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            <title type="main">Dienstag, der 29. Juni 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band31_1976-06-29</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_01">Dienstag, 29. Juni 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_02">In der Bürges berichtet die Geschäftsführung, dass sich die Anträge<lb/>
auf Grund des Gewerbestrukturverbesserungsgesetzes verdoppelt<lb/>
haben. Wir werden kam mit den 217 Mill. S Budgetmittel auskommen,<lb/>
man schätzt ca. 260 Mill. S, dass wir brauchen werden. Im Vorjahr<lb/>
hatten wir 183 Mill. aus dem Budget und gaben für 188 Mill. S<lb/>
Kreditkostenzuschüsse. Die 5 Mill. hatten wir aus der Reserve genommen.<lb/>
Heuer sehe ich keine Möglichkeit, die 30 Mill. aufzubringen. Ein<lb/>
BÜG wird kaum in Frage kommen, ich erklärte neuerdings, dass ich<lb/>
die Geschäftsführung dafür verantwortlich mache, dass die Aktion<lb/>
nicht gesperrt werden darf. Ähnlich verhält es sich bei der Bürges-<lb/>
Stammaktion. Hier ebenfalls fast eine Verdoppelung. Ich bin sehr<lb/>
froh, dass ich wenigstens der Kreditrahmenerhöhung von 200.000<lb/>
auf 300.000 solange Widerstand entgegengesetzt habe. Leider hatte<lb/>
ich mich dann für 250.000 breitklopfen lassen. Hier haben die Einmalig-<lb/>
Zuschüsse schon jetzt 1/3 erreicht. Der Fremdenverkehrssonderkredit<lb break="no"/>aktion ergeht es nicht anders, ebenfalls eine Verdoppelung. Nur<lb/>
die Komfortzimmeraktion ging jetzt von 741 Fällen im Vorjahr auf<lb/>
539 oder von 28 Mill. auf 20 Mill. zurück. Die Komfortzimmeraktion<lb/>
war mir deshalb immer so zweckmässig erschienen, weil früher oder<lb/>
Später diese Aktion überhaupt zum Erliegen kommen wird. Anders bei<lb/>
den anderen. die sich ständig vermehren können und ich dann mit<lb/>
der Budgetbeschaffung grosse Schwierigkeiten haben werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Wir müssen ein System finden, wo<lb/>
wir, ohne dass die Aktionen stillgelegt werden, einschränken können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_04">Die Geschäftsführung möchte Räume, die sie im Mezzanin haben, aktivie<lb break="no"/>ren. Oben im letzten Stock ist es schrecklich heiss, der Sitzungssaal<lb/>
ist tatsächlich unter dem Glasdach. Für Adaptierung brauchen sie<lb/>
150.000 S. Ich habe deshalb mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> gesprochen, der mir aller<lb break="no"/>dings sagte, die 150.000 werden im Aufsichtsrat keine Schwierigkeiten<lb/>
machen, wohl aber die Absicht, Prokuristen zu bestellen. Durch die<lb/>
zusätzlichen Räume, die die Bürges schon seit Jahrzehnten hat, könnte<lb/>
sie sich auch personell unheimlich ausdehnen. Hier muss man versuchen,<lb/>
auf alle Fälle einen Riegel vorzuschieben oder Funktionen der Bürges<lb/>
geben, die ansonsten vielleicht das Ministerium machen müsste. Wenn<lb/>
wir im Hause entsprechende Personalreduzierung vornehmen müssten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte überleg Dir, welche Möglichkeiten wir auf<lb/>
lange Sicht gesehen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_06">In der ERP-Fachkommission für FV-Kredite habe ich einleitend fest<lb break="no"/>gehalten, dass meine Schreiben, die 200 Mill. S unbedingt zu ver<lb break="no"/>brauchen, nichts fruchtete. Insgesamt wurde nur für 15 Mill. S<lb/>
Ansuchen gestellt und genehmigt. Ich nützte die Gelegenheit, um<lb/>
der Kommission damit deutlich zu machen, dass ich Hinkunft nicht<lb/>
mehr solche grosszügigen Lösungen von der Regierung zugestanden bekom<lb break="no"/>men werde. Ich war mit eigentlich vollkommen klar, dass es unmöglich<lb/>
sein wird, alle Jahre für 500 Mill. S zusätzliche Mittel plus ERP-<lb/>
Ersatzaktion ausser den 150 Mill. ERP-Quote zu erhalten. Deshalb<lb/>
ist es mir eigentlich sehr recht, dass die Fremdenverkehrswirtschaft<lb/>
diesen Kredit von 200 Mill. so wenig nützte. Jetzt liegen schon wieder<lb/>
