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            <title type="main">Freitag, der 19. Dezember 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_01">Freitag, 19. Dezember 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_02"><rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> verständigt mich, dass der E+E-Fonds in seiner nächsten Sitzung<lb/>
den jüngsten Bankenkontrollbericht vorgelegt bekommt, der grund<lb break="no"/>sätzlich positiv ist und nur verlangt, dass Management bei der<lb/>
Vöslauer geändert wird. Er selbst wird sich dafür einsetzen und<lb/>
sucht jetzt neue Leute. Im neuen Aufsichtsrat wird er Vorsitzender,<lb/>
weil man von Bankenseiten erklärt, er hätte durch Sanierung<lb/>
von Elin und anderen Betrieben die beste Erfahrungen. Die geforderte<lb/>
Aufstockung der Aktien, d.h. Eigenmittelerhöhung um 20 Millionen<lb/>
hätten sie bereits beschlossen. Wie <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> mir dann beim Jour-fixe<lb/>
mitteilt, sei er und alle Mitglieder des E+E-Fonds als auch des<lb/>
ERP-Fonds in einer nicht sehr glücklichen Situation. Der Bericht<lb/>
spricht eindeutig, dass das Management schuld ist zu erneuern,<lb/>
dann aber auch wieder es zu belassen. Wenn der E+E-Fonds jetzt doch<lb/>
die Haftung übernimmt, meint er würde die öffentliche Hand alles<lb/>
Risiko tragen, denn die Aktiva seien an die Banken verpfändet. Die<lb/>
ERP-Richtlinien müssten geändert werden um nicht 30 %, sondern 100 %<lb/>
der Investitionen finanzieren zu können. Die Laufzeit müsste eben<lb break="no"/>falls auf 15 Jahre erhöht werden. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> ist sich nur vollkommen<lb/>
klar, dass von allen Stellen die unbedingte Notwendigkeit anerkannt<lb/>
wird, die Osttextilien auf dem Kammgarnsektor zu sanieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Lass Dir bitte das Projekt von <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>,<lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__141610">Schramm</rs>, E+E-Fonds, genau erklären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_04">Für das Gewerbeforschungsinstitut auf der Wirtschaftsuniversität<lb/>
bekomme ich einen Akt vorgelegt, wo wir 1 Million Schilling für<lb/>
die Datenverarbeitung bezahlen. Seinerzeit wurde vereinbart, dass<lb/>
diese Kennziffern vom Gewerbeforschungsinstitut allen zur Ver<lb break="no"/>fügung gestellt werden. Ich weiss nicht was mit diesen Ziffern<lb/>
bei uns im Haus im einzelnen geschieht. Ich werde deshalb eine<lb/>
genauere Prüfung aller Zuwendungen für das Gewerbeforschungsinstitut<lb/>
durchführen. Zu dieser Haltung kam ich, weil die Aufträge die wir<lb/>
dem Gewerbeforschungsinstitut gaben, niemals zu unserer Zufrieden<lb break="no"/>heit erfüllt wurden. Andererseits aber beklagt sich das Gewerbefor<lb break="no"/>schungsinstitut dass wir auch unseren Zahlungsverpflichtungen nicht<lb/>
nachgekommen sind. Die Einschaltung von <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> hat aber im Gewerbe<lb break="no"/>forschungsinstitut den Eindruck erweckt, dass er nicht eine optimale<lb/>
Lösung angestrebt hat. Nicht zuletzt um den Prof. <rs type="person" ref="#per__141021">Pichler</rs> zu beweisen<lb/>
<pb n="28-1511" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-19_1511.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass er hier vollkommen falsch liegt, schrieb ich auf den Akt<lb/>
letztmalig dazu. Ich bin mir allerdings vollkommen klar, dass ich<lb/>
in diesem Punkt nachgehen werde müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_05">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> und <rs type="person" ref="#per__113038">REIM</rs>: Bitte unsere finanzielle Verpflichtung<lb/>
genau festlegen und die Leistungen seit 1966 zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_06">Das Gespräch mit der maltesischen Delegation Min. <rs type="person" ref="#per__141650">Abela</rs> zeigt mir<lb/>
wie eine Koordination auch bei uns im Haus fehlt. <rs type="person" ref="#per__141650">Abela</rs> hat auf<lb/>
