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            <title type="main">Montag, der 14. März 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band35_1977-03-14</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_01">Montag, 14. März 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_02">Beim Jour fixe wo nur <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> anwesend waren,<lb/>
wollte man mir allen Ernstes klarmachen, dass die Zusage <rs type="person" ref="#per__108322">Meisls</rs><lb/>
an die Rumänen, alle Importe zu genehmigen, den österreichischen<lb/>
Markt für rumänische Billigstwaren öffnen würde. Erstmals musste<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> sagen, dass ich für ein solches Verhalten überhaupt<lb/>
kein Verständnis habe. Wenn die Rumänen, was übrigens zu bezweifeln<lb/>
ist, tatsächlich grössere Exporte nach Westen durchführen können,<lb/>
so würde niemand verstehen, wenn wir jetzt administrative Schwierig<lb break="no"/>keiten machen würden. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> meinte und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hatte anfangs ihm<lb/>
sekundiert, man müsse doch die österreichische Industrie doch unter<lb/>
allen Umständen schützen. Da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> aber sah, dass ich die Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisls</rs> hundertprozentig deckte, meinte er abschliessend, man sollte<lb/>
konkrete Fälle von Industrie ruinierenden Dumpingeinfuhren dem<lb/>
Handelsministerium dann melden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_03">Neuerdings verwies er auf den Ausspruch <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbls</rs> gegenüber dem jor<lb break="no"/>danischen Generalkonsul <rs type="person" ref="#per__113605">Lintl</rs>, die Handelskammer sei eine nach<lb break="no"/>geordnete Dienststelle. Ich hatte anschliessend <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> gefragt,<lb/>
wie es zu diesem Ausspruch kam, der meinte nur, er hätte <rs type="person" ref="#per__113605">Lintl</rs><lb/>
nur aufmerksam gemacht, dass wir zuerst den jordanischen Thron<lb break="no"/>folger eingeladen haben, er aber alle anderen vorher verständigt,<lb/>
auch die nachgeordnete Dienststelle Handelskammer, bevor er überhaupt<lb/>
dem Handelsministerium über den Besuch dann informiert hatte.<lb/>
Der Ausspruch ist also gefallen und ich werde versuchen, mich darüber<lb/>
hinwegzuschwindeln, wenn <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht neuerdings damit anfängt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist in dieser Beziehung sehr empfindlich und meint, die<lb/>
Beamten im Handelsministerium seien gegen die Handelskammer eingestellt.<lb/>
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in der Vergangenheit jeder<lb/>
Minister es sehr schwer gehabt hat, den Ausgleich als Funktionär der<lb/>
Handelskammer den entsprechenden Wünschen dieser Organisation und<lb/>
den einigermassen doch vereinzelt zumindestens selbständig wirt<lb break="no"/>schaftenden Beamten des Handelsministeriums herzustellen. Solche<lb/>
Aussprüche, wie <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sie gelegentlich macht, sind sachlich<lb/>
vielleicht sogar richtig, regen aber die Handelskammer mächtig auf.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_04">Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über ein Schreiben der katholischen Arbeiter<lb break="no"/>jugend Österreichs, die von mir dezidiert verlangt, die Forderungen<lb/>
der Gewerkschaftsjugend zum Berufsausbildungsgesetz insbesondere<lb/>
den Fonds und die paritätische Selbstverwaltung unter allen Umständen<lb/>
