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            <title type="main">Donnerstag, der 28. Oktober 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_01">Donnerstag, 28.10.1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_02">In der Gesamtvorstandssitzung von den Lebensmittelarbeitergewerk<lb break="no"/>schaft kam es ganz anders als beabsichtigt. Während meiner Abwesen<lb break="no"/>heit wurde den ganzen Tag über die Geschäftsordnung debattiert. Wir<lb/>
hatten schon eine sehr lange und sehr veraltete Geschäftsordnung aus<lb/>
dem Jahre 1947. Sie ist sehr autoritär – bei der Diktion z.B. das<lb/>
Mitglied ist verpflichtet die Geschäftsordnung genau zu studieren und<lb/>
einzuhalten. Sie legt zwar den demokratischen Aufbau unserer Gewerkschaft<lb/>
fest, ist auch in sich gesehen nicht ganz konsequent und aufeinander<lb/>
die einzelnen Organe und Entscheidungen abgestimmt. Anfangs lief alles,<lb/>
solange ich noch anwesend war, verhältnismässig gut und wir kamen<lb/>
auch richtig vorwärts. Dann aber wurde über die Frage, ob die Ge<lb break="no"/>werkschaft der Lebensmittelarbeiter wirklich nur Arbeiter organisieren<lb/>
darf, oder nicht, wie sich in der Praxis manchmal ergibt, auch ver<lb break="no"/>einzelt Angestellte, stundenlang diskutiert. Ähnlich war es mit dem<lb/>
Problem der Beitragsleistung, Beitragswahrheit. Beabsichtigt war<lb/>
eigentlich nur eine allgemeine erste Lesung wenn ich so sagen darf,<lb/>
um nachher ein Komitee einzusetzen, welches bis zum Verbandstag eine<lb/>
solche Diskussion über eine neue Geschäftsordnung abführen sollte.<lb/>
Jetzt war es umgekehrt. Die Diskussion wurde jetzt im Detail geführt<lb/>
und zum Schluss hatten wir zwar ein Komitee auch bestimmt, doch<lb/>
dies nicht mehr allzulange diskutieren, sondern sehr bald einen neuen<lb/>
Entwurf vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_03">Aus den Gruppen-und Länderberichten war besonders interessant, war<lb/>
besonders interessant, dass die Tabakindustrie jetzt auf Punktesystem<lb/>
umgestellt wurde. Von 4 Punkten 28 Schilling bis 30 Punkte 58 Schilling<lb/>
wurden jetzt die Arbeitsplätze entsprechend bewertet. Verhältnismässig<lb/>
gute Bezahlung in der Tabakindustrie ist, obwohl es ein Monopol ist,<lb/>
nur auf die Rechtsform der AG zurückzuführen. Nur so ist es gelungen<lb/>
ebenfalls unkündbaren Tabakarbeitern nicht wie pragmatisierte Beamte zu<lb/>
behandeln und womöglich nur mit dem Öffentlichen Dienst gleichzuziehen.<lb/>
Eine ähnliche Situation haben wir bei den Salinenarbeitern. Dort<lb/>
möchte nun der Finanzminister das Monopol zwar aufrecht erhalten,<lb/>
aber die Salinen ebenfalls in eine Aktiengesellschaft überführen.<lb/>
Der Zentralbetriebsratsobmann, d.h. die Belegschaftsvertretung hat<lb/>
nun gegen eine solche Überführung noch die grössten Bedenken. Auch<lb/>
in dieser neuen Aktiengesellschaft würden sie unkündbar sein wie die<lb/>
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Pensionierungsalter. In Wirklichkeit ähnlich wie bei der Eisenbahn<lb/>
eine Früh-Frühpension ist. Zudem fürchten die Salinen eine entspre<lb break="no"/>chende weitere Konzentration um Saline Ebensee und dadurch eben<lb/>
Stillegung der einzelnen Betriebe auf lange Sicht. Diese Konzentration<lb/>
schreitet überall in allen unseren Branchen weiter fort. Am deut<lb break="no"/>lichsten bei den Molkereien, wo 526 Betriebe vor 20 Jahren, jetzt<lb/>
auf 235 Betriebe reduziert wurden. Besorgt sind die Konservenarbeiter,<lb/>
wo bei Inzersdorfer Verkaufspromotion macht, Austro Felix in Matters<lb break="no"/>burg grosse Reklame betreibt und Scana der dritte Betrieb durch <choice><choice><sic>Schleuder<lb break="no"/>preise</sic><corr>?</corr></choice></choice> bei Diskontern seinen Umsatzanteil halten will. In meinen Augen<lb/>
