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            <title type="main">Mittwoch, der 17. Dezember 1975</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band28_1975-12-17</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_01">Mittwoch. 17. Dezember 1975<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_02">Ich verständige telefonisch Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Idee<lb/>
<choice><choice><sic>hatt</sic><corr>hat? hatte?</corr></choice></choice>, die Polen dafür zu gewinnen, mit Junior-Werk gemeinsam<lb/>
Fahrräder zu produzieren. Diese Kooperation wird von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> be<lb break="no"/>geistert begrüsst, weil er hofft, damit den Betrieb wieder aufnehmen<lb/>
zu können. Wenn tatsächlich die Junior-Werke<add>[den]</add> COMECON-Markt der Polen<lb/>
beliefern könnte, müsste eine grössere Produktion möglich sein,<lb/>
die auch konkurrenzfähige Räder dann nach dem Westen ermöglichen<lb/>
würde. Rentabel sind nach <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> nur 20.000-Stk.-Serien. Nach den<lb/>
letzten Stand wird Dr. <rs type="person" ref="#per__141661">Kotolitz</rs> als <sic>Sachwalter</sic> einem Komitee vor<lb break="no"/>stehen und die Konkursabwicklung leiten. Nach Meinung <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs>' bleibt<lb/>
die Aktiengesellschaft bestehen. Ich hatte Gelegenheit bei dem<lb/>
Besuch des Unterstaatssekretär und Regierungssprecher <rs type="person" ref="#per__141662">Janiurek</rs><lb/>
diese Frage mit dem polnischen Handelsrat <rs type="person" ref="#per__117195">Kowalski</rs> zu besprechen.<lb/>
Ausserdem diente es mir als Demonstrationsbeispiel wie wir auch<lb/>
auf dem Konsumgütersektor eine Kooperation bis zu einer Kapitalver<lb break="no"/>flechtung joint venture versuchen sollten und vielleicht auch<lb/>
erreichen können. Die Hauptschwierigkeit sehe ich darin, dass die<lb/>
Polen im COMECON Bereich Räder nur gegen Verrechnungsrubel ver<lb break="no"/>kaufen können.Wie diese dann in <choice><choice><sic>freinkonvertierte</sic><corr>frei konvertierbare</corr></choice></choice> Währung transferiert<lb/>
werden, ohne dass die Polen dabei einen finanziellen Verlust erleiden,<lb/>
muss erst von der Österreichischen Kontrollbank gelöst werden. Ich<lb/>
habe bei der Sektionsleitersitzung <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> auf diese Möglichkeit<lb/>
aufmerksam gemacht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_03">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte alle verfügbaren Möglichkeiten<lb/>
und Kräfte einsetzen, damit dieser Modellfall durchexerziert wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_04">Bei dem Pressegespräch kam auch Handelsrat <rs type="person" ref="#per__117195">Kowalski</rs> auf den Wunsch<lb/>
von Vizeminister <rs type="person" ref="#per__126260">Dlugosz</rs> in Warschau zu sprechen, grössere Mengen<lb/>
von Kunstfaser aus Österreich zu importieren. Derzeit liefert<lb/>
Lenzing 3.000 Tonnen. Wenn die Polen einen Kredit bekommen, würden<lb/>
sie Zellwolle aber auch Acrylfaser in grösserer Menge für ihre<lb/>
Textilindustrie dringendst benötigen. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> wird mit Lenzing ver<lb break="no"/>handeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_05">Der Regierungssprecher war vom Bundespressedienst eingeladen, ein<lb/>
ehemaliger Journalist und daher ein sehr angenehmer Gesprächspartner.<lb/>
Natürlich hat er sofort erklärt Wirtschaftsdetails nicht zu kennen,<lb/>
