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            <title type="main">Donnerstag, der 29. Juli 1976 bis Sonntag, der  1. August 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_01">Donnerstag, 29.7. – Sonntag 1.8.1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_02">Der Staatsbesuch in Liechtenstein wurde mit einem Besuch in der<lb/>
Landesregierung eingeleitet. Der Regierungschef Dr. <rs type="person" ref="#per__142371">Kieber</rs> und sein<lb/>
Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__145578">Hans Brunhart</rs> diskutierten mit mir Liechtenstein-<lb/>
österreichische Probleme. Da es solche aber nicht gibt, zumindestens<lb/>
auf dem Gebiet der Wirtschaft unterhielten wir uns über die allge<lb break="no"/>meine Wirtschaftssituation. <rs type="person" ref="#per__145578">Brunhart</rs> gehört der Oppositionspartei an,<lb/>
die bis vor wenigen Jahren noch die Regierung stellte. Jetzt hat<lb/>
die Bürgerliche Partei, ich glaube mit 1/2 Dutzend mehr Stimmen als<lb/>
die Opposition gewonnen und Dr. <rs type="person" ref="#per__142371">Kieber</rs> ist jetzt Regierungschef.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145578">Brunhart</rs> ist für die Wirtschaft zuständig, und den treffe ich auch<lb/>
meistens bei den EFTA-Tagungen in Genf. Dort kann er als Beobachter<lb/>
mit der Schweizer Delegation mitwirken. Überhaupt möchten die Liechten<lb break="no"/>steiner jetzt aktiver werden und schalten sich in internationale Ver<lb break="no"/>handlungen mehr ein. Ihr Aktivitätsanspruch führt auch dazu, dass sie<lb/>
grössten Wert darauflegen, offizielle Ministerbesuche von anderen<lb/>
Staaten zu bekommen. Der Generalkonsul Österreichs, Dr. <rs type="person" ref="#per__145580">Batliner</rs><lb/>
hat mich deshalb schon seit Jahren bei der Eröffnung der Dornbirner<lb/>
Messen immer wieder eingeladen, doch endlich nach Liechtenstein<lb/>
zu kommen. Wirtschaftlich habe ich aber kaum etwas zu verhandeln,<lb/>
weil die Wirtschaftsinteressen von der Schweiz wahrgenommen werden,<lb/>
die Aussenhandelsstatistik gar nicht zeigt, wieviel Liechtenstein<lb/>
wirklich nach Österreich exportiert oder wir nach Liechtenstein lie<lb break="no"/>fern, alles das wird von der Schweiz erfasst und geht in deren Ziffern<lb/>
unter. Trotzdem war die Aussprache und der Besuch für mich sehr interes<lb break="no"/>sant. Das kleine Land mit 23,000 Bewohnern ist hoch industrialisiert.<lb/>
Die Kessel-Firma Hoval hat dort ihren Sitz und auch die Firma Hilti<lb/>
die in Österreich ebenfalls mehrere Zweigbetriebe hat. Beide Besitzer<lb/>
lernte ich bei dem Abendessen das die Regierung gab kennen. Hilti be<lb break="no"/>treibt bei uns die Konservenfabrik Scana. Mir zeigte man die Balzers AG,<lb/>
eine Tochter von grossen Schweizer <choice><choice><sic>Türle-Konzern</sic><corr>Bührle-Konzern</corr></choice></choice>. Dort entwickelt man<lb/>
Vakuum-Apparate für Aufdampftechnik und Hochvolumenmetallurgie die<lb/>
bei uns von Swarovski, Reichert aber auch Plansee als Kunden und<lb/>
Weiterentwickler besten Kontakt haben. Als neuesten Zweig betreiben<lb/>
sie nun die Technik der dünnen Schnitte. Die Firma hat ca. 1.000 Be<lb break="no"/>schäftigte in Liechtenstein und 700 in 18 Töchtern, die sie in der<lb/>
ganzen Welt verteilt haben. Darunter auch in Österreich. Der Umsatz<lb/>
beträgt derzeit 130 Mio. Schweizer Franken. Von den 1.000 Beschäftigten<lb/>
sind 113 Österreicher, 57 Grenzgänger. Die anderen in Liechtenstein<lb/>
<pb n="32-0911" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-07-29_1976-08-01_0911.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ansässig. In der Rezession der vergangenen Jahre wurde die Firma hart<lb/>
getroffen, denn sie musste eine eigene Arbeitslosenversicherung für<lb/>
ihre Beschäftigten einführen. Die neue Technik der dünnen Schnitte<lb/>
soll revolutionär sein. Ein Dr. <rs type="person" ref="#per__145582">Rusicka</rs> vom Boltzmann-Institut würde<lb/>
