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            <title type="main">Mittwoch, der 22. Dezember 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_01">Mittwoch, 22. Dezember 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_02">Die Überreichung der Orden und der Dekrete sowohl an Unternehmer<lb/>
als auch Beamte war diesmal fast eine Massenabfertigung. Noch<lb/>
immer ist es nicht geglückt, trotzdem ich dies jetzt schon<lb/>
über ein Dutzend mal mache und verlange, dass irgendwelche per<lb break="no"/>sönliche Daten stichwortartig auf einem Zettel geschrieben sind.<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> sagte mit kalt, er kenne selbst alle nicht die ausge<lb break="no"/>zeichnet werden oder denen wir die Dekrete überreichen, obwohl er<lb/>
Personalreferent ist. Ihm ist es vollkommen unerklärlich, dass ich<lb/>
mich als Minister für solche Einzelheiten interessiere. Seiner<lb/>
Meinung nach ist es wahrscheinlich überhaupt nicht notwendig<lb/>
irgendwelche Bemerkungen bei der Dekretübergabe zu machen. Zum Glück<lb/>
beginne ich schön langsam die leitenden Angestellten durch meine<lb/>
Tätigkeit kennenzulernen. Am meisten fällt mir auf, dass im Patentamt<lb/>
lauter Spezialisten sitzen. Hier müsste es für unsere Industrie<lb break="no"/>sektion grosse Möglichkeiten geben, deren Wissen zu nützen. Präs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat eine diesbezügliche Bemerkung von mir sofort so beantwortet,<lb/>
dass er meinte, hoffentlich engagieren sie mir diese Leute nicht ab.<lb/>
Dies beabsichtige ich keineswegs, aber eine Möglichkeit für eine<lb/>
Kooperation müsste eigentlich gegeben sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte prüfe welche Hilfe dadurch bekommen<lb/>
könntest.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_04"><rs type="person" ref="#per__140330">Feyide</rs>, Generalsekretär der OPEC, der nach 2 Jahren wieder nach<lb/>
Nigeria zurückgeht, verabschiedete sich bei mir in Begleitung des<lb/>
administrativen Direktors der OPEC. Ich fragte ihm, wie er die<lb/>
Preiskämpfe innerhalb der OPEC beurteilt. Mit Recht hat er glaube<lb/>
ich behauptet, dass die Massenmedien nur die negative Seite der<lb/>
OPEC Tagung berichtete. Einvernehmlich wurde festgehalten dass die<lb/>
Preise erhöht werden. Das Ausmass ist theoretisch jetzt ver<lb break="no"/>schieden, aber er ist überzeugt, dass sich eine mittlere Preiserhöhung<lb/>
letzten Endes im Laufe der nächsten Monate durchsetzen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_05">Dr. <rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs> machte ein Interview über die Berufsausbildung für die<lb/>
Zeitschrift des BfI, Start und Aufstieg. Er will das Manuskript<lb/>
dann mir zu lesen schicken. Ich habe ihm sofort mitgeteilt, dass ich<lb/>
dies noch nie getan habe und er sich diesbezüglich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> in Ver<lb break="no"/>bindung setzen soll. Mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und mir besprach er dann weitere Studien<lb/>
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wirklich einmal Budgetkürzungen im grösseren Ausmass hinnehmen<lb/>
müssten, so glaube ich hätten wir Reserven in den vielen Studien<lb/>
die wir letzten Endes vergeben. Trotzdem ist diese Methode sinn<lb break="no"/>voller, als die vor meiner Zeit gewährten Subventionen, ohne irgend<lb break="no"/>welche Gegenleistungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Wie weit sollen wir nicht neue Über<lb break="no"/>legungen bezüglich unserer Subventionspolitik insbesondere im Hin<lb break="no"/>blick auf die harte Kritik von <rs type="person" ref="#per__109961">Staberl</rs> einschlagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_07">Bei der Weihnachtsfeier mit den Sekretariatsangestellten und den<lb/>
Spitzenmandataren, Gemeinderäte und Nationalräte auf der Landstrasse<lb/>
berichtete ich über die Möglichkeit der Anstellung der Pressereferentin<add>[Fehlstelle, Anm.]</add><lb/>
