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            <title type="main">Mittwoch, der 23. März 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_01">Mittwoch, 23. März 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_02">Die Kronen-Zeitung macht eine Artikelserie über Kernkraftwerke.<lb/>
Der Redakteur Graupe, ein ausgesprochener Atomgegner wie ich<lb/>
dann aus seinen einzelnen Bemerkungen entnehmen konnte, wird<lb/>
diese schreiben. Ich bin sehr gespannt was dabei herauskommen<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Versuche mit Graupe Kontakt zu halten, ohne<lb/>
dass der Eindruck entsteht, wir wollten ihn beeinflussen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_04">Der südkoreanische Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__146009">Duck-woo NAM</rs> kam mit<lb/>
einer Riesenbegleitung an. Für die Südkoreaner ist das Protokoll<lb/>
von grösster Bedeutung und<add>[sie]</add> liessen uns sofort wissen, ob das Fern<lb break="no"/>sehen und ich weiss ich nicht sonst noch was alles, nach Schwechat<lb/>
beordert hätten. Er selbst ist dann mit einem eigenen Aufnahmeteam<lb/>
gekommen, da natürlich das österreichische Fernsehen gar nicht<lb/>
daran denkt, diesen Besuch auch nur zu erwähnen. Aus diesen Gründen<lb/>
habe ich mich auch entschlossen zu allen Veranstaltungen, Empfängen<lb/>
usw. zu gehen und <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, der mich Samstag vertritt, zu ersuchen<lb/>
beim Verabschieden in Schwechat anwesend zu sein. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat dies<lb/>
gerne akzeptiert, weil er eine Ausrede suchte, um nicht zur Wirt<lb break="no"/>schaftsveranstaltung nach Linz fahren zu müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_05">Ein fraktionelles Gespräch, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei der Einladung sagte,<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs><add>[evtl. Hans Czettel gemeint, Anm.]</add> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und zu meiner grössten Verwunderung auch <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs>, der<lb/>
jetzt die John-Abteilung provisorisch führt, sicherlich aber bald<lb/>
als Staatssekretär in der Regierung sitzen wird, über die Zahlungs<lb break="no"/>bilanzsituation war für mich sehr interessant. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kündigte<lb/>
an, dass er sich bei Auslandskrediten zurückhalten wird, insbesondere<lb/>
nachdem unsere Möglichkeit in der Schweiz, wie er sagt, schon über<lb break="no"/>zogen ist. In Deutschland hat er keine Schwierigkeiten gehabt eine<lb/>
100 Mio auf 150 Mio Anleihe aufzustocken. Von <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> wurde die<lb/>
Behauptung zerstört, dass das Zahlungsbilanzdefizit 1976 eine ein<lb break="no"/>malige Ausnahme und auf Sondereinflüsse zurückzuführen sei. Auch<lb/>
für 1977 erwarte er dasselbe Defizit. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> meinte, die<lb/>
Strukturänderung mache sich erst nach 2 Jahren sichtbar und deshalb<lb/>
könnte man über die Massnahmen der letzten Jahre noch nichts sehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_06">Beim Fremdenverkehr meinte er, sei das Outgoing-Geschäft<lb/>
immer höher zu veranschlagen, weil ein höheres Einkommen<lb/>
den Österreichern heute ermöglicht ihren Urlaub auswärts<lb/>
zu verbringen. Inlandswirksame Massnahmen zum Abbau dieses<lb/>
Handelsbilanzdefizits glaubt er nur mit Sondersteuern ignorieren<lb/>
zu können. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder steht auf dem Standpunkt, dass sich<lb/>
die terms of trade ständig verschlechtern müssen, weil die Energie<lb break="no"/>importe immer sich verteuert haben und teuer bleiben werden. Die<lb/>
Österreicher verhalten sich im Fremdenverkehr nicht österreich<lb break="no"/>konform. Ihre Urlaubsvorstellungen gehen dahin, ans Meer zu<lb/>
fahren, nach Spanien, Italien, Griechenland, Jugoslawien, da die<lb/>
