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            <title type="main">Dienstag, der 23. März 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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selbst bei Nachbesetzungen äußerst restriktiv vorgehen. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
denkt natürlich sein Patentamt auszubauen um insbes. bei der<lb/>
Europa-Patentanforderung gewachsen zu sein. Ein Patentamtsmit<lb break="no"/>glied war jetzt bei der WIPO in Genf und der Generalsekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137669">Bogsch</rs> hat zu erkennen gegeben, daß die WIPO ihre Entwicklungs<lb break="no"/>länder-Abteilung, die wahrscheinlich in der nächsten Zukunft<lb/>
sehr expandieren wird und neuerrichtet wird in Wien ihren Sitz<lb/>
haben könnte. Er hat sofort einen Briefentwurf mitgebracht an<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wo dies mitgeteilt wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint auch, wenn <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs><lb/>
seinen Aufsichtsratsposten bei der INPADOC aufgibt, daß er dann<lb/>
sich dafür interessiert. Ich stehe auf dem Standpunkt, es wäre<lb/>
zweckmäßig, wenn <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, der jetzt im Bundeskanzleramt einen engen<lb/>
Kontakt mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber auch mit den dort delegierten Beamten hat,<lb/>
die Posten beibehalten würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_03">In der Ministerratsvorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über seine<lb/>
Reise in die Arabischen Staaten. Entscheidend ist, daß er hier<lb/>
wirklich als Aussenpolitiker eine große Aufgabe sieht. Für<lb/>
Österreich wird es bei der UNO entscheidend sein, auf die Ent<lb break="no"/>wicklungsländer und Arabischen Länder bauen zu können, deshalb<lb/>
macht er alles um die PLO, die sicher einmal Palästina errichten<lb/>
wird, jetzt schon der Neutralität und Loyalität der Österreicher<lb/>
oder besser gesagt, der österreichischen Regierung oder noch besser<lb/>
gesagt, von ihm zu überzeugen. Er wird unter allen Umständen dafür<lb/>
eintreten, daß PLO-Büro hier in Wien errichtet wird. Eine Analyse,<lb/>
die er auch dann im Gewerkschaftsbund in der Fraktion wiederholt,<lb/>
dort sogar mehr marxistischer Analyse bezeichnet, geht davon aus,<lb/>
daß die europäischen Industriestaaten die Rohstoffe der vorderen<lb/>
Orientstaaten insbes. der Arabischen Länder und wieder insbes.<lb/>
das Rohöl dringendst brauchen. Europa braucht 99 %, USA 15, darüber<lb/>
hinaus aber auch die Rohstoffe für die Metallindustrie, für die<lb/>
Textilindustrie und viele andere, deshalb müßte man sich mit diesen<lb/>
Staaten gut stehen. Ausserdem erleben diese Arabischen Staaten eine<lb/>
neue Kulturwelle, insbes. sind es Palästinenser, die in diesen<lb/>
Staaten wirken, die wollen in diesen Staaten bleiben, gleichzeitig<lb/>
aber eine palästinensische Heimat, einen palästinensischen Staat<lb/>
haben, schon allein um einen Paß von diesen Staaten zu besitzen und<lb/>
um in ihrem Alter dorthin zu zurückzukehren. Die österreichischen<lb/>
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begeistert, von den diplomatischen Vertretern, dem Botschafter<lb/>
gar nicht, der im sofort nur die Schwierigkeiten, die es in den<lb/>
arabischen Staaten gibt, erzählte. Die Hauptschwierigkeit sieht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in der zerstrittenen israelischen Partei, da die Regierung<lb/>
nur mit den drei Stimmen der religiösen Partei regieren kann und<lb/>
die Regierung selbst auch in sich sehr zerstritten ist, ist sie<lb/>
fast handlungsunfähig. Hier müßte man entsprechende Aufklärung<lb/>
bei den Israelis leisten, damit sie die PLO so schnell als möglich<lb/>
anerkennen und mit Verhandlungen zu einem auch für sie tragbaren<lb/>
Ergebnis kommen. Die Araber gehen jetzt nicht mehr auf Israel-Grenze<lb/>
47 zurück, sondern bereit, auch über die Grenze 67 zu verhandeln.<lb/>
Offiziell natürlich werden sie das nie zugeben aber er ist fest<lb/>
davon überzeugt, daß es hier einen großen Verhandlungsspielraum<lb/>
für beide Seiten gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_04">In Portugal erwartet er schlechte Wahlen für <rs type="person" ref="#per__140553">Soares</rs>, und hat<lb/>
