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            <title type="main">Donnerstag, der  3. März 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_01">Donnerstag, 3. März 1977<lb/>
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der BHK, unsere Schwefelgehaltsverordnung zu akzeptieren. In<lb/>
Etappen soll mit 1. Jänner 1978 Heizöl Extra Leicht 0,5, leicht 1,0<lb/>
mittel 2,0, schwer 3,0. Mit 1. Jänner 1979 0,4, 0,8, 1,5 und<lb/>
schwer weiterhin 3,0. Mit 1. Jänner 1981 0,3, 0,8, 1,5, schwer<lb/>
2,0 vom Ministerium verordnet werden. Damit ist zum ersten Mal<lb/>
eine wesentliche Umweltschutzmassnahme gesetzt worden. Eigentlich<lb/>
ist dies eine Angelegenheit des Umweltschutzministeriums, doch<lb/>
gebe ich Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> vollkommen recht, dass dort wahrscheinlich<lb/>
mangels gesetzlicher Verordnungsmöglichkeit und komplizierter<lb/>
Kompetenzabgrenzung Länder-Bund es wesentlich schwieriger ist,<lb/>
irgendeine Verordnung zu erlassen. Wir im Handelsministerium<lb/>
können auf Grund des Gewerberechtes auch früher etwas erreichen als<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>. Hoffentlich kommt nicht jemand jetzt auf die Idee,<lb/>
in der Öffentlichkeit zu agieren: Da sieht man, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> erreicht<lb/>
eben gar nichts! Weshalb andere Ministerien einspringen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wenn die Verordnung fertig ist, zeitgerecht ins<lb/>
nächste Pressefrühstück bringen.<lb/>
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Ölgeneralsekretär <rs type="person" ref="#per__146217">Baher</rs> zu richten, das die ÖMV als verstaat<lb break="no"/>lichte Gesellschaft akkreditiert. Interessant, dass einige<lb/>
OPEC-Länder solche Bestätigungen verlangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Versuche vorsichtig über österr. Stellen<lb/>
den Grund für diese Haltung der Saudi-Araber zu erfahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_06">Die ÖMV hat ausser ihren festen Verträgen im Vorjahr, wie <rs type="person" ref="#per__97671">Kreut<lb break="no"/>ler</rs> mitteilt, 460.000 t Öl zu 693 $ sogenannte Spottmengen gekauft.<lb/>
Grösstenteils ging es über die CSSR. Jetzt bietet die CSSR wieder<lb/>
einen 100.000-t-Tanker aus Iran, Warenwert 190 Mio. S incl. Fracht<lb/>
an. Dieses Rohöl ist ca. 4 % billiger, angeblich 4 Cent pro Barrel<lb/>
müsste er jetzt sonst international verlangte Rohölpreis. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs><lb/>
glaubt, dass die Tschechen dieses Rohöl stützten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Lass bitte prüfen, was wirklich dahintersteckt<lb/>
und wie die Tschechen zu diesem Öl kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_08">Beim Interview mit den finnischen Journalisten anlässlich des<lb/>
Staatsbesuches geht es nicht wie angekündigt um das Thema<lb/>
EFTA-Wirtschaftsbeziehungen sondern um die sehr konkrete Frage,<lb/>
was bietet Österreich Finnland an, um das Handelsbilanzdefizit<lb/>
der Finnen zu verbessern. 881 Mill. S Einfuhr stehen 1,812 Mia.<lb/>
Ausfuhr österreichischerseits gegenüber. Auf die Dauer lässt<lb/>
sich dieses Handelsbilanzungleichgewicht von den Finnen sicherlich<lb/>
nicht ertragen. Mein Hinweis, dass die Finnen sehr gute Designer<lb/>
sind und deshalb Schmuck, Möbel aber auch Sportbekleidung insbesondere<lb/>
für den Wintersport, d.h also modische Artikeln bei uns verkaufen<lb/>
können. hilft den Finnen in Wirklichkeit wenig. Die Frage, wieviel<lb/>
wir für den Fremdenverkehr aufwenden zeigt, dass man sich auf finnischer<lb/>
Journalistenseite gegebenenfalls bei mehr Propaganda mehr Touristen<lb/>
erwartet. Niemals wird ein nordischer Staat tatsächlich auch nur<lb/>
einen Bruchteil der Fremdenverkehrseinnahmen haben können wie Öster<lb break="no"/>reich. Wirkliche konkrete Vorschläge vertröste ich die Journalisten,<lb/>