eine solche Anlage dringend brauchen und hat angeblich kein Geld<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte frage beim Boltzmann-Institut nach, wie<lb/>
die Angelegenheit steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_04">Diese hoch industrialisierte Gesellschaft beschäftigt über 100<lb/>
Ingenieure, Doktoren und HTL-Absolventen. 45 % sind die Lohn-und<lb/>
Gehaltskosten. Die Durchschnittseinkommen 3.500 sfr, ein Dreher 2.500<lb/>
und ein Aufdampfer, also eine Hilfsarbeitertätigkeit ca. 2.000 sfr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_05">Bei der Aussprache mit der Regierung konnte ich feststellen, dass<lb/>
sie jetzt ein Ausbildungsgesetz für Lehrlinge beschlossen haben wo<lb/>
auch vorgesehen ist, dass der Lehrherr verpflichtet werden kann, einer<lb/>
Ausbildung selbst sich zu unterziehen. Wenn die Lehrherren in ihrer<lb/>
Organisation beschliessen, dass eine solche Ausbildung zweckmässig ist<lb/>
erlässt die Regierung eine diesbezügliche Verordnung. Der Regierungs<lb break="no"/>chef-Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__145578">Brunhart</rs> wird mir die Unterlagen schicken. Viel<lb break="no"/>leicht können wir, wenn es zwischen Gewerkschaftsbund und Handelskammer<lb/>
zu einem Streit deshalb kommt auf das liechtensteinische Beispiel und<lb/>
Kompromisslösung verweisen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_07">Selbstverständlich zeigte man mir auch die Liechtensteinische Kunst<lb break="no"/>ausstellung. Hier handelt es sich um die ehemalige Gemäldegalerie<lb/>
Liechtenstein in Wien. Der Fürst hatte in der Nazizeit die Verlagerung<lb/>
ins Deutsche Reich verhindert und erreicht, dass sie tatsächlich in<lb/>
Liechtenstein deponiert wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg hat er dann<lb/>
erklärt, wenn die Sicherheitsverhältnisse in Österreich gegeben sind,<lb/>
wird er die Galerie wieder zurückbringen. Jetzt denkt er scheinbar<lb/>
nicht mehr daran, denn die Liechtensteinische Regierung will jetzt<lb/>
ein eigenes Kunstmuseum bauen. Über die Vorarlberger Nachrichten,<lb/>
insbesondere einen Redakteur <rs type="person" ref="#per__145583">Elmar Vogt</rs>, hat man sich bei mir sehr be<lb break="no"/>schwert. Unter anderem haben die Vorarlberger Nachrichten beim <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-<lb/>
Besuch, als er gerade diese Kunstausstellung auch besichtigte, einen<lb/>
sehr polemischen Artikel darüber geschrieben. Jetzt wieder wurde in<lb/>
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Österreicherin geheiratet hat mit Aufenthaltsgenehmigung in<lb/>
Liechtenstein und jetzt ebenfalls eine entsprechende Aufent<lb break="no"/>haltsgenehmigung bekommen möchte. Die Fürstin soll versprochen haben<lb/>
dass sie sich dafür einsetzt, auch dann wenn keine gesetzliche Mög<lb break="no"/>lichkeit gegeben ist. Beim Mittagessen hat mir dann die Fürstin<lb/>
ebenfalls darüber geklagt, dass sie eine solche Äusserung niemals<lb/>
gemacht hat. Sie kann und setzt sich natürlich nur ein, soweit es im<lb/>
Rahmen der Liechtensteinischen Gesetze möglich ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_08">Beim Empfang des Generalkonsul traf ich auch Mitglieder und insbesondere<lb/>
den Obmann und den Stellvertreter des Österreich-Vereines. Diese be<lb break="no"/>schwerten sich auch sehr über die Schreibweise der Vorarlberger Nach<lb break="no"/>richten. Ihrer Meinung nach, ist es äussert gehässig, was hier in<lb/>
Österreich über Liechtenstein immer wieder geschrieben wird. Ich<lb/>
versprach allen mit Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs>, den ich am Abend in Götzis<lb/>
traf, über diese Probleme zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> und ein zweiter Redakteur<lb/>
war über die Beschwerden informiert. Er meinte nur, die Liechtensteiner<lb/>
hätten keine Pressefreiheit, sondern müssten alle nur Hofbericht<lb/>
