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            <title type="main">Montag, der 20. September 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_01">Montag, 20. September 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_02">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97449">Freibauer</rs> von der Universale ist überzeugt, dass das<lb/>
SCS, an dem die Universale mit 40 % beteiligt ist, ein grosser<lb/>
Erfolg wird. Die Eröffnung wird 2 Tage dauern. Dienstag ein Riesen<lb break="no"/>empfang und Mittwoch dann die offizielle Eröffnung. Für mich wird<lb/>
es sehr schwer sein mit jeden neuen Verbrauchermarkt und sonstigen<lb/>
Grossmarktdiskonter, Shopping-Center usw. kleineren und mittleren<lb/>
Betrieben hart konkurrenziert werden und von mir früher oder später<lb/>
einen wirksamen Schutz verlangen werden. Im Raume Vösendorf werden<lb/>
sich allerdings jetzt die Grossmärkte selbst schärfste Konkurrenz<lb/>
liefern. Ob diese Konzentration wirklich wirtschaftlich optimal ist,<lb/>
bezweifle ich. Dies glaube ich sind die Auswüchse<add>[einer]</add> durch nichts gehemmte<add>[-n]</add><lb/>
Freie<add>[-n]</add> Wirtschaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Hier sollte der VKI entsprechende Untersuchungen<lb/>
anstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_04">Das Kontaktkomitee zwischen Interessensvertretungen Amt für Schiffahrt,<lb/>
auf Wunsch von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, bei uns im Handelsministerium errichtet, funktioniert<lb/>
vorzüglich. Ich war bei der zweiten Sitzung, wo ich anwesend war, sehr<lb/>
beeindruckt, dass MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> schon die Konzeption sehr richtig angelegt<lb/>
hat. Nicht wir bestimmen, welches Schiff jetzt durchfährt, sondern<lb/>
selbstverständlich sowieso das Amt für Schiffahrt. Wir haben nur gene<lb break="no"/>relle Richtlinien festgelegt. Die hätte <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> sich selbst auch fest<lb break="no"/>legen können und nicht sozusagen eine wichtige Funktion an uns abge<lb break="no"/>treten. Die Donaukanaldurchfahrt funktioniert gut und ich hoffe dass<lb/>
dies bei der Notrinne in der Donau auch der Fall sein wird, obwohl<lb/>
sich dort schwierige Strömungsprobleme ergeben werden. Da bis jetzt<lb/>
über die Reichsbrücke nur negatives berichtet wurde, schlage ich vor,<lb/>
beim nächsten Pressefrühstück einen Bericht vom Vertreter des Amts<lb/>
für Schiffahrt und <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte entsprechend vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_06">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__145669">Wurmböck</rs>, DDSG, berichtet von einer Sitzung in Dubrovnik der<lb/>
Schiffahrtslinien, dass man über die lange Freimachung geklagt hat.<lb/>
Die Schiffahrtslinien möchten ausserdem, dass ein Verschulden festge<lb break="no"/>stellt wird, damit eventuell die Versicherungen etwas bezahlen. Bei<lb/>
force majeure gibt es keinen Versicherungsfall. Befriedigt ist man, dass<lb/>
<pb n="32-1005" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1005.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Mehrkosten für die Durchfahrt von Österreich getragen werden.<lb/>
Derzeit betragen sie bei 100.000 Schilling pro Tag. Das Amt für<lb/>
Schiffahrt hat bis jetzt 17 Mio. Schilling gefordert, die für 14 Tage<lb/>
Stau Abbau reichen würden. Die Mittel werden erst in einem Budgetüber<lb break="no"/>schreitungsgesetz zur Verfügung gestellt und reichen bestimmt nicht<lb/>
annähernd für die Aufwendungen, die noch kommen werden, aus.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_07">Das Journalistenfrühstück war phantastisch besucht. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> gab für<lb/>
die Sektion Industrie einen Überblick, der glaube ich sehr gut ange<lb break="no"/>kommen ist. Redakteur <rs type="person" ref="#per__123344">Barazon</rs> hat aus dem Bericht herausgelesen, dass<lb/>
es in der Industriepolitik noch andere Möglichkeiten der Rationali<lb break="no"/>sierung gibt, ausser Fusion und wollte sofort durch die Frage, aber die<lb/>
Verstaatlichten Betriebe haben doch durch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Fusionsidee sonst<lb/>
nichts anderes getan, einen gewissen Gegensatz herauskristallisiert.<lb/>
Ich habe sofort dagegen eingewendet, dass es bei der verstaatlichten<lb/>
VÖEST-Alpine und Edelstahl-Fusion gar keine andere Lösung gegeben<lb/>
hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_08">Mit dem WIFI, Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__131307">Mayer</rs> wird die Aktion zur Rationalisierung<lb/>
der Mittel- und Kleinbetriebe fortgesetzt. 1974/1975 haben wir<lb/>
23.5 Mio. Schilling und 1976/1977 werden jetzt 32 Mio. Schilling, Hälfte<lb/>
