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            <title type="main">Dienstag, der 18. Jänner 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_01">Dienstag, 18. Jänner 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_02">Der Ministerpräsident von Kurdistan <rs type="person" ref="#per__145953">Aqrawi</rs>, der früher mit den<lb/>
Aufständischen gekämpft hat, jetzt sich's aber mit der irakischen<lb/>
Regierung gerichtet hat, hat auf Vermittlung von Prof. <rs type="person" ref="#per__97507">Hacker</rs>,<lb/>
SK, mit dem Botschafter und dem Handelsrat der Botschaft bei mir<lb/>
vorgesprochen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hatte zuerst, als er von Kurden hörte, ge<lb break="no"/>glaubt, es sei die im Ausland scheinbar noch befindliche Revolu<lb break="no"/>tionsregierung. Seitdem Iran und Irak es sich aber wegen der Kurden<lb/>
arrangiert haben, ist jetzt scheinbar alles in bester Ordnung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145953">Aqrawi</rs> teilte mir mit, dass sie ein Investitionsprogramm von<lb/>
100 Mill. $ für ihr Gebiet mit 1. Jänner in Kraft gesetzt haben.<lb/>
Landwirtschaft, Fremdenverkehr, Industrieprojekte, aber vor allem<lb/>
Fertighäuser werden dringend benötigt. Österreich wurde zur Offert<lb break="no"/>abgabe aufgefordert, das Offert war aber unzulänglich. Entweder haben<lb/>
die Firmen keinen Generalunternehmer gehabt sondern nur Teillieferung<lb/>
oder in einem einzigen Offert, wo ein Generalunternehmer aufgetreten<lb/>
ist, war weder der Preis angeboten, noch die Terminzusage. Ich ver<lb break="no"/>einbarte mit dem Botschafter, dass er Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> die Firmen nennen<lb/>
wird, damit wir die Unterzulänglichkeiten auf österreichischer<lb/>
Seite abstellen können. Andererseits ersuchte der Botschafter, man<lb/>
sollte ihm mitteilen, welche Fehler sie machen, dass es nicht<lb/>
möglich ist, den Export Österreichs nach Irak zu erhöhen. Durch<lb/>
die Ölimporte werden wir ca. 4,5 Mia. S heuer erreichen gegenüber<lb/>
nicht einmal 1 Mia. Exporte, die wir nach Irak tätigen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> wird mit Handelskammer und Dir diese<lb/>
Frage Offertlegung ständig verfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_04">Im Ministerrat wurden grösstenteils nur wieder Reisen genehmigt.<lb/>
Anfang des Jahres meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schöpft man ja aus dem Vollen,<lb/>
weshalb eine Kontrolle jetzt nicht sichtbar wird aber trotzdem<lb/>
an dem Prinzip der Einsparung festgehalten werden muss. Bis Feber<lb/>
sollen die Endergebnisse des vergangenen Jahres vorliegen und<lb/>
bis Mai dann die ersten Ergebnisse des neuen Jahres zusammengerechnet<lb/>
sein. Wenn man bedenkt, dass die Öffentlichkeit wahrscheinlich erwartet<lb/>
wir werden in dem Ministerrat über die Frage <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> Munitions<lb break="no"/>skandal diskutieren und wir in diesem höchsten formal abwickelnden<lb/>
<choice><choice><sic>Gremien</sic><corr>Gremium?</corr></choice></choice> darüber bis jetzt noch kein Wort gesagt haben, so ist das<lb/>
Ganze schon sehr grotesk. Durch die Anwesenheit der Beamten und<lb/>
durch das System <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, offene Fragen höchstens in kleinstem<lb/>
Kreis zu besprechen, nicht aber im Rahmen der Gesamtregierung, er<lb break="no"/><pb n="34-0040" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band34/34_1977-01-18_0040.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gibt sich aber diese Situation. Trotzdem halte ich diese Methode<lb/>
für richtig. Wahrscheinlich ist sie die einzige, um eingeschlossenes<lb/>
