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            <title type="main">Freitag, der 23. Juli 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_02">Beim Jour fixe AK und ÖGB fragt <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> was diese Institutionen<lb/>
zur Überführung des ERP-Fonds, sei es in den EuE-Fond oder in<lb/>
der Investkredit sagen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> befürchtet, daß die Einflußnahme<lb/>
des ÖGB durch die Zusammenlegung verschwinden würde. Jetzt hat<lb/>
doch der Vertreter des Gewerkschaftsbundes die Möglichkeit, bevor<lb/>
der ERP-Kredit gegeben wird, zu prüfen, ob die Firma Betriebs<lb break="no"/>räte hat, d.h. das Arbeitsverfassungsgesetz eingehalten wird,<lb/>
indirekt kann damit auf die Organisation der zuständigen Gewerk<lb break="no"/>schaft in den Betrieb Einfluß genommen werden. Die Regierung<lb/>
wieder hat ein wirtschaftspolitisches Instrument wo sie gewisse<lb/>
Investitionslenkung vornehmen kann. Im Eigenblock, das die Amerika<lb break="no"/>ner mit Gesetz abgesichert haben, kann keinerlei Manipulation<lb/>
vorgenommen werden. Im Nationalbank-Block, derzeit 5 Milliarden,<lb/>
hat die Regierung die Möglichkeit, durch einfaches Gesetz diesen<lb/>
Betrag zu erhöhen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> fürchtet, daß das Finanzministerium<lb/>
einer Reorganisation des ERP-Fonds den Banken gegenüber Konzes<lb break="no"/>sionen macht. In der Industriekommission wurde zur Finanzierungs<lb break="no"/>frage ein Unterausschuss eingesetzt, den <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bis jetzt noch<lb/>
nicht einberufen hat. Der ehemalige Sekretär von <rs type="person" ref="#per__97311">Adrosch</rs>, <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs><lb/>
jetzt Gen.Dir.-Stellvertreter der Creditanstalt, müßte entsprechende<lb/>
Vorarbeiten leisten. Wir im Handelsministerium haben nur, dies<lb/>
schon vor einigen Jahren, im sogenannten <rs type="person" ref="#per__116098">Kapral</rs>-Ausschuss ein<lb break="no"/>heitliche Formulare für alle Kreditansuchen vorbereitet, wir kommen<lb/>
überein, dieses bei der nächsten Industriekommission vorzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_03">Die Schrottpreiserhöhung 7 1/2 % um das Aufkommen mit Schrott zu<lb/>
sichern, wird akzeptiert. Die Arzneimittelpreise sollen unbedingt<lb/>
in der Preiskommission bleiben, auch dann, wenn Einzelanträge<lb/>
gestellt werden. Bis jetzt war es so, daß Einzelanträge von einem<lb/>
Beamten im Gesundheitsministerium allein behandelt wurden und die<lb/>
Konsumentenvertreter fürchtet, daß hier zu großzügig vorgegangen<lb/>
wird und wurde. Der Wunsch des Gusch, kein Schimpfwort, sondern<lb/>
die Abkürzung für Gesundheit und Umweltschutz, die Preiskommission<lb/>
auszuschalten, wird unter gar keinen Umständen von der AK und ÖGB<lb/>
akzeptiert. Bezüglich der Milchpreiskalkulation, resp. Bedeckungs<lb break="no"/>rechnung, schlage ich neuerdings vor, außer Trinkmilch alles andere<lb/>
preisfrei zu machen, da mit Sicherheit anzunehmen ist, daß die<lb/>
Landwirtschaftskammer dies entschieden ablehnt, bleibt dann noch<lb/>
der Weg, die amtliche Preisregelung auszusetzen und dafür die<lb/>
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zu überführen, dort hätte, wie <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> zugibt, die Arbeiterkammer<lb/>
und der Gewerkschaftsbund einen größeren Einfluß als wie in<lb/>
der amtlichen Preiskommission, er fürchtet, genau so wie ich,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> im Herbst ansonsten die Rechnungen akzeptieren wird<lb/>
die wesentlich höher sind als die Konsumentenvertreter in der<lb/>
Paritätischen Kommission zustimmen werden. Ich selbst will und<lb/>
muß nur aus dem Dilemma herauskommen, das die Handelsvertreter<lb/>
