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            <title type="main">Dienstag, der 13. Jänner 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_01">Dienstag, 13. Jänner 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_02">Bei der Klausurtagung zeigt mir <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> einen Brief der Kelag<lb/>
an ihn, wo <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> darauf hinweist, dass die Verbundgesellschaft<lb/>
nicht zu ihrer mündlichen Vereinbarung, die <rs type="person" ref="#per__118693">Lohmann</rs> und er geschlossen<lb/>
haben, steht. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> gibt mir aber sofort zu, dass <rs type="person" ref="#per__118693">Lohmann</rs> entgegen<lb/>
den seinerzeitigen Geist der Vereinbarung zwischen ihm und mir und<lb/>
der Verbundgesellschaft sich durch einen Irrtum auf grössere Zuge<lb break="no"/>ständnisse eingelassen hat. <rs type="person" ref="#per__118693">Lohmann</rs> wollte nachher, als er drauf<lb break="no"/>kam, dies sofort korrigieren, nur <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> steht auf dem Stand<lb break="no"/>punkt, was er mit <rs type="person" ref="#per__118693">Lohmann</rs> vereinbart hat, gilt. <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> versucht<lb/>
jetzt <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> davon zu überzeugen, ohne ihm eine Weisung zu geben,<lb/>
denn er befürchtet, dass einmal der Rechnungshof sonst ihn beschul<lb break="no"/>digen könnte, besser vereinbarte Konditionen auch wenn sie auf einem<lb/>
Irrtum beruhten, nicht in Anspruch genommen zu haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs>: Bitte so schnell wie möglich Kelag<lb/>
und Vorarlberg abschliessen, damit nicht noch neue Komplikationen ent<lb break="no"/>stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_04">Einleitend am zweiten Tag der Klausurtagung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz besonders<lb/>
darauf hingewiesen, dass das Wohnungsproblem und die Zusagen in<lb/>
unserer Regierungserklärung aus dem Jahre 1970 bis jetzt nicht einge<lb break="no"/>halten wurden, 5.000 Wohnung pro Jahr mehr, er sagte zwar, dies rich<lb break="no"/>te sich nicht als Kritik gegen <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, doch in dieser Nichterfüllung<lb/>
sieht er eine ganz grosse Gefahr. Die Regierung setzt Milliarden ein<lb/>
und hat keinen Erfolg. Die Regierung hat versagt, dies sei eine Schick<lb break="no"/>salsfrage für die Regierung. Damals habe er Fachleuten geglaubt und<lb/>
jetzt müsse er <rs type="person" ref="#per__97547">Herzmanovsky-Orlando</rs> zitieren: Man glaubt gar nicht<lb/>
wohin Fachleute kommen, wenn man sie nur lässt. Die Mietzinsbildung<lb/>
wird ja auch jetzt in den letzten Jahren auch für die grosse Masse<lb/>
der Arbeiter, also unserer Wähler, unerträglich hoch. Dazu kommt<lb/>
noch, dass die meisten in Genossenschaftswohnungen wohnen, dort hohe<lb/>
Ablöse zahlen müssen und eigentlich gar nichts von ihrer Wohnung haben,<lb/>
zum Unterschied von den Eigentumswohnungsbesitzern. Diese zahlen heute<lb/>
nicht mehr als in Genossenschaftswohnungen und können, wenn sie aus<lb break="no"/>ziehen, ihr Kapital irgendwie wieder verwerten. Hier wird es früher<lb/>
oder später einen Aufstand geben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bezeichnet es als eine<lb/>
Enteignung der Mieter und da die Genossenschaften als sozialistisch<lb/>
gelten, sie werden ja von Sozialisten geführt, wird es hier einen<lb/>
<pb n="29-0041" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band29/29_1976-01-13_0041.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schweren Rückschlag dann der Partei geben. Als ich abends in unserem<lb/>
Bezirksausschuss über dieses Problem besonders auch referierte,<lb/>
wurde mir mehr oder minder bestätigt, dass wir hier schon jetzt<lb/>
in einer sehr kritischen Phase sind, wenn auch nicht nach 15 Jahren,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> behauptete die Rückzahlung der Ablöse bei den Genossen<lb break="no"/>schaftswohnungen Null ist sondern erst nach 40 Jahren, so ist die<lb/>
