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            <title type="main">Dienstag, der  8. Juni 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <idno type="signature">Band31_1976-06-08</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_01">Dienstag, 8. Juni 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_02">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über seine<lb/>
Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>. Bezüglich der Zinsensenkung<lb/>
seine eine volle Einigung erzielt worden, obwohl der Eindruck<lb/>
bleibt, dass grosse Gegensätze bestanden haben und noch teilweise<lb/>
bestehen. Auch über die Budgetsituation konnte eine prinzipielle<lb/>
Einigung erzielt werden. Die Situation ist sehr schwierig und die<lb/>
Minister werden sich einschränken müssen. Bezüglich der erwartenden<lb/>
Belastungen die mit 1.1.1977 beginnen sollen, warnt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nach<lb break="no"/>träglich von einer Paketlösung oder Taubenschlagmethode. Es sollte<lb/>
nur eine individuell Schritt für Schritt beginnende Budgetlösung<lb/>
mit entsprechenden Belastungen geben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte 1972/73 hätte<lb/>
die Partei die Regierung auch nicht unterstützt und jetzt müsste eine<lb/>
starke Unterstützung erwartet werden. Dies gilt ganz besonders für<lb/>
das Problem der Umverteilung der direkten und indirekten Steuerbe<lb break="no"/>lastung usw. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schlägt vor, dass die Renner-Stiftung jetzt sich<lb/>
dieser Probleme annehmen muss und wegen dem Budget, Umverteilung,<lb/>
Zinsensenkung usw. eine Aufklärungskampagne gestartet werden müsste.<lb/>
Die Rennerstiftung arbeitet aber, wenn überhaupt, dann nur wenn sie<lb/>
Aufträge von aussen bekommt. Die Propaganda der österreichischen<lb/>
Volkspartei läuft jetzt darauf hinaus, dass die Arbeitsplatzsicherung<lb/>
welche sich bestens bewährt hat und die Bevölkerung uns anrechnet,<lb/>
als die Leistung der Wirtschaft hingestellt wird. Überhaupt wird die<lb/>
Regierungsunterstützung der Wirtschaft geleugnet. Jetzt müsste ent<lb break="no"/>sprechende Gegenpropaganda einsetzen und dafür hätte jetzt die SPÖ, da<lb/>
ihre Einnahmen mit Spesen zu viel belastet sind, kein Geld.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_03">Auf Anfrage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> erklärt <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, dass das Volkszählungsgesetz jetzt<lb/>
schnell erledigt werden kann und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> das Volksgruppen<lb break="no"/>gesetz, welches bezüglich Amtssprache, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint sensationelle<lb/>
Zugeständnisse bringen wird, bald über die Bühne gehen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint, die sozialistischen Studenten sind jetzt auf die slowenische<lb/>
Anti-Assimilierungspropaganda reingefallen. Die Linken interessieren<lb/>
sich gar nicht, was alle geschieht. Die Assimilierung sei aber die<lb/>
beste Lösung, wenn sie wie in Österreich ja auf alle Fälle auf frei<lb break="no"/>williger Basis garantiert erfolgt. Im sonstigen Österreich werden<lb/>
jährlich 2.000 Jugoslawen eingemeindet. Wenn dieser Trend anhält, haben<lb/>
<pb n="31-0677" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0677.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wir in 10 Jahren mehr Jugoslawen bei uns assimiliert als die<lb/>
ganzen Kärntner Slowenen wahrscheinlich ausmachen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_04">In der Ministerratssitzung schlägt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, da er einige Briefe<lb/>
bekommen hat vor, alle Schreiber zu einer Aufklärungsbesprechung<lb/>
wegen der Minderheiten ins Bundeskanzleramt einzuladen. Er will mit<lb/>
ihnen einige Stunden darüber diskutieren, wenn sie kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_05">Zur Industriekommission die anschliessend ist, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bereits<lb/>