WIFI, Hälfte Handelsministerium, aufwenden. Dadurch soll auch den<lb/>
Kleinbetrieben die Möglichkeit gegeben werden, Informationen zu be<lb break="no"/>kommen und für allem Untersuchungen über die angestellt. Durch Branchen<lb/>
und Querschnittsproblemuntersuchungen helfen wir den Klein- und Mittel<lb break="no"/>betrieben, ohne dass wir dies entsprechend in der Öffentlichkeit ver<lb break="no"/>kaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Hier müssten wir vielleicht mit der Handels<lb break="no"/>kammer gemeinsam einen entsprechenden Tätigkeitsbericht verfassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_10">Über die Fremdenverkehrssituation, bisher 4 Monate Sommersaison, minus<lb/>
2.4 Inlands-, minus 2.8 <choice><choice><sic>Ausländerübernächtigungsrückgang</sic><corr>Ausländerübernachtungsrückgang; Ausländernächtigungsrückgang</corr></choice></choice>, war eigentlich<lb/>
nur Schlechtes zu berichten. Wenn man dagegen das Jahresergebnis bis<lb/>
August nimmt, dann sind es 0.4 %. Am Anfang habe ich mich immer ge<lb break="no"/>ärgert, dass ununterbrochen die verschiedensten Ergebnisse vorliegen<lb/>
wenn man Wintersaison extra nimmt, Sommersaison extra nimmt, Jahres<lb break="no"/>ergebnis usw. In Wirklichkeit ergibt sich dadurch eine ganz schöne<lb/>
<pb n="32-1006" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1006.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Möglichkeit verschiedene unangenehme Entwicklungen zu kaschieren.<lb/>
Sicher ist, dass ich auf dem Fremdenverkehrstag in Eisenstadt eine<lb/>
eingehende Analyse geben muss. Der Slogan und die Einleitung wird<lb/>
aber sein, dass wir im August 74 in einem besonders kritischen<lb/>
Zeitpunkt die Enquete in Innsbruck gestartet haben und jetzt durch<lb/>
reinen Zufall auch in Eisenstadt in einer schlechten Periode über<lb/>
die Fremdenverkehrsentwicklung beraten. 1974 haben wir dann bessere<lb/>
Lösungen und schöne Erfolge erzielt. Ich hoffe dass dies auch 1976<lb/>
der Fall ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die Vergleiche und Ziffern,<lb/>
Situation 1974, Situation 1976 und Erfolge zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_12"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> haben vorgeschlagen, für die Betriebsgründungskredit<lb break="no"/>richtlinien, dass wir bis 250.000 Schilling Investitionen keine Prämien<lb/>
geben sollen, denn die werden teilweise jetzt schon durch die Länder<lb/>
sei es durch Zinsenzuschüsse, Bürgschaften usw. gewährt. Gegen diese<lb/>
Formulierung sprach ich mich ganz entschieden aus, denn damit würde<lb/>
man mir sofort wieder vorwerfen, ich hätte für die Kleinen und<lb/>
Kleinsten überhaupt nichts über. Schon allein aus optischen Gründen<lb/>
muss deshalb auch für jedermann diese Betriebsgründungsaktion geben.<lb/>
Ich setzte <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> auseinander, dass wir für den Fremdenverkehrstag<lb/>
den Empfang von 50.000 Schilling nicht bezahlen können, weil unsere<lb/>
Repräsentationskosten mit 500.000.– Schilling nicht ausreichen. Diesen<lb/>
Empfang wird die Österreichische Fremdenverkehrswerbung bezahlen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> und <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> erklärte ich neuerdings und dezidiert, dass es<lb/>
heuer keine Überschreitung der 500.000 Schilling Repräsentations<lb break="no"/>kosten auch nur um 1 Schilling geben kann und darf, Voriges Jahr<lb/>
haben sie, wenn auch nicht bedeutend, doch trotz meiner ausdrücklichen<lb/>
Weisung eine Überschreitung vorgenommen. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> erklärte wieder,<lb/>
die Hauptschwierigkeit ist, dass sehr viele Ausgaben von der Bundes<lb break="no"/>kammer nicht bezahlt werden. Angeblich will die Bundeskammer nur dann<lb/>
die Aufwendungen für ausländische Minister übernehmen, bis der Brief,<lb/>
den sie mir schrieben, von mir bestätigt wird. Jetzt gibt es z.B. schon<lb/>
Schwierigkeiten, ob sie auch vom Generalsekretär der EFTA usw. die<lb/>
Kosten bezahlen. Ich stehe selbstverständlich auf dem Standpunkt,<lb/>
dass sie zu zahlen haben. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> möchte sich mit niemand in der Bundes<lb break="no"/>kammer herumstreiten und möchte deshalb eine watscheneinfache Lösung,<lb/>
wo genau festgehalten wird, was die Bundeskammer zahlt und was nicht<lb/>
<pb n="32-1007" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1007.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>drinsteht muss eben dann von uns bezahlt werden, solange ein Geld<lb/>
vorhanden ist. Mir persönlich wäre es viel lieber, es gelänge die Be<lb break="no"/>zahlung flexibler zu gestalten. – je nach unseren Bedürfnissen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Vielleicht kannst Du mit <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> und <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs><lb/>