Differenz doch sehr gross. Der Eigentumswohnungsbesitzer kann wahr<lb break="no"/>scheinlich sogar mit entsprechendem Gewinn, wenn er investiert und<lb/>
seine Wohnung in Ordnung gehalten hat, sie verkaufen, während der<lb/>
Genossenschaftswohnungsbesitzer eben einen Bruchteil dessen kriegt,<lb/>
was sie ihn einmal gekostet hat. Immer mehr komme ich zur Überzeugung,<lb/>
dass mein vor Jahrzehnten gemachter Vorschlag, die Gemeinde Wien<lb/>
und alle unsere Genossenschaften sollten einem Gesetz zustimmen,<lb/>
dass jeder seine Wohnung ins Eigentum automatisch übertragen bekommt,<lb/>
der einzig richtige Weg war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte noch einmal mit <rs type="person" ref="#per__113010">Holoubek</rs> Bespre<lb break="no"/>chungen aufnehmen, ob wir nicht eine andere Lösung, die meiner ähnelt,<lb/>
finden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam auch auf die krisenhafte Entwicklung der Wirtschaft in<lb/>
der Welt und damit auch in Österreich zu sprechen. Er meinte, in<lb/>
Deutschland sprach man von Silberstreifen und dass das Konjunkturtal<lb/>
bereits durchschritten sei und ständig steigen die Arbeitslosenziffern.<lb/>
Er appellierte, dass man seine Sprachregelung, dass die Krise noch<lb/>
kommen könnte, übernehmen sollte. Trifft sie nicht ein, umso besser<lb/>
für die Regierung und die Partei. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> forderte mich auf, jetzt<lb/>
zu berichten. Beim Hinunterfahren hatte ich mit <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> eine längere<lb/>
Diskussion, ob ich in der Regierungsklausur dasselbe sagen sollte,<lb/>
was eine Woche später ich bei der Wirtschaftskonferenz ich referieren<lb/>
sollte. Wir waren uns beide nicht ganz klar. An und für sich hatte ich<lb/>
nie in den letzten Jahren bei solchen grossen Veranstaltungen wie<lb/>
Klubtagungen, Parteitage, Parteirat, Regierungsklausur usw. das Wort<lb/>
ergriffen. Ich halte nämlich eigentlich gar nichts davon, dort ent<lb break="no"/>sprechende Bemerkungen oder Pläne in kurzer Zeit darzulegen. Meistens<lb/>
kommt es zu einer Konfrontation und man müsste wesentlich mehr Zeit<lb/>
haben und vor allem einmal das Schlusswort, um durch Erwiderung dann<lb/>
andere Behauptungen entweder widerlegen zu können oder zumindestens<lb/>
seien Standpunkt aufklären zu können. Ich habe mir deshalb schon<lb/>
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reden sondern überhaupt nur auf Aufforderung kurze Erklärungen abzu<lb break="no"/>geben. Z.B. erinnere ich mich an den Parteitag in Villach, wo ich das<lb/>
auf Wunsch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> getan habe und wo ich eigentlich sehr unbefriedigt<lb/>
dieser Aufforderung nachgekommen bin. Das Ergebnis war auch danach.<lb/>
Der Aufforderung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> entsprechend habe ich deshalb auch nur bei<lb/>
der Regierungstagung auf Preisentwicklung, die Exporte, den Fremden<lb break="no"/>verkehr und das Berufsausbildungsgesetz hingewiesen. Natürlich hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann – wie ich es ja erwartet hatte und auch gewusst habe –<lb/>
seine wirtschaftspolitischen Überlegungen angeschlossen. Er verwies<lb/>
darauf, dass die Strukturbereinigung auf dem Textilsektor Ost unter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> sowie die Papierumweltschutzregelung unter Mitwirkung der Re<lb break="no"/>gierung kooperativ zwischen Industrie und Regierung erfolgt. Nach der<lb/>
Stahl- und Eisenfusion jetzt also in der Privatwirtschaft genau die<lb break="no"/>selbe Politik unter Zuhilfenahme der Regierung. Er dankte <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, dass<lb/>
er als Arbeiterkammerpräsident gleich die neue Idee gehabt hat und<lb/>
meint, die freischwebenden Unternehmungen müssten jetzt zusammenge<lb break="no"/>führt werden. Die SGP aber nicht mit der Wiener Brückenbau, d.h. VÖEST<lb/>
weil die VÖEST dies gar nicht imstande ist, diese macht ihre eigene<lb/>