<pb n="35-0313" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-14_0313.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durchzusetzen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zeigte sich vollkommen ungerührt, da<lb/>
er genau seine Stärke innerhalb der ÖVP und insbesondere des Par<lb break="no"/>lamentsklubs kennt. Er weiss, dass dort niemals eine Zustimmung<lb/>
für diese Ideen, selbst wenn es eine Forderung der katholischen<lb/>
Arbeiterjugend ist, zu erreichen wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_05"><rs type="person" ref="#per__146267">Kwizda</rs> verwendet jetzt den Staatsadler auf jeder Packung seines<lb/>
Mottenpulvers usw. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> möchte ihn noch einmal verwarnen und<lb/>
dann auf Entziehung des Adlers Antrag stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>: Bitte neuerdings die Firmen auf die<lb/>
Bestimmungen der Verwendung dieser Auszeichnung besonders aufmerksam<lb/>
machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_07">Zu meiner Einladung ORF und Sport kann <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht kommen und<lb/>
wird deshalb seinen Sportreferenten <rs type="person" ref="#per__146268">Potratzky</rs> schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Stelle fest, wer da überhaupt noch kommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_09">Die Konservierungsverordnung des GuSch trifft die Handelskammer<lb/>
insbesondere Fachverband Nahrungs- und Genussmittelindustrie sehr<lb/>
hart. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> schlägt deshalb vor, dass wir, wie wir auch ursprüng<lb break="no"/>lich beabsichtigt und vorgeschlagen haben, zwischen dem Handels<lb break="no"/>ministerium und dem Gesundheitsministerium gemeinsame Besprechungen<lb/>
führen sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Kläre, wieso in diesem Fall unsere Konzeption<lb/>
so daneben gegangen ist.<lb/>
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das gar keine Rolle, <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> wird ihn ihm auf alle Fälle geben.<lb/>
So habe ich dies keinesfalls erklärt, da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über die Art,<lb/>
wie er jetzt ausgeschaltet werden sollte, natürlich sofort meint,<lb/>
zwischen Freunden wie ihm und mir dürfe sich doch nicht ein Dritter<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__140593">Gruber</rs> dies ausdrückte einschalten und wenn man so sagen will<lb/>
die Freundschaft ausschalten. Ich beabsichtige natürlich schon allein<lb/>
aus politischen Gründen nicht Dienstpässe auszustellen, ohne dass<lb/>
die Handelskammer dafür ist. Schliesslich weiss ich niemals, was<lb/>
sich noch ereignet und ich habe gar keinen Grund, jemanden zu bevor<lb break="no"/>zugen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> schlug daher dann vor, man sollte <rs type="person" ref="#per__140593">Gruber</rs> ein Monat<lb/>
warten lassen und am 14. April ihm den Dienstpass dann ausstellen.<lb/>
Nachdem ihn die Handelskammer auch auch befürwortend weitergeleitet hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte auf die Zustimmung der Handelskammer<lb/>
warten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_13">Beim Journalistenfrühstück hat <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> über die nächsten Tätigkeiten<lb/>
des Konsumentenbeirates referiert. Die Journalisten stürzen sich<lb/>
nur auf die beabsichtigte Preisgarantie. Zum Glück konnte ich noch<lb/>
während des Journalistenfrühstücks mir die Unterlagen von der<lb/>
deutschen Regelung verschaffen, die wesentlich anders ist als man<lb/>
bisher immer erzählte. Dort handelt es sich darum, dass Preis<lb break="no"/>ankündigungen bei Lieferungen unter vier Monaten ohne Vorbehalt gelten<lb/>