Auftreten der Regierung überall und immer zu dokumentieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_05">Beim Mittagessen des Bundeskanzlers für Minister <rs type="person" ref="#per__145954">Dauda</rs> aus Kamerun<lb/>
erfuhr ich von <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs>, dass die Auftragslage bei der VÖEST-Alpine<lb/>
nicht so schlecht ist. Die VÖEST muss jetzt nur für die Alpine<lb/>
riesige Investitionen tätigen und ist deshalb kapitalmässig zu<lb/>
kurz. Wäre die VÖEST noch immer allein, würde sie hochweiss sein.<lb/>
Die Alpine wahrscheinlich aber schon am Krepierhalfter. <rs type="person" ref="#per__145954">Dauda</rs> selbst<lb/>
hat eine ganze Schar von Begleitern mitgehabt, da von der <choice><choice><sic>Cellukama</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
die Verwaltungsratssitzung in Wien abgehalten wurde. Die VÖEST ist<lb/>
Generalunternehmer für ein 3,2-Mia.-S-Zelluloseprojekt, 120.000 t<lb/>
Sulfatzellulose. Sieben andere Staaten – Schweden, Polen, DDR,<lb/>
Jugoslawien, Frankreich, Amerika, Chase Manhattan mit der Finanzierung<lb/>
usw. sind daran beteiligt. Die Finanzierung ist aber das grosse<lb/>
springende Problem. Ich fragte die Kontrollbankleute, <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> und das dritte Vorstandmitglied darüber und übereinstimmend<lb/>
sagte man mir, Österreich sei mit 1,2 Mia. S am meisten beteiligt,<lb/>
die anderen grossen Industrienationen haben sich mit 300 Mill.<lb/>
höchstens engagiert. Irgendwann werden die Kameruner schon zurückzahlen,<lb/>
es fragt sich nur wann und wieviel. Mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> sprach ich auch über<lb/>
Nordkorea. Er ist sehr glücklich, dass ich abgelehnt habe, nach<lb/>
Nordkorea zu fahren, um einen Vertrag zu unterschreiben, solange<lb/>
nicht die finanzielle Frage geklärt ist. Er erwartet jetzt eine<lb/>
Delegation aus Nordkorea, die das Moratorium vereinbaren, dann aber<lb/>
gleichzeitig auch die Abzahlungsmodalitäten festlegen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> soll sich mit der Kontrollbank diesbezüg<lb break="no"/>lich in Verbindung setzten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_07"><rs type="person" ref="#per__145954">Dauda</rs> wollte auch, dass wir in Hinkunft Kaffee, Kakao und sonstige Ex<lb break="no"/>portgüter aus Kamerun direkt beziehen und nicht wie derzeit über<lb/>
Hamburg oder London. Sie haben jetzt eine eigene Schiffahrtslinie<lb/>
und können deshalb ganze Ladungen zur Verfügung stellen. Ich er<lb break="no"/>klärte sofort, dass bei unserer Einfuhr höchstens eine Arbeitsgemein<lb break="no"/>schaft aller Importeure entsprechend grosse Mengen kaufen könnten.<lb/>
Ich versprach nur, mit der Handelskammer resp. grossen Warenhäusern<lb/>
oder Kettenläden zu versuchen, eine solche gemeinsame Einfuhr zustande<lb/>
zu bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Vielleicht kann die Konsumgenossenschaften<lb/>
und andere Grossimporteure dafür gewonnen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_09">In der ÖGB-Fraktion berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Wirtschaftslage<lb/>
er verteilte sehr geschickt die Unterlagen die er auch in Klein<lb break="no"/>kirchheim in der Regierungsklausur vorgelegt hat. Mit seinen<lb/>
Appellen der Zurückhaltung hat er wie könnte es anders sein, wo<lb/>
jetzt die Metallarbeiter zu Lohnbewegungen antreten, allgemeine Zu<lb break="no"/>stimmung gefunden. Der Export war mit 6 % prognostiziert und hat<lb/>
letzten Endes 15 % erreicht, das Budgetdefizit ergibt sich durch<lb/>
die Grössenordnung 15 Mia. Bahn jährliche Investitionen von 6 Mia.<lb/>
sollen dies abbauen helfen und vor allem einmal den Pensionszuschüssen.<lb/>