der einen Seite mit den privaten Firmen, aber auch verstaatlichten<lb/>
Firmen Expertengespräche geführt, wo die Wünsche Österreichs depo<lb break="no"/>niert wurden. Gleichzeitig aber hat Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> und ÖIAG-Gen.-<lb/>
Dir. Geist auf Anregung von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dahingehend verhandelt, dass<lb/>
eine Finanzholding maltesisch-österr. Beteiligung gegründet wird.<lb/>
Diese Holding hätte die Aufgabe grössere gemeinsame Projekte<lb/>
in Malta zu finanzieren und durchzuführen. Bei allen ist hier an<lb/>
Schiffsbauten und andere Produktionen gedacht. Malta hat nämlich<lb/>
mit Libyen eine solche Holding gegründet und Libyen <rs type="person" ref="#per__123182">Gaddafi</rs> hat<lb/>
sich angeblich verpflichtet alle Waren, die in Malta produziert<lb/>
werden und von denen er nur einigermassen sie brauchen kann, abzu<lb break="no"/>nehmen. Die Simmering-Graz-Pauker hat derzeit ein einziges Ziel,<lb/>
gemeinsam mit deutschen Firmen ein 750 Millionen Schilling Trocken<lb break="no"/>dockschiffbauprojekt zugeschlagen zu bekommen. Die Malteser wieder<lb/>
erwarten von uns dass wir das know-how, aber vor allem mal auch<lb/>
die Ausbildung und Fachleute für ihre alten Docks jetzt übernehmen.<lb/>
Der Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__141651">Abela</rs>, namensgleich mit dem Minister, aber nicht<lb/>
verwandt, hat mich beim Essen besonders ersucht, ich möchte mich<lb/>
einsetzen, dass der Direktor <rs type="person" ref="#per__141652">Krebs</rs> von der Schiffwerft Korneuburg<lb/>
nach Malta fährt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_07">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__141652">Krebs</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_08">Beim Essen hatte <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> dann noch eine besondere Idee, nämlich<lb/>
mit Malta gemeinsam für Österreich eine Hochseeflotte aufzubauen.<lb/>
Die sollte für Krisenzeiten im Einsatz kommen. Malta managt jetzt<lb/>
eine diesbezüglich Flotte, d.h. einige Schiffe unter ihrer Fahne<lb/>
für andere Staaten. Ich erklärte nur, wir würden ein solches Projekt<lb/>
prüfen. <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> will mit den schon jetzt unter österreichischer<lb/>
Fahne fahrenden Reeder nichts zu tun haben. Diese haben nämlich aus<lb break="no"/>schliesslich aus Gründen, die Besatzungsbestimmungen zu unterfahren,<lb/>
in Deutschland z.B. sind sie wesentlich strenger, sich der österr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_09">Flagge bedient. Die Idee sollte man daher, so habe ich es <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs><lb/>
zugesagt, prüfen. Die Einladung von Minister <rs type="person" ref="#per__141650">Abela</rs> erfolgte durch<lb/>
die Bundeskammer und, wie mir <rs type="person" ref="#per__125298">Kopetzky</rs> nachher mitteilte, wurde<lb/>
selbst der Flug von ihr bezahlt. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> meinte, es hätte sich<lb/>
ausgezahlt, ich habe das Gefühl dass hier insbesondere <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>,<lb/>
der fast jährlich nach Malta zum Segeln und Fischen fährt, die<lb/>
Malteser stärker unterstützen will, und deshalb veranlasst, dass<lb/>
die Handelskammer sie einlädt. Gleichzeitig hat auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97746">Dom Mintoff</rs> Gespräche geführt, er fährt ja nächstes Jahr wie mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141650">Abela</rs> sagte nach Malta, sodass hier zwei ganz getrennt arbeitende<lb/>
Gruppen zu denselben Erfolg kommen, wenn es ein Erfolg wird. Koor<lb break="no"/>diniert wurde es glaube ich von niemanden, auch nicht vom Handels<lb break="no"/>ministerium und das ist das Betrübliche.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_10">Die Überreichung der Staatspreise für Werbung durch mich stand<lb/>
unter einem furchtbaren Zeitdruck. Wir mussten die Veranstaltung<lb/>