und gleichzeitig Funktionärin der Jungen Generation.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> und <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> versichern mir, dass die nicht von der Ge<lb break="no"/>meinde hinausgeschmissen wird, sondern ganz im Gegenteil dass sie<lb/>
geht, weil sie feststellt, dass die Arbeit die sie leistet, von <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs><lb/>
nicht entsprechend umgesetzt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte versuche zu klären, was tatsächlich der<lb/>
wirkliche Grund ist. Eventuell eine Aussprache mit mir vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_09">Der ungarische Fremdenverkehrsminister <rs type="person" ref="#per__145747">Szurdi</rs> in Begleitung des Bot<lb break="no"/>schafters möchte ein Fremdenverkehrsabkommen, wie sie es schon mit<lb/>
Frankreich, Finnland und Portugal haben. Das grösste Problem, erklärte<lb/>
ich ihm sofort, ist der Visazwang. <rs type="person" ref="#per__145747">Szurdi</rs> meinte, sie würden ihm in<lb/>
Zukunft sicher abschaffen, haben jetzt aber nicht die Möglichkeiten<lb/>
dazu, weil ihre Hotel- und Restaurantkapazitäten für den erwarteten<lb/>
Besuchsstrom dann nicht ausreichen würden. In Wirklichkeit hat er<lb/>
aber dann angedeutet, dass das Hauptproblem ihre subventionierten<lb/>
billigen Lebensmittelpreise sind, die einen Ausverkauf durch die<lb/>
Fremden erwarten lassen. Es ist richtig, dass heute gerade im Grenz<lb break="no"/>gebiet die Burgenländer sehr gerne nach Ungarn feiern fahren. So<lb/>
billig wie dort kann man mit den schwarzen Forint nirgends Hochzeits<lb break="no"/>tafeln usw. organisieren. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat auf Wunsch von <rs type="person" ref="#per__145747">Szurdi</rs> mit seinem,<lb/>
dafür zuständigen Ministerialbeamten der ihn begleitete, unverzüg<lb break="no"/>lich die Verhandlungen für ein diesbezügliches Abkommen ausgenommen.<lb/>
Ich habe nur grössten Wert darauf gelegt, in den Entwurf den die<lb/>
<pb n="33-1467" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-12-22_1467.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Ungarn uns unterbreiteten festzustellen gegenüber <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass<lb/>
dort nicht eine Gemischte Kommission mit automatischen jährlichen<lb/>
Treffen vorgesehen ist, sondern fallweise einberufen werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_10"><rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> legt einen Verschlussakt über die Gemischte Kommission in Prag<lb/>
vor. Diese grosse Gemischte Kommission wird vom Aussenministerium ge<lb break="no"/>führt und umfasst nicht nur die wirtschaftlichen Belange, sondern<lb/>
sämtliche Bereiche. Bringt schon eine Gemischte Kommission am wirt<lb break="no"/>schaftlichen Sektor kaum konkrete Ergebnisse, um wieviel weniger bei<lb/>
diesen allumfassenden Aussprachen. Diesmal muss es nun dich besonders<lb/>
toll zugegangen sein – wie <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> auf dem Akt vermerkte – weil das<lb/>
Aussenamt angeblich selbst in sich nicht einig war und die teilneh<lb break="no"/>menden Beamten ständig stritten. Diesem Akt messe ich nicht be<lb break="no"/>sondere Bedeutung bei, weil <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> mit den Aussenamtsbeamten in einer<lb/>
persönlichen Fehde liegt. Das ganze wird dann mit Sachfragen getarnt,<lb/>
z.B. ob und inwieweit bei solchen Kommissionen die Zollwünsche der<lb/>
Tschechen behandelt werden sollen usw.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_11">Der anwesende tschechische Energieminister <rs type="person" ref="#per__145750">Rusnak</rs><add>[?]</add> hat mit der Verbund<lb break="no"/>gesellschaft, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, Verhandlungen wegen der polnischen Stromlie<lb break="no"/>ferungen über die CSSR nach Österreich geführt. Jetzt endlich soll<lb/>
tatsächlich eine Einigung zwischen den Beiden erzielt werden sein.<lb/>
Dies gibt uns die grosse Hoffnung, dass die Leitung und die HGÜ<lb/>
