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            <title type="main">Freitag, der 24. September 1976 bis Sonntag, der 26. September 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_01">Freitag, 24. September, bis Sonntag, 26. September 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_02">Bei der Eröffnung der <choice><choice><sic>Souvenir- und crea-Tisch Messe</sic><corr>Souvenirmesse "Crea-Tisch"</corr></choice></choice> im Ausstellungs<lb break="no"/>zentrum Salzburg fiel mir auf, dass die Aussteller verhältnismässig<lb/>
sehr jung sind. Der Aussteller <rs type="person" ref="#per__134043">Hennhapl</rs> erklärt dies, dass nach Salz<lb break="no"/>burg weniger die sterbenden alten Firmen, sondern die jungen Unterneh<lb break="no"/>mer kommen, die oft gar nicht Gelegenheit haben, bei den traditionelle<lb/>
Messen auszustellen. <rs type="person" ref="#per__134043">Hennhapl</rs> meint, dass er sich als Ausstellungsorgani<lb break="no"/>sator durchgesetzt hat und er solange mit den anderen Messen keinen<lb/>
guten Kontakt haben wird, als diese insbesondere die Wiener Messer<lb/>
nur mit dem Ausstellungszentrum nicht mit den Organisatoren verhandeln<lb/>
wollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Nimm bitte gelegentlich Kontakt mit den Organisa<lb break="no"/>toren auf.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_04"><rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> organisierte im letzten Moment noch ein Pressegespräch. Dies<lb/>
war verhältnismässig gut besucht, ich glaube weil es insbesondere die<lb/>
Kontaktleute selbst organisiert haben. Wenn nämlich die Messe dahinter<lb break="no"/>steht, dann ist dies möglich, wie Graz, Dornbirn und jetzt Salzburg<lb/>
bewiesen, doch ein Messegespräch zustande zu bringen. Wenn dies wie<lb/>
in Innsbruck so geschieht, dass die Messeleitung nichts dazu beiträgt,<lb/>
dann ist es eine reine Pleite. Da ich aber im Prinzip immer mit jeden<lb/>
Messebesuch in einem Bundesland ein Pressegespräch verbinden will,<lb/>
wird es vielleicht zweckmässig sein, sich die akkreditierten Messe<lb break="no"/>journalisten vorher geben zu lassen und dann wenn dies genug sind,<lb/>
die Messeleitung auch in Innsbruck zu verpflichten, ein entsprechendes<lb/>
Messegespräch zu organisieren. Als Zuckerl könnte man noch vorschlagen<lb/>
dass auch der Präsident der Messe – in Innsbruck wäre es der Landesrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> – gemeinsam mit mir das Pressegespräch führen sollte. Die<lb/>
beste Zeit wäre unmittelbar nach der Eröffnung und einem kurzen Durch<lb break="no"/>gang vor dem Buffet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Überlege Dir dies für das nächste Mal.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_06">Die Verleihung Staatswappenführung an<add>[die]</add> Röhren- und Metallwerke Hall in Tirol<lb/>
war von dem Stadtrat der ÖVP und Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__137923">Seykora</rs> gross aufge<lb break="no"/>zogen. Das Werk war vor 2 Jahren fast zum<add>vor dem</add> Zusperren. Ein neues Unter<lb break="no"/>nehmenskonzept, insbesondere eine starke Exporttätigkeit hat es jetzt<lb/>
aus den roten Ziffern rausgeführt. Bei einem Umsatz von 420 Mio. werden<lb/>
200 exportiert, hauptsächlich auch nach dem Nahen Osten. Statt des<lb/>
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waren, da ein Grossteil der Belegschaft Türken und Jugoslawen sind.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> war über die Arbeitsverhältnisse, obwohl es sich um eine ganz<lb/>
gut eingerichtete Giesserei gehandelt hat, sehr erschüttert. Für ihn<lb/>
