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            <title type="main">Montag, der 29. November 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_01">Montag, 29. November 1976<lb/>
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im Auftrag <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewskis</rs> die seinerzeit gesagte Einigung zwischen<lb/>
Polen und der CSSR nicht zustandegekommen ist. Die Tschechen<lb/>
haben ihm diesbezügliche Andeutungen gemacht. Insbesondere hat<lb/>
er vom Industrieminister <rs type="person" ref="#per__145814">Supka</rs> diesbezügliche Hinweise bekommen.<lb/>
Handelsrat <rs type="person" ref="#per__117195">Kowalski</rs>, den er dann unmittelbar mit dieser Aussage<lb/>
konfrontierte, hat herumgeredet und meinte, auf seinen konkreten<lb/>
Vorbehalt, dass die Einigung so erzielt wurde, bis 12. Dezember<lb/>
würden die beiden einig sein. Polen und die Tschechen würden überein<lb break="no"/>kommen, von den Polen ein Elektrizitätswerk für Kohle Nähe ....<lb/>
zu errichten. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> teilte mir mit, dass er mit den Tschechen<lb/>
jetzt in dieser Frage engen Kontakt hält und bei einer privaten<lb/>
Einladung nach Brünn keine offizielle Dienstreise näheres erfahren<lb/>
wird.<lb/>
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unserer Kommission in Brüssel, wonach die EG-Kommission behauptet,<lb/>
es besteht ein Entwurf, scheinbar von den Ungarn, über ein Frei<lb break="no"/>handelszonen-Abkommen zwischen Österreich und die Ostblockstaaten.<lb/>
Ich verweise <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> auf die einzige Möglichkeit, nämlich der Zoll<lb break="no"/>ermässigungen § 6 des Zollgesetzes, die jetzt zu verhandeln be<lb break="no"/>gonnen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_04">GD <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> berichtet über die Verhandlungen mit den deutschen<lb/>
Vertretern<add>[von]</add> RWE, Dr. <rs type="person" ref="#per__145815">Klette</rs>, <rs type="person" ref="#per__145817">Gieske</rs>, <rs type="person" ref="#per__145818">Schneider</rs>, EVS, <rs type="person" ref="#per__145816">Lilienfein</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145819">Schnell</rs>, <rs type="person" ref="#per__145820">Hartenstein</rs>, dem Verbundvorstand, Illwerke-Vorstand und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> sowie Landestatthalter <rs type="person" ref="#per__116913">Mandl</rs>. <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> hat in einer<lb/>
Vorbesprechung österreichischerseits zuerst festgelegt und<lb/>
volle Übereinstimmung erzielt, dass versucht wird, mit den Deutschen<lb/>
ausserschiedsgerichtlich die Probleme der höheren Strompreise<lb/>
zu lösen. Bei den Verhandlungen war auch er als Sprecher ausschliess<lb break="no"/>lich der Redner. Die Vorarlberger haben sich sehr zurückgehalten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> hat ausdrücklich die Zustimmung der Vorarlberger für jede<lb/>
einzelne Verhandlungsphase immer wieder verlangt und auch bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_05">Die Deutschen sind nach stundenlangen zuerst heftigsten Angriffen,<lb/>
wo sie jede Vertragsverletzung entschieden zurückwiesen, maximal<lb/>
bereit, über die Zukunft zu einer Lösung zu kommen und zwar nicht<lb/>
als Malta-Strompreis, sondern auf Verbundtarif. Das Anbot Österreichs,<lb/>
74 gr., das sind um 20 Groschen mehr als sie jetzt bezahlen, zu<lb/>
verhandeln. Für die Vergangenheit selbst seitdem Vorbehalte gemacht<lb/>
werden, also seit 1971 sind sie nicht bereit, auch nur darüber zu spre<lb break="no"/>chen. Diese Forderung würde 200 Mill. S ungefähr betragen. Das<lb/>
einzige Zugeständnis, das sie letzten Endes dann doch machten war<lb/>
wenn die Verhandlungen über die Zukunft scheitern und doch das<lb/>
Schiedsgericht eingesetzt werden muss, dann natürlich auch Öster<lb break="no"/>reich die Forderung über die Vergangenheit dort hinbringen kann.<lb/>