<pb n="28-1495" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-17_1495.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>darüber auch nicht reden zu wollen, sondern eine allgemeine<lb/>
Aussprache über die Wirtschaftssituation und Wirtschaftsfragen<lb/>
führen zu wollen. Keine interessanten neuen Erkenntnisse oder<lb/>
Wege, die wir gehen könnten. Neuerdings aber wurde bestätigt, dass<lb/>
Polen jetzt grössten Wert darauf legt mit den österreichischen<lb/>
Beziehungen ins-besondere die Wirtschaftsbeziehungen wesentlich<lb/>
zu verbessern. Polen versteht darunter aber jetzt primär Kredite<lb/>
zu bekommen und durch Importe seine scheinbar schlechte wirt<lb break="no"/>schaftliche Situation zumindestens zeitweise zu verbessern.<lb/>
Der Textilfaserkredit zeigt mir dies deutlich. Polen ist bemüht<lb/>
nicht nur vor dem Parteitag, der jetzt zu Ende ging, sondern schein<lb break="no"/>bar auch anschliessend die Konsumentenwünsche der Bevölkerung doch<lb/>
ein wenig auch durch Importe zu befriedigen. Uns kann es nur recht<lb/>
sein, wenn wir auch auf diesem Gebiet stärker ins Geschäft kommen.<lb/>
Sorgen mache ich mir nur wegen der Rückzahlung, resp. der Import<lb break="no"/>möglichkeiten die die Polen bei uns hätten und scheinbar doch<lb/>
nicht nützen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_06">Bei der Beiratssitzung in der BÜRGES wurde im Bericht der Geschäfts<lb break="no"/>führung meine prognostizierte Zahl von 2.2 Milliarden Schilling<lb/>
Anträgen bestätigt. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat unlängst zu mir gesagt, wir würden<lb/>
maximal 2 Milliarden Schilling erreichen und dies ist schon die<lb/>
höchste Zahl seit bestehen der BÜRGES. Ich liess mir von der Ge<lb break="no"/>schäftsführung dann bestätigen, dass durch das von uns neu einge<lb break="no"/>führte System, nicht mehr den Banken akkumuliert die Zinsstützung<lb/>
auszubezahlen, die BÜRGES derzeit 180 Millionen Schilling in<lb/>
Bundesanleihen veranlagt, bei den Banken jederzeit abrufbar<lb/>
hat. <rs type="person" ref="#per__113824">Hönlinger</rs> meinte, mit dem Erlös könnten wir die Zinssätze<lb/>
um weitere 3/4 % verbilligen. Da die BÜRGES nicht zuletzt auf meinen<lb/>
Druck den Höchstzinssatz seinerzeit nur mit 9 3/4 festgelegt hat,<lb/>
die Banken aber auch die Handelskammer wollte unbedingt über 10<lb/>
gehen, was sich jetzt als vollkommen falsch herausgestellt hätte,<lb/>
könnte der derzeitige effektive Zins von 6 3/4 %, den der Unter<lb break="no"/>nehmer bezahlen muss, um weitere 3/4 % gesenkt werden. Ich nehme<lb/>
an, dass der Finanzminister der diese Wirtschaftssituation und<lb/>
Finanzsituation der BÜRGES durch seine Aufsichtsorgane genau kennt,<lb/>
eher eine andere Politik verfolgt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_07">Über die Änderungen der Richtlinien durch Ausdehnung auf Schlecht<lb break="no"/>wettereinrichtungen wie Tennisplätze, Reithallen, Kuranstalten<lb/>
usw. gab es eine interessante Diskussion. Die Arbeiterkammer be<lb break="no"/>fürchtet, dass damit eine neue Route von Nicht-Fremdenverkehrsbetrie<lb break="no"/>ben Zugang zur BÜRGES eröffnet wird. Bis jetzt ist es so, dass nur<lb/>
Beherbergungs- und Verpflegungsbetriebe erfasst sind. Dann könnte jeder<lb/>
Schuster sich eine Reithalle theoretisch zinsverbilligt subventio<lb break="no"/>nieren lassen. Ich glaube wir müssen uns schön langsam überhaupt die<lb/>
ganze Konzeption BÜRGES überlegen. Auf der einen Seite sammelt sie<lb/>