Politik in der Konjunktur und in der Krise muss sie sich erst be<lb break="no"/>währen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist auf die VÖEST nicht sehr gut zu sprechen, denn<lb/>
er sagt, die Wiener Brückenbau ist gar kein florierender Betrieb und<lb/>
wenn man einen Betrieb mit ihr zusammenführen würde, kämen nur insbesondere<lb/>
die Wiener Betriebsstätten zu Schaden. Man konnte heraushören, VÖEST-<lb/>
Zusammenlegungen bedeuten eigentlich Stillegungen. Er wird und dies<lb/>
teilte er streng vertraulich mit, bei der Wirtschaftsaussprache nächste<lb/>
Woche, eine industrielle Kommission vorschlagen, bestehend aus Credit<lb break="no"/>anstalt, Länderbank, Schoeller, BAWAG, ÖIAG, ÖGB, Industriellenver<lb break="no"/>einigung, Arbeiterkammer und Handelskammer. Die Landwirtschaftskammer<lb/>
meint er wird dabei nichts zu suchen haben, denn letzten Endes werde<lb/>
auch die Arbeitgebervertreter bei den genossenschaftlichen Fragen<lb/>
nicht herangezogen. Von den Ministerien sei das Bundeskanzleramt,<lb/>
der Finanzminister und der Handelsminister zuzuziehen. Die ganze<lb/>
industrielle Kommission würde bei ihm ressortieren, weil das BKA<lb/>
für die wirtschaftliche Koordination zuständig sei. Ziel müsse es<lb/>
sein, drei bis vier österreichische Grosskonzerne mit 10 – 12.000<lb/>
Beschäftigten zu schaffen. Es könne ohne weiteres neue gemischte Eigen<lb break="no"/>tumsformen geben, ein Vorbild sei Siemens Austria, wo die 43 % von<lb/>
der ÖIAG stillschweigend überall akzeptiert werden. Dies sei ein florie<lb break="no"/>render Betrieb und ein grosser Erfolg. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kann jetzt nach Jahren,<lb/>
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dies als Erfolg hinstellen. Damals musste die Partei und er ganz<lb/>
besonders sich gegen die harten Vorwürfe einer Entstaatlichung unserer<lb/>
Siemens 100 % verstaatlichten Betriebe zur Wehr setzen. Ich hätte<lb/>
angenommen, dass jetzt die Linke nicht nur bei der Regierungsklausur<lb/>
sondern wenn dieser Plan dann bekannt wird, auch bei der Diskussion<lb/>
in unseren Parteigremien aufschreit. Als Rechter habe ich gegen die<lb/>
Entstaatlichung, sei es Bauring, sei es also jetzt dann in den neuen<lb/>
Eigentumsformen, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückt, gar nichts einzuwenden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verlangt nämlich, dass sie innerkonzernlich ein unbestrittenes<lb/>
Mitspracherecht garantiert bekommen. Mir persönlich kam es nie auf die<lb/>
Eigentumsform in den letzten 30 Jahren an, sondern immer wie ich<lb/>
glaube auf die immer wichtigste Frage, wie weit gibt es eine Mitsprache.<lb/>
nicht der Eigentumsbegriff war für mich entscheidend, sondern die<lb/>
Befehls- und Anordnungsgewalt, anders ausgedrückt: Wer ist der Be<lb break="no"/>stimmer?</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kündete auch eine binationale Gesellschaft an, dies konnte er<lb/>
umso mehr, als ich ihm am Vortag schon mitteilte, dass die ägyptische<lb/>
Delegation Minister <rs type="person" ref="#per__142068">Chafei</rs> und auch der ägypt. Botschafter mir mitteil<lb break="no"/>ten, dass Ägypten mit einer solchen Regelung einverstanden ist, ja<lb/>
sie sogar sehr begrüsst. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubt, diese Gesellschaft ist not<lb break="no"/>wendig und das Misstrauen der Araber gegen die Investitionen der<lb/>
Europäer mit Milliarden Dollar-Beträgen, das sie nur zahlen müssen,<lb/>
abtauen muss. Er möchte einen fair deal 50 : 50. Diese arabisch-<lb/>
österreichische Handels- und Industriegesellschaft soll keine Studien<lb break="no"/>gesellschaft sein, sondern soll ein beträchtliches Aktionskapital haben<lb/>
um grosse Aufträge durchführen zu können. Diese Gesellschaft muss<lb/>
sich dann um die einzelnen Geschäfte bemühen. Mit den Staatshandels<lb break="no"/>ländern gehen grosse Geschäfte nur, wenn sei eine politische intensiv,<lb/>
d.h. wenn Österreich dort auch politisch intensiv eintritt. wenn man<lb/>
sich nicht um die Geschäfte dort von der politischen Seite kümmert,<lb/>
