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            <title type="main">Mittwoch, der  9. Juni 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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ÖGB – <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs> – <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> und mir über<lb/>
die Entwicklung dieses Reorganisationsmodells. <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs>, der<lb/>
Walek, Wr. Neustadt, reorganisiert hatte und dort sehr schöne<lb/>
Erfolge erzielte, ist über die Vöslauer Wolle Spinnerei<add>[?]</add> unglück<lb break="no"/>lich. Er wird erst am 29. in der Generalversammlung bestellt.<lb/>
Dann erst hat er etwas zu bestimmen und vor allem einen Vertrag,<lb/>
der ihm eine gewisse Sicherheit gibt. Jetzt stellt er bereits<lb/>
aber fest, dass 1976 und 1977, wenn nicht eine weitere Reorgani<lb break="no"/>sation erfolgt, so grosse Verluste entstehen werden, dass dann<lb/>
dieselbe Situation für die Vöslauer, nämlich halbes Kapital ver<lb break="no"/>loren, zu verzeichnen sein wird, wie vor der Reorganisation.<lb/>
Hauptproblem ist, dass noch immer 40 Artikel mit 300 kg Partien<lb/>
auf Auftrag erzeugt werden. Fadenspinnen kann man in den Ent<lb break="no"/>wicklungsländern zu Preisen, die in Österreich niemals kosten<lb break="no"/>deckend sein können. Deshalb ist sein Prinzip, in die Fertigung<lb/>
zu gehen. Genau das Gegenteil wurde aber bei der Reorganisation<lb/>
gemacht. Dort hat man die Webstühle, 36 <choice><choice><sic>Sulzacher</sic><corr>Sulzbacher?</corr></choice></choice>, an Potten<lb break="no"/>dorf abgetreten. Der CA-Betrieb Pottendorf wird deshalb nach<lb/>
Meinung von <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> in kürzester Zeit aktiv gebaren. Die Vöslauer<lb/>
wird aber die Weberei und Ausrüstung verlieren und damit automa<lb break="no"/>tisch auf lange Sicht in eine furchtbare finanzielle Krise kommen.<lb/>
Er versucht zwar, durch Reorganisation z.B. jetzt geläufige Typen<lb/>
mit 15 Passagen auf 6 Passagen zu reduzieren und dadurch nicht<lb/>
einmal die Hälfte Maschinenwechsel erfolgt, die Kosten zu<lb/>
senken. Trotzdem müsste eine wesentlich grössere Reorganisation<lb/>
eine Sicherung des Textil-Ost-Projektes durch Zusammenschluss mit<lb/>
der Pottendorfer Weberei erfolgen. die Konzentration der Spinnerei<lb/>
auch der Micheldorfer hat nicht das gewünschte Ergebnis. Letztere<lb/>
exportiert 90 % ihrer Produktion nach Grossbritannien, wo auf dem<lb/>
Spinnsektor trotz dieser modernsten Spinnerei ein Defizit von<lb/>
14 Mill. S heuer entstehen wird. Die <rs type="person" ref="#per__141509">Piering</rs>-Strumpfhosenmaschinen-<lb/>
Exportlösung ist auch problematisch. Rumänien hat eine Zusage für<lb/>
die 21 Mill. S, die die Automaten gekostet haben, erhalten, dass<lb/>
es 7 Mill. Strumpfhosen dafür nach Österreich liefern kann.<lb/>
Der Preis dieser Strumpfhosen ist 6.50 S, wo 1.– S pro Stück für<lb/>
die Abzahlung der Maschinen beinhaltet ist. Daraus würde ein<lb/>
Verbraucherpreis von 10.– S pro Stück entstehen, niemand kauft<lb/>
<pb n="31-0684" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-09_0684.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sie teure Strumpfhosen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> erklärt. dass maximal 4.50 S<lb/>
jetzt ein tragbarer Einstandspreis wäre. Die Mindestpreisver<lb break="no"/>ordnung sieht zwar 5.80 S vor, doch wird dieser Preis bei den<lb/>
Importen durch Refaktie und sonstige Manipulationen wahrschein<lb break="no"/>lich tief unterschritten. <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> hofft, dass er im Aufsichts<lb break="no"/>rat der Vöslauer starke Mitglieder von der CA- und der <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>-<lb/>
Gruppe auf die <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> einen Einfluss hat, bekommen wird. Ich<lb/>
kann <rs type="person" ref="#per__140380">Mautsch</rs> nur empfehlen, wenn er von der Generalversammlung<lb/>
bestellt ist, dann sofort ein entsprechendes Expose über not<lb break="no"/>wendige Massnahmen vorzulegen, damit der Aufsichtsrat beauftragt<lb/>
wird, diese Reorganisation, wie er es sich vorstellt, vorzunehmen.<lb/>
Da bei Scheitern des Experimentes und Versuchsmodells Textil Ost<lb/>
natürlich auch das Prestige des Handelsministeriums leiden würde,<lb/>