jetzt ungeheure Kapitalmengen an, auf der anderen Seite wollen wir<lb/>
natürlich Förderungen publikumswirksam und tatsächlich für die<lb/>
Wirtschaft bedeutend ausdehnen. Niemals darf uns aber passieren,<lb/>
dass wir womöglich in ein solches Dilemma kommen wie mein Amts<lb break="no"/>vorgänger, der letzten Endes dann doch die BÜRGES sperren musste,<lb/>
weil er kein Geld hatte. Dies gilt sowohl für die Altstamm-BÜRGES?<lb/>
als auch für die Gewerbestruktur-BÜRGES!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_08">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Erst bitte fraktionell, dann aber in der<lb/>
Grundsatzgruppe neue gemeinsame Vorschläge und Lösungen suchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_09">Überrascht war ich, dass bei der Ordens- und Staatswappenführungs-<lb/>
Überreichung 40 Fälle auszuzeichnen waren. So viele waren es<lb/>
schon lange nicht. Noch mehr überrascht aber war ich, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallin<lb break="no"/>ger</rs> selbst als Zuhörer anwesend war. Zum Schluss kam jemand, den ich<lb/>
nicht kannte und meinte es freut ihm dass ein Minister frei spricht<lb/>
und was glaube ich wirklich beeindruckt, ein bisschen locker und<lb/>
mit Gags versehen die einzelnen Laudatien hält. Ich glaube aller<lb break="no"/>dings dass es propagandistisch für das Ministerium wesentlich<lb/>
besser wäre, wenn wir die Auszuzeichnenden in ihren Betrieben,<lb/>
wenn ich so sagen kann, vor versammelter Mannschaft vornehmen<lb/>
könnten. Dadurch würden wir auch mit mehr publicity rechnen<lb/>
können. Derzeit bleibt es im Familienkreis der dort anwesenden<lb/>
resp. der Geschäftsfreunde, die eventuell kommen. Was nützt es<lb/>
mir wenn anschliessend oder noch in weiterer Folge kommen und sagen<lb/>
es ist eine herrlich schöne Feier, mal war der Energiekonsumenten<lb break="no"/>verband vom Geschäftsführer bis zur Kanzlistin daran. Viel wirkungs<lb break="no"/>voller wäre es gewesen, man hätte es in seinen Räumen unter gleich<lb break="no"/>zeitiger Ladung der Presse mit einem Situationsbericht verbindend,<lb/>
also propagandistisch viel wertvoller gestaltet. Genauso könnte ich<lb/>
mir vorstellen dass es bei Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> von der Voith<lb/>
<pb n="28-1497" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-17_1497.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>möglich gewesen wäre, dort eine grosse Veranstaltung zu machen.<lb/>
Bei Plasser &amp; Theurer wieder wäre im Betrieb die Möglichkeit be<lb break="no"/>standen in Verbindung mit einem Betriebsbesuch die grössere Breiten<lb break="no"/>wirkung zu erreichen. Ich weiss dass das Gegenargument ist, dass<lb/>
dies viel mehr Zeit kostet als die kommen alle nach Wien und werden<lb/>
in einer netten Feier 1 1/2 Stunden doch alle mehr oder minder<lb/>
angefertigt. Ich glaube aber dass wir hier eine optische und<lb/>
propagandistische bessere Lösung finden sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_10">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__114508">TIEBER</rs>: Auf das Jahr verteilt und auf die bedeutendste<lb/>
Betriebe und Persönlichkeiten müsste es eine Lösung geben, wenn die<lb break="no"/>se Betriebe nicht allzu weit von Wien entfernt sind oder dann, wie<lb/>
das letzte Mal in Oberösterreich, mehrere zusammengefasst werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_11">Präs. <rs type="person" ref="#per__116957">Menardi</rs> von der Tiroler Handelskammer ist extra gekommen um<lb/>
mich persönlich zur 125 Jahrfeier der Handelskammer einzuladen,<lb/>
