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            <title type="main">Dienstag, der 27. Jänner 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band29_1976-01-27</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_01">Dienstag, 27. Jänner 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_02">In der Vorbesprechung zum Unterausschuss wegen des Energiesicherungs<lb break="no"/>gesetzes sagte Sekr. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> von den Metallarbeitern es wäre not<lb break="no"/>wendig auf politischer Ebene zu klären, wie es weitergehen soll.<lb/>
Was <choice><choice><sic>macht</sic><corr>man?</corr></choice></choice> bräuchte ist ein kritisches Gespräch, sonst seien die<lb/>
Verhandlungen nutzlos. In der Unterausschussitzung hat er mit<lb/>
Recht dann erklärt, hier wird leeres Stroh gedroschen. Die ÖVP<lb/>
hat kein Konzept und möchte vor allem die Pflichtlagerung einen<lb/>
Vertrag der ÖMV mit dem Multis auf freiwilliger Basis geregelt haben.<lb/>
Hier andererseits – und hier verlangt man, dass der Minister die<lb/>
Sache weitertreibt – hänge noch viel zu sehr an dem Entwurf vom<lb/>
Ministerium. Da eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist, kommen<lb/>
wir auf dieser Basis nicht weiter. Er hat von einem Mann, der nach<lb/>
Brüssel geht, es kann sich nur um Gesandten <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs> handeln,<lb/>
erfahren, dass die ÖVP das Marktordnungsgesetz mit dem Energie<lb break="no"/>sicherungsgesetz zu koppeln hofft. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> lehnt dies bei den Be<lb break="no"/>sprechungen mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> über den Zuckerpreis gleich ganz<lb/>
entschieden ab. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dagegen bestätigt die Idee und meint, es müsse<lb/>
beides gemeinsam geregelt werden. Nach dieser Konzeption werden wir<lb/>
noch monatelang verhandeln müssen und die eigene Fraktion wird dann<lb/>
sehr ungeduldig und unruhig werden. Der freiheitliche Abgeordnete<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> hat mir Recht kritisiert, man kann das nicht über ein Gesetz<lb/>
ausschliesslich nach dem Gesichtspunkt verhandeln, ob eine Vereinba<lb break="no"/>rung zwischen der ÖMV und den Internationalen zustande kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_03">Am Abend berichtete mir Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> unter Anwesen<lb break="no"/>heit aller grossen Ölgesellschaftsrepräsentanten, dass sie bis jetzt<lb/>
keine Einigung erzielt haben, es sollen aber neuerliche Verhandlungen<lb/>
stattfinden und man wird mir berichten, ob es möglich ist, bis zur<lb/>
nächsten Unterausschussitzung ein Verbales Übereinkommen zu erzielen.<lb/>
Die schriftliche Ausführung würde sowieso dann noch länger dauern.<lb/>
Das Ganze zieht sich schrecklich. Die Internationalen möchten noch<lb/>
im März ihre Benzinpreiserhöhung und sind deshalb bereit, wenigstens<lb/>
mitzuarbeiten. Die ÖMV dagegen wird sicherlich bis zum Juni hinziehen,<lb/>
bis die Marktordnungsgesetze mitbeschlossen werden. Für mich ist das<lb/>
Ganze eine unangenehme Situation. Die eigenen Leute werden mit der<lb/>
Zeit sauer und die Öffentlichkeit wird sagen, wenn dann eine Debatte<lb/>
darüber erfolgt, warum ist hier nichts entschieden worden. Den Benzin<lb break="no"/><pb n="29-0106" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band29/29_1976-01-27_0106.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>preis werde ich dann früher oder später machen müssen, weil <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und<lb/>
ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> auf die Mineralölsteuereinnahmen baut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_04">Erfolgreicher war das Gespräch über die Berufsausbildung mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sal<lb break="no"/>linger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, <choice><choice><sic>Mag.Dir</sic><corr>Kammeramtsdirektor</corr></choice></choice>. <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> von Wien, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs>. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
musste zustimmen, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt wird unter Führung<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>. Früher hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> allerdings dezidiert erklärt, dass die<lb/>
Organisationsform eine Wegnahme der Lehrlingsausbildung von der Bundes<lb break="no"/>kammer, ein Kriegsfall wäre. Ebenso lehnen sie die Verlängerung der<lb/>
Schultage und vor allem auch die Umlage ab. Ich versuchte <rs type="person" ref="#per__112978">Kehrer</rs> klar<lb break="no"/>zumachen, dass er wenigstens den kleinen Änderungen des ganzen Kom<lb break="no"/>plexes zustimmen sollte. Hier sehe ich langen Verhandlungen entgegen.<lb/>
Die grosse Frage ist, ob ich mich bei der Parlamentsarbeit von meinem<lb/>
bisherigen Prinzip, einstimmige Beschlüsse zu erreichen, loslösen soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_05">ANMERKUNG FÜR ALLE: Was ist eure Meinung?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_06"><rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> vom ARBÖ ersucht mich, ich sollte ihn unterstützen, damit<lb/>
ihre Organisation CCE – Camping und Caravan Europa – in den internationalen<lb/>
Camping-Club aufgenommen wird. Dies verhindert der ÖAMTC, wir müssen<lb/>
hier einen gemeinsamen Schlachtplan entwickeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97411">Effenberger</rs> Details besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_08">Im Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> und mir vereinbart, dass wir<lb/>
den Beamten in Genf wegen der Errichtung des 100-Mill.-$-Investitions<lb break="no"/>fonds die Weisung geben, expeditiver zu arbeiten. Die Portugiesen haben<lb/>
sich darüber beschwert und insbesondere war der Vertreter des Finanz<lb break="no"/>ministeriums, ein scheinbar sehr junger Beamter, überhaupt nicht expeditiv.<lb/>
Wir kamen überein, eine Weisung sofort an alle nach Genf zu geben. Ich<lb/>
habe diesbezüglich sofort Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> verständigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte die Weisung beschaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_10">Zwischen den Präsidenten der Interessensvertretungen und den Experten<lb/>
gab es eine lange Diskussion über die Zuckerpreise und neue Zuckerord<lb break="no"/>nung. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hatte eine Zuckerpreissenkung verlangt, die ich für<lb/>
vollkommen unmöglich halte. Wenn wir den Anteil von Zucker auf<lb/>
dieser hohen Basis fortsetzen, muss eine Exportmöglichkeit gegeben sein,<lb/>
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bleibt. Sie brauchen einen Teil der dadurch zufliessenden Mittel<lb/>
um die Rübe ein wenig über den Inlandspreis zu stützen. Mir er<lb break="no"/>schien es viel wichtiger, bei diesen Verhandlungen Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
zu demonstrieren, dass gemeinsam an eine Getreidepreiserhöhung<lb/>
heuer nicht gedacht werden kann. Natürlich kam es zu keiner dezidier<lb break="no"/>ten Erklärung, zu einer Demonstration des ÖGB und der AK, dass sie<lb/>
nicht bereit sind, wenn jetzt der Mehl- und Brotpreis gemacht wird,<lb/>
schon zur Kenntnis zu nehmen, dass heuer noch einmal eine Getreide<lb break="no"/>preiserhöhung erfolgt. Ausserdem war anzunehmen, dass nachdem<lb/>
die Lohnabschlüsse der Müller und Bäcker auch bei nicht ganz 9 %<lb/>
lagen, der Mehl- und Gebäck- und Brotpreis nicht annähernd so<lb/>
hoch erhöht wird, wie sich die Handelskammer erwartet. Hier stehen<lb/>