bin ich sehr wohl sehr interessiert, dass dieses Experiment ge<lb break="no"/>lingt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte alle Vorkehrungen treffen,<lb/>
damit man uns nicht vorwerfen kann, wir hätten trotz Information<lb/>
die Angelegenheit nicht ernst genug gehandelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_04">Im Klub berichtet <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nur über die Finanzsituation, die<lb/>
Staatsschuld hat zwischen 70 und 74 um 24 Mia zugenommen und nur<lb/>
im Jahre 1975 und 1976 wird sie 60 Mia Zunahme verzeichnen. Dies<lb/>
sei aber notwendig. Zur Sanierung wird er die Milchstützung abbauen<lb/>
und die Stempelgebühren, die noch immer 15.– S beträgt, erhöhen.<lb/>
In der Diskussion melden sich nur drei und darunter fragt <rs type="person" ref="#per__126223">Tull</rs> an,<lb/>
ob es nicht zweckmässiger ist, auf einmal alle notwendigen Sa<lb break="no"/>nierungsmassnahmen in einem durchzuführen. Dagegen spricht sich<lb/>
natürlich sowohl <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> als auch der zu spät kommende <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ganz entschieden ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_05">Wegen Abbau der Milchstützung spreche ich mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> unter Anwesen<lb break="no"/>heit von <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
vereinbart 22 Groschen von den 52 Groschen Milchpreisstützung<lb/>
womöglich einzusparen. Darüber hinaus sollen noch 7 Groschen<lb/>
Qualitätsstützung wegfallen. die 30 Groschen Stützung, die dann<lb/>
noch verbleiben, sollen unbedingt beibehalten werden, weil <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
davon ja gleich die 20,5 Groschen Krisengroschenbeitrag einbehält.<lb/>
Wenn er gar keine Stützung mehr auszahlen würde, könnte er keine<lb/>
Gegenverrechnung durchführen und wahrscheinlich auch daher kaum von<lb/>
den Bauern resp. Molkereien ihren Krisengroschenanteil bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_06">Die 29 Groschen Stützungsersparnis bringen bei rd. 2 Mia. Liter<lb/>
580 Mill. S. Dazu meint <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> müsste man dem Erzeuger noch 20 Groschen<lb/>
geben, was ungefähr 430 Mill. S Konsumentenbelastung bedeutet<lb/>
würde. Wenn man nun den Transportausgleich, wie im Vorjahr, <choice><choice><sic>mi</sic><corr>mit?</corr></choice></choice><lb/>
63 Mill. S und die Lohnerhöhung, die voriges Jahr 195 betragen<lb/>
hat und von denen auch <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> annimmt, dass sie 150 Mill.<lb/>
heuer kosten wird, berücksichtigt, so sind 1,2 Mia. rund aufzubringen<lb/>
Dies würde bei 500 Mill. Trinkmilchabsatz bedeuten, dass der<lb/>
Liter um 2.40 S erhöht werden muss. Vor dieser Belastung warnt<lb/>
sowohl der ÖGB als in einem Elaborat auch die AK, da damit die<lb/>
Lebenshaltungskosten um 1,5 Punkte, das sind auf den April-Index<lb/>
bezogen 0,9 % Erhöhung resultieren müsste.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_07">Mit <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> bespreche ich ebenfalls die Milchpreis<lb break="no"/>anträge und vor allem die Getreidepreis-Wünsche der Landwirtschaft.<lb/>
Nach wie vor möchte <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> zu einem späteren Zeitpunkt das Problem<lb/>
erst lösen. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> erklärt aber, und <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> bestätigt es mir<lb/>
nachher, dass man in Gewerkschafts- und Kammerkreisen doch ein<lb break="no"/>sieht, dass die Regierung wahrscheinlich noch im Sommer eine Lösung<lb/>
treffen muss. Entgegen der Meinung von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> plädiere ich immer<lb/>
stärker, die Preisregelung auf gewissen Gebieten aufzulassen. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
möchte vor allem auf den Normalweizen unter gar keinen Umständen<lb/>
auch nur 1 Groschen Preiserhöhung beschliessen. Hier deckt er sich<lb/>
vollkommen mit meiner Auffassung. Es gelingt mir, zu dieser Ge<lb break="no"/>sprächsrunde auch noch Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zuzuziehen. Dieser wehrt<lb/>
sich ganz entschieden, irgendwelche Erklärung abzugeben, ja nicht<lb/>