festgestellt, daß es dort eine Sozialdemokratische Partei gibt,<lb/>
die unserem Programmen vielmehr entspricht als <rs type="person" ref="#per__140553">Soares</rs> seine<lb/>
Sozialistische Partei. In Spanien wird von den Sozialdemokraten<lb/>
aber auch von anderen Mittelparteien gar kein Kampf geführt, es<lb/>
liegt daher ausschließlich an der Regierung welche Demokratisierung<lb/>
sie durchführt, er fürchtet, daß die Anarchisten dort die jetzt<lb/>
schon eigentlichen Kämpfer gegen die Regierung sind, noch stärker<lb/>
werden. In der Ministerratssitzung macht er eine sehr bösartige,<lb/>
berechtigte Bemerkung, daß bei der Bestellung des Univ.Prof. eines<lb/>
bedeutenden Wissenschaftlers der ein medizinisches Gebiet, welches<lb/>
bis jetzt vernächläßigt wurde, endlich vortragen wird, von einigen<lb/>
als BSA-ler bezeichnet wird. In Hinkunft meint er, wird man jeden,<lb/>
der dem CV angehört, dies in der Öffentlichkeit immer mitteilen,<lb/>
damit wird eine Entsachlichigung der Personalpolitik eingeleitet.<lb/>
Solche Bemerkungen gegen den CV und gegen die ÖVP sagt er ganz<lb/>
besonders wegen dem Präsidialchef <rs type="person" ref="#per__97601">Jiresch</rs>, weil er überzeugt ist,<lb/>
daß dieser es dann weitererzählt. So sicher bin ich gar nicht, er<lb/>
scheinbar auch nicht, weshalb er verlangt hat, daß diese, seine<lb/>
Stellungnahme, d.h. sein scharfer Protest gegen diese Vorgangsweise<lb/>
extra im Protokoll verankert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_05"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat große Bedenken wegen des nicht zeitgerechten Inkraft<lb break="no"/>tretens des Kernkraftwerkes Tullnerfeld, meint, das wird ein Skandal<lb/>
<pb n="30-0397" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band30/30_1976-03-23_0397.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und verlangt von mir, einen entsprechenden Bericht. Ich<lb/>
gebe sofort eine Aufklärung, wie es zu den Verzögerungen ge<lb break="no"/>kommen ist und daß TÜV eben jetzt Sonderklasse verlangt,<lb/>
die bis jetzt von der KWU nicht durch Fehlinformationen vor<lb break="no"/>gesehen war, deshalb müssen jetzt die Anschlußstücke und Armaturen<lb/>
ausgetauscht werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte gern wissen, wer für diese<lb/>
ganze Verzögerung haftbar gemacht wird, ob hier eine Amtshaftung<lb/>
vorliegt, ob der TÜV, der ja nur ein Verein ist, als Haftungs<lb break="no"/>organ herangezogen werden kann usw. Der TÜV untersteht aber dem<lb/>
Bautenministerium. Ich verlange von S.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> sofort dann eine<lb/>
entsprechende schriftliche Information.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_06">Mit <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> besprach ich die Abgrenzung zwischen <rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs> - Platzpatronen<lb break="no"/>hersteller und Hirtenberg, scharfe Munitionsproduzenten. <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs><lb/>
hat jetzt endgültig entschieden, daß <rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs> nur bei seinem Produk<lb break="no"/>tionsumfang bleiben soll und einen Dreijahres-Vertrag ihm gegeben.<lb/>
Hirtenberg wird keine Platzpatronen erzeugen, sondern beim scharfen<lb/>
Schuß allein bleiben. Ausserdem entwickelt er jetzt eine Übungs<lb break="no"/>patrone aus Aluminium, die es ermöglicht, einen scharfen Schuß<lb/>
mit 3.000 m Entfernung zu simulieren obwohl nur bis 150 m Distanz<lb/>
geschossen werden muß. Diese neue Übungspatrone würde Hirtenberg<lb/>
dann produzieren.<lb/>
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Berufsschultages auf bis 1 1/2 Tage verhandelt hat und dessen Zu<lb break="no"/>stimmung erhalten hat. Es soll nicht generell eine 1 1/2 Tage<lb/>
Pflicht-Berufsschule geschaffen werden, sondern wo die fach<lb break="no"/>technischen Grundlagen es erfordern soll wie in der 5. Schul<lb break="no"/>organisationsgesetz-Novelle vorgesehen, der Unterrichtsminister<lb/>
dies im Einvernehmen mit dem Handelsminister durch Verordnungen<lb/>
festlegen können. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> fragt ob ich einer solchen Regelung<lb/>
zustimme, was ich sofort bejahe, da erstens die Handelskammer<lb/>
damit einverstanden ist, zweitens sicherlich auch die Gewerkschafts<lb break="no"/>jugend dies als Übergangslösung akzeptieren wird und drittens er<lb/>