von der Hoteltreuhand 163 Anträge für über 1 Mia S. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__137484">Schütz</rs> be<lb break="no"/>stätigte mir, dass das Verhalten der Funktionäre der Fremdenverkehrs<lb break="no"/>wirtschaft in dieser Frage sehr ungeschickt war. Auch die Landwirt<lb break="no"/>schaft musste diesen zusätzlichen Kredit auch mit mehr oder minder<lb/>
auch mit Gewalt den anderen Kreditarten Ansuchenden aufzwingen.<lb/>
Die Kreditwerber haben abgelehnt, weil sie 5 % Zinsen und im Schnitt<lb/>
also dann durch die Freie Kapitalmarktfinanzierung 7,5 % bezahlen<lb/>
mussten und der Kredit nur eine Laufdauer von 5 Jahren hatte. Ich<lb/>
hätte erwartet, dass sich <rs type="person" ref="#per__139999">Schreiner</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> oder von der Hoteltreuhand jemand<lb/>
meldet und dagegen protestiert oder zumindestens erklärt. Die Handels<lb break="no"/>kammer war aber mäuschenstill. Nur Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__115702">Moser</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> erklärt, er hätte<lb/>
sich im Tirol eingesetzt, aber niemanden gefunden, der diesen Kredit<lb/>
wollte, da er kurzfristig ist und von der Wirtschaft nicht zurückge<lb break="no"/>zahlt werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_07">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> darauf verwiesen, dass<lb/>
die Ministeranfragen über die Budgeteinsparung und so weiter von<lb/>
der ÖVP alle gleichlautend bekommen. Die Koordinierung wird <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs><lb/>
vornehmen, sich daher bitte mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> ins Einvernehmen setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte die Anfrage mir zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_09"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat grösste Bedenken, den Wunsch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> aber auch anderer<lb/>
angeblich unserer Energiesektion, die Müllbeseitigung in die Elek<lb break="no"/>trizitätsförderung aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs> von der Industriellenvereini<lb break="no"/>gung möchte die Förderung der Eigenanlagen, wenn sie <choice><choice><sic>Wärmekupplungen</sic><corr>Kraft-Wärme-Kopplungen</corr></choice></choice><lb/>
durch die Müllbeseitigung damit Elektrizitätsgewinnung ermöglichen.<lb/>
einbeziehen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte überhaupt die gesamte Elektrizitäts<lb break="no"/>förderung streichen, da er budgetär kaum mehr Möglichkeiten hat,<lb/>
die ganzen Förderungen aufrechtzuerhalten. Da wir eine Reorganisation<lb/>
der Elektrizitätsförderung auf alle Fälle brauchen, um in der Kern<lb break="no"/><pb n="31-0778" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-29_0778.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kraftwerkskonzentration weiterzukommen, schlug ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vor,<lb/>
es all zwischen den Beamten entsprechende Verhandlungen stattfinden.<lb/>
Er nominierte <rs type="person" ref="#per__140792">Twaroch</rs>, ich <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_11">Die Milchsubvention wächst <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über den Kopf. Die Mehranlieferung<lb/>
1976 kostet ihn mindestens 200 Mill. S, für 1977 rechnet er bereits<lb/>
mit 230 Mill. Dazu kommt. dass die Absatzförderung für Exportstützung<lb/>
800 Mill. heuer braucht und für die Inlandsaktionen ebenfalls 200 Mill.<lb/>
veranschlagt werden. Auch für die Viehabsatzmöglichkeiten wird er<lb/>
grössere Mittel brauchen, 276.000 Schweine mehr stehen nur<lb/>
2.500 Rinder weniger gegenüber. Er rechnet, dass er für die Export<lb break="no"/>stützung 500 Mill. S braucht. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> erklärte, er müsse nur 250 Mill.<lb/>
im Budget aufbringen, weil 160 Mill. könnten durch Importabschöpfung<lb/>
zusätzlich gewonnen werden. Ich traf <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann noch am späten<lb/>