1970 betrugen diese 10 Mia., heuer sind 26 Mia. geplant, dazu kommen<lb/>
aber noch jetzt 500 Mill. für die Bauern und 1,5 Mia. für die<lb/>
sonstigen Ausgaben, die noch dazukommen. 1978 werden es 32 Mia.<lb/>
sein, 1979 35 Mia. und 1980 38 Mia. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> ergänzte dann, dass<lb/>
das Zahlungsbilanzdefizit von 20 Mia., das höher ist als normal,<lb/>
Lageraufstockung mit 6 Mia., Ölpreiserhöhung usw. 5 Mia. und<lb/>
zusätzliche PKW- und Kombiimport von 4,5 Mia. verursacht ist. Zur<lb/>
Sprache kam das Problem der Beschäftigungslage, wo die Schweiz<lb/>
250.000 Arbeitsplätze verloren hat, bei uns aber noch immer die<lb/>
2,7 Mill. gehalten werden konnten. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, die Lohnbewegungen<lb/>
werden sich um 7,5 % bewegen, wenn möglich durch den Rückgang des<lb/>
Preisindex auf 7,3 des Vorjahres und wahrscheinlich knapp über 6 in<lb/>
diesem Jahr. Wenn der ÖGB nicht eine solche Rückendeckung der Re<lb break="no"/>gierung geben würde und eine so vernünftige Politik machen würde,<lb/>
wäre es um Österreich wirklich schon schlechter bestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_10">EUROTAX gab einen Neujahrsempfang aller Kraftfahrwagenhändler<lb/>
den Versicherungen, den Kraftfahrverbänden, den Behörden usw. mit<lb/>
einem Wort allen, die mit Autos zu tun haben. Ich sollte dort ein<lb/>
kurzes Statement abgeben, nachdem eine Botschaft von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, den<lb/>
man auch eingeladen hatte, der aber nicht kommen konnte oder<lb/>
wollte, verlesen hat. Ob es dazu kam, weiss ich nicht, denn um<lb/>
1/2 5 Uhr, wo ich lt. Einladung erschien, war überhaupt niemand<lb/>
noch dort, um 6 Uhr war dafür der Saal bummvoll und ich ging, wie ich<lb/>
glaube in einer launigen Weise auf all die Fragen ein, die man<lb/>
mich ersucht hatte, eine dieser Fragen zu berühren. Die Importsituation<lb/>
auf dem Kraftfahrzeugsektor, Handelsbilanz resp. Belastung dieser<lb/>
durch die Importe, zukünftige Entwicklung und vor allem Massnahmen,<lb/>
wie Importabgabe usw., die eventuell erwogen wird. Ich beruhigte die<lb/>
Händler, da Restriktionen gar nicht beabsichtigt sind. Zuletzt<lb/>
appellierte ich an sie, mit uns gemeinsam die Schlichtungsstellen zu<lb/>
errichten. Der Vertreter der KFZ-Händler erklärte mir, dass sie<lb/>
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sondern in jedem Bundesland eine eigene Schlichtungsstelle zu<lb/>
schaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_11">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__98032">Veith</rs> vom ÖAMTC, den ich dort traf, erklärte mir auf meine<lb/>
Frage, dass sich noch immer nicht der Generalsekretär des ARBÖ<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> mit ihm ins Einvernehmen gesetzt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_13"><rs type="person" ref="#per__125950">Leibenfrost</rs> von Steyr-Daimler-Puch, den ich wegen der LKW-Export<lb break="no"/>möglichkeit in die Schweiz ansprach, erklärte mir, es sei un<lb break="no"/>möglich, dass MAN resp. Gräf &amp; Stift 75 % Inlandsanteil bei<lb/>
den von dem österreichischen Bundesheer bestellten LKW erbringen<lb/>
könnten. 75 % ist maximaler Anteil, den Steyr bei der Eigen<lb break="no"/>produktion erreichen kann, weil Lichtmaschinen usw. importiert<lb/>
werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte diesen Fall doch genau prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_15">In der Internationalen Energieorganisation im ehemaligen Grand<lb break="no"/>hotel sollte ein Empfang des scheidenden tunesischen Botschafters<lb/>
sein. Als ich dort erschien wurde ich von Uniformierten Bewachern<lb/>