einigermassen zeitgerecht fertig werden kann. Die Polen und die<lb/>
Tschechen verlangen aber, dass ein Regierungsabkommen im Frühjahr da<lb break="no"/>rüber abgeschlossen wird. Selbstverständlich bin ich gerne dazu be<lb break="no"/>reit, nach Pressburg zu fahren. Bei dieser Gelegenheit ersuchte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145750">Rusnak</rs>, ob ich neuerdings ihr Atomzentrum besuchen kann. Dieser Wunsch<lb/>
wurde sofort gewährt, wobei man mir gleichzeitig anbot, ich sollte<lb/>
alle Elektrizitätseinrichtungen der CSSR besuchen. Da ich aber nur die<lb/>
Absicht habe, maximal nur einen Tag mich in der CSSR aufzuhalten,<lb/>
wird dies kaum möglich sein.Wirklich interessant ist für mich ja nur<lb/>
der Fortschritt bei den Bau von neuen Atomkraftwerken Woronesch<lb/>
mit 2 x 440 MW. Natürlich brachte ich die Sicherheitsbestimmungen zur<lb/>
Debatte. <rs type="person" ref="#per__145750">Rusnak</rs> bestätigte mir, dass man in Finnland über den Woronesch<lb/>
Typ von Westinghouse noch eine besondere Sicherheitseinrichtung, näm<lb break="no"/>lich die Eiskondensation eingebaut hat. Allerdings weiss noch niemand,<lb/>
wie diese in der Praxis bei einem Bau?? funktionieren würde. Die<lb/>
Tschechen meinten, es gäbe für sie kein Sicherheitsproblem. Erstens<lb/>
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und Montage die denkbar grösste sein. Zweitens gibt es dann die aktive,<lb/>
die halbpassive und die passive Sicherheitskomponente. Bei der aktiven<lb/>
wird noch von Menschen irgendwie gesteuert, bei der halbpassiven sind<lb/>
es die feuchten Kondensatoren und andere spezifisch von der UdSSR<lb/>
entwickelte, von Menschen teilweise unabhängige zusätzlich Sicher<lb break="no"/>heitseinrichtungen. Bei der dritten, der passiven dagegen handelt<lb/>
es sich um die in Westeuropa auch üblichen Steelcontainment, Überbau<lb/>
usw. Ich bin sehr daran interessiert, das neue Kernkraftwerk, welches<lb/>
Mitte 1978 in Betrieb gehen soll, zu besuchen. Diesmal aber werde<lb/>
ich mir auf alle Fälle aber einen Spezialisten der KKWP mitnehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145750">Rusnak</rs> behauptet, das Schwerwasserwerk läuft jetzt anstandslos. Das<lb/>
einzige was ich ihm glaube ist, dass es weniger gefährlich ist als<lb/>
das Leichtwasserwerk, das sie jetzt errichten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst ist<lb/>
nämlich auch über die Schwerwasserreaktoren weniger beunruhigt. Das<lb/>
kanadische System würde ihm hier wesentlich mehr zusagen. Der Betrieb<lb/>
ist zweifelsohne sicherer, aber dafür wesentlich komplizierter und vor<lb/>
allem teurer. Hier rächt sich, dass ich zu wenig Detailinformationen<lb/>
habe, aber vor allem aber zu wenig weiss und mich in den Entscheidungs<lb break="no"/>prozess, ob in Hinkunft wirklich Schwerwasserreaktoren die Zukunft<lb/>
der Kernenergie sind, mit einschalten zu können. Die Behauptung<lb/>
dass die Kanadier nicht geschäftstüchtig genug sind um ihr System<lb/>
weltweit anzupreisen und vor allem verkaufen zu können, lasse ich eigent<lb break="no"/>lich nur sehr ungern gelten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass, wenn<lb/>
dieses System einigermassen rational produzieren kann, dann nicht<lb/>
<choice><choice><sic>rüchtige</sic><corr>?</corr></choice></choice> kanadische Kaufleute die Beamten der kanadischen Atombehörde<lb/>
so unterstützen, dass dieses System weltweit viel stärker bekannt sein<lb/>
müsste und entsprechende Projekte errichtet werden. Die Erfahrung in der<lb/>
CSSR zeigt allerdings bei allen Vorbehalten die man Ostproduktionen,<lb/>
auch dann wenn sie mit der UdSSR in Kooperation errichtet wurden ent<lb break="no"/>gegenbringen muss, dass die Produktion sehr teuer war und der Prototyp<lb/>