mit der Bundeskammer eine diesbezügliche Lösung erreichen. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs><lb/>
allein bringt dies nie zustande.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_14">LR <rs type="person" ref="#per__115067">Grünzweig</rs>, Bezirkshauptmann <rs type="person" ref="#per__145670">Wiesinger</rs>, Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__112171">Rabl</rs><lb/>
von Zwentendorf, seine Vize <rs type="person" ref="#per__126842">Probst</rs> und <rs type="person" ref="#per__145671">Kellner</rs>, d.h. die beiden Parteien<lb break="no"/>vertreter kamen mit <rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs>, Dir. der Kernkraftwerkgesellschaft<lb/>
Tullnerfeld, um sich bei mir zu beschweren, dass die öffentliche<lb/>
Hand viel zu wenig unternimmt, um sie zu unterstützen. Die Atomkraft<lb break="no"/>gegner greifen jetzt alle an, haben die Medien für sich und die Bürger<lb break="no"/>meister, Bezirkshauptleute usw. bleiben jetzt allein im Kampf gegen<lb/>
diese Angriffe. Ich versicherte ihnen, dass die Aufklärungskampagne,<lb/>
die jetzt gestartet werden soll, eine gewisse Unterstützung darstellt.<lb/>
Der wichtigste Punkt der Vorsprache war aber, dass die Gemeinde sich<lb/>
eine Zwischenlagerung auf alle Fälle querlegen wird. <rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs> meinte,<lb/>
es sei noch nicht sicher, ob eine Zwischenstufe errichtet wird. Für<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und für mich gab es gar keinen Zweifel, dass eine solche sicher<lb break="no"/>lich notwendig sein wird, die Brennstäbe bis zum Beginn des Kraftwerkes<lb/>
1977 oder 1978 noch nicht durch einen Reprocessing-Vertrag sei es mit<lb/>
Deutschland wie beabsichtigt, oder mit einem anderen Land vertraglich<lb/>
übernommen werden. Der Bürgermeister und seine Vize erklärten allerdings<lb/>
dezidiert, sie würden niemals eine neue Baugenehmigung für ein solches<lb/>
Zwischenlager geben. Trifft dies zu, dann könnten wir wahrscheinlich<lb/>
nicht einmal in Produktion gehen, weil das jetzt vorgesehene Zwischen<lb break="no"/>lager nicht zur Aufnahme der Brennstäbe bis zur Übernahme durch eine<lb/>
Reprocessing-Firma geeignet ist. Die endgültige Mülldeponie kann sowieso<lb/>
nicht Zwentendorf errichtet werden, da die geologischen Voraussetzungen<lb/>
dafür ungünstig sind. Bezirkshauptmann <rs type="person" ref="#per__145670">Wiesinger</rs> meinte, die Zwischen<lb break="no"/>lagerung könnte in anderen Bundesländern erfolgen, nachdem NÖ schon<lb/>
mit der Errichtung des Atomkraftwerkes seinen Teil zur Stromversorgung<lb/>
beigetragen hat. Die Kernkraftwerkgesellschaft hat immer ausdrück<lb break="no"/>lich erklärt, dass die Brennstäbe exportiert werden. Ich verwies darauf,<lb/>
dass man mir vor Jahren, als ich das erste Mal Zwentendorf besucht habe,<lb/>
ersuchte, ich sollte den deutschen Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
schreiben, damit vielleicht doch die Möglichkeit besteht, dass<lb/>
Deutschland die Brennstäbe und auch dann den Atommüll übernimmt. Ich<lb/>
<pb n="32-1008" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1008.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>habe mich dazu schon damals bereit erklärt und entsprechende Unterlagen,<lb/>
Briefentwürfe usw. verlangt. Bis jetzt habe ich noch nichts bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs> erklärte dann auch warum, da sie bis jetzt noch nicht den<lb/>
zivilrechtlichen Vertrag mit den deutschen Firmen abgeschlossen haben<lb/>
und deshalb auch ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen Handels<lb break="no"/>ministerium und deutschem Wirtschaftsministerium noch gar nicht ver<lb break="no"/>langt werden kann. Vor den deutschen Wahlen ist nicht damit zu rechnen,<lb/>
dass über dieses Problem eine Einigung erzielt werden könnte. Nach den<lb/>
deutschen Wahlen wird es genauso schwierig werden, über dieses Problem<lb/>
eine Lösung zu finden. Die Ergebnisse der schwedischen Wahlen, nicht<lb/>
zuletzt wegen der Atomkraftdiskussion zeigten welchen verheerenden Ein<lb break="no"/>fluss dieses Problem auf die Wähler ausüben kann. Ich war über das Er<lb break="no"/>gebnis der schwedischen Wahlen nicht überrascht, im Gegenteil ich hatte<lb/>
es erwartet. und meinen Kollegen prophezeit,. Ähnliches erwarte<lb/>
ich auch von den deutschen Wahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_15">Der poln. Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> sollte bereits am Samstag<lb/>
oder Sonntag kommen, war aber dann noch bis Montag mittags bei einer<lb/>
Besprechung im Staatsrat. Er hat zwar nicht erklärt im Detail was es<lb/>
