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            <title type="main">Donnerstag, der 30. September 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_01">Donnerstag, 30. September 1976<lb/>
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können, die Preisregelung für Futtergetreide doch noch zu er<lb break="no"/>lassen. Ich erkläre ihm, dass wir vorerst die Frage der Getreide<lb break="no"/>versorgung also das neue Getreidekonzept besprechen müssten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> ist mit der Lösung einverstanden, dass wir nur die Preis<lb break="no"/>regelung für Hafer des Vorjahres aufheben, damit die Importe,<lb/>
die wesentlich teurer sind, getätigt werden können. Ich infor<lb break="no"/>miere sofort <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, der versucht, nachmittags eine<lb/>
Preiskommission einzuberufen und diesen Vorschlag durchzusetzen.<lb/>
Sowohl das Landwirtschaftsministerium als auch das Finanzmini<lb break="no"/>sterium, die einer solchen Lösung zustimmen müssten, verweigern<lb/>
diese. weil sie keine diesbezügliche Weisung ihrer Minister<lb/>
hätten. Ich vereinbare mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, dass sie neuerdings<lb/>
eine Sitzung einberufen sollen, an der ich teilnehmen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_03">GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> von der Girozentrale möchte wissen ob ich persönlich<lb/>
für eine Autoerzeugung in Österreich eintrete. Er meint, dass<lb/>
die VÖEST-Alpine und Ranshofen ihre Bleche und Aluminiumprodukte<lb/>
leichter verkaufen könnten, wenn diese in PKW in Österreich<lb/>
verwendet werden. Ich frage ihn sofort und wer dann die verhältnis<lb break="no"/>mässig sicherlich sehr teuer erzeugten Autos kaufen würde. Meiner<lb/>
Meinung nach ist es besser, Alu- und Stahlblech gelegentlich auf<lb/>
Vorrat zu produzieren oder gegebenenfalls billigst zu exportieren<lb/>
als daraus Autos zu erzeugen, die man überhaupt schwer verkaufen<lb/>
wird können. Ich gebe aber zu, dass ich vorerst die Studie,<lb/>
die jetzt die ÖIAG anstellt, genau studieren möchte.Das Sulfatpro<lb break="no"/>jekt<add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> kommt nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuths</rs> auf alle Fälle zustande,<lb/>
wenn auch nicht unbedingt in dem Finanzkonzept von <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs><lb/>
sondern gegebenenfalls durch andere Kapitalträger. Ich bin<lb/>
genauso dieser Meinung, da früher oder später Sulfat auf<lb/>
alle Fälle Sulfitzellstoff verdrängen wird. Da dieses Werk in<lb/>
Ostösterreich errichtet wird, wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz besonders sich<lb/>
dafür einsetzen. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> ist sehr beruhigt zu erfahren, dass<lb/>
Gen.Dir.-Stv. <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> von der Verbundgesellschaft gekündigt werden<lb/>
soll, damit sein Vertrag sich nicht automatisch verlängert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> teilt auch meine Meinung, dass zur Rationalisierung<lb/>
ebenfalls Vorstände reduziert werden sollen und nicht nur<lb/>
Aufsichtsräte, die ich in der letzten Zeit teilweise sehr erfolg<lb break="no"/>reich im Elektrizitätssektor reduzieren konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_04"><rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> teilt mir mit, dass Abg. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> ihn angerufen hat<lb/>
und fragte, ob es stimmt, dass <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> gekündigt werden soll.<lb/>
Er hat erfahren, dass bei einer Betriebsrätebesprechung <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> dies<lb break="no"/>bezügliche Mitteilungen machte, Ich informierte <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> über die<lb/>
Aussprache mit Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, wo mich dieser ebenfalls um meine<lb/>