eine Stunde vorverlegen, weshalb auch viele erst später kamen.<lb/>
Die nächsten Unterlagen für den Staatspreis werde ich mir nicht,<lb/>
wie dies <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> diesmal tat in die Diplome reinlegen, sondern stich<lb break="no"/>wortartig auf die gedruckte Broschüre raufschreiben. Die ich ein<lb/>
optischer Typ bin, wird es mir eher möglich sein, notwendige<lb/>
Einzelheiten dann in Erinnerung zu rufen. Am meisten gestört hat<lb/>
mich, dass die Unterlagen wieder so spät gekommen sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_11">ANMERKUNG AN das BÜRO: Die Unterlagen, haben wir schon einigemale<lb/>
festgestellt, müssen 3 Tage vorher vorliegen und mit mir durchge<lb break="no"/>sprochen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_12">Im ÖGB-AK-Jour-fixe berichtet wir über die Vorgangsweise zum Benzin<lb break="no"/>preis, Energiesicherung und Margarinepreissenkung. Es ergaben sich<lb/>
keine neuen Gesichtspunkte. Für die KFZ-Mechanikerregelung wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, und <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs>, Handelskammer, zum Pressegespräch ein<lb break="no"/>geladen. Eine endgültige Ziffer steht ja noch nicht fest, weil<lb/>
die Metallarbeiter mit ihrer Lohnforderung nicht zu Rande kommen.<lb/>
Die Metallarbeiter haben jetzt schon 7.5 % Istlohnsteigerung ange<lb break="no"/>boten und die Unternehmer akzeptieren noch immer nicht. Jetzt be<lb break="no"/>währt sich unser System bei den Lebensmittelarbeitern. eben nicht<lb/>
für grosse Gruppen abzuschliessen, sondern soweit als möglich für<lb/>
jede Einzelgruppe, Dort kann man doch dann den wirtschaftlichen<lb/>
Gegebenheiten besser Rechnung tragen. In der Metallbranche gibt<lb/>
es derzeit eine richtige Krisenstimmung, sodass diese mächtige<lb/>
Organisation, weil sie für alle Gruppen gleichzeitig verhandelt,<lb/>
<pb n="28-1513" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-19_1513.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dem Rechnung tragen muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_13">Zum Preisantrag zum Durumweizen um 53.4 Groschen pro Kilogramm<lb/>
meint die Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund, man soll die<lb/>
Preisregelung aufheben. Im Gespräch wird festgehalten, dass<lb/>
wir seit 1972 den Erzeugerpreis um 1.07 Schilling erhöht haben<lb/>
und er derzeit 4.23 Schilling beträgt. In Österreich gibt es<lb/>
6 Nudelerzeuger und die sollten sich mit den Produzenten über die<lb/>
Mühlen und Spezialkontrakte ihre Mengen sichern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_14">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> und <del>WAIS</del>: Bitte die Idee Preisaufhebung vorbe<lb break="no"/>reiten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_15">Auf der einen Seite wünscht die Arbeiterkammer dass die Nudelerzeuger<lb/>
und die Mühlen mit den Durumweizenerzeugern Spezialkontrakte ab<lb break="no"/>schliessen, wie dies die Zuckerindustrie mit den Rübenbauern macht.<lb/>
Auf der anderen Seite hat sie gegen das Zuckerkartell heftigste<lb/>
Bedenken und es ist nach langwierigen Verhandlungen geglückt jetzt<lb/>
endlich den Kartellvertrag jetzt wieder unter Dach und Fach zu<lb/>
bringen. Die einzige Änderung besteht darin, dass jetzt die Zucker<lb break="no"/>fabriken nicht mehr ganz stur an ihre Anbaugebiete und Mengen ge<lb break="no"/>bunden sind und untereinander Rüben abgeben und 5 % der kontrahierten<lb/>
Mengen frei verfügbar und überzogen werden können. Damit hofft die<lb/>
Arbeiterkammer, <rs type="person" ref="#per__114467">Wehsely</rs>, eine entsprechende Beweglichkeit in das<lb/>
starre Kartell zu bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_16">Zur Nahversorgungsfrage kann <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> nur mitteilen, dass im Konsumver<lb break="no"/>band, <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs>, mit seiner sturen Haltung übrig geblieben ist. Alle<lb/>