in der Ministerratssitzung gemeint, dass Papier, Glas, Fahrzeugindustrie,<lb/>
insbesondere Waggonbau, und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ergänzt, auch die Nachrichten, Tech<lb break="no"/>nik, besonders Schrack und Kapsch die kritischsten Industriezweige<lb/>
sind die untersucht gehören. Im Wirtschafts- und Sozialfonds sei,<lb/>
kritisierte er, nichts geschehen. Die ERP-Sektion wird in Hinkunft<lb/>
mit Verstaatlichten zusammengelegt und <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> führen. Vor der Industrie<lb break="no"/>kommissionssitzung habe ich noch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wegen der Äusse<lb break="no"/>rung von <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> arg kritisiert. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, er könne doch dafür<lb/>
nicht verantwortlich gemacht werden, wie er mir auch nachher telefonisch<lb/>
als er sich wegen Russland entschuldigt, dass er nicht mitfahren kann,<lb/>
neuerdings versichert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_06"><rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> berichtet über die Änderung der Ausgleichs-und Konkursordnung<lb/>
dort wird durch die Novelle die Arbeitsplatzsicherung eine primäre<lb/>
Stellung erlangen oder denkt hier mit dem Sozialminister gemeinsam<lb/>
an eine Pflichtversicherung der Unternehmer für entsprechende For<lb break="no"/>derungen der Arbeitnehmer. Bezüglich des Gesellschaftsrechtes<lb/>
wird eine Anhebung der Ges.m.b.H.-Kapitalmindestausstattung von<lb/>
100.000 auf 500.000 erwogen. Die Öffentlichkeitspflicht insbesondere<lb/>
Bilanzveröffentlichungen usw. soll wesentlich verstärkt werden.<lb/>
Dagegen macht <rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs>, Gen.Sekr. der Industriellenvereinigung, grösste<lb/>
Bedenken geltend im Hinblick auf die jetzt gegenteilige Entwicklung<lb/>
in der EG.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte prüfen lassen, ob tatsächlich in Deutschland<lb/>
und anderen EG Staaten jetzt diese Entwicklung tatsächlich festzustel<lb break="no"/>len ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_08">Bezüglich der Beiratsstudie-Erfüllung Industriepolitik 1970 behaupte<lb/>
ich frech bei meinem Referat, dass alles ausser die Kapitalbeteiligungs<lb break="no"/>gesellschaft erfüllt ist. Dies hat ja bereits <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bei seinem Ein<lb break="no"/>leitungsstatement kritisiert. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchten den Wirt<lb break="no"/><pb n="31-0678" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0678.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schafts- und Sozialbeirat jetzt auch in die Industriekommissions<lb break="no"/>arbeit einschalten. Der Beschluss lautet dann, dass bis zur nächsten<lb/>
Sitzung im September die Sozialpartner entsprechende Vorschläge<lb/>
bezüglich Fortschreibung der Industriestudie und der Ergänzung in<lb/>
einem eigenen Tagesordnungspunkt vorlegen soll. Prof. <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> wird die<lb/>
Beteiligungsgesellschaften behandeln. Das Finanzministerium wird den<lb/>
E+E-Fonds und ERP-Fonds, sowie die anderen Möglichkeiten der Verein<lb break="no"/>heitlichung und der Vereinfachungen studieren und unter Zuziehung der<lb/>
Sozialpartner und des Handelsministeriums, sowie Prof. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs>,<lb/>
evtl. Bankenvertreter, das nächste mal einen Bericht bringen. Über<lb/>
die Papierstudie wird nicht, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in der Vorbesprechung ent<lb break="no"/>schieden hatte, das Handelsministerium federführend, sondern die<lb/>
beteiligten Banken, insbesondere die CA und Länderbank sowie die<lb/>
Investitionskredit AG und die Sozialpartner werden nur unter Zuziehung<lb/>