war es eine Erklärung, dass diese Arbeiter nach Schluss nicht mehr das<lb/>
Interesse haben an Parteiveranstaltungen oder sonstigen Aktivitäten<lb/>
teilzunehmen. Der technische Direktor, welcher die Reorganisation des<lb/>
Betriebs eingeleitet hat und auch dazu beiträgt, dass der Betrieb<lb/>
jetzt aus den roten Zahlen rausgekommen ist, erklärte mir, sie bezahlen<lb/>
im Durchschnitt 52.– Schilling Stundenlohn. Trotzdem bräuchten sie noch<lb/>
Arbeiter. <rs type="person" ref="#per__137923">Seykora</rs> hat sich mit den Kupferbergbau Mitterberg ins Salz<lb break="no"/>burg bemüht von dort Arbeitskräfte zu bekommen. Jetzt schickt er den<lb/>
Betriebsrat, weil er hofft, dass dieser erfolgreicher ist. Ich habe<lb/>
mit den Betriebsratsmitgliedern dann verhandelt und ihnen auseinander<lb break="no"/>gesetzt, dass wir beschlossen haben, Arbeiter die vor Schliessung der<lb/>
Kupferhütte einen anderen Arbeitsplatz annehmen, trotzdem die volle<lb/>
Abfertigung und Stillegungsprämie bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte prüfe ob noch andere Arbeitsmöglichkeiten<lb/>
für die Kupferbergleute bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_08">Der Innungsmeister der Zimmermeister <rs type="person" ref="#per__145643">Thurner</rs> hat sich bei mir bitter<lb/>
beschwert, dass der Pfusch in Tirol so stark ist. Er erwartet von mir<lb/>
entsprechende Massnahmen. Ich hatte ihm nur zugesagt mit Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116957">Menardi</rs> und den Kammeramtsdirektor von der Handelskammer Tirol zu<lb/>
sprechen. Beide teilten mir dann mit, dass vor etlichen Jahren das<lb/>
Handelsministerium einen Pfuschererlass herausgegeben hat, wo strenges<lb/>
Durchgreifen verlangt wurde. Der Erfolg war minimal. Landesrat <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs><lb/>
hat mir dann bei diesen Gespräch – und die Handelskammer bestätigte es –<lb/>
mitgeteilt, dass es sich in Tirol hauptsächlich um Nachbarschaftshilfe<lb/>
handelt, und dass selbst die Gewerbetreibenden sich gegenseitig aushelfen.<lb/>
Ein Durchgreifen wird von allen dreien entschieden abgelehnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_10">Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__145644">Strobl</rs> aus Wörgl braucht für sein Hallenbad, das statt<lb/>
24,7 Mio. 26,5 Mio. kostet, mindestens die 1,334.000.– Bis jetzt sind<lb/>
ihm nur 429.000 zugesagt und noch nicht ausbezahlt. Laut Richtlinien<lb/>
könnte er 5–10 % bekommen. Er rechnet mit mindestens 8 %.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Du siehst, wie Prozentrichtlinien Hoffnungen er<lb break="no"/>wecken, die wir nicht erfüllen können.<lb/>
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unterschiedlich besucht. In Hall waren wenigstens einige ÖVP-Gewerbe<lb break="no"/>treibende, in Zirl nur einer, interessanterweise der Bruder unseres<lb/>
Lokalorganisationsobmann. Dieser interessierte sich wieso Versicherun<lb break="no"/>gen bei Sägewerke, wenn diese z.B. 1 Mio. Schilling versichert ist<lb/>
und die Prämie nicht alle Jahre den Wertsteigerungen angepasst wird,<lb/>
dann als Unterversicherung nicht einmal die Versicherungssumme auf den<lb/>
vereinbarten Betrag ausbezahlen.<lb/>
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Sägewerk Zirl, Mühlgasse 16, mitteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_14">Auf der Hungerburg waren die Bodensee-Internationale der Bau- und Holz<lb break="no"/>arbeiter aus Deutschland der Schweiz und Vorarlberg und Tirol hatte<lb/>
Präsident der Arbeiterkammer <rs type="person" ref="#per__112938">Gruber</rs>, ein Bauarbeiterfunktionär, sie einge<lb break="no"/>laden. Natürlich diskutierte ich mit ihnen bis spät in die Nacht und<lb/>