österreichischen Seen überfüllt sind und die Seeufer gesperrt.<lb/>
Meiner Meinung nach gäbe es noch eine grosse Möglichkeit, die<lb/>
Art-eigenen Waldgebiete, wie er sich ausdrückte, das Mühl-und<lb/>
Waldviertel als Luft und Wasserreservoir noch entsprechend zu<lb/>
erschliessen. In Schweden spielt dies eine grosse Rolle. Hier<lb/>
müsste eine grosszügige Förderung und ein grosszügiges Programm<lb/>
einsetzen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wieder schlug vor, dass man für Preise und Er<lb break="no"/>satzteile bei Autos ein grösseres Augenmerk zuwenden müsste. Zudem<lb/>
müsste die öffentliche Hand mehr Bestellungen in Österreich durch<lb break="no"/>führen und die einzelnen Beamten sich nicht immer auf die Rech<lb break="no"/>nungshofkontrolle ausreden, wenn sie ausländische Waren, wenn sie<lb/>
billiger sind, kaufen. Ich erwähnte unsere schon ergriffenen<lb/>
und noch beabsichtigten Massnahmen, die natürlich alle nur kleine<lb/>
Teilaspekte liefern. Einige Punkte die vorgeschlagen wurden, haben<lb/>
wir bereits in Angriff genommen, wie z.B. Ministerratsvorlage über<lb/>
öffentliche Aufträge. Sofortiger Einwand <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, das wird uns mit<lb/>
der EFTA und EG in Schwierigkeiten bringen. Verhandlungen, dass<lb/>
bei Autoimporten, aber ganz besonders bei den Waffen-und Munitions<lb break="no"/>einkäufen Kompensationslieferungen verlangt werden sollte. Sofortige<lb/>
Einwand <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dies könnte die Schweiz, aber auch Italien und<lb/>
Frankreich nie garantieren, höchstens Israel. Energiesparmassnahmen<lb/>
die allerdings bis jetzt nicht durchgeführt wurden, sofortiger<lb/>
Einwand <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, hier müsste eine ganz grosse Aufklärungskampagne<lb/>
mit Prämien und Gewinnvorschlägen für die Bevölkerung gestartet<lb/>
werden, scheinbar ähnlich wie jetzt dem "Kampf dem Krebs".<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schlug dann Massnahmen vor, die wir bereits in Angriff<lb/>
genommen haben, wie z.B. die Verhandlungen mit den Autoimporteuren<lb/>
über Preise. Er meinte, hier könnte man die Direktimporte des<lb/>
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durch eigenen Anbau und die Ölmühle die Handelsbilanz ent<lb break="no"/>lasten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fasste dann zusammen, dass so wie seinerzeit<lb/>
die Politik z.B. was die Stabilisierung betrifft, oder dann die<lb/>
Strukturpolitik signalisiert wurde, sollte jetzt auch eine Signal<lb break="no"/>wirkung des Kampfes gegen die Zahlungsbilanzdefizit gestartet wer<lb break="no"/>den. Grosszügiges Energiesparen mit Prämien, Abbau aller <choice><choice><sic>Dekalagen</sic><corr>Decalagen?</corr></choice></choice><lb/>
in der EG und zu Exporte steigern zu können, Kampf gegen die hohen<lb/>
PKW Preise und Ersatzteile. Fremdenverkehrsförderung für den Wald,<lb/>
ähnlich der Deutschen, die in den bayrischen Wäldern grosse Hotels<lb/>
und Erholungszentren errichten und Überprüfung der österreichischen<lb/>
Auslandsveranlagungen der Banken und der Wirtschaft. In Schweden<lb/>
hat man seinerzeit die Kugellager nach Lateinamerika verlegt, um<lb/>
dort billiger produzieren zu können und jetzt hätte man sich eine<lb/>
Riesenkonkurrenz geschaffen. Die Aussprache war in meinen Augen<lb/>
ursprünglich beabsichtigt gewesen, um der Nationalbank, insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> vorzuwerfen, dass sie viel zu sehr in Erscheinung tritt und<lb/>
durch Aussagen von einzelnen ihrer Beamten die Kreditwürdigkeit<lb/>
Österreichs gefährdet werden könnte. Den Ruf als guten Zahler und<lb/>
kreditfähigen Staat hat sich Österreich in den letzten Jahren müh<lb break="no"/>sam erworben, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, und könnte über die<lb/>
Nacht verspielt sein. Ich kann nur sagen, dass ein Ruf kaum durch<lb/>
ungeschickte Äusserungen einzelner Beamten wirklich zerstört werden<lb/>