des Handelsministeriums selbst eine entsprechende Studie ausarbeiten.<lb/>
Über diese Entscheidung diskutiere ich nachher mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und wir kommen<lb/>
beide zur Auffassung, dass dies die beste Lösung für uns ist. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
hatte zwar einleitend festgestellt, dass er bezweifelt, dass der Bundes<lb break="no"/>kanzler überhaupt eine Kompetenz für die Industriekommission hat. Die<lb/>
Koordinierung die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> immer wieder heranzieht ist nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> nur dann zutreffend, wenn es innerhalb der Regierung zwischen<lb/>
dem verantwortlichen Ressort differente Auffassungen gibt. Natürlich<lb/>
lehnt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine solche Minimalstauslegung des Ministeriengesetzes kate<lb break="no"/>gorisch ab. wanke bestätigt mir nachher, dass mit den Ergebnissen der zweiten<lb/>
Industriekommissionssitzung wir sehr zufrieden sein können. Hätte das Handels<lb break="no"/>ministerium die Federführung irgendwo bekommen, so wäre selbstverständlich dann<lb/>
von uns auch wirklich ein entsprechender Vorschlag, aber nicht nur das, sondern,<lb/>
was noch viel wichtiger gewesen wäre, die Durchführung dann erwartet worden.<lb/>
Dazu habe ich aber weder den entsprechenden Beamtenapparat, noch aber, was viel<lb/>
wichtiger wäre, die finanziellen Möglichkeiten. Besonders im Hinblick auf die<lb/>
Budgeteinsparung glaube ich, dass hier nicht mit wesentlich mehr Mittel, sondern<lb/>
eher vielleicht mit weniger Budgetmittel zu rechnen ist. Die nächste Tagesordnung<lb/>
wird die Handelskammer einen Vorschlag für die Eigenkapitalbildung machen. Ich<lb/>
bin neugierig wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann mit der Budgetsituation auf solchen Vorschlag<lb/>
reagiert. Zusammenfassend kann ich mich nur wundern, wie es <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier wieder<lb/>
geglückt ist die Industriellenvereinigung und die Handelskammer, sowie alle ÖVP-<lb/>
Funktionäre, die in der Öffentlichkeit so gegen die Industriekommission gewettert<lb/>
haben, dann letzten Endes dann doch auf einen Tisch nicht nur zusammenzubringen,<lb/>
<pb n="31-0679" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0679.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sondern dann auch noch gemeinsame Beschlüsse für die weitere Vorgangsweise<lb/>
zu schaffen. Das einzige was die Handelskammer dann letzten Endes verlangte<lb/>
war, dass es sich bei Papier nicht um eine institutionalisierte Kommission han<lb break="no"/>delt, sondern eben um eine ad hoc gebildete. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mit Recht zuerst schon in der<lb/>
Ministerratsvorbesprechung und dann auch gleich bei der Industriekommissionssitzung<lb/>
Eröffnung erklärt, dass es ihm gar nicht stört, dass die Öffentlichkeit in Zeitungen<lb/>
und Medien so mit der Industriekommission beschäftigt, ja sogar von der Opposition<lb/>
konfrontiert wird. Besser als wie wenn man über die Kommission geschwiegen hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wichtig ist nur, dass unsere Vertreter und insbesondere Du<lb/>
selbst überall entsprechend verankert wirst, damit wir die notwendigen Informa<lb break="no"/>tionen bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_10">Bei der Berghauptleute-Konferenz höre ich mir eine weile die Interpretation des<lb/>
Berggesetzes durch <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> an. Diese Organisation ist noch sehr stark hierarchisch<lb/>
gegliedert und scheinbar auch noch hierarchisch geführt, trotz der verhältnis<lb break="no"/>mässig derzeitig schwachen Führung von <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs>. Drei spezifische Probleme kommen<lb/>
dann auf meine besondere Anregung zur Diskussion. In St. Anton wurde auf <choice><choice><sic>Veranordnung</sic><corr>Anordnung? Verordnung?</corr></choice></choice><lb/>