schwere Verhandlungen bevor. Zum Glück gelang es aber dann doch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> davon zu überzeugen, dass er das neue Zuckersystem akzeptiert.<lb/>
Keine Preissenkung, Export von Zucker so weit als möglich und<lb/>
Anbau der Zuckerrübe ohne Einschränkung. Mit <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> vereinbarte<lb/>
ich, dass es auch gelingen müsste, auf dem Getreidesektor eine<lb/>
ähnliche Regelung zu erreichen. Hier werden wir in kürzester Zeit<lb/>
zu einer Überschussproduktion insbesondere von Füllweizen kommen.<lb/>
Bei der Zuckerpreisverhandlung hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sehr scharf gegen die<lb/>
ganze Preiserhöhungspolitik polemisiert und mit Recht gemeint,<lb/>
das müsste sich eben die Regierung dann ausmachen, wenn die Konsu<lb break="no"/>menten jetzt ständig mehr belastet werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollte ablenken<lb/>
meint dies richte sich vor allem gegen die Sozialpartner, d.h. die<lb/>
Unternehmer, die eben diese Preiserhöhung brauchen. Ich erklärte<lb/>
sofort, nein, das richtet sich schon gegen die Regierung oder<lb/>
gegen mich, weil eben so hohe Preisforderungen vorliegen und da<lb break="no"/>durch eine Senkung des Lebenshaltungskostenindex 1976 unwahrschein<lb break="no"/>lich wird. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat mir anschliessend unter vier Augen gesagt,<lb/>
er wollte dies keinesfalls gegen mich sagen. Scheinbar hat ihn die<lb/>
Schärfe seiner Argumentation dann doch gereut. Mir dagegen erschien<lb/>
es sehr zweckmässig und ich erklärte ihm dies auch. Die grosse<lb/>
Gefahr besteht doch, dass alle glauben, dass zwischen Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund, Arbeiterkammer und mir alles abbesprochen ist, was<lb/>
sicherlich nur teilweise stimmt. Ich kann nur eine einvernehm<lb break="no"/>liche Lösung erzielen, wenn eben die andere Seit sieht, dass es<lb/>
für gewisse Probleme einen unverrückbaren Standpunkt der einen<lb/>
oder anderen Interessensvertretung gibt. Bei der Zuckerpreissenkung<lb/>
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der Mehl- und Brotpreiserhöhung muss die AK und der ÖGB zeigen,<lb/>
dass sie nicht bereit sind, jeden Wunsch zu erfüllen. Auf dem Preis<lb break="no"/>gebiet eine Kompromisspolitik zu erzielen ist daher nicht leicht.<lb/>
Trotzdem entspricht es eher meinem Arbeitsstil und ich glaube,<lb/>
dass ich hier auch erfolgreicher bin als z.B. bei der Gesetzwerdung<lb/>
im Parlament. Sobald ich die Sozialpartnerebene und deren Verhandlungs<lb break="no"/>methoden verlasse, stosse ich auf scheinbar unüberwindliche Schwierig<lb break="no"/>keiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_11">Die soz. Direktoren von der Verbund, Elektrizitätswerke Wien <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs><lb/>
als Sprecher, <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs>, Kelag, <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs>, Bewag, wollten von mir eine<lb/>
Zusicherung, dass sie mindestens 12 Groschen für den Strompreis<lb/>
Aconto-Zahlung 1. März bekommen müssten. Die AK und der ÖGB hatten<lb/>
wie ich vorher feststellen konnte, maximal an 5 – 6 Groschen gedacht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> an 8 Groschen seinen Berechnungen bis jetzt zugrundegelegt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> wollte mir einreden, ich hätte ihnen vor den Wahlen zuge<lb break="no"/>sichert, dass am 1. Jänner – was stimmt – neue Strompreise festge<lb break="no"/>setzt werden sollten, wobei sie angenommen haben, er wird in einer<lb/>
zweistelligen Zahl, was wieder nicht stimmt, in Aussicht genommen.<lb/>
Die Genossen, aber dann auch die schwarzen Direktoren haben mit dem<lb/>
ÖGB vereinbart, dass nun eine Etappenlösung mit 1.3. d.J. und 1.1.<lb/>
