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            <title type="main">Freitag, der 25. Februar 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band35_1977-02-25</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_01">Freitag, 25. Feber 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_02">Präsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> hat schon vor längerer Zeit mit mir gesprochen und<lb/>
wie er sagte, eine unangenehme<add>Sache</add> zu bereinigen. Entgegen allen Wünschen<lb/>
der Arbeiterkammerfunktionäre hat mich seinerzeit Präsident <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs><lb/>
ersuchen lassen, ich soll nicht mehr an den Fraktionssitzungen des<lb/>
Arbeiterkammervorstandes teilnehmen. Selbstverständlich bin ich sofort<lb/>
nicht mehr hingegangen. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> ersuchte mich nun sogar schriftlich,<lb/>
dass ich doch wieder kommen möge. In Hinkunft werde ich deshalb auf<lb/>
seine Einladung, wenn er mich entsprechend wünscht, allerdings nicht<lb/>
mehr automatisch, denn das kostet sehr viel Zeit, daran teilnehmen.<lb/>
Unter der neuen Präsidentschaft hat sich auch die Vorstandsfraktion<lb/>
geändert. Diesen Eindruck hatte zumindestens ich, wie ich jetzt das<lb/>
erste Mal wieder dort war. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> ist stark genug, dass er z.B.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> über die ganzen organisatorischen und finanziellen Fragen re<lb break="no"/>ferieren lässt. Früher hat dies alles <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> selbst getan. Ich<lb/>
selbst berichtete dann über die Agrarüberschussfragen, Konsumentenpolitik,<lb/>
Nahversorgungsproblem, Aussenhandelsdefizit, Energiesituation und<lb/>
natürlich über die Ladenschlussfrage wo der Vorsitzende der Fraktion der<lb/>
Zentralsekretär der Privatangestellten <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> ist, der auch hier den<lb/>
Vorsitz führt. <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> teilte auch mit, dass nicht nur die Privatangestell<lb break="no"/>ten die Handelsangestelltenstudie zahlen, sondern der HTV, d.h. die<lb/>
Handels- und Transportarbeiterorganisation 10.000 Schilling dazuzahlen.<lb/>
Dadurch ist die von mir versprochene Dreiteilung, Konsumenten 600.000<lb/>
Schilling jeweils 1/3 AK, HK und Handelsministerium, Unternehmer<lb/>
finanziert von der Handelskammer, Angestellte finanziert von der<lb/>
Gewerkschaft, endgültig beschlossen. Ich verwies auch noch darauf, dass<lb/>
ich als Kompensation den Handelsangestellten für ihr Verständnis, dass<lb/>
sie die Studie finanzieren müssen, den ÖIF für Berufsausbildung einen<lb/>
eigenen Auftrag gegeben habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_03">Über das Berufsausbildungsgesetz gab es dann zumindestens eine Wort<lb break="no"/>meldung von <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs>, der von mir die Zusage wollte, dass die Verhältniszahlen<lb/>
insbes. bei den Klein- und Kleinstbetrieben nicht mehr verändert werden, wie die<lb/>
Handelskammer, aber ganz besonders der Wirtschaftsbund verlangt. Ich<lb/>
versprach ihm, dass ich nur im engsten Einvernehmen mit der Gewerk<lb break="no"/>schaft und bei einstimmigen Beschlüssen des Berufsausbildungsbeirates<lb/>
vorgehen werde. Dort ist aber die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft<lb/>
entsprechend vertreten. Ich beabsichtige, wenn überhaupt, nur eine<lb/>
<pb n="35-0227" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-02-25_0227.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zeitlich terminisierte Lösung für maximal 3 Jahre weiterhin zu geneh<lb break="no"/>migen. Ich weiss, dass es hier verfassungsrechtliche Schwierigkeiten<lb/>
gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> Kontakt halten, auch wegen Ange<lb break="no"/>stellten, Ladenschlusserhebung.<lb/>
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angeblich Gespräche führt, damit im Shopping-Center Süd an einem Samstag<lb/>
Nachmittag geöffnet werden dürfe. Er schlug vor, ich sollte mit <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs><lb/>
darüber sprechen. Nach reiflicher Überlegung halte ich dies nicht<lb/>
für zielführend, wenn <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> dann vielleicht bei diesem ungesetzlichen<lb/>