hat die gesamte Konservenindustrie nicht nur durch ihre eigene Kon<lb break="no"/>kurrenz, sondern auch durch die Importe, wenn sie auch nur in einem be<lb break="no"/>scheidenen Rahmen derzeit hereinkommen, kaum eine grosse Chance<lb/>
zukunftsträchtig seinen Umsatzanteil zu halten. Die wirkliche Zukunft<lb/>
liegt bei den Tiefkühlessen und hier ist Unilever mit dem Menü 2000<lb/>
stark im kommen. Derzeit werden 32.000 Portionen täglich produziert.<lb/>
Angeblich bemüht sich jetzt die Wiener Holding mit einen 60 %-igen<lb/>
Anteil Meinl, die Konsumgenossenschaft Wien, oder die GÖC und ein<lb/>
Berliner Fleischerfabrik-Maschinenerzeuger in St. Marx ein Konkurrenz<lb break="no"/>unternehmen zu gründen. Dort soll durch Sterilisation ein Menü in<lb/>
Alufolienverpackung mit <choice><choice><sic>230</sic><corr>?</corr></choice></choice><add>[hs. Korrektur unklar, Anm.]</add> Grad, Unilever Konkurrenz machen. Be<lb break="no"/>absichtigt sind 30.000 Portionen für Ganztagsschulen, Kindergärten,<lb/>
Essen auf Räder usw. Nach dieser Information war mir klar, warum die<lb/>
Gemeinde bei den Verhandlungen der Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__97899">Sandner</rs> der<lb/>
Unilever über eine Kindergartenausspeisung so zurückhaltend war. Dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97899">Sandner</rs> aber davon nichts weiss, resp. noch zur Interhoga vor ein<lb/>
paar Tagen nichts wusste, war für mich überraschend. Die Idee müsste<lb/>
innerhalb der Wiener Holdinggesellschaft bereits vor längerer Zeit<lb/>
geboren worden sein und wahrscheinlich wurde das Magistrat entsprechend<lb/>
verständigt. Ohne die Finanzabteilung bin ich überzeugt, traut sich die<lb/>
Wiener Holding so etwas nicht in Angriff nehmen. Ich bezweifle ganz<lb/>
ehrlich, dass diese neue Gesellschaft die Produktionsvoraussetzungen<lb/>
mitbringen wird. Die WÖK ist in ihrer jetzigen Konstruktion und ihren<lb/>
Leistungen sehr überholt. Wieweit sie durch die neue Gesellschaft wird<lb/>
Marktanteile verlieren, kann ich jetzt momentan nicht prüfen, bin<lb/>
aber fest davon überzeugt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte versuche über die Gemeinde herauszubrin<lb break="no"/>gen, was an dieser Idee stimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_05">Die Konzentration führt auch dazu, dass einige Betriebe wie z.B.<lb/>
Maggi in Vorarlberg jetzt nach Linz in der Produktion verlegt werden.<lb/>
Für die Vorarlberger Beschäftigten wurde von der Gewerkschaft ein<lb/>
Sozialplan mit den Unternehmern verhandelt. Diese Idee des Sozialplanes<lb/>
ist in den letzten Jahren entwickelt werden. Früher war es undenkbar,<lb/>
dass man bei Zugrundegehen eines Betriebes resp. Auflösung einer Betriebs<lb break="no"/>stätte dem Arbeiter ausser seinen gesetzlich zustehenden Rechten –<lb/>
und die waren sehr gering – freiwillig eine Leistung gegeben hätte.<lb/>
Auch hierin ist ein wesentlicher Wandel in unserer kapitalistischen<lb/>
Ordnung festzustellen, der allerdings nur die Grossbetriebe oder<lb/>
Verstaatlichte, wie z.B. Kohlengruben Kupferbergbau usw. betrifft.<lb/>
Auch das neue System wird zwar nur einen geringeren Teil der Wirt<lb break="no"/>schaft, nämlich eben den Grossbetrieben und den dort Beschäftigten<lb/>
durch einen solchen Sozialplan die Stillegung eines Betriebes zu den<lb/>
jetzt vereinbarten Abfertigungen die in unserer Gewerkschaft schon<lb/>
ein beträchtliches Ausmass erreicht haben, noch ein finanzieller Zu<lb break="no"/>schuss gewährt. Wie unser Kollektivvertrag für die Industrie heute<lb/>
schon mustergültig ist, wurde auch dieser Sozialplan in Vorarlberg<lb/>
von anderen als Vorbild genommen und bei Stillegungen, wie z.B.<lb/>