einmal über die Problematik zu verhandeln, solange nicht die Prä<lb break="no"/>sidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer dazu Stellung genommen<lb/>
hat und vor allem er mit seinen Fachleuten entsprechende Vorbera<lb break="no"/>tungen geführt hat. In weiterer Folge gelingt mir, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97743">Minko<lb break="no"/>witsch</rs> zu einem kurzen Gespräch zusammenzubringen und sie zu beschul<lb break="no"/>digen, dass sie nicht verhandlungsbereit sind. Diese Aussprachen sind<lb/>
für mich ungeheuer wichtig, weil ich dann gegenüber der Landwirt<lb break="no"/>schaftskammer, insbesondere der Präsidentenkonferenz und dem Prä<lb break="no"/>sidenten von NÖ <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs>, der mich wegen der Nicht-Verhandlung<lb/>
attackiert, nachweisen kann, dass ich jede Gelegenheit nütze,<lb/>
um doch zu einem Akkord mit den verschiedensten Auffassungen<lb/>
zu gelangen. Ich habe deshalb auch mit dem Bauernbunddirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> ein Vier-Augen-Gespräch geführt. Dieser will nämlich<lb/>
von mir wissen, wie es weitergeht. Gegen meine Konzeption hat er<lb/>
<pb n="31-0686" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-09_0686.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kaum etwas sachlich einzuwenden. Er so wie alle Landwirte<lb/>
fürchten in Wirklichkeit auch, dass die Erhöhung des Füll<lb break="no"/>weizenpreises weitere Überschussproduktion auf diesem Gebiet<lb/>
auslösen muss. Qualitätsweizen aber, den wir gegebenenfalls exportie<lb break="no"/>ren könnten und wo <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> sagt, er hat jetzt noch 140.000 t auf<lb/>
Lager sowie Durum-Weizen, den wir dringendst brauchen, wird bei<lb/>
der jetzigen Preisrelation aber kaum abgebaut. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> versprach<lb/>
mit seinen Leuten Rücksprache zu nehmen und mir dann in de Nacht<lb break="no"/>sitzung entsprechende Informationen zu geben. Dies hat er dann<lb/>
aber nicht getan, wahrscheinlich weil er mit seinen Leuten entweder<lb/>
überhaupt nicht sprechen konnte oder keine Übereinstimmung erreichen<lb/>
konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Wir können jetzt überall herum<lb break="no"/>erzählen, wie ich durch ständige Kontakte und Gespräche mit den<lb/>
einzelnen Interessensvertretungen versuche, vor der offiziellen<lb/>
Preiskommission Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_09">Die Oberösterreicher machen mich im Klub darauf aufmerksam, dass<lb/>
im Linzer Volksblatt eine Glosse von <rs type="person" ref="#per__145375">Rosenbauer</rs> steht, de sich<lb/>
bitter beschwert, dass in Teheran weder der Bundespräsident noch ich<lb/>
bei der Böhler-Werkseröffnung zu ihnen gekommen sind. Er selbst<lb/>
hätte dort schon seit langem eine Kooperation. Abgesehen davon,<lb/>
dass ich davon überhaupt nichts wusste, auch der Handelsdelegierte<lb/>
scheinbar keine Ahnung hatte, sonst hätte er mich aufmerksam ge<lb break="no"/>macht, fand ich die Behauptung: "Nur weil er kein verstaatlichter<lb/>
Betrieb ist, hat man ihn nicht besucht", als unerhört. Ich habe mich<lb/>
deshalb sofort bei <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> darüber beschwert, der wie erwartet<lb/>
erklärte, er könne ja nichts für die Schreibweise des Linzer<lb/>
Volksblattes. Zuerst dachte ich mir, an das Linzer Volksblatt, insbe<lb break="no"/>sondere meinem stillen Verehrer, Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__97633">Klar</rs>, einen Leserbrief<lb/>
zu schreiben. Besser ist es aber, wenn ich jetzt eine Sachverhalts<lb break="no"/>darstellung der zu Ende meiner Verwunderung Ausdruck gibt, Herrn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__145375">Rosenbauer</rs> persönlich schreibe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> einen Briefentwurf aus<lb break="no"/>arbeiten. Mit Kopie und Begleittext dann an<add>[den]</add> Bundespräsidenten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_11">Die Paritätische Kommission, die ich zu präsidieren hatte,<lb/>
dauerte 5 Minuten. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meinte, wenn er dies gewusst hätte,<lb/>
wäre er gar nicht gekommen. Da die Paritätische Kommission durch<lb/>
die Präsidenten-Vorbesprechung mehr oder minder ein richtig formales<lb/>