wo ich auch eine Begrüssungsadresse, wie er so schön sagte, halten<lb/>
sollte. Hier sieht man noch den ungeheuren Respekt dieser Leute vor<lb/>
dem Minister, dass er glaubt, er muss eine solche Einladung persön<lb break="no"/>lich bringen. Für mich wäre es klar gewesen, wenn er nur telefoniert<lb/>
oder mir einen Brief geschrieben hätte. Vielleicht allerdings über<lb break="no"/>schätze ich ihm auch und er wollte nur nach Wien fahren und hat<lb/>
dafür eine gute Gelegenheit gesucht. Nie werde ich den wahren<lb/>
Grund erfahren. <rs type="person" ref="#per__116957">Menardi</rs> bestätigte mir, dass jetzt auch in Innsbruck<lb/>
die Konjunktur einsetzt. Ausser der Bauindustrie meint er geht es<lb/>
doch auch sichtbar jetzt im Fremdenverkehr, aber auch in anderen<lb/>
Branchen aufwärts. Ich verkünde deshalb jetzt frech wie immer und<lb/>
optimistisch, wie es meinem Image entspricht, ich prognostiziere<lb/>
nicht mehr die Konjunktur, ich registriere sie bereits.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_12">Die neue Form der Sektionsleitersitzung war von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__131309">Bock</rs><lb/>
und den Sektionen umfangreichst vorbereitet worden. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> kritisierte<lb/>
mit Recht dann, dass wir doch wieder in das alte System zurück<lb break="no"/>verfallen. Früher haben die Sektionen halt nur mündlich berichtet,<lb/>
jetzt liefern sie einen schriftlichen umfangreichen Bericht. Ich<lb/>
erklärte anfangs sofort, dass ich wünsche, dass ich jetzt 12 Tätig<lb break="no"/>keitsberichte umfangreichster Art vorgelegt bekomme. Ich habe,<lb/>
weil ich in den Tätigkeitsberichten überhaupt keine sinnvolle<lb/>
Arbeit sehe, 1970 schon den jährlichen Tätigkeitsbericht des Handels<lb break="no"/>ministeriums abgeschafft. Auf was es wirklich ankommt, ist eine<lb/>
<pb n="28-1498" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-17_1498.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Schwerpunktdiskussion, zudem erscheint es notwendig die Quer<lb break="no"/>verbindungen und Querinformationen zwischen den Sektionen zu ver<lb break="no"/>bessern. Auf alle Fälle ist die Unterlage, die <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> vorlegte,<lb/>
bei uns sehr gut angekommen und auch glaube auch die Sektionen<lb/>
waren überrascht eine solche Zusammenstellung vorzufinden. Für<lb/>
mich ergaben sich nur für die Klausur- und Wirtschaftskonferenz einige<lb/>
neue Gesichtspunkte, die mir sehr wertvoll sind. Die Schwerpunkte<lb/>
im nächsten Jahr werden das Lehrlingsproblem, Berufsausbildungs<lb break="no"/>gesetz, die Energiesicherung, die Exportoffensive, die Integrations<lb break="no"/>bemühungen und der Fremdenverkehr sein. Aus der Rezession müssen<lb/>
wir den Mangel an Marketing, das Sortimentproblem anhand der<lb/>
Junior-Werke in der Warenpaillette nur ein Produkt regional nur<lb/>
auf Amerika konzentriert, besonders herausarbeiten. Wichtig er<lb break="no"/>scheint dann das Service für die Wirtschaftsreihenuntersuchungen<lb/>
mikroökonomischer Ergebnisse für die Betriebe usw. das Programm<lb/>
zu sein. Für das auslaufende Rohstofflenkungsgesetz glaube ich wäre<lb/>
es zweckmässig, wenn wir tatsächlich für Altpapier, Schott, Reifen,<lb/>
Öl, diese Gesetze bezüglich Lenkung, Erfassung und Verwertung<lb/>
machen würden. Im Hinblick auf die Umweltschutzproblematik wird<lb/>
sowieso früher oder später auf diesem Gebiet eine Regelung erfolgen.<lb/>