Abend, als wir im Bundeskanzleramt die Gesetze unterschreiben mussten,<lb/>
und er erklärte mir, auch bei Getreide müssten wir hart bleiben.<lb/>
Da er auch hier entsprechende Einsparungen machen muss und womöglich<lb/>
heuer keine Agrarpreiserhöhung erfolgen sollte. Ich verwies darauf,<lb/>
dass die Bauern sich wahrscheinlich an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und damit auch<lb/>
an ihn wenden würden. Wegen der Bauernpensionsversicherung hat das<lb/>
Sozialministerium jetzt auch die Anrechnung des Ausgedinges verzichtet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> fürchtet, dass die Sozialversicherung, die eine grosse<lb/>
Budgetpost ist und jetzt schon 15–20 % des Budgets ausmacht,<lb/>
ihm alle Zukunftsvorsorge unmöglich macht, weil er keinerlei Mittel<lb/>
mehr zur Verfügung hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_12">Im Bundesrat stand das Aussenhandelsgesetz, das Rohstofflenkungsgesetz<lb/>
und die Energielenkung zur Debatte. <rs type="person" ref="#per__110995">Pisec</rs> von der Wiener Kammer kam<lb/>
vorher zu mir und meinte, er würde nicht angreifen aber als zweite<lb/>
ÖVP-Redner kommen. Er hat dann sehr demagogisch sogar allerdings nicht<lb/>
mich sondern den Finanzminister wegen diverser Erhöhungen attackiert.<lb/>
Der erste Diskussionsredner der ÖVP hat gemeint, wir würden zu sehr<lb/>
ostanfällig sein und in der Energie Russland-abhängig. Diese mache<lb/>
zuerst Machtpolitik und erst in zweiter Linie Handelspolitik.<lb/>
Natürlich replizierte ich darauf und verwies darauf, dass er sich bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110995">Pisec</rs> über die Sowjets besser erkundigen könne. Bis jetzt haben sie<lb/>
nämlich jeden Vertrag genau gehalten. <rs type="person" ref="#per__110995">Pisec</rs> wieder behauptete in seinem<lb/>
Debattenbeitrag, dass die ÖVP für die föderalistische Lösung, insbesondere<lb/>
für die Einschaltung der Landeshauptleute eingetreten ist. Diesem konnte<lb/>
ich wieder sagen, er hätte sich in der Handelskammer genau erkundigen<lb/>
sollen und insbesondere bei den Leuten, die im Ausschuss waren, dort<lb/>
<pb n="31-0779" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-29_0779.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>habe ich nämlich dezidiert erklärt, dass ich gegen die Einschal<lb break="no"/>tung der Landeshauptleute gar nichts habe, wohl aber <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> die<lb/>
grössten Bedenken hatte. Neuerdings versicherte ich, weil auch<lb/>
unsere Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__114957">Heinz</rs> darauf zusprechen kam, dass die Atomkraft<lb break="no"/>werke nur dann in Betrieb gehen, wenn alle Sicherheitsbestimmungen<lb/>
eingehalten werden. dies ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit,<lb/>
hört sich aber ganz gut an.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_13">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__145321">Sultan</rs> <del>Misr</del> von der<add>[Misr]</add> Iran Development Bank in Kairo hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, <rs type="person" ref="#per__141601">Hendricks</rs> von der Warentreuhand und <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> bei mir dezidiert<lb/>
erklärt. es gibt in Kairo jede Finanzierungsmöglichkeit für ägyptisch<lb/>
österreichische Projekte, wenn österreichische Firmen sich kapital<lb break="no"/>mässig sich daran beteiligen. <rs type="person" ref="#per__141601">Hendricks</rs> bestätigte mir, dass die<lb/>
Idee <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, eine ägyptisch-österreichische Gesellschaft zu<lb/>
gründen, doch sehr vernünftig war und wahrscheinlich der einzige<lb/>
Weg ist, um in grössere Geschäfte einsteigen zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_14">Gen.Dir. a.D. <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs>, jetzt auch nicht mehr Präsident des Aufsichts<lb break="no"/>rates der ÖDK, kam sich bei mir verabschieden. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
