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            <title type="main">Freitag, der 25. März 1977 bis Sonntag, der 27. März 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_01">Freitag, 25. März, und Samstag, den 26. März 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_02">Die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> in München brachte das<lb/>
von mir erwartete Ergebnis.Keine allzu grosse Publicity, auch<lb/>
nicht allzu viele wirklich neue Erkenntnis. Trotzdem ist es meiner<lb/>
Meinung nach zweckmässig, diese Aussprache abzuführen, weil ich<lb/>
doch dadurch Gelegenheit habe, konkrete Wünsche direkt <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
mitzuteilen. Die Deutschen erwarten 1977 denselben guten Konjunktur<lb break="no"/>verlauf wie 1976, auch mit der hohen Arbeitslosenziffer. Die Schweizer<lb/>
selbst haben nach wie vor grosse Probleme ihre Konjunktur einiger<lb break="no"/>massen anzukurbeln. Die Schweizer haben 4 bis 5 Mia. in die Wirtschaft<lb/>
gepumpt, trotzdem einen grossen Wettbewerbsverlust nicht zuletzt<lb/>
durch die exorbitante Schweizer-Franken-Aufwertung auch gegenüber der<lb/>
DM, wo allerdings in der letzten Zeit eine Erleichterung eingetreten<lb/>
ist. Die Deutschen werden bis 1980 14 Mia. DM, allerdings grössten<lb break="no"/>teils für Infrastrukturmassnahmen in die Wirtschaft pumpen. 8 Mia.<lb/>
der Bund, 4 Mia. die Länder, 2 Mia. die Gemeinden. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> sind Liberale, weshalb sie auch ihre Wirtschaftspolitik<lb/>
unter diesen Gesichtspunkten immer wieder sehen. Z.B. meinte <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
hätten sie nicht eine so überbewertete DM gehabt, dann hätte man sich<lb/>
nicht vom Volkswagenwerk und anderen grossen Unternehmungen auf die<lb/>
Exporte nach Amerika so eingestellt, dass sie jetzt als die DM<lb/>
gegenüber dem Dollar sich festigte, in grosse Schwierigkeiten mit<lb/>
ihren Experten kamen. Die Billigstwaren aus den Entwicklungsländern,<lb/>
meinte <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>, müsste man auf alle Fälle dem Markt in Europa und<lb/>
ganz besonders in Deutschland offenhalten. Wenn auch die Industrie<lb/>
dadurch in eine harte Konkurrenzsituation kommt, wird man früher<lb/>
oder später doch die deutsche Qualität auch in Deutschland wieder<lb/>
mehr wünschen und kaufen. Neckermann sei nicht zuletzt pleitegegangen<lb/>
weil er sich nur auf diese Billigstqualität eingestellt hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> meinte auch, es gäbe exportseitig für die KWU gute Mög<lb break="no"/>lichkeiten mit Österreich und der Schweiz Drittmarktgeschäfte zu<lb/>
machen. Ein typische Beispiel die Portugiesen sollen jetzt von<lb/>
Deutschland 1.5 DM ein Atomkraftwerk bekommen. Deutschland<lb/>
würde sich nur für 570 Mio. DM interessieren, der Rest könnte durch<lb/>
Beteiligung Österreichs nach Österreich vergeben werden. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
könnte sich auch vorstellen, dass man Jugoslawien eine bessere Hilfe<lb/>
gibt und um sie nicht jetzt einmal wirtschaftlich wieder in die<lb/>
Hände der Sowjetunion zurückzustossen. Er könnte sich gut vor<lb break="no"/>stellen, dass in der Provinz <choice><choice><sic>Kosanu</sic><corr>Kosovo?</corr></choice></choice>, wo grosse Braunkohlenvorkommen<lb/>
<pb n="35-0348" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-25_1977-03-27_0348.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>im Tagbau abgebaut werden können, ein Dampfkraftwerk gemeinsam<lb/>
errichtet wird. Ich habe sofort zugesagt, wir würden ähnlich wie<lb/>
mit Polen, wenn es zu diesen Projekt kommt, die Bezahlung für<lb/>