so sieht man, wie es dann sofort abwärts geht, das typischste Bei<lb break="no"/>spiel ist die Schweiz. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> überschätzt zweifelsohne den Einfluss,<lb/>
den jetzt seine Besuche oder gar die meinen in den einzelnen Ländern<lb/>
haben. Richtig ist, dass diese Staatshandelsländern und ganz be<lb break="no"/>sonders der COMECON teilweise nach politischen Gesichtspunkten ent<lb break="no"/>scheidet, dies aber ausschliesslich der Politik jetzt zugute zu schreiben,<lb/>
halte ich für übertrieben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sogar, wie ich bei der Presse<lb break="no"/>konferenz dann feststellen kann, ich wurde danach gefragt, am Vortag<lb/>
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jetzt der Nahe Osten, d.h. Ägypten aber sei durch die Politik der<lb/>
Regierung und deren Aussenhandelspolitik bestimmt. <rs type="person" ref="#per__141704">Buchacher</rs> von<lb/>
der Presse fragte mich sofort, ob die Handelsdelegierten dort ver<lb break="no"/>sagt hätten, und ich korrigierte, nachdem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufgeklärt hatte,<lb/>
dass er dies nicht so meinte, die Handelsdelegierten seien überall<lb/>
gut. Ich unterstrich, dass wir mit dem System, wie es jetzt existiert<lb/>
zufrieden sind. So wie wir aber 1970 beginnend die Ostoffensive<lb/>
eröffneten, so wollen wir jetzt für den arabischen und asiatischen<lb/>
Raum ganz besonders aber für die OPEC-Staaten eine neue Export<lb break="no"/>offensive starten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies auch dann darauf, dass er mit <rs type="person" ref="#per__123209">Tito</rs> und <rs type="person" ref="#per__142069">Kardelj</rs><lb/>
besprochen hat, auch eine jug.-österr. Gesellschaft zu gründen,<lb/>
die insbesondere in der dritten Welt entsprechende Projekte ver<lb break="no"/>wirklichen soll. Jugoslawien hat durch durch seine blockfreie<lb/>
Politik einen guten Ruf und den möchte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> durch diese neue<lb/>
Gesellschaft besonders zu einer Exportoffensive nützen. Aufgabe<lb/>
dieser Gesellschaft sei nicht allein nur das Geschäft aufzureissen,<lb/>
sondern auch die Kontrolle über die Durchführung zu übernehmen<lb/>
und gegebenenfalls immer wieder nachzustossen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte zum<lb/>
Schluss, er wird am Montag ja sehen, ob die Opposition mit dieser<lb/>
Idee mitgeht, er meint, sie wird sich kaum dagegen aussprechen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_09">Bezüglich des ERP-Fonds meinte er, dieser müsste erweitert werden<lb/>
da durch die Inflation allein sein Umfang ja ständig materiell<lb/>
und real sinkt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der dann sofort aufgefordert wurde, seine<lb/>
Konzeption darzulegen, hat zu diesem Punkt erklärt, für die Er<lb break="no"/>gänzung der Fremdfinanzierung und des ERP-Fonds müsse man neue<lb/>
Wege finden. Er stellt sich 1,5 bis 2 Mia. S vor, die allerdings<lb/>
über die Investitionskredit AG emittiert werden und in Offenmarkt<lb break="no"/>politik wie auch für den ERP-Fonds von der ÖNB dann rediskontiert<lb/>
werden sollen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> geht also in diesem Fall auf klaren Kolli<lb break="no"/>sionskurs gegen die Nationalbank-Fraktion insbesondere <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>.<lb/>
Dieser hat mir vor Monaten schon gesagt, er lehnt diesen Weg<lb/>
strikte ab, weil er dieselbe Diskussion und Auseinandersetzung<lb/>
mit der Opposition befürchtet, wie seinerzeit über die Postsparkasse<lb/>
die Finanzierung zum Jahresende 1974 erfolgte. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> war bei diesem<lb/>
Sitzungstag nicht anwesend und ich habe <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs>, der noch<lb/>
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besonders darauf aufmerksam gemacht. Niemand soll mir ein illoyales<lb/>
Verhalten vorwerfen können. Aus dem Referat war nämlich diese<lb/>