Hier müsste man der Handelskammer sagen, es ist zweckmässiger, wir<lb/>
machen ein solches Gesetz als das <choice><choice><sic>GUSCH</sic><corr>Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz</corr></choice></choice>. Dort besteht die grosse<lb/>
Gefahr für die Handelskammer, dass dann wirtschaftsfremde Lösungen<lb/>
kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_13">ANMERKUNG für ALLE: Bitte diesbezügliche Vorschläge für Klausur<lb break="no"/>tagung überlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_14">MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> und MR <rs type="person" ref="#per__113071">Brandl</rs> kamen um über die Gaspreiserhöhungsanträge<lb/>
der Gemeinde Wien zu referieren. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hatte sich vorgenommen, der<lb/>
Gemeinde maximal 5 % zu geben und diesen Vorschlag schon vor einigen<lb/>
Tagen mir gemacht. Ich habe damals ihm erklärt, ich bin mit jeder<lb/>
Lösung einverstanden, die einvernehmlich, d.h. auch mit Zustimmung<lb/>
der Gaswerke erfolgt. Von den 9.7 % hatte mir die Arbeiterkammer mit<lb break="no"/>geteilt, hätten sie sich auf 8 % geeinigt. Jetzt erzählte <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs> als Vertreter der Arbeiterkammer einen wesentlichen<lb/>
Satz, er sprach von 1.5 % als gerechtfertigt betrachtet. Er selbst<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__113071">Brandl</rs> referieren lassen, die mir auseinandersetzen wollte,<lb/>
dass eben 5 % der richtige Erhöhungssatz wäre. Bis jetzt sind sie<lb/>
auf die Detailziffer nicht eingegangen und auch noch nicht drauf<lb break="no"/>gekommen, dass die Gemeinde Wien über die Gaswerke und Elektrizi<lb break="no"/>tätswerke hunderte Millionen für die Verkehrsbetriebe verrechnen<lb/>
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gehabt, die Ziffern zu prüfen. Sowohl die Selbstkosten von<lb/>
1 Milliarde 688 Millionen als auch die Gaspreiserhöhung von<lb/>
86.8 Millionen ist sie bereit zu akzeptieren. Die Arbeiterkammer<lb/>
hat angeblich gesagt nur 25.5 Millionen mache die Gaspreiserhöhung<lb/>
ab 1.1.76 aus. Mir gelang es dann durch entsprechende Fragen, aber<lb/>
noch viel mehr durch Erarbeitung einer Konzeption die bis jetzt<lb/>
auch die Preisbehörde immer verfolgt hat, nämlich 4 % für Risiko<lb/>
und Zinsen zu geben, das sind 67.5 Millionen plus der anerkannten<lb/>
Erdgasverteuerung von 86.8, insgesamt also die 154.3 als unbe<lb break="no"/>stritten zu sichern. Jetzt war nur die grosse Frage, ob man den<lb/>
errechneten Gewinn von 59 Millionen Schilling von <rs type="person" ref="#per__113071">Brandl</rs> gegen<lb break="no"/>über den behaupteten Verlust von 78 Millionen Schilling von den<lb/>
Gaswerken zu einer vernünftigen Regelung bringt. Nachmittags hatte<lb/>
mich bereits SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> angerufen und aufmerksam gemacht, dass<lb/>
sein Referent <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, der die Vorprüfung durchzuführen hat,<lb/>
ebenfalls preisrechtliche Bedenken wegen des Antrages der Gas<lb break="no"/>werke hat. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wollte wissen, ob ich ihm eine Weisung gebe.<lb/>
Dies verneinte ich kategorisch und meinte es müsse doch gelingen<lb/>
zu einer einvernehmlichen Regelung zu kommen, wo auch unsere Beamten<lb/>
zustimmen können, ohne dass das Handelsministerium das Gesicht<lb/>