bei Höchst Semperitbetrieb nachgestrebt, leider aber nicht voll er<lb break="no"/>reicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_06">Eine breite Diskussion nahm auch die Prämienbezahlung ein. Da wir<lb/>
weitgehend Kollektivverträge-Bezahlung haben, wurde früher durch ent<lb break="no"/>sprechende Überstunden die Verdienste verbessert. Dabei kam es oft zu<lb/>
Ausdehnung der Arbeitszeit, wie z.B. bei den Ausführen von Waren bei<lb/>
Bier. Die Unternehmer haben diese auf den Tachometer verzeichneten<lb/>
Stehzeiten sehr bald erkannt und vorgeschlagen, man soll die Menge,<lb/>
in dem Fall der Brauereien die Hektoliter bestimmen, die einer aus<lb break="no"/>zuführen hat und dafür Prämien geben. Das Ergebnis war, dass nicht<lb/>
mehr bis 20 Uhr Zustellung bei den Wirten dauerte, sondern um 15 Uhr<lb/>
bereits dieselbe Quantität ausgeliefert war. Natürlich kann man sagen,<lb/>
dass die individuelle Betreuung der Wirte jetzt nicht mehr so umfang<lb break="no"/>reich ist, wie früher. Der Bierführer liefert schnell ab und versucht<lb/>
gleich weiterzufahren. Früher hatte er lange Zeit um zu tratschen, viel<lb break="no"/>leicht sogar und nicht nur vielleicht, sondern meistens sogar noch<lb/>
ein Krügerl sich bei jedem Wirt zu genehmigen, was jetzt alles<lb/>
wegfällt. Allerdings sind die Betriebsräte oder zumindestens einige<lb/>
der Meinung, dadurch wird auch auf die Gesundheit der Bierführer nicht<lb/>
mehr so geachtet. Er steht unter einem ständigen Stress und muss<lb/>
ausserdem Schwerstarbeit, abladen usw. in kürzester Zeit durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_07">Die Arbeiter lockt aber die Prämie und sie sind bemüht, mehr noch<lb/>
auszuführen als bisher in einer kürzeren Zeit. Einige waren der Meinung<lb/>
und ich teile diese Auffassung, dass wir heute den Bierführern gar<lb/>
nicht mehr mit Überstunden den Verdienst bringen könnten den sie<lb/>
jetzt haben. Nicht nur die Unternehmer auch die Arbeiter selbst wären<lb/>
nicht mehr bereit in so langer Arbeitszeit, wie dies früher üblich war,<lb/>
ihren Verdienst zu erreichen. Diese tagelangen Diskussionen in solchen<lb/>
Gesamtvorstandssitzungen oder Besprechungen vor einem Gewerkschaftstag<lb/>
haben den grossen Vorteil, dass ich mit Detailproblemen konfrontiert<lb/>
werde. Allzuleicht vergisst man sonst im Trubel der grossen Fragen,<lb/>
die doch auch von einem Minister zu besprechen und vielleicht auch zu<lb/>
lösen sind, dass für den einzelnen Arbeiter eine oder andere Frage,<lb/>
das eine oder andere Problem, das einem sonst als vollkommen un<lb break="no"/>interessant erscheint, von grösster Bedeutung ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_08">Die Verleihung der Staatspreise Gute Form gab mir die Gelegenheit mit<lb/>
der ausgezeichneten EUMIG-Firma, Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__98035">Vockenhuber</rs>, über das<lb/>
Fohnsdorf-Projekt neuerdings zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__98035">Vockenhuber</rs> wird jetzt in<lb/>
Fohnsdorf eine Betriebsstätte nicht mit 300, sondern mit über 500<lb/>
Beschäftigten aufbauen. Dafür habe ich mich bei ihm – und nicht nur<lb/>
wegen der guten Form seiner Produkte – herzlichst bedankt. Die<lb/>
Fulpmeser Genossenschaft wieder, hat eine Hammerzange entwickelt.<lb/>
Wie der Vertreter mir mitteilt, gelingt jetzt schön langsam die Über<lb break="no"/>siedlung aus dem Fremdenverkehrsort Fulpmes in das Industriegelände,<lb/>
welches abseits gelegen ist und von uns auch subventioniert wurde.<lb/>
Aus Dankbarkeit haben sie mir eine Dienstzange, wie sie dies aus<lb break="no"/>drückten – gegeben. Eine aus Plastikrücken mit Stoffaufsatz ent<lb break="no"/>wickelte neue Schultasche wurde ebenfalls prämiert und von Ärzten<lb/>
als besonders tragfähig und günstig bezeichnet. Ich machte nur die<lb/>
Bemerkung, dass die Hauptprobe erst zu bestehen ist, wenn die Buben<lb/>