Feinheit nicht herauszuhören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_10">Auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat in seinem Beitrag ausdrücklich darauf hingewiesen,<lb/>
dass er seine Informationen als streng vertraulich betrachtet<lb/>
weil er sie bei der Wirtschaftskonferenz dann im Detail darlegen will.<lb/>
Neben der Beschäftigungssicherung glaubt er, dass die Zahlungsbilanz<lb/>
in Ordnung gehalten werden muss. Nur so, meint er, war es ihm möglich,<lb/>
unmittelbar nach dem 5. Oktober für 23 Mia. S die Finanzierung zu er<lb break="no"/>reichen. Ganz besonders stolz ist er auf eine 300-Mill.-$-Anleihe,<lb/>
deren Verzinsung um 18 % unter der Verzinsung ist, die die SU bekommen<lb/>
hat. Hier versteht <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> es sehr geschickt, über die Schwierigkeit<lb/>
der Finanzierung seines Defizits hinwegzuturnen, indem er die Einzel<lb break="no"/>heiten und womöglich positive Momente besonders herausstreicht. Er<lb/>
sagt also nicht, wie hoch die Verzinsung ist und welche Belastung<lb/>
uns dadurch in Zukunft erwachsen soll, sondern dass es geglückt ist,<lb/>
eine bessere Kondition als die SU zu erreichen. Um also die Beschäftigung<lb/>
zu sichern, möchte er die Aufträge für öffentliche Investitionen ausser<lb/>
der Strassenbau-Milliarde und der Nahverkehrs-Milliarde durch Freigabe<lb/>
der Stabilisierungsquote mit 3 Mia. für den Hochbau 1,5 Milliarden S<lb/>
für die Bundesbahn 1,5 Mia. S ankurbeln. Von der Bundesbahn erhofft<lb/>
er dafür entsprechende Dienstpostenreduzierungen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, der gestern als<lb/>
sein Nahverkehrskonzept nicht angenommen wurde, zu mir die Be<lb break="no"/>merkung machte, alles andere sei Topfen, äusserste sich zu diesem<lb/>
Wunsch oder Vorschlag überhaupt nicht. Die grösste Schwierigkeit wird<lb/>
ja mit der Gewerkschaft über die Reduzierung der Dienstposten zu einer<lb/>
Einigung zu kommen, sein. In <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>' Haut möchte ich auch nicht<lb/>
stecken. Um die Bauwirtschaft stärker anzukurbeln beabsichtigt <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
für das Jahr 1976 die vorzeitige AfA, die er voriges Jahr mit 25 %<lb/>
bestehend aufgehoben hat, für 1 Jahr mit 50 % einzuführen. Ausserem<lb/>
soll die Investitionssteuer heuer auf Null gestellt werden, dafür 1977<lb/>
wo nur mehr 2 % vorgesehen ist auf 4 % erhöht und 1978, wo sie bereits<lb/>
ausgelaufen wäre, dann noch einmal mit 2 % eingehoben werden. Der Aus<lb break="no"/>fall der Investitionssteuer beträgt heuer 5 Mia. S, wovon der Bund<lb/>
3,5 Mia. zu tragen hat und 1,5 Mia. die Länder. Diese Investitions<lb break="no"/>steuerverschiebung hat sicherlich damit zu tun, dass - wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
andeutet – sein Budgetdefizit 1977 und 1978 auf die Hälfte wie er<lb/>
sich ausdrückt rationalisiert werden muss. In Wirklichkeit habe ich<lb/>
das Gefühl kann er die hohen Defizite kaum mehr oder nur sehr schwer<lb/>
finanzieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_11"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kündete weiters an, dass eine Senkung der Bankrate möglich<lb/>
ist, die Soll-Zinsen aber nur minimal senken können, weil insbesondere<lb/>
die Haben-Zinsen, ohne dass er sagt, auf Forderung des ÖGB damals<lb/>
auf auf 5 % hinaufgedrückt wurde. Da diese nicht gesenkt werden<lb/>
können, wird es zu einer minimalen Sollzinsen-Senkung kommen.<lb/>
Der E+E-Fonds wird geändert werden müssen, insbesondere im Hin<lb break="no"/>blick auf die Textilreorganisation Ost. Auch für die Exportfinan<lb break="no"/>zierung wird er entsprechende Massnahmen setzen, bekannt ist, dass<lb/>
er ja die Haftungsgarantie und Finanzierungsrahmen wesentlich er<lb break="no"/>höhen wird. Fürs Fremdenverkehrskonzept, sagte er, hätte ich ja<lb/>
schon alles gesagt, in Wirklichkeit habe ich nur angedeutet, dass<lb/>
ich bei der Hoteliervereinigung in Zürs unsere neuen Vorschläge unter<lb/>
breiten werde, die allerdings dem Finanzminister keine zusätzlichen<lb/>