der Berghauptmannschaft die Räumungsarbeiten beim Hangrutsch vorgenommen und sind<lb/>
bis jetzt 2,3 Mio. Schilling Kosten der Baufirma Gabriel erwachsen. Jetzt liegt ein<lb/>
Gutachten der geologischen Bundesanstalten vor, dass der Bergbau nicht der Ver<lb break="no"/>ursacher war. Da wir aber angeschafft haben, werden wir auch die entsprechenden Kosten<lb/>
übernehmen müssen. Ich empfehle, dass man, da jetzt die Wildbach-und Lawinenverbau<lb/>
in Hinkunft wird mitfahren lassen müssen, dass man auch 1/3 Land, 1/3 Wildbach<lb break="no"/>verbauung, d.h. Landwirtschaftsministerium und 1/3 wir zahlen sollten. <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl</rs> hat<lb/>
die diesbezüglichen Verhandlungen mit dem Landwirtschaftsministerium geführt und wird<lb/>
versuchen eine solche Lösung zu erzielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Vielleicht kannst Du bitte drüben diese Lösung einleiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_12">Die Lakog müsste jetzt entsprechende Bohrungen durchführen, damit nicht in weiterer<lb/>
Folge aufgelassene Stollen einbrechen. Der Berghauptmann hat aber festgestellt,<lb/>
dass bei Strassenprojekten die Lakog gar nimmer erscheint. Auch bezahlt sie keine<lb/>
Grubenmaßgebühren, damit nach 2 Jahren das ganze Recht anheimfällt und wir dann<lb/>
als Berghauptmannschaft die notwendigen Veranlassungen treffen müssen und natürlich<lb/>
dann auch sie zu bezahlen hätten. Die Lakog erwartet entsprechende Bergbauförderung<lb/>
da sie nur mehr 2.5 Mio. Schilling für Sicherungsmassnahmen hat. Hier erkläre ich<lb/>
dass die ÖIAG als mehr oder minder De-facto-Nachfolgerin entsprechende finanzielle<lb/>
Unterstützung geben müsste.<lb/>
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            <pb n="31-0680" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0680.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> dieses Problem besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_14">Die GKB hat ein Schreiben von der ÖIAG bekommen, dass<add>[eine]</add> entsprechende finanzielle<lb/>
Sicherung des Tagbaues Oberndorf insbesondere Bärenbach nur dann möglich ist,<lb/>
wenn eine Einhandgesellschaft zwischen der GKB und der WTK geschlossen wird. Ich<lb/>
kann mir dies nicht vorstellen, denn der Regierungsbeschluss lautet, dass die <choice><choice><sic>Ober<lb break="no"/>tagsarbeiten</sic><corr>Übertagearbeiten</corr></choice></choice> so vorzubereiten sind, dass so schnell als möglich damit begonnen wird<lb/>
um Arbeitskraftfreisetzungen von der Zentralwerkstätte in Bärenbach zu verhindern.<lb/>
Die ÖIAG hat meines Wissens nach nur abhängig gemacht, dass ein Vorvertrag zwi<lb break="no"/>schen ÖDK und GKB über die Kohlenlieferung und den Kohlenpreis zustande kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche dieses angebliche Schreiben zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_16">Dr. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs>, Chemie Linz, und <rs type="person" ref="#per__112049">Rimsky</rs> haben zwei Wünsche. Erstens dass ich sie unter<lb break="no"/>stütze, dass sie mehr Gas von der ÖMV resp. RAG bekommen. Derzeit erhalten sie zu<lb/>
den 300 Mio. cbm noch 50 Mio zu einem Preis von 1.40 Schilling pro cbm. Die OÖ<lb/>
Ferngas möchte von der ÖMV noch einen grösseren Anteil und ganz besonders dass<lb/>
nicht die ÖMV diese Mehrlieferung nach Oberösterreich gleich für die <choice><choice><sic>Linz-Chemie</sic><corr>Chemie Linz</corr></choice></choice><lb/>
bestimmt bezeichnet. 1977 würde die Linz Chemie 530 Mio und 1978 sogar 570 Mio. cbm<lb/>
benötigen. Diese künftigen Jahre werden bezüglich der Belieferung noch knapp sein,<lb/>
dann rechnet ja ab 1980 die ÖMV mit ganz grossen Überschüssen aus den Iran-Russland-<lb/>
Vertrag. Bis zu diesem Zeitpunkt muss eine entsprechende Lösung gefunden werden<lb/>
selbstverständlich mit Priorität der chemischen Industrie. Die Begründung dafür ist,<lb/>
