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            <title type="main">Montag, der 16. Februar 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_01">Montag, 16. Feber 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_02">Beim Jour fixe griff ich die Handelskammer an, dass sie zulässt<lb/>
den Besuch der rumänischen Wirtschaftsdelegation zu Verhandlungen<lb/>
mit der ÖVP. Fragte an, ob dies eine neue Politik sei, dass nicht<lb/>
nur die Handelskammer oder das Handelsministerium den Aussenhandel<lb/>
mit Rumänien abwickelt, sondern die Österreichische Volkspartei.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärten sofort, dass sie davon nichts<lb/>
gewusst hätten und dass es sich hier nur um eine Aktion der Kronen-<lb/>
Zeitung handelt. <rs type="person" ref="#per__116965">Gnam</rs> hat als erstes berichtet und etwas <choice><choice><sic>auf<lb break="no"/>bauscht</sic><corr>aufgebauscht</corr></choice></choice> was gar nichts ist. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erklärte,, dass die Einladung<lb/>
an Rumänien auf einem Gesuch der Österreichischen Volkspartei<lb/>
unter <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97641">Kohlmaier</rs> noch zurückging. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
telefonierten deshalb auch mit <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> und dann mit dem Pressesprecher<lb/>
<rs type="person" ref="#per__142486">Buxkandl</rs> und ersuchten, dass man die Delegation auf gar keinen<lb/>
Fall als eine mit Wirtschaftsproblemen und gar vielleicht zu Ver<lb break="no"/>handlungen nach Wien eingeladen, sondern eben um eine Tour<lb/>
d'Horizon, wie es bei solchen Delegationen üblich ist. Damit<lb/>
hoffte <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auf die Intervention des Aussen<lb break="no"/>ministers, der bei mir anfragte wie so etwas überhaupt zustande<lb/>
kommt und möglich ist, befriedigt zu haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_03"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> erwähnte einen Brief den <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> an die Handelskammer<lb/>
schrieb, wo er sich über die CSSR-Verhandlungen und die Stellungnahme<lb/>
des Handelskammer-Vertreters <rs type="person" ref="#per__114914">Schwarz</rs><add>[ev. Falschidentifikation, Anm.]</add> beschwerte. Die Handelskammer<lb/>
steht hinter <rs type="person" ref="#per__114914">Schwarz</rs><add>[ev. Falschidentifikation, Anm.]</add> und wird mir diesbezüglich ein Schreiben<lb/>
schicken, dass er nur nach den Intentionen und Aufträgen der<lb/>
Handelskammer gehandelt hat. Ich kenne den Brief nicht und weiss<lb/>
nicht warum <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> ohne mir davon auch nur ein Wort zu sagen,<lb/>
ein solches Schreiben geschickt hat. Er musste rechnen, dass die<lb/>
Handelskammer auf alle Fälle bei mir diesbezüglich interveniert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte kläre was <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> mit dem Schreiben<lb/>
beabsichtigte, und warum er es uns nicht sagte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_05"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat wegen der Interkalarfrist für den Kommerzialrats<lb break="no"/>antrag <rs type="person" ref="#per__142484">Berger</rs> aus Kitzbühel und <rs type="person" ref="#per__142485">Zach</rs> aus Innsbruck mit dem Bundes<lb break="no"/>präsidenten gesprochen und dieser ist bereit, obwohl noch 2 - 3<lb/>
Jahre fehlen, auf diese zu verzichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte die Anträge durch <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> weiter<lb break="no"/>leiten lassen.<lb/>