nächsten Jahres erfolgen soll. Sie haben diese Verhandlungen des<lb break="no"/>halb geführt, weil ich ihnen empfohlen habe, mit dem ÖGB zu reden.<lb/>
Mit der Etappenlösung war ich nicht glücklich. Das muss ich jetzt im<lb/>
Nachhinein mir selbst zugestehen. Da aber alle Sozialpartner sich in<lb/>
der Zwischenzeit auf diese Etappenlösung bringen konnte, wird es<lb/>
natürlich bei dieser bleiben. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, und ganz besonders aber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, AK, haben dann den soz. Direktoren ganz deutlich gesagt,<lb/>
dass an eine 12-Groschen-Erhöhung, auch als Aconto, nicht zu denken<lb/>
sei. Hier wird es noch ganz schwere Verhandlungen geben. Ich habe <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs><lb/>
ersucht, er soll versuchen, mit 1.3. die formellen Preisanträge fertig<lb/>
zu kriegen, über den materiellen Inhalt werden wir sicherlich noch<lb/>
entsprechende Verhandlungen führen müssen. Vielleicht gelingt es,<lb/>
auf 9 Groschen zu kommen, was schon eine über 10 %-ige Erhöhung<lb/>
bedeutet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_12">Der bolivianische Fremdenverkehrsminister <rs type="person" ref="#per__142421">Gonzales</rs>, der zum Cotal-<lb/>
Kongress kam, meinte bei einer Vorsprache, es sollte versucht werden,<lb/>
Botschafter, resp. Geschäftsträger zumindestens zu errichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_13">Bolivien beabsichtigt scheinbar, bei den internationalen Organisa<lb break="no"/>tionen einen solchen Geschäftsträger zu installieren und möchte des<lb break="no"/>halb, dass auch Österreich in Bolivien eine Vertretungsbehörde<lb/>
schafft. Ich versprach darüber mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> zu verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_14">Im Parlament gab es die Terroristenerklärung und Debatte von der ich<lb/>
nur auf der Regierungsbank die Erklärung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> abhören musste<lb/>
und dann sofort zu Verhandlungen verschwand. Handelskammerpräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs> soll zum Schluss eine sehr konziliante Rede gehalten haben und<lb/>
so ist der Eindruck bei unseren Leuten gewesen, versucht haben zu<lb/>
erklären, warum <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> dem Terroristen die Hand gegeben hat. Er selbst<lb/>
hätte schon zweimal Maschinenpistolen an der Brust gehabt und könnte da<lb break="no"/>her die Situation genau verstehen, in der sich <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> befunden hat.<lb/>
Wenn er auch nicht unmittelbar bedroht war. Damit sind die ganzen<lb/>
Angriffe von der ÖVP in diesem Punkt zusammengebrochen, wie weit<lb/>
allerdings ein Abgeordneter sich persönlich profilieren darf und<lb/>
dabei die Taktik der eigenen Partei zunichte macht, möchte ich hier<lb/>
nicht genau untersuchen. Meiner Meinung nach trägt ein solches Ver<lb break="no"/>halten dazu bei, dass die anderen, die den Angriff starten, unsicher<lb/>
werden und was noch viele schlimmer ist, dann übrigbleiben. Wieweit hier<lb/>
eine Kritik des Wirtschaftsbundes, der mit der harten Führung der<lb/>
Debatte nicht einverstanden war, vorliegt, weiss ich nicht im einzelnen.<lb/>
Was ich nur genau weiss, ist, dass es eine unwürdige und unkollegiale<lb/>
Situation ist, wenn man sich auf Kosten einer zuerst vereinbarten<lb/>
Taktik dann durch besonderes konziliantes Verhalten zwar persönlich<lb/>
gut präsentiert, die Glaubwürdigkeit des Klubs aber schwer schädigt.<lb/>
Ich glaube wirklich, dass es innerhalb der soz. Fraktion so etwas<lb/>
nicht gibt, zumindestens nicht so deutlich sichtbar.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_15">NR <rs type="person" ref="#per__113368">Landgraf</rs> hat mich vor längerer Zeit ersucht, ob die Berufsschule<lb/>
in Ischl und eine halbjährige Praxis danach für die Berufsausübung<lb/>