mich im immer stärkeren Maße attackieren werden, weil die amtlichen<lb/>
sogenannten sozial kalkulierten Preise, die mittleren und kleineren<lb/>
Unternehmer ruinieren. Wenn ich die Preisregelung weghabe, dann<lb/>
obliegt es der Handelskammer, zu sehen, wie sie diesen unaufhalt<lb break="no"/>samen Bereinigungsprozeß selbst verantwortet. Jetzt kann sie sich<lb/>
herrlich auf mich ausreden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_04">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs> und <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte mit Arbeitnehmerseite<lb/>
einen Plan, der streng vertraulich sein muß, ausarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_05">Die Nationalbank wird, wie <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> vertraulich mitteilt, den<lb/>
Schilling auf kaltem Wege gegenüber der DM aufwerten. Von 7.15 S<lb/>
Niedrigstkurs wird auf 7.10 S derzeit, in den nächsten Wochen auf<lb/>
7.08 S um dann für das Weihnachtsgeschäft auf S 7.05 zu landen,<lb/>
die DM entsprechend verbilligt. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> erwartet sich eine gewisse<lb/>
Preisstabilisierung durch diese Maßnahme. Der Fremdenverkehr wird<lb/>
natürlich schreien, da er eine noch größere Zurückhaltung der<lb/>
deutschen Gäste bei entsprechenden Ausgaben insbes. der Extras<lb/>
in Österreich befürchtet. Die Exportwirtschaft wird mit dieser<lb/>
Entwicklung auch nicht sehr glücklich sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_06">Die Erhebung der Landeshauptleute über die Preise im Zusammenhang<lb/>
mit der Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 18 % ergab, daß in den<lb/>
meisten Ländern diese Umsatzsteuererhöhung nicht auf die Verbraucher<lb break="no"/>preise ganz oder teilweise abgewälzt wurde. Die Erhebung beschränkt<lb/>
sich allerdings nur auf einige Produkte, ergibt aber ein einiger<lb break="no"/>maßen verläßliches Bild. Die Erhebungsmethode ist nur sehr unzu<lb break="no"/>länglich, weshalb der Verein für Konsumenteninformation nach der<lb/>
Herbstmesse eine eigene Erhebung durchführen wird, diese wird<lb/>
cumputermässig erstellt und ausgewertet. Der Verein für Konsumenten<lb break="no"/>information hat bereits jetzt eine vorbereitende Erhebung gemacht,<lb/>
die von der Nationalbank indirekt bezahlt wird, in dem diese Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs> von Linz zu einer Studie aufforderte, der die entsprechenden<lb/>
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müßte auch das Handelsministerium einen höheren Beitrag für das<lb/>
VKI leisten. Da wir auch heuer wieder den Jahresbeitrag für<lb/>
das nächste Jahr bereits im voraus zahlen, glaubt <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, man<lb/>
könnte dann schrittweise auf diesen Vorsprung verzichten und<lb/>
mehr oder minder einen doppelten Mitgliedsbeitrag in einem Jahr<lb/>
leisten. Ich erkläre sofort, daß dies vollkommen unmöglich ist,<lb/>
da ich die Vorauszahlung von Mitgliedsbeiträgen und Subventionen<lb/>
die ich geben muß, brauche, um Budgetreserven für das kommende<lb/>
Jahr immer wieder zu schaffen. Wenn der Finanzminister einmal<lb/>
rigoros sparen muß, habe ich die einzige Chance dieses Jahr dann<lb/>
durch Nichtvorauszahlung der Mitgliedsbeiträge eine finanzielle<lb/>
Entlastung in meinem Budget herbeiführen zu können. Wenn das VKI<lb/>
einen höheren Betrag braucht, dann muß sie den Mitgliedsbeitrag<lb/>
erhöhen, dagegen protestieren sofort wieder die Arbeiterkammer<lb/>
und der Gewerkschaftsbund. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> als Geschäftsführer muß eben<lb/>
mit dem jetzigen, sehr umfangreichen Budget im Verhältnis zum<lb/>
70er-Jahr auskommen, dadurch, daß wir denselben Betrag jetzt<lb/>
als Vereinsmitglied übernommen haben als die anderen vier In<lb break="no"/>stitutionen aufbringen, hat er wirklich eine einmalige Ausweitung<lb/>