sich handelt, doch ist er zweifelsohne von <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> über den Besuch<add>[von]</add><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> informiert worden. Ich hatte von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch keine Infor<lb break="no"/>mation, wollte auch nicht extra anrufen und habe deshalb bei der Fahrt<lb/>
von Schwechat zum Imperial nur belanglose Sachen besprochen. Im Hotel<lb/>
Imperial traf ich dann den Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> von der BP, der<lb/>
mich ersuchte gleich dort das Gespräch mit seinem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__145672">Steel</rs><lb/>
von der Londoner Zentrale zu führen. Die Aussprache war nicht sehr<lb/>
ergiebig. <rs type="person" ref="#per__145672">Steel</rs> erklärte mir die Aktivitäten der BP insbesondere auch<lb/>
jetzt bei Kohle einzusteigen. Ausserdem beschwerte er sich, und das teil<lb break="no"/>weise sogar zu Recht, über die schlechten Erträge über manchen euro<lb break="no"/>päischen Staaten, auch in Österreich. Ich setzte ihm auseinander, wie sehr<lb/>
wir im Handelsministerium nicht nur die nationale Gesellschaft ÖMV<lb/>
beschützen und fördern, sondern ebenfalls die Internationalen. Bei uns<lb/>
ist der Kampf gegen die Multis unbedeutend und <rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> musste zugeben,<lb/>
dass sie von mir, sei es in der Frage der Lagergesellschaften, sei es<lb/>
in der Frage Auseinandersetzung mit der ÖMV, stets objektiv, gleich<lb break="no"/>berechtigt, <del>da</del>zwischen nationaler Gesellschaft, internationalen Ge<lb break="no"/>sellschaften und freien Händlern behandelt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_16">Die Zuckerarbeiter berichteten mir und wollten von mir die Zustimmung,<lb/>
dass sie jetzt endgültig abschliessen können. Sie haben in den bishe<lb break="no"/><pb n="32-1009" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1009.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>rigen Besprechungen einen weiteren Schritt zur Angleichung der<lb/>
Arbeiterrechte an die der Angestellten durchgesetzt. Bei den Löhnen<lb/>
hoffen sie bei Laufzeit eines Jahres eine Einigung zu erzielen. Da wir<lb/>
mit den Brauereiarbeitern derzeit Schwierigkeiten haben wollten sie sich<lb/>
absichern, dass wenn sie jetzt abschliessen, die Brauer dann sich nicht<lb/>
als präjudiziert betrachten. Ich erklärte sofort, dass sie nicht in<lb/>
einem Tag einen Abschluss zustande bringen werden, wenn sie noch ein<lb/>
zweimal verhandeln, dann hoffe ich, dass auch die Brauer schon ab<lb break="no"/>geschlossen haben. Die beiden Sprecher der Zuckerarbeiter, <rs type="person" ref="#per__133109">Büchner</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__145674">Krcal</rs> sind auch überzeugt, dass man mit dem neuen Obmann des<lb/>
Zuckerindustrieverbandes <rs type="person" ref="#per__111718">Skene</rs> sachlicher zusammenarbeiten kann als<lb/>
mit der alten Garnitur, die jetzt vollkommen weg ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_17">In der Ministerratsvorbesprechung habe ich den Brief wegen Freistel<lb break="no"/>lung von <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs> <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> gegeben. Er meinte für eine weitere Rück<lb break="no"/>stellung sehe er keinen Grund – wird dies aber nach gründlicher Über<lb break="no"/>prüfung mir noch schriftlich mitteilen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> legte einen mündlichen<lb/>
Bericht vor, wonach am 27.9. die Schiffahrtsrinne frei sein soll. Ich<lb/>
machte ihm unter vier Augen darauf aufmerksam, dass nach meiner Infor<lb break="no"/>mation – gut, dass ich beim Kontaktkomitee heute gewesen bin, frühestens<lb/>
der 1.10. in Frage kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_18"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet dass er ein längeres Gespräch am Nachmittag mit <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs><lb/>
geführt hat. Seiner Meinung nach, hat die Kernkraftwerkdiskussion ihm<lb/>
2 % der Stimmen gekostet. In dieser Frage hat <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> zwar den Partei<lb break="no"/>vorstand dafür gewonnen, dass er zustimmte, dass diese Kernkraftwerke<lb/>
in Schweden errichtet werden sollen, nicht aber die Bevölkerung über<lb break="no"/>zeugen können. Die neue Regierung wird es schwer haben jetzt ihre Ver<lb break="no"/>sprechungen einzuhalten. Die Asea ist eine mächtige Industrie und wird<lb/>
einen entsprechenden Druck auf die Konservativen ausüben. Überhaupt<lb/>
werden nach Meinung<add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> am Anfang die Beamten regieren. Die Minister<lb/>
waren ja 44 Jahre nur von den Sozialdemokraten gestellt. Die Opposition<lb/>
hatte deshalb keine wie immer geartete Regierungserfahrung und wird<lb/>