Deutschland und Österreich in Strom akzeptieren können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs>: Bitte sich mit den deutschen Referenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146016">Schiel</rs> und <rs type="person" ref="#per__146017">Brulach</rs> diesbezüglich ins Einvernehmen setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_04">Ich schilderte unsere Handelsbilanzsituation und verlangte von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>, dass er uns unterstützt, dieses Handelsbilanzpassivum<lb/>
von 50 Mia. Schilling, das fast dem gesamten Handelsbilanzdefizit<lb/>
Österreichs entspricht etwas unternimmt. Er erklärte sich sofort<lb/>
bereit mit den Autofirmen, insbesondere Volkswagenwerk, wo der<lb/>
deutsche Staat beteiligt ist zu reden, damit Mehrlieferung von<lb/>
österreichischen Firmen erfolgen können. Die idealste Lösung<lb/>
allerdings meinte er so wie Daimler-Benz und Steyr-Daimler-Puch<lb/>
den neuen Geländewagen gemeinsam in Kooperation erstellen. Aus<lb/>
seinen Nebenbemerkungen entnahm ich, dass er für den Austria-Porsche<lb/>
keine allzu grosse Zukunft sieht. Porsche hat auch für OPEC-Länder<lb/>
solche Studien ausgearbeitet. Diese Mitteilung war mir zumindestens<lb/>
neu. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> teilte mir auch mit, dass Iran jetzt, um sein teures<lb/>
Erdöl absetzen zu können, für jede Grossaufträge, die er reinnimmt,<lb/>
50 % Ölkompensation verlangt und Petrofina Belgien mussten sich bei<lb/>
einem Grossprojekt bereits darauf einstellen. Schwierig wird es<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> nur, den Kompensationspartner für die Ölabnahme in<lb/>
Deutschland zu finden. In der Ölfirma VEBA ist der Staat nur zu 40 %<lb/>
beteiligt. Die Privaten denken nicht daran solche Ölverluste für<lb/>
die deutsche Exportindustrie zu übernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_05">Eine lange Diskussion nahm zwischen <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und seinen Aussen<lb break="no"/>wirtschafts-Min.Rat <rs type="person" ref="#per__146018">Müller</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> und seinem Mann <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs>,<lb/>
die Verhandlungen des Nord-Süddialoges statt. In Deutschland haben<lb/>
sich die Devisenreserven auch 76 wieder erhöht. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146018">Müller</rs> befürchten daher eine Gefahr der Vergemeinschaftung.Dieser<lb/>
Neubegriff wurde mit erklärt, ist die Tendenz aller EG Länder den<lb/>
Devisenzufluss Deutschlands irgendwie zu lukrieren. Überhaupt hatte<lb/>
ich bei dieser Aussprache den Eindruck, dass sowohl in der Schweiz<lb/>
als auch ganz besonders in Deutschland auf der einen Seite die libe<lb break="no"/>rale Politik die Arbeitslosigkeit nicht lösen kann, dies gilt für Deutsch<lb break="no"/><pb n="35-0349" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-25_1977-03-27_0349.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>land und in der Schweiz die Wirtschaftsankurblung nicht gelingt<lb/>
da man sich doch zu grösseren Eingriffen nicht bereit findet, oder<lb/>
sie wie in der Devisensituation der Schweiz mangels gesetzlicher<lb/>
Grundlage nicht durchführen kann. Hier ist Österreich in einer<lb/>
besseren Situation. Beim Nord-Süd-Dialog mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> hat angeblich<lb/>
Bundeskanzler <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> schon vor längerer Zeit aufmerksam gemacht<lb/>
dass sie den Entwicklungsländern etwas anbieten müssen. Wenn sie<lb/>
schon nicht den gemeinsamen Rohstoff-Fonds, wie Korea es wünscht,<lb/>