kann. Wohl aber ist es möglich, wenn sich Voraussetzungen wesent<lb break="no"/>lich geändert haben und dann irgendwelche äussere deutliche Zei<lb break="no"/>chen dazukommen, sich dies, wenn auch nicht über Nacht, aber doch<lb/>
sehr schnell ändern kann.<lb/>
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nur für Österreich, sondern auch für die anderen EFTA-Staaten,<lb/>
die mit der EG das Arrangement haben, zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_08">Die fraktionelle Besprechung über das Nahversorgungs- und Klein<lb break="no"/>handelsbetriebsschutzsystem mit <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs><lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> und mir geführt wurde, war insofern<lb/>
erfolgreich, als es gelungen ist, auch <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> davon zu überzeugen,<lb/>
dass wir jetzt eine Lösung ins Parlament bringen müssen. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs><lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> einen Entwurf vorbesprochen, der die Basis einer<lb/>
Einigung sein könnte. In Kompensation gegen das Konsumentenschutz<lb break="no"/><pb n="35-0340" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-23_0340.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gesetz wurde die Handelskammer und auch der Gewerkschaftsbund,<lb/>
wenn auch nur einer weichen Lösung dieses Problems zustimmen.<lb/>
Mit diesen dann einvernehmlich festgelegten Gesetzentwurf<lb/>
könnte ich alle politischen Angriffe wegen der "Mittelstands<lb break="no"/>politik, die wir nicht machen" abgewehrt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_09">Ein Gespräch mit dem Präsidium des Bundesjugendringes war des<lb break="no"/>halb für mich von so grosser Bedeutung, weil erstmalig auch <rs type="person" ref="#per__111719">Höchtl</rs><lb/>
von der ÖVP-Jugend daran teilnahm. Während alle anderen Vertreter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146012">Küberl</rs> von der katholischen Jugend, die Kollegin von der evan<lb break="no"/>gelischen Jugend, <rs type="person" ref="#per__146013">Tot</rs> von der SJ und <rs type="person" ref="#per__112979">Verzetnitsch</rs> vom ÖGB wie<lb/>
ihr Vorsitzender des Bundesjugendringes <rs type="person" ref="#per__140057">Bittner</rs> erklärte auf den<lb/>
Standpunkt des Gewerkschaftsvorschlages stehen, hat <rs type="person" ref="#per__111719">Höchtl</rs> sich<lb/>
deutlich distanziert. Ein Fond käme überhaupt nicht in Frage, schon<lb/>
allein wegen der zusätzlichen Administration. Zuschüsse, Kopf<lb break="no"/>prämien sollte man Betrieben geben, die neue Lehrlinge zusätzlich<lb/>
einstellen. Die Verhältniszahlen seien befristet zu lockern. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
erklärte ihnen sofort, dass die Grenze die fachliche Ausbildung ist<lb/>
und deshalb eine befristete Regelung überhaupt nur sehr schwer möglich<lb/>
sei. <rs type="person" ref="#per__146012">Küberl</rs> von der katholischen Arbeiterjugend verlangte dass die<lb/>
Organisation so geändert wird, dass die Mitentscheidung garantiert<lb/>
ist, allerdings müsste diese paritätische Regelung bis auf die<lb/>
untersten Ebenen durchgezogen werden. Der Fond sei ein Lasten<lb break="no"/>ausgleich zwischen den Unternehmungen die Lehrlinge ausbilden und<lb/>
die, die dann nur die ausgebildeten Lehrlinge übernehmen. Tot von<lb/>
der SJ sprach sich insbesondere gegen eine duale Ausbildung aus.<lb/>
Ich habe dem Präsidium versprochen, sie ständig auf dem laufenden<lb/>
zu halten und nach einiger Zeit wieder in mein Ministerium einzu<lb break="no"/>laden, um nicht eine Alibihandlung zu begehen, sondern sie tatsächlich<lb/>
zu informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte ca. nach 1 Monat, wenn Verhandlungen ein<lb/>
wenig weitergekommen sind, diesen Termin fixieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_11">Die wirtschaftspolitische Aussprache stand natürlich im Zeichen<lb/>
der revidierten Prognose des Wirtschaftsforschungs- und Fordinstituts.<lb/>