sich daher auf die Beamten stützen müssen. Da der grösste Teil der Be<lb break="no"/>amten aber ihrem Lager entstammt, wird es für die Bürgerlichen keine<lb/>
Schwierigkeiten geben. Wie allerdings der neue Ministerpräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145673">Fälldin</rs> sein Wahlversprechen mit der Reduzierung der Kernkraftwerke<lb/>
durchführen wird, ist jetzt noch rätselhaft. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwartet, dass<lb/>
er dieses Wahlversprechen nicht halten kann, sowie viele andere.<lb/>
Dadurch rechnet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fest, dass spätestens 1979 wieder eine garan<lb break="no"/>tierte sozialdemokratische Regierung gewählt wird. Ein Grossteil der<lb/>
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drei Wochen vor dem Wahltermin bereits ihre Stimme abgegeben. Die<lb/>
Mobilisierung der Wähler, die in den letzten Wochen <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> und der<lb/>
sozialdemokratischen Partei geglückt ist, war für die Poststimmen<lb break="no"/>wähler schon zu spät. Durch die Mobilisierung des Klassenkampfes<lb/>
in den letzten Wochen ganz besonders ist nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> es<lb/>
möglich gewesen 3–4 % der Arbeiter wieder zur Stimmabgabe für die<lb/>
Sozialdemokraten zu bewegen. Ob dies wirklich der Fall war, bezweifle<lb/>
ich. Die Gewerkschaften haben sich im Wahlkampf sehr eingeschaltet,<lb/>
aber wahrscheinlich falsche Argumente gebracht. Ich kann mir nicht<lb/>
vorstellen, dass tatsächlich die schwedischen Arbeiter sehr be<lb break="no"/>geistert sind über den Plan des Gewerkschaftsbundes – der Wirtschafts<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__126999">Meidner</rs> hat einen solchen entwickelt – die Masse der Mit<lb break="no"/>glieder damit einverstanden ist. Die Arbeiter und Angestellten wollen<lb/>
mehr Geld direkt bekommen. Dass ein Teil des Profites als Mehrwert<lb break="no"/>leistung der Arbeiter wieder für Vermögensbildung abgezweigt wird,<lb/>
und in einem Fonds einbezahlt wird, mag gesamtwirtschaftlich richtig<lb/>
sein, der einzelne Arbeiter wird sich dafür kaum begeistern. Die bür<lb break="no"/>gerliche Seite wurde ausserdem dadurch nur verschreckt, genauso wie mit<lb/>
der radikal-verbalen Aussenpolitik, sei es Vietnam, Angola, die Angrif<lb break="no"/>fe auf die USA, die <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> immer wieder startete usw. Natürlich ist<lb/>
dies alles sehr schwer zu quantifizieren, denn letzten Endes haben<lb/>
die Sozialdemokraten 0.6 % der Stimmen verloren, in Wirklichkeit also<lb/>
gar nichts. Da die grössten Verluste aber die Kommunisten haben,<lb/>
dürften die Sozialdemokraten einen Grossteil dieser Stimmen bekommen<lb/>
haben, sicherlich nicht zuletzt durch die Mobilisierung des Klassen<lb break="no"/>kampfes und die radikal-verbale Aussenpolitik. Die Frage für mich<lb/>
aber ist, wie viel durch diese Maßnahmen die Sozialdemokraten an das<lb/>
bürgerliche Lager Stimmen verloren haben. Die Anwendung für Österreich<lb/>
ist, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, unsere Informationskampagne für die Atom<lb break="no"/>kraftwerke wird anders ablaufen, als sich <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> dies vorstellt. Die<lb/>
Wissenschaftler und Professoren werden gar nicht zu einer ruhigen<lb/>
Diskussion kommen, weil die Radikalen die Versammlungen für sich in<lb/>
Anspruch nehmen werden und sie vielleicht sogar terrorisieren. Aus<lb/>
diesem Grund muss Vorsorge getroffen werden, dass sie ungestört ver<lb break="no"/>laufen können. Solange das Müll-Lagerproblem nicht geklärt ist und vor<lb/>
allem meine wirklich befriedigende Lösung die nur in der Rücknahme<lb/>
der Brennstäbe und des Atommülls bestehen würde gefunden werden kann,<lb/>
wird es in diesem Punkt in Österreich immer heftige Diskussionen und<lb/>
Angriffe der Atomgegner geben- Immer und überall müsste man auf die<lb/>
Sicherheit verweisen, die unter allen Umständen Priorität I hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_19">All das ist für mich weder neu, noch gegen meine bisherige Politik.<lb/>
Ich habe mich im Gegenteil immer schon gewundert, dass <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>,<lb/>
der dafür verantwortlich war, seinerzeit das Atomkraftwerk genehmigte,<lb/>
ohne dass er die Endlagerung auch nur einigermassen oder wenigstens<lb/>
andeutungsweise gelöst hätte. Die Internationalen Konservativen werden<lb/>
jetzt durch das Wahlergebnis in Schweden einen entsprechenden Auftrieb<lb/>
bekommen. Auch die deutschen Wahlen werden davon beeinflusst. In<lb/>
Österreich wird die ÖVP ebenfalls einen Auftrieb dadurch bekommen.<lb/>
Ihre Personalpolitik zeigt aber, dass sie nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> durch<lb/>
den ständigen Wechsel, z.B. ihres Generalsekretär gar nicht imstande<lb/>