müssen. Keinesfalls ergibt sich aber daraus, dass diese indirekte Ver<lb break="no"/>pflichtung, weil nämlich im gleichen Preisauszeichnungsgesetz<lb/>
gesagt wird, über 4 Monate, wenn man Preise ändern will, muss ein<lb/>
Vorbehalt gemacht werden, für den einzelnen Käufer schon eine auto<lb break="no"/>matische Preisgarantie. Das System kann auch in Österreich gar nicht<lb/>
so leicht eingeführt werden, weil wir in unserem Preisrecht eine solche<lb/>
Möglichkeit fürchte ich gar nicht konstruieren können. Der Beirat<lb/>
hat deshalb als ersten Schritt die Möglichkeit des Rücktrittes,<lb/>
wenn der Preis um 5 % sich erhöht, in die Geschäftsbedingungen<lb/>
aufgenommen. Hätte ich nicht im letzten Moment von <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> diese Unter<lb break="no"/>lagen bekommen und sie mir flüchtig angesehen, dann wäre ich falsch<lb/>
informiert auf das deutsche Beispiel verweisend in eine ganz schöne<lb/>
Sackgasse geraten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte bei diesen Fragen mehr auf die Tatsachen<lb/>
achten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_15">Der Bericht, <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> über die internationale Touristenbörse Berlins<lb/>
und unsere Aktivitäten weltweit, wird zwar angehört, findet aber kaum<lb/>
richtiges Echo, selbst der Bericht <rs type="person" ref="#per__111367">Würzls</rs> über die Visionen des<lb/>
Tourismus für das Jahr 1985, wobei ein wesentliches Ansteigen an<lb break="no"/>genommen wird, hat auch nicht sehr viel hergegeben. Ich fürchte<lb/>
überhaupt, dass wir allzu viel Tourismus jetzt in unserer Presse<lb break="no"/>konferenz präsentieren müssen, weil wir keine anderen Themen der<lb break="no"/>zeit haben. Was wir dringendst brauchen, sind mehrere Reserven-Themen<lb/>
die wir einsetzen können, wenn wir keine Neuigkeiten auf anderen<lb/>
Gebieten präsentieren können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_16">Gen.Dir. der Schweizer Handelskammer in Österreich <rs type="person" ref="#per__146269">Wolf</rs> beschwerte<lb/>
sich mit dem Herrn <rs type="person" ref="#per__146270">Willms</rs> von der Fa. Wild-Leitz, dass das<lb/>
Wissenschaftsministerium, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__146271">Reichl</rs> angeblich erklärt hat,<lb/>
Mikroskope dürften nur von der Fa. Reichert gekauft werden. Deshalb<lb/>
macht das Wissenschaftsministerium auch nur Globalaufträge und<lb/>
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aber mehr Österreicher als Reichert. Diese Firma, den Amerikanern<lb/>
gehört in Wien ca. 700 Beschäftigte, Leitz aber 818, allerdings<lb/>
sind darin 503 Pendler, die von Vorarlberg in die Schweiz arbeiten<lb/>
gehen und 260 in Völkermarkt, 87 in Wien im Vertrieb beschäftigt.<lb/>
Ich erklärte sofort, dass wir vom Handelsministerium die Frage<lb/>
prüfen werden, da ich bei meiner Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> anfangs<lb/>
Mai in der Schweizer Handelskammer eine diesbezügliche Intervention<lb/>
dann erwarte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>: Bitte vor allem mit Wissenschafts<lb break="no"/>ministerium sprechen und Brief an Schweizer Handelskammer vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_18">Dir. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> von der Fa. AEG möchte 150-l-Kühlschränke aus<lb/>
Ungarn in grösserer Anzahl importieren. Ursprünglich waren 10.000 Stk.<lb/>
geplant, jetzt müsste aber durch die 10 %-ige Zollbelastung diese<lb/>
Anzahl wesentlich reduziert werden. 1976 hat er 7.000 Stück importieren<lb/>
können. Bei diesen Kühlschrank-Typ handelt es sich um einen ausge<lb break="no"/>sprochen Dampfpreis-Kühlschrank. Bauknecht verkauft ihn um 1.140<lb/>