Stellungnahme fragte. Meine Argumentation ist und bleibt, dass<lb/>
die dafür zuständigen Organe in ihrem Wirkungsbereich, d.h. der<lb/>
Aufsichtsrat, ihre Beschlüsse zu fassen haben, ich wurde nur gefragt,<lb/>
ob ich eine solche Politik für richtig halte. Nicht die ÖVP aus<lb/>
Positionen zu verdrängen, sondern die Rationalisierung mit allen<lb/>
Möglichkeiten auszuschöpfen, ist meine Grundsatzstellungnahme.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> nimmt an, dass wir in diesem Fall mit der ÖVP einen<lb/>
offenen Krieg im Parlament führen werden müssen. Auch dies schreckt<lb/>
mich nicht ab, den Beschluss der Betriebsräte und Aufsichtsrats<lb break="no"/>fraktion in der Verbund, <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs> zu kündigen, damit nicht der<lb/>
Vertrag automatisch weiterläuft, zu decken. Zu Verhandlungen haben<lb/>
wir dann noch ein halbes Jahr Zeit, nicht um den Vertrag <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs><lb/>
zu verlängern, sondern um die weitere Konzeption, wenn möglich<lb/>
mit der ÖVP festzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_05">Die Firma Yoshida wird eine eigene Produktion von Reissverschlüssen<lb/>
im Burgenland aufziehen. Jetzt hat sie die Generalvertretung<lb/>
der Importe von der Fa. Schoeller weggenommen und importiert<lb/>
selbst. <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> hat 5,9 Mill. aus Japan bezogen, die andere<lb/>
Hälfte aus den Niederlanden, BRD, Belgien usw. Dort hat, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs> von der Aussenstelle sehr richtig erklärte, auch jetzt<lb/>
die Fa. Yoshida die Möglichkeit, jede Reissverschlussmenge hereinzu<lb break="no"/>bringen. Scheinbar sind aber dort die Produktionskapazitäten ausge<lb break="no"/>lastet und die Firma möchte daher aus Japan mehr importieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114663">Fischer</rs> konnte ihnen nachweisen, dass sie anstelle der 5,9 Mill.<lb/>
jetzt 11,3 Mill. bekommen haben, ausserdem ein Lager von Schoeller<lb/>
mit 1 Mill. übernommen haben. Wir einigten uns dahingehend, dass<lb/>
wir das nächste Halbjahr 1977 eine gewisse zusätzliche Menge bereit<lb/>
stellen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_06">Bei der Unterzeichnung der Verträge mit Rumänien gab es eine lustige<lb/>
und ein wenig konfuse Situation. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte zuerst das Memo<lb break="no"/>randum nicht unterschreiben und die Rumänen, insbesondere <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs>, waren<lb/>
entsetzt. Ich habe dann mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch einmal gesprochen und<lb/>
er meinte, dann sollen halt wir beide gemeinsam unterfertigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_07">Natürlich waren die Memoranden in dieser Richtung überhaupt<lb/>
nicht vorbereitet. Ich habe deshalb die letzte Seite genommen<lb/>
und die entsprechenden Unterschriften von <rs type="person" ref="#per__118308">Manescu</rs>, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und<lb/>
letzten Endes dann auch von mir daraufgesetzt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
Du machst jetzt auch schon die Assistenz bei Vertragsunterzeichnung.<lb/>
Wenn ich mir vorstelle, dass <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> noch anwesend gewesen wäre,<lb/>
der ja in dieser Frage immer sehr pedant<add>[isch]</add> ist, dann bin ich<lb/>
überzeugt, er hätte einen Herzinfarkt bekommen. <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> aber hat<lb/>
hier wirklich Grosses geleistet und in stiller und leiser Art<lb/>
viel vorbereitet. Am meisten aber hat mir imponiert, dass als man<lb/>
ihm dafür eine Sonderentschädigung in Aussicht stellte, er meinte,<lb/>
er hätte nur seine Pflicht getan.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte den <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> unter allen Umständen eine<lb/>