Das den Vorarlbergern vorbehaltene Drittel der Illwerke-Strom<lb break="no"/>lieferungen steht mit den Deutschen nicht mehr zur Diskussion.<lb/>
sondern nur der deutsche Anteil von 2/3. Das Vorarlberger Drittel<lb/>
wird jetzt der Verbund übertragen. Die Möglichkeit, die Vorarlberg<lb/>
bis jetzt hatte, von den Illwerken Strom dann zu übernehmen, wenn es<lb/>
ihr passt, wird in Hinkunft nicht mehr über die deutschen Ab<lb break="no"/>nehmer sondern über die Verbund geregelt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_06">Ich informiere <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> über den letzten Stand der polnischen Strom<lb break="no"/>liefermöglichkeiten. Wir kommen überein, dass aus Sicherheitsgründen<lb/>
die Verbundgesellschaft unverzüglich ein neues Wärmekraftwerk<lb/>
auf Ölbasis in Korneuburg in Planung nehmen soll. Insbesondere sind<lb/>
die Wasserrechte, Kühlwasser aus der Donau sofort zu beschaffen. Ein<lb/>
Ölkraftwerk ist in der jetzigen Phase das denkbar Schlechteste,<lb/>
weshalb ich zu überlegen gebe und diesbezügliche Berechnungen angestellt<lb/>
werden sollen, ein gemischtes Öl- resp. Kohlenkraftwerk zu er<lb break="no"/>richten. Die bessere Kombination Öl und Erdgas scheidet von vornherein<lb/>
aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Die Polen sind mir zu unsicher, bitte<lb/>
eventuelle andere Kraftwerke, vor allem Korneuburg III sofort in An<lb break="no"/>griff nehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_08">Beim Journalistenfrühstück kommt es beim Bericht von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>,<lb/>
Altpapierverwertung, zu einer langen Debatte über die gesamte<lb/>
Recycling-Problematik. Da ich immer mehr überzeugt bin, dass wir<lb/>
1977 mit konkreten Gesetzentwürfen über Autowrack-Beseitigung,<lb/>
Gummireifen-Vernichtung, Altölaufbereitung, 3,3 Mia. Stück Flaschen<lb break="no"/>transport vom Produzenten zum Konsumenten usw. zu<lb/>
<pb n="33-1356" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-11-29_1356.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einer Lösung kommen müssen, schneide ich auch dieses Thema an in<lb/>
der Diskussion muss ich dann Farbe bekennen, wie diese ganze Umwelt<lb break="no"/>schutzproblematik finanziert werden soll. Zu spät bemerkte ich, dass<lb/>
ich eigentlich in eine Falle gelaufen bin. Aus einem Erfolgsbericht<lb/>
voriges Jahr – Altpapieraufkommen 16 Mill. kg, heuer 25 Mill. kg –<lb/>
wird ein Belastungsbericht um Umweltschutz für die Konsumenten.<lb/>
Die Pfandverordnung für Flaschen, die Kaution-Lösung für Autos<lb/>
wird mehr oder minder jetzt ständig von den Zeitungen urgiert werden.<lb/>
Ich bespreche mittags mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, dass wir jetzt sehr konkrete Vor<lb break="no"/>arbeiten nicht nur leisten müssen, sondern auch jetzt in die Tat<lb/>
umsetzen müssen. Das legislative Programm muss 1977 abgewickelt<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Das Flaschenproblem bitte als<lb/>
erstes entscheidungsreif machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_10">Prof. <rs type="person" ref="#per__97499">Günther</rs>, Leiter des deutschen Kartellamtes, macht einen Anstands<lb break="no"/>besuch mit <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> und <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs>. Das jetzt 19 Jahre bestehende<lb/>
Amt arbeitet mit 8 Tribunalen, wie er dies bezeichnet, die sich<lb/>
zu Grossherzogtümern entwickelt haben. <rs type="person" ref="#per__97499">Günther</rs> will damit ausdrücken,<lb/>
dass jetzt er, geschweige denn das Wirtschaftsministerium einen<lb/>
Einfluss auf die Kartellgerichte in Deutschland hat. Schwierigkeiten<lb/>
bereitet ihnen die Fusionskontrolle. 43 % der bisherigen Fusionen<lb/>
sind Bagatellfusionen, d.h. bis 50 Mill. S Umsatz. Diese können ohne<lb/>
Genehmigung der Kartellgerichte durchgeführt werden. Um die Fusion<lb/>
einigermassen zu überwachen, haben sie jetzt eine Kartei von 1.800<lb/>
deutschen Unternehmungen, die Schwierigkeit für sie ist die<lb/>