Schritt, wenn er ihn machen möchte, womöglich erklärt, er hätte mit mir<lb/>
diese Sache besprochen. Hier erscheint es zweckmässiger zuerst auf<lb/>
Beamtenebene klären zu lassen was hier vergeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__116163">Freitag</rs> diese Frage prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_07">Die Sitzung mit LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs>, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs><lb/>
und mir ohne Beamten, war für mich sehr interessant, da sie mir zeigte,<lb/>
wie die ganze Frage der Atomenergie rein von politischem Gesichtspunkt<lb/>
sowohl von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, als auch <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> betrachtet wurde. Sie wissen, dass<lb/>
Tullnerfeld in Betrieb gehen muss und wird und beide suchen die Ver<lb break="no"/>antwortung auf breitere Basis zu stellen, resp. womöglich den anderen<lb/>
zuzuschieben, wenn dies nicht geht, dann zumindestens mit Antworten<lb/>
zu lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> begann sofort, dass unter der Koalition bereits ein<lb/>
Versuchsreaktor unter <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunners</rs> Ministerschaft gebaut werden sollte,<lb/>
dass er damals unter <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> und für <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> vor ganz langer Zeit schon<lb/>
eine Wissenschaftskonferenz organisiert hat. Wirkliche Gefahr meint<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kommt nur bei der Lagerung von Atommüll. Diese Auffassung teile<lb/>
ich ganz und gar nicht. Die wirklich grosse Gefahr liegt nur im Betrieb,<lb/>
wenn Supergau, d.h. das Meltdown eintreten würde.<lb/>
Natürlich ist die Lagerung von Müll nicht ungefährlich würde ich nicht<lb/>
sagen, dass ausschliesslich nur die Atommüllagerung ein Problem darstellt.<lb/>
Die Aufgabe des Energieministers sei, für die Zukunft vorzusorgen und<lb/>
ebenfalls für einen günstigen Preis in der Elektrizitätswirtschaft zu<lb/>
sorgen. Österreich hat nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Auffassung den höchsten Strompreis<lb/>
Europas.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass sofort eine seriöse Zusammenstellung<lb/>
über die Haushaltstarife und Industriepreise für Strom in Europa machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_09">Meine Fachleute sagten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätten <choice><choice><sic>Allenstein</sic><corr>Allentsteig?</corr></choice></choice> als das beste<lb/>
Gebiet gefunden. Jetzt protestierten dort die Bürgermeister. Die<lb/>
Bundesregierung wird aber nicht insistieren, sondern nur einvernehm<lb break="no"/>liche Lösungen durchführen. Der Volkswille soll entscheiden und der<lb/>
wird durch das Parlament repräsentiert. Wenn dort ein Nein gesagt wird.<lb/>
dann müssten die EVUs, d.h. die Kraftwerksbesitzer, in dem Fall die<lb/>
Verbundgesellschaft und vor allem die Landesgesellschaften entschädigt<lb/>
werden. Es dürfe nämlich nicht zu Lasten der EVUs und damit des<lb/>
Strompreises gehen. Dies war für mich ein ganz neuer Gesichtspunkt,<lb/>
denn .......... warf dann in der Diskussion sofort ein, dass 7 Mia.<lb/>
Schillinge ungefähr Tullnerfeld gekostet hat, resp. wird. Vielleicht<lb/>
wollte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit dieser Äusserung alle Abgeordneten und vor allem<lb/>
aber die Landeshauptleute die zu entscheiden haben, daran erinnern,<lb/>
dass dies dem Bund und den Ländern viel Geld kosten würde, wenn Tull<lb break="no"/>nerfeld nicht in Betrieb ginge. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> denkt noch immer daran, dass<lb/>
Länder mit riesigem Territorium, Amerika und die UdSSR vielleicht<lb/>
dann doch die Endlagerung vornehmen würden. Eine solche Möglichkeit<lb/>
ist nicht auszuschliessen, weil beide Supermächte daran interessiert<lb/>
sind, dass Atommüll aus dem letzten Endes doch noch Atombomben<lb/>
gebaut werden können, nicht überall in Ländern gelagert wird. Gegen<lb/>
die Verwendung von Kohlenvorräten unbegrenzt und daher für Kohlekraft<lb break="no"/>werke hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Bedenken, weil erstens die Kohle teurer wird und<lb/>