meinte er, dass der böse Geist, der gegen ihn arbeitet, der BRO <rs type="person" ref="#per__114714">Inthal</rs><lb/>
sei. Dieser sei von ihm seinerzeit vom Reisseck extra nach St. Andrä<lb/>
versetzt worden, weil er in Reisseck sonst abgewählt worden wäre.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> glaubt noch immer, es gibt in der Politik einen Dank und<lb/>
ist deshalb sehr enttäuscht. Er meint, es sei auch sachlich von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114714">Inthal</rs> unmöglich, zu verlangen, dass seine Sekretärin, die er aus<lb/>
der Kantine übernommen hat, wozu <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> seinerzeit zustimmte, jetzt<lb/>
eine Umstufung von III auf IV erreichen möchte, obwohl diese Sekre<lb break="no"/>tärin nichts kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte kläre, ob tatsächlich Frau <rs type="person" ref="#per__145322">Bayer</rs> umgestuft<lb/>
werden soll, was eine ungeheure Unruhe auslösen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_16">Bei der Fa. Porr waren die Zentralbetriebsräte und die Direktoren<lb/>
versammelt, um mir ihre Wünsche vorzutragen. Sie möchten unbedingt<lb/>
den Pfänder-Tunnel als österreichische Arbeitsgemeinschaft bekommen.<lb/>
Ich habe ihnen mitgeteilt, dass ich ihr Schreiben der AK zur Kenntnis<lb/>
gebracht habe, hier müsste die AK und der ÖGB noch koordiniert werden.<lb/>
Mit <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> habe ich anschliessend in der Fraktion über dieses<lb/>
Problem geredet und er meinte, dass er die Innsbrucker Firma, deren<lb/>
Stammhaus allerdings in Deutschland sitzt und die um 30 % billiger<lb/>
offeriert hat, als österreichische Firma zu werten ist, Monier sei<lb/>
<pb n="31-0780" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-29_0780.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in Österreichischem Handelsregister und beschäftige auch österr.<lb/>
Arbeiter. Die Bauarbeitergewerkschaft dürfte also nicht hinter<lb/>
dem Plan von Porr stehen. Ich kann mich aber erinnern, dass es auch<lb/>
schon Schwierigkeiten gegeben hat, als Monier in der CSSR einen<lb/>
Hotelbau errichtete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_17">Die Kölnbrein-Sperre geht in eine paar Jahren zu Ende und die Arbeits<lb break="no"/>gemeinschaft braucht dringend eine neue nächste Sperre. Die Baustellen<lb break="no"/>einrichtungen müssten bereits im nächsten Jahr begonnen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte dieses Problem auf das nächstes Jour fixe<lb/>
mit der Verbundgesellschaft setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_19">Auch Annabrückl müsste Winter 1977 in Angriff genommen werden, weil<lb/>
dann entsprechende Kapazitäten der Bauwirtschaft frei sind. Überhaupt<lb/>
urgierten die Porr-Leute die Ausschreibungseinschränkung auf österr.<lb/>
Firmen, die wir im Handelsministerium ja in der Rezession begonnen<lb/>
haben und die momentan, weil die AK grösste Bedenken im Konjunktur<lb break="no"/>aufschwung hat, zurückgestellt wurde. Die AK versicherte uns, dass<lb/>
sie die Erfahrungen im Konjunkturaufschwung abwarten möchte, bis sie<lb/>
dem Ministerratsvortrag zustimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte trotzdem diesen Ministerratsvortrag<lb/>
spätestens für Herbst des Jahres vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_21">In Iran hat die Intervention von mir einen gewissen Erfolg gehabt<lb/>
Prok. <rs type="person" ref="#per__113107">Walter</rs><add>Fa. Porr</add> berichtete, dass doch einige hundert Mill. Rial<lb/>
jetzt gezahlt werden. Das Problem der Gleitung betrifft nicht nur<lb/>
Porr, sondern viele andere und macht insgesamt 10 Mia. Rial aus.<lb/>
Darüber wird man noch in der iranischen Regierung und insbesondere<lb/>
wahrscheinlich mit Schah reden. Bei der Hausbesichtigung wurde<lb/>
mir dann auch die EDV-Anlage gezeigt und erörtert, dass nur 7 %<lb/>
