerksmesse in München hat der Prä<lb break="no"/>sident dieser Organisation <rs type="person" ref="#per__125379">Schnittker</rs> erklärt, das von Bonn<lb/>
aufgezwungene Lehrlingsgesetz nach Meinung des deutschen Handwerks<lb/>
die Verstaatlichung an sich selbst zugrunde. Tatsache ist, dass<lb/>
die Betriebe Lehrlinge, wenn sie ein Jahr den Grundlehrgang gemacht<lb/>
haben, ganz einfach dann nicht mehr nehmen. Die dortige vorgesehene<lb/>
Fondslösung ist auch noch nicht in Kraft getreten und wird wahr<lb break="no"/>scheinlich auch gar nicht zustandekommen. Unsere Jugend beschwerte<lb/>
sich aber darüber hinaus bitter, dass bei Lohnabschlüssen wie z.B.<lb/>
die Zuckerbäcker in einzelnen Bundesländern Lohnerhöhungen für<lb/>
die Arbeiter zugestanden bekommen, wobei die Lehrlinge nur 1/3<lb/>
dieser Erhöhungen, obwohl sie von einer niedrigeren Basis aus<lb break="no"/>gehen, erhalten. Die Sekretäre der Länder erklärten dies dadurch,<lb/>
dass sie gewerkschaftlich überhaupt keine Kraft haben, um Lohn<lb break="no"/>erhöhungen durchzusetzen und daher, wenn man so will, betteln<lb/>
müssen, überhaupt irgendwelche Erhöhungen sei es für die Arbeiter<lb/>
oder für die Lehrlinge zu bekommen. In der Steiermark wollte man<lb/>
darüber hinaus ausländische Jugendliche als Lehrlinge aufnehmen.<lb/>
Dies lehnt die Gewerkschaft ganz entschieden ab, da sie überzeugt<lb/>
ist, in Juni nach Schulschluss die nötigen Lehrlinge zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_06">In Tirol, wurde uns berichtet, hat der Landeshauptmann die Fleisch<lb break="no"/>preise freigegeben, in der Hoffnung, dass die Konkurrenz eine Über<lb break="no"/>höhung dieser Preise nicht zulassen würde. Genau das Gegenteil ist<lb/>
eingetreten. Die AK hat festgestellt, dass sofort um 25 % die<lb/>
Preise erhöht wurden, obwohl die Innung nur 10–12 % für Fleisch<lb/>
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versucht die AK Tirol wieder die Einführung von Höchstpreisen<lb/>
durch den Landeshauptmann zu erreichen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dir den Sachverhalt von unserem<lb/>
Haus schildern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_08">Beim Essen, das ich für Hassan gab, und an dem viele Vertreter<lb/>
der Bundeskammer teilnahmen und insbesondere dann in der Aussprache<lb/>
in der BHK mit interessierten Firmen für jordanische Exporte oder<lb/>
Importe war ich über die rege Anteilnahme sehr erstaunt. Beim<lb/>
Essen kann ich das noch verstehen, bei der Aussprache aber<lb/>
Freitag nachmittags, die drei Stunden dauerte, vor den Osterferien<lb/>
ist mir dies schon weniger erklärlich. Zuerst gab Hassan ein<lb/>
Statement über die Entwicklungsmöglichkeiten von Industrieansied<lb break="no"/>lungen in den drei Freihandelszonen Jordaniens. Eine in der Nähe<add>[von]</add><lb/>
Amman, die zweite im Hafen von Akaba und die dritte an der syrischen<lb/>
Grenze. Wenn man in diesen Freihandelszonen produziert, hat man<lb/>
35 % Zollermässigung. Jordanien legt keinen Wert auf Lieferungen<lb/>
allein, sondern wünscht joint venture oder zumindestens Kooperationen.<lb/>
Für die Diskussion, nachdem sich zuerst niemand mehr zum Bericht<lb/>
Hassan, der dann wegging, stand der Handelsminister zur Verfügung.<lb/>
Dieser und die Bankleute sowie der Präsident der Industriekammer<lb/>
von Jordanien gaben auch noch erschöpfend Auskunft. Ein halbes Dutzend<lb/>
von Firmenvertretern meldete sich. Insbesondere beschwert sich<lb/>
Ingenieurbüros, dass die Planungsarbeiten von nur gewissen Ländern<lb/>
gemacht werden und damit im Zusammenhang dann sofort unsere Export<lb break="no"/>firmen, dass sie dadurch nicht zum Zuge kommen, weil durch die<lb/>
Ausschreibung schon das Geschäft in ein bestimmtes Land gelenkt wird.<lb/>
Ich forderte daher unsere Firmen auf, zu versuchen über die<lb/>
Planungsgesellschaften mehr Aktivitäten in Jordanien zu entfalten,<lb/>
wobei insbesondere aber grössere Importe aus diesem Land getätigt<lb/>
werden müssten. Auf die Dauer bin ich nämlich überzeugt, werden<lb/>
de anderen arabischen Staaten insbesondere die Ölländer nicht Jordanien<lb/>
