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            <title type="main">Sonntag, der 28. November 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band33_1976-11-28</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_01">Sonntag, 28. November 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_02">Die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> wegen der Sekretariatsbesetzung, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> nach Tirol zurückgeht, bringt keinerlei neue Erkenntnisse.<lb/>
Die beste Lösung wäre natürlich vom Haus tüchtige Mitarbeiter<lb/>
oder zumindestens einen von den Sektionen abzuziehen. Dagegen<lb/>
spreche ich mich entschieden aus, denn erstens würden die Sektions<lb break="no"/>leiter dagegen sein, zweitens würde der Kollege einen Prestige<lb break="no"/>verlust erleiden. Tüchtige Leute sind entweder selbst schon Abteilungs<lb break="no"/>leiter oder in einer Position, wo sie, wenn die Mindestzeiterfordernis<lb/>
erfüllt ist, Abteilungsleiter werden. Eine weitere Voraussetzung<lb/>
um vom Haus jemanden zu nehmen, wäre, dass diese selbst freiwillig<lb/>
und zwar wirklich aus voller Überzeugung und nicht weil ich es<lb/>
wünsche, diesen Posten übernehmen würde. Von auswärts jemanden zu<lb/>
nehmen, stösst wieder auf grosse Schwierigkeiten wegen der Gehalts<lb break="no"/>verrechnung. Ich bin überzeugt, dass die ÖVP neuerdings dieses Problem<lb/>
wird anschneiden, ganz besonders vor der nächsten Wahl. Das grösste<lb/>
Problem aber ist, dass selbstverständlich der neue Mann mit <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> harmonieren müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> hat mir mitgeteilt, dass es ihm grosse Freude macht, vom<lb/>
Handelsministerium, insbesondere Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> zu Auskünften und<lb/>
Stellungnahmen herangezogen zu werden. <rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs>, der ein ungeheuer tüchti<lb break="no"/>ger Gesellschaftsrechtler ist und Sanierungen, Kapitalgesellschafts<lb break="no"/>umwandlungen usw. durchführt, ist in seiner Branche als Spitzenmann<lb/>
bekannt. Er fühlt sich ungeheuer geschmeichelt, wenn er Gelegenheit<lb/>
hat, sein Wissen sozusagen im Dienste der Öffentlichkeit auch ver<lb break="no"/>werten zu können. Ich unterhielt mich längere Zeit über das Garantie<lb break="no"/>gesetz mit ihm und konnte feststellen, dass er die Meinung der AK<lb/>
und des ÖGB teilt. <rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> sieht eine grosse Gefahr, wenn das Gesetz<lb/>
jetzt konkreten Bestimmungen abgeändert wird. Derzeit ist es so<lb/>
nebulos allgemein gehalten, dass entweder der E u.E-Fonds rein<lb/>
nach Ermessensbestimmung jeden Fall entscheiden wird müssen, nur<lb/>
er wird dann wegen dieses Ermessensspielraumes die Fälle nicht<lb/>
kategorisieren, abgrenzen und vielleicht dann gar nichts entscheiden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> teilt daher die Meinung, es muss in das Gesetz sehr konkrete<lb/>
Bestimmungen aufgenommen werden, unter welchen Bedingungen die<lb/>
Garantie gegeben wird. <rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> hat auch verfassungsrechtliche Bedenken,<lb/>
wenn der Ermessensspielraum so gross bleibt, wie er jetzt ist. Dadurch<lb/>
könnte sich eine willkürliche Entscheidungspolitik in der Praxis<lb/>
<pb n="33-1352" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-11-28_1352.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>herausstellen. Die AK und der ÖGB wollen also eine Änderung des<lb/>
Entwurfes, weil sie befürchten, dass sie bei den Sanierungsfällen<lb/>
dann immer entweder dafür sind und d. Fonds damit sehr bald seine<lb/>
Mittel verbraucht hat oder dagegen sein müssten und dann die betrof<lb break="no"/>fene Arbeiterschaft gegen sie ist. <rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> kommt zu einem ähnlichen<lb/>
Ergebnis, nur von einer ganz anderen Betrachtungsweise.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_04"><rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs>, der die Textilfusion Ost gemacht hat und natürlich<lb/>