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dass im Preisunterausschuss doch der Semmelpreis erhöht wird.<lb/>
Ich erklärte mich dazu ausser Stande, da ja seinerzeit mit<lb/>
Zustimmung der Handelskammer eine Zug-um-Zug-Regelung ohne<lb/>
den Semmelpreis vereinbart wurde. Die Handelskammer hat jetzt<lb/>
auch mit der Landwirtschaft grosse Schwierigkeiten und zwar ist<lb/>
diese nicht bereit, wenn sie nicht eine Getreidepreiserhöhung<lb/>
bekommt, z.B. der Metallarbeiter um Erhöhung bedingten Preis<lb break="no"/>erhöhungen zuzustimmen. Mein Hinweis, dass bei Getreide jetzt<lb/>
versucht wird, eine Kostenentlastung durch Dünger- und sonstige<lb/>
Preissenkungen für dieses Jahr auszusetzen, ist nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallingers</rs> und vor allem einmal <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> vollkommen unbefriedigend.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sieht sogar darin dieselbe Taktik, die die Bauern jetzt<lb/>
haben, wenn sie in dem Preisunterausschuss und in der Paritätischen<lb/>
Kommission keinen Preiserhöhungen zustimmt und ich sogar auf der<lb/>
anderen Seite Preissenkungen für Produktionsmittel wahrscheinlich<lb/>
auch bei de Maschinen erreichen will und vielleicht erreiche,<lb/>
ein gemeinsames Vorgehen gegen die Interessen des Handels und<lb/>
der Industrie.<lb/>
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aufzunehmen, ohne natürlich Konkretes zu sagen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_09">Als ich im Vorzimmer bemerkte, nützte ich die Gelegenheit, um<lb/>
die Handelskammer aufmerksam zu machen, dass sie immer gegen die<lb/>
Belastung der Unternehmer protestiert und dann der ÖAAB wesentlich<lb/>
höher lizitiert als überhaupt erträglich ist. Der Pflege-Urlaub<lb/>
6 Tage pro Jahr, der heuer noch eingeführt werden soll, und dann<lb/>
der 4 Wochen Mindesturlaub im nächsten Jahr wird von der Handels<lb break="no"/>kammer – und da muss ich zugeben, dass sich die Handelskammer gegen<lb/>
alle Urlaubsänderungsvorschläge gestellt hat – auch abgelehnt.<lb/>
Natürlich gibt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort zu, dass der Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> wesentlich<lb/>
vernünftiger ist und wenn überhaupt maximal dieser von der Handels<lb break="no"/>kammer akzeptiert werden könnte. Allerdings nicht in dem Zeit<lb break="no"/>plan, wie <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> vorsieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> will meine Stellungnahme für die ERP-Aufstockung wissen.<lb/>
Ich erkläre ihnen sofort, dass hier die Meinung oft zwischen die<lb/>
Parteien aber auch innerhalb der Parteien ganz verschieden ist.<lb/>
Niemand bestreitet, dass es notwendig ist, den ERP-Fonds zu er<lb break="no"/>höhen. Auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gibt das zu, möchte allerdings, dass Mittel<lb/>
aus dem Budget insoferne genommen werden, als aus dem Kapitalmarkt<lb/>
die entsprechenden Anleihen durch den Bund erfolgen sollen und dann<lb/>
durch den Bund die Stützung auf einen 5 %-igen Zins oder bei der<lb/>
Kohlekredit-Aktion auf einen 1 %-igen Zins Abstützung erfolgen müssten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> lehnt ab, dass der ERP-Fonds emittierte Anleihen gibt, ebenso<lb/>
lehnt er ab, das andere System. Hier würde die ÖNB Kassenscheine mit<lb/>
10 Jahre Laufzeit durch den Kreditapparat aufnehmen lassen, dieser<lb/>
dem ERP-Fonds zur Verfügung stehen, mit einer Rediskontzusage durch<lb/>
die ÖNB. Auch dies erscheint ihm schon höchst fraglich, da die ÖNB<lb/>
nach seiner Auffassung nur die Aufgabe hat, die Währung abzusichern<lb/>
und keinesfalls eine Industriepolitik durch Aufstockung des ERP-Fonds<lb/>
