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            <title type="main">Freitag, der  2. April 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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fährt, informiert mich über Nairobi-Unido-Tagung. Da ich bis<lb/>
jetzt abgelehnt habe einen Empfang zu geben, erklärt er mir, daß<lb/>
von den geringen Budget, das ein Botschafter hat, dieser selbst<lb/>
einen Empfang in meinem Namen geben wird. <rs type="person" ref="#per__144651">Bakes</rs> meint, für den<lb/>
Botschafter sei es unbedingt notwendig, einen solchen Empfang<lb/>
zu geben, da ich ausdrücklich erklärte, ich lege keinen Wert<lb/>
darauf. <add>[Der]</add> Botschafter ist erst verhältnismäßig kurz in Nairobi,<lb/>
braucht diesen Empfang, um mit den Regierungsstellen in Kontakt<lb/>
zu kommen, er würde selbst aus seinem knappen Budget die Auf<lb break="no"/>wendung dieses Empfanges bezahlen. Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__144651">Bakes</rs> zu klären,<lb/>
was dieser Empfang wirklich kostet und werde bei einer erträglichen<lb/>
Summe diesen Empfang übernehmen, wenn er tatsächlich im Interesse<lb/>
der Botschaft gemacht werden muß.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_03">Die konstituierende Sitzung der Industriekommission läuft für<lb/>
mich überraschend friedlich. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat außer zu explizieren,<lb/>
wieso es zu dieser Kommission gekommen ist gleich einleitend ge<lb break="no"/>sagt, daß es sich um keine politische Körperschaft handelt, sondern<lb/>
eben um ein Sachgremium. Die Arbeiterkammer hat schon durch ihr<lb/>
Exposé expliziert, welche Aufgaben sie der Kommission zumißt. Die<lb/>
Handelskammer und die Industriellenvereinigung hat in Aussendungen<lb/>
zwar dagegen polemisiert, aber er möchte weniger darauf eingehen,<lb/>
sondern feststellen, daß die Bundesregierung keine vorgefaßte<lb/>
Meinung hat. An Hand der drei Beispiele Konzentration ver<lb break="no"/>staatlichte Industrie, Papier-Umweltschutzunterstützung und<lb/>
Textil-Ost, durch die Bundesregierung gefördert, zeigte er die<lb/>
Notwendigkeit von Strukturmaßnahmen auf. Praktische, konkrete<lb/>
Fragen kommt es an, die in der Industriekommission verhandelt<lb/>
werden sollen. Der Kreis dürfe nicht größer werden, als er jetzt<lb/>
ist, obwohl sich noch viele reindrängen wollen, scheinbar waren<lb/>
Leute bei ihm, die meinten, es wäre zweckmäßig wenn auch sie noch<lb/>
eingeladen werden und die Kommission dürfte nicht einen Ewigkeits<lb break="no"/>charakter haben, wie dies bei vielen Kommissionen in der ersten<lb/>
Republik und auch dann später noch geschehen ist. Keine ideologische<lb/>
Diskussion auslösen erklärte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, selbstverständlich sei es<lb/>
Aufgabe der sozialdemokratischen Regierung, ihre Politik zu machen<lb/>
aber dann müßten eben die anderen mit anderem Ordnungssystemen<lb/>
darauf achten, daß nichts durchgeht, was sie nicht akzeptieren<lb/>
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Wirtschaftskommission im Redoutensaal jetzt die Industrie<lb break="no"/>kommission im Bundeskanzleramt ohne Vorbereitung einberufen<lb/>
wird. Das so gut funktionierende Verbändekomitee beim Finanz<lb break="no"/>minister dagegen sei überhaupt nicht mehr einberufen werden.<lb/>
Seiner Meinung nach müßten alle Zusammenschlüsse von unten<lb/>
nach oben kommen und nicht von der Regierungsregierung in die<lb/>
Betriebe reinregiert werden. Er wendet sich ganz entschieden<lb/>
gegen Branchenkommissionen. Auch eine Investitionslenkung<lb/>
sei nicht notwendig. Das einzige, was er zugesteht, daß der<lb/>
E u.E-Fonds und der ERP-Fonds verbessert werden könnten. Gäbe<lb/>
es genug Eigenkapitalbildung in den Betrieben durch eine bessere<lb/>
Steuerpolitik, wäre überhaupt keine Maßnahme, ja nicht einmal<lb/>
ERP-Fonds oder Kreditlenkung oder Zinsenstützungen notwendig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vermied aber in seinen Diskussionen irgendeine harte<lb/>
Kritik, sondern deutete nur ganz bescheiden an, was eben die<lb/>