sofort empfangen, feierlichst in den Sitzungssaal geleitet.<lb/>
Zum Glück bin ich nicht eingetreten sondern habe nur hineingeschaut.<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97991">Steiner</rs> hielt gerade eine grosse Ansprache,<lb/>
es war nämlich nicht der Abschiedsempfang vom tunesischen Botschafter,<lb/>
der übrigens am nächsten Tag erst stattfindet, sondern eine Ver<lb break="no"/>anstaltung Tag des Friedens, an der ich wahrlich kein Interesse<lb/>
aber auch keine Zeit hatte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band34_1977-01-18_16">Beim Vorstand der Landstrasse diskutierten wir verständlicherweise<lb/>
auch nur die Angelegenheit <rs type="person" ref="#per__108224">Lü</rs>, resp. Munitionslieferung. So<lb/>
wie in der Fraktion kam auch wieder die Mediendiktatur, d.h. die<lb/>
Berichterstattung der Zeitungen zur Diskussion. Interessanterweise<lb/>
wurde aber von allen eine Diskussion im Club 2 über den Aussen<lb break="no"/>handel und Fremdenverkehr lobend hervorgehoben. Zufällig hatte<lb/>
ich diese Diskussion von <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> Kontrollbank und <rs type="person" ref="#per__141601">Hendricks</rs>, Waren AG<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__145955">Frisch</rs>, einer Frau, die ich nicht kannte und <rs type="person" ref="#per__145956">Wasquart</rs> unter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136796">Tschebulls</rs> Leitung gesehen. Für mich war sie gar nicht interessant<lb/>
und ich glaube auch nicht so ergiebig. Die Genossen waren aber<lb/>
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sollten mit dem Ergebnis der Leistungen in den vergangenen Jahren<lb/>
ja Jahrzehnten zufrieden sein und <rs type="person" ref="#per__141601">Hendricks</rs> sagte, die Regierung<lb/>
tut etwas, dass die Exporte durchgeführt werden können. <rs type="person" ref="#per__123824">Schranz</rs><add>[ev. Falschidentifikation, Anm.]</add><lb/>
erwähnte wieder die Leistungen für den Fremdenverkehr und nur<lb/>
der Professor der technischen Hochschule <rs type="person" ref="#per__145959">Fritsch</rs>, der übrigens<lb/>
am wenigsten ankam, hat theoretische Überlegungen, die scheinbar<lb/>
eh niemand verstand. Alle waren sehr erstaunt zu erfahren, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145959">Fritsch</rs> ein Genosse ist. Sie glaubten nämlich fest, dass dabei<lb/>
überhaupt kein Sozialist war und dass das ganz gut ist, denn<lb/>
dadurch haben die anderen viel objektiver gesprochen und berichtet.<lb/>
Mir fiel also auf, dass wenn in einer Sendung nicht unbedingt<lb/>
die Regierung hart attackiert wird, unsere Leute sofort sagen, dies<lb/>
ist eine gute und objektive Sendung. Für mich ist dies ein phanta<lb break="no"/>stisches Phänomen, dass nämlich eine Partei, die immer angegriffen hat,<lb/>
ihre Funktionäre daher nur auf Angriff eingestellt waren, die jetzt<lb/>
Regierungsverantwortung trägt und deshalb verteidigen muss, einen<lb/>
ungeheuren Wandel durchmachen muss, resp. müsste. Schon allein,<lb/>
dass die Funktionäre froh sind, wenn die Regierung nicht attackiert<lb/>
wird, ist für mich zwar nicht neu aber immer wieder verwundernswert.<lb/>
Solange wir in einer Angriffssituation wie Opposition ja auch Koalition<lb/>
waren, ging alles gut, denn da befanden wir uns in unserem Wasser.<lb/>
Als wir anfangs als Regierungspartei verteidigen mussten und wir<lb/>
grosse Erfolge hatten, waren unsere Mitglieder auch noch einiger<lb break="no"/>massen einverstanden. Immer wieder verlangten sie allerdings von mir,<lb/>
weil wir ja jetzt die "Macht" haben, dass die Verhältnisse beim ORF<lb/>
geändert werden. Ich habe damals dringendst davor gewarnt, allzu<lb/>