Statt 1.5 % Bruttonationalproduktzuwachs des Vorjahres 5.2 % und<lb/>
auch dieses Jahr eine günstige Konjunktursituation. Insbesondere im<lb/>
Verhältnis zu den westeuropäischen Ländern, wo nicht annähernd die<lb/>
<pb n="35-0341" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-23_0341.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Vollbeschäftigung und dieses Wirtschaftswachstum zu verzeichnen<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat dann für Investitionen-, Forschung und Entwicklung<lb/>
und energiesparende Massnahmen entsprechende steuerliche Erleich<lb break="no"/>terungen verlangt. Er wehrte sich auch dagegen, dass die Vermögens<lb break="no"/>steuer als gewinnunabhängige mit 1 % festgelegt wurde. In Deutsch<lb break="no"/>land gäbe es die Möglichkeit, wenn ein Betrieb in die Verlustzone<lb/>
gerät, die Vermögenssteuer entsprechend reduziert zu bekommen.<lb/>
Insbesondere sprach er sich natürlich gegen die angekündigte<lb/>
Sonderabschreibung für Kombiautos aus. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> behauptet dadurch<lb/>
500 Mio. Schilling Steuerersparnis zu verlieren. Warum er aller<lb break="no"/>dings dann vor Jahren für diese Kombiautos noch eine sondervor<lb break="no"/>zeitige AfA genehmigt hat, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich haben<lb/>
ihn damals auf diese Entwicklung auf diese Entwicklung gar nicht<lb/>
aufmerksam gemacht, oder haben sie nicht erkannt. Dass nämlich bis<lb/>
zu 90 % die Kombis sofort abgeschrieben werden konnten, hat dazu<lb/>
geführt, dass, wie <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> richtig sagte, heute Kombis erzeugt werden,<lb/>
die nur mehr den Namen nach als Ladefahrzeuge verwendet werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> replizierte überhaupt insbesondere gegen die Behauptung,<lb/>
dass die Löhne zu sehr gestiegen sind. In der Güterproduktion<lb/>
sollte immer entsprechender Rückhalt geübt werden, während bei den<lb/>
Versicherungen, Banken usw. trotz hoher Gehälter und oft 15, 16<lb/>
Gehältern als geschützte Betriebe entsprechende höhere Abschlüsse<lb/>
getätigt werden. Die Industrieproduktion hat im Vorjahr um 9.5 % zuge<lb break="no"/>nommen, während alle Güterproduktionen nur um 4.5 % zugenommen<lb/>
haben. Die produzierende Gruppe sollte also ständig nach Meinung<lb/>
der Handelskammer Rücksicht auf die gesamtwirtschaftliche Entwick<lb break="no"/>lung nehmen und müssen dies nicht zuletzt wegen ihrer Exportab<lb break="no"/>hängigkeit. Die geschützten Betriebe dagegen können obwohl ihre<lb/>
Leistung im Vorjahr nicht so stark zugenommen hat, entsprechende<lb/>
höhere Löhne und Gehälter zugestehen. Der früher von der Industrie<lb/>
gezahlte Lohndrift von 3.5 % ist jetzt auf 1.5 % zurückgegangen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kündigte an, dass er bei den Verhandlungen jetzt über die<lb/>
Anrechnung der zu erwartenden Bauarbeiterlohnerhöhung nur die<lb/>
Höhe des Metallarbeiterlohnabschlusses anerkennen wird. Seiner<lb/>
Meinung nach muss die geschützte Industrie Bauwirtschaft eben mehr<lb/>
auf die allgemeinen Interessen bei den Lohnverhandlungen Rücksicht<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_12">Zu meiner grössten Verwunderung habe auch ich von NR <rs type="person" ref="#per__112932">Zingler</rs> gehört,<lb/>
dass bei den Lohnverhandlungen und Gehaltsverhandlungen in der<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs>, dem Verhandlungsführer, mitgeteilt, dass bei den<lb/>
Lohnabschlüssen entsprechende Rücksicht auf die gesamtwirtschaft<lb break="no"/>liche Situation genommen werden muss. Ich hätte erklärt, man dürfe<lb/>
nur geringere Abschlüsse tätigen. Ein diesbezüglicher Brief von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
wurde verlesen. Ich habe sofort <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> anrufen lassen, der davon<lb/>
überhaupt nichts weiss. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> hat es übernommen, jetzt zu klären,<lb/>