es rannte der Wiener Schmäh. Da es sich um verhältnismässig kleine<lb/>
Funktionäre handelte, waren sie natürlich überrascht, dass ein Minister<lb/>
sich so lange mit ihnen unterhielt. <rs type="person" ref="#per__127177">Papacek</rs> erzählt mir dann nach dem<lb/>
zweiten Abend, wo er auch daran teilnahm, dass selbst die Schweizer<lb/>
sehr verwundert waren. Lieber als diese gesellschaftlichen Unterhaltungen<lb/>
die natürlich auch mit Informationen über die Wahlsituation verbunden<lb/>
waren, wäre mir allerdings gewesen, ich hätte Gelegenheit gehabt dort<lb/>
ein kleines Referat zu halten, wie dies immer in Graz geschieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte wenn möglich mit der Arbeiterkammer für die<lb/>
nächste Innsbrucker Messeeröffnung schon ein entsprechendes Programm am<lb/>
Vorabend auf der Hungerburg vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_16">Die Messeeröffnung in Innsbruck war wie üblich. Diesmal hat aber <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs><lb/>
überhaupt nicht angegriffen, sondern sich nur bitter beschwert, dass<lb/>
im Neuen Forum <rs type="person" ref="#per__97777">Günther Nenning</rs> einen furchtbaren Artikel scheinbar wieder<lb/>
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einmal, wie es dort drinnen stehen soll, fast umbringen möchte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> verlangte von mir eine Erklärung, ob und wie wir zu<lb/>
der Leistung der Unternehmer stehen. Ich erklärte sofort, dass die<lb/>
Bundesregierung, ja das ganze österreichische Volk, 97 %, unser<lb/>
Wirtschaftssystems bejahen. Dieses oll reformiert, verbessert, aber<lb/>
keineswegs abgeschafft werden. Da ich mich auf der Fremdenverkehrs<lb break="no"/>messe Innsbruck natürlich mit dem Fremdenverkehr besonders ausein<lb break="no"/>andersetzte, wies ich darauf hin, wenn die Tendenz 1950 5 Mill. Aus<lb break="no"/>länderübernachtungen, 1975 80 Mill., so weiterginge, müssten im<lb/>
Jahre 2000 780 Mill. Übernachtungen, d.h. fast halb Europa in Öster<lb break="no"/>reich Urlaub gewähren. Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> kam nachher zu mir und bedankte<lb/>
sich, dass ich endlich gegen diesen Wachstumsfetischismus aufgetreten<lb/>
bin. Mein Hauptpunkt des Referates war aber das Tiroler Memorandum<lb/>
des LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs>. Dieser hat – wie mir <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> bestätigte – nicht nur<lb/>
die Sozialisten, <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> z.B., gefragt, sondern auch die ÖVP-Landesräte<lb/>
hatten keine Ahnung davon. Er hat es ihnen genauso zugeschickt, wie<lb/>
es bereits bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> deponiert war. Ich ging auf seine Wünsche be<lb break="no"/>züglich der Energieversorgung und Förderung von Handel, Gewerbe und<lb/>
Industrie ins kleinste Detail ein. Im Prinzip konnte ich überall Zusagen<lb/>
machen, dass wir die Elektrizitätsorganisation nicht zerstören wollen,<lb/>
dass wir die Tiwag zum Ausbau der Tiroler Wasserkräfte Sellrain-Silz<lb/>
und Osttirol heranziehen werden, dass nach gewissenhaftester Prüfung<lb/>
der auch von seinem Referat behandelte Strompreisantrag früher oder<lb/>
später, wenn auch nicht in der gewünschten Höhe, erledigt wird.<lb/>
Dass wir entsprechende Vorkehrungen treffen werden, um weiterhin die<lb/>
Tiroler Wirtschaft zu fördern. Ich konnte auf Grund von Unterlagen, die<lb/>
ich diesmal ziffernmässig bekommen hatte, nachweisen, dass wir für<lb/>
Tirol am meisten eigentlich aufgewendet haben. Durch den starken Antrag<lb/>