ist, eine stabile Regierung zu stellen. So solle man es zumindestens –<lb/>
und so wird es sicherlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machen – in der Öffentlichkeit<lb/>
darstellen. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>, den <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr schlecht klassifiziert – ist nur<lb/>
von sich eingenommen und wird das Generalsekretariat schlechter führen,<lb/>
als es <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> gemacht hat, der laut <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ein konzilianter und ver<lb break="no"/>nünftiger Politiker ist, den man jetzt nach Wien abschob. Auch <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>,<lb/>
der ein gescheiter Mann ist, soll jetzt in die Nationalbank weggelobt<lb/>
werden. Der Vorschlag geht nicht von den Sozialisten aus, sondern wird<lb/>
von der ÖVP lanciert. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> macht mit seinen Ellenbogen, ähnlich wie<lb/>
in der Girozentrale, auch in der ÖVP-Spitze entsprechende Personal<lb break="no"/>politik. Nach meiner Meinung nach ist <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> sicherlich ein Mann,<lb/>
der ehrgeizig ist und entsprechend zur Spitze verstossen will und<lb/>
wollte.Bis jetzt hat er sich auch verhältnismässig sehr gut verkauft<lb/>
und nicht nur die ÖVP, sondern auch die öffentliche Meinung dafür<lb/>
gewonnen. Wenn <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>, <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> und <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, die sich in Tirol ewige Treue<lb/>
geschworen haben, wirklich zusammenhalten, dann geht die Idee<add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
dass es sehr bald wieder zu einem Streit und entsprechenden Differenzen<lb/>
innerhalb der ÖVP kommen wird, nicht auf. Ich gebe also zu, dass diese,<lb/>
meine Überlegungen falsch sind, sobald was wahrscheinlich ist, es zwi<lb break="no"/>schen den Dreien doch zu entsprechenden Differenzen kommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_20">Von Polen berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass dieses Land 3x Mißernten gehabt hat.<lb/>
Die Agrarpreise wurden jahrelang unverändert gelassen, weshalb man jetzt<lb/>
dann die Fleischpreise z.B. um 100 % erhöhen wollte und sofort ent<lb break="no"/>sprechenden Widerstand auslöste. Bei den Parteisekretariaten wurden<lb/>
z.B. alle Autos durch Demonstranten zerstört. Die Agrarpolitik der<lb/>
Kommunisten geht jetzt dahin, den Bauern einen 20-ha-Betrieb zu geben.<lb/>
Wenn ein Bauer aufgibt, wird sein Hof sofort wenn möglich zuerst dem<lb/>
Staat angeboten, dieser soll ihn aber womöglich gar nicht kaufen, auch<lb/>
nicht die Kolchose, sondern eben ein freier Bauer, damit er zu den<lb/>
20 ha sobald als möglich kommt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat, nachdem jetzt in Helsinki<lb/>
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jetzt gibt es ein neues Protokoll, ähnlich wie seinerzeit beim<lb/>
Wiener Kongress. Diese Parteiführer sind jetzt de facto auch die<lb/>
Staatsmänner und deshalb müsste man jetzt auch mit ihnen verhandeln.<lb/>
Er hat deshalb <rs type="person" ref="#per__114115">Kadar</rs> von Ungarn und <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> von Polen nach Österreich<lb/>
eingeladen u.zw. nicht als Parteiobmänner, sondern eben als die<lb/>
Staatsverantwortlichen. Bei den Besprechungen ist er auch niemals<lb/>
in die Parteizentrale gegangen. Wohl aber hat er zum Unterschied<lb/>
von früher, jetzt mit den Parteileuten verhandelt. Die Entspannung<lb/>
kann nur fortgesetzt werden, wenn ein gewisser Erfolg bei den Ab<lb break="no"/>rüstungsgesprächen in Wien erreicht werden kann. Dies setzte er ihnen<lb/>
auseinander und glaubt auch, dass man sich letzten Endes dazu entschlies<lb break="no"/>sen wird. Der Streit geht momentan nur, ob in absoluten Zahlen, oder<lb/>
ob perzentuelle Abrüstungen der bestehenden Armeen vorgenommen werden<lb/>
sollen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auch in Deutschland mit <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__137155">Leber</rs> über diese<lb/>
Probleme gesprochen. Ich habe den Eindruck, dass er sich jetzt auf<lb/>
diesem Gebiet als Vermittler betätigt, was wenn es ihm glückt, einen<lb/>
Teilerfolg zu erringen für Österreich eine grosse Sache wäre. Bezüglich<lb/>
der Kandidatur von <rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs> wird der Osten eintreten und ebenso für<lb/>
die UNO-City in Wien. Auch für das Slowenen Problem wird Jugoslawien<lb/>
nicht imstande sein, die COMECON-Staaten einzuspannen. Was die Wirt<lb break="no"/>schaftspolitik betrifft, so hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gesagt, man hat Polen einen<lb/>