die Jugoslawen Gorenje um 1.000 S, die Ungarn möchtem 1.100 bei<lb/>
10 % Zoll kommt er dann schon auf 1.210 und ist daher nur schwer<lb/>
absetzbar. Dies ist in meinen Augen ein typisches Beispiel, dass<lb/>
bei den nächsten Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs> die ungarische Seite darauf<lb/>
hinweisen wird, wie sie durch die Zollbelastung gegenüber den<lb/>
EFTA- und EG-Staaten schlechter gestellt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit dem Finanzministerium Gespräche<lb/>
führen lassen, ob wir eine Lösung finden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_20">Gen. <rs type="person" ref="#per__113108">Daimer</rs>, Austro-Fiat kam nicht wegen des Österreich-Porsche sondern<lb/>
wollte nur mich zu einer Betriebsbesichtigung einladen, da die Firma<lb/>
auch die russischen PKW vertritt und dort ganz grosse Absatzerfolge<lb/>
im letzten Jahr zu erzielen waren, schlug ich ihm vor, gegebenenfalls<lb/>
bei dem Besuch von <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> mit dem Minister selbst ein<lb/>
Besuchsprogramm zu versuchen. Die österr. Firma ist zwar jetzt mit<lb/>
MAN liiert, u.a. soll sie die 3.000 Verteilergetriebe-Werkstatt-<lb/>
Arbeit nach Österreich verlegen, was 120 bis 160 Beschäftigte<lb/>
zusätzlich bedeutet. Hier liefert MAN Motoren und Achsen nach Öster<lb break="no"/>reich für Spezialfahrzeuge, wo die ÖAF in der Vergangenheit sogar<lb/>
den Russen<add>[nächstes Wort fehlt, Platz freigelassen, Anm.]</add> Autos liefern konnte. Derzeit verlangen aber die<lb/>
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nicht mehr zustande kommt. <rs type="person" ref="#per__113108">Daimer</rs> wird versuchen, eine günstige<lb/>
Gelegenheit zu finden, um der sowjetischen Seite einen solchen<lb/>
Besuch <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschews</rs> im Werk einzureden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte das Problem auch mit <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_22">Handelsrat <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs>, der leider vor Direktor <rs type="person" ref="#per__113108">Daimer</rs> schon hier<lb/>
war, sonst hätte ich ihn gleich wegen des Besuches gefragt, in<lb break="no"/>formierte mich, dass die Gasreinigungs-Anlage doch noch verloren<lb/>
gehen könnte. Die Russen müssen auf eine Finanzierung Österreichs<lb/>
auch des deutschen Anteils bestehen. Die VÖEST aber auch <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> erklären<lb/>
sich dazu ausserstande. Ich habe anschliessend daran, wie ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> versprach, sofort mit der VÖEST - <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs>, aber auch mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs><lb/>
gesprochen. Beide erklärte übereinstimmend, sie werden sich be<lb break="no"/>mühen noch eine Lösung zu finden. Tatsache ist, dass bei dem letzten<lb/>
grossen Papierauftrag die Sowjets von Voith eine 5 %-ige Anzahlung<lb/>
eine 5 %-ige Barzahlung nach garantierter Lieferung erreichen konnten<lb/>
jetzt wünschen sie natürlich ebenfalls von der VÖEST 5 % Anzahlung,<lb/>
5 % bei Lieferung und 5 % bei der Übernahme in bar, das andere alles<lb/>
dann auf Kredit. Selbst den deutschen Anteil. Dieser müsste aber<lb/>
durch Hermes in Deutschland finanziert werden, was von dort aber<lb/>
abgelehnt wird. Die Schwierigkeiten kamen, weil SGP zu anderen Kon<lb break="no"/>ditionen den Russen anbot als die VÖEST-Alpine.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wir müssen unser Anbotsystem der<lb/>