Mittel kosten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte auch, die Abwicklung der Fremden<lb break="no"/>verkehrskredite müsse wesentlich schneller erfolgen, was mich sofort<lb/>
zu dem Zwischenruf veranlasste, dass er falsch informiert ist.<lb/>
Die Abwicklung erfolgt nämlich schnell, was nur nicht funktioniert<lb/>
ist die Zuteilung der Mittel, sei es aus ERP- oder vom Finanz<lb break="no"/>minister. Anschliessend kam er zu mir und ich sagte ihm mit aller<lb/>
Deutlichkeit, wenn er wünscht, dass diese in Hinkunft auch gegen<lb break="no"/>über dem Werber klargestellt ist, dann werde ich veranlassen, dass<lb/>
unmittelbar nach Bearbeitung von uns eine Mitteilung an den Ansucher<lb/>
geht, dass er jetzt warten muss, weil die Geldzuteilung nicht erfolgt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, man müsse dies mit dem ERP-Büro und auch mit seinem<lb/>
Haus besprechen, dass dies schneller und zweckmässiger erfolgt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte sofort veranlassen, dass<lb/>
unser Haus mit den beiden Stellen eine zweckmässigere Zuteilungs<lb break="no"/>modalität bespricht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_13">Bezüglich der Bürges kündigte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> an, dass hier Ressort<lb break="no"/>besprechungen stattfinden. Ich erklärte ihm anschliessend dann<lb/>
sofort unter vier Augen, dass ich nicht bereit bin, grosse Ver<lb break="no"/>besserungen zu machen und dann kein Geld von ihm dafür zu bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sah dies ein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte sofort informieren, welche<lb/>
Ressortbespechungen hier stattgefunden haben, und wieso wir davon<lb/>
nichts wissen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_15"><rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> war anschliessend beim Mittagessen sehr erschüttert über die<lb/>
Abwicklung dieser ganzen Besprechung. Er meinte, ich hätte rein<lb/>
sachlich und kurz informiert, wie es mein System ist und daran hätte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> eine umfassende sicherlich in<lb break="no"/>haltlich bedeutendere Erklärung abgegeben. Das liegt aber nicht<lb/>
nur an meinem System sondern auch an der Kompetenz. <rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> wird<lb/>
in einem Lernprozess, der bei uns 5 Jahre dauerte, mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> habe<lb/>
ich diese Diskussion seit Jahren geführt, auch zur Kenntnis nehmen<lb/>
müssen, dass in Wirklichkeit das einzige Wirtschaftsressort das<lb/>
etwas zu bestellen hat, das Finanzministerium ist. Dort liegen die<lb/>
steuerlichen Entlastungsmöglichkeiten, dort liegen die budgetären<lb/>
Zuwendungsmöglichkeiten, weshalb er in Wirklichkeit nur ent<lb break="no"/>sprechende grosse Erklärungen und schwerwiegende Entscheidungen tref<lb break="no"/>fen kann. Alle anderen Wirtschaftsressorts sind mehr oder<lb/>
minder davon abhängig, was sie bekommen. Wenn sie, wie z.B. das<lb/>
Verkehrsressort dann noch Milliardenbeträge bräuchten und diese<lb/>
nicht kriegen, dann kann es dazu kommen, dass Ankündigungen nicht<lb/>
erfüllt werden können. Wenn das Landwirtschaftsressorts anderer<lb break="no"/>seits Milliardenbeträge bekommt und dann die Verteilung durchführt<lb/>
aber nicht so, wie es der Finanzminister oder gar der Bundeskanzler<lb/>
gerne haben will, dann kommt er auch hier ständig in Kollision.<lb/>
Aus diesen Erkenntnissen habe ich bereits in den ersten Regierungs<lb break="no"/>jahren die Konsequenz gezogen und niemals vom Finanzminister Geld<lb/>
verlangt, ich werde das auch in Hinkunft nicht tun, keinerlei<lb/>
Versprechungen gemacht, weil ich sie sowieso nicht erfüllen könnte,<lb/>
und mich in der Politik daher äusserst vorsichtig bewegt. Das Einzige,<lb/>
was ich damit erreichen konnte, das ist aber glaube ich sehr viel,<lb/>
das ist das Gesicht zu wahren, das ist aber schon sehr viel.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_16">Ein typisches Problem war in der Kritik und Auseinandersetzung die<lb/>