erfahren. Ich glaube, daß <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> auch zufrieden ist, er versucht<lb/>
halt nur mehr auf jeden Fall zu erreichen.<lb/>
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keinen Umständen zustimmt. In der Schlichtungsstelle müßten noch<lb/>
Kosumentenvertreter aufgenommen werden, für gefährdete Wohnungen<lb/>
dürfte entweder überhaupt keine Vermittlung vorgesehen sein oder<lb/>
dann ein besonderer Satz nur zur Verrechnung kommen. Die sogenannten<lb/>
Substandardwohnungen sind derzeit stärker belastet als der ÖGB<lb/>
akzeptieren kann. Ich ärgere mich schon ein wenig über diese<lb/>
Stellungnahme, weil jetzt monatelang verhandelt wurde und ich<lb/>
eigentlich angenommen habe, daß wir endlich diese Verordnung er<lb break="no"/>lassen können. Der ÖGB ist mit seinem Wunsch, geförderte Wohnungen<lb/>
dürfen nicht vermittelt werden, im Wohnbauförderungsgesetz nicht<lb/>
durchgekommen. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat dies dort glatt entweder nicht durchge<lb break="no"/>setzt oder vielleicht selbst sogar abgelehnt. Jetzt soll über die<lb/>
Maklerverordnung auf Grund der Gewerbeordnung indirekt dieser Wunsch<lb/>
des Gewerkschaftsbundes verwirklicht werden. Ich stelle immer wieder<lb/>
fest, daß scheinbar durch die guten Beziehungen, die ich zum ÖGB<lb/>
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selbstverständlich die Gewerkschaftslinie 100 %-ig vertrete<lb/>
und durchsetze, die sie bei anderen Ministern nicht erreichen.<lb/>
Auf der einen Seite ist dies für mich sehr ehrend und ich könnte<lb/>
mir auch gar nicht anderes vorstellen, auf der anderen Seite aber<lb/>
gibt es ganz schöne Schwierigkeiten.<lb/>
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im Parlament abwehren werden. Die Freiheitlichen haben jetzt auf<lb/>
Grund der neuen Geschäftsordnung die Möglichkeit, Initiativanträge<lb/>
die sie einbringen, zu erzwingen, daß sie in den Ausschüssen be<lb break="no"/>handelt werden. Für das Altöl-Beseitigungsgesetz werde ich plädieren<lb/>
soll man im Unterausschuß die sachlichen Verhandlungen auf Grund<lb/>
des Vorschlages der FPÖ aufnehmen. Das Handelsministerium hat hier<lb/>
den Zeitpunkt versäumt, wo wir initiativ hätten werden sollen. Für<lb/>
die Nahversorgungsfrage und diesen Wunsch werde ich darauf ver<lb break="no"/>weisen, daß die beiden Initiativanträge der SPÖ und der ÖVP jetzt<lb/>
im Handelsministerium von den Experten des eingesetzten Unteraus<lb break="no"/>schußes behandelt werden und daher nichts mehr zusätzliches zu<lb/>
veranlassen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_09">Bezüglich der Billigstimporte wird <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> von den Konsumenten<lb break="no"/>vertretern ständig wegen der Schöps-Importe gepflanzt. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
verweist in diesen Fall mit Recht, daß gar nicht mehr Mäntel<lb/>
importieren, sondern in Ebreichsdorf selbst erzeugen. Der Vertreter<lb/>
der Textilarbeiter-Gewerkschaft Ing. <rs type="person" ref="#per__116109">Ettl</rs> bestätigte auch <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs>,<lb/>
daß das Problem, Respo oder die Billigstimporte überhaupt anders<lb/>
gelöst werden müssen. Jetzt ist die Firma Schöps nicht mehr der<lb/>
Schuldige. Meiner Meinung nach, wird sogar im Gegenteil die Firma<lb/>
Schöps in kürzester Zeit durch ihre eigene Industrieproduktion<lb/>
im Inland bedingt, in die Reihe der Firmen einschwenken, die einen<lb/>
entsprechenden Schutz verlangen werden. Ich charakterisiere die<lb/>
Situation ein wenig sarkastisch, mit den Importen und seiner Politik<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__126228">Böhm</rs> von Schöps sich das Geld gemacht und jetzt wird er es in<lb/>