haben ihn bestürmt, es muss eine Regelung gefunden wurden. Jetzt<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__97505">Haberl</rs> wahrscheinlich im Parlament erklären, der Initiativ<lb break="no"/>antrag der ÖVP könnte sofort in Verhandlung genommen werden und<lb/>
<choice><choice><sic>weitesgehendst</sic><corr>weitestgehend; weitgehendst</corr></choice></choice> akzeptiert werden. Dies ist <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> natürlich wieder<lb/>
überhaupt nicht recht, weil er bei seinen Verhandlungen in der vori<lb break="no"/>gen Saison doch immerhin imstande war den Kontrahierungszwang, wo<lb break="no"/>nach jeder Händler beliefert werden muss, in den Gesetzentwurf<lb/>
hineinzubringen. Ich selbst stehe auf dem Standpunkt, wir müssen<lb/>
jetzt eine Zeit vergehen lassen und den ÖVP-Antrag, wenn er über<lb break="no"/>haupt beschlossen werden sollte, als entsprechenden Initiativ<lb break="no"/>antrag der SPÖ ergänzen. Ich selbst möchte mit einer Regierungs<lb break="no"/>vorlage derzeit nicht ins Parlament gehen. Dazu ist die Materie<lb/>
<pb n="28-1514" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-19_1514.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>viel zu wenig abgeklärt und vor allem nach der jetzigen Sachlage<lb/>
und Gesetzeslage wird es keine wirksame Nahversorgungslösung werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114508">Tieber</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vereinbart, dass wir jetzt die Studie der<lb/>
Wiener Standortberatung, die Raumordnungskonferenzergebnisse und<lb/>
insbesondere das Gewerbestrukturverbesserungsgesetz durch Richt<lb break="no"/>linienänderung zu einer Unterstützung des Nahversorgungsproblemes<lb/>
heranziehen. Ich bin fest entschlossen so lange mich nicht als<lb/>
Regierung einzuschalten. als im Parlament die ungeklärten Ver<lb break="no"/>hältnisse bestehen. Wenn der Gewerkschaftsbund jetzt grosse Sorgen<lb/>
wegen der Gesetzesinitiative der ÖVP hat, dann muss der Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund die Fraktion im Parlament dazu bringen, entsprechende<lb/>
Ergänzungen und Gegenvorschläge als Initiativantrag einzubringen<lb/>
oder bei den Verhandlungen über den ÖVP-Initiativantrag dort an<lb break="no"/>zuhängen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_17">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Wir sollen eine seriösere Lösung auf lange<lb/>
Sicht anstreben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-19_18">Eine längere Debatte ergab sich als MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> mit <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> erschien<lb/>
um eine Weisung wegen des Gaspreises zu erhalten. Natürlich lehnte<lb/>
ich sofort ab eine Weisung zu geben, weil dies meinem Prinzip<lb/>
widerspricht und weil ich dadurch die Beamten aus ihrer Verant<lb break="no"/>wortung herauslasse und sie dann das nächste Mal garantiert sich<lb/>
auf die Weisung berufen und dann immer wieder um neue Weisungen<lb/>
kommen. Bei den Gasverhandlungen stellte sich heraus, dass die<lb/>
zwischen Arbeiterkammerpräsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> und Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
resp. Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> vereinbarten 8 % von niemand vorgeschlagen werden<lb/>
Ich selbst denke nicht daran eine solche Weisung zu geben, da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> erklärten, nicht einmal die Arbeiterkammer<lb/>
hätte sich bereit erklärt dort positiv zu einem solchen Vorschlag<lb/>
Stellung zu nehmen. Die Vertreter der Präsidentenkonferenz hätten<lb/>
bereits angekündigt, eine nicht nachgewiesene Kostenerhöhung die<lb/>
im Preis eingebaut wird sofort dazu zu benützen ebenfalls für<lb/>
ihre Anträge in Hinkunft dasselbe Prinzip zu verlangen. <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs><lb/>
von der Arbeiterkammer wieder erklärte, dass man von den Preis<lb break="no"/>prinzipien, die die Kommission bis jetzt immer berücksichtigt hatte,<lb/>