weiss, dass die 24 Mill. S von rumänischen Strumpfhosenlieferungen,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__141509">Piering</rs> theoretisch mit eingebracht hat, dringend benötigt<lb/>
werden, schnitt auch dieses Problem an. Ich erklärte ihm und<lb/>
Herrn <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs>, dass die vorgesehene Lösung – Veredlungsgenehmigung –<lb/>
von der Handelskammer, sowohl Industriesektion, <rs type="person" ref="#per__113096">Placek</rs>, als auch<lb/>
Handelspolitische Abteilung – <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> – entschieden abgelehnt wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145822">Egger</rs> meinte dann müsste man versuchen, dass <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs> diese Transaktion<lb/>
durchführt. Dieser ist aber nicht bereit, zumindestens bis jetzt<lb/>
noch nicht, sich in das Strumpfhosengeschäft einzuschalten. Seiner<lb/>
Meinung nach könne es nur gelingen, die Strumpfhosen aus Rumänien<lb/>
wieder in ein anderes Ostblockland, wahrscheinlich Polen, zu verkaufen<lb/>
gegen andere Kompensationsgüter. Das ganze Strumpfhosengeschäft ist<lb/>
derzeit deroutiert. Da alle Firmen ihre Geschäftspolitik zwar nach<lb/>
der Strumpfhosenverordnung ausrichten aber jede Lücke oder In<lb break="no"/>formation nützen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs> behaupten, dass noch niemals<lb/>
so viele Strumpfhosen importiert wurden wie seit der Zeit, wo die<lb/>
Verordnung existiert. Kunert z.B. soll vor der Ergänzung der<lb/>
Strumpfhosenverordnung auf Rohlinge noch schnell 1,5 Mill. einge<lb break="no"/>führt haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte jetzt einmal einen genauen<lb/>
Bericht verlangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_06"><rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> fürchtet, dass auf den Rennweger Kasernengründen durch<lb/>
die Politik der dort anwesenden Dienststellen letzten Endes wieder<lb/>
nur Büroräume entstehen werden. Durch die Ausschreibung <rs type="person" ref="#per__97755">Mosers</rs><lb/>
wegen Urbanisierung dieses ganzen Gebietes sollte auf Vorschlag<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> eine optimale Lösung von Architekten und Raumplanern<lb/>
gefunden werden. Jetzt fürchtet <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, dass die Ausschreibungsbedin<lb break="no"/>gungen schon so lauten werden, dass der grösste Teil in Bürohäusern<lb/>
auf diesem teuren Grund zu stehen kommen wird. Ich fürchte, das<lb/>
die Gemeinde Wien in den nächsten Jahren, um nicht zu sagen, Jahr<lb break="no"/>zehnten, gar keine sehr grosse Wohnbautätigkeit mehr entfalten wird<lb/>
können. Schon im nächsten Jahr sollen nur 3 Projekte, nämlich<lb/>
Schöpfwerk, Marco-Polo-Gasse, also Trabrennvereinsgründe und<lb/>
<pb n="33-1353" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-11-28_1353.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ein drittes, das ich vergessen habe, nur gebaut werden. Die<lb/>
ursprüngliche <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Idee, die Gemeinde baut dem Kasernenbesitzer,<lb/>
d.h. dem Militär, der Gendarmerie usw. am Rand der Stadt ent<lb break="no"/>sprechende neue Unterkünfte und kriegt die teuren Zentrumsgründe<lb/>
dadurch frei, wird – fürchte ich – an der finanziellen Schwierig<lb break="no"/>keit, abgesehen von den technischen, die die erste Fühlungnahme<lb/>
schon ergab, scheitern. Als die Gemeinde noch viel Geld gehabt hatte,<lb/>
und eine bessere budgetäre Situation, hätte sie solche Ideen<lb/>
ohne weiteres verwirklichen können. Jetzt aber ist die Finanzlage<lb/>
des Bundes kritisch und die der Gemeinde durch entsprechende<lb/>
Grossprojektausgaben auf längere Zeit verpflastert. Bei Planung<lb/>
Projekten resp. Untersuchungen und Überlegungen wegen der Ge<lb break="no"/>staltung von Gebieten werden deshalb, fürchte ich, nur ständig<lb/>
ein Projekt vom anderen immer abgelöst, ergänzt und verändert,<lb/>
die praktische Durchführung wird auf alle Fälle noch sehr<lb/>
sehr lange auf sich warten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-11-28_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> verbinden oder mich<lb/>
für Ministerrat erinnern.<lb/>
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