oder gar durch Mittel-Bereitstellung durch den Bund betreiben dürfe.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> geben zu, dass es für sie viel schwieriger<lb/>
wäre, wenn mein System vom Finanzminister angewendet wird, nämlich, da<lb/>
er mit ihnen gemeinsam die Angelegenheit bespricht um dann eine Lösung<lb/>
zu finden, der sie ja im Interesse der Industrie und des wirtschaftli<lb break="no"/>chen Aufschwunges zustimmen müssten. Den beiden ist deutlich sichtbar<lb/>
auf der einen Seite unangenehm, dass sie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vollkommen links<lb/>
liegen lässt und auf der anderen Seite aber auch dadurch aus der<lb/>
Verantwortung herauslässt, die sie bei meinem System durch Zustimmung<lb/>
mittragen müssten. Ich erklärte nämlich, einleitend gleich, ob die<lb/>
Handelskammer tatsächlich der Meinung ist, es wäre richtig, ERP-<lb/>
Mittel nicht aufzustocken und damit die notwendigen Finanzierungsmitte<lb/>
für die Privatwirtschaft zu verweigern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_11">Zum Energiesicherungsgesetz haben wir eine längere Diskussion und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt sich letzten Endes bereit, in seinem Klub dafür zu<lb/>
sorgen, dass die Lagergesetzvorschläge, wie sie die Experten jetzt<lb/>
ausgearbeitet haben, angenommen werde. Er verlangt bezüglich der<lb/>
Preisbestimmung nur eine einzige Ergänzung, dass dargelegt wird,<lb/>
die Einlagerungstarife und die Ersatzzahlung dürfe nicht höhere sein<lb/>
als in den Derivat-Preisen für die Bevorratung einkalkuliert wurde.<lb/>
Er verzichtet auf eine Determinierung der Kosten dieser Einlagerung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_12"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte dann eine Zustimmung von mir, dass die<lb/>
restlichen Bestimmungen insbesondere über die Lenkung in das<lb/>
Rohstofflenkungsgesetz und das Lastverteilergesetz aufgenommen<lb/>
werden. Da mache ich keine Zusage sondern erkläre nur, ich bin bereit,<lb/>
wenn die ÖVP verlangt, dass wir den ersten Teil des Energiesicherungs<lb break="no"/>gesetzes jetzt endgültig dann im Unterausschuss beschliessen, den<lb/>
zweiten Teil nämlich Lenkung usw. weiter zu verhandeln. Ich bin mir<lb/>
auch vollkommen klar darüber, dass dies wahrscheinlich dann im Roh<lb break="no"/>stofflenkungs- und Lastverteilergesetz landen wird, ohne eine dies<lb break="no"/>bezügliche Zusage gemacht zu haben. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verlangt dann auch noch,<lb/>
dass gleichzeitig mit dem Lagergesetz im Energiesicherungsgesetz die<lb/>
steuerliche Neutralisierung und die Bundeshaftung im Finanzausschuss<lb/>
für das Abgabenänderungsgesetz vorbereitet gehört. Diesbezüglich wird<lb/>
er mit dem Finanzministerium eine Besprechung führen.<lb/>
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mit dem Finanzministerium aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_14">Ich informiere die Handelskammer über meine jetzigen Verhandlungen<lb/>
mit der Landwirtschaft und den Händlern wegen der Kartoffelpreise<lb/>
und abgelehnten Einfuhren von Gemüsekonserven für <rs type="person" ref="#per__142477">Hofer</rs> sowie<lb/>
der Entliberalisierung von Schmelzkäse. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
sind sehr einverstanden, dass diese Entliberalisierung von Schmelz<lb break="no"/>käse nur dann erfolgt, wenn eine Kompensation von Seiten der Land<lb break="no"/>wirtschaftskammer geboten wird. Sie sind zwar gegen die Einfuhr von<lb/>
Schmelzkäse durch <rs type="person" ref="#per__142477">Hofer</rs>, weil damit auch wirklich der Handel deroutiert<lb/>
wird, möchten aber keinesfalls wie dies unter <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> der Fall gewesen<lb/>