zweitens ihm irgendein Wissenschaftler klargemacht hat, dass die At<lb break="no"/>mosphäre durch Kohlengas, resp. Wärmeabgabe vollständig und unreparabel<lb/>
zerstört wird. Er schlug vor, man soll eine Bürgermeisterbesprechung<lb/>
des Gebietes durch die Landesregierung insbesondere Landeshauptmann und<lb/>
der Bundesregierung durchführen. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> selbst erwiderte, dass er immer<lb/>
auf den Standpunkt gestanden ist, in der Energiewirtschaft nicht auf<lb/>
einen oder zwei Beinen zu stehen, sonst kommt man in ein Bedrängnis.<lb/>
Deshalb ist auch er für ein Kernkraftwerk. Errichtet kann es aber nur<lb/>
werden, wenn es absolut Betriebs- und Strahlenschutzsicherung gibt.<lb/>
Er hätte von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur erwartet, dass er alle Unterlagen bekommt.<lb/>
Bis dato hat er nichts erhalten. Er besitzt nur von den seinerzeitigen<lb/>
Teilchenbeschleuniger-Untersuchungen in Göpfritz eine Expertise. Dort<lb/>
wird von zwei wasserführenden Strömen gesprochen, weshalb auch das Pro<lb break="no"/>jekt nicht nach Göpfritz kam. Am Truppenübungsplatz ist dem Landes<lb break="no"/>hauptmann und auch der Bezirkshauptmannschaft jedweder Einfluss ent<lb break="no"/>zogen. Hier entscheidet nur die Bundesregierung resp. die militärischen<lb/>
Stellen. Er war in Niedersachsen bei Ministerpräsident <rs type="person" ref="#per__127130">Albrecht</rs> um<lb/>
in <choice><choice><sic>Assa</sic><corr>Asse?</corr></choice></choice>? zu sehen, wie man ablagert. Er bedauert, dass die österreichisch<lb/>
<pb n="35-0229" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-02-25_0229.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bundesregierung nicht mit der deutschen Regierung und anderen Stellen<lb/>
wegen der Wiederaufbereitung und Endlagerung verhandelt. Deutschland<lb/>
und die Schweiz könnten auch ihre Abfälle woanders unterbringen. Dies<lb/>
trifft selbstverständlich nur für die alten Verträge zu, wie <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs><lb/>
dann auch zugab. Meiner Meinung nach müsste der Betriebsbeginn, d.h.<lb/>
die Betriebsgenehmigung dann gegeben werden, wenn für die Endlagerung<lb/>
eine Lösung gefunden ist. Denselben Standpunkt hatte natürlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
und in der folgenden Diskussion wurde über alle Möglichkeiten ge<lb break="no"/>sprochen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> hatte zum Glück die geologische Studie von der<lb/>
Geologischen Bundesanstalt mit und ich habe sie <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> sofort über<lb break="no"/>geben. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> selbst kannte nicht einmal die Entsorgungsstudie der<lb/>
KKWP resp. GKS der Österreichischen Studiengesellschaft für Atomfor<lb break="no"/>schung. Am meisten verwundert war <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, als er von mir erfuhr, dass<lb/>
auf Grund des Strahlenschutzgesetzes er die Lagergenehmigung erteilen<lb/>
muss. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> meinte sofort, aber nur in mittelbarer Bundesverwaltung,<lb/>
wenn überhaupt. Er hätte dies mit seinen Beamten noch nicht prüfen<lb/>
können. Prof. <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs> vom Verfassungsdienst wurde gerufen, der dann<lb/>
mit den Beamten draussen die Frage erörterte und die Auffassung bestä<lb break="no"/>tigte, dass der Landeshauptmann in erster Instanz dafür zuständig sei.<lb/>
Dies hat <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> ganz schön getroffen. Wie ich schon bei der Vorbe<lb break="no"/>sprechung mit <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> vor einigen Tagen angekündigt habe. Zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> entwickelte sich noch eine sehr harte Diskussion,<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> vorwarf, er möchte alle Schuld jetzt der Bundes<lb break="no"/>regierung übertragen und selbst war er stets für Atomkraftwerke. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs><lb/>
wieder beschwerte sich bitter über Flugzettel, die jeder Haushalt jetzt<lb/>
von der SPÖ erhalten hat, wo <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> Zitate eine stets schwankende<lb/>