verliert und bei anderen Preisverhandlungen einen anderen Mass<lb break="no"/>stab setzt als bei der Gemeinde Wien. Überrascht war ich, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113071">Brandl</rs>, die gar nicht die Vorbesprechungen führte, allein er<lb break="no"/>schienen ist. Ich fragte deshalb, ob man <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> eingeladen hat,<lb/>
was verneint wurde. Damit hatte ich einen guten Grund zu erklären,<lb/>
ich müsste natürlich die mit der Vorprüfung beauftragte und zu<lb break="no"/>ständige Sektion hören und unterbrach die Sitzung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band28_1975-12-17_15">Ich verständigte spät abends dann noch <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> und ersuchte<lb/>
ihn, mit <rs type="person" ref="#per__97772">Nekula</rs> und der Arbeiterkammer und allen die dieses<lb/>
Kompromiss von 8 % ausgearbeitet hatten, zu klären, wie es weiter<lb break="no"/>gehen soll. Richtig ist, dass im Jahre 1976 eine Personalkosten<lb break="no"/>erhöhung von 35 Millionen erwartet wird und dass weiterhin für die<lb/>
Rohrinstandhaltung nicht 81.6 Millionen wie heuer, sondern<lb/>
104.8 Millionen notwendig sind. Schon allein diese beiden<lb/>
Posten berücksichtigt geben anstelle der 5.5 % Erhöhung ein 1/10 %.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> war über das Verhalten der Arbeiterkammer sehr erstaunt<lb/>
und wird unverzüglich klären wie es jetzt weitergehen soll. Ich<lb/>
persönlich sehe die einzige Möglichkeit darin, dass man gewisse<lb/>
Kostensteigerungen, die garantiert im Jahre 1976, womöglich gleich<lb/>
<pb n="28-1500" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band28/28_1975-12-17_1500.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in den ersten Monaten eintreten wie Rohrinstandhaltung und Per<lb break="no"/>sonalkostensteigerungen, doch zum Teil, wenn nicht vielleicht sogar<lb/>
ganz berücksichtigt. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> nämlich hatte die Idee jetzt 5 % zu geben<lb/>
dann zu überprüfen und gegebenenfalls eine neuerliche Preiser<lb break="no"/>höhung dann durchzuführen. Diesen Weg haben ich kategorisch abge<lb break="no"/>lehnt, weil es gar nicht infrage kommt, dass man bei der Gaspreis<lb break="no"/>erhöhung in Etappen vorgeht. Hier gibt es nur die einzige Möglichkeit<lb/>
mit 1. Jänner eine einvernehmlich festgelegte Erhöhung einmalig fest<lb break="no"/>zusetzen. Wie wichtig eine verständnisvolle Sektionsleitung ist,<lb/>
zeigte sich bei diesem Beispiel neuerdings. Da die 86.8 Gaspreis<lb break="no"/>erhöhung nicht im einzelnen nachgewiesen wurden, wohl aber durch<lb/>
die Speicherkosten und sonstige Fixkosten anzunehmen ist, dass<lb/>
sicherlich die Arbeiterkammer mit 25.5 Millionen darunter liegt,<lb/>
schlug ich vor, man sollte als Lösung die 86.8, wie <rs type="person" ref="#per__113071">Brandl</rs> vor<lb break="no"/>schlägt, zwar berücksichtigen, aber nicht anerkennen. Dies lehnte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sofort mit Recht ab, weil er darauf hinwies, dass wir was<lb/>
wir nicht anerkennen auch nicht im Bescheid als Grundlage nehmen<lb/>
können. Er schlug vor, dass 86.8 Millionen glaubhaft sind, aber<lb/>
nicht bewiesen. Für die Gemeinde Wien ergibt eben die ganze<lb/>
Finanzgestion und ganz besonders die der Stadtwerke ein fast<lb/>
unlösbares Problem. Die Investitionen müssen fortgesetzt werden,<lb/>
das Defizit der Strassenbahn lastet wie ein Bleigewicht auf <choice><choice><sic>alle</sic><corr>allem? allen?</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.12.1975</head>
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