sogar mit dem Handelsministerium Einvernehmen herstellen will,<lb/>
was eigentlich gar nicht von mir ursprünglich beabsichtigt war.<lb/>
Mir erschien nur wichtig, daß in Österreich einheitlich vorge<lb break="no"/>gangen wird und nicht jeder einzelne Landesschulinspektor ver<lb break="no"/>schiedene Regelungen für verschiedene Berufe treffen kann. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
teilt mir mit, daß jetzt schon 10.000 Tonnen Kartoffeln liegen,<lb/>
er noch einige Zeit zuwartet, dann aber den Export, auch wenn die<lb/>
Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund größte Bedenken haben,<lb/>
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Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund, die sich gegen jedweden<lb/>
Export ganz entschieden ausspricht, andererseits aber gar nicht<lb/>
bereit sind, eine konstruktive Lösung auch für die Zukunft zu<lb/>
suchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_08">Ein Redakteur <rs type="person" ref="#per__144711">Ebelsberger</rs>, der gleichzeitig auch fotografiert,<lb/>
wird in Hinkunft, wie er sagt, die Österreich-Ausgabe von Quick<lb/>
machen, jetzt einmal einen großen Artikel über die Bauern. Als<lb/>
Einmann-Betrieb wird er, wie er glaubt, Quick in Hinkunft nach<lb/>
österreichischen Gesichtspunkten beeinflussen. Ich bin sehr gespannt,<lb/>
was dabei wirklich herauskommt - <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> und ich haben<lb/>
ihm weitestgehend Informationen gegeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_09">In der ÖGB-Fraktion hat <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> über sein Regierungsprogramm<lb/>
referiert. Für mich interessant war nur, daß er nach wie vor auf<lb/>
dem Standpunkt steht, daß der Berufsschulbeirat, wo alle Interessen<lb break="no"/>vertretungen und Ministerien und Öffentliche Stellen, die mit der<lb/>
Berufsschule zu tun haben, vertreten sind, eine gute Basis für eine<lb/>
weitere Entwicklung darstellt und entsprechende Vorschläge machen<lb/>
kann. Er berichtet auch über die Lösung der 1 1/2 Tage Berufsschule.<lb/>
Seine Bemerkung ist interessant, daß er heute im Bundes-Jugendring<lb/>
nicht mehr die ziel-und sinnvolle Zusammenfassung aller Jugend<lb break="no"/>organisationen sieht, konkret angesprochen meint er, daß dies<lb/>
ganz besonders unzweckmäßig beim VSM ist, weil dieser für ganz<lb/>
wenige Mitglieder doch immerhin eine halbe Million Schilling pro<lb/>
Jahr bekommt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> referierte dann über die Arabienreise und<lb/>
es schloß sich insbes. an das Referat von <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> eine umfang<lb break="no"/>reiche Diskussion an. Beim Arabienreferat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meldete<lb/>
sich nur <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> und meinte, den Juden Israels dürfte man jetzt nicht<lb/>
den Eindruck geben, oder gar tatsächlich ihre Hilfe die sie von<lb/>
uns erwarten, und die ja immer die Organisationen und die Regierung<lb/>
dem Staat Israel gegeben haben, enttäuschen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder meint,<lb/>
man müsse, gerade weil man den Juden und dem jüdischen Staat in<lb/>
Israel helfen will, ihnen sehr nüchtern die tatsächliche Lage<lb/>
schildern um sie dazu zu bringen, daß sie vielleicht doch so<lb/>
schnell als möglich zu Verhandlungen kommen und zw. mit der PLO,<lb/>
da niemand anderer mehr dieses Problem lösen kann. Er sieht die<lb break="no"/>selben Verhältnisse und Entwicklungen der PLO wie seinerzeit in<lb/>
Algerien der FNL.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_10">Botschafter <rs type="person" ref="#per__140661">Ganowski</rs> von Bulgarien und sein Handelsrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__144718">Timitroff</rs> bedankten sich bei mir, weil die Umsatzsteuerfrage,<lb/>
die den Gemüse-und Obstimport von Bulgarien hätte zum Erliegen<lb/>
gebracht, gelöst ist. Den österreichischen Firmen wurde mitge<lb break="no"/>teilt, daß sie keinerlei zusätzliche Umsatzsteuer für die alten<lb/>
Geschäfte zu leisten haben. In Wirklichkeit aber fährt er jetzt<lb/>
nach Sofia zum Parteitag und wollte dort mitteilen, daß er erstens<lb/>
mit mir gesprochen hat dann ankündigen wann die öst. Delegation<lb/>