Politik dokumentierten. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> verlangte auch, dass wenn Allentsteig<lb/>
als Lager in Frage kommt und dort gebaut wird, dann ein entsprechendes<lb/>
Begleitprogramm für die ganze Gegend notwendig sei. Einzelne Bürger<lb break="no"/>meister z.B. der von Göpfritz hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen Brief geschrieben,<lb/>
wo er sich gegen die Lagerung ausspricht, dann aber doch zum Schluss<lb/>
meinte, sollte sie kommen, dann bitte müsste man aber gleich auch<lb/>
seine Wasserleitung und verschiedene andere Infrastrukturfragen lösen.<lb/>
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er entweder im Radio oder sonstwie informiert wurde, dass jetzt eine<lb/>
Volksbefragung gemacht werden soll und weiss Gott was nicht alles.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> befürchtet nicht ganz zu Unrecht, dass wenn jetzt eine solche<lb/>
Politik ausschliesslich betrieben wird, dass Kernkraftwerk kaum in Be<lb break="no"/>trieb gehen wird können. Ich selbst bin hier wesentlich optimistischer,<lb/>
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unter dem Gesichtspunkt betrachte, dass einer vom anderen sich zumin<lb break="no"/>destens absichern will, dass er nicht übrig bleibt, aber wenn irgendwie<lb/>
geht, natürlich den anderen die Hauptverantwortung zuschieben möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_11">Beim Jour fixe mit der Arbeiterkammer und ÖGB wurde festgehalten, dass<lb/>
zur Durchführung des Getreidekonzeptes es vollkommen unzweckmässig<lb/>
wäre, jetzt 20.000 Tonnen Mais zu importieren, wie dies der Obmann<lb/>
des Getreidefonds NR <rs type="person" ref="#per__97425">Fachleutner</rs> mir mitteilte. <rs type="person" ref="#per__97425">Fachleutner</rs> meint<lb/>
nämlich, dann müssten wir den Maisimportpreis um 10 - 20 Groschen er<lb break="no"/>höhen. Ich möchte diese Entscheidung soweit wie möglich hinausschieben<lb/>
damit wir doch in der Getreidekonzeption weiterkommen. Maisimporte<lb/>
würden bedeuten, dass jetzt die Futtermittelwerke doch weniger Weizen,<lb/>
Auswuchsweizen besser gesagt, für ihre Futtermittelmischung heranziehen.<lb/>
Dadurch würde der jetzt gut laufende Absatz nur gestockt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_12">Für das Ölmühlenprojekt wird eben Olioprot, eine Gesellschaft mit<lb/>
510.000 Schilling Kapital an dem die Agrarindustrie, die Konsumge<lb break="no"/>nossenschaft und <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> beteiligt sind, die Studie mit Unilever<lb/>
weiterbetrieben. Zum Besuch ersucht <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> möchte er auch einen<lb/>
Nationalbankvertreter mitschicken. Ein Telefongespräch mit <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs><lb/>
der sofort zustimmt, ergibt aber, dass <rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> auch möchte, <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
soll neben <rs type="person" ref="#per__114739">Goldmann</rs> von der Industriesektion, daran teilnehmen. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
wird sich die ganze Sache noch einmal überlegen, meint aber mit Recht,<lb/>
er möchte nicht zu sehr mit dem Unilever-Projekt damit verbunden werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_13">Es herrscht Übereinstimmung, dass ich nun die Ausschreibungsbestim<lb break="no"/>mungen A 2050 durch einen Ministerratsvortrag so schnell als möglich<lb/>
modifizieren sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_14">Bei meinem Bericht über das Berufsausbildungsgesetz wird mit Bedauern<lb/>
festgehalten, dass wir durch die verfassungsrechtliche Situation nicht<lb/>
mehr in der Organisation und damit letzten Endes auch in der finanziel<lb break="no"/>len Leistung erreichen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_15">Die Arbeiterkammer stimmt zu, dass die Zuckerindustrie jetzt als Ex<lb break="no"/>portkontingent 110.000 Tonnen in der UNCTAD meldet. Selbstverständlich<lb/>
ist damit kein wie immer gearteter Rechtsanspruch, dass tatsächlich<lb/>
110.000 Tonnen von mir zum Export freigegeben werden, verbunden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_16">Im Konsumentenausschuss wird jetzt eine Punktation von Staatsanwalt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs> fertiggemacht, bevor der Beamtenentwurf in die Begutachtung ge<lb break="no"/>schickt wird. Die meisten Teilnehmer fürchten allerdings, dass <rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs><lb/>