bei der Bürges ist aber die Heraufsetzung von 2,5 Mill. S Höchstgrenze<lb/>
für einen Kredit auf 4 Mill., die jetzt nun in Sonderfällen möglich<lb/>
sind, auf generell auszudehnen, unter gar keinen Umständen möglich.<lb/>
Da ich auf dem Standpunkt stehe, es ist besser allen ein wenig zu<lb/>
geben, als vielleicht dann, wenn der Antrag weiter so anhält und<lb/>
die finanziellen Mittel dafür nicht ausreichen, <choice><choice><sic>Wenigeren</sic><corr>wenigen</corr></choice></choice> mehr zu geben.<lb/>
Dies habe ich auch mit aller Deutlichkeit gesagt. <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> hat<lb/>
fleissig mitgeschrieben und mir dann mitgeteilt, dass er mit der Vor<lb break="no"/>gangsweise sehr einverstanden ist und sehr erstaunt, dass ich dies<lb/>
so genau gelesen habe. Ich andererseits teilte ihm mit, dass dieses<lb/>
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von der Landesregierung gesehen, worüber er nur herzlich lachte.<lb/>
Spasseshalber sagte ich zu ihm, warum soll es den Landesregierungen<lb/>
in Tirol besser gehen bei <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> als der Bundesregierung manchmal<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_17">Beim Referat in der Landeskonferenz der Lebensmittelarbeiter war nur<lb/>
ein einziger Diskussionsbeitrag für mich sehr interessant. Ein<lb/>
ETAP-Bäcker<add>[?]</add> fragte ganz kurz, hast Du jetzt als Gewerkschaftsboss<lb/>
gesprochen oder als Minister. Für mich war diese Frage deshalb so<lb/>
wichtig, weil sie in Wirklichkeit ganz etwas anderes ausdrücken<lb/>
sollte. Der Kollege hatte sicherlich das unbestimmte Gefühl, dass<lb/>
ich jetzt als Regierungsmitglied die Lebensmittelarbeiter entsprechend<lb/>
bremste. In meinem Schlusswort wiederholte ich deshalb was ich bei<lb/>
der Regierungsübernahme 1970 bei der erstbesten Gelegenheit unseren<lb/>
Funktionären sagte und versicherte. Wenn ich einmal in ein Dilemma<lb/>
käme, wo Interessen der Lebensmittelarbeiter gegen die Interessen der<lb/>
Regierung wären, würde ich sofort die Konsequenz dahingehend ziehen,<lb/>
mein Mandat als Minister zurückzulegen. In den ganzen 7 Jahren<lb/>
bin ich wirklich noch niemals in ein Entscheidungsdilemma gekommen.<lb/>
Niemand behauptet auch, dass ich jemals die Lebensmittelarbeiter<lb/>
in irgendeiner Weise <choice><choice><sic>gebramt</sic><corr>?</corr></choice></choice> hätte. Ganz im Gegenteil, wird immer<lb/>
wieder von der anderen Seite gesagt, dass wir viel zu aggressiv,<lb/>
ja eigentlich viel zu viel verlangen und letzten Endes auch durchsetzen.<lb/>
Die Frage ist daher auch seit damals noch niemals an mich gestellt wor<lb break="no"/>den. Erst jetzt in Tirol ist mir dies wieder passiert. Ich bin dem<lb/>
Kollegen darüber gar nicht bös, sondern ganz im Gegenteil, sehr froh,<lb/>
dass er mich auf dieses Problem wieder aufmerksam gemacht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_18">Beim Rundgang durch die Messe war ich auch auf einen anderen Kollegen<lb/>
nicht bös, wie dieser glaubte. Im Vorjahr hat mich ein Angestellter<lb/>
der Kaffeefirma Praxmarer prophezeit, das nächste Jahr werde ich be<lb break="no"/>stimmt nicht mehr die Innsbrucker Messe eröffnen. Er rechnete fest<lb/>
damit, dass im Oktober die ÖVP gewinnt. Er hatte sogar angeblich<lb/>
mit mir um 1.000 S gewettet. Das letztere kann nicht stimmen, weil<lb/>
ich sicherlich nur – wenn überhaupt – um Milch wette. Die ganze<lb/>
Angelegenheit hatte ich längst vergessen. Er aber hat scheinbar dies<lb/>
überall herumerzählt, kam jetzt ganz zerknirscht und meinte, ob<lb/>
ich ihm böse sei. Genau das Gegenteil, es gab eine Mordshetz und<lb/>