abgeht. Unter diesen Umständen erklärte ich <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, er möge die<lb/>
ausser Streit stehenden Ansätze dem Gaswerk, <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs>, mitteilen.<lb/>
Vom Finanzministerium, der eine harte Stellung eingenommen hat, hat<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__134162">Ferchenbauer</rs> vorgeschlagen – 8.5 Millionen Schilling Verlust,<lb/>
77 Millionen Schilling Erdgaserhöhung gegenüber 86 Millionen<lb/>
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anzuerkennen. Das sind 6.1 %. Mit diesem Prozentsatz wären auch die<lb/>
anderen, sagte mir <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, einverstanden. Nach meinen Überprüfungen<lb/>
aber hat noch das Gaswerk 35 Millionen Schilling Personalkosten<lb/>
im Jahre 1976 zu tragen. Dies sind nicht neue zukünftige Lohn-<lb/>
und Gehaltserhöhungen, sondern schon bereits vereinbarte aus 1975<lb/>
die jetzt im Jahre l976 nur das ganze Jahr wirken. Trotzdem wollte<lb/>
niemand diese Post anerkennen. Zumindestens wurde sie nicht zur<lb/>
Debatte gestellt. Ich verlangte deshalb von <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, dass<lb/>
zumindestens wenn schon die Arbeiterkammer und der Gewerkschafts<lb break="no"/>bund mit der Gemeinde diese 8 % vereinbart haben, sie eine einzige<lb/>
Post, wenn nicht die Anerkennung der Personalkosten, sich einsetzen<lb/>
könnten. Solange ich in der Arbeiterkammer verantwortlich war<lb/>
habe ich bei jeder noch so harten Auseinandersetzung mit den Unter<lb break="no"/>nehmern über Kalkulationsposten den Posten Löhne und Gehälter<lb/>
stets in voller Höhe anerkannt. Normalerweise gibt es bei anderen<lb/>
Kalkulationsposten eine wesentlich leichtere Stellungnahme für<lb/>
mich den<add>[Fehlstelle, Anm.]</add> anzuerkennen, als beim Personal. Wenn man<lb/>
nämlich eine solche Politik als Arbeiterkammer und Gewerkschafts<lb break="no"/>bund macht, besteht die Gefahr, dass der Unternehmer das nächste<lb/>
Mal sagt, ich denke nicht daran eine Lohnerhöhung zu gewähren,<lb/>
wenn nicht einmal diese von der Paritätischen Kommission oder von<lb/>
der Preiskommission anerkannt wird. Als einzig mögliche Einschrän<lb break="no"/>kung kann man eventuell zu erwartende Rationalisierungen berück<lb break="no"/>sichtigen. Das dies beim Gaswerk aber kaum der Fall sein wird,<lb/>
dürfte hier ausser jeder Diskussion stehen. Für mich war die ganze<lb/>
Diskussion und die Verhandlung sehr lehrreich. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> meinte zu<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs>, er dürfe seinen neuen Präsidenten nicht im Stich lassen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs> wieder meint, die Arbeiterkammer verliert das Gesicht, wenn<lb/>
sie 8 % akzeptiert. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> verwies darauf, dass er auch oft Zusagen<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, die sie nicht seiner Meinung entsprachen, vertreten<lb/>
musste. Mir erscheint die ganze Diskussion einfach lächerlich.<lb/>
Wird jetzt die Wirtschaftspolitik auf Konsumentenseite bereits<lb/>
von den einzelnen Referenten gemacht? Zu meiner Zeit war es üblich,<lb/>
dass wenn jemand Bedenken hatte, er diese in der Diskussion intern<lb/>
jederzeit verbringen konnte und man sich ernstlich damit auseinander<lb break="no"/>setzt. Wenn aber ein Beschluss gefallen ist, dann war es selbstver<lb break="no"/>ständlich, dass dieser durchgeführt zu werden hat. Jetzt macht schein<lb break="no"/>bar ein jeder die Politik, die er glaubt dass für sein Image die<lb/>
richtige ist. Unter diesen Umständen wird die Institution sehr<lb/>
bald in einen furchtbaren Zustand sich befinden.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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               <persName type="label">Kurzel-Runtscheiner, Oswald</persName>
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