könnten erst nach einem Gespräch, das ich mit dem finnischen Aussen<lb break="no"/>handelsminister führen werde, ihnen mitgeteilt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass unverzüglich alle Vorschläge zusammen<lb break="no"/>stellen, die das Haus und die Handelskammer und vor allem einmal Firmen<lb/>
uns mitteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_10">Bei der Generalversammlung der BAWAG hat Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114047">Flöttl</rs> in einem um<lb break="no"/>fangreichen Bericht die österr. Wirtschaftspolitik, soweit sie die<lb/>
Regierung positiv immer darstellt, auch mit einem Zahlenberg bewiesen.<lb/>
So viele Ziffern habe ich von niemandem noch gehört. Natürlich hat<lb/>
gar niemand zugehört, geschweige denn diese Zahlenanhäufung aufneh<lb break="no"/>men können. <rs type="person" ref="#per__114047">Flöttl</rs> kam nachher noch zu mir und meinte, Du siehst<lb/>
wie ich die Regierungspolitik überall unterstütze. Da er mit einer<lb/>
solchen Leidenschaft dieses Referat gehalten hat, habe ich natürlich<lb/>
nicht enttäuschen wollen und daher überhaupt nichts zu dieser Bemerkung<lb/>
gesagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_11">Bei der Generalversammlung war auch Klubobmann und Gewerkschafts<lb break="no"/>obmann der Landarbeiter <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs>. Bei der Vorsprache des Vaters der<lb/>
ermordeten <rs type="person" ref="#per__146218">Gansterer</rs> in den Klub hat der Kurier eine Bemerkung über<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> gemacht, die empörend ist. Er schreibt, <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> hätte nur darüber<lb/>
gelacht. Jeder, der <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> kennt, der mit einem sittlichen Ernst seine<lb/>
Aufgaben übernimmt, der ein so durch und durch menschlicher Politiker<lb/>
ist, kann sich nur über diese Schreibweise empören. Das niederträchtigste,<lb/>
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zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese politische Rufmörderei,<lb/>
die seine Persönlichkeit bis ins letzte zutiefst verletzen<lb/>
muss, zu bekämpfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte für Montag Jour fixe mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
Kurier-Reportage über Klubvorsprache mitgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_13"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> informierte ich nach der Generalversammlung, dass ein gewisser<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112974">Kreuschgl</rs> von der Furche mich anrief und mich um meine Meinung<lb/>
als ein Obmann der 16 Gewerkschaften zu fragen, was ich zum 1.1.1979<lb/>
Lohnsteuersenkung zu sagen habe. Ich hatte sofort erwidert, dass<lb/>
der ÖGB mit der Zustimmung aller Fraktionen und aller Gewerkschaften<lb/>
eine Steuerkommission jetzt eingesetzt hat. Da wir eine disziplinierte<lb/>
Organisation sind, warten wir ab, was diese Steuerkommission uns<lb/>
vorschlagen wird. Solange denke ich nicht daran, ihm auch nur eine<lb/>
private Meinung von mir zu sagen, wie er es unbedingt haben wollte.<lb/>
Da ich befürchte, dass andere vielleicht nicht eine so klare Ab<lb break="no"/>lehnung der Furche mitteilen, habe ich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sofort davon infor<lb break="no"/>miert. Dieser meint allerdings, er wird am Montag die Obmänner ver<lb break="no"/>ständigen. Bei dieser Gelegenheit erklärte er mir, dass weder<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> noch <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> irgendeinen anderen Zeitpunkt dezidiert<lb/>
festgelegt haben, wo der ÖGB die Lohnsteuersenkung schon verlangt.<lb/>
Andererseits beschwerte er sich mir gegenüber, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt<lb/>
immer wieder auf dem 1.1.1979 so stur beharrt und mit seinen ständigen<lb/>
neuen Aussagen die Situation der Gewerkschaften auch sehr erschwert.<lb/>