vielleicht doch eine eigene<add>[hs. ergänzt, Anm.]</add> Politik insoferne machen könnte, als der<lb/>
Beamtenentwurf dann doch ohne Punktation und Beschluss in den Kon<lb break="no"/>sumentenbeirat vom Justizministerium gemacht wird. Ich fürchte viel<lb/>
eher, dass <rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs> zum ORF geht, bevor diese Frage im Justizministerium<lb/>
endgültig gelöst ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte dränge <rs type="person" ref="#per__140510">Keller</rs> wegen der Punktation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_18">In Nahversorgung wird von mir mitgeteilt, dass ich den Entwurf von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146129">Straberger</rs> jetzt ebenfalls in die Diskussion einbringe werde. Damit<lb/>
wird die FPÖ sicherlich bereit sein, im Parlament dann zuzustimmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> teilt mit, dass sich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> über einige Punkte<lb/>
geeinigt haben. Die Handelskammer verzichtet auf den Verkauf unter<lb/>
Einstandspreis. Im Kontrahierungszwang werden die lebenswichtigen<lb/>
Güter erfasst. Der ÖGB möchte gerne Ski und Möbel. Dies lehnt die<lb/>
Handelskammer ab. Die Diskriminierung 5011 kommen und ein kaufmänni<lb break="no"/>sches Wohlverhalten. Diese letzte Bestimmung ist insbesondere auf<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146129">Straberger</rs> zurückzuführen. Klagelegitimation sollen alle bekommen,<lb/>
de facto aber wird natürlich hauptsächlich der Schutzverband auftreten.<lb/>
Aus diesem Grund hat der Konsum, insbesondere Obmann <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> mitteilt, grösste Bedenken gegen eine Vereinbarung wie sie jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> besprochen haben. Ich persönlich glaube dass <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs><lb/>
nicht mehr imstande sein wird, neuerdings ein Nahversorgungsgesetz im<lb/>
Parlament zu verhindern, wie dies in der letzten Legislaturperiode<lb/>
von ihm erfolgreich gemacht wurde. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sieht gewisse Schwierigkeiten<lb/>
innerhalb der Konsumgenossenschaft, steht aber wie er sich ausdrückt<lb/>
zu dieser Vereinbarung, weil sie in Wirklichkeit denselben Inhalt hat,<lb/>
wie er seinerzeit bereits mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> von der Handelskammer in<lb/>
der letzten Legislaturperiode besprochen hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_19"><rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat in Erfahrung gebracht, dass 17 Wiener Möbelfirmen mit<lb/>
einigen Länderfirmen unter Führung von <rs type="person" ref="#per__146131">Kirmer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> ein<lb/>
Gebietsschutz illegales Kartell vereinbart haben. Industriebetriebe<lb/>
bekommen ein Lieferverbot an gewisse Firmen in gewissen Gebieten. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
ersucht mich, ich möge auf diese Situation ohne Namensnennung bei einer<lb/>
Neueröffnung der Möbelmesse hinweisen. Ich erkläre mich dazu bereit,<lb/>
<pb n="35-0232" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band35/35_1977-02-25_0232.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine Andeutung zu machen. Meine Bemerkung dazu, nicht nur dass ich<lb/>
alles durchführen muss was die Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und<lb/>
Konsum von mir verlangt, muss ich jetzt auch noch meine Reden nach<lb/>
ihnen richten. In Wirklichkeit bin ich natürlich schon aus Produktions<lb break="no"/>gründen gerne bereit, eine solche Bemerkung zu machen, weil sicherlich<lb/>
Firmen, die von inländischen Produzenten nicht beliefert werden, dann<lb/>
automatisch sich um Importe umsehen müssen. Ich werde deshalb im Hin<lb break="no"/>blick auf die Importsteigerung, die ja wieder zu verzeichnen war, die<lb/>
Bemerkung machen, dass dies nicht zuletzt auf einer Folge von Liefer<lb break="no"/>beschränkungsabsichten gewisser Händler, auf die die Industrie ein<lb break="no"/>geht, die Ursache ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte genaue Daten zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_21">In der neuen Fernsehserie Argumente soll über Kreditvermittler<lb/>