der Industrie wieder verpulvern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_10">Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__145484">Moosbrugger</rs> von der Salzburger Landwirtschaftskammer<lb/>
Vertreter des Arbeitsbauernbundes hat bei <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und mir eine Aus<lb break="no"/>sprache gewünscht, damit er den Salzburger Bauern berichten kann,<lb/>
was die Regierung beabsichtigt. Der Allgemeine Bauernverband, aber<lb/>
auch scheinbar der Bauernbund ist an ihn herangetreten um Kampf<lb break="no"/><pb n="32-0889" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band32/32_1976-07-23_0889.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>maßnahmen zu besprechen. Er meinte, er würde zuerst abwarten,<lb/>
was die Aussprache, insbes. mit Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
ergibt. Dieser hat ihm, mit einer Deutlichkeit wie ich sie gar<lb/>
nicht vermutet habe, auseinandergesetzt, daß keine Möglichkeit<lb/>
besteht, die Preise neuerdings zu korrigieren. Der Milchpreis<lb/>
wurde ja nicht um 20 Groschen, sondern durch die Erhöhung des<lb/>
Pauschalsatzes für die Mehrwertsteuer von 6 auf 8 % um 27 Groschen<lb/>
erhöht. Die Milchanlieferung ist in der Juni-Dekade 1. - 10. um 5,6<lb/>
10. - 20. um 7 und 20. - 30. um 7,5 % gestiegen gegenüber dem Vorjahr,<lb/>
trotzdem hat <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> angeordnet, daß, um die Dürreschäden auszu<lb break="no"/>gleichen, die selbe Qualität die im Juni noch zu verzeichnen<lb/>
war, auch für die Juli-Berechnung als Grundlage genommen wird,<lb/>
obwohl im Juli zwar nicht die Menge wohl aber die Qualität sehr<lb/>
gelitten hat. Auf dem Viehsektor wird <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> nach wie vor Inter<lb break="no"/>ventionskäufe starten. In Graz wurde mit 927 Rindern die vierfache<lb/>
Menge aufgetrieben, in Salzburg rechnet man mit 800, tatsächlich<lb/>
wurden 1.200 aufgetrieben. Die Bauern haben jetzt scheinbar eine<lb/>
Kurzschlußhandlung begangen und Vieh vorzeitig abgestoßen. Nach<lb/>
Meinung <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ist Grummet, der zweite Schnitt beim Heu nur um<lb/>
1 Mio. geringer gewesen, anstelle der normalen 3 Mio. Tonnen wurden<lb/>
nur 2 Mio. Tonnen geerntet, dafür stehen aber 3.5 Tonnen Stroh zur<lb/>
Verfügung, die mit Melasse, Sojaschrot und Magermilchpulver ver<lb break="no"/>bessert, ein gutes Futtermittel für die Viecher ergeben. Ich<lb/>
hoffe, daß <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> mit dieser Politik imstande ist, die Bauern zu<lb/>
überzeugen, daß diese Regierung wirklich alles macht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat<lb/>
mit dem Abschluß, den letzten Endes auch die Bauernvertreter<lb/>
der Öst. Bauernbund zustimmte, wieder einmal bewiesen, welch<lb/>
politisches G'spür er hat. Ich muß gestehen, daß ich eine Zeitlang<lb/>
dafür gewesen wäre, die Verhandlung platzen zu lassen als die<lb/>
Bauernvertreter unter allen Umständen die Erhöhung des Normal<lb break="no"/>weizenpreises durchsetzen wollten und letzten Endes auch durch<lb break="no"/>gesetzt haben. Die Folgen dieses Scheiterns ja selbst nur des<lb/>
Unterbrechens der Verhandlungen wären katastrophal gewesen. So<lb/>
sehr manchmal die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>'sche Politik im ersten Anhieb nicht<lb/>
zu verstehen ist, z.B. jetzt, wenn er wirklich den S.Chef <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
zum Aussenminister macht, der wie die ÖVP jetzt mitteilt, ÖAAB-<lb/>
Mitglied ist, so sehr muß ich zugeben, stellt sich auf lange<lb/>
Sicht dann heraus, daß er mit seiner Politik recht hat, ihm kommt<lb/>
allerdings zugute, daß man in der Politik niemals eine Situation<lb/>
wie in den Naturwissenschaften, unter gleichen Bedingungen wieder<lb break="no"/>holen kann. Wenn ich einen Gegenstand fallen lasse, dann fällt<lb/>