betriebswirtschaftlichen Informationen auf den letzten Stand zu<lb/>
halten. Bei der Kontrolle der marktbeherrschenden Unternehmer<lb/>
insbesondere die Ausbeutungsbestimmung kommt es in der BRD immer<lb/>
zu spektakulären Prozessen. Merck, Hoffmann-La Roche usw. Ein<lb/>
Amt besteht aus 250 Beschäftigten, die Hälfte Chemiker mit einer<lb/>
volkswirtschaftlichen Abteilung von 60 Beschäftigten. Die Gerichte<lb/>
müssen nämlich vorher immer Stellungnahmen der volkswirtschaftlichen<lb/>
Abteilung einholen. In meinen Augen ist das deutsche System sehr<lb/>
perfekt, das Wirtschaftsministerium in Bonn ist meistens in<lb/>
Kollision mit dem Amt, ich bin froh, dass 1970 die Idee <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
auch die Kartellfrage nach dem Handelsministerium zu verlegen, wahr<lb break="no"/>scheinlich an dem Einspruch <rs type="person" ref="#per__97372">Brodas</rs> scheiterte und bei uns diese<lb/>
ganze Materie, nachdem es sich um eine Gerichtsorganisation<lb/>
handelt, bei Justizminister geblieben ist. Die österr. Kartellpolitik<lb/>
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deutschen, auch dann wenn die Organisationsform weitestgehend ähn<lb break="no"/>lich ist. Eines steht für mich fest, dass die österreichische<lb/>
unzulänglich ist, insbesondere im Verhältnis zur deutschen<lb/>
perfekten preussischen Lösung. <rs type="person" ref="#per__97499">Günther</rs> gibt allerdings zu,<lb/>
dass diese rechtsstaatlich durchorganisiert praktisch aber zu<lb/>
irrsinnigen Auswüchsen führt. Geschickte Anwälte können jetzt<lb/>
Fusionen, die sie zuerst durchführen und nachher vom Kartellgericht<lb/>
aufgehoben wird, durch 12 Jahre hindurch im rechtsstaatlichen Ver<lb break="no"/>fahren bekämpfen, obsiegt dann das Kartellgericht oder -Amt, ist<lb/>
dieser Spruch wertlos, weil eine 12 Jahre schon bestehende Fusion<lb/>
kaum mehr aufzulösen ist oder wirtschaftlich schon andere Folgen<lb/>
zeitigte als zum Zeitpunkt als die Fusion durchgeführt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_11">Im Wiener Ausschuss wurden die Statuten-Änderungen besprochen<lb/>
und dann auch beschlossen. Das wirklich Kritische ist die Frage<lb/>
der zweiten bezahlten Funktion unserer Funktionäre. Die Durchführung<lb/>
soll bis März 1977 erledigt sein, woran ich zweifle. Bei den von<lb/>
mir zu verwaltenden Elektrizitätsunternehmungen wird diese Bestimmung<lb/>
auf die grössten Widerstände und Probleme stossen. Die davon Be<lb break="no"/>troffenen werden sich nicht als Funktionäre betrachten. Vielleicht<lb/>
kann man bei dieser Gelegenheit aber in der E-Wirtschaft z.B. die<lb/>
Aufsichtsratsvergütungen an die entsendende Gesellschaft vereinbart.<lb/>
In der Verbundgesellschaft ist dieses vor etlichen Jahren der<lb/>
Fall gewesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Uberlege diesen Weg, er ist der einzige, den<lb/>
ich momentan sehe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_13">Der Mitgliederstand beträgt 251.225 und ist um 650 geringer als im<lb/>
Vorjahr. Für das nächste Jahr wird deshalb wieder eine Werbeaktion<lb/>
vorbereitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_14">Die von <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> errichtete Dokumentation soll jetzt doch im Wiener<lb/>
Sekretariat eröffnet werden. Die Zentrale und die Wiener Organisation<lb/>
wird je die Hälfte tragen. Personalbelastung soll keine entstehen,<lb/>
da die Arbeiterkammer-Dokumentation und das Archiv der Stadt Wien<lb/>
entsprechende Vorarbeiten leisten werden. Nur für die Aufnahme für<lb/>
die Such- und für die Ausdruckarbeit soll ein Mikrofilmgeräte<lb/>
mit 250.000 S angeschafft werden. Bei dieser Gelegenheit erfahre<lb/>
ich,<lb/>
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besitzt, die aktuell ist. Nur zur Ablage wird nach jeder Legislatur<lb break="no"/>periode dann fein säuberlich gebunden und daher vollkommen uninter<lb break="no"/>essant die Gemeinderatsbeschlüsse und Reden abgelegt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_15">Für die Freizeit-Kommission, die der Parteivorstand eingesetzt hat,<lb/>
