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            <title type="main">Montag, der  5. Jänner 1976</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_01">Montag, 5. Jänner 1976<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_02">Mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> bespreche ich die weitere Vor<lb break="no"/>gangsweise bei Einladungen von Ministern und die zu erwartenden<lb/>
Auslandsbesuche. Wir kommen überein, dass die wichtigste finan<lb break="no"/>zielle Unterstützung der Handelskammer nicht darin besteht, ge<lb break="no"/>legentlich die Reise von mir und einem Beamten ins Ausland zu be<lb break="no"/>zahlen, sondern dass es viel wichtiger ist, wenn ausländische<lb/>
Minister nach Österreich kommen, hier die Aufenthaltskosten zu<lb/>
übernehmen, soweit diese nicht sowieso von Firmen oder der Wiener<lb/>
Messe getragen werden. Ebenso erscheint es wichtig, dass endgültig<lb/>
die zweckmässigen Geschenke der Handelskammer in natura beigestellt<lb/>
werden, wie ich es die ganze Zeit schon von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_03">Ich teile <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> mit, dass nachdem er ja nach wie vor auf dem Stand<lb break="no"/>punkt steht, der beste Kandidat für die Industriesektion ist Botschaft<lb break="no"/>ter <rs type="person" ref="#per__111004">Schmid</rs>, der sich an der Ausschreibung beteiligen wird, ich mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> ein Telefongespräch vom Reisseck geführt habe. <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> hat<lb/>
mir seine Rückkunft aus Israel gemeldet. Er bedankte sich vielmals<lb/>
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gehabt. Selbstverständlich nützte ich diese Gelegenheit und be<lb break="no"/>richtete ihm, dass sich sein jetziger Botschafter in Djakarta<lb/>
um die Stelle des Sektionschef bewerben wird. Ich kenne <rs type="person" ref="#per__111004">Schmid</rs><lb/>
nicht und <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> meinte, das sei ein sehr sehr guter Mann. Er ver<lb break="no"/>sprach mir, keinerlei Schwierigkeiten zu machen, ganz im Gegenteil<lb/>
nicht zuletzt auf Grund der freundschaftlichen Beziehungen, die ich<lb/>
übrigens genauso wie mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> auch mit <rs type="person" ref="#per__97350">Bielka</rs> habe, <rs type="person" ref="#per__111004">Schmid</rs><lb/>
nichts in den Weg zu legen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> ist über diese Information sehr<lb/>
befriedigt. Meine Überlegung ist, dass gerade zwischen der Industrie<lb break="no"/>sektion und der Aussenhandelssektion engst kooperiert werden muss.<lb/>
Da die ganzen Arbeitsgemeinschaften für Kooperationen mit dem Osten<lb/>
aber in Hinkunft sicherlich auch mit den arabischen und afrikanischer<lb/>
Staaten nur von der Industriesektion geleitet werden, andererseits<lb/>
aber die Kooperationsverhandlungen von der Aussenhandelssektion geführt<lb/>
werden, muss hier ein gutes Zusammenarbeiten gewährleistet sein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> teilt mir mit, dass er seinerzeit mit <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> eine diesbezügliche<lb/>
Abgrenzung vereinbart hat, die äusserst schwierig nur zustande gekommen<lb/>
ist und von den Hintermännern von <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> nur widerwillig geschlossen<lb/>
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die Kommission mir den richtigen Mann vorschlagen wird und dass<lb/>
es vielleicht politische Schwierigkeiten geben kann, dass aber<lb/>
sachlich, so wie in der Vergangenheit, niemand gegen diese Be<lb break="no"/>setzung wirklich ernstliche Kritik vorbringen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_04">Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> berichtet mir, dass er jetzt wegen eines Zwölffinger<lb break="no"/>darmgeschwüres in Spitalsbehandlung auf einige Wochen gehen muss.<lb/>
Ich erzähle ihm, dass die Personalvertretung bei mir war, wo im<lb/>
Patentamt eine Änderung durch das Wahlergebnis bedingt vorgenommen<lb/>
wurde. Der jetzige Vertreter war früher der Stellvertreter von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141839">Eberle</rs>. Dieser neue ÖAAB-Mann, der jetzt Vorsitzender des Personal<lb break="no"/>ausschusses ist, hat was <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> und auch mich sehr verwundert hat,<lb/>
den in der dritten Periode kandidierenden <rs type="person" ref="#per__141839">Eberle</rs> geschlagen. Dieser<lb/>