Auszeichnung, gegebenenfalls einen Orden zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_09">Das Reisebüro Alda (<rs type="person" ref="#per__136689">Smolka</rs> ersuchte mich es zu eröffnen) ist in<lb/>
einem Neubau am Reumannplatz. Die drei Beschäftigten kommen von der<lb/>
Ruefa und haben wesentlich bessere Bedingungen in ihrem neuen Job.<lb/>
Ob dieses Reisebüro dort florieren wird, weiss ich nicht, die Lage<lb/>
ist günstig, aber derzeit noch eine richtige Baustelle, sodass ich<lb/>
nicht einmal hingefunden habe. Abgesehen von der Intervention<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und anderer, die mich ersuchten, dieses Reisebüro zu eröffnen<lb/>
ist es glaube ich ganz gut, wenn ich nicht immer nur ganz grosse<lb/>
Betriebe und Handelsgeschäfte eröffne sondern wirklich auch einmal<lb/>
ausgesprochen kleine.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_10">Die AEZ-Diskussion hat diesmal wieder ganz einen anderen Charakter ge<lb break="no"/>habt. Zu meiner grössten Verwunderung wurde nicht ich hart attackiert,<lb/>
sondern die Sozialpartnerschaft <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> usw. Man glaubt, dass die<lb/>
Arbeiter durch die gebremste Lohnpolitik Nachteile erleiden. Ins<lb break="no"/>besondere waren Bauarbeiter dort, die keine gute Konjunktur<lb/>
haben, deshalb weniger Prämien bekommen und dadurch entsprechende Ein<lb break="no"/>kommenseinbussen erleiden. Ein Bauarbeiter aus dem Burgenland, der<lb/>
bei der Montagebau arbeitet, schilderte mir, wie er 20 % deshalb<lb/>
verloren hat, weil die Wienerberger, die die Montagebau übernommen<lb/>
haben, die Prämie ganz einfach gestrichen haben. Er meinte nach,<lb/>
die Betriebsräte hätten dem zugestimmt, was richtig ist, weil nämlich<lb/>
ansonsten die Wienerberger den Bauring-Betrieb Montagebau gar nicht<lb/>
übernommen hätten. Bei den Angestellten meinte er, sei aber keiner<lb break="no"/>lei Kürzung vorgenommen worden. Dieser Mann war scheinbar sehr<lb/>
verbittert, denn er sprach davon, dass man mit den Hungerlöhnen sich<lb/>
<pb n="32-1071" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-30_1071.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nichts leisten könne, die breite Masse auch kein Fernsehen,<lb/>
keinen Urlaub, kein Auto usw. hat. Natürlich sprechen dagegen alle<lb/>
Ziffern und Statistiken. Ich erörterte, dass es 1,7 Mill. PKW<lb/>
gibt, fast so viele Fernsehempfänger, 22 Mia. S Devisen ausgegeben wur<lb break="no"/>den im Ausland, 25 Mill. Übernachtungen in Österreich von Inländern<lb/>
festgestellt werden usw. Einige Diskussionsteilnehmer meinten, ich<lb/>
sollte nicht immer zulassen, dass die Regierung so attackiert<lb/>
wird, denn noch niemals ist es den Arbeitern so gut gegangen,<lb/>
wie jetzt. Selbstverständlich erkläre ich immer wieder, dass mich<lb/>
eine solche Äusserung freut, aber in einer Demokratie es eben<lb/>
üblich ist, dass man die Kritik immer mehr hört, als das Positive.<lb/>
Trotzdem sind wir alle froh, in dieser Regierungsform zu leben.<lb/>
Der Bauarbeiter begleitete mich nach Schluss der Diskussion, meinte<lb/>
nur, er sei ja auch ein Sozi aber die Politiker lügen scheinbar die<lb/>
Bevölkerung an. Ich sagte ihm auf den Kopf zu, weil wir bei einem<lb/>
Auto vorübergingen und er dann nicht mehr weitergehen wollte, dass<lb/>
dies wahrscheinlich sein Auto ist, was er auch zugab. Gleichzeitig<lb/>
sagte er, dass er im Winter selbstverständlich auf Urlaub fährt.<lb/>
Wir schieden also ganz versöhnt, in der Diskussion hat es aber<lb/>
sicherlich den Eindruck gegeben, in welch schlechter finanzieller<lb/>
und materieller Position sich der Mann befindet. Trotzdem werde<lb/>
ich diese Passagendiskussionen fortsetzen. Da ich sie nicht vorher<lb/>
ankündige und auch nicht regelmässig an gewissen Tagen mache, hat<lb/>