Entscheidungsinstitut nur mehr ist, wird sie früher oder später<lb/>
sicherlich total abgewertet. Da ich ja nur subsidiär für <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
als Vorsitzender fungiere, brauche ich mir darüber nicht allzu<lb/>
sehr den Kopf zu zerbrechen. Eine notwendige Reorganisation wird<lb/>
allerdings früher oder später kommen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_13">Mit Minister <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, seinem Sekretär <rs type="person" ref="#per__140342">Hermann</rs> und dem zuständigen<lb/>
Ministerialrat bei ihm besprach <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich die weitere<lb/>
Vorgangsweise für das Filmförderungsgesetz. Wir kamen erwartungs<lb break="no"/>gemäss überein, dass selbstverständlich sowohl die kulturelle<lb/>
Filmförderung bei <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> als auch die kommerzielle bei uns<lb/>
in einem Gesetz-Entwurf zusammengefasst werden sollen. Die Filmför<lb break="no"/>derung wird aber streng getrennt. Die jetzige, bei <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs>, er<lb break="no"/>fuhr ich jetzt endgültig, beruht auf zwei Krediten, die die<lb/>
Wien-Film aufgenommen hat und wovon jährlich im Unterrichtsbudget<lb/>
entsprechende Rückzahlungen erfolgen. Ursprünglich hatte ich ge<lb break="no"/>dacht, dass <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> irgendwo eine grössere Budgetpost aus<lb/>
Liquidationserlösen der Wien-Film bekommen hat. Jetzt erfahre ich,<lb/>
dass es sich hier um einen reinen Kreditvertrag handelt, der<lb/>
eben durch Budgetposten dann beim Unterrichtsminister zurückge<lb break="no"/>zahlt wird. Dies ist wohl die teuerste und komplizierteste Lösung,<lb/>
die man sich vorstellen kann. Jeden anderen Vorschlag, wenn ihn der<lb/>
Finanzminister akzeptiert, können wir daher in Zukunft als Handels<lb break="no"/>ministerium und Unterrichtsministerium darauf verweisen, dass wir<lb/>
eine bessere Lösung gefunden haben als in der Vergangenheit<lb/>
praktiziert wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte versuche die ziffernmässige Kredit-<lb/>
und Finanzierungssituation, vor allem wann diese Lösung begonnen<lb/>
hat, von dem zuständigen Ministerialrat zu erfahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_15">Die Aussprache über die Rennweger Kaserne mir <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und unserem Präsidium verlief für mich erwartungs<lb break="no"/>gemäss. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> möchte die Rennweger Kaserne billigst kaufen, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
möchte den Bundesgrund überhaupt nicht hergeben, weil er – und dies<lb/>
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in Hinkunft grössere Grundstücke benötigen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte des<lb break="no"/>halb<add>[einen]</add> Grundtausch vornehmen. Dies gilt vor allem für alle Kasernen,<lb/>
die im Wiener Raum liegen. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> wieder erklärt, er hat dafür<lb/>
keinen Grund zur Verfügung. Der langen Verhandlung kurzer Sinn:<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> entschied dann auch nur, es all ein städtebauliches Konzept<lb/>
auf dem Grund der Rennweger Kaserne ausgearbeitet werden. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
wird eine solche Ausschreibung vornehmen. Für mich ist es klar,<lb/>
dass es jahrelang dauern wird, bis man sich überhaupt über dieses<lb/>
Konzept geeinigt hat, dann weitere Jahre, bis die Durchführung verein<lb break="no"/>bart ist, <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> befürchtet bei einer gemeinsamen Gesellschaft<lb/>
ähnliche Erfahrungen wie beim Allgemeinen Krankenhaus. Bei dieser<lb/>
Gelegenheit kamen überhaupt die Grundstücktransaktionen zwischen<lb/>
Bund, Bundesstellen und der Gemeinde zur Sprache. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> möchte, dass,<lb/>
z.B. auf den Eisenbahngründen, die ÖBB jetzt nicht Überdachungs<lb break="no"/>vermietungen und Bauten durchführt. Dies ist nämlich wie ich aus<lb/>
dem Landstrasser Projekt weiss, ein gutes Geschäft für die Bundes<lb break="no"/>bahn. Auf ihrem Grund kann die Bahn machen was sie will, es kann<lb/>
gar niemand anderer dort auch nur Baurecht erlangen, sondern nur<lb/>