war zwar kein Sozialist aber doch immerhin ein neutraler. Hofrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141839">Eberle</rs> wird nun in ein paar Jahren in Pension gehen.Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
baut deshalb einen neuen Mann auf. Der neue Leiter der Präsidial<lb break="no"/>abteilung für EDV Datenverarbeitung und Markenschutz <rs type="person" ref="#per__141840">Soos</rs>, sei<lb/>
nach Auskunft und nach Mitteilung von Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> der beste Mann,<lb/>
den wir drüben haben. Jung, initiativ.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Bitte nach Rückkunft mit <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> vorsichtigen<lb/>
Kontakt mit <rs type="person" ref="#per__141840">Soos</rs> aufnehmen.<lb/>
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kann, herüber genommen. Es ist dies ein Stoss von mehreren Kubik<lb break="no"/>metern. Ich habe ihm sofort vorgeschlagen, er soll sie so schnell<lb/>
wie möglich sortieren und für ihn private und wichtige Informationen<lb/>
herausnehmen, den Rest aber dann unbedingt zurückschicken. Ins<lb break="no"/>besondere betrifft dies die Ordner. Niemand soll ihm vorwerfen können<lb/>
er hätte Unterlagen, die eigentlich im Ministerium verbleiben müssten<lb/>
mitgenommen. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> hat scheinbar genau dieselbe Methode, die auch<lb/>
ich habe, dass nämlich man womöglich im Büro selbst alle Unterlagen,<lb/>
mit denen man gearbeitet hat, vorhanden sein sollen. Das Endergebnis<lb/>
ist, es entsteht eine ungeheure Papierlawine, die niemand mehr be<lb break="no"/>wältigen kann. Wenn man nun den Platz räumt, weiss man nicht, was<lb/>
man alles mitnehmen soll. Eigentlich dürfte sich ja gar niemand<lb/>
darüber aufregen, denn zumindestens bei mir liegen ja keine Original<lb break="no"/>akte sondern höchstens Informationen und Fotokopien von irgendwelchen<lb/>
Unterlagen, die auch im Akt auf alle Fälle sein müssen. Trotzdem<lb/>
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von Unterlagen und Informationen mitgenommen werden. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> hat<lb/>
sich bekanntlicherweise insoferne geholfen, als er das Büro rest<lb break="no"/>los räumte und soweit er die Unterlagen scheinbar nicht zurückgeben<lb/>
konnte oder wollte, erklärte, sie sollten verbrannt werden. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
wird jetzt in den nächsten Tagen so schnell wie möglich versuchen,<lb/>
diese Unterlagen zu sichten und sortieren und dann wieder dem Land<lb break="no"/>wirtschaftsministerium zurückzustellen.<lb/>
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möglich, womöglich in einigen Tagen erledigen und auch für unsere<lb/>
Unterlagen gewisse Konsequenzen daraus ziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_08">Das nicht beabsichtigte, aber dann doch zustande gekommene Jour fixe<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war für mich sehr interessant. Auch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, den ich<lb/>
gar nicht erwartet hatte, war bereits vom Urlaub zurückgekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat während der Feiertage die Internationale Energieagentur-<lb/>
Vereinbarung, wie er sich ausdrückt, jetzt genau studiert, in Wirklich<lb break="no"/>keit wahrscheinlich erst das erste Mal gelesen und behauptet, dass<lb/>
es gar nicht notwendig ist, ausser Öl irgendwelche andere Energie<lb break="no"/>arten zu berücksichtigen. Nur wenn man für Öl eine entsprechende Ersatz<lb break="no"/>energie anbietet, dann muss man für diese Energieform ebenfalls<lb/>
durch Meldungen, Lagerhaltung usw. lenken, um nicht zu sagen<lb/>
bewirtschaften. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> dürfte fest entschlossen sein, diesen Weg<lb/>
nicht zu beschreiten. Diese Diskussion und die Unterlagen des<lb/>
nächsten Ministerrates, die er sich anschaute, waren die einzigen<lb/>
routinemässigen Besprechungspunkte. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wieder fragte, ob ich<lb/>
etwas dagegen habe, dass sich die Handelskammer mit den Aussenhandels<lb break="no"/>förderungsbeiträgen an einem Ausstellungszentrum in Moskau beteiligen.<lb/>
Die Russen stellen eine solche Forderung und wünschen ein Service-Zen<lb break="no"/>trum 19 Mill., ein technisch-wissenschaftliches Zentrum 26 Mill. S,<lb/>