mit Haushaltsmitteln anfüllen, so müssen sie doch einen gemeinsamen<lb/>
Fond gleichzeitiger Parallelität von Rohstoffabkommen mit den ein<lb break="no"/>zelnen Ländern zustimmen. Das Ziel müsste Versorgungssicherheit<lb/>
bei Preisstabilität an Hand von konkreten Rohstoffabkommen sein.<lb/>
Die Schweizer stossen für ihre Konjunkturpolitik auf finanzielle<lb/>
Grenzen, weil sie beim letzten Referendum keine Zustimmung für ihre<lb/>
Erhöhung der Haushaltsmittel bekommen haben. Die Deutschen wieder<lb/>
dürfen Kreditaufnahmen netto nur dann tätigen, soweit es sich um<lb/>
Investitionen handelt. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> befürchten ausserdem,<lb/>
dass sich eine internationale Bürokratie entwickeln wird, wie dies<lb/>
auch im starken Ausmass bei der Europäischen Gemeinschaft entstanden<lb/>
ist. Viel Dirigismus im internationalen Rahmen, damit auch viel<lb/>
Bürokratie. Da auch ich angesprochen wurde, obwohl wir an der Nord-<lb/>
Süd-Dialog direkt gar nicht beteiligt sind, erörterte ich den Plan<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, einen gross angelegten Marshallplan ähnliche Lösung<lb/>
für die Entwicklungsländer. Beide Gesprächspartner haben dies nur<lb/>
zur Kenntnis genommen und sich nicht dazu geäussert. Im Grunde<lb/>
genommen fürchten sie glaube ich auch, bei dieser Lösung eine<lb/>
entsprechende Verbürokratisierung und riesige internationale Or<lb break="no"/>ganisation, ohne dass sie dies allerdings sagten.<lb/>
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Krisenartikel 56 resp. Mindestpreise Art. 6l des Montan-Union-Vertrages<lb/>
ohne dass Deutschland zustimmt, eingeführt werden. Dort hat zum<lb/>
Unterschied vom EG-Vertrag die Kommission alle Möglichkeiten. <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs><lb/>
berichtet, dass die Japaner jetzt mit Deutschland ein Selbstbeschrän<lb break="no"/>kungsabkommen auf dem Stahlsektor machen und die Schweiz nicht gerne<lb/>
hätte, wenn Deutschland jetzt mit den Japanern auch über die Auf<lb break="no"/>lagen gegenüber der Schweiz verhandeln würden. Die Europäische Ge<lb break="no"/>meinschaft ist ein Stahl-Netto-Exporteur mit ungeheuren differenten<lb/>
Kostensituationen. Deutschland erzeugt bei Thyssen äusserst preis<lb break="no"/>günstig, die Franzosen bei ............. mit 4 Mia. Subvention in<lb/>
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äusserst teuer. Die Schweiz stosst bei jedem Problem immer wieder<lb/>
auf die Schwierigkeit des Referendum. Dies gilt ganz besonders für<lb/>
ihre internationalen Verpflichtungen, die sie früher oder später<lb/>
gegenüber den Entwicklungsländern eingehen muss. Anstelle neuer<lb/>
Leistungen, die man den Entwicklungsländern wird ermöglichen müssen,<lb/>
wäre der Schweiz lieber, wenn die alten Schulden ganz einfach ge<lb break="no"/>strichen werden. Dort hat sie aber wieder aus prinzipiell liberalen<lb/>
Gründen die grosse Schwierigkeit, dass sie nicht weiss, wo dann<lb/>
noch weitere Schulden, Entwicklungsländer oder sonstiger Staaten<lb/>
ebenfalls gestrichen werden müssten. Die Beispielfolgen sind für<lb/>
einen Liberalen katastrophal. Deutschland geht es ähnlich mit dem<lb/>
Gegensatz in dieser Frage mit Frankreich. Überhaupt hat <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
ganz freimütig erklärt, dass innerhalb der europäischen Gemein<lb break="no"/>schaft ungeheure Spannungen existieren, nicht zuletzt wegen des<lb/>
Agrarmarktes, die die Gemeinschaft fast unbeweglich machen.Sarkastisch<lb/>
meinte <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> hätte er sich nicht immer wieder um eine Lösung<lb/>