Mietverträge mit guten Einnahmen, bei Heimfall dann der Bauten<lb/>
nach einer gewissen Zeit. Deshalb wehrt sich die Bundesbahn<lb/>
wahrscheinlich gegen jedwede Abtretung von nicht benötigtem Bahn<lb break="no"/>grund. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte nun – <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hätte dafür Verständnis –<lb/>
die Lassallestrasse, das riesige Güterbahnhofsgelände, ebenfalls<lb/>
in eine städtebauliche Lösung einbeziehen. Solange aber diese<lb/>
Grossprojekte überhaupt nicht in Angriff genommen werden können,<lb/>
wird man mit dem Tausch von Kasernen, Bahngrund usw. nicht weiter<lb break="no"/>kommen. die stundenlange Sitzung hat als einzigen Erfolg gebracht,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> seine Jugendanekdoten als er auch noch VSM-Obmann<lb/>
von der Landstrasse zeitweise war, zum besten gab. Schön langsam wird<lb/>
er eine Institution.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_16"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sagte mir lächelnd, er hätte in der Kronen-Zeitung gelesen,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und er nach meiner Meinung noch weiter kandidieren<lb/>
werden. Ich sagte, <rs type="person" ref="#per__97346">Toni</rs> gegenüber, genauso wie ich es <rs type="person" ref="#per__123326">Genn</rs> ge<lb break="no"/>sagt habe, ich bin überzeugt davon, dass beide in der "Hack'n"<lb/>
sterben werden. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> interessierte sich über die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__133398">Mahr</rs><lb/>
und ich erzählte ihm, dass dieser behauptete, er hätte in stunden<lb break="no"/>langem Gespräch mit ihm die Nachfolge-Frage im ÖGB sehr genau<lb/>
diskutiert. <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> und <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> kämen nicht in Frage sondern<lb/>
nur ich, soll <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gesagt haben. Ich erklärte sowohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> jetzt<lb/>
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Auch jetzt wartete ich aber nicht seine Antwort ab, sondern setzte<lb/>
mich sofort auf die Regierungsbank. Ich wollte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ganz be<lb break="no"/>wusst nicht zu einer Äusserung veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-09_17"><rs type="person" ref="#per__145376">Josef Strabl</rs> als ehemaliger Sportredakteur hat zu seinem 70. Geburts<lb break="no"/>tag in seine jetzige Arbeitsstätte – Stadthalle – zu einem Empfang<lb/>
eingeladen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich kamen zwar um zweieinhalb Stunden zu<lb/>
spät, doch war dort wirklich noch alles bummvoll. Noch später<lb/>
ist allerdings dann <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erschienen, als wir schon wieder ins<lb/>
Parlament zurückkeilten. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vermerkte mit Recht, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ein ungeheuer gutes Gspür hat, wen und wann er besuchen muss.<lb/>
Dort waren eine grosse Anzahl von Redakteuren und damit eine weitere<lb/>
Publicity sicher. Hier glaube ich, irrt <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat vielleicht<lb/>
<choice><choice><sic>diese Nebeneffekt</sic><corr>diesen Nebeneffekt? diese Nebeneffekte?</corr></choice></choice> auch berücksichtigt. In Wirklichkeit aber legt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> tatsächlich grossen Wert darauf, seine alten Freunde<lb/>
aus der Jugendorganisation und ehemalige Kampfgefährten auch aus<lb/>
einem glaube ich persönlichen menschlichen Bedürfnis bei solchen<lb/>
Gelegenheiten ihm wirklich zu gratulieren. Immer wieder muss ich<lb/>
objektiverweise zugeben, obwohl ich mich bemühe, nicht von dem<lb/>
Charme und der Methode <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> einfangen zu lassen, dass er<lb/>
unwahrscheinlich gut sein Image aufbaut und damit auch die näch<lb break="no"/>sten Wahlen entsprechend positiv vorbereitet. Ob er dies wissent<lb break="no"/>lich oder instinktiv tut, ist in diesem Fall ganz gleich.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.6.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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