genügt. Bis jetzt hat er noch keine Antwort bekommen. Ich habe schon<lb/>
einige Mal ersucht, man muss Zwischenerledigungen machen, wenn Fragen<lb/>
längere Zeit nicht erledigt werden können. Ich fühle mich jetzt schön<lb/>
langsam sehr unsicher, ob das Haus überhaupt noch auf unsere Dienst<lb break="no"/>zettel reagiert, resp. ob überhaupt die entsprechenden Ansuchen an die<lb/>
entsprechenden Abteilungen kommen und kontrolliert werden. Was ist mit<lb/>
dem Wunsch <rs type="person" ref="#per__113368">Landgrafs</rs> geschehen? Wer hat es bearbeitet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_16">ANMERKUNG FÜR ALLE: Wir müssen ein neues System der Erledigung von Inter<lb break="no"/>ventionen finden, damit die Beschwerden aufhören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_17">NR <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__97786">Kittl</rs></sic><corr>Nittel</corr></choice></choice> ersucht mich neuerdings bei dem Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140701">Kohout</rs><lb/>
von der CSSR zu intervenieren, damit sie ihre Setzlinge<lb/>
für Arbeiter-Fischerei-Verband direkt beziehen können. <rs type="person" ref="#per__140701">Kohout</rs><lb/>
hat mir seinerzeit versprochen, er wird der österr. Importfirma<lb/>
reden, damit der Arb.-Fischerei-Verband auch direkt beziehen kann.<lb/>
Bis jetzt hat <rs type="person" ref="#per__140701">Kohout</rs> sich überhaupt nicht bei <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__97786">Kittl</rs></sic><corr>Nittel</corr></choice></choice> gerührt.<lb/>
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Camping-Plätze auszudehnen. Dort sind oft skandalöse hygienische Zu<lb break="no"/>stände.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> besprechen und <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs><lb/>
verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-27_21">Bundespräsident hatte die Klubobmänner und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>,<lb/>
CA-Direktor <rs type="person" ref="#per__131148">Grimm</rs> zu einem Abendessen eingeladen. Er erklärte mir,<lb/>
er hätte die Kombination Politik und Wirtschaft damit erreichen<lb/>
wollen. Als ranghöchster kam ich neben der Hausfrau zu sitzen<lb/>
was ich protokollarisch gar nicht beachtete. Als <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
dann eine kurze Ansprache hielt, hatte ich angenommen, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als der älteste und auch in meinen Augen als wichtigste<lb/>
Persönlichkeit danken würde. Diese alle aber haben sich dann sehr<lb/>
gewundert, dass ich nicht das Wort ergriff. ich habe mich dann bei<lb/>
der Verabschiedung bei <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unter vier Augen, nachdem er<lb/>
auch mir die Protokollfrage klargemacht hatte, dafür entschuldigt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> kennt mich Gott sei Dank lange genug, und weiss,<lb/>
dass ich eben weniger formell und noch weniger protokollarisch<lb/>
vorgehe. Nachher hat es mich schon ein wenig geärgert, dass mir<lb/>
dieser Fehler passiert ist. Ich muss mich eben schön langsam damit<lb/>
abfinden, dass ich in gewissen Kreisen nach Protokoll der höchste<lb/>
bin, auch dann, wenn meine persönliche Einstellung dies gar nicht<lb/>
fordert, resp. wünscht. Mir fehlt eben vollkommen eine machtbe<lb break="no"/>wusste hierarchische Auffassung.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 27.1.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 12. Ministerratssitzung, 27.1.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>Leitender Sekretär ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
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               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
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