immer wieder zum Stillstand kam.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Versuche zu klären, wie das mit den Kanadiern wirk<lb break="no"/>lich steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_13">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mir <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>, <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs>, <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs>, <rs type="person" ref="#per__145751">Rabonk</rs>, <rs type="person" ref="#per__115366">Heinrich</rs> die haben<lb/>
das Wort ergriffen und noch anderen Vertretern von Getreide, Mehl<lb break="no"/>handel, Mühlen usw. wollten mich unbedingt zu einer endgültigen Stel<lb break="no"/>lungnahme bezüglich der Mehl-und Brotpreiserhöhung zwingen. Ich hatte<lb/>
<pb n="33-1469" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-12-22_1469.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>anfangs dezidiert, wie ich dies bereits seit 1974 ständig mache,<lb/>
darauf verwiesen, dass das jetzige System auf die Dauer nicht haltbar<lb/>
ist. Wenn es nach mir geht, hätte ich sofort nach der Kompetenzüber<lb break="no"/>nahme 1974 bezüglich der Preisbildung einen anderen Weg eingeschlagen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> macht mir deshalb auch den Vorwurf ich hätte auf alle mög<lb break="no"/>lichen Arten versucht das bewährte System zusammenzuschlagen. Auf<lb/>
meine Gegenfrage, wie wir in Hinkunft die überschüssigen Getreidemenge<lb/>
bewältigen können, meinte er, dies sei Angelegenheit der Agrarpolitik<lb/>
und nicht meine. Die Argumentation der Handelskammer ist, ich hätte<lb/>
im Parlament einer 2-jährigen Verlängerung der Marktordnungen zuge<lb break="no"/>stimmt, weshalb ich jetzt nicht das System über die Preisbestimmung<lb/>
durchlöchern – um nicht zu sagen zusammenschlagen dürfe. Sie wollen<lb/>
eine Preisregelung und Aufteilung der Spannen so wie bisher. Natürlich<lb/>
kommen sie immer und wünschen formell eine Erhöhung ihrer Verarbei<lb break="no"/>tungsspannen resp. Handelsspannen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> freimütigst gefragt,<lb/>
was er sich den vorstellen könne, dass der Brotpreis steigt. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs><lb/>
meinte rundwegs höchsten um 50 Groschen. Das hier kaum eine wesent<lb break="no"/>liche Erhöhung der Spannen drinnen ist, muss jeden Fachmann klar sein.<lb/>
Ich fragte mich daher, was eigentlich der Grund ist, dass sie so an<lb/>
diesem System hängen. Mit Recht können sie allerdings sagen, dass<lb/>
ja die Erzeugerpreise mit Juli erhöht wurden und jetzt eben die<lb/>
hochbezahlten Getreidemengen, teils bei den Mühlen soweit ihr Bedarf<lb/>
dies erfordert, grösstenteils aber bei den Genossenschaften und Händ<lb break="no"/>lern liegt. Durch die Mühlenaktion und die Lageraktion des Land<lb break="no"/>wirtschaftsministeriums fühlen sie sich absolut gedeckt, solange<lb/>
vom Staat die notwendigen Lagerkosten ersetzt zu bekommen, als eben<lb/>
Getreide davon vorhanden ist. Sie bestreiten gar nicht, dass dies<lb/>
wenn wir nicht grössere Abkäufe tätigen können, bis über die nächste<lb/>
Ernte der Fall sein wird. Was allerdings mit dem Auswuchsgetreide bis<lb/>
dorthin geschehen ist, weiss niemand. Ich hoffe, dass wir nächstes<lb/>
Jahr keine neuerliche Getreidepreiserhöhung bekommen werden. Eine<lb/>
Pause wäre dringendst notwendig, damit wir in dieser Zeit dann ein<lb/>
anderes System vorbereiten – aber nicht nur vorbereiten – sondern jetzt<lb/>
endgültig jetzt wirklich in Angriff nehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte dränge im Landwirtschaftsministerium auf<lb/>
diese Änderung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-12-22_15">Ein Ing. <rs type="person" ref="#per__145754">Hackl</rs> von der Zeitschrift BÜHNE behauptete mit mir ein Inter<lb break="no"/>view machen zu müssen. In Wirklichkeit ist er nur gekommen, um eine<lb/>
entsprechende Subvention für eine Fremdenverkehrsreportage in seiner<lb/>
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Da diese Zeitschrift für den Fremdenverkehr kaum von Bedeutung ist,<lb/>
die Reportagen die er macht sich immer ein ein Bundesland beziehen,<lb/>
stehe ich auf dem Standpunkt, dass wir nicht wir etwas zu bezahlen<lb/>