ist, wo für Futtermittellizenzen dann die Amerikaner die Ski-Schuhe in<lb/>
Amerika dann diskriminiert haben. Damals haben sie sich vergeblich<lb/>
gegen den Plan der Regierung <rs type="person" ref="#per__97634">Klaus</rs> gewehrt, die Landwirtschaft kriegt<lb/>
einen Schutz und die Industrie zahlt die Kosten. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
habe ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> neuerdings darauf aufmerksam gemacht, dass wir mit<lb/>
Japan nicht mehr eine längere Artikel-XXXV-Regelung anwenden können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist noch immer nicht davon überzeugt, dass man tatsächlich jetzt<lb/>
den Japanern diese Lösung geben kann.<lb/>
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werden, dass die Handelskammer dann nicht uns die Schuld geben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_16">Aussenminister <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> hat mich ersucht, dass er doch für seine<lb/>
Reise nach Abu Dhabi die Ermächtigung gerne hätte, den Kooperations<lb break="no"/>vertrag zu unterschreiben. Ich habe ihm zugesagt, dass wenn es<lb/>
möglich ist, im Rahmen einer interministeriellen Kommission noch<lb/>
im Laufe dieser Woche einen Beschluss zustande zu bringen, dass ich<lb/>
dann nächste Woche im Ministerrat einen diesbezüglichen Antrag stel<lb break="no"/>len werde. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> braucht eine Möglichkeit in Abu Dhabi den Leuten<lb/>
dort zu beweisen, dass Österreich alles sofort daransetzt, um Wünsche<lb/>
die sie haben, zu erfüllen. Er hofft damit, dass die Vorschläge der<lb/>
österreichischen Industrie leichter dort unterkommen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, mit<lb/>
dem ich vor längerer Zeit darüber sprach, sieht darin ein gefähr<lb break="no"/>liches Präjudiz für die Aktivitäten des Aussenministeriums im Ver<lb break="no"/>hältnis zum Handelsminister-um. Ich teilte zwar diese Meinung, bin <choice><choice><sic>aber</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
jetzt ehrlich gestanden der Auffassung, dass man <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> diesen Wunsch<lb/>
erfüllen sollte.<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> eine interministerielle Kommission einberufen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_18">Beim Journalistenfrühstück wurde die Ausdehnung der Komfortzimmer<lb break="no"/>aktion auch auf die Kücheneinheiten natürlich zum Anlass genommen,<lb/>
zu fragen, was wir eigentlich bereit sind, für den Fremdenverkehr<lb/>
heuer budgetmässig aufzuwenden und wie die weiteren Ergänzungen und<lb/>
Wünsche der Handelskammer auf Erhöhungen von Grenzbeträgen beurteilt<lb/>
werden. Ich verwies sofort und weiss, dass dies Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs><lb/>
gar nicht passt, eine Erhöhung nicht in Frage kommt. Durch den<lb/>
Andrang von Ansuchen in einem Ausmass, wie sie gar niemand er<lb break="no"/>wartet hat, wird es der grössten Anstrengungen bedürfen, die not<lb break="no"/>wendigen Mittel aus dem Budget bereitzustellen, so dass eine weitere<lb/>
Erhöhung von Grenzbeträgen oder Aufstockung nicht in Frage kommt.<lb/>
Hier darf ich nicht nur allein das Jahr 1976 sehen, so durch die<lb/>
jetzige Begutachtung dieser Komfortzimmer-Aktion-Ausdehnung und<lb/>
dann erst richtig im Anlauf im Herbst dieses Jahres nichts passieren<lb/>
kann. Ich muss auch auf die nächsten Jahre denken und hier werde ich<lb/>
kaum grössere Mittel vom Finanzministerium bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_19">Beim zweiten Tagesordnungspunkt: einfachgesetzliche Preisregelung<lb/>
habe ich einleitend darauf verwiesen, dass hier nicht ein<lb/>