der angebotenen Offerte tatsächlich dann einen Zuschlag für Porr<lb/>
bringen. Ich frage mich dann immer, wie früher ohne computermässige Be<lb break="no"/>rechnung die Angestellte imstande waren, diese Unzahl von Offerten tat<lb break="no"/>sächlich zu erstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_22">In der ÖGB-Bundesvorstandsfraktion berichtete <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> allgemein über<lb/>
die Budgetsituation und ich dann über die Preisentwicklung und die<lb/>
Wünsche der Agrarier. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> bekräftigte in der Diskussion, dass<lb/>
eine Getreidepreiserhöhung nicht heuer kommen sollte und warf mir<lb/>
vor, ich hätte scheinbar jetzt eine weichere Haltung eingenommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_23"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> berichtete aber dann, dass <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> bei ihm war, um zu er<lb break="no"/>suchen, er solle sich doch einsetzen, dass der Weizenpreis auch<lb/>
für Füllweizen heuer erhöht wird. Die Fraktion nahm dann die Aus<lb break="no"/>führungen von ihm und mir zur Kenntnis, dass wir uns bemühen werden,<lb/>
so weit als möglich die Milchpreiserhöhung und die Getreidepreis<lb break="no"/>erhöhung hinauszuschieben. Für letztere fürchten wir aber wird es<lb/>
noch im Sommer zu einer Regelung kommen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_24"><rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> kam dann auch auf das Problem des Lehrstellenmangels<lb/>
zu sprechen und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, es müsste alles getan werden, damit für<lb/>
die nächsten 2 Jahre alle Lehrbuben untergebracht werden können,<lb/>
man dürfte dem ÖGB nicht vorwerfen, er hätte durch Nichtänderung der<lb/>
Verhältniszahlen verhindert, dass die entsprechenden Lehrwilligen<lb/>
unterkommen können. <rs type="person" ref="#per__112114">Freyschlag</rs> von den Privatangestellten ver<lb break="no"/>langte, dass die Lehrwerkstätten vergrössert werden. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> meinte,<lb/>
die Industrie könne deshalb Lehrlinge schwer einstellen, weil<lb/>
die Eltern insbesondere im ländlichen Raum dann erwarten, dass die<lb/>
Lehrlinge dann auch alle in diesem Betrieb bleiben können. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs><lb/>
gab zu bedenken, dass wir einen Schutz der älteren Dienstnehmer ver<lb break="no"/>langen, gleichzeitig die Jugendeinstellung verlangen, dass also sozu<lb break="no"/>sagen, der Arbeitsmarkt von uns ständig überlastet wird und wir dann<lb/>
für die mittleren Jahrgänge gar keine Beschäftigung mehr haben werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> hat wieder einmal sehr richtig logisch aber doch sehr extrem gedacht.<lb/>
Auf alle Fälle habe ich jetzt einen Beschluss in der Fraktion, dass<lb/>
ich bezüglich der Verhältniszahlen und der Einstellung der Lehrlinge<lb/>
alles unternehmen kann. Bezüglich der Organisationsform, nur mehr eine<lb/>
Stelle in jedem Bundesland und nicht für jede Innung noch mehrere<lb/>
in der Handelskammer, und bezüglich des Lastenausgleiches eine Umlage<lb/>
waren wir uns alle prinzipiell einig, ich sehe nur die Schwierigkeit<lb/>
die Handelskammer davon zu überzeugen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_25"><rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> berichtete ich, dass wir jetzt für die Pölser, seinem Wunsche ent<lb break="no"/>sprechend, ebenfalls die Bestätigung geben, Zinsenzuschuss zu zahlen,<lb/>
wenn die finanzielle Sicherung durch den Wasserwirtschaftsfonds und<lb/>
andere Kreditinstitute erfolgt. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> war darüber sehr erfreut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_26">Bei der Sektionsleiterbesprechung berichtete ich über Regierungsbeschlüs<lb break="no"/>se, insbesondere über die Einsparung. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> berichtet, dass der<lb/>