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Eine politische Situation wiederholt sich nie, weshalb es<lb/>
keinen Vergleich gibt, niemand kann deshalb sagen, wie es<lb/>
gewesen wäre, wenn er anders entschieden hätte oder wenn man<lb/>
ihn gezwungen hätte, eine andere Lösung zu machen. <choice><choice><sic>Es maßstabt</sic><corr>Als Maßstab?</corr></choice></choice><lb/>
der Richtigkeit, gilt in den Sozialwissenschaften eben nur der<lb/>
Erfolg. In der Politik der Niederschlag bei den Wahlergebnissen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_11">Die Verhandlungen mit der irakischen Delegation leitete ich ein,<lb/>
indem ich auf die ungleichen Verhältnisse zwischen öst. Importen<lb/>
1975 4,4 Mia gegen öst. Exporte 902 Mio. hinwies. In den ersten<lb/>
fünf Monaten wurde das Verhältnis noch verschlechtert, da wir<lb/>
gegenüber dem Vorjahr die Importe von 1 1/2 Mia. auf 3 Mia. erhöhten,<lb/>
während die Exporte von 368 Mio. auf 311 zurückgingen. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> er<lb break="no"/>widerte sofort, sie seien ein Entwicklungsland und Erdöl würde<lb/>
grundsätzlich von ihnen nicht in die Handelsbilanz aufgenommen.<lb/>
Die Iraker hätten an einem neuen Kooperationssystem großes Interesse.<lb/>
Hier kam von ihm eine politische Erklärung, er meinte nämlich,<lb/>
dieses System müßte Gleichheit, Gerechtigkeit zwischen den Ent<lb break="no"/>wicklungsländern und Industrienationen herstellen. Österreich<lb/>
verfolge eine Neutralitätspolitik, die insbes. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als großer<lb/>
Staatsmann vertritt, damit wird auch die Kriegsgefahr, z.B. der<lb/>
USA entsprechend eingeschränkt. Die Kreisky-Reise nach dem Irak<lb/>
hat einen großen Beitrag geleistet und stärkt den Wunsch des<lb/>
Präsidenten aber auch des Vorsitzenden des Nationalrates. Die<lb/>
irakische Politik wird daher auch darauf ausgerichtet sein, unter<lb/>
allen Umständen den OPEC-Sitz in Wien zu erhalten. Die österreichi<lb break="no"/>sche Regierung hat sich bei der Rettung der Geiseln vortrefflich<lb/>
verhalten, dies hat mir <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> schon auf dem Weg vom Flughafen<lb/>
bei seiner Ankunft versichert, für 20 Mio. Dinar, das sind 120 Mio.<lb/>
Schilling, d.h. 50 % der österreichischen Exporte, sind derzeit<lb/>
Geschäfte in Durchführung. Die Iraker erwarten, daß wir ihnen die<lb/>
Bürgschaft und Sicherheit genau geben, wie wir der Sowjetunion<lb/>
bei den Gasimporten entgegengekommen sind. Ich klärte <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> auf,<lb/>
daß auch bei den sowjetischen Ex-und Importgeschäften keine be<lb break="no"/>sondere Finanzierung erfolgt, sondern diese über die Österreichische<lb/>
Kontrollbank allen Ländern gleichmäßig zugänglich ist. Ich werde<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> von der Öst. Kontrollbank reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_12">Nach der Sitzung traute ich meinen Ohren nicht, als die<lb/>
Vertreterin des Finanzministeriums Frau MR Dr. <rs type="person" ref="#per__145490">Herwig-Reichen<lb break="no"/>felser</rs> zu mir kam und mir mitteilte, sie hätte durch meine An<lb break="no"/>deutung sofort Kontakt mit der Öst. Kontrollbank aufgenommen<lb/>
und festgestellt, daß <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> erst am Montag zurückkommt. Sie<lb/>
wird sich dann sofort mit ihm ins Einvernehmen setzen. Eine<lb/>
solche Initiative von einer Beamtin habe ich während meiner<lb/>
ganzen Tätigkeit noch nie erlebt, ein fremdes Ministerium ohne<lb/>
speziell von mir aufgefordert, für mich ein Wunder.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte prüfe, wie ich diese Aktivität<lb/>
belobigen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_14">Nach unserer erprobten Methode wurde den Irakern wieder Listen<lb/>