erstatten. Er, <rs type="person" ref="#per__112618"><choice><choice><sic>Ortmann</sic><corr>Ortner</corr></choice></choice></rs>, und die Vorarlberger Nachrichten übernehmen<lb/>
deshalb die Freie Presse, wenn man so sagen kann, auch in Liechten<lb break="no"/>stein. Die Kunstausstellung ist ein reiner Kunstraub, das Verhalten<lb/>
Liechtensteiner Österreichern gegenüber skandalös, zum Glück fallen<lb/>
alle diese Probleme nicht in meine Kompetenz. Ich kann und will mich<lb/>
daher im einzelnen nicht damit beschäftigen. <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> selbst ist glaube<lb/>
ich aber auch von den sachlichsten Argumenten nicht davon zu überzeugen<lb/>
dass er vielleicht doch nur einseitig über Liechtenstein und deren<lb/>
Problemen berichtet.<lb/>
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der Kunstausstellung, RR <rs type="person" ref="#per__145586">Malin</rs> erklärte uns allerdings, dass für<lb/>
Liechtenstein dies fast eine Existenzfrage ist. Als so kleiner Staat<lb/>
müssen sie irgendwo, irgendwelche bedeutende Leistungen erbringen<lb/>
können, um sich selbst zu beweisen und der Welt zu demonstrieren,<lb/>
dass sie existieren. <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> dagegen meint, Österreichs Regierung<lb/>
und ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, hat eine lendenlahme Erklärung im Par<lb break="no"/>lament auf die Anfrage des Vorarlberger Abgeordneten <rs type="person" ref="#per__112142">Feurstein</rs> ge<lb break="no"/>geben.<lb/>
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Ressortprobleme zu besprechen. In Wirklichkeit interessierte ihm<lb/>
nur, wie es mit dem Kernkraftwerk weitergeht. Er behauptet, zuerst<lb/>
war gar nicht beabsichtigt die Aufklärungskampagne auch in Vorarlberg<lb/>
durchzuführen, weil nur die Universitätsstädte genannt wurden. Erst<lb/>
durch ihre Intervention hätte man sich auch entschlossen, in Feld<lb break="no"/>kirch eine solche Diskussion im Herbst abzuführen. <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> wird dort<lb/>
mit allen Rohren gegen das Kernkraftwerk schiessen. Davon bin ich heute<lb/>
mehr denn je überzeugt. Diese Stellungnahme ist schon allein dadurch<lb/>
bedingt, dass ja auch die Vorarlberger Nachrichten gegen das Schweizer<lb/>
Atomkraftwerk in Rütli schärfstens protestieren. Für mich ist es<lb/>
unerklärlich, wie stark eine Zeitung Landespolitik beeinflussen kann<lb/>
und wie sich diese Zeitung über die Landesgrenze hinaus, nicht nur<lb/>
nach Innerösterreich, sondern auch gegen Liechtenstein und Schweiz<lb/>
immer wieder wendet. Ich habe <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> nur dieses Sonderinterview<lb/>
gegeben, weil mich die Vorarlberger Genossen, insbesondere Landtags<lb break="no"/>abgeordneter <rs type="person" ref="#per__145587">Keckeis</rs>, ersuchten. Ursprünglich war geplant die Aus<lb break="no"/>sprache in einem Gasthaus durchzuführen, dann hat mich <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> sogar<lb/>
in sein Haus eingeladen. Das Nachtmahlessen habe ich allerdings abge<lb break="no"/>lehnt. Vor Jahren hat schon der Bürgermeister von Bregenz, <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs>,<lb/>
auf einer Schiffahrt mich mit <rs type="person" ref="#per__112618">Ortner</rs> bekanntgemacht. Damals war ich<lb/>
auch schon sehr zurückhaltend. Gott sei Dank habe ich in den seltensten<lb/>
Fällen mit Chefredakteuren von Zeitungen zu tun. Ich habe bei allen<lb/>
die ich fast kenne, den Eindruck dass sie sich wie kleine Götter<lb/>
vorkommen. Ich habe ein verhältnismässig gutes Einvernehmen mit der<lb/>
Presse und den Redakteuren. Wie weit ich aber die Art und Weise der<lb/>
Chefredakteure vertragen könnte, möchte ich jetzt nicht untersuchen.<lb/>
Einmal mehr wurde ich in meiner Absicht bestärkt, niemals mit Chef<lb break="no"/>redakteuren privat Kontakt oder gar vielleicht Privatinformationen<lb/>