einen Supermarkt 12 Mill. S und einen Garderobentrakt 11 Mill. S.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hofft, dass er mit dem technisch-wissenschaftlichen Zentrum<lb/>
mit 26 Mill. das Auslangen finden wird. Die Russen erwarten für 78 Mio.<lb/>
S Investitionen. Ich erkläre sofort, dass ich mit jeder Lösung einver<lb break="no"/>standen bin, selbstverständlich werde ich, wenn der Rechnungshofprä<lb break="no"/>sident <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> oder sonst irgendwer dagegen polemisieren sollte,<lb/>
mich hinter die Handelskammer stellen. Solche Wünsche eines unserer<lb/>
grössten Osthandelspartner muss man ganz einfach erfüllen und kann<lb/>
nicht erklären, wir würden zum Unterschied von allen anderen Nationen<lb/>
die sich sicherlich an diesem Handelszentrum in Moskau beteiligen<lb/>
nichts tun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_09">Ob <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> mit dem technisch-wissenschaftlichen Zentrum mit<lb/>
26 Mill. S wirklich durchkommt, kann ich nicht beurteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_10">Eine lange Zeit nahm die Diskussion in Anspruch, ob und inwieweit die<lb/>
derzeitige Lösung der Rückvergütung für das Handelsministerium aus den<lb/>
Aussenhandelsförderungsbeiträgen zweckmässig ist. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
bekräftigen mehrmals, dass sie bereit sind, selbstverständlich mich<lb/>
zu unterstützen. Ich habe das Gefühl, dass sie einem anderen Minister<lb/>
eine solche Konzession niemals machen würden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nämlich kommt<lb/>
in anderen Zusammenhängen immer wieder darauf zu sprechen, dass nicht<lb/>
einmal ein schwarzer Minister so viel Kontakt mit der Handelskammer<lb/>
hatte, so viel Unterstützung durch die Handelskammer hat und auch<lb/>
so viele finanzielle Zuschüsse bekam. Ich debattiere über dieses<lb/>
Problem erst gar nicht sondern stelle fest, dass ich diesen Weg als<lb/>
den zweckmässigsten betrachte, was <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort zu<lb break="no"/>geben. Ich bin überzeugt, dort sage ich es natürlich nicht, dass<lb/>
meine Vorläufer, ganz egal, wer es immer gewesen ist, eben nicht bereit<lb/>
waren, auch nur im entferntesten eine gewisse Abhängigkeit von der<lb/>
Handelskammer zu zeigen. Mich stört es aber gar nicht, ganz im Gegenteil<lb/>
ich glaube, dass die hunderten Millionen Einnahmen, die die Handels<lb break="no"/>kammer aus den Aussenhandelsförderungsbeiträgen bekommt, sehr wohl<lb/>
zweckmässig auch vom Handelsministerium genützt werden sollen und<lb/>
können. Wenn <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> Besprechungen mit <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> dazu<lb/>
brauchen, bin ich natürlich bereit, daran teilzunehmen.<lb/>
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über die Aussenhandelsstellen so positiv geäussert hat. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> setzt<lb/>
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damit niemand auf die Idee kommt, dieses System zu ändern. Wahrschein<lb break="no"/>lich macht er davon die weitere Mitarbeit innerhalb der Sozialpartner<lb break="no"/>schaft abhängig.<lb/>
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Ich nütze die Gelegenheit und versichere wieder, dass ein Ausschrei<lb break="no"/>bungsgesetz auch sein positives hat. Eine Kommission wird jetzt den<lb/>
Besten versuchen zu finden. Ich weise besonders darauf hin, dass ich<lb/>
erwarte, dass auch die Handelskammer die Möglichkeit hat, Leute zu<lb/>
nominieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, welche Schwierigkeiten er gehabt<lb/>
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die <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mit mir im Vorjahr im Parlament ernstlich wegen dieser<lb/>
Gelegenheit führt, so berichtet <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, hätte aber klar und<lb/>
deutlich gezeigt, dass nicht zuletzt aus finanziellen Gründen eine<lb/>
solche Idee scheitern muss. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist sehr erstaunt von mir zu<lb/>
hören, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__139985">Ettel</rs>, <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> oder <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> dafür in Frage ge<lb break="no"/>kommen wären, in jedem Fall aber an der geringen Bezahlung gescheitert<lb/>
ist. Sie haben tatsächlich angenommen, wenn jemand Sektionsleiter<lb/>
wird, er dann auch automatisch den Sektionschefgehalt sofort<lb/>