Dienstpostenplan um 1 % reduziert wird und daher 9 Dienstposten<lb/>
eingespart werden müssen. Diese werden aber in der Zentralstelle<lb/>
eingespart und nicht bei den nachgeordneten Dienststellen. Das<lb/>
<pb n="31-0782" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-29_0782.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Patentamt bekommt bestimmt nicht die 20 angeforderten Dienstposten<lb/>
um die PCD- Recherchefähigkeit<add>[?]</add> zu halten, müssen 100 Vorprüfer<lb/>
nachgewiesen werden. Da das Patentamt aber derzeit 250 hat, müsste es<lb/>
möglich sein, dass eine entsprechende Umschichtung erfolgt. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs><lb/>
wird sich diesbezüglich mit dem Präsidium des Patentamtes ins Ein<lb break="no"/>vernehmen setzen. Die finanziellen Ersparnisse können wir ohne<lb/>
weiteres in unserem Budget verkraften, offen bleiben nur die 120 Mill.<lb/>
plus 10 % wie es die ÖFVW wünscht, die Bergbauförderung, die wir jedes<lb/>
Jahr im BÜG dann endgültig regelten. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> hat mir erzählt, er sieht<lb/>
nicht Möglichkeiten, wenn wir bezüglich der Patentgebührenerhöhung den<lb/>
Finanzminister befriedigende Deckung anbieten.Die Patentgebühren<lb/>
haben 77 Mill. S 1975, 83,5 Mill. heuer und sollen 100 Mill. 1977<lb/>
bringen. Das Patentgesetz sieht vor, dass von 18 auf 20 Jahre die<lb/>
Patentgebühr in Hinkunft bezahlt werden muss, dies ist angeblich<lb/>
wie beim Europäischen Patentamt, nur wird dort der Zeitpunkt der<lb/>
Anmeldung gerechnet, bei uns erst der Zeitpunkt der Bekanntmachung,<lb/>
dadurch sind de facto oft für 28 Jahre die Patentgebühren zu bezahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-29_27">Der Fernscheiber wird in der Energiesektion am Schwarzenbergplatz<lb/>
installiert. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat mir Recht gemeint, man soll einmal durchrechnen,<lb/>
was ein Bote nach dem Schwarzenbergplatz kostet und gegebenenfalls<lb/>
dann die fernschriftliche Verbindung. Ich bin überzeugt davon,<lb/>
dass die fernschriftliche billiger kommt, nur sagt man sicherlich,<lb/>
das Bote ist sowieso im Amt, die haben sowieso nichts zu tun, die können<lb/>
ruhig die entsprechenden Botengänge auch nach dem Schwarzenbergplatz<lb/>
hin machen. Nur im Zuge von Dienstposteneinsparungen würde sich hier<lb/>
wirklich eine solche Kosten-Benefit-Rechnung auszahlen. Die offiziellen<lb/>
Sektionsleiterbesprechungen muss ich machen, schon allein, um dem<lb/>
BKA die gewünschten Tätigkeitsnachweise zu schicken. Ich bin überzeugt<lb/>
davon, dies war eine Kreisky-Idee, die er jetzt überhaupt nicht mehr wei<lb break="no"/>ter verfolgt. Bei ihm sitzt jetzt im Büro irgendwo jemand und ordnet<lb/>
diese Informationen, die er theoretisch von jedem Ministerium<lb/>
bekommen müsste und schubladiert sie dann. Die Verwaltungsreform<lb/>
müsste wirklich von ganz wo anders beginnen, nämlich Verwaltungsagenden<lb/>
zu streichen, zu vereinfachen, ganz einfach die Beamten nichts mehr<lb/>
tun lassen, dann braucht man sie auch nicht mehr ersetzen. Jetzt<lb/>
können sie auf Grund der irrsinnigen "Belastung" immer wieder<lb/>
neue Beamte anfordern und die effiziente Verwaltung wird deshalb nicht<lb/>
besser, wenn nicht sogar noch schlechter.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 29.6.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 33. Ministerratssitzung, 29.6.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>Inf. Tschach f. BM betr. EFTA, 24.6.1976</head>
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               <occupation>Obmann Fachgr. Gast-/Schankgewerbe HK Tirol</occupation>
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               <occupation>Beamter [Amtsdirektor HM; 1971 von JS als B-Beamter bezeichnet, der das
                  Budget im Einzelnen ausarbeitet und im Detail kennt]</occupation>
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