Handelskammer unter gar keinen Umständen akzeptieren würde,<lb/>
nämlich Kommissionen. Wenn schon eine solche Industriekommission<lb/>
jetzt existiert, dann in dieser ein allgemein geführtes Gespräch.<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> nahm dagegen schon sehr konkret die Zweiteilung<lb/>
vor. Soweit die Strukturprobleme genereller Natur sind und in die<lb/>
Arbeitsmarktpolitik in die Kreditpolitik in die Steuerpolitik ein<lb break="no"/>spielen, sollte man darüber reden, nur die punktuelle Maßnahme<lb/>
müßte in der Unternehmerentscheidung liegen. Soweit wie Papier<lb/>
und Textil vom Staat gefördert werden, hätte er gar nichts da<lb break="no"/>gegen einzuwenden, soweit es sich dann bei anderen Branchen nur<lb/>
um Beratung handelt und gegebenenfalls Kredite und Haftungen<lb/>
ausgesprochen werden wäre er auch einverstanden. Vermieden möchte<lb/>
er nur wissen, daß jetzt in den Staatsbetrieben sowie in jedem<lb/>
anderen Betrieb irgendwelche Stellen Beschlüsse fassen, die dafür<lb/>
nicht zuständig sind. Nach unserer Rechtsform gibt es überall die<lb/>
Organe, Aufsichtsräte usw., die hier gewisse Kompetenz haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat, als die ÖIAG das erste Mal in Diskussion kam, sofort<lb/>
abgebremst und meinte, man würde dort und in den zuständigen<lb/>
Stellen über die Äußerung von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> der übrigens anwesend<lb/>
war und überhaupt nicht darauf reagierte noch Besprechungen führen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> unterstrich ganz besonders, daß die ÖIAG kein Staatskonzern<lb/>
sei, sondern eigentlich nur eine Eigentümerholding. Die ordnungs<lb break="no"/>politische Diskussion schlug bei allen Rednern durch oder wurde<lb/>
zumindestens angedeutet. Die Professoren, die dort waren, schwiegen<lb/>
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Arbeiterkammerdenkmodell, welches <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> sehr geschickt dar<lb break="no"/>legte, führte nur zur Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen<lb/>
durch die Konzentration, hier antwortete <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> treffend, daß<lb/>
es zweckmäßig ist, die gesunde Industrie zu haben und eben<lb/>
neue Arbeitsplätze zu schaffen. Er verwies auf die 300.000<lb/>
neuen Plätze, die jetzt in den nächsten zehn Jahren kommen<lb/>
müssen und der Gefahr der Jugendarbeitslosigkeit. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> brachte<lb/>
das zehnte Schuljahr in die Diskussion. Es ist eigentlich un<lb break="no"/>wahrscheinlich, wie so entscheidende Fragen wie zehntes Pflicht<lb break="no"/>schuljahr, ohne daß <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> in der Fraktion, ja nicht einmal im<lb/>
Parteivorstand oder in einem anderen Gremium, wo ich sitze und<lb/>
das doch in Wirklichkeit auch Spitzengremien sind, eine solche<lb/>
Frage vorerst erörtert, jetzt sofort in die Diskussion werfen<lb/>
kann. Für mich ist es immer mehr beeindruckend, wie <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> Vor<lb break="no"/>schläge macht, die er vielleicht mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> besprochen hat, obwohl<lb/>
ich auch in diesem Fall nicht sicher bin, oder <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Ideen<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> konfrontiert ist, die für mich und wahrscheinlich alle<lb/>
Anwesenden ganz neu waren. Niemand ist aber darauf eingegangen,<lb/>
niemand hat konkret die Für und Wider solcher Vorschläge, bevor<lb/>
sie in der Öffentlichkeit diskutiert werden, erörtert.<lb/>
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keine Änderung der Eigentumsverhältnisse geben soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs><lb/>
Zwischenruf wurde zwar nur von mir, der ich neben <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> saß, gehört, nicht primär, murmelte er. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> wollte<lb/>
wieder keine Unterscheidung der Industrie des Staates, Industrie<lb/>