auszutauschen. Diese Art liegt mir überhaupt nicht. Pressegespräche<lb/>
alle Woche von mir aus, Informationsaustausch von einzelnen womöglich<lb/>
nie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_12">Vor der Messeeröffnung hat mich der Präsident der Handelskammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117009">Hämmerle</rs> in seinem Betrieb eingeladen. Dort hatte ich Gelegenheit<lb/>
mit seinen Vorstandsmitgliedern die Probleme zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__145590">Willi<lb/>
Ladek</rs> ein Verwandter für den Verkauf zuständig, erklärte mir dass<lb/>
sie nichts gegen das Schöps-Textilzentrum haben. Er meint nur, sie<lb/>
werden aus ihrem abgeschriebenem Haus aus dem Textilviertel in der<lb/>
Innenstadt nicht herausgeben. Um die Anlagen in Vorarlberg besser<lb/>
nützen zu können, möchten sie jetzt eine gleitende Schicht einführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_13">Zu diesem Zweck soll die 120 Stundenwoche auf 144 Stunden erhöht<lb/>
werden, bei selbstverständlicher Einhaltung des Feiertagsruhegesetzes.<lb/>
Diese Idee wird von mir deshalb unterstützt, weil durch bessere<lb/>
Ausnützung der Maschinenkapazitäten entsprechende Verbilligung der<lb/>
Produkte, resp. bessere Erlöse der Unternehmer erzielt werden könnten.<lb/>
Man schätzt sie auf fast 7 %.<lb/>
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besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_15">Bei der Messe-Eröffnung gab es dann das erwartete Geplänkel zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> und mir. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> kam auch auf die freie Marktwirtschaft und deren<lb/>
Diskussion jetzt zu sprechen. Ich replizierte sofort, dass die in<lb/>
Österreich jetzt eingeführte Wirtschaftsordnung unbestritten ist,<lb/>
doch ständig einer Verbesserung bedarf. Zu diesem Zweck wird und wurde<lb/>
die freie Marktwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft, dann zur<lb/>
qualitativen Marktwirtschaft und letzten Endes sagte ich, werden wir<lb/>
zur sozialdemokratischen Marktwirtschaft kommen. Sein Vorwurf,<lb/>
die Regierung unterstützt zu wenig die Industrie und führt jetzt eine<lb/>
Erhöhung der Vermögenssteuer ein, konterte ich natürlich, dass eben<lb/>
die Regierung sich nicht vorwerfen lasst, dass die Reichen reicher<lb/>
werden. Dieses Schlagwort von <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> hat glaube ich alle dort sehr<lb/>
hart getroffen. Den zweiten Teil, dass die Armen ärmer werden, habe<lb/>
ich in diesem Fall weggelassen, da er sicherlich noch demagogischer<lb/>
ist, als schon der erste Teil.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_16">Die Diskussion wurde dann mit den Industriellenvertretern bei der<lb/>
traditionellen Aussprache im Roten Haus in Dornbirn fortgesetzt.<lb/>
Der Vertreter der Bekleidungsindustrie, <rs type="person" ref="#per__145592">Bolle</rs>, gab zu, dass wir mit<lb/>
dem Multifaserabkommen und den Antidumping-und Marktstörungsgesetz<lb/>
sehr wohl Schritte gesetzt haben, um die Textilindustrie und Be<lb break="no"/>kleidungsindustrie zu schützen. Der Vertreter der Textilindustrie<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__115707">Rhomberg</rs> und <rs type="person" ref="#per__133776">Sannwald</rs> hatten bezüglich der Wechselkurse und der<lb/>
Rohstoffsicherung, Preissteigerung bei Baumwolle um 20 % usw. ihre<lb/>
Wünsche. <rs type="person" ref="#per__145591">Zumtobel</rs> für die Metallindustrie beklagte sich über die<lb/>
Billigstimporte auf dem Beleuchtungssektor und Herdsektor aus den<lb/>
Oststaaten. Insbesondere soll die DDR einen Dreiplattenherd, 50 cm<lb/>
um 1.000 Schilling anbieten. Damit sind nicht einmal die Material<lb break="no"/>kosten gedeckt. Ich ersuchte alle die Unternehmer um sehr konkrete<lb/>