selbst der Abt, der immer bei der Eröffnung dabei ist und mit mir<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_19">Die Innsbrucker Schützengesellschaft hatte den Bronze-Medaillen-Olympia-<lb/>
Sieger von München und Montreal zur Siegerehrung gebeten und mit Bürger<lb break="no"/>meister <rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> besichtigte ich zuerst den ganz modernen Landesschiess<lb break="no"/>stand, der wahrscheinlich der grösste in Österreich ist, beglückwünschte<lb/>
nachher Dr. <rs type="person" ref="#per__145648">Dollinger</rs>. Dieser ist Kunsthistoriker, jetzt beim Land oder<lb/>
der Stadt angestellt, hat den Vorteil, dass er jederzeit trainieren<lb/>
gehen kann, sodass sich die Tiroler Hoffnung machen, bei der nächsten<lb/>
Olympiade ihn wieder schicken zu können. Diesmal hätte er, wie<lb/>
ich aber erfahren habe, bald das Olympia-Minimum zur Entsendung<lb/>
nicht erreicht. Mir erschien er persönlich viel zu sensibel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_20">Mein Besuch der Stadt Hall, die ich mit dem Bürgermeister noch schnell<lb/>
vereinbarte, gab mir Gelegenheit die 5 Mill. S Investitionen<lb/>
in die Münzburg zu sehen. Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat nachdem 1967 schon<lb/>
die Saline geschlossen wurde, nicht zuletzt auch auf meine Intervention<lb/>
den Münzturm und die ganze Prägemöglichkeit dort renoviert und neu<lb/>
geschaffen. Dafür mussten 5 Mill. S aufgewendet werden. Die Stadt Hall,<lb/>
wo <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> einmal 4 Jahre wohnte und 1 Jahr Gemeinderat war, erhofft<lb/>
sich durch eine wirklich zielführende Altstadterhaltung einen grösseren<lb/>
Fremdenverkehr. Ich war der Meinung, sie sollen sich als Münzstadt Hall<lb/>
entsprechend vorstellen. Die ÖFVW könnte ihnen hier ein wenig helfen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> hat ihnen schon für Propagandamaterial und Prospekte eine Zusage<lb/>
gemacht, wenn es den Hallern gelingt, eine entsprechende Münzausstellung<lb/>
und den Werdegang der Münze darzustellen, dann kann es möglich sein,<lb/>
die Hobby-Numismatiker nach Hall zu bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_21">Bei der Eröffnung der Expositur hielt zwar <rs type="person" ref="#per__145649">Weiss</rs>, der Handelsdelegierte<lb/>
in Mailand, das Hauptreferat, sagte aber nichts Neues sondern registrierte<lb/>
nur die bisherige Entwicklung. Sehr sauber, aber ohne Zukunftsvision.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> wieder meinte, dass der italienisch-österr. Warenverkehr<lb/>
derzeit an zweiter Stelle – wie ich dann ausführte – <choice><choice><sic>aus</sic><corr>auch?</corr></choice></choice> das Accordino<lb/>
beinhaltet. Das Accordino wieder war seiner Meinung nach ein Musterbeispiel<lb/>
für den Vertrag der EG. Ich ging auf die Leistungen der italienisch-<lb/>
österr. Handelskammer, die Tavola rotonda, an der ich bereits dreimal<lb/>
teilgenommen hatte und die Expositur-Eröffnung in Villach und jetzt in<lb/>
Innsbruck, um dem Exporteur behilflich zu sein. Vorher hatte ich erfahren,<lb/>
dass die Handelskammer Innsbruck aber auch andere offizielle Stellen<lb/>
befürchten, dass sich die neue Expositur auch in das Accordino einmischen<lb/>
würde. Dies ist aber sicherlich nicht der Fall, denn der verantwortliche<lb/>
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nichttarifarischen Handelshemmnisse, die immer stärker werden und wo<lb/>
es grösster Anstrengungen bedarf, diese wieder abzuschaffen. Andererseits<lb/>
darf man nicht vergessen, dass die Wirtschaftspolitische und auch<lb/>