ungeheuren Vertrauensvorschuss gegeben und <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> erwiderte, sie werden<lb/>
an den positiven Massnahmen sehen, dass wir dies zu schätzen wissen. Der<lb/>
Stromexport wird durchgeführt werden. Zu den bereits 800 abgenommenen<lb/>
Lastkraftwagen von Steyr-Daimler-Puch können auch weitere 800 noch<lb/>
geliefert werden, wenn die Zahlung auf den 30.3.1977 hinausgeschoben<lb/>
werden kann. Die Steyr-Werke werden eingeladen werden, in<lb/>
Starachowice, wo ein Mittelwagen-Autowerk existiert, die Modernisierung<lb/>
mit der polnischen Seite durchzuführen. Ursprünglich war geplant,<lb/>
Henschel dafür heranzuziehen. Allerdings habe ich dann von Handels<lb break="no"/>delegierten <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs> erfahren, dass dafür in Kompensation schwere LKW<lb/>
aus Polen von den Steyr-Werken übernommen werden sollen. Land<lb break="no"/>wirtschaftliche Maschinen und Traktoren will man ebenfalls kaufen.<lb/>
Auch landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Fleisch und Weizen<lb/>
werden gewünscht. <choice><choice><sic>Gespli-ßter</sic><corr>?</corr></choice></choice> Kupfer soll geliefert werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
verwies darauf dass in der Liste für Kooperationen und Lieferprojekte<lb/>
nicht nur grosse Betriebe, sondern auch die kleineren und mittleren<lb/>
Unternehmen mehr von den Polen berücksichtigt werden sollen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
war insbesondere sehr erfreut zu erfahren, dass<add>[die]</add> ÖSPAG schon für 10 Mio.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_21">Schilling Waren dorthin exportierte und neuerdings aus Wilhelmsburg<lb/>
also in seinem Wahlkreis entsprechende Lieferungen vorgesehen sind.<lb/>
Auch eine gemeinsame Prospektion und Aufschliessung soll mit Österreich<lb/>
durchgeführt werden. Auf Drittländern wäre eine wesentlich stärkere<lb/>
Kooperation nötig und möglich. Die Lizenzwünsche der Austria Tabakwerke<lb/>
wurden nur am Rande erwähnt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sich scheinbar dafür nicht<lb/>
allzu sehr exponiert. Der Vizeministerpräsident Keim, der während<lb/>
meines Bulgarienbesuchs in Österreich war, soll Interesse für<lb/>
Motorräder gezeigt haben und bei der VÖEST erklärt haben, das Papier<lb break="no"/>projekt mit 2–2.5 Mia. Schilling könnte ebenfalls Österreich bekommen.<lb/>
Beim inoffiziellen kleinen Abendessen habe ich diese Politik gegenüber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> besonders erwähnt und versichert, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> besprochen hat, dass wir jetzt im Rahmen der Gemischten<lb/>
Kommission und in deren Gefolge diese Projekte alle so schnell als<lb/>
möglich verwirklichen sollen. Insbesondere kam ich auf die Notwendig<lb break="no"/>keit zu sprechen, endlich den Stromliefervertrag zu fixieren. In diesen<lb/>
Vertragsentwurf sind alle Punkte geklärt, nur die Frage der Leitung<lb/>
über die CSSR ist noch offen. Ich hörte, wie der Handelsrat und ganz<lb/>
besonders der Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> <choice><choice><sic>zar</sic><corr>zwar?</corr></choice></choice> in polnisch auf den Minister ein<lb break="no"/>sprachen, damit jetzt endgültig dieses Problem gelöst werden soll.<lb/>
Die Polen dürften aber noch immer mit den Tschechen entsprechende<lb/>
Schwierigkeiten haben. Meiner Meinung nach wird es auch im September<lb/>
nicht möglich sein, einen endgültigen Vertragsabschluss zu erzielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte stelle fest, wann wirklich der allerletzte<lb/>
Zeitpunkt für diesen Vertragsabschluss lt. Meinung der Techniker ist. <add>T: 21.9. Frakt. VG</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_23"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat bei der Ministerratsvorbesprechung dann noch die Industrie<lb break="no"/>kommission erwähnt und fragte was dafür vorbereitet ist. Ich erklärte<lb/>
sofort, die wichtigste Frage wird der Papierzwischenbericht sein.<lb/>
Wenn wir den Sulfatprojekt nähertreten sollen, müssen wir eine end<lb break="no"/>gültigen Klärung der Rohholzaufkommen haben. Zu diesem Zweck schlug<lb/>
ich vor, dass sich <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> dann schon als neuer Landwirtschaftsminister<lb/>
dieser Sache besonders annimmt. Die bis jetzt vorliegenden Gutachten<lb/>
sind meiner Meinung nach nicht ausreichend. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärte z.B.<lb/>
dezidiert er ist der Meinung, dass die Holzvorräte Österreichs nicht<lb/>
ausreichen ein neues Werk zu errichten. Ich erwiderte dass man dies<lb/>
nicht so ohne weiteres sagen könnte. Wenn die Papierfabriken imstande<lb/>
sind, wesentlich höhere Schleifholzpreise zu bezahlen, kann man sicherlich<lb/>