Gesetz vorgelegt wird, das die Verfassung biegt, wie dies die<lb/>
ÖVP gerne darstellen möchte, sondern nur in der verfassungsrecht<lb break="no"/><pb n="29-0206" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band29/29_1976-02-16_0206.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>lichen Verschiebung der Kompetenzen in der wirtschaftlichen Ent<lb break="no"/>wicklung Rechnung getragen wird. Anschliesend habe ich dann <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs><lb/>
neuerdings ersucht, wir müssten einen Arbeitstitel für dieses einfach<lb break="no"/>gesetzliche Preisgesetz finden, den ansonsten wird sich der Negativ-<lb/>
Begriff "Ersatzlösung" überall einprägen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_20">ANMERKUNG AN ALLE: Wer weiss die beste Bezeichnung?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_21">Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> erklärt mir dezidiert, dass wenn sein Vizepräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__142949">Schebesta</rs> 1976 in Pension geht, er sofort innerhalb kürzester Zeit<lb/>
einen neuen Vizepräsidenten bestellen muss, denn im Gesetz ist vorge<lb break="no"/>sehen, dass der Präsident und die zwei Vizepräsidenten mindestens<lb/>
einen Techniker und einen Juristen beinhalten müsste. Derzeit sind<lb/>
zwei Techniker und <rs type="person" ref="#per__142949">Schebesta</rs> der einzige Jurist. Da wir diesen Posten<lb/>
für Min.Rat <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs>, der aus dem Patentamt kommt, freihalten wollen, wird<lb/>
es notwendig sein, dass <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> versucht, <rs type="person" ref="#per__142949">Schebesta</rs> auf ein Jahr zu<lb/>
verlängern. <rs type="person" ref="#per__142949">Schebesta</rs> selbst aber hat durch Krankheit und vor allem<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_23">Die Aussprache im ÖGB mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs> und<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs> und <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs> brachte nach langer leb<lb break="no"/>hafter Diskussion dann das Ergebnis, dass ich doch mit 8 Groschen<lb/>
versuchen sollte durchzukommen. Wir haben dann Abends mit den soz.<lb/>
Direktoren <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__134115">Göbel</rs>, Wiener Stadtwerke, <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs>, BEWAG und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs>, KELAG, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, Verbund sowie <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> mit AK<lb/>
und ÖGB weiter verhandelt. Man einigte sich nach stundenlangen Ver<lb break="no"/>handlungen und Diskussion aller Variationsmöglichkeiten auf 11,3 %<lb/>
was ungefähr den 8 Groschen über dem österr. Durchschnitt entspricht<lb/>
und der Preisvorbesprechung mit der Handelskammer, der Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer im Einvernehmen zu erzielen. Ich hatte bereits im Wiener<lb/>
Vorstand mit Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> und <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> versucht,<lb/>
eine diesbezügliche Einigung, auf dieser 8-Groschen-Basis.<lb/>
Ich glaube schön langsam sehen alle ein, dass dies das einzige<lb/>
Kompromiss ist, das ich leicht erzielen kann. Wie es im nächsten Jahr<lb/>
mit der Endlösung ausschauen wird, bin ich mir derzeit überhaupt noch<lb/>
nicht klar. Die Schwierigkeiten sind gigantisch. Ich bin fast davon<lb/>
überzeugt, dass man die Endlösung dann nicht am 1. Jänner wird machen kön<lb break="no"/>nen sondern zu einem späteren Zeitpunkt hinausschieben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_24">Da sich die Schwierigkeiten nur noch vergrössern werden. Die Akonto<lb break="no"/>lösung war wirklich nicht sehr glücklich. Für mich ist der einzige<lb/>