dann auf den Schultaschen Schlittenfahren werden. Zur Probe hat man mir<lb/>
auch dieses Exemplar geschenkt. <rs type="person" ref="#per__98035">Vockenhuber</rs> wollte mir eine beste<lb/>
Kamera ebenfalls schenken. Als ich dies zwar sehr höflich – aber doch<lb/>
bestimmt ablehnte, hatte ich das Gefühl, dass er ein wenig beleidigt war.<lb/>
Um ihm nicht zu vergrämen, hatte ich dann sofort einen Entschuldigungs-<lb/>
und Erklärungsbrief geschrieben. Die Gute Form wird vom Institut von<lb/>
Formgebung, Architekt <rs type="person" ref="#per__140228">Mang</rs> geleitet. Dieses Institut war in den letzten<lb/>
Jahren in einer furchtbaren finanziellen Situation. Nur durch meine<lb/>
Intervention bei der Handelskammer war es möglich, die notwendigen<lb/>
Mittel für dieses Institut weiter bereitzustellen. Die Überreichung<lb/>
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Ich glaube ausser den paar Ausgezeichneten war überhaupt niemand<lb/>
dort. Besser war es dann bei der Verleihung der Staatspreise für<lb/>
Verpackung. Dort hat als 20. Jahrestag auch gleichzeitig das<lb/>
Institut für Verpackungswesen auf der Welthandel eine Art Festver<lb break="no"/>anstaltung abgehalten. Der Besuch war auch nicht überwältigend, aber<lb/>
es waren wenigstens ein paar Dutzend Leute anwesend. 3 Dutzend<lb/>
allerdings waren allein die Ausgezeichneten. Mir ist nicht erklärlich,<lb/>
wieso diese Veranstaltungen so wenig Echo finden. Wenn auf anderen<lb/>
Gebieten Staatspreise verliehen werden, so nimmt wenigstens die<lb/>
Zeitungen oder der Rundfunk davon Notiz. Bei unseren, im Handels<lb break="no"/>ministerium geschieht gar nichts.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Warum wird dies immer schlechter? Bitte mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_10">Mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> von der VÖEST telefonierte ich wegen der Beschwerde<lb/>
der UdSSR auf Nichtlieferung der Rohre. <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> der dafür zuständig<lb/>
ist – und mich nach Auftrag von <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> sofort dann zurückrief – er<lb break="no"/>klärte, dass die Russen einen furchtbar schlechten Preis bezahlen<lb/>
wollten und heuer schon bezahlt haben. Im Vorjahr waren 370 Dollar<lb/>
die Tonne von den Russen diktiert worden, weil die VÖEST bereits die<lb/>
Rohre bereits verschifft hatte, bevor sie den Preis endgültig fi<lb break="no"/>xierten. Den Preisverfall zahlt die VÖEST jetzt pro Tonne 6.000 Schilling<lb/>
drauf. Der Ausgangspreis hat allerdings der VÖEST einmal einen Super<lb break="no"/>gewinn gebracht. Jetzt hat die VÖEST in Erfahrung bringen können,<lb/>
dass die Sowjets bereit waren, den Italienern 386 Dollar für die Tonne<lb/>
zu bezahlen. Natürlich verlangt sie jetzt mit Recht denselben Preis<lb/>
und nicht ein Konkurrenzoffert der Japaner im Preisvergleich. Die<lb/>
Japaner haben durch ihre Überkapazität scheinbar den Russen Angebote<lb/>
gemacht, die nicht einmal das Material decken. Ich habe <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs><lb/>
sofort von dieser Tatsache verständigt und dieser hat mir zugegeben<lb/>
dass jetzt die sowjetische Seite in Moskau die Preise prüft und wahr<lb break="no"/>scheinlich der VÖEST ein entsprechend akzeptables Angebot machen<lb/>
wird. Damit ist die Intervention <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> und seine Drohung, wenn<lb/>
die VÖEST nicht liefert, würden die Gaslieferungen als Kompensation<lb/>
nach Österreich gefährdet sein, hinfällig. Jetzt liegt der Ball bei<lb/>
den Sowjets.<lb/>
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500 Beschäftigte in Fohnsdorf innerhalb der nächsten Jahre erreichen<lb/>