auch des Agrarmarktes bemüht und irgendwelche Kompromisse gefunden,<lb/>
dann wäre der Agrarmarkt jetzt schon zusammengebrochen und dies<lb/>
wäre vielleicht die bessere Lösung als das jetzige weiterwurschtln.<lb/>
Ohne dass ich es sagte, auch nicht einem Reporter dann gegenüber<lb/>
der mich dezidiert fragte, können wir nur glücklich sein, dass wir<lb/>
nicht in der Europäischen Gemeinschaft stärker verankert sind.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> soll dies angeblich den Reporter gegenüber von der DPA<lb/>
einmal bei einer Aussprache die er mit dem Finanzminister hat,<lb/>
geäussert haben. Ich sehe den Zweck solcher Aussprache nicht darin die<lb/>
besondere bessere Situation Österreichs in vielen Punkten hervorzu<lb break="no"/>streichen, sondern gegebenenfalls mit kleinen Wünschen unsere Export<lb break="no"/>situation zu verbessern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_07">Interessant war abends die Vorführung der Lach- und Schiessgesellschaft<lb/>
Ein kleines Lokal, noch dazu teils mit Tischen, war gesteckt voll.<lb/>
Sehr unbequem zu sitzen, eine furchtbar rauchig und daher stickige<lb/>
Luft, gab es eine brillante Kritik der deutschen Zustände. So ein<lb/>
Kabarett würden wir auch in Österreich dringendst brauchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_08">Bei der Eröffnung der Handwerksmesse kam es zu den erwarteten<lb/>
Dialog zwischen den Präsidenten des deutschen Handwerkes <rs type="person" ref="#per__125379">Schnitker</rs><lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>. <rs type="person" ref="#per__125379">Schnitker</rs> hat hart attackiert, obwohl er zugeben<lb/>
musste, dass <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> ideell der Unternehmensphilosophie nicht nur<lb/>
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auch bei seiner Erwiderung doch nur immer mehr oder minder die<lb/>
deutsche Regierungspolitik vertreten. Was nützt es ihm, wenn<lb/>
er darauf hinwies, dass er oft anderer Meinung ist und den For<lb break="no"/>derungen des Handwerkes volles Verständnis gegenüber bringt.<lb/>
Die Schwierigkeit mit ........... der Steuerwünsche, die Notwendig<lb break="no"/>keit den Eingriff des Staates doch zu begründen und vieles mehr<lb/>
war für mich typisch. Die Koalition zwingt die FDP doch gewisse<lb/>
Zustimmungen zu geben, auch dann wenn es für sie contre-coeur ist.<lb/>
Das typischste Beispiel ist das neue Berufsausbildungsgesetz.<lb/>
Hier sprach man von Verstaatlichung der Lehrlingsausbildung und<lb/>
der Präsident des Handwerkes meinte ganz provokant, gegen dieses<lb/>
Gesetz müsse man jetzt nicht mehr kämpfen, das geht von allein<lb/>
zu Grunde. Hier hat die Koalition glaube ich gegen die CDU, CSU<lb/>
tatsächlich einen Pyrrhus-Sieg errungen. Die vorgesehene Fonds<lb break="no"/>lösung kann in Deutschland auch nicht scheinbar zustande kommen<lb/>
und schon gar nicht funktionieren. Gleichzeitig wurde bei dem Rund<lb break="no"/>gang dann von Jugendlichen ein Transparent gezeigt, 10.000 Lehr<lb break="no"/>plätze in München fehlen. Die Jugendarbeitslosigkeit innerhalb<lb/>
Deutschlands ist nämlich auch verheerend. Die Unternehmervertreter<lb/>
verlangen Leistung, wollen auch das Leistung honoriert wird, wenden<lb/>
sich daher ganz besonders gegen die deutsche Schule und gegen die<lb/>
Beschlüsse der Bonner-Regierung. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> muss dies mehr oder<lb/>
minder vertreten. Verteidigen tut er es wahrlich nur mit halben<lb/>
Herzen. Die Ansprachen dauerten 2 Stunden, waren aber für mich<lb/>
sehr interessant weil sie ähnlich wie ich dies in Innsbruck und<lb/>