Vorteil, dass ich in der Zwischenzeit die Möglichkeit habe, die Reorga<lb break="no"/>nisation der Elektrizitätswirtschaft – Konzentration der Kernkraft<lb break="no"/>werke – weiter voranzutreiben. Die EVUs rechnen nämlich damit, dass sie<lb/>
ansonsten kaum bei der zweiten Etappe eine befriedigende Preiserhöhung be<lb break="no"/>kommen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte der Reorganisation auch propagandistisch<lb/>
grösstes Augenmerk zuwenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_26">Im Wiener Vorstand wurde von <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> mitgeteilt, dass 156 Anträge bis<lb/>
jetzt schon von den Bezirken für den Reform-Parteitag vorliegen. Der<lb/>
Wiener Vorstand hat ein Referat von ihm über diese Anträge bekommen.<lb/>
Da mit die Reform wirklich nicht interessierte, habe ich zwischen<lb break="no"/>durch die Preisverhandlungen mit den Stadträten geführt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_27">Von <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> wurde auch mitgeteilt, dass die Bezirksblätter jetzt doch<lb/>
endgültig in die Hände der ÖVP übergeben werden. <rs type="person" ref="#per__142950">Birkfellner</rs>, der<lb/>
Eigentümer, ein Genosse glaube ich sogar, hat jetzt 800.000 S Steuer<lb/>
bezahlt, sodass anzunehmen ist, er hat einen Finanzier gefunden.<lb/>
Bis jetzt hat er nur von den Annoncen mehr schlecht als recht existie<lb break="no"/>ren können. Sollte die ÖVP die Blätter erwerben wird selbstverständlich so<lb break="no"/>fort jedwede Aktivität auch die Seite der Vorsteher dort aufgelassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_28"><rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> berichtete auch, dass mit dem Wir und dem Profil noch immer<lb/>
die Beschuldigung, dass der Bauring 67 Mill. Provision irgendwohin<lb/>
gezahlt hat und gleichzeitig dann die neue Zeitung eingestellt wurde<lb/>
und damit das Defizit gezahlt werden sollte, ein Rechtsstreit sich ent<lb break="no"/>wickelt. <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> erklärt neuerdings und dezidiert, dass die Partei keiner<lb break="no"/>lei Provisionen vom Bauring bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> hat jetzt die Aus<lb break="no"/>kunft gegeben, dass das Startkapital 20 Mill. betragen hat und sehr<lb/>
bald verbraucht war, so dass mit Dezember 2970 die Zeitung eingestellt<lb/>
werden musste. Die Provision wurde aber erst im Juli 1971 vom Bauring irgend<lb break="no"/>wohin bezahlt. <rs type="person" ref="#per__142956">Temptel</rs>, ein Redakteur, der früher bei der Presse war,<lb/>
dann von <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> für die U-Bahn-Propaganda zur Gemeinde genommen wurde<lb/>
und jetzt in der Handelskammer tätig ist, soll erklärt haben, es gäbe<lb/>
zwei Geheimkonten über diese 67 Mill. <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> erklärt dezidiert, dass<lb/>
er davon nichts weiss. Die Neue Zeitung hätte nur Inserate vom Bauring<lb/>
bekommen so wie auch von anderen befreundeten Organisationen und hier<lb/>
<pb n="29-0208" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band29/29_1976-02-16_0208.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>könne man das genau feststellen, wieviel dadurch vom Bauring an die<lb/>
Neue Zeitung wenn man so sagen will Geld geflossen ist. Das ist aber<lb/>
etwas was auch andere Firmen getan haben, weder verboten noch besonders<lb/>
zu tarnen, weil Inserate bekanntlicherweise jederzeit erkenntlich sind,<lb/>