der Banken und Industrie schlechthin. Ihm kommt es darauf an,<lb/>
die Wettbewerbsverstärkung zu fördern. <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs> wieder meinte,<lb/>
die Banken wären oft sehr oft froh wenn sie schlecht ausgestattete<lb/>
und vor allem unrentable Betriebe los werden könnten. In ihren<lb/>
Bankenkonzernbetrieben ist eine gute Zusammenarbeit und eine Ab<lb break="no"/>stimmung der Produktion und gleichzeitig auch der zweckmäßigsten<lb/>
Organisation.<lb/>
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Beiratsstudienindustriepolitik. Er meinte, hier sollte man prüfen<lb/>
was von dieser Studie noch nicht erfüllt ist und wie man sie er<lb break="no"/>füllen resp. ergänzen könnte. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wieder hat große Bedenken<lb/>
gegen Branchenkommissionen und insgesamt gegen Branchenuntersuchungen<lb/>
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ist. Er zeigt als Beispiele, die Autos, die Kohle und auch<lb/>
die Chemie, die waren ganz kurze Frist fußmarod, dann wieder<lb/>
Schnellläufer usw. Nochmals wiederholte er, ERP-Fonds und EuE-Fonds<lb/>
sollen geprüft werden wie man sie vereinfachen kann und gegebenen<lb break="no"/>falls wäre er bereit, das Unternehmungsrecht nicht nur wegen der<lb/>
Ausgleiche und Konkurse sondern auch wie Kleinbetriebe in Aktien<lb break="no"/>gesellschaften umgewandelt werden können, typischstes Beispiel<lb/>
USA. Insbesondere meinte er, das Handelsministerium hätte ja<lb/>
bereits bei den Branchenkommissionen, ich verstand gezündelt,<lb/>
er hatte allerdings gesagt, gezügelt. Durch dieses Mißverständnis<lb/>
habe ich mich dann zu Wort gemeldet und darauf hingewiesen, daß<lb/>
in Erfüllung dieser Industriestudie des Beirates für die Sektorale<lb/>
Industriepolitik die Branchenindikatoren Analysen, Betriebskenn<lb break="no"/>ziffern, Verlustquellenfeststellungen, Wertanalysen, Schätzungen,<lb/>
usw. begonnen haben, darüber hinaus die zwischenstaatlichen<lb/>
Kooperationen, die Investitionswerbung und Beratung von Kapital<lb break="no"/>transfer bis zum Knowhow und nicht zuletzt die Patentamtarbeits<lb break="no"/>gemeinschaft über Patentförderung mit der Handelskammer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> faßte dann zusammen und meinte, er könne mit den Begriffen<lb/>
von unten oder von oben nichts anfangen. Von unten sei man an die<lb/>
Regierung herangetreten um die Papierförderung zu lösen um vor<lb/>
allem die Textilfusion-Ost zu finanzieren und es mußte oben ent<lb break="no"/>schieden werden. Jetzt steht die Frage an, ob eine große Sulfat<lb break="no"/>papierfabrik gebaut werden soll, wer sie finanzieren soll und wie<lb/>
sie finanziert werden soll, usw. Er hätte als er von Iran den<lb/>
Waggon-Auftrag mitbrachte, erwartet, daß hier nicht zwischen der<lb/>
SGP und der Jenbacher dann zu entscheiden sei wer die Waggons<lb/>
bauen dürfe und wenn Jenbach nicht voll ausgelastet wird, dann<lb/>
andere Aufträge bekommen müße. Um aber die Debatte abzuschließen<lb/>
schlug er vor, 1) die Beiratsstudie soll jetzt auf Empfehlungen<lb/>
untersucht werden, wie sie entsprochen wurde, was noch offen<lb/>
ist, 2) die juristischen Probleme wie Ausgleich und Konkurs – siehe<lb/>
Merino und Juniorwerke – müßten reformiert werden, 3) die Fonds<lb/>
müßten rationalisiert werden, <choice><choice><sic>der</sic><corr>zum?</corr></choice></choice> Einwurf, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte beim SPD-<lb/>
Parteitag in Interview gegeben, erklärte er, daß er damals aus<lb break="no"/>drücklich sagte, die Selektion, die jetzt in den Fonds durchge<lb break="no"/><pb n="30-0454" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band30/30_1976-04-02_0454.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>führt werden, genügt ihm vollkommen. In Deutschland gibt es<lb/>
jetzt noch über die Investitionslenkung eine riesige Diskussion,<lb/>
die bei uns nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> Auffassung nicht notwendig ist, 4)<lb/>
die wirtschaftliche Effizient der Zusammenarbeit der Unternehmungen<lb/>