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Billigstländern intervenieren kann. <rs type="person" ref="#per__126576">Warnecke</rs> der Alu-Tuben und<lb/>
Spraydosen erzeugt, diese sogar nach Syrien liefert, dort werden<lb/>
sie mit französischem Parfume gefüllt und gehen dann in die UdSSR<lb/>
zur Bezahlung der Raketen, beklagt sich über eine 15 %-ige Pro-Alu<lb break="no"/>miniumpreiserhöhung von Ranshofen. Er meint die Paritätische Kommission<lb/>
behandelt die Verstaatlichte Industrie besser als die Privatwirt<lb break="no"/>schaft. Dr. <rs type="person" ref="#per__145593">Ilk</rs> klagt wieder über die Exportsubvention der Deutschen<lb/>
beim Bier-Export, <rs type="person" ref="#per__145594">Schelling</rs> über die Lohnstückkostenerhöhungen in<lb/>
den letzten Jahren. Zusammenfassend hat <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> dann mir gegenüber<lb/>
geäussert, die tun alle nichts als raunzen. Damit hat er vollkommen<lb/>
recht, da ich aber bereit bin, über diese Probleme mit ihnen ernstlich<lb/>
zu diskutieren, habe sie das Gefühl, dass ich sie tatkräftigst in<lb/>
jeder Beziehung unterstütze. Dazu kommen noch Betriebsbesuche, die<lb/>
ich auch bei jeder Gelegenheit in Vorarlberg absolviere. Unter anderem<lb/>
besichtigte ich die Stickereifirma <rs type="person" ref="#per__141666">Fend</rs>. Sie ist die grösste in Vor<lb break="no"/>arlberg, hat 120 Beschäftigte und 14 Stickereimaschinen. Diese sind<lb/>
in Wirklichkeit alte Typen, die einen Umsatz von 40 Mio. erwirtschaften.<lb/>
120 Arbeiter und Angestellte sind beschäftigt. Eine Arbeiterin ver<lb break="no"/>dient 34 Schilling, die Männer, die als Aufspanner arbeiten, 40 Schil<lb break="no"/>ling pro Stunde. Die ganze Stickerei ist von den Exporten nach Nigerien<lb/>
abhängig. Heuer werden sie ca. 1,8 Mia. Schilling produzieren, wovon<lb/>
fast 1 Mia. nach Nigerien exportiert wird. Dies alles trotz des Import<lb break="no"/>verbotes. Die Sticker sind sehr befriedigt, dass ich mich so für sie<lb/>
einsetze. Ich besuchte auch das Stickereizentrum in Lustenau. Dort<lb/>
ist ein Büro und vor allem eine ständige sehr interessante Ausstellung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_17">Der Frühschoppen den die SPÖ Dornbirn veranstaltete war eigentlich<lb/>
sehr gut besucht und es gab auch eine rege Diskussion. Über die Energie<lb break="no"/>versorgung, Öllager, Preise für Heizöl usw. bis zu dem Atomkraftwerk.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_18">Zum Unterschied von der Frühschoppen-Diskussion gab es bei der Presse<lb break="no"/>konferenz, die ich im Anschluss an die Messeeröffnung durchführte,<lb/>
kaum eine Diskussion. Das einzige, wofür man sich interessierte, war<lb/>
meine Massnahmen gegen die Niedrigstimporte und gegen die Durchsteche<lb break="no"/>reien bei Ursprungszeugnissen. Dies fragte insbesondere ein Redakteur<lb/>
aus der BRD. Natürlich war ich bei meinen Äusserungen jederzeit sehr<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-29_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>: Bitte genaue Unterlagen über die Durchstechungen<lb/>
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               <persName><surname>Igler</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Ortner, Franz</persName>
               <persName><surname>Ortner</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Chefredakteur VN</occupation>
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               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
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               <persName><surname>Mock</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Abg. z. NR, Klubobmann, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Obmann Sekt. Industrie HK Vbg.</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, Tiroler SPÖ-Politiker</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>Bgm. Bregenz</occupation>
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