wird als Wiener Vertreter Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__97899">Fröhlich-Sandner</rs> nominiert.<lb/>
Mit dem AKM wurde eine Pauschalvereinbarung von 15.000 S für unbezahlte<lb/>
Veranstaltungen und 100.000 S für die bezahlten Veranstaltungen der<lb/>
Wiener Organisation vereinbart. Auf die Landstrasse entfällt ein<lb/>
Pauschalbetrag von 3.000 S. Die Gewerkschaft hat mit 1.12. die Gehälter<lb/>
um 8.27 bis 9.25 % der Angestellten erhöht und dies gilt auch jetzt<lb/>
für die Parteiangestellten. Die Bezirke werden ihre Bezirksangestellten<lb/>
ebenfalls incl. des Pauschales um diesen Prozentsatz erhöhen. Die<lb/>
SPÖ Wien wird jetzt einen Sportbeirat schaffen. Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__140370">Koller</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>, der<lb/>
im Streit mit dem Freien Wirtschaftsverband liegt, hat nun die Klage<lb break="no"/>genehmigung, nachdem <rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> berichtete, stundenlange Schiedsgerichts<lb break="no"/>verfahren abgeführt zu haben, die zu keinem Ausgleich führen konnte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97926">Schranz</rs> beschwert sich auch, dass bei der letzten Wahl, Volkszählung<lb/>
die amtlichen Behördenleiter 450.– S plus 100.– S Verpflegskosten,<lb/>
also insgesamt 550.– S bekommen haben. Da dieser Betrag diesmal in<lb/>
den Kommissionen gleich ausbezahlt wurde, hat dies bei den Beisitzern,<lb/>
die die Partei stellt und die noch 100.– S von den 150.– S abführen<lb/>
müssen, ungeheure Verärgerung ausgelöst. Er hat veranlasst, dass<lb/>
in Hinkunft diese Entschädigung im Dienstweg ausbezahlt wird.<lb/>
Eine interessante Diskussion ergibt sich über die neue Haftung auf<lb/>
Grund des Parteiengesetzes. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wird veranlassen, genau festzustellen,<lb/>
wieweit Bezirksobmänner, ja jeder Funktionär für die Finanzgebarung<lb/>
nicht nur haftet sondern finanzstrafrechtlich auch zur Verantwortung<lb/>
gezogen werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_16">Im Klub berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Volkszählung, dass jetzt mit der<lb/>
ÖVP und wahrscheinlich auch mit den Freiheitlichen gemeinsam vorge<lb break="no"/>gangen werden muss. Er meinte, mit dem Ortstafelgesetz hätten wir<lb/>
einen grossen Fehler begangen, der nicht wiederholt werden darf.<lb/>
Das Lehrgeld, das dafür zu bezahlen war, sei zu teuer gewesen.<lb/>
Die Wirtschaftslage ist für die Eisen- und Stahlindustrie katastrophal<lb/>
und er ist bekräftigt in seinen pessimistischen Prognosen, die er<lb/>
vor Jahren schon angekündigt hat. Der Streit zwischen CDU und CSU<lb/>
sieht er positiv, <rs type="person" ref="#per__140781">Wehner</rs> dagegen sehr zurückhaltend. Voraussetzung<lb/>
<pb n="33-1359" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-11-29_1359.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für seine Idee ist aber, dass die SPD zusammenhält und nicht eben<lb break="no"/>so bestrebt ist, einen Teil ihres linken Flügels z.B. los zu<lb/>
werden. Der Streit zwischen <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> gar keiner war, ging ausschliesslich darum, ob <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs><lb/>
mit seiner Prognose resp. Analyse recht hat. Dieser möchte keine<lb/>
Änderung der derzeitigen Wirtschaftsordnung, sondern höchstens<lb/>
ganz kleine Retuschen, sonst war nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> bei der<lb/>
Sozialistischen Internationale ein Optimismus wie noch nie. Die<lb/>
Beteiligung war weltweit, Afrikaner, Asiaten, Lateinamerikaner,<lb/>
nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> die bedeutendste Sitzung der Internationale<lb/>
Interessanterweise gab es zuerst gar keine Diskussion, weshalb<lb/>
gleich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit seiner Berichterstattung über die Korrekturen<lb/>
Gebührengesetz, Prämiensparen, Zigarettenpreise, berichtete. Jetzt<lb/>