wer sie aufgibt und was sie kosten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_29">Der Verband soz. Studenten bekommt ein neues Lokal am Amerling-Platz, wo<lb/>
die Partei allerdings als Mieter auftreten wird, da auch in der Werder<lb break="no"/>torgasse des öfteren die Miete vom VSStÖ schuldig geblieben ist. eine<lb/>
Renovierung dort kommt nicht in Frage, weil das 1 Mill. S kosten würde.<lb/>
Ausserdem wird der Verband soz. Studenten jetzt einen Angestellten<lb/>
dem man 1.000 S pro Monat brutto bezahlen wird, von dem die Wiener<lb/>
Organisation ein Drittel, d.h. 3.000 S übernehmen wird. Dazu kommt<lb/>
eine weitere Subvention von 3.500 S durch die Wiener und 3.500 S<lb/>
durch die Zentralpartei. Ich hoffe, dass es der Partei gelingt, den<lb/>
Verband soz. Studenten stärker an die Organisation zu binden. Bei<lb/>
aller geistigen Freiheit und ideologischem Linkstümlertum des<lb/>
Verbandes gegen den ich gar nichts einzuwenden habe, wird es primär<lb/>
notwendig sein, Kontakte mit den Leuten dort mehr zu halten als dies<lb/>
in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Immer und das war schon<lb/>
zur Zeit da ich noch Obmann ganz kurz der soz. Studenten war, hat<lb/>
es natürlich innerhalb dieser Organisation besondere ideologische<lb/>
Kämpfe und Abgrenzungen gegen die, wie man sich auch damals ausdrückte<lb/>
rechtsgerichtete lahme sozialistische Partei gegeben. Dagegen ist<lb/>
gar nichts einzuwenden, wenn die Diskussion innerhalb unserer Partei<lb/>
durchgeführt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Wieweit kann man hier durch befreundete der Linken<lb/>
wie Du und <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ein besseres Verhältnis herstellen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_31">Gemeinderat <rs type="person" ref="#per__114998">Sevcik</rs> von der Landstrasse wurde von <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> als Bundes<lb break="no"/>sekretär der Volkshilfe dem Vorstand mitgeteilt und damit der Streit mit<lb/>
dem Sozialbau als beendet erklärt. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> gesagt, dass diese<lb/>
Lösung auch vom Standpunkt der Landstrasse aber auch vom Standpunkt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114998">Sevciks</rs> die beste ist, die er finden konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_32">Im Wiener Ausschuss hat dann ausser über das Referat Anträge zum<lb/>
Parteitag auch durch <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> als neuer Präsident seine Politik<lb/>
erörtert. Er meinte mit Recht, man solle nicht erwarten, dass<lb/>
ein neuer Präsident sofort alles ändert, weil sonst hiesse es, der<lb/>
andere habe es falsch gemacht. Er aber hat sich vorgenommen, Schritt<lb/>
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und zur Gemeinde zu verbessern. Zu diesem Zweck hat er ein<lb/>
kommunalpolitisches Referat geschaffen. In der Plösslgasse soll<lb/>
auch ein kulturelles Zentrum entstehen. In jeder Arbeiterkammer<lb/>
wo heute eine Jugendschutzstelle ist, soll in den Bezirken eine<lb/>
Informationsstelle geschaffen werden. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> hat eine gute Ab<lb break="no"/>sicht und ich hoffe, dass ihm alles gelingt. Was nur <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs><lb/>
der neben mir sitzt im Ausschuss befürchtete, war, dass jetzt die<lb/>
sogenannten Linken innerhalb der Arbeiterkammer sehr wohl und in<lb/>
starkem Ausmass den kommunalpolitischen Stellen Vorschläge machen<lb/>
werden, die kaum akzeptabel sein werden. Wie <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> sich<lb/>
ausdrückte, ist die "linke Blase in der Arbeiterkammer" heute schon<lb/>
scheinbar für die Gemeindeverwaltung sehr suspekt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-02-16_33">Bei der Feier im Konzerthaus, der 300.000-ste Organisierte in der<lb/>