es den Vorteil, dass die KP oder sonstige Kreise nicht eine konzen<lb break="no"/>trierte Gegenaktion starten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte nächste Termine womöglich jetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_12">Beim Empfang der Fa. Philips für Präs. <rs type="person" ref="#per__145308">Riemsdijk</rs> erfuhr ich zwei<lb/>
wichtige Einzelheiten. Der Generaldirektor von Philips für Öster<lb break="no"/>reich, <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs>, teilte mir mit, dass durch die gute Lösung der Farb<lb break="no"/>fernsehröhren-Zölle, die Holländer jetzt beschlossen haben, die<lb/>
Produktion von 400.000 Stück auf 500.000 Stück zu erhöhen. Der<lb/>
Finanzdirektor von Philips, <rs type="person" ref="#per__133255">Ettl</rs>, erklärte mir, dass die Erhöhung<lb/>
der Vermögenssteuer dem Konzern ca. 10 Mill. S mindestens wahrschein<lb break="no"/>lich aber 15 Mill. kosten wird. Dies war in der Finanzplanung nicht<lb/>
vorgesehen und gibt deshalb grosse Schwierigkeiten auch für Philips.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, bei dem sie vorgesprochen haben, hat ihnen aber zugesichert,<lb/>
als Kompensation bei den Exportförderungskrediten entsprechend ent<lb break="no"/>sprechend entgegenzukommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> soll sich über die<lb/>
Steuerbelastungen informieren und entsprechend referieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_14">Beim Abschiedsessen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> für die scheidenden Bundesregierungs<lb break="no"/>mitglieder musste ich feststellen, dass <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> noch immer sehr<lb/>
verärgert ist, weil man ihm ja offiziell niemals gesagt hat oder<lb/>
auch niemals mit ihm geredet hat, wann seine Ministerzeit zu Ende<lb/>
geht. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> war ja bereit, unmittelbar nach der letzten Wahl sofort zu<lb break="no"/>rückzulegen. Was ihn nur ärgert, und dies mit Recht, ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
niemals mit ihm darüber gesprochen hat sondern er dies aus den<lb/>
Zeitungen erfahren musste. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der dies scheinbar auch fühlte,<lb/>
hielt dann eine sehr schöne Abschiedsrede an <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs>.<lb/>
Die Erwiderungen der drei waren typisch. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> reagierte, indem er<lb/>
meinte, man erzähle bei solchen Gelegenheiten immer nur<lb/>
die guten und schönen Sachen, er hätte aber einmal, als er für <rs type="person" ref="#per__145631">Hille<lb break="no"/>geist</rs> eine solche Laudatio halten musste, auch seine Schwächen ge<lb break="no"/>sagt. <rs type="person" ref="#per__145631">Hillegeist</rs> hätte dann sich dieses Band immer wieder vorge<lb break="no"/>spielt und war sehr beeindruckt von <rs type="person" ref="#per__97525">Häusers</rs> offenen Worten, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
meinte zum Schluss, ich danke Dir <rs type="person" ref="#per__97668">Bruno</rs>, dass Du mir diese Gelegenheit<lb/>
der Arbeit gegeben hast, <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dagegen war ganz auf Herr Bundeskanzler<lb/>
eingestellt, erzählte, weshalb ihn die Arbeit besonders freute<lb/>
und was er alles geleistet hat. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> dagegen, und das war typisch,<lb/>
meinte, er hätte ja überhaupt nur deshalb angenommen, weil ihn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mit zwei Argumenten überzeugt hätte, erstens sagte er, als er Bedenken<lb/>
äusserte, dann müsste sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eventuell um einen Aussenstehenden<lb/>
umsehen für den Generalsekretär und, wie <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> selbst sagte, nicht<lb/>
Beamten, sondern Diplomaten, war eine solche versteckte Drohung ein<lb/>
Grund sich seine Ablehnung noch einmal zu überlegen. Zweitens hatte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihm gesagt, er wisse ja noch gar nicht, ob der Parteivorstand<lb/>