Diskussion über die Staatstheater. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> wurde ausdrücklich von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aufgefordert, dass dieser Punkt besprochen werden muss.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> erörterte, dass seit der Dienstinstruktion von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> der<lb/>
Theaterverband volle Autonomie der künstlerischen Leitung der Oper,<lb/>
der Burg usw. gibt. Ein Generalsekretär soll das koordinieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136288">Jungbluth</rs>, der von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> damals eingesetzt und<lb/>
enthusiastisch begrüsst wurde, hat jetzt nach <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Auffassung<lb/>
versagt. Es war ein Fehlgriff, wie er sich ausdrückt. <rs type="person" ref="#per__136288">Jungbluth</rs> hat<lb/>
scheinbar einige Bemerkungen gemacht, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit seiner Transparenz<lb/>
möchte womöglich, dass auch die nicht aufgeführten Inszenierungen<lb/>
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werden, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder kritisiert mit Recht, dass bei den Theatern<lb/>
überhaupt nicht gespart wird und Gagen bezahlt werden, nicht nur<lb/>
für schwache Leistungen sondern für Nicht-Leistungen. Da jetzt<lb/>
der Rechnungshof-Tätigkeitsbericht zwar noch nicht im Parlament<lb/>
aber ihm scheinbar schon bekannt aufliegt, so fürchtet er darüber<lb/>
eine verheerende Diskussion. <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> muss jetzt auslöffeln, was<lb/>
ihm andere eingebrockt haben. Selbst Beteuerungen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
dass das gar nichts mit einer Kritik an <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> zu tun hat,<lb/>
wären für mich nicht befriedigend. Ich kenne dieses Problem noch<lb/>
aus der Ölversorgungsdiskussion.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_17">Die anderen Minister referierten dann, da ja kaum mehr Zeit war,<lb/>
ganz knapp, wobei <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> sehr wohl alle seine Punkte vor<lb break="no"/>brachte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wenn er auf Schwierigkeiten stösst, erklärt<lb/>
immer wieder, das müsste bilateral besprochen werden oder das<lb/>
sei eine Angelegenheit, die die Regierung nur betrifft, d.h.<lb/>
er weicht Schwierigkeiten in grösserem Forum verständlicher<lb break="no"/>weise aus. Immerhin aber hat <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> genau dasselbe gemacht, was<lb/>
wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auch tun, er wird sagen, er hat<lb/>
berichtet, und damals hat man ihm nicht ausdrücklich in allen Fra<lb break="no"/>gen widersprochen. 2.000 Dienstposten mehr, Taggelderhöhung von<lb/>
20.- auf 30.- S, nach 12 Militärleistung LKW-Registrierung,<lb/>
Kasernenbau um 305 Mill. S pro Jahr durch 6 Jahre usw. Bezüglich<lb/>
der LKW-Registrierung meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, das müsse er mit dem Handels<lb break="no"/>minister besprechen. Meiner Meinung nach kann man ruhig darauf<lb/>
verzichten, denn wenn es zu einer Mobilmachung, gibt es sowieso<lb/>
keinen Diesel in genügender Menge, so dass die Unternehmer ohne<lb/>
weiteres Bereit sein werden, freiwillig ihre LKW dem Militär<lb/>
zu verpachten oder gegen Entgelt zur Verfügung zu stellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte aus Image-Gründen jetzt sofort mit<lb/>
Büro von <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> Verhandlungen aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_19">Am interessantesten war, dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> noch ein Programm entwickelte,<lb/>
wie wenn er dieses Jahr mindestens noch Landwirtschaftsminister<lb/>
bliebe. Ich an seiner Stelle hätte in gagartiger Weise gesagt,<lb/>
da ich sowieso bald ausscheide, wird ja <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> dann das Ge<lb break="no"/>schäft führen und er soll gleich berichten. Dies hätte ihm einen<lb/>