der Importeure nach Sofia kommt, was mit dem Exportlisten, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97770">Nedew</rs> gegeben hat und die wir auch wirklich bei der letzten<lb/>
Gemischten Kommission verlangten, geschehen ist ob die VÖEST<lb/>
nicht doch noch Hubstapler von Bulgarien kaufen kann um hier<lb/>
den Drittländern zu verkaufen und warum die Tabakregie statt<lb/>
2.500 t jetzt nurmehr 500 t kaufen will und wird. Alle diese<lb/>
negativen Entwicklungen bedrücken nicht nur den Bulgarischen<lb/>
Botschafter, sondern auch mich. Ich habe allerdings feststellen<lb/>
müssen, daß wo immer ich intervenierte, wo immer ich mich bemüht<lb/>
habe, daß Bulgarien stärker herangezogen wird, die österreichischen<lb/>
Firmen ablehnten. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> ist erkrankt, war es auch schon gestern<lb/>
und war, wie der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__144718">Timitroff</rs> mitteilte, nur mit ihm noch<lb/>
Mittagessen, zumindestens berichtet mir Dr. <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs>, der bei der<lb/>
Aussprache anwesend ist. <rs type="person" ref="#per__114601">Sachs</rs> wird bei der Handelskammer jetzt<lb/>
neuerdings die ganze Frage klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_11">In der Metallarbeiter-Fraktion der Landstraße halte ich ein<lb/>
Referat über die Wirtschafts- u. Preispolitik. Die Diskussion er<lb break="no"/>streckt sich über die Benzinpreise, Wirtschaftsgesetze, die RAG,<lb/>
d.h. Abgabe der privaten Industrie von Gas an die Verstaatlichte<lb/>
und insbes. deren Preispolitik, sowie einer harten Attacke auf die<lb/>
Kraftfahrzeugsteuer, dort wird ganz besonders der hohe Prozentsatz,<lb/>
nämlich 50, 100 und 200 % Erhöhung kritisiert. Ich konstruiere eine<lb/>
Ausrede indem ich festhalte, daß von der jetzigen Kraftfahrzeug<lb break="no"/>steuer der Bund nur 4 % bekommt, alles andere die Länder und<lb/>
Gemeinden. Da jetzt der Nahverkehr besser ausgebaut werden muß<lb/>
und ich an Hand der Beispiel der S-Bahn den Arbeitern tatsächlich<lb/>
erklären kann, daß sie eine solche Schnellbahnverbindung dringendst<lb/>
brauchen, erkläre ich auch den hohen Prozentsatz damit, daß eben<lb/>
nicht eine nur 4 %-iger Ertrag mit einer 10 %-igen Steigerung oder<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_12">Bei unserer Mandatarszusammenkunft auf der Landstraße gibt es zuerst<lb/>
eine lange Diskussion ob der 1.-Mai-Aufmarsch so wie bisher durchge<lb break="no"/>führt werden soll. Ein Teil unserer Funktionäre wollte ja schon<lb/>
immer, daß der 1.-Mai-Aufmarsch unterbleibt, da wir eine offene<lb/>
Aussprache darüber führen und insbesondere ich an dem Beispiel<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139729">Wolfik</rs> wie hart er mich oft kritisiert und einzelne Maßnahmen ver<lb break="no"/>langt die wir nicht durchführen können, dann aber in seiner Sektion<lb/>
doch immer die gemeinsam gefundene Linie oder einen Mehrheitsbe<lb break="no"/>schluß entsprechend durchführt. Die Diskussion ist so emotionell,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__144738">Edith</rs>... eine gute Genossin fast in Tränen ausbricht, daß<lb/>
sie sich meldet und sagt, ich dürfte doch nicht glauben, daß nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139729">Wolfik</rs> eine solche Politik macht, auch sie und viele andere sind<lb/>
ja stets bereit wenn wir dann gemeinsame Beschlüsse gefaßt haben,<lb/>
diese Beschlüsse unter allen Umständen in ihren Sektionen durch<lb break="no"/>zuführen. In dieser emotionell geladenen Sitzung hat dann <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs><lb/>
angeschnitten, wir sollten doch über die zukünftige Zusammensetzung<lb/>
des Bezirksvorstandes in diesem Forum diskutieren. <rs type="person" ref="#per__139729">Wolfik</rs> als<lb/>
Wahlkomiteeleiter war nicht bereit hier oder irgendwo anders die<lb/>
Besprechungen im Wahlkomitee jetzt schon darzulegen. Ich erklärte<lb/>
zwar sofort ich hätte gar nichts dagegen, wenn man über die Obmann<lb break="no"/>stelle auf der Landstraße freimütig diskutiert und wenn man einen<lb/>
anderen will, so bräuchte man das wirklich nur zu sagen. <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs><lb/>
dürfte mit <rs type="person" ref="#per__144759">Reviczky</rs> versuchen irgendjemand anderen doch noch in den<lb/>