Ein deutliches Unbehagen <rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs> war hier zu spüren. Einmal mehr be<lb break="no"/>kam ich wieder von einer ganz anderen Seite eine richtige Ein<lb break="no"/>schätzung 1970 bestätigt, ja nicht Finanzminister zu werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_14">Dir. <rs type="person" ref="#per__97995">Stockinger</rs> von der Salzburger Sparkasse hat mir die Situation<lb/>
des Gasteinertales geschildert. Für Bad Gastein soll nun eine<lb/>
Sanierung gefunden werden, damit nicht die Gemeinde in Konkurs<lb/>
gehen muss. Nicht nur die Gemeinde ist dort aber in einer schlechten<lb/>
finanziellen Situation, auch 2 bedeutende Fremdenverkehrshotels<lb/>
Gasteiner Hof, Straubinger und Weismayr seien sehr gefährdet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97995">Stockinger</rs> wollte von mir wissen, ob es zweckmässig ist, eine<lb/>
Sanierungsaktion auch für die Hotel zu starten. Selbstver<lb break="no"/>ständlich bin ich dieser Meinung, wenn wir auch kaum finanzielle Mittel<lb/>
dafür vom Handelsministerium zur Verfügung stellen können. Angeblich<lb/>
wird jetzt im Gasteinertal gesagt, in Zell am See hätten wir<lb/>
<pb n="35-0264" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-03_0264.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für das Hotel Alpenblick Segel Zinsenzuschüsse gegeben, die<lb/>
dieser Betrieb gar nicht so dringend benötigte. Deshalb erhoffen<lb/>
sich jetzt auch die Gasteiner Betriebe eine entsprechende Unter<lb break="no"/>stützung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lasse den Fall <rs type="person" ref="#per__146220">Segel</rs> genau prüfen<lb/>
und feststellen, ob es sich hier wirklich um ein gefährliches<lb/>
Präjudiz handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_16">Das Gasteiner Zentrum Ärztering, wo bereits 140 Mill. investiert<lb/>
wurden, soll jetzt versteigert werden. Ersteigern wird es <rs type="person" ref="#per__146221">Franzmair</rs><lb/>
um 50 Mill., ein Baumeister und Hotelier – Elisabeth – der selbst<lb/>
35 Mill. S vom Ärztering Leistungen bekommen sollte. Die Stubner<lb break="no"/>kogelbahn ist ebenfalls nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97995">Stockingers</rs> pleite. In<lb/>
Hofgastein ist die Situation nicht anders, dort weigert man sich<lb/>
nach wie vor, das Elektrizitätswerk für 100 Mill. S zu verkaufen,<lb/>
weil dann für die Gemeinde nur 40 Mill. S erlösen würde, der<lb/>
Rest würde an Steuern und sonstigen Zahlungen verlorengehen.<lb/>
Die einigermassen noch gesunde Gemeinde ist Dorfgastein und<lb/>
dort soll jetzt ein Freizeitzentrum errichtet werden. Berechnungen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97995">Stockingers</rs> ergeben, dass dafür beträchtliche Mittel aufgewendet<lb/>
werden müssten, da das Bad z.B. aus den Einnahmen höchstens<lb/>
die Betriebskosten deckt. Die Berechnungen, die er mir dazu gibt,<lb/>
schicke ich sofort <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>. Im Prinzip aber weiss ich, dass die<lb/>
Einnahmen nicht einmal die Betriebskosten meistens decken. Ich<lb/>
bin mir nicht ganz klar, ob tatsächlich die finanzielle Situation<lb/>
des Gasteinertales so schlecht ist, wie sie <rs type="person" ref="#per__97995">Stockinger</rs> schildert,<lb/>
dass es Schwierigkeiten von Sportgastein bis Dorfgastein gibt,<lb/>
ist mir allerdings bekannt. Wahrscheinlich hat <rs type="person" ref="#per__97995">Stockinger</rs> auch<lb/>
recht, dass wenn erst einmal dort der eine oder andere Betrieb<lb/>
tatsächlich schliesst, resp. in Konkurs geht, dass sich dann eine<lb/>
Lawine der Zusammenbrüche ergeben könnte. Da man im ganzen Tal<lb/>
seit Jahren ja jetzt bald seit über einem Jahrzehnt immer wieder<lb/>
erklärt, die und der würden zugrunde gehen und dann doch weiter<lb/>
wurschtelt, glaube ich, wird es auch in Zukunft so sein. Eine<lb/>