und Spezialbroschüren sowie Unterlagen übermittelt. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> hat<lb/>
allerdings sofort festgehalten, er möchte, daß eine wirtschaftliche<lb/>
und eine technische Unterkommission ohne Anwesenheit der Minister<lb/>
die Detailgespräche führen sollen. Die einzelnen Projekte müßten<lb/>
rasch durchgeführt werden, eine moderne Technologie haben und<lb/>
konkurrenzfähige Preise, erstere erwiderte ich garantiert unser<lb/>
soziales Klima, keine Streiks, das weitere, daß Österreich Qualitäts<lb break="no"/>waren liefert und was die Konkurrenz gegen Preise betrifft, wo<lb/>
wir nach seiner Meinung zu teuer sind, dürfe er nicht nach den<lb/>
billigsten Offert, sondern wie dies auch bei österreichischen<lb/>
Ausschreibungen der Fall ist, nach dem preiswertesten Offert<lb/>
das Geschäft beurteilen. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> versicherte, daß die Regierung<lb/>
sehr wohl alle Anstrengungen der öst. Exporteure unterstützen<lb/>
wird. Insbes. wurde festgestellt, daß Österreich sehr wohl eine<lb/>
Finanzierung von vielen Projekten die jetzt von öst. Firmen einge<lb break="no"/>reicht wurden, auch garantiert und sicherstellen kann. Bezüglich<lb/>
der Holzexporte und auch bei einem zweiten Geschäft wendete sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> dagegen, daß die Lieferung über das Mittelmeer erfolgt. Ich<lb/>
konnte sofort als Frachtweg die Donau - Schwarzes Meer - Türkischer<lb/>
Hafen ja sogar Basra anbieten. Jetzt erfolgt eine Ausschreibung<lb/>
für 100.000 cbm Holz. Auf öst. Seite glaube ich, wäre es zweck<lb break="no"/>mässig, wenn sich die Exporteure sowie beim ägyptischen Geschäft<lb/>
zusammenschließen würden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_15">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte laß diese Idee prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_16"><rs type="person" ref="#per__145491">Seibold</rs> von der Landwirtschaft mußte von <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> einige<lb/>
Male aufgefordert werden zu den Landwirtschaftsproblem Stellung<lb/>
zu nehmen, weil er ansonsten nicht mehr zu den Delegationen ins<lb/>
Ausland eingeladen wird. Dieser fragte nur an, ob es nicht eine<lb/>
Möglichkeit gäbe, Milchpulver auch bei Ausschreibungen auf dem<lb/>
öffentlichen Sektor unterzubringen, auf dem privaten Sektor<lb/>
funktioniert es angeblich gut. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> meinte, sie hätten mit<lb/>
Milchprodukten fixe Verträge, doch könnten diese auch geändert<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__117657">Potocnik</rs> von der Obersten Bergbehörde wollte nur wissen<lb/>
ob es neben Öl auch noch andere Produkte wie Kupfer, Phosphat,<lb/>
Karbide usw. gäbe die ausgebaut werden und wo man eventuell<lb/>
als OB helfend einspringen könnte. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> erwiderte, dies sei<lb/>
für Phosphor und Schwefel der Fall, allerdings untersteht dies<lb/>
alles dem Industrieminister. <rs type="person" ref="#per__145495"><sic>Ok ...sajat</sic></rs> hat im Auftrag des<lb/>
Wasserwirtschaftsministers sich beschwert, daß er Ersatzteile<lb/>
für Irrigationsprojekte teuer und vor allem zu spät geliefert<lb/>
werden. Ich ersuchte, da er es nicht wußte, unseren Handels<lb break="no"/>delegierten in Bagdad, die Einzelheiten bekanntzugeben, damit<lb/>
wird dies mit den Firmen besprechen und abstellen. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> beschwerte<lb/>
sich wieder, daß der Irak über das Ausland den Wunsch äußerte,<lb/>
für Häuserbauten Experten zu bekommen, bis jetzt haben sie nicht<lb/>
einmal eine Antwort erhalten. Der Vertreter des Aussenministeriums<lb/>
meinte mir gegenüber, daß hätte man an das Bautenministerium<lb/>