dass die Düngemittelproduktion ansonsten sich sehr verteuern würde und <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs><lb/>
wofür ich ja bei ihm besonders bedanke, jetzt sogar eine Preissenkung vorgenommen<lb/>
hat. Diese Preissenkung, kann ich ihm allerdings nachweisen, hat er nicht aus reiner<lb/>
Liebe zu mir oder gar entgegen der Markttendenz gemacht. Tatsächlich kann er jetzt<lb/>
seine Düngermittelproduktionsmenge nur schwer absetzen. 1975 war es verhältnis<lb break="no"/>mässig noch leicht die gesamte Produktion teils im Inland, grösstenteils aber im<lb/>
Export verkaufen zu können. Heuer ist es wesentlich schwieriger. Der zweite Wunsch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> ist, dass ich bei allen Stellen, insbesondere auch in der Partei die An<lb break="no"/>griffe von <rs type="person" ref="#per__140321">Wilhelm</rs> wegen der Nadelfilzproduktion abwehre. <rs type="person" ref="#per__140321">Wilhelm</rs> behauptet, dass<lb/>
von 20 Mio. Schilling Umsatz die Linz Chemie 15 Mio. Schilling Defizit hat. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs><lb/>
bestreitet dies, gibt allerdings zu, dass er zur Einführung und ganz besonders<lb/>
durch die schwierige Wirtschaftssituation in den ersten Jahr und auch in den<lb/>
nächsten Jahr mit dieser Produktion in den roten Ziffern steckt. Die Kapazität<lb/>
ist 2 Mio. qm und tatsächlich konnte er nur 800.000 verkaufen. <rs type="person" ref="#per__140321">Wilhelm</rs> bedient sich<lb/>
insbesondere für seine Argumentation und zur Aufrechterhaltung seiner Produktions<lb break="no"/>stätte in Ebergassing auch der Textilarbeitergewerkschaft insbesondere Bundesrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115611">Steinle</rs>, der gleichzeitig in Ebergassing politisch stark verankert ist. Ich ver<lb break="no"/><pb n="31-0681" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0681.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sichere <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs>, dass wenn <rs type="person" ref="#per__140321">Wilhelm</rs> zu mir kommen sollte, was ich<lb/>
kaum annehme, ich mich um eine friedliche Lösung bemühen werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_17">Die Diskussion mit Gen.Sekr. des Akademikerbundes <rs type="person" ref="#per__145469">Koch</rs> in der Be<lb break="no"/>zirksvertretung war für mich sehr interessant. Die Zuhörer setzten<lb/>
sich zum grössten Teil aus Mitglieder des Akademikerbundes zusammen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> hat mir eine Einladung des Akademikerbundes gezeigt, wo er seine<lb/>
Mitglieder von der Diskussion verständigt und sie bittet, dass man<lb/>
insbesondere an <rs type="person" ref="#per__145469">Koch</rs> entsprechende Fragen richten soll. In Wirklichkeit<lb/>
zeigt sich dann, dass selbstverständlich immer wieder der Minister<lb/>
mehr gefragt wird als der, zwar mit Applaus stark unterstützte, Gene<lb break="no"/>ralsekretär. Die Diskussion ist auf einem hohen Niveau. Für mich<lb/>
ist das wichtigste, dass es erstmalig geglückt ist einen Durchbruch<lb/>
in der Bezirksvertretung zu erzielen. Jahrzehntelang bemühte ich<lb/>
mich ob wir eine solche Diskussion mit der ÖVP und der Leitung<lb/>
des Bezirksvorstehers zustande bringen. Bis jetzt ist dies nicht<lb/>
geglückt. Diesmal aber hat sogar der Bezirksvorsteherstellvertreter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__144560">Piffel</rs> daran teilgenommen. Ich deponiere beim Bezirksvorsteher <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__144560">Piffel</rs> dass wir diese Art der Veranstaltung fortsetzen sollten. Ich<lb/>
bin überzeugt dass dies aber kaum möglich sein wird. Vielleicht ge<lb break="no"/>lingt es noch einmal den Obmann der ÖVP, NR Univ.Prof. <rs type="person" ref="#per__114672">Frühwirth</rs><lb/>
dazu zu bekommen. Wir sollten uns sehr anstrengen. Obwohl es eigentlich<lb/>
Aufgabe und Vorteil der Opposition sein müsste, mich überall zu stellen.<lb/>