wirtschaftliche Situation Italiens berücksichtigt werden muss, wenn man<lb/>
über die Depotgebühren und sonstige Massnahmen spricht. Wichtig erscheint<lb/>
mir aber und das habe ich besonders ausgeführt, dass man jetzt nach<lb/>
Abbau der Zollschranken im Rahmen des EG-Österr.-Vertrages alles daran<lb/>
setzen soll, das Accordino weiter beizubehalten, ja eine neue<lb/>
Richtung zu geben. Dabei wies ich insbesondere darauf hin, unter gar<lb/>
keinen Umständen den Gesetzestext des Vertrages ändern zu wollen.<lb/>
In diesem Fall würde man von Brüssel wahrscheinlich nicht nur den<lb/>
grössten Widerstand bekommen sondern die Gefahr laufen, dass diese<lb/>
Ausnahme eines regionalen Zollvorteiles und spezifischen Handels<lb break="no"/>vertrages zwischen Nord- und Südtirol als systemwidrig der EG<lb/>
aufgehoben wird. Wie man mir nachher übereinstimmend mitteilte,<lb/>
war dies sowohl die Meinung der italienischen Anwesenden als auch der<lb/>
Österreicher, die sich mit diesem Problem beschäftigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_22"><rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> und <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> intervenierten während meines Innsbruck-Aufent<lb break="no"/>haltes einige Male wegen Erhöhung des Strompreises der TIWAG. Beide<lb/>
wollten mir ausdrücklich erklären, dass die TIWAG in kürzester Zeit<lb/>
in roten Zahlen sein wird wenn nicht ihr Strompreis nachgezogen wird.<lb/>
Vor allem wehrten sie sich dagegen, dass durch perzentuelle Erhöhungen<lb/>
die anderen Landesgesellschaften immer einen höheren Groschenbetrag<lb/>
bekommen als Tirol und jetzt auch Vorarlberg. Ich habe jedem, der es<lb/>
hören wollte, sofort erklärt, dass ich das vorletzte Mal einen Groschen<lb break="no"/>betrag festgelegt habe und auch diesmal wieder eine andere nämlich<lb/>
Groschenpolitik gegenüber perzentuellen Beschluss vorgezogen hätte.<lb/>
Die Elektrizitätsversorgungsunternehmen haben aber mit den Interessens<lb break="no"/>vertretungen, insbesondere dem ÖGB diese perzentuelle Regelung auf 2 Etappen<lb/>
vereinbart. Der <rs type="person" ref="#per__145650">Landesrat</rs> in der Tiroler Landesregierung, der von Osttirol<lb/>
kommt – seinen Namen<add>Zanon</add> kenne ich nicht – hat neuerdings bei mir inter<lb break="no"/>veniert, dass wir so schnell als möglich das Osttiroler Speicherkraft<lb break="no"/>werk angehen. Ich konnte mich noch immer auf das bis jetzt nicht abge<lb break="no"/>lieferte ökologische Gutachten ausreden. Präsident <rs type="person" ref="#per__116957">Menardi</rs> bestätigte<lb/>
mir vor allen, dass es ein Wahnsinn wäre, die Professoren zur Beendigung<lb/>
dieses Gutachtens zu drängen. Nebenbei bemerkt hatte ich aber auch erklärt<lb/>
dass wir gar nicht derzeit die notwendigen finanziellen Mittel auftreiben<lb/>
könnten. Zuerst muss Malta fertig werden. Die Zillergründl verbaut und<lb/>
dann kann erst Osttiroler Dorfer Speicher<add>[?]</add> in Angriff genommen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_23">Natürlich werden wir, wie dies heuer schon geschehen ist, Strassen oder<lb/>
sonstige Vorarbeiten bauen und leisten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-24_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wenn <rs type="person" ref="#per__114091">Gmeinhart</rs> in Wien ist, möchte ich über dieses<lb/>
Problem mit ihm sprechen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 25.9.1976</head>
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            <head>Tagesprogramm, 26.9.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm 26.9. Rückseite)</head>
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