haben, sondern neben dem Unterrichtsministerium und der allgemeinen<lb/>
Presseförderung höchstens die Bundesländer, die in seiner Zeitschrift<lb/>
beschrieben werden. Richtig ist dass er von den Einstellen dieser<lb/>
Subvention nicht frühzeitig genug verständigt wurde. Ich versprach<lb/>
ihm deshalb eine bescheidene Subvention – ich stelle mir ungefähr<lb/>
die Hälfte des bisherigen vor – letztmalig für das Jahr 1976.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> war mit dieser Lösung auch einverstanden, meinte nur <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs><lb/>
hätte ihm nicht nur 80.000 Schilling wie im vorigen Jahr, sondern<lb/>
sogar 100.000 Schilling in Aussicht gestellt. Unser ganzes Subventions-<lb/>
und Budgetsystem – und dies nicht nur vom Handelsminister – sondern<lb/>
wahrscheinlich von allen Ministerien, ist mehr als überholungsbedürftig<lb/>
In Wirklichkeit werden die Beträge absolut gleichbleibend dafür<lb/>
relativ immer kleiner. Die Aufwendungen aber, nicht zuletzt wegen der<lb/>
Kritik, <choice><choice><sic>die</sic><corr>der</corr></choice></choice> dieses ganze System in der Öffentlichkeit ausgesetzt <choice><choice><sic>werden</sic><corr>wird</corr></choice></choice>,<lb/>
immer grösser. Wenn man hier einmal eine Kosten-Nutzen-Rechnung anstellt<lb/>
würde, würde wahrscheinlich ein verheerendes Ergebnis herauskommen.<lb/>
Hunderte Beamte werden damit beschäftigt, zuerst Geld einzutreiben<lb/>
und dann dieses indirekte kassierte direkt wieder denselben oder<lb/>
ähnlichen Leuten wieder zurückzugeben. Diese Umverteilung stört mich<lb/>
weniger, was mich aber ungeheuer stört, ist der Papier und Ver<lb break="no"/>waltungsaufwand, der dadurch losgelöst wird. Wie man dieses einge<lb break="no"/>fahrene Geleise aber verlassen kann, weiss ich eigentlich auch nicht.<lb/>
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jetzt die ÖVP bezüglich Verbundgesellschaft-Vorstandsbesetzung be<lb break="no"/>friedigen können. Er meinte rundweg, es sei eine politische Not<lb break="no"/>wendigkeit mit <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> zu einem Kompromiss zu kommen. Dies lag eigent<lb break="no"/>lich auch auf meiner Linie. Demgegenüber haben nur die Aufsichtsräte<lb/>
unserer Fraktion eindeutig beschlossen, den Wunsch der Betriebsräte<lb/>
Rechnung tragend, <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> auf alle Fälle hinauszuschmeissen. Ich<lb/>
sagte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, er hat ja Gelegenheit, dieses Problem mit den Betriebs<lb break="no"/>räten zu besprechen, die sich ja bei ihm schon angemeldet haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war natürlich solange Watergate nicht bereinigt war mit der<lb/>
harten Linie der Betriebsräte, ja der gesamten Aufsichtsratsfraktion<lb/>
sehr einverstanden. Jetzt allerdings möchte er, dass diese auf meine<lb/>
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hier ausschliesslich darauf an, was der Minister vorschlägt und wie.<lb/>
Ich war aber der Meinung, ich habe gar keinen Grund mich jetzt besonders<lb/>
zu exponieren. Ich erklärte daher rundweg, ich werde mir die ganze<lb/>
Sache noch überlegen, ob und welchen Ausweg wir im nächsten Jahr<lb/>
für die verfahrene Angelegenheit finden könnten. Eine bis jetzt so<lb/>
klare Linie besser zu einem Kompromiss zu kommen, auch dann wenn es<lb/>
ein faules ist, als eine Konfrontation zu suchen, die man wie sich<lb/>
jetzt herausstellt letzten Endes gar nicht durchstehen wird, werde<lb/>
ich auch in Hinkunft beibehalten, auch dann wenn es manchmal durch<lb/>
Umstände bedingt sehr schwierig ist. Die Wechsellinie, hart sein,<lb/>
dann nachgeben, wieder hart sein, wieder nachgeben, halte ich für<lb/>
noch weniger zielführend als die von mir eingehaltene. Ich hoffe, dass<lb/>
es dabei allerdings nicht zu faulen Kompromissen kommt, wenn auch manch<lb break="no"/>mal sicherlich von den radikaleren Vertretern meine Politik so gezeichnet<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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