müsse geprüft und verbessert werden, <rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs> warf ein, auch die<lb/>
österreichischen Unternehmungen im Ausland, 5) Strukturstudien<lb/>
über einzelne Branchen soll das Handelsministerium durchführen,<lb/>
z.B., daß es in Österreich zu teuer ist, die Waggons zu produzieren,<lb/>
die die ÖBB letzten Endes kaufen muß. Die Papierunterlagen für das<lb/>
neue Sulfatzellstoffprojekt, 6) nach Prüfung sollte dann der Vor<lb break="no"/>schlag der Zusammenarbeit durch die Industriekommission erfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_07">Nach der Sitzung kam <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> zu mir und meinte, der Ball sei nun<lb/>
beim Handelsministerium und er hoffe, daß ich diese Arbeit mache.<lb/>
Auch andere haben sich dahingehend geäußert. Klar und deutlich<lb/>
ist also für mich zu erkennen, daß die Unternehmervertreter irr<lb break="no"/>sinnige Angst haben, daß in dieser Kommission eine zweite Ver<lb break="no"/>staatlichungswelle womöglich aus den Konzernbetrieben der Banken<lb/>
entsteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_08">Ich habe sofort nach meiner Rückkunft mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und Büro dies<lb break="no"/>bezügliche Gespräche geführt, wir kamen überein, daß <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> jetzt<lb/>
schon hoffentlich sehr bald als Industriesektionschef die Arbeiten<lb/>
koordinieren kann, bis dahin ist es aber auch nicht zweckmäßig als<lb/>
Gruppenleiter der Grundsatzgruppe in Erscheinung zu treten. Die<lb/>
Voraussetzungen für die Industriesektionsübernahme durch <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
sind nicht zuletzt durch diesen Auftrag, den wir uns jetzt ganz<lb/>
einfach im Handelsministerium <choice><choice><sic>arogieren</sic><corr>?</corr></choice></choice>, günstig. Natürlich wäre<lb/>
es besser, er hätte schon einige Monate Zeit gehabt, die Industrie<lb break="no"/>sektion nach seinem Dafürhalten umzubauen, auszubauen und vor allem<lb/>
die doch zu erwartenden Sektionsreibereien bei der Übernahme hinter<lb/>
sich zu haben. Leider hat er diesen Spielraum jetzt nicht, da die<lb/>
nächste Sitzung für 8. Juni einberufen wurde, muss er im Laufe des<lb/>
Monats April bereits die ersten Entwürfe eines vollständigen Konzep<lb break="no"/>tes fertig haben, auch beim Jour fixe sprachen wir über diesen Problem<lb/>
ich Habe ganz besonders dafür plädiert, unter allen Umständen<lb/>
schrittweise zu beginnen und nicht ein Riesenkonzept jetzt gleich<lb/>
zu entwickeln. Die einzig richtige Vorgehensweise erscheint mir,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> als Sektionschef der Industriesektion die Sozialpartner,<lb/>
das Wirtschaftsforschungsinstitut, wie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> dann noch ergänzte,<lb/>
die Nationalbank und wahrscheinlich auch noch die Bankenvertreter,<lb/>
die in der Industriekommission vertreten sind, sowie selbstverständ<lb break="no"/>lich Sozialministerium, Finanzministerium zu sich bittet, um nachdem<lb/>
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die neue Konzeption zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Wenn es Dir hilft, bin ich gerne bereit, die<lb/>
erste Sitzung persönlich einzuladen und zu leiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_10">Beim Jour fixe AK-ÖGB diskutierten wir zuerst das Nahversorgungs<lb break="no"/>problem. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hofft, dass es möglich sein wird, auf ein vernünftiges<lb/>
Kompromiss zu kommen, auch mit der Konsumgenossenschaft. Momentan<lb/>
hätte sich allerdings <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> vorbehalten deren Stellungnahme, weil<lb/>
er nicht einmal einen Ausschuss, den wir jetzt im Konsumentenbeirat<lb/>
für dieses Problem errichten werden, beschicken möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_11">Die Kreditvermittlungsverordnung auf Grund der Gewerbeordnung wird<lb/>
von allen zur Kenntnis genommen, gleichzeitig wird festgestellt, dass<lb/>
damit aber nicht das Problem auch nur annähernd gelöst werden kann.<lb/>