Gemeinde kann nicht in Konkurs gehen und ein Unternehmen ver<lb break="no"/>sucht man doch, wenn es gross und wenn es insbesondere mehrere<lb/>
sind, zu retten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Nach Vorschlag des Landes Salzburg sollten wir<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> eine Aussprache über die Sanierung des Gasteinertales<lb/>
durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_18">Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> und Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> sowie der Botschafter <rs type="person" ref="#per__122250">Schramm</rs><lb/>
und Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114374">Krüger</rs> haben <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und mir neuerdings versichert,<lb/>
dass die DDR an einer besseren Wirtschaftsbeziehung insbesondere<lb/>
die Aussenhandelsrelationen sehr interessiert ist. Dr. <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs>,<lb/>
Politbüromitglied und für die Wirtschaft der DDR verantwort<lb break="no"/>lich, daher weit über jedem Minister stehend, der von der KPÖ einge<lb break="no"/>laden wurde, sagte, er sei gekommen, um alte Bekannte zu begrüssen.<lb/>
Es ist fast unglaublich, wie die DDR jetzt anerkannt, dass sich<lb/>
österreichische Firmen aber nicht zuletzt auch ich, bevor diploma<lb break="no"/>tische Beziehungen mit ihnen aufgenommen wurden, sich schon um die<lb/>
Wirtschaftsbeziehungen mit der DDR verdient gemacht haben. Wir<lb/>
sprachen über die Besprechungen mit VAL, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs>, Gen.<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__114559">Bayer</rs>. <add>[Fehlstelle, Anm.]</add> hat insbesondere <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> aufgeklärt, dass Böhler in<lb/>
Düsseldorf ein grosses deutsches Stahlwerk besitzt. Die DDR<lb/>
beabsichtigt jetzt diese Liefermöglichkeit österr. Waren besser<lb/>
zu nützen, wenn es über Düsseldorf geht, dann hat die DDR schein<lb break="no"/>bar gewisse Vorteile aus dem BRD-DDR-Wirtschaftsvertrag.<lb/>
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Möglichkeit verlangen.<lb/>
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zu überprüfen, ob nicht auch die indirekten Lieferungen zwischen<lb/>
Österreich und Deutschland, sei es über Drittmärkte, sei es mit<lb/>
Transit über die BRD in ihrer Statistik besser erfasst werden<lb/>
können. Auch in erklärte mein grosses Interesse daran, die<lb/>
wirklichen Lieferungen und Bezüge der DDR genauer erfassen zu<lb/>
können. Interessanterweise hat dann <rs type="person" ref="#per__114101">Mittag</rs> mitgeteilt, dass<lb/>
ihm ein österr. Vorschlag, einen langfristigen Handelsvertrag<lb/>
bis 1985 zu machen, die Wirtschaftsbeziehungen verbessern<lb/>
könnte. Ob dies bei der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zur Sprache kam<lb/>
wollte ich nicht fragen. Bei diesen Aussprachen kommt es immer<lb/>
wieder darauf an, insoferne zu bluffen, als man von der DDR-Seite<lb/>
und wahrscheinlich von allen Oststaaten erwartet, dass der Handels<lb break="no"/>minister bestens über alle Details informiert ist.<lb/>
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konkret gemacht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_22">Bei der Lebensmittelvorstandssitzung erfuhr ich, dass Unilever<lb/>
jetzt eine grosse Reorganisation in ihren Betrieben einleitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_23">U.a. soll der Handelsbetrieb Eskimo-Iglo vom Produktionsbe<lb break="no"/>trieb getrennt werden. D.h. die Verteilung ausgegliedert werden.<lb/>
Natürlich sind die dort Beschäftigten jetzt sehr beunruhigt<lb/>
und der Betriebsratsobmann wird die Arbeiterkammer verständigen<lb/>
und vor allem uns ständig auf dem laufenden halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte mit Sekretär <rs type="person" ref="#per__137946">Schuster</rs>, LUGA<lb/>
Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_25">Nach meinem Referat über die Verhandlungen zur Lehrlingsausbildung<lb/>