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VÖEST wird 300 in Zeltweg beschäftigen und 250 werden in Pension<lb/>
gehen. Damit ist die Arbeitssituation in Fohnsdorf entspannt. Die<lb/>
Betriebsräte haben sich nämlich bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wegen der weiten Fahrt<lb/>
nach Donawitz beschwert und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ihnen Recht gegeben. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
sieht darin eine Gefahr, dass mit 1.1.77 nicht mehr der Stillegungs<lb break="no"/>beschluss gefasst werden kann. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> teilt mir auch mit, dass weitere<lb/>
zwei Betriebe darunter ein Montagebetrieb, der entsprechende Grund<lb break="no"/>stücke braucht, jetzt gemeldet haben. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> sofort aufmerksam<lb/>
gemacht, dass man nicht den Fehler machen soll und jetzt EUMIG,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98035">Vockenhuber</rs>, womöglich ein Konkurrenzverhältnis über das Grundstück,<lb/>
das die GKB verkauft, bringen möchte. Einzelheiten über die weiteren<lb/>
Betriebe hat <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> nicht gewusst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte vorsichtig recherchieren um<lb/>
welche Betriebe es sich handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_13">Die Aufträgeeingänge bei der VÖEST für das nächste Jahr, insbesondere<lb/>
Jänner bis März sind sehr schlecht. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> meint, man wird über die Runden<lb/>
kommen, ist aber über die Äusserung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der sich der<lb/>
Euphorie, die jetzt in seinen Betrieben von den Betriebsräten überall<lb/>
gezeigt wurde, sehr froh. Bei der beginnenden Konjunktur, die eine Mengen<lb break="no"/>konjunktur war und ist, haben die Betriebsräte sofort wieder sicher<lb break="no"/>lich auf Druck der Belegschaft entsprechende Forderungen gestellt.<lb/>
Die Ertragslage der VÖEST hat sich aber keinesfalls noch so gut ge<lb break="no"/>bessert. Das Hauptproblem ist nach wie vor, dass vom Linzer Betrieb<lb/>
und Linzer Raum immer mehr Hilfe für die steirischen Betriebe gegeben<lb/>
werden muss. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> meint, wäre es nicht zur Fusionierung gekommen,<lb/>
wäre die Alpine im vergangenen Jahr und heuer in eine furchtbare<lb/>
Situation geschlittert. Seiner Meinung nach wäre es zum Zusperren der<lb/>
meisten Betriebe in der Steiermark gekommen. Die Stillegung von<lb/>
Hüttenberg, das jährlich 15 Mio. Schilling der VÖEST Defizit bringt,<lb/>
muss nicht sofort erfolgen, wohl aber im Laufe der nächsten Jahre.<lb/>
Für 4 Jahre kann noch dort Erz abgebaut werden, wenn auch zu einem<lb/>
nicht annähernd kostendeckenden Preis.<lb/>
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gibt es Schwierigkeiten.<lb/>
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Köflacher Kohlenrevier in der DDR bestellen muss. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> gibt zu, dass<lb/>
dieser Bagger von den Ostdeutschen den Westdeutschen nachgebaut wurde.<lb/>
Da aber die DDR viele Anlagen bei der VÖEST kauft und in Hinkunft<lb/>
sicherlich auch kaufen muss, die DDR ausserdem für ihre Braunkohlebergbau<lb break="no"/>aktivitäten Referenzen braucht, würde ein Nichtbestellen dieses<lb/>
Bagger in der DDR die grössten Komplikationen für die VÖEST mit sich<lb/>
bringen. Der Auftrag wird nur auf die reine Maschine beschränkt sein,<lb/>
40 Mio. Schillinge ungefähr betragen. Die Bänder und was sonst noch<lb/>
alles zum Abbau notwendig ist, wird die VÖEST selbst erzeugen und<lb/>
nicht in der DDR kaufen. Ich versprach <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> diesen Standpunkt,<lb/>