auch noch aus entlegensten Gebieten und Wäldern entsprechende Schleif<lb break="no"/>holzmengen aufbringen. Mit dieser Methode könnte man auch den Berg<lb break="no"/><pb n="32-1014" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-09-20_1014.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bauern zusätzliche Einnahmequellen sichern. In der Schweiz sagte<lb/>
ich, wird jetzt den Bergbauern vom Staat aus grössere Subventionen gewährt,<lb/>
nur damit sie diese Gegend einigermassen kultivieren. Unsere Mög<lb break="no"/>lichkeit bestünde darin, dass man in entlegensten Gebieten durch<lb/>
entsprechende Walddurchforstung Bergbauern entsprechende Einnahme<lb break="no"/>quellen sichert. Natürlich ist es notwendig, dass hier genau durch<lb break="no"/>gerechnet wird, welche Holzmengen dafür in Frage kommen und wie sich<lb/>
die Preise dann eventuell entwickeln können. Dies wäre Aufgabe des<lb/>
neuen Landwirtschaftsministers, der übrigens von der Forstwirtschaft<lb/>
kommt und daher am meisten prädestiniert ist, ein entsprechendes Urteil<lb/>
abzugeben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte nur wissen, ob aus dem Waldviertel allein<lb/>
die Fabrik an der Donau mit Rohstoff versorgt werden kann. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
meinte dies könne in ein paar Jahren der 11 sein. Bis zu diesem Zeit<lb break="no"/>punkt bin ich überzeugt, könnte man ohne weiteres aus Importen den<lb/>
Holzbedarf decken. Der Osten wird nur, wenn wir unsere Papiermaschinen<lb/>
und Zelluloseanlagen dorthin geliefert haben, dann natürlich die Holz<lb break="no"/>rohstoffmengen selbst brauchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_24"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird bei der Industriekommission noch nicht über die<lb/>
Fondskoordinierung, die er übernommen hat, endgültig berichten können.<lb/>
Vielleicht gibt er einen Zwischenbericht. Über den Wunsch der Handels<lb break="no"/>kammer wegen der Eigenkapitalbildung wird man allgemein verhandeln<lb/>
und sprechen. Wahrscheinlich wird <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann in seinem Ministerium<lb/>
ein diesbezügliches Verhandlungskomitee einsetzen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte<lb/>
dann noch wissen, wie es mit der Glasindustrie weitergehen soll.<lb/>
Ich erklärte ihm, dass wenn es zu einer Fusion von Stölzle und Ober<lb break="no"/>glas kommt, die grosse Firma dann sicherlich eine neue Glasfabrik er<lb break="no"/>richten wird. Allerdings nicht im steirischen Raum. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Angst<lb/>
hat, jetzt einen weiteren Betrieb in Köflach zu verlieren, schlägt er<lb/>
vor, man solle nicht forciert diese Glasfusion betreiben. Dies ist<lb/>
bei uns im Handelsministerium umso leichter, als wir ja unmittelbar<lb/>
damit nicht beschäftigt sind. Ich erklärte, wenn bei mir ein Branchen<lb break="no"/>referent oder sonst wer entsprechende Vorschläge macht, ich ganz einfach<lb/>
verlangen werde, man soll eine genauere Prüfung dieser Projekte vor<lb break="no"/>nehmen. In der letzten Zeit wird also auf dem Glassektor nach Wunsch<lb/>
der Regierung nichts geschehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> u. <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte entsprechende Rückhaltung auferlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-09-20_26">Ich berichtete <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch von der Aussprache mit Handelsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs>. Bezüglich einer Ansiedlung von Csepel in Köflach, Fahrraderzeugung<lb/>
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nicht vorstellen, wie die Ungarn am amerikanischen Markt mit den<lb/>
in Österreich produzierten Fahrrädern reüssieren können, wenn<add>[die]</add><lb/>
Junior-Werke, Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs>, daran zugrunde gegangen sind. Meine Erklärung<lb/>
dafür war, dass eben die 50 % Zulieferung aus Ungarn mit entsprechenden<lb/>
Preisen einen möglichen Export nach Amerika sicherstellen könnten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> würde sogar wie er sagte, wenn die Ungarn die Anlagen nach<lb/>
Budapest exportieren und die Hallen für einen neuen Betrieb zur Ver<lb break="no"/>fügung stehen würden. Diese Variante ist nicht ganz ausgeschlossen<lb/>
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eine Fahrradfabrik zu errichten, die 800.000 Stk. im Jahr erzeugen soll<lb/>
Dafür soll in Ungarn die Motorradproduktion eingestellt werden.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Grünzweig, Leopold</persName>
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               <occupation>nö. Kultur-/Bildungs-LR bzw. LH-Stv., SPÖ</occupation>
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