entwickelte sich eine lebhafte und langanhaltende Diskussion.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte einleitend bei seinem Referat auch erwähnt, dass<lb/>
ihm die Atomkraft-Frage sehr wichtig ist und er nicht mit Gewalt<lb/>
wie z.B. in der BRD vorgesehen würde oder auch nur könnte. <rs type="person" ref="#per__145765">Troll</rs><lb/>
fragte, wie es eigentlich dann mit der Müll-Lagerung sei. Im Schluss<lb break="no"/>wort erwähnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, er hätte immer grosse Bedenken gegen die<lb/>
ganze Atomkraftlösung gehabt und spreche sich ganz entschieden<lb/>
gegen ein Lagern im Waldviertel aus. Da müsse man mit entsprechen<lb break="no"/>dem Widerstand der Bevölkerung rechnen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> fragte mich nachher,<lb/>
warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann nicht die gesamte Atomdiskussion abbläst. Meine<lb/>
Erklärung ihr gegenüber war, dass er genau weiss, dass dies nicht<lb/>
geht, sich jetzt aber ein Alibi verschaffen will, vielleicht auch<lb/>
muss, wenn die ganze Frage schiefgeht. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> bestätigte mir dann<lb/>
spät abends, dass Bürgermeister aus der Gegend jetzt zu ihm kommen<lb/>
oder ihm schreiben und ihre Bedenken wegen des Müllagerns im Wald<lb break="no"/>viertel, Allentsteig, Truppenübungsplatz, anmelden. Ich habe mir fest<lb/>
vorgenommen, in einem Ministerratsvortrag die Endlagerung erst<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte einen diesbezüglichen Entwurf sofort<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ausarbeiten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_18">Die Ministerratsvorbesprechung begann mit zweistündiger Verspätung.<lb/>
Wichtigster Punkt war, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings die Repräsentations<lb break="no"/>kosten zur Sprache brachte. <rs type="person" ref="#per__97668"><sic>kr</sic></rs> wurde von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> zu einer Aus<lb break="no"/>sprache in seinen Weinkeller eingeladen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> lehnte dies ab,<lb/>
resp. wird mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über dieses Problem sprechen. Bei dieser<lb/>
<pb n="33-1360" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-11-29_1360.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Gelegenheit wird er die Repräsentationsdiskussion neuerdings an<lb break="no"/>schneiden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist fest davon überzeugt, und da gebe ich ihm<lb/>
recht, dass die ÖVP immer wieder diese Repräsentationen zur Sprache<lb/>
bringen wird, obwohl <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst zugibt, sich<lb/>
dagegen wehrt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> kann sich innerhalb der ÖVP nicht durch<lb break="no"/>setzen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist deshalb fest entschlossen, auch die Aussen<lb break="no"/>handelsrepräsentationen zur Sprache zu bringen. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> verfügte<lb/>
über die Zusammenstellung, die die Handelskammer jetzt für das<lb/>
Handelsministerium gemacht hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat genüsslich die einzelnen<lb/>
Positionen dort aufgezählt. Millionenbeträge für Journalistenreisen<lb/>
2 Mill., Zuschuss für Studentenheim 2,8 Mill., Aussenhandelsstellen<lb break="no"/>reisen 7,9 Mill., Aussenhandelsmessereisen 4 Mill. usw. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> meinte,<lb/>
bei den Aussenhandelsstellen sei die Handelskammer sehr empfindlich.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> wieder bemerkte, dass die Aussenhandelsstellen höhere Repräsenta<lb break="no"/>tionsaufwendungen haben als die Botschaften. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bemerkte, dass<lb/>
man von den schwarzen Beamten des Handelsministeriums hier keine<lb/>