österreichischen Firmen gegenüber den Staatshandelsländern ändern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_24">Das österreichische Fernsehen stürzte sich sofort auf eine Gerichts<lb break="no"/>entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes in Deutschland wegen Einstel<lb break="no"/>lung des Baues des Atomkraftwerkes Whyl mit 1.300 MW und wollte von<lb/>
mir ein entsprechendes Interview. Unwahrscheinlich, wie wenig selbst<lb/>
die dafür zuständigen Firmen im Detail wussten. <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> konnte mir<lb/>
gerade sagen, dass es sich um einen 1.300-MW-Druckwasserreaktor<lb/>
handelt und was ich aber auf Grund meiner Aufstellung selbst schon<lb/>
wusste, die Wandstärke des Reaktors musste er erst erfragen mit<lb/>
320 mm wesentlich stärker als Zwentendorf, die Wandstärke ist aber<lb/>
in Wirklichkeit vollkommen uninteressant, denn bei normalen Be<lb break="no"/>triebsverhältnissen selbst bei dem berühmten GAU, grösstmöglich<lb/>
anzunehmenden Unfall reichen die Wandstärken in beiden Fällen aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-14_25">Kritisch wird es nur, wenn tatsächlich der+ Reaktor infolge<lb/>
der trotz vorhandenen Reservekühlsysteme nicht gekühlt wird und<lb/>
dann durchbrennt. In diesem Fall verlangt der deutsche Gerichtshof<lb/>
einen ausreichenden Berstschutz. <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> meint, dies sei technisch<lb/>
nicht zu lösen. Seinerzeit hat die Behörde schon bei einem Reaktor,<lb/>
der in Ludwigshafen von der BASF gebaut werden sollte, eine Berstsi<lb break="no"/>cherheit verlangt, weshalb dieser Reaktor dann nicht gebaut wurde.<lb/>
Wenn jetzt tatsächlich die Gerichte in Deutschland so entscheiden,<lb/>
muss es zu einer Einstellung der Atomreaktorbauten, ja sogar<lb/>
wahrscheinlich zu einer Stillegung der schon bestehenden kommen,<lb/>
wenn die Technik dieses Sicherheitsproblem nicht lösen kann.<lb/>
Ich hatte bei meinem Flug nach Finnland dann Gelegenheit, mit<lb/>
einem deutschen Staatssekretär in Frankfurt bei der Unterbrechung<lb/>
über dieses Problem zu sprechen. Er meinte, dass jetzt die deutschen<lb/>
Richter eine junge Generation sich zu einer solchen Politik be<lb break="no"/>rechtigt fühlt. Die Parteien haben in Deutschland an Ansehen unge<lb break="no"/>heuer verloren, die Politiker sind, wie man so schön sagt, unten<lb/>
durch. Die Richter fühlen sich jetzt berufen, weit über ihre Kompe<lb break="no"/>tenz, die ihnen die Verfassung gibt, hinaus rein formelle Fragen<lb/>
zu entscheiden, die eigentlich eindeutig in die politische Instanz<lb/>
gehörten. Diese Entwicklung zum Richterstaat ist der Hintergrund<lb/>
für so manche Urteilserklärung, die wir in der nächsten Zeit<lb/>
auf den verschiedensten Gebieten erleben werden. Wenn diese Auf<lb break="no"/>fassung Deutschlands in Europa Platz greift, dann wird dies eine<lb/>
Richterstaatswelle auslösen. In Österreich hat es solche An<lb break="no"/>sätze auch gegeben, als damals in der Koalition man immer nur vom<lb/>
"Packeln" gesprochen hat und <rs type="person" ref="#per__146272">Marcic</rs>, Universitätsprofessor in Salzburg,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97635">Klecatsky</rs>, nachfolgender Justizminister, in den Fünfzigerjahren diese<lb/>
Idee auch bei uns in Österreich forcierten. Wenn in einer solchen<lb/>
Phase der politischen Entwicklung irgendein grösseres Unglück<lb/>
passiert, ich fürchte sogar, wenn ein kleineres nur eintritt,<lb/>
dann kann dies unabsehbare politische Folgen haben. Das politische<lb/>
Unbehagen, nicht zuletzt ausgelöst durch die schlechte wirt<lb break="no"/>schaftliche Entwicklung in Deutschland, wird abgesehen von dem<lb/>
konkreten Anlassfall uns in Hinkunft noch grosse Probleme bereiten.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 14.3.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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