Mit Recht beschwert sich Arbeiterkammer und ÖGB, dass jeder Minister<lb/>
in seinem Bereich zuständig ein bisschen etwas macht oder vielleicht<lb/>
sogar nur herumredet, dass aber in Wirklichkeit ein Finanzministerium,<lb/>
Justizministerium u. Handelsministerium notwendige Koordination für<lb/>
einen gemeinsamen Gesetzentwurf erfolgen müsse. Da <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in<lb/>
einer Anfragebeantwortung an Abg. <rs type="person" ref="#per__98016">Tonn</rs> auf Grund einer Intervention<lb/>
in unserem Vorstand der Lebensmittelarbeiter geantwortet hat, das<lb/>
Handelsministerium sei dafür zuständig, möchte ich jetzt am liebsten<lb/>
die ganze Frage wirklich von uns aus aufziehen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, mit dem<lb/>
ich gesprochen habe, ist aus Überlegungen, dass wir diese Arbeit<lb/>
kaum allein machen können, nur sehr zögernd dazu bereit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte die ganze Frage im Konsumentenbeirat, die<lb/>
Arbeitsgruppe, die zuständig ist, ist mir ganz egal, endlich punktati<lb break="no"/>onsmässig wenigstens zu einem Ende zu bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_13">Die Erdäpfel-Exporte, 600 t, werden von der Arbeiterkammer jetzt doch<lb/>
zur Kenntnis genommen, da <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> zugeben muss, sie würden sonst<lb/>
gesackt in den Lagerhäusern verfaulen. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB meint noch<lb/>
immer es würde in der Öffentlichkeit einen richtigen Stunk geben,<lb/>
wenn dies bekannt wird. Schade, dass man nicht zeitgerecht meine Idee<lb/>
aufgegriffen hat und ein Kartoffel-Arrangement mit den Bauern zu er<lb break="no"/>reichen versuchte. Wie ich im Förderungsdienst gelesen habe, wird jetzt<lb/>
das Landwirtschaftsministerium eine Lösung für die Zukunft versuchen.<lb/>
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über die zukünftige Personalpolitik geführt. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs><lb/>
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der Zeit, wo <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> noch bei mir im Büro arbeitete, per Du ge<lb break="no"/>worden, weil sie letzten Endes wirklich die ganzen Personalfragen<lb/>
bei trotz gegnerischen Interessen auf einen gemeinsamen Nenner zusammen<lb/>
brachten. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> hat die alte Gewerkschaftsmethode übernommen,<lb/>
besser ein Kompromiss in einer Frage zu erzielen und einen Teilerfolg<lb/>
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streiten und nichts zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> möchte auch heute noch<lb/>
die "Graue Eminenz" die doch gewisse Erfolge erzielt, sein,<lb/>
weshalb er diesen Umweg über <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> benützt. Mir ist dies sehr recht,<lb/>
weil dadurch eine weitere Verhandlungsinstanz entsteht, ohne dass<lb/>
ich sofort entscheiden muss. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> mit unserem Dienststellenaus<lb break="no"/>schuss, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> sozusagen mit dem Zentralausschussleiter, aber primär<lb/>
mit dem Gewerkschaftsvertreter. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mir nun schon vorher mit<lb break="no"/>geteilt, dass wenn die Personalvertretung zur Kenntnis nimmt, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> Sektionschef wird, keine politischen Angriffe erfolgen sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> verbürgt sich dafür, vor allem wird er innerhalb der<lb/>
Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten, wo er heute als Redakteur<lb/>
und als kommender Mann tätig ist, entsprechend abblocken. Bis jetzt<lb/>
war es auch tatsächlich so, dass keine der Sektionschefbestellungen<lb/>
mit Ausnahme von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, die Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten<lb/>
irgendwo in der Öffentlichkeit dagegen protestiert hätte oder ein<lb/>