bekommt. Ich unterstreiche nur neuerdings, dass es der Wunsch von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> war, einen Herrn zu bekommen, dass auch mit den Industriellen<lb/>
auch entsprechend umgehen kann und sich nicht von deren Macht und<lb/>
Grösse beeindrucken lässt.<lb/>
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der Handelskammer zur Sozialversicherung jetzt rückgängig machen<lb/>
will. Von der Industriellenvereinigung wurde seinerzeit über die<lb/>
Handelskammer <rs type="person" ref="#per__142059">Dutschka</rs> nominiert. Er ist jetzt in Pension und hat<lb/>
ein Rücktrittsschreiben an das Sozialministerium gerichtet. Die<lb/>
Industriellenvereinigung hat nun im Sozialministerium interveniert,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140313">Helbich</rs> dürfte hier mit dem Sektionschef gesprochen haben und nun<lb/>
– so scheint es der Handelskammer – hat das Sozialministerium,<lb/>
nachdem es vorerst die Wiener Handelskammer aufgefordert hat, einen<lb/>
anderen zu nominieren, da er nach 3 Monaten lt. Gesetz abzube<lb break="no"/>rufen ist, jetzt erklärt, dass der Rücktritt nicht gilt. Auch in<lb/>
diesem Fall kommt der interne Kampf zwischen Industriellenvereini<lb break="no"/>gung und Handelskammer klar und deutlich zum Durchbruch. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
fürchtet, dass einzelne Minister aber ganz besonders der Bundeskanzler<lb/>
die Industriellenvereinigung mehr fördern als es ihm recht ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat wirklich einen sehr schweren Stand. Auf der einen Seite<lb/>
soll er der ÖVP eine gewisse Schützenhilfe geben, auf der anderen<lb/>
Seite will er seine Selbständigkeit und Interessenvertretungsrolle<lb/>
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kommt jetzt noch, dass die Industriellenvereinigung seitdem <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs><lb/>
dort Präsident ist, Aktivitäten entwickelt und wich immer mehr in<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass er dieses Monopol verliert. Ich habe mich in diesen<lb/>
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Ausspielen des einen gegen den anderen. Wenn die Industriellen<lb break="no"/>vereinigung mit mir reden will, werde ich es nicht verhindern und<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_15">Eine lange Diskussion nahm die ideologische und geschichtliche<lb/>
Entwicklung der sozialdemokratischen Parteien nach dem zweiten<lb/>
Weltkrieg und in der illegalen Zeit in Anspruch. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat<lb/>
ein Buch gelesen und fragte mich sofort, ob ich ein revolutionärer<lb/>
Sozialist war oder ein Sozialdemokrat. Er war sehr erschüttert<lb/>
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natürlich links gestanden ist wie <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs>, <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs>, <rs type="person" ref="#per__127092">Maisel</rs><lb/>
und viele andere. Ich versuchte ihnen die damalige Situation zu<lb/>
erklären. In der illegalen Zeit hat es nur linke Kräfte gegeben<lb/>
und das rechteste davon waren die Revolutionären Sozialisten.<lb/>
Die Sozialdemokraten sind niemals in Erscheinung getreten<lb/>
sonder erst nach 1945 wieder aufgetaucht. Dies habe ich nicht<lb/>
als Vorwurf gesagt sondern nur als historische sachliche Dar<lb break="no"/>stellung. Selbst der nachfolgende Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> und Bundes<lb break="no"/>präsident war meiner Meinung nach, obwohl er sich immer als Sozial<lb break="no"/>demokrat gegeben hat, erst ein solcher nach 1945. In der illegalen<lb/>
Zeit hat er ständig mit den Revolutionären Sozialisten Kontakt<lb/>
gehabt, u.a. hat er ja <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> bei seinem Prozess ver<lb break="no"/>teidigt. Würde er nach damaligen Begriffen als RS-ler gegolten<lb/>
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eingestuft, welchen ideologischen Standpunkt sie eingenommen haben<lb/>
sondern mit welchen Organisationsforen sie in Berührung gekommen<lb/>
sind und in welchen Kreisen sie sich bewegt haben. Dies habe ich gar<lb/>
deutlich an meinem eigenen Verhalten erlebt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> glaubt als einen<lb/>
grossen Triumph jetzt erkannt zu haben, dass der offizielle Titel<lb/>
der sozialistischen Partei noch immer Revolutionäre Sozialisten<lb/>
und Sozialdemokraten in Klammer beinhaltet, daraus leitet er ab,<lb/>
dass wir noch immer zwei Parteiflügel haben. Ich bin nicht ganz<lb/>