Graz mache, auch stets Dialoge zwischen den konservativen Landes<lb break="no"/>regierungen und der Bundesregierung sind. Ich habe nur eine<lb/>
wesentlich günstigere Ausgangsposition als <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>. Dies ist<lb/>
teilweise ideell bedingt, teilweise aber auch durch die wesentlich<lb/>
günstigere wirtschaftliche Situation für mich leichter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_09">Nachdem ich <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__121042">Strauss</rs> beim Österreich-Pavillon<lb/>
begrüsst habe, bin ich unverzüglich, nachdem ich auch noch die<lb/>
Tiroler und oö. Ausstellung besuchte nach Linz zurückgereist.<lb/>
München, das muss ich sagen, machte auf mich den saubersten Eindruck,<lb/>
den ich seit langem von einer Stadt hatte. Wien ist dagegen wirklich<lb/>
verdreckt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_10">In Linz kam ich gerade noch zur Abschlussansprache, für die<lb/>
mich <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> besonders gebeten hat. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und die anderen<lb/>
waren eigentlich alle schon weg. Natürlich berichtete ich<lb/>
gleich ganz kurz über die Münchner-Situation, insbesondere<lb/>
die Eröffnung der Handwerksausstellung und die ideellen<lb/>
Gegensätze, die ich gegenüber Österreichsystem besonders heraus<lb break="no"/>strich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_11">Abends hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen Empfang für die Gemeinde und Delegierten<lb/>
gegeben. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> und ich stellten uns in der langen Reihe mit<lb/>
hunderten Eingeladenen an, während <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> mir mitteilte, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> sich sofort vorgearbeitet hat. Als wir dann als eine<lb/>
der letzten bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Empfangslinie erschienen, war tatsächlich<lb/>
nicht nur <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs>, sondern auch andere aufgefädelt und haben<lb/>
allen der Delegierten die Hand gegeben. Die österreichischen Dele<lb break="no"/>gierten haben die Gewohnheit immer überaus pünktlich zu sein,<lb/>
weshalb sich schon vor 6 die Tausend Delegierten eingefunden<lb/>
haben. Entweder man drängt sich vor, oder man landet dann mit den<lb/>
anderen Schritt für Schritt. Mir war das letztere sehr recht,<lb/>
da ich mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> ein wenig plaudern konnte. Dieser spürt immer<lb/>
deutlicher, dass er früher oder später das Verteidigungsressort<lb/>
wird übernehmen müssen. Freude hat er damit keine. 1970 wäre es<lb/>
für ihm noch eine grosse Herausforderung gewesen. Als Parteisoldat<lb/>
wird er allerdings auch diese Aufgabe – wenn sie ihm übertragen wird –<lb/>
übernehmen und davon bin ich überzeugt, auch bestens erfüllen.<lb/>
Typisch für <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> war es nur, dass er nach dem offiziellen Empfang<lb/>
als das Essen dort begann, sofort wieder gegangen ist und ich ihm<lb/>
dann abends beim ARBÖ vor dem dortigen offiziellen Essen im Gast<lb break="no"/>haus ein Paar Würstel verschlingen sah. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> liebt seine bisherige<lb/>
Lebensweise, bevor er Minister wurde, und möchte sie auch in dieser<lb/>
Frage bin ich ihm sehr ähnlich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_12">Sonntag, 27. März 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_13">Beim Bundestag des ARBÖ hielt ich nicht nur eine Begrüssungs<lb break="no"/>ansprache, sondern weil zwischendurch die Abstimmung erfolgte<lb/>