beschlossen wir, eine ausserordentliche Jugendvorstandssitzung<lb/>
wo ich ebenfalls unseren jungen Kollegen die Situation versuchen<lb/>
werde zu erklären, einzuberufen. Unser Jugendsekretär <rs type="person" ref="#per__131971">Demel</rs><lb/>
hat mir bestätigt, dass tatsächlich über das Verhandlungsergebnis<lb/>
des Gipfelgespräches die jungen Leute sehr enttäuscht sind.<lb/>
Das nächste Mal, habe ich mir vorgenommen, werde ich schon<lb/>
bei der Entstehung einer Idee, die mich betrifft, resp. in meinem<lb/>
Ressort liegt, versuchen, auch junge Leute auf die Möglichkeiten<lb/>
einer Erfüllung ihrer Forderung aufmerksam zu machen und nicht<lb/>
zuwarten, bis sie sich in eine solche Hoffnung hineingesteigert<lb/>
haben, dass dann ein richtiggehender Zusammenbruch erfolgt.<lb/>
Hier trifft mich zweifelsohne auch ein grosser Teil der Schuld.<lb/>
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immer grösseren Spannungen wegen der Personalpolitik mit dem<lb/>
zweiten Vorstandsdirektor kommt. <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> kommt allerdings<lb/>
jetzt auch mit seinen eigenen Genossen schön langsam in eine<lb/>
Kollision, weil diese scheinbar von ihm erwartet haben, dass<lb/>
eine Unzahl von neuen Handelsbevollmächtigten, ja sogar auch<lb/>
Prokuristen früher oder später geschaffen werden. Die ÖDK erwartet<lb/>
dass sie mit ihren höchsten Angestellten der Tauernkraftwerke<lb/>
und der DoKW ja sogar vielleicht der Verbundgesellschaft ange<lb break="no"/>glichen werden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> mit aller Deutlichkeit<lb/>
gesagt, dass genau der umgekehrte Weg gegangen werden muss.<lb/>
Auch in den anderen Gesellschaften müssten zwecks Einsparung<lb/>
der Personalkostenzuwächse Reorganisationen vorgenommen werden.<lb/>
Erst heute hat der Verband der Elektrizitätsunternehmungen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs> und <rs type="person" ref="#per__116121">Orglmeister</rs> an alle Präsidenten der Interessenver<lb break="no"/>tretungen einen Brief gerichtet, um auf die Personalkosten neuer<lb break="no"/>dings hinzuweisen. Bei der jetzt zur Verhandlung stehenden<lb/>
Kollektivvertragsregelung soll zwischen Ist-Löhnen und Kollek<lb break="no"/>tivvertragslöhnen unterschieden werden. Da die Kollektiv<lb break="no"/><pb n="35-0267" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-03-03_0267.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vertragslohnerhöhung perzentuell höher sein sollen als die Ist-<lb/>
Lohnerhöhungen, das Ausmass steht noch nicht fest, wohl aber<lb/>
das Prinzip, teilt der Verband mit, müssten sie dann auf interne<lb/>
Vereinbarungen die hohen Kollektivvertragslohnperzentsätze auf<lb/>
die Ist-Lohn-Sätze der Verbundgesellschaft und der anderen EVUs<lb/>
anwenden. Dadurch entstehen weitere Lohnbelastungen, die dann<lb/>
bei den Strompreisverhandlungen von den Interessensvertretungen<lb/>
wieder nicht akzeptiert werden. Da die Gewerkschaften ihr Lohn<lb break="no"/>system und Lohnforderungen nicht ändern werden, kommt die Verbund<lb break="no"/>gesellschaft und die anderen EVUs in eine schwierige Schere. Die<lb/>
entsprechenden Entlastungen auf der Lohn- und Gehaltstangente<lb/>
kann daher nur durch eine Reorganisation der Verwaltung erreicht<lb/>
werden. Je früher das die einzelnen Gesellschaften erkennen,<lb/>
um so besser für sie. Ich werde mich, erklärte ich <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs><lb/>
dezidiert, nicht bereiterklären, eine Angleichung der einzelnen<lb/>
Gesellschaften an die höchsten Prokuristensätze und Handelsbevollmächtig<lb break="no"/>tenposten zu akzeptieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-03-03_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diese Politik in allen Gremien der Verbund<lb/>
und EVUs klarmachen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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