weitergeleitet. Ich bin der Meinung, daß man, auch wenn man nicht<lb/>
imstande ist den Wunsch zu erfüllen, zumind. in erträglichem<lb/>
Zeitabstand eine entsprechende Mitteilung den Irakern zukommen<lb/>
lassen muß. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> wies sowieso darauf hin, daß man für die Ex<lb break="no"/>perten 2.000 Dinar das seien 7.000 Dollar verlange, eine viel<lb/>
zu hohe Entschädigung wie er meinte. Zum Schluß wies ich noch<lb/>
darauf hin, daß Heid Stockerau eine Saatgutaufbereitung Silo etc.<lb/>
in Irak bauen möchte. Der Dir. <rs type="person" ref="#per__116997">Dautzenberg</rs> hat beim Flug von<lb/>
Bagdad nach Wien der Delegation schon Detailinformationen geben<lb/>
können und ich unterstrich nur, daß die Regierung auch daran<lb/>
großes Interesse hat. Ebenso verwies ich darauf, daß die Tabak-<lb/>
Regie eine Kooperation mit Irak anstrebt und übergab entsprechende<lb/>
Prospekte, insbes. mit dem Hinweis, daß ich als Obmann der Lebens<lb break="no"/>mittelarbeiter-Gewerkschaft auch für die Tabakarbeiter zuständig<lb/>
bin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_17">GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der als wichtigster Teilnehmer für den irakischen Import<lb/>
eine kurze Erklärung abgab wies nur darauf hin, daß sie das<lb/>
Schulungs- u. Kooperationsabkommen vom Feber 1974 nicht nur erfüllen,<lb/>
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für die nächsten fünf Jahre wurde abgeschlossen. Er beginnt<lb/>
mit 1 1/2 Mio. Tonnen und endet mit 2 Mio. Tonnen pro Jahr. Die<lb/>
Preise werden Jahr für Jahr ausgehandelt. <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> beschwerte<lb/>
sich ganz besonders, daß die Importpreise, d.h. Terms of Trade<lb/>
nach seinen Berechnungen um 110 % sich jetzt erhöht, resp.<lb/>
der Terms of Trade sich verschlechtert hat. Ebenso glaubt <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs><lb/>
sollte Österreich noch mehr Information über die österreichischen<lb/>
Firmen den Irakern zur Verfügung stellen. Unser Handelsdelegierter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145496">Smrcka</rs> verwies darauf, daß 1.000 Firmen in Kontakt mit ihm und<lb/>
damit mit Irak stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_18">Verwundert hat mich, daß <rs type="person" ref="#per__126956">Karim</rs> anfangs gleich fragte, ob wir<lb/>
einen Übersetzer Arabisch-Deutsch haben, ich hätte eher angenommen,<lb/>
daß er in Englisch evtl. verhandeln will. Zum Glück hatten wir<lb/>
unseren erfahrenen und erprobten Dr. <rs type="person" ref="#per__113383">Zaki</rs>, der sich wieder einmal<lb/>
als selbstlos zur Verfügung stellt. Ich habe MR <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> dann in<lb/>
Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__113383">Zaki</rs> erklärt, wir können nicht immer gratis diese<lb/>
Dienste in Anspruch nehmen. <rs type="person" ref="#per__113383">Zaki</rs> ist ein gerichtl. beeid. Sachver<lb break="no"/>ständiger für arabische Sprachen. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> erklärte sofort, man<lb/>
könne <rs type="person" ref="#per__113383">Zaki</rs> 200 $ pro Tag Übersetzungshonorar bezahlen, dies sei<lb/>
der normale Tarif, der ihm zusteht. Ich forderte <rs type="person" ref="#per__113383">Zaki</rs> auf, sich<lb/>
zumind. für die offiziellen Sitzungen das Taggeld zu verrechnen,<lb/>
für Samstag, Sonntag wo er sich ebenfalls immer zur Verfügung<lb/>
stellt, sehe ich noch ein, daß er keinerlei Verrechnung vornimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band32_1976-07-23_19">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte veranlasse Entsprechendes.<lb/>
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            <head>Tagesordnung Jour fixe AK/ÖGB, 23.7.1976</head>
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