Einige sehr heikle Fragen, wie z.B. warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine ägyptisch-<lb/>
österreichische Gesellschaft will, die sich kaum verwirklichen lässt,<lb/>
warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> für die Rohstoffindizierung eintritt, die von allen<lb/>
Industrieländern abgelehnt wird, warum <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in der Wirtschaftspolitik<lb/>
verhältnismässig wenig koordiniert und einsame Beschlüsse fasst. Man<lb/>
glaubte mich hart attackieren zu können. Natürlich habe ich mit Be<lb break="no"/>gründungen, die sogar einleuchtend waren, mich aus diesen schwierigen<lb/>
Situationen, so glaube ich, ohne weiteres herausgeturnt. Da ja zu dieser<lb/>
Veranstaltung zu 3/4 ÖVP-ler waren, sind solche Veranstaltungen für<lb/>
uns nur von Nutzen. Selbst in der Bauring-Anfrage, die natürlich<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__145469">Koch</rs> entsprechend demagogisch ausgewertet wurde, konnte ich, so<lb/>
hoffe ich zumindestens, aufklärende Informationen geben. Die Veranstaltung<lb/>
dauerte über 2 Stunden und so kam ich sogar zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Abendessen zu<lb/>
spät. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kam aber noch später, weil er seine Rede für das Parla<lb break="no"/>ment fertig machen musste. Die Diskussion mit den Professoren dauerte<lb/>
<pb n="31-0682" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band31/31_1976-06-08_0682.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dann auch bis weit nach 12 Uhr. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> steht nach wie vor auf dem<lb/>
Standpunkt und hat es dort auch sofort einleitend erklärt, dass es<lb/>
sich nur um einen kurzen gemachten Aufschwung handelt. Die hohen<lb/>
Lager insbesondere in der verstaatlichten Industrie machen ihm grosse<lb/>
Sorgen, ebenso die Budgetsituation. Alle Professoren aber und ganz be<lb break="no"/>sonders Hofrat <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs> entwickelten eine optimistische Auffassung, wobei<lb/>
natürlich so wie immer die divergierendsten Theorien verzapft wurden.<lb/>
Die Frage gipfelte dann, ob und wie es Österreich sich auf die Dauer eine<lb/>
Stabilisierung des Nettobudgetdefizites, wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> angekündigt<lb/>
hatte, leisten kann. Professor <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs> war einer der entschiedensten<lb/>
Gegner dieser Theorie, die allerdings wahrscheinlich sehr bald in der<lb/>
Praxis ihren Niederschlag finden wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> begründete dass er gar<lb/>
keine Möglichkeit hätte, dieses Nettodefizit jetzt im Konjunktur<lb break="no"/>aufschwung zu vermindern, weil er die Investitionen für Bahn, Post<lb/>
usw. sicherstellen muss. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> plädierte sogar dafür, die Arbeits<lb break="no"/>plätze auf alle Fälle knapp zu halten, die Auslandsschulden zu repatri<lb break="no"/>ieren und gegebenenfalls wie die Schweiz schmutzig floatend den Schil<lb break="no"/>ling aufzuwerten, um eine Stabilitätspolitik betreiben zu können. Dagegen<lb/>
sprach ich mich mit aller Entschiedenheit aus, da ich für den Fremden<lb break="no"/>verkehr dann grosse Rückschläge befürchte. <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs> meinte, dass die<lb/>
Stückkosten in den vergangenen Jahren um 20% gestiegen sind. Im ersten<lb/>
Quartal 76 aber nur um 2%.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band31_1976-06-08_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die entsprechenden Unterlagen von <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs> an<lb break="no"/>fordern.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 8.6.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 30. Ministerratssitzung, 8.6.1976</head>
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