ständig unterstützen. Österreich kann nicht damit rechnen, 150 Mio<lb/>
zu exportieren, in Zukunft womöglich noch mehr, und 1 ‰, d.h. 180.000<lb/>
S nur zu importieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_09">Der Handelsminister urgierte neuerdings das gemeinsame Kommunique.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat bei der gestrigen Sitzung <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> auf Wunsch Hassans<lb/>
damit beauftragt. Ich setzte mich mit <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> spät abends in Ver<lb break="no"/>bindung und dieser erklärte, er warte noch immer auf den Protokoll<lb break="no"/>entwurf des Bundespressedienstes resp. des Kanzleramtes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-04-01_10"><rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> erklärten sich mit Recht ausserstande, jetzt<lb/>
schnell etwas zusammenzuzimmern. Auch Handelsdelegierter <rs type="person" ref="#per__137245">Schneider</rs><lb/>
konnte sich nicht vorstellen, dass wir noch etwas tatsächlich auf<lb/>
die Beine stellen können. Überall wurde dann herumtelefoniert,<lb/>
herausgekommen ist selbstverständlich nichts. <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> ging in<lb/>
die Ferien, der Hofrat, der im BKA zuständig ist, verabschiedete<lb/>
sich auch, ohne irgendeinen Gigserl von sich zu geben, beim<lb/>
Gegenessen brachte ich deshalb eine heilsame Unruhe in die Beamten<lb break="no"/>schaft. Zuerst hatte ich den Protokollmann Min.Rat <rs type="person" ref="#per__132712">Nigisch</rs> damit<lb/>
malträtiert. <rs type="person" ref="#per__111701">Beroldingen</rs> mischte sich dann auch noch mit ein.<lb/>
Ich verlangte ausserdem von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs> als dem für das BKA zustän<lb break="no"/>digen Mann, jetzt endgültig die Unterlagen zur Verfügung zu stellen.<lb/>
Dieser meinte, ich sollte doch eventuell <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragen, da er sich<lb/>
scheinbar nicht einmal getraut, eine Erwähnung ihm gegenüber zu machen.<lb/>
Genau diese Absicht hatte ich nicht, sondern gab ihnen dann noch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> eine handgeschriebene eine halbe Seite umfassende Darstellung<lb/>
was man aber natürlich auch nicht annähernd als Grundlage für ein<lb/>
Kommunique ansehen kann. <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs> meinte, das Aussenamt verlangt immer,<lb/>
dass es die Protokolle führt, jetzt sei nichts geschehen, in Hinkunft<lb/>
liesse er sich nicht mehr dies aus der Hand nehmen. Alles natürlich<lb/>
lauter Blödsinn, denn wenn es um das Arbeiten geht, interessiert<lb/>
sich keiner in Wirklichkeit darum. Der Kampf in diesem Fall geht<lb/>
ausschliesslich, wer die Kompetenz hätte zuarbeiten. Am besten war<lb/>
der Leiter des Bundespressedienstes, Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__145995">Fischer</rs>, der mir<lb/>
einreden wollte, nur bei Oststaaten, wird ein gemeinsames Kommunique<lb/>
herausgegeben. Im BKA hat man glaube ich überhaupt noch nicht ganz be<lb break="no"/>griffen, dass es hier nicht um ein Kommunique gehen soll, sondern<lb/>
um eine Niederschrift von Verhandlungsergebnissen. Der jordanische<lb/>
Handelsminister hat mir dann bei der Verabschiedung spät abends gesagt,<lb/>
er hätte mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darüber noch einmal gesprochen- Ich nehme aber<lb/>
eher an, dass er eine flüchtige Bemerkung machte und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wahrschein<lb break="no"/>lich irgendetwas hinbrummte. Ich würde mich wundern, wenn morgen<lb/>
während des Tages, wo wir immerhin mit dieser Delegation noch bei<lb break="no"/>sammen sind, ein Ergebnis herauskommen würde. Wenn ich mir den<lb/>
Aufwand und die Kosten für mich gesehen auch noch diese persönlichen<lb/>
Unbillen des ewigen Essens vorstelle und auf der anderen Seite das<lb/>
konkrete Ergebnis eines solchen Staatsbesuches, dann kann ich wirk<lb break="no"/>lich nur sagen, ausser Spesen nichts gewesen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 1.4.1977</head>
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