exakte Auskunft bekommen könne. Ich verwies darauf, dass im Handels<lb break="no"/>ministerium jetzt rote Sektionschefs sind, einige meinten, die seiner<lb break="no"/>zeitigen schwarzen hätten jetzt sich zur Partei bekannt, was ich<lb/>
sofort aufklärte, und dass die Kontrolle nicht durch die Beamten des<lb/>
Handelsministeriums, sondern nur durch den Rechnungshof erfolgen<lb/>
kann. Was meine Beteiligung an den Repräsentationskosten betrifft,<lb/>
stellte ich klar, dass nur die Einladung für ausländische Minister<lb/>
deren Aufenthalt in Österreich von der Handelskammer in Hinkunft bezahlt<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> machte die Zwischenbemerkung, dass auch Beamte,<lb/>
d.h. deren Reisen von den Aussenhandelsgeldern bezahlt wurden.<lb/>
Für mich war diese Bemerkung ein Hinweis, dass er sehr genau über<lb/>
die Ausgaben informiert ist. Leider wurde seinerzeit von <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs><lb/>
die EFTA-Reise von <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> und ein paar anderen Beamten der Handels<lb break="no"/>kammer vorgeschrieben und von dort auch bezahlt. Dieser grosse Fehler<lb/>
rächt sich nun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte lass von den Jahresrepräsentationsver<lb break="no"/>rechnungen die "Nicht-Aufwendungen" für ausländische Minister her<lb break="no"/>ausschreiben.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_20">Ing. <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs>, derzeit Leiter der Bergbehörde Wien, wurde von mir<lb/>
eingeladen, um seine Reformvorschläge zur OB zu besprechen. Ing. <rs type="person" ref="#per__112947">Engel<lb break="no"/>mayer</rs>, der Personalvertreter, hatte sich bereits mit ihm diesbezüglich<lb/>
abgesprochen. <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> meinte, die Abteilung I, Budget und Personal,<lb/>
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betrauen oder aufzulösen. Die Bergabteilung <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> ist wieder<lb/>
zu sehr belastet, insbesondere die Zweitbesetzung in der Energie<lb break="no"/>sektion ist für <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> kaum zu bewältigen. Aus der Bezirkshaupt<lb break="no"/>mannschaft Leoben ist seinerzeit <rs type="person" ref="#per__131812">Artner</rs>, derzeit bei <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs>, gekommen,<lb/>
der ein tüchtiger Mann ist, ebenso <rs type="person" ref="#per__145821">Wieder</rs>, der derzeit in der <choice><choice><sic>Bezirks<lb break="no"/>hauptmannschaft</sic><corr>Berghauptmannschaft</corr></choice></choice> Wien arbeitet. Einer dieser beiden müsste zu<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, damit dieser entlastet wird. Eine Koordination zwischen<lb/>
der OB und der Energiesektion ist<add>[für?]</add> <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> selbstverständlich<lb/>
und müsste entsprechend errichtet werden. Wichtiger als diese<lb/>
Information war mir aber, dass <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> heute sich innerhalb<lb/>
der Berghauptmannschaft Wien durchgesetzt hat und an der Arbeit<lb/>
Gefallen findet. Seinerzeit, als er nach Wien abgestellt wurde,<lb/>
war er über diesen Beschluss der OB, ich habe daran nicht mitge<lb break="no"/>wirkt, sehr unglücklich. Damals ersuchte er mich, ich möchte<lb/>
ihn doch zeitgerecht wieder zur OB zurücknehmen. Wenn die OB<lb/>
jetzt aber ein Teil der Energiesektion wird, bin ich gar nicht<lb/>
so sicher, ob er noch grosses Interesse daran hat, in die<lb/>
Zentralbehörde zurückzukommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-29_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: <rs type="person" ref="#per__113369">Wüstrich</rs> ist sehr tüchtig, halte mit ihm<lb/>
Kontakt und versuche seine Meinung über einen Verbleib in der<lb/>
Bergbehörde Wien zu ergründen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 29.11.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>(ehem.) poln. Außenhandelsminister</occupation>
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