Gewerkschaft der Privatangestellten hat <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> ein sehr geschicktes<lb/>
Referat gehalten. Er hatte sich jeden Satz überlegt, allerdings<lb/>
auch aufgesetzt und heruntergelesen, weil er gerade die Stellungnahme<lb/>
der Gewerkschaft der Privatangestellten vor diesem Forum aber auch<lb/>
vor den 15 anderen Delegierten der Brudergewerkschaften und ganz<lb/>
besonders vor dem Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> des ÖGB darlegen wollte. Er<lb/>
meinte, die Selbstständigkeit der Privatangestellten müsste unter<lb/>
allem Umständen gewahrt werden, aber sie seien bereit, in Solida<lb break="no"/>rität mit den anderen Pläne in Angriff zu nehmen und zu lösen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der nach ihm kam, hat dann auf die Entwicklung der Privatangestell<lb break="no"/>ten verwiesen, die aus verschiedensten Gruppen zersplittert um die<lb/>
Jahrhundertwende entstanden sind. Natürlich kam <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dann<lb/>
auf den ersten Kongress des Gewerkschaftsbundes 1949 zu sprechen, wo<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs> damals und ich erinnere mich noch einigermassen daran, das<lb/>
Problem Industriegruppen-Organistionen, wie es die Arbeiter<lb break="no"/>gewerkschaften teilweise ja ich kann sagen zum grössten Teil verlangten<lb/>
und wie die Angestelltengewerkschaft das damals schon mit aller Vehemenz<lb/>
ablehnte, diskutiert wurde. Damals konnte keine Lösung gefunden<lb/>
werden und heute – 30 Jahre danach – ist auch noch keine. Mit diesem<lb/>
Problem wird der Gewerkschaftsbund nicht zerbrechen, die Spannungen<lb/>
aber innerhalb der Gewerkschaften werden immer grösser. Die Entwicklung<lb/>
ist einmal so, dass jeder Betrieb versucht, die für ihn beste Lösung<lb/>
ohne Rücksicht auf die gewerkschaftlichen Probleme, die daraus entstehen,<lb/>
zu finden. Bei uns ist es momentan die Konsumgenossenschaft Wien,<lb/>
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Arbeiter in den Angestelltenstand erhoben haben, diese Tendenz<lb/>
in anderen Betrieben festzustellen. Die Privatangestellten er<lb break="no"/>klären nun mit Recht, sie können zwar nicht verhindern, dass<lb/>
die Betriebe solche Beschlüsse fassen, wollen aber nur die<lb/>
Angestellten betreuen, die wirklich Angestelltentätigkeit aus<lb break="no"/>üben. Dadurch würde so eine Kollektivvertragsaktivität der Arbei<lb break="no"/>tergewerkschaften selbst der Nur-Angestellten-Betriebe notwendig<lb/>
sein. Wie allerdings die Abgrenzung arbeitsrechtlich erfolgt,<lb/>
ist heute noch immer nicht gelöst. Sicher ist, dass der Zug<lb/>
der Beschäftigten zum Angestellten nach wie vor nicht nur vorhanden<lb/>
ist sondern sogar immer stärker wird. Mehr soziale Sicherheit<lb/>
höheres soziales Ansehen als Angestellter veranlasst oft Arbeiter<lb/>
selbst Lohneinbussen in Kauf zu nehmen. Wie dieses Problem gelöst<lb/>
wird, ist mir derzeit noch vollkommen schleierhaft. Dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
dieses Problem lösen muss, ist ihm vollkommen klar. Dass anderer<lb break="no"/>seits die Arbeitergewerkschaften ständig schwächer werden, steht<lb/>
auch fest. Dass die Privatangestelltengewerkschaft als grösste<lb/>
Gewerkschaft und dann wenn man will sofort die öffentlich Be<lb break="no"/>diensteten kommen, wenn man sie als einen Block betrachtet, ja<lb/>
sogar noch stärker sind als die Privatangestellten, erleichtert<lb/>
diese Frage auch nicht.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 16.2.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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