sicher, ob wir nicht einmal schon einen Beschluss auf einem<lb/>
<pb n="29-0007" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band29/29_1976-01-05_0007.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Parteitag gefasst haben, wonach der Zusatz "Sozialdemokraten<lb/>
und Rev. Sozialisten" zu entfallen hätte. Selbst wenn dies<lb/>
aber nicht geschehen ist, so sagte diese historisch verständliche Be<lb break="no"/>zeichnung gar nichts über unseren jetzigen ideologischen Stand<lb break="no"/>ort der Partei oder deren einzelnen Gruppen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Gilt tatsächlich noch die alte Parteibe<lb break="no"/>zeichnung? <add>nein - seit 1949 nicht mehr!</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_17">Mit <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> diskutierte ich die Überlegungen über ein Preisregelungs<lb break="no"/>gesetz, die ich während des Urlaubes, ohne es natürlich <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> oder<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> geschweige denn <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> auseinanderzusetzen, angestellt<lb/>
habe. Aus Bemerkungen schon vor den Weihnachtsfeiertagen entnahm<lb/>
ich, dass sowohl <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom ÖGB gar nicht so<lb/>
interessiert sind, dass das Preisregelungsgesetz in der jetzigen<lb/>
Fassung sich ändert. Die beiden haben ganz im Gegenteil immer<lb/>
wieder darauf hingewiesen, dass sie mit dem jetzigen Preisregelungs<lb break="no"/>gesetz mit der verfassungsmässigen BEstimmung der Preisregelung vom<lb/>
Erzeuger bis zum Verbraucher nicht nur einverstanden sind sondern<lb/>
dieses sogar als Voraussetzung für die Paritätische Kommission<lb/>
und deren Tätigkeit aufrechterhalten wollen. Konsequenterweise<lb/>
muss ich daher befürchten, dass wenn es im Parlament zu irgendeiner<lb/>
Einigung über die Marktordnungsgesetze kommt und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat es<lb/>
im Urlaub angedeutet, dann der Gewerkschaftsbund an der Beibehal<lb break="no"/>tung des jetzigen Preisgesetzes voll interessiert ist. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> nimmt<lb/>
an, jetzt wo er in die Konsumgenossenschaft als hauptamtlicher<lb/>
Finanzdirektor geht, dass wahrscheinlich durch die Novelle der<lb/>
Marktordnungsgesetze durch Aufnahme des ÖGB in die Kommission<lb/>
und eventuelle Geschäftsführer resp. Obmänner in den Fonds der<lb/>
ÖGB insbesondere wenn dann noch die Exporte über den Fonds geregelt<lb/>
werden, diesem zustimmt. Maximal würde nach <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>' Auffassung<lb/>
der Viehverkehrsfonds wegfallen. Die Regelung des Milchfonds<lb/>
aber und der Getreidefonds würde bleiben. Dies bedeutet, dass<lb/>
dann wenn ein nicht die Erzeuger bis Verbraucher regelndes<lb/>
Preisgesetz existiert, grosse Schwierigkeiten entstehen könnten.<lb/>
Ausserdem möchte der ÖGB jetzt den § 3 b) so wie bei den Mechaniker<lb break="no"/>tarifen dazu benützen, um doch in der Paritätischen Kommission<lb/>
einen gewissen<add>[?]</add> grösseren Einfluss zu erlagen. Dies alles bedeutet,<lb/>
dass wenn die Verhandlungen über die Marktordnungen im Parlament<lb/>
zu einem positiven Ergebnis kommen und ich zweifle nicht daran,<lb/>
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dann übrigbleibe. In der Öffentlichkeit wird man sagen, <rs type="person" ref="#per__97985">Stari<lb break="no"/>bacher</rs> hat dieses Gesetz eingebracht und erklärt, das ist ein<lb/>
sehr gutes Ersatzgesetz für das derzeitige Preisgesetz mit 2/3-<lb/>
Mehrheits-Notwendigkeit. Da es mit einfacher Mehrheit beschlossen<lb/>
werden kann, wird jeder fragen, warum es dann die soz. Fraktion<lb/>
im Parlament nicht beschliesst. Ich habe mir daher in den Ferien<lb/>
überlegt, ob es zweckmässig ist, tatsächlich dieses einfachgesetz<lb break="no"/>liche Preisgesetz in das Parlament einzubringen. Dieses ganze<lb/>
Problem kann man noch durch eine Enquete nach der Begutachtung<lb/>
der einzelnen Stellen, oder durch entsprechende interministerielle<lb/>
Besprechungen oder durch entsprechende interne Studien innerhalb<lb/>
des Handelsministerium oder ich weiss nicht sonst was alles<lb/>
hinauszögern. Ich glaube, dass dies die richtige Taktik ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band29_1976-01-05_18">ANMERKUNG AN ALLE: Dies müssen wir innerhalb unsres Büros<lb/>
noch eingehend diskutieren.<lb/>
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