wer eine solche falsche Behauptung aufstellt. Ich bin nämlich der<lb/>
Meinung, dass jetzt die Unternehmer politisch sehr geschickt die<lb/>
Funktionäre der Gewerkschaft gegeneinander ausspielen und insbe<lb break="no"/>sondere meiner Meinung nach sehr erfolgreich das Ansehen der<lb/>
Gewerkschaftsspitzenfunktionäre zerstören werden. Sie, die Unter<lb break="no"/>nehmer, können und wollen nicht sich als die Neinsager deklarieren,<lb/>
weshalb sie andere vorschicken. Wenn aus gesamtwirtschaftlichen Zusammen<lb break="no"/>hängen und die Verantwortung, die letzten Endes Spitzenfunktionäre<lb/>
tragen, eine rückhaltende Lohnpolitik geübt wird, dann darf nicht<lb/>
gleichzeitig auch die Unternehmerseite oder gar die Regierung<lb/>
die Gewerkschaftsspitzenfunktionäre öffentlich als die Bremser<lb/>
hinstellen. Dies kann nicht die Funktion dieser Funktionäre<lb/>
sein. Jeder hat in Wirklichkeit die grössten Schwierigkeiten<lb/>
innerhalb, d.h. intern, in seiner Gewerkschaft zu einer vernünfti<lb break="no"/>gen Lohnpolitik die verantwortlichen Funktionäre zu überzeugen und<lb/>
auszurichten. Das einzelne Mitglied aber draussen kann dies nicht<lb/>
verstehen. Das Endergebnis wird sein, dass ein ganz grosses Miss<lb break="no"/>trauen entstehen wird. Die Kluft zwischen oben und unten wird<lb/>
sich dadurch noch wesentlich vergrössern. Ich halte eine solche<lb/>
Politik für verheerend. Sie widerspricht auch vollkommen meinem<lb/>
Prinzip wonach es eine strenge Trennung geben muss, zwischen den<lb/>
verantwortlichen Unternehmern, die selbst wissen müssen, wie weit<lb/>
sie gehen können und den Arbeitnehmervertretern, also den Gewerk<lb break="no"/>schaften, die auch wissen müssen, was sie verlangen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dir über die Verhandlungen in der<lb/>
Elektrizitätswirtschaft einen schriftlichen detaillierten Bericht<lb/>
geben und insbesondere den Brief, <choice><choice><sic>von den</sic><corr>aus dem? den?</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs> vorgelesen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_14">Die Firma Tarbuk hat ihr 30-jähriges Jubiläum mit MOTOKOV, d.h.<lb/>
Skoda-Vertretung im Palais Schwarzenberg gefeiert. Da ich sowieso<lb/>
im Parlament hätte sitzen müssen und es zu dieser Zeit keine Ab<lb break="no"/>stimmung gab, bin ich hingegangen, um auch den Tschechen zu<lb/>
<pb n="35-0343" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-23_0343.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>demonstrieren, dass ich die wirtschaftlichen Beziehungen<lb/>
unter allen Umständen so wie bisher aufrechterhalten möchte. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit habe ich auch auf die notwendigen Importe der<lb/>
Tschechen für die österreichischen Autoimporte hingewiesen. Skoda<lb/>
hat bei 42 Mio. Exporten nach Österreich für 25 Mio. Erzeugungsmaterial<lb/>
und andere Autobestandteile gekauft. In den letzten 3 Jahren wurde<lb/>
sogar für Investitionen aus Österreich für 200 Mio. Schilling<lb/>
Waren und Anlagen bezogen. Mit Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__146014">Langer</rs> vereinbarte ich, dass<lb/>
er uns wird auch für die anderen Marken, die er vertritt, SAAB und<lb/>
die Japaner, entsprechende Unterlagen schicken wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-23_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__146014">Langer</rs> die diesbezüglichen Ziffern<lb/>
besprechen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Höchtl, Josef</persName>
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               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
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               <occupation>Bautenminister</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
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               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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