phantastischen Abgang gegeben und <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wahrscheinlich für alle<lb/>
Zeiten mit ihm versöhnt. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> und <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> z.B. haben sich über<lb break="no"/>haupt nicht zu Wort gemeldet. Sie waren in meinen Augen optisch<lb/>
klüger.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_20">Das Gespräch mit der polnischen Delegation unter Führung von<lb/>
2 Generaldirektoren und dem Botschafter sowie Handelsrat<lb/>
sowie den Vertretern der Juniorwerke Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> und dem<lb/>
Sachwalter verlief in der ersten Phase sehr positiv. Der Sach<lb break="no"/>walter und <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> sowie ein Vorsitzender des Aufsichtsrates<lb/>
hatten nicht angenommen, dass die Polen tatsächlich ein so<lb/>
grosses Interesse haben, eventuell die Fabrik weiterzuführen.<lb/>
Bis jetzt waren nur Ungarn, Schweizer usw. hier, die den Be<lb break="no"/>trieb "ausbaneln" wollten. Die Absicht war, die Maschinen preis<lb break="no"/>wert zu kaufen. Ich liess die Polen nicht im unklaren, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwartet, dass der Betrieb weitergeführt wird. Bezüg<lb break="no"/>lich der vermögens- und kapitalmässigen Verflechtung Joint<lb/>
venture usw. könnten alle Variationen mit uns diskutiert werden.<lb/>
Die Regierung wird sich auch einsetzen, dass es zu einer<lb/>
erträglichen Lösung bezüglich der Konkursabwicklung kommt<lb/>
Die Aufteilung im Rahmen einer Kooperation kann gefunden, so<lb/>
wie die Polen vorschlagen., wenn sie den Betrieb besichtigt<lb/>
haben. Polen möchte seine Fahrradproduktion von 1 Mill. Stück<lb/>
auf 2,5 Mill. erhöhen. Dazu benötigen sie Maschinen und Ausrü<lb break="no"/>stungen, die in Gleisdorf vorhanden sind. Dann würde, wie der<lb/>
polnische Generaldirektor mit Recht sagt, eine Zulieferung von<lb/>
Teilen erfolgen, die im Westen wesentlich teurer erzeugt werden.<lb/>
Auf dieser Basis könnte dann eine Kooperation zwischen den Län<lb break="no"/>dern erfolgen und der Absatz im COMECON-Markt aber auch in der<lb/>
westlichen Welt gesichert werden. Noch jetzt ist Polen imstande,<lb/>
von der 1 Mill. Räder, die sie produzieren, 400.000 zu exportie<lb break="no"/>ren, davon 300.000 nach Kanada und nach Amerika. Ich habe aller<lb break="no"/>dings immer das Gefühl, dass in Polen der Preis nicht das ent<lb break="no"/>scheidende ist. Uns kann es aber nur recht sein, wenn eine<lb/>
Möglichkeit der Kooperation auf dieser Basis gefunden wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_21">Der poln. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> interessierte sich dann auch für<lb/>
die Gasleitungserrichtung der WAT und hat mit der ÖMV schon<lb/>
Besprechungen aufgenommen. Ebenso seit über Petrolkoks jetzt ein<lb/>
konkretes Besprechungsstadium erreicht. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs>, der anwesend war,<lb/>
will jetzt mit der ÖMV diesbezügliche Besprechungen führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte diese Frage klären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-13_23">Minister <rs type="person" ref="#per__142068">Chafei</rs> hat in der Creditanstalt in einem kleineren<lb/>
Kreis ein kurzes Referat gehalten und dann hat sich eine mühsam auf<lb break="no"/>rechterhaltene kurze Diskussion zwischen 3 oder 4 CA-Leuten und<lb/>
ihm ergeben. Bei einem anschliessenden Buffet konnte ich fest<lb break="no"/>stellen, dass vielleicht doch einige Geschäfte gehen werden.<lb/>
Leider nicht schon jetzt das Tunnel-Projekt.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 13.1.1976</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tabelle "Europäischer Preisvergleich ausgewählter Produkte" (hs. Notizen Rückseite)</head>
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            <head>Tabelle Importe/Exporte 1970, 74/75 (hs. Notizen Rückseite)</head>
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