Vorstand reinzuboxen. Er denkt sicher an <rs type="person" ref="#per__144759">Reviczky</rs>. Die beiden haben<lb/>
aber in der Diskussion dann nur harte Kritik einstecken müssen, weil<lb/>
ihnen persönliche Motive die nicht ganz unbegründet waren, unter<lb break="no"/>schoben wurden.<lb/>
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weil dieser sich an ihm als Privatangestelltenvertreter der Land<lb break="no"/>straße gewendet hat. <rs type="person" ref="#per__144759">Reviczky</rs> wollte nun unbedingt von mir, aber<lb/>
auch ganz besonders von den Gemeinderäten, eine dezidierte Er<lb break="no"/>klärung, was mit dem Bauring geschieht. Ich versuchte ihm entsprechend<lb/>
sachlich aufzuklären, soweit es sich um allgemein wirtschaftliche<lb/>
Fragen, wie z.B., warum kauft ein gutgehendes Unternehmen einen<lb/>
Defizitbetrieb auf, was sind die steuerlichen und sonstigen Gründe<lb/>
ohne ihn natürlich, wie er erwartete bindende Weisung oder ver<lb break="no"/>bindliche Erklärung geben zu können. Ich verwies ihn selbstver<lb break="no"/>ständlich als Privatangestelltenvertreter der Landstraße an seinen<lb/>
<pb n="30-0401" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band30/30_1976-03-23_0401.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Obmann der Gewerkschaft, <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs>, oder einen Zentralsekretär<lb/>
der ihm hier die offizielle und verbindliche Stellung der Ge<lb break="no"/>werkschaft mitteilen kann. An dem Beispiel hat sich für mich wieder<lb/>
einmal demonstriert, wie lange Verhandlungen und nicht doch schnell<lb/>
herbeigeführte Lösungen zu einer ständigen Kritik und letzten Endes<lb/>
Gefahr für eine Organisation sein kann. Auf der einen Seite braucht<lb/>
alles seine Zeit bis es sich entwickelt hat, auf der anderen Seite,<lb/>
wenn dies aber allzu lang dauert, gibt es nur dann negative Stimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band30_1976-03-23_14">Die Diskussion im ORF mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> von BP über den Benzin<lb break="no"/>preis war für mich wirklich kein Problem. <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> hatte vorher mit<lb/>
mir noch über die Probleme eingehend diskutiert. Da ich aber die<lb/>
Materie 100 %-ig beherrsche und da ich ja überzeugt war, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> kaum ein schwerer Diskussionspartner für mich ist, ging ich<lb/>
mit einem beruhigtem Gefühl in die Sendung, Ich glaube ohne über<lb break="no"/>treiben zu können, sie ist auch zu meinem Gunsten ausgegangen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 23.3.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung, 20. Ministerratssitzung, 23.3.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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            <head>Information Degischer f. BM betr. Arbeitsmarktförderungsgesetzänderungsentwurf, 19.3.1976</head>
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               <persName type="label">Braun, Helmut</persName>
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               <occupation>Wr. SPÖ-GR-Abg., GPA, NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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               <persName type="label">Sachs, Johann</persName>
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               <persName type="label">Dallinger, Alfred</persName>
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               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Lütgendorf, Karl</persName>
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               <occupation>Unterrichtsminister</occupation>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, Tiroler SPÖ-Politiker</occupation>
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               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <occupation>GD BP Österreich</occupation>
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               <occupation>GS BIRPI/WIPO, ab 1973 Direktor</occupation>
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               <occupation>bulgar. Außenhandelsminister</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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