den ich für richtig finde, dem deutschen Botschafter <rs type="person" ref="#per__116687">Grabert</rs> mitzuteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__116687">Grabert</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band33_1976-10-28_17">Durch reinen Zufall sah ich spät abends die Diskussion im Fernsehen<lb/>
Club 2 mit der Frau von <rs type="person" ref="#per__145729">Baldur von Schirach</rs>. Diese hatte über ihre<lb/>
Erlebnisse im Konzentrationslager nach 45 ein Buch geschrieben. Ins<lb break="no"/>besondere hat sie dort einige Erlebnisse auch aus der Nazizeit aufge<lb break="no"/>zeichnet. An die Spitze stellte sie, dass sie nach einer Einkaufstour<lb/>
in Holland feststellen musste, dass dort die Juden in grosser Menge<lb/>
deportiert wurden. Sie meldete sich mit ihrem Mann bei <rs type="person" ref="#per__114126">Hitler</rs>, hielt<lb/>
ohne dass ihr Mann anwesend war, wohl aber davon wusste, <rs type="person" ref="#per__114126">Hitler</rs><lb/>
diese Judendeportation vor. <rs type="person" ref="#per__114126">Hitler</rs> soll sie angeschrien haben,<lb/>
seine deutschen Männer fallen und die Juden würden überleben, sie<lb/>
soll sich nicht dreinmischen, was ich ohne weiteres glaube. Nicht<lb/>
aber nehme ich ihr ab – und auch <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs> sowie der zweite Diskussions<lb break="no"/>teilnehmer, der mein Jahrgang war und scheinbar auch als Jude diese<lb/>
Zeit in Wien mitgemacht hat, dass <rs type="person" ref="#per__145729">Schirach</rs> und auch sie davon nichts<lb/>
vorher schon wussten. <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs> hat mit Recht nachgewiesen, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145729">Schirach</rs> noch <rs type="person" ref="#per__114126">Hitler</rs> meldete, 50.000 Juden sind noch immer in Wien.<lb/>
Natürlich hat Frau <rs type="person" ref="#per__145730">Schirach</rs>, die dort, wenn ich mich nicht täusche,<lb/>
etliche sehr harte Getränke während der Aufzeichnung resp. Livesendung<lb/>
zu sich nahm, aggressivst gleich von allem Anfang geantwortet. Man<lb/>
soll nicht über die Konzentrationslager der Nazi allein reden, sondern<lb/>
auch die, die nachher waren, und die es jetzt noch gibt. Man<lb/>
soll nicht über Krieg und über das Fallen der Menschen und Morden der<lb/>
Menschen von damals reden, sondern auch von heute. Die Diskussion dauerte<lb/>
bis nach Mitternacht, war aber wenig ergiebig. Frau von <rs type="person" ref="#per__145730">Schirach</rs> kam<lb/>
sich wie eine Angeklagte vor, wie sie immer wieder betonte, die drei<lb/>
<pb n="33-1212" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band33/33_1976-10-28_1212.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>männlichen Diskussionsteilnehmer waren in einer hoffnungslosen<lb/>
Verteidigungsstellung, da sie immer von etwas anderem sprach und selbst<lb/>
immer sofort attackierte. Gott sei Dank war diese Sendung sehr spät<lb/>
abends, ich nehme nicht an, dass sie viele gesehen haben, und<lb/>
hoffe, dass es nicht jetzt noch eine richtige Propaganda für ihr<lb/>
Buch wird. Natürlich weiss <rs type="person" ref="#per__145729">Schirachs</rs> Frau sehr viel, ist aber nicht<lb/>
bereit zu reden. <rs type="person" ref="#per__127760">Lingens</rs> hat mit Recht gesagt, wenn sie ein so<lb/>
politisches Buch schreibt, dann muss sie auch gewärtig sein, dass<lb/>
sie über die Politik dieser Zeit und ihres Buches befragt wird.<lb/>
Sie aber meinte, fast jede interessante Frage, soweit sie sie überhaupt<lb/>
stellen liess, was soll ich dazu sagen und sagte nichts. Über den<lb/>
Wert dieser Sendung möchte ich auch nur eines sagen, nämlich nichts.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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