ein Kurzreferat. Selbstverständlich berichtete ich über die<lb/>
Benzinpreisverhandlungen, die jetzigen Bemühungen bei ausländischen<lb/>
Autoproduzenten grössere Österreichlieferungen unterzubringen und<lb/>
über die Schiedsgerichte, die jetzt in den Bundesländern errichtet<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wie geht es überhaupt mit dieser Frage jetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_15">Über das neue Porsche-Auto habe ich nur erklärt, die neue Studie<lb/>
nicht zu kennen und mich daher in keiner Weise festgelegt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
erzählte man mir, hat am Vortag dieses Projekt sehr im Detail positiv<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte versuche jetzt inoffiziell diese Studie<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_17">Bei der Eröffnung der Damenmodewoche ist sowohl Fachverbandobmann<lb/>
für die Bekleidungsindustrie <rs type="person" ref="#per__116977">Elias</rs>, als auch der Sekretär Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115012">Catharin</rs> händeringend zu mir gekommen, ich sollte bei meiner Ansprache<lb/>
nichts über die Importsituation Österreichs sagen. Sehr zum Unter<lb break="no"/>schied von den vergangenen, ich glaube über ein Dutzend Eröffnungen,<lb/>
wo es immer zu einem Dialog zwischen <rs type="person" ref="#per__116977">Elias</rs> und mir gekommen ist,<lb/>
wollte man diesmal die Aussteller, wie man sagte, nicht verunsichern.<lb/>
Deshalb hat <rs type="person" ref="#per__116977">Elias</rs> überhaupt nicht gesprochen, sondern nach der<lb/>
Begrüssung von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs>, der ein Messegesetz verlangte,<lb/>
und ganz kurzen Worten <rs type="person" ref="#per__107940">Dittrichs</rs> konnte ich nur mehr auf das<lb/>
neue System der Eröffnung verweisen. Anstelle von Dialogen und langen<lb/>
Reden diesmal eine Modeschau. Nur auf die Forderung bezüglich des<lb/>
Messegesetzes ging ich ein und erklärte, dass die Handelskammer,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> hat mir dies vorher ausdrücklich bestätigt, gegen ein<lb/>
Messegesetz ist. Ich selbst habe auch nicht grosse Lust mit ge<lb break="no"/>setzlichen unzulänglichen Mitteln, mir den ganzen Zores der<lb/>
Messeveranstaltungen aufzuhalsen. Ich werde mich, wie ich dann<lb/>
beim Essen <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs> ganz deutlich sagte, weiter bemühen die Salz<lb break="no"/>burger ebenfalls noch in die Arbeitsgemeinschaft einzubringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-25_18"><rs type="person" ref="#per__107940">Dittrich</rs> ersuchte mich, dass wir doch die Differenzen, die<lb/>
zwischen der Handelskammer Wien und dem Handelsministerium,<lb/>
sprich, zwischen ihm und mir existieren, mit einer Aussprache<lb/>
bereinigen könnten und sollten. Er ist der Meinung, hier handelt<lb/>
es sich nur um Mißverständnisse, die ohne weiteres beseitigt werden<lb/>
könnten. Selbstverständlich habe ich zugestimmt und ersuchte seine<lb/>
Sekretärin, die ebenfalls dort beim Mittagessen anwesend war, mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> einen Termin zu vereinbaren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 25.-27.3.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>hs. Notizen auf Einladung Soz. Lehrerverein 24.3.1977</head>
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            <head>hs. Notizen auf Einladung 29. Int. Handwerksmesse München 26.3.1977</head>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <occupation>Präs. Wr. HK</occupation>
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