seinen Vorschlag überhaupt akzeptieren würde Hier brach ein allgemeines<lb/>
Gelächter aus, weil jeder weiss und wusste, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbstver<lb break="no"/>ständlich seine Minister ganz allein auswählt, wohl vorher in klein<lb break="no"/>stem Kreis bespricht, wenn er aber ins Präsidium geht, dann schon<lb/>
genau weiss, den will ich und den muss ich auch kriegen. Von den<lb/>
Neuen war glaube ich <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> und <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> sehr überrascht, wie freundschaft<lb break="no"/>lich sie aufgenommen wurden. Insbesondere hatte <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> unsere Genos<lb break="no"/>sinnen ersucht, womöglich gleich mit ihm per Du zu sein, was ihn sehr<lb/>
überraschte. Ich selbst erkundigte mich nur bei <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs>, ob <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
Gewerkschaftsmitglied ist, was dieser nicht wusste, aber wahrschein<lb break="no"/>lich nicht der Fall sein wird. Ich kündigte daher sofort an, ich<lb/>
werde ihn organisieren, so wie ich dies auch bei <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> tat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte sofort eine Beitrittserklärung für<add>[die]</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-30_16">In vorgerückter Stunde erzählte dann <rs type="person" ref="#per__97632">Krichschläger</rs>, wie er von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als Minister geworben wurde. Er erreichte ihn telefonisch<lb/>
in Brünn und fragte, ob er dieses Amt übernehmen würde. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
meinte, er müsse es sich überlegen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> antwortet darauf, er<lb/>
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Journalisten dürften schon etwas wissen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sagte<lb/>
also mehr oder minder gleich zu und musste dann erfahren, dass<lb/>
es bereits im Fernsehen um 10 Uhr dann gesendet wurde Zeit zum<lb/>
Überlegen hat er wirklich nicht lange gehabt. Trotzdem muss<lb/>
ich feststellen, waren die alle noch besser dran, weil<lb/>
sie wurden wenigstens gefragt. Bei mir war es ja so, dass<lb/>
ich überhaupt erst vom Fernsehen erfuhr, dass ich Minister wurde.<lb/>
Allerdings muss ich zugeben, hätte mich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gefragt,<lb/>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
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               <persName><surname>Manescu</surname><forename>Manea</forename></persName>
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               <persName type="label">Lehner, Hans</persName>
               <persName><surname>Lehner</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Sachs, Johann</persName>
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               <persName type="label">Ettl, Theobald</persName>
               <persName><surname>Ettl</surname><forename>Theobald</forename></persName>
               <occupation>Finanzreferent von Philips</occupation>
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               <persName type="label">Kurzel-Runtscheiner, Oswald</persName>
               <persName><surname>Kurzel-Runtscheiner</surname><forename>Oswald</forename></persName>
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               <persName type="label">Müller, Gustav</persName>
               <persName><surname>Müller</surname><forename>Gustav</forename></persName>
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               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
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               <occupation>Inh. Fa. Tyrolia [Skibindungen; 1971 offenbar verkauft]</occupation>
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