viel zu erwarten. Jetzt sind sie schon so pessimistisch und zer<lb break="no"/>schlagen, dass sie froh sind, wenn in einer Sendung nicht unmittelbar<lb/>
die Regierung direkt attackiert wird. Da ich überzeugt bin, dass<lb/>
unser ganzer Vertrauensmänner-Apparat mit der Information, dass<lb/>
unsere ganze Propaganda mit noch so vielen Broschüren und Informa<lb break="no"/>tionsblättern, Zeitung in der Zeitung, Plakate nichts nützt gegen<lb/>
das Fernsehen, so kann ich diese Haltung voll verstehen. Zu dieser<lb/>
Fernseh-Situation dann noch die bürgerliche Presse mit einer<lb/>
ungeheuren negativen Einstellung zu allem was in Österreich jetzt<lb/>
geschieht und was ganz ganz besonders die Regierung betrifft, muss<lb/>
unsere Funktionäre in eine verzweifelte Situation bringen. Dies<lb/>
geht so weit, dass mir unter vier Augen dann <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> erklärt, er<lb/>
erwartet 1978 nicht einmal sein Mandat als Gemeinderat halten<lb/>
zu können. Ich versichere ihm, dass sich diese Meinung noch<lb/>
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Mandat kein Kopfzerbrechen machen soll. <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> ist ungeheuer<lb/>
agil und einsatzfreudig und ich werde alles daransetzen,<lb/>
dass er tatsächlich dieses Mandat erhält. Für mich war nur<lb/>
dies ein typisches Symbol, wie sehr pessimistisch heute die<lb/>
Funktionäre, <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> ist ja nur einer von vielen, die ständig<lb/>
mit mir Kontakt haben und die mich ständig kritisieren und<lb/>
mit denen ich ständig diskutiere, die Propagandaüberlegenheit nicht<lb/>
der ÖVP, mit der würden wir fertig werden, sondern mit der sogenann<lb break="no"/>ten unabhängigen Presse, der Sensationspresse, der Massenmedien,<lb/>
die nichts anderes wollen als sich gegenseitig übertrumpfen,<lb/>
wie sehr sie sich trauen, die Regierung und alles, was positiv<lb/>
geschieht, zu attackieren. Sicherlich hat die Presse die Aufgabe,<lb/>
Auswüchse aufzuzeigen, damit sie nicht wie in Diktaturen tat<lb break="no"/>sächlich überhand nehmen können. Sicherlich habe gerade ich sehr<lb/>
viel Verständnis für sachliche Kritik. Sicherlich ist es auch<lb/>
für eine Regierung sehr schwer, zu beurteilen, wo die sachliche<lb/>
Kritik notwendig ist und wo zumindestens nach ihrer Meinung schon<lb/>
Schikane oder gar Negativ-Arbeit beginnt. Eines aber glaube ich<lb/>
kann ich schon feststellen, dass die Art und Weise, wie man diese<lb/>
Kritik heute vorträgt nicht nur einen, der persönlich davon betrof<lb break="no"/>fen ist, berührt, sondern auch heute schon die grosse Masse<lb/>
unserer Funktionäre. Ich hoffe, dass dies auch für unsere Mit<lb break="no"/>glieder zutrifft. Ist dies nämlich der Fall, dann wird diese<lb/>
Negativ-Kritik und vor allem diese ungeheuer gemeine Art, wie<lb/>
z.B. der Begriff von <rs type="person" ref="#per__145958">Martin Maier</rs>, ein Sportredakteur, der<lb/>
sich <choice><choice><sic>schein</sic><corr>scheinbar?</corr></choice></choice> jetzt auch auf der politischen Seite profilieren<lb/>
möchte, die Regierung als Zechbrüder zu bezeichnen, nicht nur<lb/>
auf Ablehnung stossen sondern ich hoffe auch eine Abwehrfront<lb/>
aufrichten. Ist dies der Fall, dann würde die Presse dieselbe<lb/>
Entwicklung machen wie es die Volksstimme, die ja auch immer nur<lb/>
negativ berichtete, in den Fünfziger- und Sechzigerjahren erlebt<lb/>
hat. Durch die Überlegenheit aber und fast einheitliche Vor<lb break="no"/>gangsweise dieser Presse fürchte ich, dass es zu diesem Effekt<lb/>
wenn überhaupt sehr spät kommt und nur ganz unbedeutend.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 58. Ministerratssitzung, 18.1.1977</head>
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