Politikum daraus gemacht hat. Die ÖVP-Seite hat darauf verzichtet,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> die Grundsatzgruppe bekommen muss. Bei dem Be<lb break="no"/>streben, <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> die Grundsatzgruppe zu geben, war insbesondere<lb/>
der Wunsch <rs type="person" ref="#per__112948">Degischers</rs>, dass er dann die Abteilung bekommt. <rs type="person" ref="#per__114516">Buchmann</rs><lb/>
soll die <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs>-Abteilung erhalten, womit – wie ich in der Zwischen<lb break="no"/>zeit feststellen konnte – auch <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sehr einverstanden ist, weil<lb/>
er ihn als tüchtigen Mann schätzt und dringend dort eine entspre<lb break="no"/>chende Verstärkung braucht. <rs type="person" ref="#per__131309">Bock</rs> soll die <rs type="person" ref="#per__136790">Wagner</rs>-Abteilung mit Jahres<lb break="no"/>ende bekommen, wenn eine Ausschreibungskommission mir dies vorschlägt<lb/>
Die Abteilung wird sich mit regionaler Industriepolitik beschäftigen.<lb/>
In weiterer Folge wäre dann für <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs> eine Finanzierungsabteilung<lb/>
in der Industriesektion vorzusehen. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> erklärt,<lb/>
er möchte mit mir unter vier Augen sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_15"><rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> hat bei dieser Aussprache mir schon Bekanntes wiederholt<lb/>
und konkret nur verlangt, <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> – Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__98053">Wankes</rs>, <rs type="person" ref="#per__114516">Buchmann</rs> –<lb/>
Abteilung von <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs> und <rs type="person" ref="#per__131309">Bock</rs> als Nachfolger <rs type="person" ref="#per__136790">Wagners</rs>. <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs><lb/>
hat er nur angedeutet, ich habe sofort geantwortet, dass ich durch<lb/>
die Ausschreibung bedingt jetzt nicht gebunden werden kann, da ich<lb/>
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eine überragende Persönlichkeit melden, so kann ich darauf keinen<lb/>
Einfluss nehmen. Dies wurde von <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> zur Kenntnis genommen,<lb/>
ebenso dass <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> jetzt Sektionschef ohne Einspruch wird und Instanzen<lb break="no"/>zug durch Zentralausschuss usw. geht, <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> als Abteilungsleiter<lb/>
akzeptiert und <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> die Gruppe und gleichzeitig die Abteilung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> jetzt dann führen wird. <rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> meint nur, es wäre nicht<lb/>
zweckmässig, die Abteilung <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> auszuschreiben, sondern ganz einfach<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> mit der Leitung<add>[zu?]</add> betrauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Prüfe, ob dies überhaupt geht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_17"><rs type="person" ref="#per__112947">Engelmayer</rs> wollte überhaupt keinerlei Vereinbarung über dieses<lb/>
Gentlemen's-Agreement schriftlich abschliessen. Ich empfahl ihm, doch<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> gemeinsam eine Formulierung, die nicht in einem Akt<lb/>
festgehalten ist, zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-04-02_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Eine schriftliche Formulierung<lb/>
erscheint mir dringendst notwendig.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 2.4.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Beamter HM, Fraktion soz. Beamter im HM</occupation>
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               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>MR HM [1971 zuständig für das Messwesen; gemeinsam mit Pellech genannt;
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