diskutiert werden und angeblich legt man Wert darauf, dass ich mich<lb/>
daran beteilige. Ideal, ja fast eine Voraussetzung dafür wäre, wenn<lb/>
bis zu diesem Zeitpunkt bereits die Verordnung von mir erlassen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte endgültige Fassung mit Interessenvertretungen<lb/>
noch einmal besprechen und dann unmittelbar zur Unterschrift vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_23">Für <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> ist es unerklärlich wo die Beträge des Prämien<lb break="no"/>sparens hingegangen sind. Durchschnittlich haben wie die Z, die 2/3<lb/>
der Prämiensparverträge abgeschlossen hat, 40.000 Schilling jeder ein<lb break="no"/>zelne prämiengespart. 20.000 Schilling kann er jetzt neu veranlagen<lb/>
und die Kassiere bei der Zentralsparkasse sind so tüchtig, dass ihnen<lb/>
dies meistens gelingt. Die zweiten 20.000 aber, die erst im nächsten<lb/>
Jahr wieder veranlagt werden könnten, kommen auf keine Sparbücher mehr.<lb/>
Die Sparzuwachsrate ist deshalb von 19.5 % auf 17 % im Jänner gefallen.<lb/>
Dies bedeutet, dass ca. 3 Mia. Schilling jetzt im Konsum gehen müssen,<lb/>
oder wie ich eher glaube, grösstenteils bar zu hause liegengelassen<lb/>
werden. Der Konsumstoss ist im Jänner bei Möbel – wie <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sagt –<lb/>
festzustellen. Ich ergänze, dass aber auch viele Autos im Jänner ge<lb break="no"/>kauft wurden, obwohl man angenommen hat, nach diesem Boom im Vorjahr<lb/>
würde heuer die Nachfrage nachlassen. Bis jetzt ist dabei noch nichts<lb/>
festzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_24">Dr. <rs type="person" ref="#per__114709">Krebs</rs>, Wr. Fremdenverkehrsverein und Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> berichten über ständige<lb/>
Reorganisationen im Reisebürobetrieb. Direktor von Touropa <rs type="person" ref="#per__109819">Hrabac</rs> hat<lb/>
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etablieren. Er hat z.B. mit der Österreichischen Bundesbahn eine<lb/>
Pauschale, dass für Flugreisende bis zum Flughafen er Bahnfahrtkarten<lb/>
abgibt. Touropa könnte nun für die österreichischen Betten auch im<lb/>
Inland auch als solcher wholesaler auftreten und dadurch garantieren,<lb/>
dass dadurch, wo immer Touropa-Gast einsteigt, er zu jedem Punkt Öster<lb break="no"/>reichs mit der Bahn befördert wird. Dies wäre im Arrangement drinnen<lb/>
und die Touropa-Arrangements wären dann einheitlich. Ob einer von<lb/>
Wien oder von Vorarlberg nach Tirol Ski fährt, ist in diesem Fall dann<lb/>
gleich, da das Verkehrsbüro und die RUEFA mit über 50 % bei der Touropa<lb/>
beteiligt sind. Aber auch ausländische Firmen wie TUI zu 25 %. Dr. Degener<add>[?]</add><lb/>
und kleinere Reisebüros könnte diese Touropa-Organisation gegebenen<lb break="no"/>falls von der ÖFVW, wenn sie auch für andere offensteht, im Ausland<lb/>
stärker als Verkaufsstelle gefördert werden. <rs type="person" ref="#per__114709">Krebs</rs> hat auf Grund der<lb/>
Studie des Handelsministeriums festgehalten, dass wir zwar 500 Mio.<lb/>
Schilling für die Werbung ausgeben, der Verkauf aber dann für das<lb/>
Incoming-Geschäft minimalst ist. In Salzburg kommen nur 10 % der Gäste<lb/>
mit Reisebüros. Notwendig wird es, dass jetzt Österreich im Katalog<lb/>
ausländischer Reiseveranstalter stärker in Erscheinung tritt. Vor<lb break="no"/>aussetzung dafür ist eine Produktbereinigung. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> teilt mit, dass<lb/>
er wegen der Basisorganisation mit den Kur- und Fremdenverkehrsdirekto<lb break="no"/>ren jetzt Verhandlungen geführt hat, damit wir doch zu regionalen<lb/>
Bettenzentrale-Organisationen kommen können. Das Service für den Gast<lb/>
verlangt, sowie dies in Holland schon lange der Fall ist, dass wir<lb/>
eine zentrale Bettenverteilung über Computer vornehmen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band35_1977-02-25_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte alle Punkte für Brainstorming zusammen<lb break="no"/>stellen lassen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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